– 1 –
Bemerkungen
I.


 
  
10
 
1. 18
      Wenn ich jemandem einen Befehl gebe, so ist es mir ganz gen genug, ihm Zeichen zu geben. Und ich würde nie sagen: Das sind ja nur Worte, und ich muß hinter die Worte dringen. Ebenso, wenn ich jemand etwas gefragt habe // hätte // und er gibt mir eine Antwort (also ein Zeichen), bin ich zufrieden – das war es, was ich erwartete – und wende nicht ein: Das ist ja eine bloße Antwort.

12, 17
 
  
10
 
2.
19
      Wenn man aber sagt: “Wie soll ich wissen, was er meint, ich sehe ja nur seine Zeichen”, so sage ich: “Wie soll er wissen, was er meint, er hat ja auch nur seine Zeichen”.

 
  
11
 
3.
23
      “Du hast mit der Hand eine Bewegung gemacht; hast du etwas damit gemeint? – Ich dachte, du meintest, ich solle zu dir kommen.”
      Also er konnte etwas meinen, oder auch nichts meinen. Und wenn das erstere: dann eben seine Handbewegung, – oder etwas Anderes? Hat er mit seinem Ausdruck etwas Anderes, als diesen, gemeint?, ? oder hat er nur seinen Ausdruck, – gemeint?

 
  
11
 
4.
24
      Könnte man auch antworten: “Ich habe etwas mit dieser Bewegung gemeint, was ich nur durch diese Bewegung ausdrücken kann”? (Musik, musikalischer Gedanke.) Man lernt die Bedeutung eines Zeichens nicht nur durch Übersetzung; sondern auch, indem man sein Eingreifen in das Leben verstehen lernt. Cf.113/406

(24
 
   
5.
      Ein Satz sei mir in einer Chiffer gegeben und auch ihr Schlüssel; dann ist mir natürlich in einer Beziehung alles zum Verständnis des Satzes gegeben. Und doch würde ich auf die Frage “Verstehst du diesen Satz?” antworten: Nein, noch nicht; ich muß ihn erst entziffern. Und erst, wenn ich ihn, z.B., ins Deutsche übertragen hätte, würde ich sagen “Jetzt verstehe ich ihn”.
      Wenn man nun die Frage stellt:t “In welchem Moment der Übertragung verstehe ich nun den Satz?”, würde man einen Einblick in das Wesen dessen erhalten was wir “verstehen” nennen.
– 2 –


 
   
6.
      Ich sage einen Satz: “Ich sehe einen schwarzen Kreis”; aber auf die besondern Worte kommt es doch nicht an – // aber die Worte sind doch willkürliche Zeichen – // setzen wir also statt ihrer an ihrer Statt diese: “a b c d e”. Aber nun kann ich, wenn ich dies lese, mit ihm nicht ohne Weiteres den obigen Sinn verbinden. – Ich bin nicht gewöhnt, könnte ich sagen, statt “ich” “a” und statt “sehe” “b” zu
sagen
setzen
etc.. Aber damit meine ich nicht, ich sei nicht gewöhnt, mit “a” sofort das Wort “ich” zu assoziieren, sondern ich bin nicht gewöhnt, “a” an der Stelle von “ich” zu gebrauchen – in der Bedeutung von “ich”.

 
  
10˙1
 
7.
20
      “Ich sage das nicht nur, ich meine auch etwas damit.” – Wenn man sich überlegt, was dabei in uns vorgeht, wenn wir Worte meinen (und nicht nur sagen), so ist es uns, als wäre dann etwas mit diesen Worten gekuppelt, während sie sonst leerliefen. – Als ob sie gleichsam in uns eingriffen.

(6, 41x 54x 24x 10 11 45 25
 
  
10˙1
 
8.
21
      Der Satz, wenn ich ihn verstehe, bekommt für mich Tiefe, – eine neue Dimension // eine weitere Dimension // .

 
  
10˙2
 
9.
55
      “Nachdem er das gesagt hatte, verließ er sie wie am vorigen Tage.” – Verstehe ich diesen Satz? Verstehe ich ihn ebenso, wie ich es täte, wenn ich ihn im Laufe einer Erzählung läse? Steht er isoliert da, so würde ich sagen, ich weiß nicht, wovon er handelt. Ich wüßte aber doch, wie man diesen Satz etwa gebrauchen könnte; ich könnte selbst einen Zusammenhang für ihn erfinden.

(24
 
  
24
 
10.
54
      Was heißt es, ein Bild, eine Zeichnung zu verstehen? Aauch da gibt es Verstehen und Nichtverstehen. Und auch da können diese Ausdrücke verschiedenerlei bedeuten. Das Bild soll ein Stilleben sein; einen Teil davon aber verstehe ich nicht: ich bin nicht fähig, dort Körper zu sehen, sondern sehe nur Farbflecke auf der Leinwand. – Oder ich sehe
– 3 –
alles körperlich, aber es sind Gegenstände, die ich nicht kenne (sie schauen etwa aus wie Geräte, aber ich kenne ihren Gebrauch nicht.). – Vielleicht aber kenne ich die Gegenstände, verstehe aber – in anderem Sinne – ihre Anordnung nicht.

 
  
24
 
11.
32
      Chinesische Gebärden verstehen wir so wenig, wie chinesische Sätze.

 
   
12.
      “Ich sage das nicht nur, ich meine etwas damit.” – Soll man darauf fragen “Was?” ‒ ‒ ‒ dann kommt wieder ein Satz zur Antwort. – Oder kann man nicht so fragen, da der Satz etwa sagte “Ich sage das nicht nur, sondern es bewegt mich auch.”

 
  
34
 
13.
110
      (Was heißt das:) “Meine Tränen, mein Gesicht, meine Worte, können dir nie mitteilen, wie traurig ich bin”? Was heißt es: ‘das mitteilen’? – “Worte sind eben nur Worte, sie können einen Gedanken nicht mitteilen.”
      Man kann den Geschmack einer Speise durch Worte mitteilen, aber auch dadurch daß man dem Andern von ihr zu kosten gibt. Man könnte es nennen “Mitteilen, was ich fühle fühle”, wenn man dem Andern einen Zahn ausschlägt. Ist es nun richtig zu sagen: “Nur so kann ich ihm mitteilen, welchen Schmerz ich fühle; nicht durch Worte.” Was ist das Kriterium dafür, daß es eine
eigentliche
rechte
Mitteilung war?

 
   
14.
      Ich verstehe dieses Bild genau, ich könnte es plastisch darstellen // in Ton modellieren // . – Ich verstehe diese Beschreibung genau, ich könnte eine Zeichnung da nach ihr machen // anfertigen // .
      Man könnte in vielen Fällen als Kriterium des Verstehens festsetzen, daß man den Sinn des Satzes muß zeich-
– 4 –
nerisch darstellen können. (Ich denke etwa an einen offiziell festgelegten Test des Verstehens.) Wie wird man // jemand // im Kartenlesen geprüft, im Verstehen eines Landkarte?

 
   
15.
      Daraus folgt nicht, daß Verstehen die Tätigkeit ist, durch die wir unser Verständnis zeigen // erweisen // . Die Frage, ob es diese Tätigkeit ist, ist irreführend // irreleitend // . Sie
soll
darf
nicht so aufgefaßt werden: “Ist also das Verstehen diese Tätigkeit – ist es nicht d doch eine andere?” – Sondern so: “Wird ‘Verstehen’ zur Bezeichnung dieser Tätigkeit gebraucht – wird es nicht anders gebraucht?”

 
  
23
 
16.
33
      Es ist sonderbar: Unser Verstehen einer Geste möchten wir durch ihre Übersetzung in Worte erklären, und das Verstehen von Worten durch eine Übersetzung in Gesten // Übersetzung in eine Geste // . (So werden wir hin und her geworfen, wenn wir suchen wollen, wo das Verstehen eigentlich liegt.)1
      Und wirklich werden wir Worte durch eine Geste, und eine Geste durch Worte erklären.

(23˙1
 
  
23
 
17.
103
      Muß ich einen Befehl verstehen, ehe ich nach ihm handeln kann? – Gewiß! sonst wüßtest du ja nicht, was du zu tun hast. – Aber vom Wissen zum Tun ist ja wieder ein Sprung! –

23˙1
 
  
﹖23
 
18.
104
      Der Satz “Ich muß den Befehl verstehen, ehe ich nach ihm handeln kann” hat natürlich einen guten Sinn; aber wieder einen keinen metalogischen.

23˙1
 
  
﹖23
 
19.
107
      Die Idee, die man dabei vom Verstehen hat, ist etwa, daß man dadurch von den Worten näher an die Ausführung
– 5 –
heran kommt. – In welchem Sinne ist das richtig?

 
  
23
 
20.
106
      “Aber ich muß einen Befehl verstehen, um nach ihm handeln zu können.” Hier ist das “Muß” verdächtig. –
      Denk auch an die Frage: “Wie lange vor dem Befolgen mußt du den Befehl verstehen?”

(23˙1)
 
  
23
 
21.
187
      “Zwischen dem Befehl und der Ausführung ist eine Kluft. Sie muß durch das Verstehen geschlossen werden.”
      “Erst im Verstehen heißt es, das wir das zu tun haben. Der Befehl: das sind ja nur Laute, Tintenstriche. –”

(33, 61, 63
 
   
22.
      Eine Deutung ist doch etwas, was im Zeichen gegeben wird. Es ist diese Deutung, im Gegensatz zu einer anderen (die anders lautet). – Wenn man also sagen wollte “Jeder Satz bedarf noch einer Deutung”, so hieße das: kein Satz kann ohne einen Zusatz verstanden werden.

 
  
23
 
23.
100
      “Ich kann den Befehl nicht ausführen, weil ich nicht verstehe, was du meinst. ‒ ‒ ‒ Ja, jetzt verstehe ich dich.” – Was ging da vor, als ich plötzlich den Andern verstand? Da gab es viele Möglichkeiten. Der Befehl konnte, z.B., mit falscher Betonung gegeben worden sein; und es fiel mir plötzlich die richtige Betonung ein. Einem Dritten würde ich dann sagen “Jetzt verstehe ich ihn, er meint … ” und würde den Befehl in richtiger Betonung wiederholen. Und in der richtigen Betonung verstünde ich ihn nun; d.h., ich müßte nun nicht noch einen Sinn erfassen (etwas außerhalb des Satzes, also aetherisches), sondern es genügt mir vollkommen der wohlbekannte deutsche Wortlaut. – Oder, der Befehl ist mir
– 6 –
in verstlixem verständlichem Deutsch gegeben worden, schien mir aber ungereimt;. [d|D]ann fällt mir eine Erklärung ein; und nun kann ich ihn ausführen. – Oder es konnten mir mehrere Deutungen vorschweben, für deren eine ich mich endlich entscheide.

10
 
   
24.
      Was heißt es: verstehen, daß etwas ein Befehl ist, wenn man auch den Befehl selber noch nicht versteht? (“Er meint: ich soll etwas tun – aber was er wünscht, weiß ich nicht.”)

 
  
23
 
25.
102
      Der Zerstreute, der auf den Befehl “Rechtsum!” sich nach links dreht, und nun, an die Stirn greifend, sagt “ach so – rechtsum!” und rechtsum macht. – Ist ihm eine Deutung eingefallen?

(23˙1
 
  
23[11/3]
 
26.
101
      Ich deute die Worte; wohl – aber . Wohl – aber … deute ich auch die Mienen? Deute ich einen Gesichtsausdruck als drohend, oder freundlich? – Es kann geschehen.
      Wenn ich nun sagte: “Es ist nicht genug, daß ich das drohende Gesicht wahrnehme, sondern ich muß es erst deuten.” – Es zückt jemand das Messer auf mich, und ich sage: “Ich fasse das als eine Drohung auf.”

 
  
23˙1
 
27.
480
      Kann man jemand befehlen, einen Satz zu verstehen? Warum kann man Einem nicht befehlen: “Versteh das!”? Könnte ich nicht den Befehl “Versteh diesen griechischen Satz!” dadurch befolgen, daß ich Griechisch lernte? – Ähnlich: Man kann sagen “Rufe dir Schmerzen hervor!”, aber nicht “Habe Schmerzen!”. Cf 173/646

 
   
28.
      Der Satz: “Es dürfte jetzt 3 Uhr sein”. Seelische Begleiterscheinungen.
– 7 –


 
   
29.
      “Ich sehe zwar hier nichts Violettes, aber wenn du mir einen Farbkasten gibst, so kann ich's dir darin zeigen.” Wie kann man wissen, daß man es zeigen kann, wenn … – daß man es also erkennen kann, wenn man es sieht?
      Wie weiß ich, wie die Farbe wirklich ausschaut von meiner Vorstellung her, wie die Farbe wirklich ausschaut?
      Wie weiß ich, daß ich etwas werde tun können? d.h. daß der Zustand, in welchem ich jetzt bin, der ist: jenes tun zu können?

 
  
№ 296˙1 61
 
30.
184
      “Die Vorstellung muß mehr ein ihrem Gegenstand ähnlicher sein als jedes Bild: Denn, wie ähnlich ich auch das Bild dem mache, was es darstellen soll, es kann immer noch das Bild von etwas anderem sein. Aber die Vorstellung hat es in in sich, daß sie die Vorstellung von diesem, und von nichts anderem ist.” Man könnte so dahinkommen, die Vorstellung als ein Über-Bildnis anzusehen zu sehen.

 
   
31.
      Wie ist es, wenn ich jemand den Befehl gebe “Stell dir einen roten Kreis vor!” – und nun sage: den Befehl verstehen, heiße, wissen, wie es ist, wenn er ausgeführt i ist; oder gar: sich vorstellen können, wie es ist, wenn …?

 
   
32.
      Angenommen, ich wollte auf einmal alle Wörter meiner Sprache durch andere ersetzen; wie könnte ich wissen, an welcher Stelle eines der neuen Wörter steht? Sind es die Vorstellungen, die die Plätze der Wörter halten?

 
  
25
 
33.
87
      Ich bin geneigt zu sagen: Ich ‘zeige’ in verschiedenem Sinne auf diesen Körper, auf
– 8 –
seine Gestalt, auf seine Farbe, etc..– Was heißt das? ⌊⌊Es scheint zu heißen daß beim Zeigen doch etwas anderes vorgeht, oder hinter dem Zeigen.⌋⌋
      Was heißt es: Ich ‘höre’ in anderem Sinne: das Klavier, seinen Klang, das Musikstück, den Klavierspieler, seine Geläufigkeit? ⌊⌊Es heißt nur daß einer dieser Ausdrücke versteht durch seine Verschwägerung mit einem andern erklärt werden kann.⌋⌋ Ich ‘heirate’, eine Frau in einem andern Sinne, eine Frau, in einem andern, ihr Geld.

25, 6, 12
 
  
6˙1
 
34.
17
      “Ist die Bedeutung, das Verstehen des Wortes in der Erklärung der Bedeutung niedergelegt; oder nur durch sie bewirkt, wie die Krankheit durch das ein Gift? Wie wirkt die Erklärung das Verstehen?” – Wie wirkt die Erklärung? D.h.: was bewirkt sie; und wie wendet man sie an? (Nicht alles, was das Verstehen bewirkt, heißt “Erklärung”.)

(5, 6, 7
 
   
35.
      “Die Bedeutung des Wortes ist das, was die Erklärung der Bedeutung erklärt.” D.h.: willst du den Gebrauch des Worts “Bedeutung” verstehen, so sieh vor allem, was man “Erklärung der Bedeutung” nennt.

 
   
36.
      Wie geht es vor sich: die Worte “Das ist blau” einmal als Aussage über den Gegenstand, auf den man zeigt – einmal als Erklärung des Wortes “blau” meinen? Im zweiten Falle meint man also eigentlich “Das heißt ‘blau’”. – Kann man also das Wort “ist” einmal als “heißt” meinen, und das Wort “blau” als “‘blau’”? und ein andermal das “ist” wirklich als “ist”?
      Es kann auch geschehen, daß jemand aus dem, was als Mitteilung gemeint war, eine Worterklärung zieht.

 
  
7
 
37.
105
      Misverständnis – Unverständnis. Verständnis wird durch Erklärung bewirkt; aber auch durch Abrichtung.
 
  
17
 
37˙
Warum kann man einer Katze nicht das Apportieren beibringen? Versteht sie nicht, was man will? Und worin be-
– 9 –
steht hier Verstehen und Unverständnis?

 
  
10˙2
 
38.
328
      Wie soll er wissen, welche Farbe er zu wählen hat, wenn er “rot” hört? – Sehr einfach: er soll die Farbe nehmen, deren Bild ihm beim Hören des Wortes einfällt. – Aber wie soll er wissen, welche Farbe das ist, ‘deren Bild ihm einfällt’? Braucht es dafür ein weiteres Kriterium? (Es gibt allerdings einen Vorgang: die Farbe wählen, welche einem beim Wort … einfällt.)
      “‘Rot’ bedeutet die Farbe, die mir beim Hören des Wortes ‘rot’ einfällt” wäre eine Definition. – Keine Erklärung des Wesens des Bedeutens eines Wortes. //Keine Erklärung
      (Bezieht sich auf das, was Frege, und gelegentlich Ramsey, vom Wiedererkennen als einer Bedingung des Symbolisierens sagten. Was ist das [L|K]riterium dafür, daß ich die Farbe richtig wiedererkannt habe? Etwa so etwas wie das Erlebnis der Freude beim Wiedererkennen?)

7, 6˙1, 31
 
  
﹖ 10˙2
 
39.
329
      Die psychologischen – trivialen – Erörterungen über Erwartung, Assoziation, u.s.w., lassen immer das eigentlich Merkwürdige aus, und man merkt ihnen an, daß sie herumreden, ohne den springenden Punkt zu berühren.

7, 6˙1
 
   
40.
      “Warum verlangst du Erklärungen? Wenn diese gegeben sein werden, wirst du ja doch wieder vor einem Ende stehen. Sie können dich nicht weiterführen, als du jetzt bist”.

 
  
17
 
41.
163
      Man kann einen roten Gegenstand als Muster für das Malen eines rötlichen Weiß, oder eines rötlichen Gelb (etc.) verwenden – aber kann man es auch als Muster für das Malen eines blaugrünen Farbtones, z.B.,
– 10 –
verwenden? – Wie, wenn ich jemand, mit allen äußern Zeichen des genauen Kopierens, einen roten Fleck [v|b]laugrün ‘wiedergeben’ sähe? – Ich würde sagen “Ich weiß nicht, wie er es macht!” Oder auch “Ich weiß nicht, was er macht”. – Aber angenommen, er ‘kopierte’ nun diesen Ton von Rot bei verschiedenen Gelegenheiten in Blaugrün, und etwa andere Töne von Rot regelmäßig in andern Bl blaugrünen Tönen – soll ich nun sagen, er kopiere, oder er kopiere nicht?
      Was heißt es aber, daß ich nicht weiß, ‘was er macht’? Sehe ich denn nicht, was er macht? – Aber ich sehe nicht in ihn xhinein. – Nur dieses Gleichnis nicht! Wenn ich ihn Rot in Rot kopieren sehe, – was ich weiß ich denn da? Weiß ich, wie ich es mache? Freilich, man sagt: ich male eben die gleiche Farbe. – Aber wie, wenn er sagt “Und ich male die Quint zu dieser Farbe”? Sehe ich einen besonderen Vorgang der Vermittlung, wenn ich die ‘gleiche’ Farbe male?
      Nimm an, ich kenne diesen Menschen ihn als einen ehrlichen Menschen; er gibt, wie ich es beschrieben habe, ein Rot durch ein Blaugrün wieder – aber nun nicht den gleichen Ton immer durch den gleichen, sondern einmal durch einen, einmal durch einen andern Ton. – Soll ich sagen “Ich weiß nicht was er macht”? – Er macht, was ich sehe – aber ich würde es nie tun; ich weiß nicht, warum er es tut; seine Handlungsweise ‘ist mir unverständlich’.

(2˙1
 
  
17
 
42.
164
      “Wie kann es denn Sinn haben, von einer mir ganz neuen Art der Sinneswahrnehmung zu reden, die ich vielleicht einmal haben werde? Wenn du nicht etwa vom Sinnesorgan reden willst.” Ich h Ramsey pflegte auf solche Fragen zu antworten: es sei eben doch möglich, so etwas zu denken. So wie man etwa, wie man sagt “Die Tech-
– 11 –
lnik leistet heute eben Dinge, die du dir gar nicht vorstellen kannst.” ‒ ‒ ‒ Nun, da muß man herausfinden, was du dabei denkst. (Daß du man uns versicherst, diese Fra Phrase ließe sich denken – was|kann ich damit machen? Darauf kommt es ja nicht an. Ihr Zweck ist ja nicht, der, Nebel in
seiner
deiner
Seele aufsteigen zu lassen.) Was du meinst – wie ist es herauszufinden? Wir müssen geduldig prüfen, wie dieser Satz angewandt werden soll. Wie rund um ihn alles aussieht. Da wird sich sein Sinn zeigen.

42
 
    
   
44.
      “Du hast einen falschen Begriff. – Aber aufklären läßt sich die Sache nicht dadurch, daß ich gegen deine Worte wettere; sondern nur dadurch, daß ich versuche, deine Aufmerksamkeit von gewissen Ausdrücken, Illustrationen, Vorstellungen, weg, und auf die Verwendung der Wörter hin zu lenken.”

 
  
42
 
45.
363
      Hardy: “That ‘the finite cannot understand the infinite’ should surely be a theological and not a mathematical war-cry.” Es ist wahr, dieser Ausdruck ist ungeschischickt. Aber was
man
Leute
damit sagen
will
wollen
ist: “Es muß hier doch mit rechten Dingen zugehen! Woher dieser Sprung vom Endlichen zum Unendlichen?” Und so ganz unsinnig ist die Ausdrucksweise auch nicht – nur ist das
– 12 –
‘Endliche’, was das Unendliche nicht soll denken können, nicht ‘der Mensch’ oder ‘unser Verstand’, sondern der Kalkül. Und was dieser das ‘Unendliche’ denkt, dies ist wohl einer Untersuchung wert. Und diese Untersuchung die ist zu vergleichen der genauen Untersuchung und Klärung der Geschäftsgebarung eines Unternehmens durch einen chartered Accountant. Das Ziel ist eine übersichtliche vergleichende Darstellung aller Anwendungen, Illustrationen, Auffassungen, des Kalküls. Die vollkommene Übersicht über alles, was Unklarheit schaffen kann. Und diese Übersicht muß sich auf ein weites Gebier erstrecken, denn die Wurzeln unserer Ideen reichen weit. – “Das Endliche kann nicht das Unendliche verstehen” heißt hier: So kann es nicht zugehen, wie ihr es, in charakteristischer Oberflächlichkeit, darstellt.
      Der Gedanke kann gleichsam fliegen, er braucht nicht zu gehen. Du verstehst, d.h. übersiehst, deine Transaktionen nicht, und projizierst, quasi, dein Unverständnis in die Idee eines Mediums, in dem das Erstaunlichste möglich ist.

 
  
№ 134
29
 
46. 53
      Denke dir diese Sprache: Wörter und Grammatik sind die des Deutschen, aber die Wörter im Satz stehen in der entgegengesetzten Reihenfolge. Ein Satz dieser Sprache klingt also wie ein deutscher Satz, den man vom Schlußpunkt zum Anfang hin ließt. Die Ausdrucksmöglichkeiten haben also die gleiche Mannigfaltigkeit, wie im Deutschen. Aber was wir als Satzklang kennen, ist gänzlich vernichtet.

 
  
14
 
47.
114
      Betrachte diese Ausdrucksform: “Mein Buch hat soviel Seiten, wie die Gleichung x3 + 2x ‒ 3 = 0 ergibt.” Oder: “Die Zahl meiner Freunde ist n und n2 + 2n + 2 = 0.”
– 13 –
Hat dieser Satz Sinn? Es ist ihm unmittelbar nicht anzukennen. Man sieht an diesem Beispiel, wie es
zugehen kann
zugeht
, daß etwas
aussieht
aussehen kann
wie ein Satz, den wir verstehen //
daß etwas wie ein Satz aussieht, den wir verstehen // , was doch keinen Sinn ergibt.
      (Dies wirft ein Licht darauf, was es heißt, einen Satz verstehen oder meinen.)

28, 25
 
   
48.
      Wie mach ich's denn, um ein Wort immer richtig, d.h., sinnvoll anzuwenden; [S|s]chau ich immer in der Grammatik nach? Nein: daß ich etwas meine – was ich meine, hindert mich, Unsinn zu sagen.” – “Ich meine etwas mit den Worten” heißt hier: Ich weiß, daß ich sie anwenden kann.
      Ich kann aber glauben, sie anwenden zu können, und es zeigt sich, daß ich im Irrtum war.

 
   
49.
      Was heißt es denn: “entdecken, daß ein Satz keinen Sinn hat”?
      Und was heißt das: “wenn ich etwas damit meine, muß es doch Sinn haben”?
      Das erste heißt doch: sich durch die Erscheinung eines Satzes nicht irren lassen und seine Anwendung im Sprachspiel untersuchen.
      Und “wenn ich etwas damit meine” – heißt das etwas Ähnliches wie: “wenn ich mir etwas dabei vorstellen vorstellen kann”? – Von der Vorstellung führt oft ein Weg zur weiteren Verwendung.

 
  
61
 
50.
214
      “Eine Erwartung ist so gemacht, daß, was immer kommt, mit ihr übereinstimmen muß oder nicht.”
– 14 –


 
  
63
 
51.
186
      “Lege einen Maßstab an diesen Körper an; er sagt nicht, daß der Körper so lang ist. Vielmehr ist er an sich – ich möchte sagen – tot, und leistet nichts von dem, was der Gedanke leistet.” – Es ist, als hätten wir uns eingebildet, das Wesentliche am lebenden Menschen sei die äußere Gestalt, und hätten nun einen Holzblock von dieser Gestalt hergestellt und sähen mit Beschämung den toten Klotz, der auch keine Ähnlichkeit mit einem Lebewesen hat.

 
    
  
63
 
53.
192
      Mein Gedanke ist hier: Wenn Einer die Erwartung selbst sehen könnte – er müßte sehen, was erwartet wird. (So aber, daß es nicht noch einer Projektionsmethode, Vergleichsmethode, bedürfte, um von dem, was er sieht, zu der Tatsache zu kommen, die erwartet wird.)
      Aber so ist es ja auch: Wer den Ausdruck der Erwartung sieht, sieht ‘was erwartet wird’.

(65
 
   
54.
      Wenn man es für selbstverständlich hält, daß der Mensch sich an seiner Phantasie vergnügt, so bedenke man, daß die Phantasie nicht einem gemalten Bild, einer Plastik, oder einem Film entspricht, sondern einem komplexen Gebilde aus heterogenen Bestandteilen – Zeichen und Bildern.

 
  
63
 
55.
201
      Erkläre Einem, die Zeigerstellung, die du aufgezeichnet hast, solle ausdrücken: die Zeiger dieser Uhr
– 15 –
stünden jetzt so. ‒ ‒ ‒ Die Unbeholfenheit, mit der das Zeichen, wie ein Stummer, durch allerlei suggestive Gebärden sich verständlich zu machen sucht – sie verschwindet, wenn wir erkennen, daß es aufs System ankommt, dem das Zeichen angehört.
      Man wollte sagen: nur der Gedanke kann es sagen, das Zeichen nicht.

64
 
  
33
 
56.
212
      “Der Plan ist als Plan etwas Unbefriedigtes. (Wie der Wunsch, die Erwartung, die Vermutung, u.s.f..)”
      Und hier meine ich: die Erwartung ist unbefriedigt, weil sie die Erwartung von etwas ist; der Glaube, die Meinung, unbefriedigt, weil sie die Meinung ist, daß etwas der Fall ist, etwas Wirkliches, etwas außerhalb des dem Vorgang des Meinens.

64
 
  
63
 
57.
191
      Der Wunsch scheint schon zu wissen, was ihn erfüllen wird, oder würde; der Satz, der Gedanke, was ihn wahr macht, auch wenn es gar nicht
da
wahr
ist! Woher dieses Bestimmen, dessen, was noch nicht da ist? Dieses despotische Fordern? (Vergl. ‘Härte des logischen Muß’.)

64 65
 
  
63
 
58.
199
      “Der Befehl befielt seine Befolgung”. So kennt er seine Befolgung, schon ehe sie da ist? – Aber es ist ein grammatischer Satz, und er sagt: Wenn ein Befehl lautet “Tue das und das!”, dann nennt man “das und das tun” das Befolgen dieses Befehls.

 
  
63
 
59.
200
      Wir sagen “Der Befehl befielt dies” – und tun es; aber auch: “Der Befehl befielt dies
: …” & nun erklären wir ihn.
: ich soll das und das tun.

      Wir übertragen ihn einmal in einen Satz, einmal in
– 16 –
eine
Vorführung
Demonstration
, und einmal die Tat.

65
 
    
   
61.
      Wenn der Befehl nicht befolgt wird –wo ist d dann der Schatten seiner Befolgung, den du zu sehen meintest; weil dir die Form vorschwebte: Er befielt das und das.

 
   
62.
      “Er hat das getan, was ich ihm befohlen habe.” – Warum soll man hier nicht sagen: es sei eine Identität der Handlung und der Worte?! Wozu soll ich einen Schatten zwischen die beiden stellen? Wir haben ja eine Projektionsmethode. – Nur ist es eine andere Identität: “Ich habe das getan, was er getan hat” und anderseits “Ich habe das getan, was er befohlen hat”.

 
  
16
 
63.
161
      Was bedeutet es, wenn
wir sagen
man sagt
: “Ich kann mir das Gegenteil davon nicht vorstellen”, oder: “Wie wäre es denn, wenn's anders wäre?” – z.B., wenn jemand gesagt hat, daß meine Vorstellungen privat seien, oder, daß nur ich selbst wissen kann, ob ich Schmerzen empfinde, und dergleichen.
      “Ich kann mir nicht vorstellen …” heißt hier natürlich nicht: meine Vorstellungskraft reicht nicht hin. Wir gebrauchen diese Entgegnung zur Abwehr gegen eine Aussage, die in Wirklichkeit eine grammatische ist, uns aber eine Feststellung vortäuscht, das Faktische (der Schmerzen etwa) betreffend.
      Aber warum sage ich “Ich kann mir das Gegenteil nicht vorstellen”, warum nicht “Ich kann mir, was du sagst, nicht vorstellen”?
      Ein Beispiel: “Jeder Stab hat eine Länge” – daß heißt
– 17 –
etwa: Wir nennen etwas (oder, dies) ‘die Länge eines Stabes’ (aber nichts ‘die Länge einer Kugel’). Kann ich mir nun nicht vorstellen, das ‘jeder Stab eine Länge hat’? Nun, ich stelle mir eben einen Stab vor – und das ist alles. Nur spielt dieses Bild in Verbindung mit diesem Satz eine ganz andere Rolle, als ein Bild in Verbindung mit dem Satz: “Dieser Tisch hat die gleiche Länge, wie der dort”. Denn hier versteh ich, was es heißt, sich ein Bild vom Gegenteil zu machen (und es muß kein Vorstellungsbild sein).2
      Das Bild aber zum grammatischen Satz // grammatikalischen Satz // konnte nur etwa dazu dienen, an ihm zu zeigen, was man “Länge eines Stabes” nennt. Und was sollte davon das entgegengesetzte Bild sein? (Vgl. Bemerkg. über die Verneinung eines Satzes a priori.)

 
  
18
 
64.
157
      Es scheint, als könnte man sagen: “Die Wortsprache läßt unsinnige Wortzusammenstellungen zu, die Sprache der Vorstellung aber nicht unsinnige Vorstellungen.”. – Also die Sprache der Zeichnung auch nicht unsinnige Zeichnungen? Denke, es wären Zeichnungen, nach denen Körper modelliert werden sollen. Dann haben manche Zeichnungen Sinn, manche keinen. Wie, wenn ich mir unsinnige Wortzusammenstellungen vorstelle!

19, 16
 
  
16
 
65.
162
      Wir könnten auf den Satz “Dieser Körper hat eine Ausdehnung” antworten: “Unsinn!” – neigen aber dazu, zu antworten: “Freilich!” –. Warum?

19, 45, 16
 
   
66.
      “Ich habe tatsächlich nie gesehen, daß ein schwarzer Fleck allmählich heller wird, bis er weiß ist, dann das Weiß immer rötlicher, bis er rot ist. Aber ich weiß, daß es möglich ist, weil ich es mir vorstellen kann.”
      “Ich weiß, daß es möglich ist, dieses Schloß mit dem Spre Sperrhaken aufzuschließen, weil ich solche
– 18 –
Schlösser schon so aufgesperrt habe.” – Sind diese beiden Fälle analog?

 
  
19
 
67.
155
      Wenn gesagt wird, ein Satz sei sinnlos, so ist nicht, quasi, sein Sinn sinnlos. Sondern der Satz // Sondern dieser
Ausdruck
Wortausdruck
// wird aus der Sprache ausgeschaltet schieden.

 
   
68.
      Ich versuche etwas, kann es aber nicht. – Was heißt es aber: “etwas nicht versuchen können”? ‒ ‒ ‒ “Wir können auch nicht einmal versuchen, uns ein rundes Viereck vorzustellen.”

 
  
19
 
69. 160
      Wenn man auch den Satz als Bild eines möglichen Sachverhalts auffaßt und sagt, er zeige die Möglichkeit der Tatsache // des Sachverhalts, // so kann doch der Satz bestenfalls tun, was ein gemaltes, oder ein plastisches Bild, oder ein Film tut; und er kann also jedenfalls nicht hinstellen, was nicht der Fall ist. Also hängt es ganz von unserer Grammatik ab, was (logisch) möglich genannt wird, und was nicht, – nämlich eben was sie zuläßt? Aber das ist doch willkürlich! – Ist es willkürlich? – Nicht mit jeder satzähnlichen Bildung kann ich etwas anfangen, nicht jedes Spiel ist nützlich, und wenn ich versucht bin, etwas ganz Unnützes als Satz zuzulassen, so geschieht es meistens, weil ich mir seine Anwendung nicht genügend überlegt habe. (“Unendlich lange Baumreihe” – wie|ist es zu verifizieren, daß eine solche Reihe unendlich lang ist?)

63
63, 20, 19
 
  
66
 
70.
218
      “Wenn ich sage, ich habe heute Nacht nicht geträumt, so muß ich doch wissen, wo nach dem Traum zu suchen wäre (d.h., der Satz ‘Ich habe geträumt’ darf, auf die tatsächliche Situation angewendet, falsch, aber nicht unsinnig
– 19 –
sein).”
      Heißt das also, daß du doch etwas gespürt hast, sozusagen die Andeutung eines Traums, die dir die Stelle bewußt macht, an der ein Traum gestanden wäre?
      Oder: Wenn ich sage “Ich habe keine Schmerzen im Arm”, heißt das, daß ich einen Schatten eines Schmerzgefühls habe, der gleichsam die Stelle andeutet, in die der Schmerz eintreten würde?
      In wiefern enthält der gegenwärtige, schmerzlose Zustand die Möglichkeit der Schmerzen?
      Wenn Einer sagt “Damit das Wort ‘Schmerzen’ Bedeutung habe, ist es notwendig, daß man Schmerzen als solche erkennt, wenn sie auftreten” – so kann man antworten: “Es ist nicht notwendiger, als daß man das Fehlen der Schmerzen erkennt”.

66, 16
 
   
71.
219
      “Aber muß ich nicht wissen, wie es wäre wenn ich Schmerzen hätte?” – Man kommt nicht davon weg, daß die Benützung des Satzes darin besteht, daß man sich bei jedem Wort etwas vorstelle.
      Die Anwendung des Satzes ist nicht die, die ein solches Vorstellen fordert. Immer wieder möchte man sich den Sinn eines Satzes, also seine Verwendung, in einem solchen seelischen Zustand des Redenden oder Hörenden konzentriert denken. Man denkt nicht, daß man mit den Worten rechnet, operiert, für sie mit der Zeit in dies oder jenes Bild überführt. – Sondern ihr Sinn, d.i. aber ihr Zweck, soll in einer Art Bild liegen, das sie im Geist des Sprechers erzeugen. Es ist ganz so, als glaubte man, daß etwas die schriftliche Anweisung auf eine Kuh, die mir Einer ausfolgen soll, immer von einer Vorstellung einer Kuh begleitet sein [n| // ]werden // müsse, damit diese Anweisung
– 20 –
nicht ihren Sinn verliere.
      Wenn wir dem Arzt mitteilen, wir hätten Schmerzen – in welchen Fällen ist es nützlich, daß er sich einen Schmerz vorstelle? – Und geschieht dies nicht auf sehr mannigfache Weise? (So mannigfach, wie: sich an einen Schmerz erinnern.)

 
   
72.
220
      Man kommt nicht davon weg, daß der Sinn des Satzes den Satz begleitet; bei dem Satz steht.

65, 16, 25
 
  
40
 
73.
90
      Ist die Verneinung eines Satzes identisch mit der Disjunktion der nicht ausgeschlossenen Fälle? Sie ist es in manchen Fällen. (Z.B. in diesem: “Die Permutation der Elemente A, B, C, die er anschrieb, war nicht ACB.”)

 
  
40
 
74.
81
      Verneinen: eine ‘geistige Tätigkeit’. – Verneine etwas, und beobachte, was du tust! – Schüttelst du etwa innerlich den Kopf? Und wenn es so ist – ist dieser Vorgang nun unseres Interesses würdiger, als der etwa, ein Verneinungszeichen vor einen Satz zu schreiben? Keennst du jetzt das Wesen der Negation?

 
  
40
 
75.
79
      “Wie kann das Wort ‘nicht’ verneinen?!” – “Das Zeichen ‘nicht’ deutet an, du sollst, was darauf folgt, negativ auffassen.” Man möchte sagen: Das Zeichen der Verneinung ist nur eine Veranlassung, etwas, möglicherweise sehr Kompliziertes, zu tun. Es ist als veranlaßte uns das Zeichen der Negation zu etwas. Aber wozu? Das wird nicht gesagt. Es ist, als brauchte es nur angedeutet werden; als wüßten wir es schon. Als sei eine Erklärung unnötig, da wir die Sache ohnehin schon kennen.

 
  
40
 
76.
80
      Was ist der Unterschied zwischen den beiden Vorgängen:
– 21 –
Wünschen, daß etwas geschehe – und Wünschen, daß dasselbe nicht geschehe?
      Will man es bildlich darstellen, so wird man mit dem Bild des Ereignisses verschiedenes vornehmen: es durchstreichen, es abzäumen, und dergleichen. Aber das, kommt uns vor, ist eine rohe Methode des Ausdrucks. In der Wortsprache gar verwenden wir das Zeichen “nicht”. Dies ist wie ein ungeschickter Behelf. Man meint: im Denken geschieht es schon anders.

 
  
40
 
77.
87
      Die Negation, könnte man sagen, ist eine ausschließende, abweisende, Gebärde. Aber eine solche // Aber die // verwenden wir in gar vielerlei Fällen!

44, 6
 
  
40
 
78.
82
      “Ist es die gleiche Verneinung: ‘Eisen schmilzt nicht bei 100 Grad C’ und ‘2 mal 2 ist nicht 5’?” Soll das durch Introspektion festgestellt werden; dadurch, daß wir zusehen zu sehen trachten, was wir bei beiden Sätzen denken?

6
 
  
23˙1
 
79.
477
      Ist ‘ein Wort verstehen’ ein seelischer Zustand? Betrübnis, Aufregung, Schmerzen, nennen wir seelische Zustände. Mache diese grammatische Betrachtung: Wir sagen
“Er war den ganzen Tag betrübt”
“Er war den ganzen Tag
aufgeregt
in großer Aufregung

“Er hatte
den ganzen Tag
seit gesternc
ununterbrochen Schmerzen”. – Wir sagen auch “Ich verstehe dieses Wort seit gestern”. Aber “ununterbrochen”? – Ja, man kann von einer Unterbrechung des Verstehens reden. Aber in welchen Fällen? Vergleiche: “Wann haben deine Schmerzen nachgelassen?” und “Wann hast du aufgehört, das Wort zu verstehen?”.

10˙1, 23˙1, 10˙3
 
   
80.
      Vergleiche:
– 22 –

      “Ich habe seit gestern Schmerzen”
      “Ich habe ihn seit gestern erwartet”
      “Ich wußte seit gestern, daß er kommen wird”
      “Ich kann seit gestern integrieren”
      “Ich verstehe das Wort seit gestern”.
Unterscheide die Fälle, in denen es Sinn hat, das Wort “ununterbrochen” in den Satz ⌊⌊einzufügen, von denen in welchen dies keinen Sinn hat. Du machst damit eine grammatische Unterscheidung.⌋⌋


 
  
10˙3
 
81.
478
      Zustände: ‘Einen Berg ersteigen können’ kann man einen Zustand meines Körpers nennen. Ich sage: “Ich kann hinaufsteigen ich meine, : ich bin stark genug dazu”. Vergleiche damit diesen Zustand des Könnens: “Ja, ich kann dorthin gehen – ich meine: ich habe Zeit dazu.”

 
  
14
 
82.
113
      Muß ich wissen, ob ich ein Wort verstehe? Geschieht es nicht auch, daß ich mir einbilde, ein Wort zu verstehen (nicht anders, als eine Rechnungsart zu verstehen) und nun daraufkomme, daß ich es nicht verstanden habe? (“Ich habe geglaubt, ich weiß, was ‘relative’ und ‘absolute’ Bewegung heißt, aber ich sehe, ich weiß es nicht.”)

 
   
83.
      Denk dir dieses Spiel: Eine Liste von Wörtern verschiedener Art wird angelegt Wörtern verschiedener Sprachen und von sinnlosen Lautreihen wird mir vorgelesen. Ich soll nach jedem sagen, ob ich es verstehe, oder nicht; Auch, was beim Verstehen oder Nichtverstehen in mir vorging. – Auf das Wort “Baum” werde ich, ohne mich zu bedenken, mit “ja” antworten (ein Bild mag mir dabei vorschweben); auf eine Lautzusammenstellung, die ich noch nie gehört habe, antworte ich ebenso unbedenklich mit “Nein”. Bei Wörtern, die einen speziellen Farbton bezeichnen wird häufig ein Vorstellen der Antwort vorhergehen; bei seltenen Wörtern (“Kontinuum” etwa) ein Überlegen; bei Wörtern wie der Artikel “das” etwa ein Achselzucken; Wörter einer fremden Sprache werde ich manchmal ins Deutsche übersetzen;
– 23 –
schweben mir Bilder vor, so sind es manchmal die der Gegenstände, die von den Worten bezeichnet werden (wieder tausenderlei Fälle), manchmal andere Bilder.
      Dies Spiel könnte man doch durch eines ergänzen, in welchem ˇEiner die Namen von Tätigkeiten nennt und bei jeder fragt: “Kannst du das?” – Das Subjekt soll angeben, welche Gründe es hatte, die Frage mit “ja” oder “nein” zu beantworten.

 
  /
51˙1
/
 
84.
      “Wenn ich gefragt werde ‘Siehst du dort eine Kugel?’, ein andermal ‘Siehst du d[i|o]rt die Halbkugel?’, so kann, was ich sehe, beide Male das gleiche sein, und wenn ich antworte ‘[j|J]a’, so unterscheide ich doch zwischen den beiden Hypothesen. Wie ich im Schachspiel zwischen einem Bauer und dem König unterscheide, auch wenn der gegenwärtige Zug einer ist, den beide machen könnten, und wenn ⌊⌊⌋⌋ selbst eine Königsfigur als Bauer fungierte.” – Man ist in der Philosophie immer in Gefahr, einen Mythus des Symbolismus zu geben // zu
produzieren
erzeugen
// , oder einen der seelischen Vorgänge. : Sstatt einfach zu sagen, was Jeder weiß und zugeben muß.

51, 2˙1, 37, 49
 
   
85.
      “Solange die Temperatur des Stabes nicht unter … herabsinkt, kann man ihn schmieden”. Es hat also Sinn zu sagen: “ich kann von 5 bis 6 Uhr schm[e|i]eden”. Oder: “Ich kann von 5 bis 6 Schach spielen”, d.h. ich habe von 5 bis 6 Zeit. – “Solange mein Duld nicht unter … herabsinkt, kann ich die Rechnung ausführen.” Diese Rechnung braucht 1 1/2 Minuten; wielange braucht es aber: sie ausführen können? Und wenn du sie eine Stunde lang rechnen kannst, fängst du da immer ˇwieder von xn Frischem an?
– 24 –


 
  
10˙3
 
86.
479
      Wie, wenn man fragte: Wann kannst du Schach spielen? Immer? Oder während du einen Zug machst? Und während jedes Zuges das ganze Schach? – Und wie seltsam, daß Schachspielenkönnen so kurze Zeit braucht und eine Partie soviel [ö|l]änger. (Und nun überlege Dir den alltäglichen Gebrauch von “Warum kannst Du Schach spielen?!”)

23˙1
 
   
87.
      Wie seltsam: Es scheint, als ob zwar eine physische (mechanische) Führung versagen, [u|U]nvorhergesehenes zulassen könnte, aber eine Regel nicht! Sie wäre sozusagen die einzig verläßliche Führung. aAber worin besteht es, daß eine Führung eine Bewegung nicht zuläßt, und worin, daß eine Regel sie nicht zuläßt? – Wie weiß man das eine, und wie das andere?

 
   
88.
7
      Es stört uns gleichsam, daß der Gedanke eines Satzes in keinem Moment ganz vorhanden ist. Wir sehen ihn wie einen Gegenstand an, den wir erzeugen, und nie ganz besitzen, denn kaum entsteht ein Teil, so verschwindet der ein anderer.

 
  
24
 
89.
60
      Das Verstehen eines Satzes der Sprache ist dem Verstehen eines Themas in der Musik viel verwandter, als man etwa glaubt. Ich meine es aber so: daß das Verstehen des sprachlichen Satzes näher als man denkt dem liegt, was man gewöhnlich Verstehen des musikalischen Ausdrucks nennt. // Verstehen des Musikstücks nennt. // Warum
wünsche
will
ich
gerade diese Linie der Stärke & des Tempos?
den Wechsel der Stärke und des Tempos gerade auf diesen Rythmus bringen, warum gerade diese Linie zeichnen?
Man möch[z|t]e sagen: “weil ich weiß, was
dies
das
alles heißt”. Aber was heist es? ich wüßte es nicht zu sagen. Zur ‘Erklärung’ könnte ich es nur mit etwas anderem vergleichen, was denselben Riythdmus (ich meine, dieselbe
– 25 –
Linie) hat. (Man kann sagen: “Siehst du nicht: das ist als würde eine Schlußfolgerung gezogen”, oder: “das ist gleichsam eine Parenthese,” etc. Wie begründet man solche Vergleiche? Da gibt es sehr verschiedenartige Begründungen.)

11
 
  
﹖ 28
 
90. 93
      “Denken” nennen wir wohl manchmal, den Satz mit einem seelischen Vorgang begleiten, aber “Gedanke” nennen wir nicht jene Begleitung. ‒ ‒ ‒ Sprich einen Satz und denke ihn; sprich ihn mit Verständnis! – Und nun sprich ihn nicht, und tu nur das, womit du ihn beim [V|v]erständnisvollen Sprechen begleitet hast! – (Singe dies Lied mit Ausdruck ‒ ‒ ‒ und nun sing es nicht, aber wiederhole den Ausdruck! – Und man könnte auch hier etwas wiederholen; z.B. Schwingungen des Körpers, langsameres und schnelleres Atmen etc.)

25, 23˙1
 
  
11
 
91.
28
      “Dieser Satz hat Sinn.” – “Welchen?”
      Vergleiche damit: “Diese Wortreihe ist ein Satz.” – “Welcher?”

 
  
51˙1
 
92.
122
      “Daß drei Verneinungen wieder eine Verneinung ergeben, muß doch in der einen Verneinung, die ich jetzt gebrauche, liegen.” (Die Versuchung, einen Mythus des ‘Bedeutens’ zu erfinden.)

40
 
  
51˙1
 
93.
123
      Es hat den Anschein; als würde aus der Natur der Negation folgen, daß eine doppelte Verneinung eine Bejahung ist. (Und etwas Richtiges ist daran. Was? Unsre Natur hängt mit beiden zusammen.)

40
 
  
11
 
94.
27
      Denke dir einen Satz der Wortsprache durch Zeichen der Gebärdensprache ersetzt. Fühlen wir hier noch immer
– 26 –
dasselbe Bedürfnis nach Erklärung – wie bei den Worten?

 
  
34˙2
 
95.
330
      Wie kann man sich zur Probe, ob man das Wort “blau” versteht, ein blaues Vorstellungsbild vor die Seele rufen? Denn wie kann mir das Wort “blau” zeigen, welche Farbe aus dem Farbenkasten meiner Vorstellung ich zu wählen habe, und wie kann mir die Farbe, die sich mir darbietet, zeigen, daß sie die richtige ist?
      Wähle ich denn also eine Vorstellung, die zum Worte “blau” paßt? – Und kann nicht die unrechte Vorstellung kommen? Und wie zeigt sich das?

31, 34˙2, 10˙2
 
    
  
6
 
97.
152
      “Wenn du einmal weißt, was das Wort bezeichnet, verstehst du es, kennst seine ganze Anwendung.”

 
  
10˙1
 
98.
      Die Bedeutung eines Wortes vergessen – sich wieder an sie erinnern. Was für Vorgänge gibt es da? An was erinnert man sich, was fällt einem da ein, wenn man sich wieder daran erinnert, was das englische Wort “perhaps” bedeutet? ‒ ‒ ‒ ⌊⌊⌋⌋ Wie geht so etwas vor sich: ich sage “jetzt weiß ich zum ersten Mal, was die Worte ‘der blaue Äther’ bedeuten”?

10˙1
 
  
12
 
99.
331
      Wie kann ich es rechtfertigen, daß ich mir auf diese Worte hin diese Vorstellungen mache?
      Hat mir jemand die Vorstellung der blauen Farbe
– 27 –
gezeigt und gesagt, daß sie es sei?
      Was bedeuten ˇaber die Worte “diese Vorstel Vorstellung”? Wie zeigt man auf eine Vorstellung? Wie zeigt man zweimal auf die gleiche Vorstellung?

33
 
   
100.
[l|x]xx       (Zu Nr. 94). Ist also die Gebärdensprache keiner Erklärung fähig? – Gewiß z.B. durch die Wortsprache.

 
   
101.
      “Wie alles Metaphysische, ist die ‘Harmonie zwischen Denken und Wir[ls|kl]ichkeit’ in der Grammatik der Sprache aufzusuchen.”

 
  
61
 
102.
227
      Zweideutiger Gebrauch von “Bild”. Man will sagen: ein Befehl sei ein Bild der Handlung, die nach ihm ausgeführt wurde; aber auch, ein Bild der Handlung, die nach ihm ausgeführt werden soll.

24, 61
 
  
﹖ 61
 
103.
228
      “Verbindung des Bildes mit dem Abgebildeten” könnte man die Projektionsstrahlen nennen; aber auch die Technik des Projizierens.

61, 26˙2
 
  
62
 
104.
181
      Die Harmonie zwischen Denken & Wirklichkeit. “Die Möglichkeit der Übereinstimmung bedingt schon eine Übereinstimmung.” – Denke, jemand sagte: “Schachspielenkönnen ist eine Art des Schachspielens”!

 
  
25
 
105.
406
      Wie, wenn wir jemanden fragten: “Inwiefern sind diese Worte eine Beschreibung dessen, was du siehst? Und und er antwortet: “Ich meine das mit diesen Worten”. (Er sah etwa auf eine Landschaft.) Warum ist diese Antwort “Ich meine das … ” garkeine Antwort?
      Wie meint man, was man vor sich sieht, mit Worten?
      Denke, ich sagte “a b c d”, und meinte damit: Das
– 28 –
Wetter ist schön. Ich hätte nä hatte nämlich beim Aussprechen dieser Zeichen das Erlebnis, welches normalerweise nur der hätte, der jahraus jahrein ˇ“a” in der Bedeutung von “das”, “b” in der Bedeutung von “Wetter”, u.s.w., gebraucht
hat
hätte
. – Sagt dann “a b c d”: das Wetter ist schön? ¤


26, 25, 10˙1, 50
 
   
106.
      Kann ich denn nicht mit Worten meinen, was ich will? – Schau auf die Tür deines Zimmers, sage dabei eine Reihe beliebiger Laute, und meine damit eine Beschreibung dieser Tür! –

 
   
¤
107.
       // Denke, ich sagte “a b c d” und meine damit: das Wetter ist schön ‒ ‒ ‒ nämlich, ich habe beim Aussprechen jener Zeichen das gleiche Erlebnis, welches man sonst nur hätte, wenn man “a” jahraus jahrein in der Bedeutung von “das” gebraucht hätte, “b” in der Bedeutung von “Wetter”, u.s.w.. – Heißt nun “abcd”: das Wetter ist schön? //


 
  
26
 
108.
408
      Denke, jemand zeigte mit dem Gesichtsausdruck des Schmerzes auf seine Wange und sagte dabei “abrakadabra!” – Wir fragen “Was meinst du?” und er antwortet: “Ich meinte damit ‘Zahnschmerzen’.” – Du denkst dir sofort: wie kann man denn mit diesem Wort ‘Zahnschmerzen meinen[?| ] oder was hieß es denn: Schmerzen mit dem Wort meinen? Und doch hättest du, in anderem Zusammenhang, behauptet, daß die geistige Tätigkeit, das und das zu meinen, gerade das Wichtigste beim Gebrauch der Sprache sei.
      Aber wie, – kann ich denn nicht sagen: “Mit ‘abrakadabra’ meine ich Zahnschmerzen[?| ]? Freilich; aber das ist eine Definition; nicht eine Beschreibung dessen, was in mir beim Aussprechen des Wortes vorgeht.
– 29 –


25
 
  
25
 
109.
399
      Man könnte in Gebrauch eines Worts eine ‘Oberflächengrammatik’ von einer ‘Tiefengrammatik’ unterscheiden. Das, was sie uns an Gebrauch eines Worts unmittelbar einprägt ist seine Verwendungsweise in Satzbau, der Teil seines Gebrauches – könnte man sagen – den man mit dem Ohr erfassen kann ‒ ‒ ‒ Und nun vergleiche die Tiefengrammatik des Wortes ‘meinen’ etwa; mit dem, was seine Oberflächengrammatik uns
sollte
würde
vermuten lassen. Kein Wunder, wenn man es schwer findet, sich auszukennen.

41
 
    
   
111.
      Der Begriff des Lebewesens hat die gleiche Unbestimmtheit, wie der der Sprache.

 
  
28
 
112.
71
      “Der Zweck der Sprache ist, Gedanken auszudrücken” – So ist es wohl der Zweck jedes Satzes, einen Gedanken auszudrücken. Welchen Gedanken drückt also z.B. der Satz “Es regnet” aus? ‒ ‒ ‒

29
 
  
5
 
113.
8
      Nicht: “Ohne Sprache könnten wir uns nicht miteinander verständigen” – Wohl aber: ohne Sprache können wir Menschen nicht so und so beeinflussen, können wir nicht Straßen und Maschinen bauen, etc.. Und auch: Ohne den Gebrauch der Rede und der Schrift könnten sich Menschen nicht verständigen.

4
 
  
5
 
114.
9
      Vergleiche: Ein Spiel erfinden – eine Sprache erfinden – eine Maschine erfinden.
– 30 –


4
 
  
20
 
115.
127
      Man kann die Regeln der Grammatik “willkürlich” nennen, wenn damit gesagt sein soll, der Zweck der Grammatik sei nur der der Sprache.
      Wenn [e|E]iner sagt “Hätte unsere Sprache nicht diese Grammatik, so könnte sie diese Tatsachen nicht ausdrücken” so frage man sich, was hier das “könnte” bedeutet.

4,5
 
  
34˙1
 
116.
323
      Teile ich mir etwas mit, wenn ich, auf dieses Papier sehend, sage: “Dieses Papier ist weiß”?
      Und was heißt es eigentlich “etwas zu sich selbst sagen”? Sagt man alles zu sich selbst, was man ausspricht, wenn niemand sonst zugegen ist?

 
  
21˙1
 
117.
358
      “Ich nehme an, es schwebe ihm ein Bild vor.” – Könnte ich auch annehmen, es schwebe diesem Ofen ein Bild vor? – Und warum scheint dies unmöglich? Ist denn also die menschliche Gestalt dazu nötig? –

38, 21˙1, 33, 47
 
   
118.
359
      “Aber diese Annahme hat doch gewiß einen guten Sinn!” – Ja; diese Worte und dies Bild haben unter gewöhnlichen Umständen eine uns geläufige Anwendung. – Neh[,|m]en wir aber einen Fall an, in welchem diese Anwendung wegfällt, so werden wir uns nun gleichsam zum ersten Male // erst // der Nacktheit der Worte und des Bildes bewußt.

14˙1
 
   
119.
361
      “Aber wenn ich annehme, er habe, etwa, Schmerzen, so nehme ich einfach an, er habe dasselbe, was ich so oft gehabt habe!” – Das führt uns nicht weiter. Es ist, als sagte ich: “Du weist doch, was es heißt ‘Es ist hier fünf Uhr’ – dann weißt du auch, was es heißt, es sei auf der Sonne fünf Uhr; es heißt eben, es sei dort ebensoviel Uhr, wie hier, wenn es hier fünf Uhr ist.” Die Erklärung ˇmittels der Gleichheit funktionniert hier nicht, weil ich zwar
– 31 –
weiß, daß man fünf Uhr hier “die gleiche Zeit” nennen kann, wie fünf Uhr dort, aber eben nicht weißm, in welchem Falle man von Zeitgleichheit hier und dort spricht. Gerade so ist es keine Erklärung, zu sagen: die Annahme, er habe Schmerzen, sei eben die Annahme, er habe das Gleiche wie ich. Denn dieser Teil der Grammatik ist mir wohl klar; : daß man nämlich sagen werde, der Ofen habe das gleiche Erlebnis wie ich, wenn man sagt, er habe Schmerzen und ich habe Schmerzen.

33
 
  
47
 
120.
362
      Wir möchten doch immer segan: sagen: “Erinnerungsbild ist Erinnerungsbild! ob er es hat, oder ich es habe; und wie immer ich erfahre, ob er eines hat, oder nicht.” – Damit könnte ich mich einverstanden erklären. – Und wenn du mich fragst “Weißt du denn nicht, was ich meine, wenn ich sage, er habe ein Erinnerungsbild?” – so kann ich antworten: “Ich stelle mir bei diesen Worten wohl etwas vor ‒ ‒ ‒ aber weiter geht der Nutzen dieser Worte in diesem Falle nicht. Und ich kann mir auch etwas bei den Worten vorstellen “Es war gerade fünf Uhr Nachmittag auf der Sonne” – nämlich etwa eine Pendeluhr, die auf fünf zeigt. – Noch besser wäre vielleicht das Beispiel der Anwendung von “oben” und “unten” auf die Erdkugel. Hier haben wir alle eine ganz deutliche Vorstellung davon, was “oben” und “unten” bedeutet. Ich sehe doch, daß ich oben bin; die Erde ist doch unter mir! (Lächle ja nicht über dieses Beispiel. Es wird uns zwar schon in der Volksschule beigebracht, daß es dumm sei, so etwas zu sagen. Aber es ist eben viel leichter, ein Problem zuzuschütten, als es zu lösen.) Und erst eine Überlegung zeigt uns, daß wir das gewöhnliche Spiel mit “oben” und “unten” hier nicht spielen können, daß wir es hier umändern müssen, wenn wir diese Worte anwenden wollen. (Daß wir also z.B. von den Antipoden als
– 32 –
den Menschen ‘unter’ unserem Erdteil können, es aber nun auch für richtig anerkennen, wenn sie auf uns den gleichen Ausdruck anwenden.)

 
   
121.
360
      Hier geschieht es nun, daß uns unser Denken einen seltsamen Streich spielt. Wir wollen nämlich das Gesetz des ausgeschlossen Dritten zitieren und sagen: “Entweder es hat ihm ein solches Bild vorgeschwebt, oder nicht – ein Drittes gibt es nicht!” – Dieses seltsame Argument treffen wir auch in andern Gebieten der Philosophie. “In der unendlichen Entwicklung dieser [i|I]rrationalzahl kommen einmal fünf 7 nacheinander kommt einmal die Gruppe “77777” vor, oder nicht – ein Drittes gibt es nicht”. (Siehe Weyl). D.h. Gott sieht es – aber wir wissen es nicht. Was bedeutet denn das? – Wir gebrauchen ein Bild; das Bild einer sichtbaren Reihe, die der Eine übersieht, der Andre nicht. Der Satz vom ausgeschlossenen Dritten sagt hier: Es muß entweder so ausschaun, oder so. Er sagt also eigentlich – und das ist ja selbstverständlich – garnichts, sondern gibt uns ein Bild. [u|U]nd das Problem soll nun sein, ob die Wirklichkeit mit dem Bild übereinstimme, oder nicht. Und dies Bild scheint nun, was wir zu tun, wie und wonach wir zu suchen haben, zu bestimmen, – tut es aber nicht, weil wir eben nicht wissen, wie es zu applizieren ist. // anzuwenden ist // Wenn wir hier agen “es gibt kein Drittes”, oder “es gibt doch kein Drittes” so drückt sich darin aus, daß wir den Blick von diesem Bild nicht wenden können, das ausschaut, als müßte in ihm schon das Problem und seine Lösung liegen, während wir doch fühlen, daß es nicht der Fall ist.
      Ebenso, wenn man sagt “Entweder hat er diese Empfindung, oder er hat sie nicht!” – so schwebt uns dabei vor allem ein Bild vor, das schon den Sinn der Aussagen un-
– 33 –
missverständlich
zu bestimmen schˇeint. “Du weißt jetzt, worum es sich handelt” – möchte man sagen. Und gerade das weiß er damit noch nicht. (Überhaupt wäre der Satz vom ausgeschlossenen Dritten am ehesten so zu verwenden: Wir geben z.B. Einem eine Zeichnung und sagen “Geh dorthin und schau nach, ob es so ausschaut, oder nicht”. Der Zusatz “Ein Drittes gibt es nicht” könnte dann heißen: ich wünsche nur einen dieser die Antwort “ja” oder “nein”, und keine andere.)

14˙1
 
  
9
 
122.
315
      Wenn ich das Wort “Schmerz” ganz für das in Anspruch nähme, was ich bis dahin “meinen Schmerz” genannt habe, und was Andere “den Schmerz des L.W.” genannt haben, so geschähe den Andern damit kein Unrecht, solange nur eine Notation vorgesehen wäre, in der Ausfall des Wortes “Schmerz” in anderen Verbindungen irgendwie ersetzt wird // würde // . Die Andern werden dann dennoch bedauert, vom Arzt behandelt, etc. Es wäre natürlich auch kein Einwand gegen diese Ausdrucksweise, zu sagen: “aber die Andern haben ja genau dasselbe, was du hast!”
      Aber was hätte ich dann von dieser neuen Art des Ausdrucks? Nichts. Aber der Solipsist will ja auch keine praktischen Vorteile, wenn er seine Anschauung vertritt!

 
  
9
 
123.
307
      Ich möchte ˇbin geneigt zu sagen:
Mit den Worten
“Wenn ich sage
‘ich habe Schmerzen’, wei[ß|s]e ich nicht auf eine Person, die die Schmerzen hat, da ich in gewissem Sinne garnicht weiß, wer sie hat.” – Und daß läßt sich rechtfertigen. Denn vor allem: ich sagte ja nicht, die und die Person habe Schmerzen, sondern “ich habe …”. Nun, damit nenne ich ja keine Person. So wenig, wie, wenn ich vor Schmerzen stöhne. Obwohl der Andere aus dem Stöhnen ersieht, wer Schmerzen
– 34 –
fühlt.
      Was heißt es denn: wissen, wer Schmerzen fühlt? Es heißt, z.B., wissen, welcher Mensch in diesem Zimmer Schmerzen hat: also, der dort sitzt, oder der in dieser Ecke steht, der Lange mit den blonden Haaren dort, oder der Dicke, etc. etc..– Worauf will ich hinaus? Darauf, daß es sehr verschiedene Kriterien der ‘Identität’ der Person gibt.
      Nun, welches ist es, das mich bestimmt, zu sagen, ichich’ habe Schmerzen? Garkeins Gar keins. Denn wenn ich mich selbst nicht

 
  
9
 
124.
308
      “Aber du willst doch jedenfalls, wenn du sagst “ich habe Schmerzen”, die Aufmerksamkeit der Andern auf eine bestimmte Person [k|l]enken.” – Die Antwort könnte sein: Nein; ich will sie nur auf mich lenken. –

 
  
9
 
125.
309
      “Aber du willst doch durch die Worte ‘Ich habe …’ zwischen dir und demm Andern unterscheiden.” – Kann man das in allen Fällen sagen? auch, wenn ich bloß stöhne? Und auch wenn ich zwischen mir und dem Andern ‘unterscheiden will’, – will ich damit zwischen den Personen L.W. und N.N. unterscheiden?

 
  
14˙1
 
126.
356
      … Während wir nämlich in unzähligen Fällen uns bemühen, ein Bild zu finden, und ist dieses gefunden, die Anwendung sich gleichsam von selbst macht, so haben wir hier bereits ein Bild, das sich uns auf Schritt und Tritt aufdrängt, uns aber nicht aus der Schwierigkeit hilft, die nun erst anfängt.
      Frage ich z.B.: “Wie soll ich es mir vorstellen, daß dieser Mechanismus in dieses Gehäuse
– 35 –
geht?” – so kann als // zur // Antwort, etwa eine Zeichnung in verkleinertem Maßstab dienen. Man kann mir dann sagen “Siehst du, so geht er hinein”; oder vielleicht auch: “Warum wundert es dich? So, wie du es hier siehst, so geht es auch dort.” – Das letztere erklärt freilich nichts mehr, sondern fordert dich nur auf, nun die Anwendung von dem Bild, das ich dir gegeben habe, zu machen.

 
  
14˙1
 
127.
357
      Ein Bild wird heraufbeschworen, das eindeutig den Sinn zu bestimmen scheint. Die wirkliche Verwendung scheint etwas Verunrein[n|i]gtes der gegenüber, die das Bild uns zeigt. // Bild klar vorzeichnet. // Es geht hier wieder, wie in der Mengenlehre: die Ausdrucksform scheint für einen Gott zugeschnitten zu sein, der weiß, was wir nicht wissen können, er sieht die ganzen unendlichen Reihen und sieht in das Bewußtsein des Menschen hinein. Für uns freilich sind diese Ausdrucksformen quasi ein Ornat, das wir wohl anlegen, mit dem wir aber nicht viel anfangen können, da uns die reale Macht fehlt, die dieser Kleidung Sinn und Zweck geben würde.
      In der wirklichen xnwendug Verwendung der Ausdrücke machen wir gleichsam Umwege, gehen durch Nebengassen; während wir wohl die gerade breite Straße vor uns sehen, sie aber nie // aber freilich nicht // benützen können, weil sie permanent gesperrt ist.

43
 
  
9
  
    
  
9
 
130ch.
310
      Die Klage sagt nicht, wer klagt.

 
   
131.
311
      “Du zweifelst doch nicht, ob du sie, oder der Andere sie hat!” – Der Satz “Ich weiß nicht, ob ich, oder der Andere Schmerzen hat” wäre ein logisches Produkt, dessen ein Faktor “Ich weiß nicht, ob ich Schmerzen habe, oder nicht”; und dies ist kein sinnvolle[s|r] Satz.

 
  
9
 
132. 312
      Denke, mehrere Leute stehen in einem Kreis, darunter auch ich. Irgend einer von uns, einmal der, einmal jener, wird mit den Polen einer Elektrisiermaschine verbunden, ohne daß wir es sehen können. Ich trachte zu erkennen, welcher von uns jetzt gerade elektrisiert wird. Einmal sage ich: “Jetzt weiß ich, welcher es ist; ich bin's nämlich.” In diesem Sinne könnte ich auch sagen: “Jetzt weiß ich, wer die Schläge spürt; ich nämlich”. Dies wäre eine etwas seltsame Ausdrucksweise. Wenn ich die Schläge aber auch an einem Ort außerhalb meines Körpers fühlen kann, sodaß mit der Äußerung, daß ich sie fühle,
noch
auch
nicht gesagt ist, welchen Körper der Kontakt berührt, dann scheint die Ausdrucksweise “Jetzt weiß ich, wer … ” gänzlich inadäquat.

9
 
  
9
 
133.
313
      Wenn ich, als Einleitung zu einer Mitteilung sage “Ich sage dir”, teile ich ihm erst mit, wer redet? Wenn ich aber sage “Ich rede undeutlich”, so teile ich ihm mit, wer dies tut. Der Satz ist eine Behauptung, ein Ausdruck der Meinung, oder des Wissens. Die Einleitung “Ich sage dir” ist es nicht.
– 37 – 134


 
   
134.
      Das “ich habe” in “ich habe Schmerzen” ist das Charakteristikum des Empfindungssignals // der Empfindungsäußerung // . Das heißt eben: es bedeutet hier etwas anderes, als in den Behauptungen “Ich habe … ”: wo nämlich eine Beziehung einer Sache zu meinem Körper festgestellt wird. – Das Empfindungssignal nennt mich nicht; weil es auch nichts von mir, d.h. von meinem Körper, aussagt.

 
  
39
 
135.
304
      Die Äußerung der Empfindung eine Behauptung zu nennen, ist dadurch irreführend, daß mit dem Wort “Behauptung” die ‘Prüfung’, die ‘Begründung’, die ‘Bestätigung’, die ‘Entkräftung’ der Behauptung im Sprachspiel verbunden ist.

21, 39˙2, 39
 
   
136.
      Wozu dient etwa die Aussage: “Ich habe doch etwas, wenn ich Schmerzen habe”?

 
   
137.
      Statt “man kann nicht”, sage: “es gibt in diesem Spiel nicht”. Statt “man kann im Damespiel nicht rochieren” – “es gibt im Damespiel kein Rochieren”; statt “ich kann meine Empfindung nicht vorzeigen” – “es gibt in der Verwendung des Worts ‘Empfindung’ kein Vorzeigen dessen, was man hat”; statt “man kann nicht alle Kardinalzahlen aufzählen” – “es gibt hier kein Aufzählen aller Glieder”.

 
  
39˙2
 
138. 338
      Der Satz “Empfindungen sind privat” ist von der Art: Patience spielt man allein.

39˙2
 
  
9
 
139. 314
      Überlege: [w|W]ie können diese Fragen angewendet, und wie entschieden werden:
      1) “Sind diese Bücher meine Bücher?”
      2) “Ist dieser Fuß mein Fuß?”
– 38 –

      3) “Ist dieser Körper mein Körper?”
      4) “Ist diese Empfindung meine Empfindung?”
      Zu 2): Denk an Fälle, in denen mein Fuß anästhesiert, oder gelähmt ist. Unter gewissen Umständen könnte die Frage dadurch entschieden werden, daß festgestellt wird, ob ich in diesem Fuß Schmerzen empfinde.
      Zu 3): Dabei könnte man auf ein Bild im Spiegel weisen. Unter gewissen Umständen aber könnte man einen Körper betasten und die Frage stellen. Unter andern Umständen bedeutet sie das gleiche, wie: “Sieht so mein Körper aus?”
      Zu 4): Welche ist denn diese Empfindung? d.h.: wie verwendet man denn hier das hinweisende Fürwort? Doch anders, als z.B. im ersten Beispiel! Verirrungen entstehen hier wieder dadurch, daß man sich einbildet, auf eine Empfindung zu zeigen, indem man die Aufmerksamkeit auf sie richtet.

 
  
67
 
140.
542
      Es gibt nicht eine Methode der Philosophie, wohl aber gi[h|b]t es Methoden, gleichsam verschiedene Therapien.

 
  
26˙1
 
141.
419
      Denke, du habest Schmerzen und zugleich hörst du, wie nebenan Klavier gestimmt wird. Du sagst “Es wird bald aufhören”. Es ist doch wohl ein Unterschied, ob du den Schmerz meinst, oder das Klavierstimmen! – Freilich; aber worin besteht dieser Unterschied? Ich g[a|e]be zu: es wird in vielen Fällen der Meinung eine Richtung der Aufmerksamkeit entsprechen, so wie auch oft ein Blick, eine Geste, oder ein Schließen der Augen, das man ein “Nach-innen-blicken” nennen könnte.

26, 26˙1, 25, 27
 
  
26˙1
 
142.
420
      Denke, es simuliert Einer Schmerzen und sagt nun
– 39 –
“Es wird bald nachlassen” – kann man nicht von ihm sagen, er meine den Schmerz; und doch konzentriert er seine Aufmerksamkeit auf keinen Schmerz. – Und wie, wenn ich endlich sage: “Er hat schon aufgehört”?

25
 
  
26˙1
 
143.
421
      Aber kann man nicht auch so lügen, indem man sagt “Es wird bald aufhören” und den Schmerz meint, – aber auf die Frage “Was hast du gemeint?” zur Antwort gibt: “Den Lärm im Nebenzimmer”? In Fällen dieser Art sagt man etwa: “Ich wollte antworten … , habe mir's aber überlegt und geantwortet …”.

25
 
  
26˙1
 
144.
422
      Man kann sich beim Sprechen auf einen Gegenstand beziehen, indem man auf ihn zeigt. Das Zeigen ist hier ein Teil des Sprachspiels. Und nun kommt es uns vor, als spreche man von einer Empfindung dadurch, daß man seine Aufmerksamkeit beim Sprechen auf sie richtet. Aber wo ist die Analogie? Sie liegt offenbar darin, daß Schauen und man durch schauen und horchen auf etwas zeigen kann.
      Aber auch auf den Gegenstand zeigen, von dem man spricht, kann ja für das Sprachspiel, für den Gedanken, unter Umständen ganz unwesentlich sein.

36, 25
 
   
145.
424
      Und auf was zeige ich denn durch die innere Tätigkeit des Horchens? Auf den Laut, der mir zu Ohren kommt, und auf die Stille, wenn ich nichts höre?
      Das Horchen sucht gleichsam einen Gehörseindruck und kann daher auf ihn nicht zeigen, sondern nur auf den Ort, wo es ihn sucht.

36, 25
 
   
146.
425
      Wenn die rezeptive Einstellung ein ‘Hinweisen’ auf
– 40 –
etwas genannt wird, – dann nicht auf das, was wir durch diese Einstellung erhalten. // dann nicht auf den Eindruck die Empfindung, die wir dadurch erhalten. //

36
 
   
147.
426
      Die geistige Einstellung ‘begleitet’ das Wort nicht in demselben Sinne, wie eine Gebärde es begleitet. (Ähnlich, wie Einer allein reisen kann, und doch von meinen Wünschen begleitet, und wie ˇein Raum leer sein kann und doch von Licht durchflossen.)

 
  
26˙3
 
148.
423
      Denk, du telephonierst jemandem und sagst ihm: “Dieser Tisch ist zu hoch” – wobei du mit dem Finger auf den Tisch zeigst ‒ ‒ ‒ welche Rolle spielt hier dies Zeigen? Kann ich sagen: ich meine den betreffenden Tisch, indem ich auf ihn zeige? Wozu dieses Zeigen, und wozu diese Worte und was sonst sie begleiten mag?

25 25˙1
 
  
36
 
149.
318
      Das innere Hinblicken auf die Empfindung – welche Verbindung soll es denn zwischen Wort und Empfindung herstellen; wozu soll denn diese Verbindung dienen? Wurde ich das gelehrt, als ich diesen Satz gebrauchen, diesen Gedanken denken lernte? (
Denken ist
Der Gedanke
ist ja etwas, was ich lernen mußte.) // was ich lernte // . // Der Gedanke ist ja eine Handlung, die ich lernte. //
      Wir lernen allerdings auch dies, unsre Aufmerksamkeit auf Dinge, und auf Empfindungen, richten. Wir lernen beobachten und die Beobachtung beschreiben. Aber wie lehrt man mich dies; wie wird in diesem Falle meine ‘innere Tätigkeit’ kontrolliert? Wonach wird beurteilt, ob ich wirklich Acht gegeben habe?

47, 25˙1
 
  
27
 
150.
393
      Sagt man z.B.: “Ich habe jetzt eigentlich nicht mei-
– 41 –
nen Schmerz gemeint, ich habe nicht genügend auf ihn Acht gegeben”? Frage ich mich etwa: “Was habe ich denn jetzt mit diesem Wort gemeint? meine Aufmerksamkeit war zwischen meinem Schmerz und dem Lärm geteilt. –”

26
 
  
27
 
151.
394
      “Sag mir, was ist in dir vorgegangen, als du die Worte …aussprachst?” – Darauf ist die Antwort nicht: “Ich habe … gemeint”!

 
   
152.
395
      Anderseits: “Als du vorhin fluchtest, hast du es wirklich gemeint?” ˇDies [H|h]eißt etwa soviel wie: “Warst du dabei wirklich ärgerlich?” – Und die Antwort kann auf Grund einer Introspektion gegeben werden und ist oft von der Art: “Ich habe es nicht sehr ernst gemeint”, “[i|I]ch habe es halb im Scherz gemeint”, etc; hier gibt es Gradunterschiede.
      Und man sagt allerdings auch: “Ich habe bei diesem Wort halb und halb an ihn gedacht”.

 
  
32
 
153.
158
      Das Vorstellungsbild ist das Bild, das beschrieben wird, wenn Einer seine Vorstellung beschreibt.

 
  
57
 
154.
321
      Freilich, wenn das Wasser im Topf kocht, so steigt der Dampf aus dem Topf und auch das Bild d[a|e]s Dampfes ˇsteigt aus dem Bild des Topfes. Aber wie, wenn man sagen wollte, im Bild des Topfes müsse auch etwas kochen?

 
  
34˙2
 
155.
332
      Wenn du sagst, er sähe ein privates Bild vor sich, das er beschreibe, so hast du immerhin eine Annahme gemacht über das, was er vor sich hat. Und das heißt, das du es näher beschreiben kannst, oder beschreibst. Gibst du zu, daß du gar keine Ahnung hast, von welcher Art, was er vor sich hat, sein könnte, – was verführt dich dann dennoch, zu sagen er habe etwas vor sich? Ist das nicht, als sagtest
– 42 –
du ich von einem: “Er hat etwas. aAber ob es Geld, oder Schulden, oder eine leere Kasse ist, weiß ich nicht.
[Beispiel vom Käfer in der Schachtel]

39˙2, 34˙2
 
  
39˙2
 
156.
377
      “Aber wenn ich mir etwas vorstelle, oder auch wirkliche Gegenstände sähe, so habe ich doch etwas, was mein Nachbar nicht hat.” – Ich verstehe dich. Du willst um dich schauen und sagen: “Nur ich habe doch dieses.” – Aber wozu diese Worte? sie taugen zu nichts. Ja, kannst du nicht auch sagen: “Es ist hier von einem ‘Sehen’ – und daher auch v[i|o]n einem ‘Haben’ – und von einem Subjekt, also auch vom Ich, nicht die Rede”? Könnte ich dich nicht fragen: Das, wovon du redest und sagst, nur du habest es – in wiefern hast du es denn? Besitzt du es? Du siehst es nicht einmal. Ja, müßtest du nicht davon sagen: [N|n]iemand habe es? Es ist ja auch klar: wenn du logisch ausschließt, daß ein Andrer etwas hat, so verliert es auch seinen Sinn, zu sagen, du habest es.
      Aber was ist dann das, wovon du redest? Ich sagte ja: ich wisse in meinem Innern, wovon du redest. Aber das hieß nicht, ich könne den Gegenstand zeigen, von dem du gesprochen hast. Aber ich weiß, wie du diesen Gegenstand aufzufassen, zu sehen, wie du ihn sozusagen durch Blick und Gesten zu bezeichnen mein[s|t]est. Ich weiß, in welcher Weise man in diesem Fall vor sich und um sich schaut, und anderes. – Ich glaube, man kann sagen: Du redest (wenn du z.B. im Zimmer sitzt) von dem ‘visuellen Zimmer’. Das, was keinen Besitzer hat, ist das ‘visuelle Zimmer’. Ich kann es so wenig besitzen, als ich darin umhergehen, oder es anschaun, oder darauf zeigen kann. Es gehört in sofern nicht mir an, als es niemand andern an[h|g]ehören kann; oder: es gehört insofern nicht mir an, als ich ja
– 43 –
darauf die gleiche Ausdrucksform verwenden will, wie auf das materielle Zimmer selbst, indem ic in dem ich sitze. Dieses kann beschrieben werden Die Beschreibung des letztern braucht keinen Besitzer zu erwähnen, ja es muß auch keinen Besitzer haben. Dann aber kann das visuelle Zimmer ˇ⌊⌊keinen Besitzer⌋⌋ haben. “Denn es hat keinen Herrn außer sich und keinen in sich” – könnte man sagen. Denk [e|d]ir ein Landschaftsbild, eine Phantasielandschaft, und in ihr ein Haus – und jemand fragte “Wem gehört das Haus?” (Es könnte übrigens die Antwort darauf sein: “Dem Bauer, der auf der Bank davor sitzt”. Aber dieser kann sein Haus dann, z.B. nicht betreten.)

41
 
    
  
8
 
158.
305
      Es ist richtig, wenn auch paradox, zu sagen: “Ich” bezeichnet keine Person. (In dem Sinne nämlich, in welchem “hier” keinen Ort bezeichnet.)

9
 
  
25
 
159.
500
      Vorsichtig, wie auf brüchigem Eis, muß man vorwärtsgehen; überall nach Verwendung fragen, nirgends dem Schein des Ausdrucks trauen. Denn jeder der geläufigen Ausdrücke legt eine andere als die tatsächliche Verwendung nahe.

27, 25, 14˙1, 43, 49, 50, 39˙1
 
  
25
 
160.
501
      Hundert irreleitende Bilder kommen hier zusammen, und das macht die Sch[i|w]ierigkeit der philosophischen Situation aus. Wohin wir treten, wankt wieder der Boden. Die ‘großen’, schwierigen Probleme der Philosophie sind es nicht etwa dadurch, daß hier ein unerhört subtiler und geheimnisvoller Sachverhalt ist, den wir erforschen sollen, sondern dadurch, daß sich an dieser Stelle eine große
Zahl
Menge
von irreführendenr Ausdrucksformen ˇsich kreuzen. // treffen // .

27, 14˙1, 39˙1
 
  
14˙1
 
161.
118
      Du denkst, du mußt d[i|o]ch einen Stoff weben: weil du vor einem (wenngleich leeren) Webstuhl sitzt und die Bewegungen des Webens machst.

 
    
  
39˙2
 
163.
382
      “Das visuelle Zimmer hat keinen Besitzer” heißt soviel als: es hat keinen Nachbar.

 
   
164.
383
      Was der, der gleichsam das ‘visuelle Zimmer’ entdeckt zu haben schien – was der gefunden hatte, war eine neue Ausdrucksform // Sprechweise // , ein neuer Vergleich; und man könnte auch sagen, eine neue Empfindung.

41 45
 
   
165.
384
      Denk dir, jemand, der auf die Sonne schaut, hätte plötzlich die Empfindung, daß nicht sie sich bewegt, – sondern wir an ihr vorüberziehen. Nun will er sagen, er habe einen neuen Bewegungszustand gesehen, in dem wir uns befinden; und denke, er zeigt nun, durch Gebärden, welche Bewegung er meint, und daß es nicht die der Sonne ist. – Wir hätten es hier mit zwei verschiedenen Anwendungen des Wortes “Bewegung” zu tun.

 
   
166.
385
      Du deutest die neue Auffassung als das Sehen eines neuen Gegenstands. Du deutest eine grammatische Bewegung, die du gemacht hast, – als quasi-physikalische Erscheinung, die du beobachtest. (Denke z.B. an die Frage “Sind Sinnesdaten der Baustoff des Universums?”)
      Aber mein Ausdruck ist nicht einwandfrei: du habest eine ‘grammatische’ Bewegung gemacht. Du hast vor allem eine neue Au[s|f]fassung gefunden. So, als hättest du eine neue Malweise erfunden; oder auch ein neues Metrum, oder eine neue Art der Gesänge. –

41 45
 
  
39˙1
 
167.
      Mann kann doch einen Spiegel besitz[t|e]n; besitzt man dann auch das Spiegelbild, das sich in ihm zeigt?

 
  
39˙3
 
168.
112 303
      “S[e|ä]tze dienen ja dazu, zu beschreiben, wie sich alles verhält”, denken wir. Der Satz als Bild. Und das ist
– 46 –
recht schön, aber es gibt doch Stilleben, Porträts, Landschaftsbilder, mythologische Darstellungen, Ornamente, Landkarten, Diagramme, etc.etc.

44, 4,
 
   
169.
      Vergleiche: Eine Scha[v|c]hpartie im Kopf spielen – Ein Fußballmatch im Kopf spielen. – Sich selbst zum Geburtstag etwas schenken – Sich selbst ein Haus abkaufen.

 
   
170.
      “Die Annahme, daß dieser Mensch – der sich ganz normal benimmt – dennoch blind ist, hat doch Sinn!” – D.h.: ‘es ist doch eine Annahme’, ‘ich kann doch so etwas wirklich annehmen’. Und das heißt: ich mache mir doch ein Bild von dem, was ich annehme. Wohl; aber geht es weiter? Wenn ich die Annahme, daß Einer blind ist, unter andern Umständen mache, bestätige ich mir doch nie, daß diese Annahme wirklich Sinn hat. Und daß ich mir dabei wirklich etwas denke, ein Bild habe, spielt dann gar keine Rolle. Dieses Bild wird erst hier wichtig, wo es sozusagen der einzige Anhaltspunkt dafür ist, daß ich wirklich eine Annahme gemacht habe. Ja es ist alles, was von einer Annahme hier noch übrig ist.

 
  
39˙2
 
171.
380
      “Nichts im Gesichtsfeld deutet darauf hin … ” (Log. Phil. Abh.) Das heißt sozusagen: Du wirst vergebens im Gesichtsraum nach dem Seher ausschauen. Er ist nirgends im Gesichtsraum zu finden. – Aber die Wahrheit ist: Du tust nur, : als suchtest du nach einer Person, nach einem Etwas, welches nicht da ist.

41
 
  
39˙2
 
172.
381
      “Im visuellen Raum gehen keine Lichtstrahlen von einem Objekt zu einem Auge.” – Wenn ich das sage, so habe ich doch förmlich ein Bild von dieser Tatsache. Und ich
– 47 –
habe ein Bild vom visuellen Raum, ein anderes vom physikalischen Raum. Die Bilder aber sind die, zweier verschiedener Räumlichkeiten. Im einen ist der leere Raum gleichsam von Konstruktionslin[e|i]en durchzogen; im andern ist er im strengen Sinne leer – gleichsam dunkel. (Und diese Worte selbst beschreiben nicht sowohl die beiden Bilder, sondern gehören selbst zu diesen Bildern.)
      Erinnere dich nun daran, daß wir in unserm Satz etwas über die ‘Natur’ des visuellen Raumes ausgesagt, – aber dadurch von dem Ausdruck “der visuelle Raum” noch keinen praktischen Gebrauch gemacht haben. Wie wollen wir den Ausdruck nun anwenden? Wohl bei der Mitteilung des subjektiven Gesichtseindrucks: z.B. in einem psychologischen Experiment. Wir sagen etwa: “In meinem visuellen Raum stehen Gegenstände in folgender Anordnung: …”
      Und statt “in meinem visuellen Raum” kann man einfach sagenim visuellen Raum” sagen, und das besitzanzeigende Fürwort durch die Praxis der Anwendung des Ausdrucks ausscheiden. Es ist leicht, sich die Regeln einer solchen Anwendung auszudenken. – Und wenn sich wem sich diese Darstellungsart (aus irgend welchen Gründen) aufdrängt, der wird geneigt sein, zu sagen: es gibt nicht ‘meinen’ und ‘seinen’ Gesichtsraum; es gibt nur den Gesichtsraum.
      Denken wir an Beschreibung eines Bildes. Es sei ein Landschaftsbild; zwei Formen der Beschreibung sind möglich. In der einen heißt es: Die Abendsonne beleuchtet die Gipfel der Berge … die Bäume werfen lange Schatten … i[n|m] See spiegeln sich die Wolken, etc.. In der andern: Die Sonne ist knapp über dem Horizont … die Gipfel der Berge sind hell … die Bäume haben lange
– 48 –
Schlagschatten … im See sieht man blauen Himmel und W[i|o]lken, etc..
      (Vielleicht wird man sagen, die erste Art der Beschreibung sei nur dort anzuwenden, wo die Lichter und Schatten, etc. wirklich im Bild motiviert seien. So ist es aber nicht. Wäre z.B. an einer Stelle des Bildes eine unmotivierte Helligkeit, so könnten wir einfach sagen “Von einer unsichtbaren Quelle fällt Licht auf …”)
      Wenn nun Einer sagte: “In dem Raum eines Bildes fällt kein Licht von einem Gegenstand auf einen andern” – was könnte er mit dieser Aussage wollen? Ist es nicht eine besondere Betrachtungsweise, die er uns vorhält? Der Satz ist zeitlos; ich will nicht sagen “Im Bildraum fällt nie Licht … ”, noch “Die Erfahrung lehrt … ”, sondern: es ist im Wesen des Bildraumes.
      Man könnte den Satz aber auch so verwenden: “Es nützt nichts, daß du die Sonne auf diesem Bild noch heller malst, die Berge werden dadurch nicht heller.”
      Die Betrachtungsweise, die uns vorgehalten wurde, ist etwa die: Auch im Bilde gibt es ein Rechts und Links, ein Vorn und Hinten, und räumliche Gegenstände; sie sind hier hell, hier dunkel; aber es gibt nicht die (uns wohlbekannten) kausalen Zusammenhänge zwischen den Helligkeiten und Dunkelheiten. – Eine Analogie wird also hervorgehoben, eine andere unterdrückt. Der Ausdruck “im Bildraum fällt kein Licht etc.” zieht uns aber in anderer Richtung, (setzt uns auf ein anderes Denkgeleise). Wir stellen uns eine physikalische Räumlichkeit vor, in der die Gegenstände eine magische Helligkeit besitzen, und nicht auf einander durch ihre Helligkeit wirken.
      Wenn Einer sagt “Im Gesichtsraum gehen keine Lichtstrahlen … ” – so weiß ich zunächst noch nicht sicher,
– 49 –
wie er diese Aussage verwenden will. Er könnte ja z.B. fortfahren: “ich will damit sagen, daß nicht in allen Fällen, in denen gesehen wird, mit dem Auge gesehen wird.”
      Aber ich kann den Satz wohl am besten so erklären: “Im Gesichtsraum gehen Strahlen von da dorthin” heiße, es ziehen leuchtende Linien durch den Raum; wo solche nicht zu sehen sind, wo (wie man auch sagen kann) solche im Gesichtsraum nicht vorhanden sind, spreche man nicht von ‘Strahlen im Gesichtsraum’.
      Ich will zeigen, wie leicht es ist, durch natürliche Übergänge // durch natürlich sich uns darbietende Übergänge // von einer Darst[a|e]llungsweise zur andern zu einem Satz zu gelangen, der ganz den Charakter einer Aussage über eine fremdartige Welt trägt; und der uns doch nur ein fr[a|e]mdartiges Bild vorhält zur Darstellung wohlvertrauter Dinge.

64
 
  
39˙3
 
173.
386
      Wo sehe ich das Haus: hier in meinem Auge, oder dort, wo es steht? [a|A]ngenommen, ich entschiede mich für eine der beiden Antworten, – welche Konsequenz hätte die Entscheidung?
      Aufgabe: Man sagt “ich sehe dort ein Haus”; wie wird dieser Satz angewendet? Und wie könnte man den anwenden: “Ich sehe das Haus hier” (wobei auf ein Auge, oder auf beide Augen zeigt)? – Vergleiche damit: “Wenn ich mit einem Stock diesen Gegenstand abtaste, habe ich die Tastempfindung in der Spitze des Stockes, nicht in der Hand, die ihn hält.” Wenn Einer sagt “Ich empfinde habe nicht hier in der Hand, sondern im Handgelenk Schmerzen”, so ist die Konsequenz, daß der Arzt das Handgelenk untersucht. Welchen Unterschied mach[e|t] es aber, ob ich sage, ich fühle die Härte des Gegenstands in der Stockspitze; oder in der Hand? Heißt, was ich sage: “Es ist, als hätte
– 50 –
ich Nervenenden in der Stockspitze”? Inwiefern ist es so? – Nun, ich bin jedenfalls geneigt, zu sagen “Ich fühle die Härte, etc. in der Stockspitze”; und damit geht zusammen, daß ich beim Abtasten nicht auf meine Hand, sondern auf die Stockspitze sehe, daß ich, was ich fühle, mit den Worten beschreibe “[i|I]ch fühle dort etwas Hartes, Rundes” – nicht, indem ich sage “Ich fühle einen Druck gegen die Fingerspitzen des Daumens, Mittelfingers und Zeigefingers ….” Wenn mich etwa jemand fragte “Was fühlst du jetzt in den Fingern, die die Sonde halten?”, so könnte ich ihm antworten: “Ich weiß nicht ‒ ‒ ‒ ich fühle dort etwas Hartes, Rauhes.” [Vgl.: Fühlt mein Körper Schmerzen oder ich in ihm?]

33, 34, 39˙3
 
  
47
 
174.
374
      Wenn ich mir im Innern das ABC vorsage, was ist das Kriterium dafür, daß ich das Gleiche tue, wie ein Andrer, der es sich im Stillen vorsagt? Es könnte gefunden werden, daß in meinem Kehlkopf und seinem das Gleiche dabei vorgeht. (Und ebenso, wenn wir beide an das Gleiche denken, das Gleiche wünschen, etc..) Aber lernten wir denn die Verwendung der Worte “sich im Stillen das und das vorsagen”, indem auf einen Vorgang im Kehlkopf, oder im Gehirn hingewiesen wurde? Ist es nicht
auch wohl
auch ganz gut
möglich, daß meiner Vorstellung vom Laut a und seiner verschiedene physiologische Vorgänge entsprechen? Die Frage ist: wie vergleicht man Vorstellungen?

48, 33
 
  
34˙3
 
175.
368
      Die große Schwierigkeit ist hier, die Sache nicht so darzustellen, als könne man etwas nicht. Als wäre da also zwar ein Gegenstand // als wäre da wohl ein Gegenstand // , von dem ich die Beschreibung abziehe, aber ich wäre nicht im Stande, ihn jemandem zu zeigen. – Und das Beste, was ich vorschlagen kann, ist wohl, daß wir der Versuchung, dies Bild zu gebrauchen, nachgeben: aber nun
– 51 –
untersuchen, wie es sich weiter anwenden läßt. // unter // nachgeben, aber nun untersuchen, wie die Anwendung dieses Bildes aussieht. //

34˙2 39˙1 39˙3 30
 
  
39˙1
 
176.
347
      Warum soll ich denn leugnen, daß ein geistiger Vorgang da ist?! Nur heißt “Es hat jetzt in mir der geistige Vorgang der Erinnerung an … stattgefunden” eben: “Ich habe mich jetzt an … erinnert”. Den geistigen Vorgang leugnen, hieße
das Erinnern
die Erinnerung
leugnen; leugnen, daß irgend jemand sich ˇje an irgend etwas erinnert.

49
 
  
34˙3
 
177.
319
      Denken wir uns eine Tabelle, die nur in unsrer Vorstellung existiert. Etwa ein Wörterbuch. Mittels eines Wörterbuchs kann man die Übersetzung des Wortes X durch ein Wort Y rechtfertigen. Sollen wir es aber auch eine Rechtfertigung nennen, wenn diese Tabelle nur in der Vorstellung nachgeschlagen wird? – “Nun, es ist dann eben eine subjektive Rechtfertigung.” – Aber die Rechtfertigung bestand // besteht // doch darin, daß man eine unabhängige Stelle appeliert. – “Aber ich kann doch von meiner Erinnerung // von meinem Erinnern // an mein Erinnerungsbild eines Sachverhalts an mein Erinnerungsbild eines anderne appelieren. Ich weiß – z.B. – nicht, ob ich mir die Abfahrzeit des Zuges richtig gemerkt habe und rufe mir zur Kontrolle das Bild der Tabelle des Fahrplans ins Gedächtnis. Haben wir hier nicht den gleichen Fall?” – Nein; denn es ist wesentlich, daß dieser Vorgang wirklich hilft, muß nun wirklich die richtige Erinnerung hervorzurufen. Wäre das Vorstellungsbild des Fahrplans nicht selbst auf seine Richtigkeit zu prüfen, wie könnte es eine Bestätigung der Richtigkeit der ersten Erinnerung sein? ˇDann wäre es [A|a]ls kaufte Einer mehrere Exemplare der heutigen Morgenzeitung, um sich zu verge-
– 52 –
wissern, ob sie die Wahrheit schreibt.)
      In der Vorstellung eine Tabelle nachschlagen ist so wenig ein Nachschlagen einer Tabelle, wie die Vorstellung des Resultats eines vorgestellten Experiments das Resultat eines Experiments ist.

 
   
178.
      Ähnlich wäre es fast, wenn man beim Würfeln, wieviel ein Wurf gelten soll, durch einen weitern Wurf bestimmte.

 
  
34˙2
 
179.
320
      Angenommen, man wollte die Dimensionierung einer Brücke, die in unsrer Vorstellung gebaut wird, dadurch rechtfertigen, daß man zuerst in der Vorstellung Zerreißproben mit dem Material in der Brücke macht. Dies wäre natürlich die Vorstellung von dem, was man die Rechtfertigung der Dimensionierung einer Brücke nennt; aber würden wir wäre es auch eine Rechtferigung der Vorstellung einer Dimensionierung nennen?

57, 34˙3
 
  
34˙3
 
180.
316
      “Ich kann mir (im Innern) doch vornehmen, in Zukunft das ‘Schmerz’ zu nennen.” – “Aber hast du es dir auch gewiß vorgenommen? Bist du sicher, daß es dazu genug war, die Aufmerksamkeit auf dein Gefühl zu konzentrieren?” – Seltsame Frage. –

 
  
﹖ 34˙3
 
181.
324
      Warum kann meine rechte Hand nicht meiner linken Geld schenken? – Nun, es läßt sich tun. Mmeine rechte Hand kann es in meine linke geben. Ja meine rechte Hand könnte eine Schenkungsurkunde schreiben und meine linke eine Quittung. – Aber die weiteren praktischen Folgen wären nicht die einer Schenkung. Wenn die linke Hand das Geld von der rechten genommen, ˇhat die Quittung geschrieben ist, etc. – wird man fragen: “
Und was ist damit geschehen
Nun, und was dann
?”
– 53 –
Und das Gleiche könnte man Fragen, wenn Einer sich eine private Worterklärung gegeben hat; ich meine: wenn er sich ein Wort vorsagt dabei seine Aufmerksamkeit auf eine Empfindung konzentriert.

36
 
  
49
 
182.
346
      “Aber du kannst doch nicht leugnen, daß beim Erinnern ein innerer Vorgang stattfindet.” – Warum macht es denn den Eindruck, als wollten wir etwas leugnen? Wenn man sagt “Es findet doch dabei ein innerer Vorgang statt”, so
möchte
will
man fortsetzen: “Du siehst es doch.” Und es ist doch dieser innere Vorgang, den man mit dem Wort “sich erinnern” meint. – Es macht den Eindruck, daß wir etwas leugnen wollen, weil wir uns gegen das Bild vom ‘innern Vorgang’ wenden. // Der Eindruck, als wollten wir etwas leugnen, rührt daher, daß wir uns gegen das Bild vom ‘innern Vorgang’ wenden. // Was wir leugnen ist, daß das Bild vom innern Vorgang uns die richtige Idee von der Verwendung des Wortes “erinnern” gibt. Ja wir sagen, daß dieses Bild mit seinen Ramifikation // Verzweigungen // uns verhindert, die Verwendung des Wortes zu sehen, wie sie ist.

39
 
  
55
 
183.
45
      Eine Hauptursache philosophischer Krankheiten –
einseitige
einzige
Diät: man nährt sein Denken mit nur einer Art von Beispielen.

55, 4, 42,
 
   
184.
      Nennst du den Gedanken ein ‘Erlebnis’, so ist er das Erlebnis des Gedankenausdrucks.

 
   
185.
      Denken wir uns ein Variante des Tennisspiels: es wird in die Regeln dieses Spiels die aufgenommen, der Spieler habe sich bei gewissen Spielhandlungen das und das vorz vorzustellen! (Der Zweck dieser Regel sei, das Spiel zu erschweren.) Der erste Einwand ist: man könne in diesem Spiel zu leicht schwindeln. Aber dem
– 54 –
wird mit der Annahme begegnet, das Spiel werde nur vom von ehrlichen und zuverlässigen Menschen gespielt. Hier haben wir also ein Spiel mit innern Spielhandlungen. –
      Welcher Art ist nun die innere Spielhandlung, worin besteht sie? Darin, daß er – der Spielregel gemäß – sich … vorstellt. – Könnte man aber nicht auch sagen: Wir wissen nicht, welcher Art die innere Spielhandlung ist, die er der Regel gemäß ausführt; wir kennen nur ihre Äußerungen? Die innere Spielhandlung sei ein X, dessen Natur wir nicht kennen. Oder: Es
gebe
gibt
auch hier nur äußere Spielhandlungen: die Mitteilung der Spielregel und das was man die ‘Äußerung des innern Vorgangs’ nennt. ‒ ‒ ‒ Nun, kann man das Spiel nicht auf alle drei Arten beschreiben? Auch das mit dem ‘unbekannten’ ist eine ganz mögliche Beschreibungsart. Der Eine sagt, die sogenannte ‘innere’ Spielhandlung sei mit einer Spielhandlung im gewöhnlichen Sinne nicht vergleichbar – der Andre sagt, sie sei mit einer solchen vergleichbar – der Dritte: sie sei vergleichbar nur mit einer Handlung, die im Geheimen geschieht und die niemand kennt, als der Handelnde.
      Wichtig ist für uns, daß wir die Gefahren des Ausdrucks “innere Spielhandlung” sehen. Er ist gefährlich, weil er Verwirrung hervorruft // anrichtet // .

 
   
186.
      Das Achselzucken, Kopfschütteln, Nicken, u.s.f., nennen wir Zeichen vor allem darum, weil sie in dem Gebrauch unsrer Wortsprache eingebettet sind.

 
    
    
  
38˙1
 
189.
25
      “Der Hund meint etwas mit seinem Wedeln.” – Wie würde man das begründen? – Sagt man auch: “Die Pflanze, wenn sie ihre Blätter hängen läßt, meint damit, daß sie Wasser braucht”? –

24, 50, 25, 33, 26˙2
 
  
381
 
190.
26
      Wir würden kaum fragen, ob das Krokodil etwas damit meint, wenn es mit o[n|f]fenem Rachen auf einen Menschen zukommt. Und wir würden erklären: das Krokodil könne nicht denken, und darum sei eigentlich hier von einem Meinen keine Rede.

24 33
 
  
27˙01
 
191.
401
      “Du sagtest ‘Es wird bald aufhören’ – Hast du an den Lärm gedacht, oder an deine Schmerzen?” Wenn er nun antwortet “Ich habe ans Klavierstimmen gedacht”, konstatiert er, es habe diese Verbindung bestanden, oder schlägt er sie mit diesen Worten? – Kann ich nicht beides sagen? Wenn, was er sagte, wahr war, bestand da nicht jene Verbindung? Und schlägt er nicht dennoch eine, die
– 56 –
nicht bestand?

 
   
192.
      Ich zeige mit der Hand und sage “Komm her!”. A fragt “Hast du mich gemeint?” Ich sage “Nein; den B.” – Was ging da vor, als ich den B meinte (da doch mein Zeigen es zweifelhaft ließ, welchen ich meinte)? – Ich sagte diese Worte, machte diese Handbewegung[;| .] Mußte noch mehr vorgehen, daß das Sprachspiel vor sich gehen konnte? // Gehörte noch mehr dazu, daß das Sprachspiel gespielt werden konnte? // Aber wußte ich nicht schon während des Zeigens, wen ich meinte? Wußte? Ich hätte z.B. auf B. gezeigt, auch wenn A nicht in seiner Nähe gestanden wäre. // Wußte? Freilich, – nach den üblichen gewöhnlichen Kriterien des Wissens.

 
  
27
 
193.
390
      “Freilich habe ich B gemeint; – ich habe garnicht an A gedacht!”
      “Ich wollte, B sollte zu mir kommen, damit …” – Alles [d|D]ies deutet auf einen größern Zusammenhang.

 
  
﹖ 27
 
194.
391
      Ist es nicht genau so mit dem Verbum “Verstehen”? Es erklärt mir jemand die Route, die ich dort und dort hin zu nehmen habe. Er fragt “Hast du mich verstanden?” Ich antworte “Ich hab's verstanden.” – Will ich ihm mitteilen, was in mir während seiner Erklärung vorging // vorgegan[t|g]en ist // ? – Und doch ließe sich auch das mitteilen. Wie würde so eine Mitteilung lauten.

 
   
195.
      Ich sage “Komm her!” und zeige in der Richtung des A. B, der
bei
neben
ihm steht, macht einen Schritt auf mich zu. Ich sage: “Nein; A soll kommen.” Wird man das nun als eine Mitteilung über meine innern Erlebnisse // meine Seelenvorgänge // auffassen? Gewiß nicht. – Und könnte man nicht doch daraus Schlüsse auf Vorgänge ziehen,
– 57 –
die in mir beim Aussprechen des Befehls stattgefunden haben? // des Befehls “Komm her!” stattgefunden haben? //
      Aber auf was für Vorgänge? Könnte man nicht mutmaßen, ich habe bei meinem Befehl auf A geschaut; mein Gedankengang habe mich zu ihm geleitet? Aber vielleicht kenne ich den B überhaupt nicht, stehe nur mit A in Verbindung. Dann hätte also, wer meine seelischen Vorgänge mutmaßte, ganz irregehen können, und hätte dennoch verstanden, daß ich den A und nicht den B gemeint habe.

 
  
26
 
196.
414
      Wenn ich das Gesicht des N nach dem Gedächtnis für mich hin zeichne, so kann man doch sagen, ich meine ihn mit meiner Zeichnung. Aber von welchem Vorgang, der während des Zeichnens stattfindet, könnte ich sagen, er wäre das Meinen?
      Denn man möchte natürlich sagen: als er ihn meinte, habe er auf ihn gezielt. Wie aber macht das Einer, wenn er sich das Gesicht des Andern in die Erinnerung ruft?
      Ich meine, wie ruft er sich ihn ins Gedächtnis? Wie ruft er ihn?

 
  
54
 
197.
443
      Wir sagen “Ich erwarte ihn”, wenn wir glauben, er werde kommen, sein Kommen uns aber nicht weiter beschäftigt. Man könnte sagen, daß “erwarten” sich hier nicht auf einen Zustand bezieht, in welchem ich mich befinde. Wir sagen aber auch “Ich erwarte ihn”, wenn dies heißen soll: Ich harre auf ihn. Wir könnten uns eine Sprache denken, die in diesen Fällen verschiedene Verben benützt. Und ebenso mehr als ein Verbum dort, wo wir von ‘glauben’, ‘hoffen’ etc. reden. Die Begriffe dieser Sprache wären für ein Verständnis der Psychologie viel geeigneter, als die Begriffe unsrer Sprache.
– 58 –


58, 59
 
  
27˙01
 
198.
403
      Wenn die Verbindung des Meinens vor dem Befehl hergestellt werden konnte, dann auch nach dem Befehl.

 
   
199.411
      In manchen spiritistischen Handlungen ist es wesentlich, daß man an eine bestimmte Person denke. Und wir haben hier den Eindruck, als wäre ‘an ihn denken’ gleichsam, ihn mit meinen Gedanken aufspießen. Oder es ist, als stäche ich immer wieder mit den Gedanken nach ihm hin. Denn sie schweifen etwa immer wieder ein wenig von ihm ab.

 
  
27
 
200.
396
      Wenn du mir sagst, du habest geflucht und dabei den N gemeint, so wird es mir gleichgültig sein, ob du dabei sein Bild ansahst anˇgeschautest, ob du der ihn vorgestelltest, seinen Namen ausgespr[a|o]ch[st|en] hast, etc. Die Schlüsse aus dem Faktum, die mich interessieren, haben damit nichts zu tun. Anderseits aber könnte es sein, daß Einer mir erklärt, der Fluch sei nur dann wirksam, wenn man sich den Menschen klar vorstellt, oder seinen Namen laut ausspricht. Und hier könnte man
etwa
vielleicht
sagen “Es kommt darauf an, wie der Fluchende sein Opfer meint.” Aber das ist nicht die gewöhnliche Verwendung von “meinen”.

 
   
201.
397
      Man fragt natürlich auch nicht: “Bist du sicher, daß du ihn verflucht hast, daß die Verbindung mit ihm hergestellt war?”
      So ist also wohl diese Verbindung sehr leicht herzustellen, daß man ihrer so sicher sein kann?! wissen kann, daß sie nicht daneben geht. – Nun, kann es mir passieren, daß ich an den Einen schreiben will und tatsächlich an den Andern schreibe? und wie könnte das geschehen?
– 59 –


26
 
   
202.
      Wenn ich zwei Freunde gleichen Namens habe, und ich schreibe einem von ihnen einen Brief; worin liegt es, daß ich ihn nicht dem [A|a]ndern schreibe? Am I[h|n]halt? Aber der könnte für beide passen. (Die Adresse habe ich noch nicht geschrieben.) Nun, die Verbindung kann in der Vorgeschichte liegen. Dann aber auch in dem, was dem Schreiben folgt. Wenn mich nun jemand fragt “An welchen der beiden schreibst du?” und ich antworte ihm, – schließe ich die Antwort aus der Vorgeschichte? Gebe ich sie nicht beinahe, wie ich sage “Ich habe Zahnschmerzen”? – Könnte ich im Zweifel darüber sein, welchem von beiden ich schreibe? Und wie sieht so ein Zweifelsfall aus? – Ja, wäre nicht auch der Fall einer Täuschung möglich: ich glaube dem Einen zu schreiben und schreibe dem Andern? Und wie sähe der Fall einer solchen Täuschung aus?
      (Man sagt manchmal: “Was wollte ich nur in dieser ⌊⌊
203
⌋⌋ Lade suchen? – Ach ja, die Photographie!” Und wenn uns dies einfällt, erinnern wir uns wieder an den Zusammenhang unsrer Handlung mit dem, was vorherging. Es könnte aber auch den Fall geben: Ich öffne die Lade und krame in ihr; endlich komme ich gleichsam zur Besinnung und frage mich “Warum suche ich nur in dieser Lade herum?” Und dann kommt die Antwort “Ich will die Photographie des … sehen”. “Ich will”, nicht “Ich wollte”. Das Öffnen der Lade, etc. geschah ˇdann sozusagen automatisch und erhielt später // nachträglich // eine Interpretation.)

 
  
26˙4
 
203.
198
      Man möchte fragen: “Hätte Einer, der in dein Inneres zu sehen im Stande wäre, dort sehen können, daß du das sagen wolltest?”
      Angenommen, ich hätte mir meinen Vorsatz auf einem
– 60 –
Zettel notiert, so hätte ein Andrer meinen Vorsatz dort lesen können. Und kann ich mir denken, daß er ihn auf irgend einem Wege hatte sicherer erfahren können[?| ,] als so? Gewiß nicht.

26˙4
 
  
53
 
204.
462
      Ich erinnere mich, ihn gemeint zu haben. Erinnere ich mich eines Vorgangs; oder Zustands? Wann fing er an, wie verlief er, etc.?

 
  
14˙1
 
205.
350
      Woran glaube ich, wenn ich an eine Seele im Menschen glaube? Woran glaube ich, wenn ich glaube, diese Substanz enthalte zwei Ringe von Kohlenstoff-Atomen? In beiden Fällen ist ein Bild im Vordergrun[g|d], der Sinn aber weit im Hintergrund; d.h., die Anwendung des Bildes nicht leicht zu übersehen.

 
  
27
 
206.
398
      Gedanken erraten. Spielkarten liegen auf einem Tisch. Ich will, daß der Andre eine von ihnen berühren soll. Ich schließe die Augen und denke an eine dieser Karten; der Andre soll erraten, welche ich meine. – Er läßt sich darauf etwa eine Karte einfallen, wobei er und wünscht, dabei, meine Meinung zu treffen. Er berührt die Karte und ich sage “Ja, ssie war's”, oder sie war's nicht. Eine Variante dieses Spiels wäre es, daß ich auf eine bestimmte Karte sehe schaue, so zwar, daß der Andre die Richtung meines Blicks nicht sieht, und daß er nun die Karte erraten muß, auf die ich schaue. Daß dies eine Variante des ersten Spiels ist, ist wichtig. Es kann hier wichtig sein, wie ich an die Karte denke, weil es sich zeigen könnte, daß davon die Zuverlässigkeit des Erratens abhängt. Sage ich aber im gewöhnlichen Leben “Ich dachte soeben an N”, so fragt man micht nicht “Wie hast du an ihn gedacht?”.
– 61 – – 56 –
 
  
26˙3
 
207.
457
      Wenn ich sage “Ich habe in diesem Zimmer einen Sessel gesehen”, so kann ich mich meistens nur sehr beiläufig an das besondere Gesichtsbild erinnern, und es hat in den meisten Fällen auch gar keine Bedeutung. Der Gebrauch, der von dem Satz gemacht wird, geht an dieser Besonderheit vorbei. // Das Gesichtsbild, das ich erhielt, tritt in den Gebrauch des Satzes nicht ein. // Ist es nun so auch, wenn ich sage “Ich habe den N gemeint”? Geht dieser Satz in der gleichen Weise an den Besonderheiten des Vorgangs vorbei?

 
    
  
26˙3
 
209.
435
      Wenn ich sage “Ich meinte ihn”, da mag mir wohl ein Bild vorschweben, etwa davon, wie ich ihn ansah, etc.; aber das Bild ist nur, wie eine Illustration zu einer Geschichte. Aus ihr allein wäre meistens gar nichts zu erschließen; erst wenn man die Geschichte kennt, weiß man, was es mit dem Bild soll.
      (Denke, ich sähe eine Illustration, wüßte aber nicht, ob sie eine Situation der Haupterzählung, oder eine Erinnerung, einen Wunsch, einen Traum des Helden, oder einer andern Person, darstellt.)

 
  
53
 
210.
464
      Wozu sage ich jemandem, ich hätte früher den und den Wunsch gehabt?
      Sieh auf das Sprachspiel als das Primäre! Und auf die Gefühle, etc., als auf eine Betrachtungsweise
– 62 –
// Deutung // des Sprachspiels!
      Man könnte fragen: Wie ist der Mensch je dahin gekommen, eine sprachliche Äußerung zu machen, die wir “Berichten eines vergangenen Wunsches” nennen können?

 
   
211.
465
      Denken wir uns, diese Äußerung n[a|e]hme immer die Form an: “Ich sagte mir: ‘wenn ich nur länger bleiben könnte!’”
      Der Zweck einer solchen Mitteilung könnte sein, den Andern meine Reaktionen kennen zu lehren. (Vergleiche die Grammatik von “meinen” und “vouloir dire”.)

 
   
212.
      Wenn Max sagt “Der Fürst ˇträgt Vatersorge für die Truppen”, so meint er Wallenstein. – [a|A]ngenommen, jemand sagte: Wir wissen nicht, ob er Wallenstein meint; er könne in diesem Satz auch einen andern Fürsten meinen.

 
  
27˙01
 
213.
400
      Ich zeichne einen Kopf. Du fragst mich “Wen soll das vorstellen?” – Ich: “Das soll N sein.” Du: “Es sieht ihm aber nicht ähnlich. Eher noch dem M M.” – Als ich sagte, es stelle den N vor, – machte ich einen Zusammenhang, oder berichtete ich von einem // oder berichte ich einen // ? Welcher Zusammenhang hatte denn bestanden?

 
    
  
53
 
215.
441
      Erinnere ich mich daran, daß ich das und das für
– 62 –
einen Augenblick habe sagen wollen, so erinnere ich mich oft auch an gewisse ‘Einzelheiten’. Diese Einzelheiten sind nicht irrelevant in dem Sinne, in welchem andere Umstände, an die ich mich auch erinnern kann, es sind. Aber wem ich mitteile “Ich wollte für einen Augenblick sagen … ”, der erfährt dadurch diese Einzelheiten nicht und muß auch nicht erraten. Er muß z.B. nicht wissen, daß ich schon den Mund zum Sprechen geöffnet hatte. Er kann sich aber den Vorgang so ‘ausmalen’.

 
  
53
 
216.
442
      Die Grammatik des Ausdruckes “etwas sagen wollen” ist verwandt der des Ausdrucks “etwas sagen können” // “Ich wollte damals sagen … ” ist verwandt der von “Ich hätte damals fortsetzen können”. //
      Im einen Fall die Erinnerung an eine Absicht, im andern, an ein Verstehen.

2˙2 2˙1
 
  
26˙2
 
217.
183
      Man kann doch nur etwas sagen, wenn man sprechen gelernt hat: . Wer also etwas sagen will, muß dazu auch gelernt haben, eine Sprache zu beherrschen; und doch ist es klar, daß er beim Sprechenwollen nicht sprechen mußte. Wie er auch beim Tanzenwollen nicht tanzt.
      Und wenn man darüber nachdenkt, so greift der Geist nach der Vorstellung des Tanzens, Redens etc..

 
    
    
  
53
 
220.
443
      “Ich wollte sagen …” – Du erinnerst dich an verschiedene Einzelheiten. Aber sie alle zeigen nicht diese Absicht. Es ist, als wäre das Bild einer Scene aufgenommen worden, aber es sind von ihm nur einige verstreute Einzelheiten zu sehen; hier eine Hand, dort ein Stück eines Gesichts, oder eine Hut, – das übrige ist dunkel. Und nun ist es, als wüßte ich doch ganz gewiß, was das ganze Bild darstellt. Als könnte ich das Dunkel lesen.

 
   
221.
      Sage ich “Ich wollte damals das und das tun” und beruht diese Aussage auf den Gedanken, Vorstellungen, etc., an die ich mich erinnere, so muß ein Andrer, dem ich nur diese Gedanken, Vorstellungen, etc. mitteile, daraus mit ebensolcher Sicherheit schließen können, ich hätte damals das und das tun wollen. – Er könnte das aber nicht. Ja, schlösse ich selbst nun aus dieser Evidenz, auf meine Absicht, so würde der Andre mit Recht sagen, dieser Schluß
– 65 –
sei sehr unsicher.

 
  
53
 
222.
463
      Warum will ich außerdem dem, was ich tat, auch noch eine Intention mitteilen? – Nicht, weil die Intention auch etwas war, was damals stattfand. Sondern, weil ich etwas über mich mitteilen will, was über das hinausgeht, was damals geschah. Ich erschließe ihm mein Inneres, wenn ich sage, was ˇich tun wollte. – Nicht aber auf Grund von Selbstbeobachtung sondern durch eine Reaktion (man könnte es auch eine Intuition nennen).

 
  
27
 
223.
409
      Kann ich mit dem Wort “bububu” meinen “Wenn es nicht regnet, werde ich spazieren gehen”? – Nur in einer Sprache kann ich etwas mit etwas meinen. Das zeigt klar, daß die Grammatik von “meinen” nicht ähnlich der ist des Ausdrucks “sich etwas vorstellen” und dergl..

 
  
26
 
224.
415
      “Ich denke an N.” “Ich rede von N.” Wie rede ich von N? Ich sage etwa “Ich muß heute N besuchen.” ‒ ‒ ‒ Aber das ist doch nicht genug! Mit “N” könnte ich doch verschiedene Personen meinen, die diesen Namen haben. “Also muß noch eine andere Verbindung meiner Rede mit dem N bestehen, denn sonst hätte ich doch nicht ihn gemeint.”
      Gewiß, eine solche Verbindung besteht; nur nicht, wie du sie dir vorstellst: nämlich durch einen geistigen Mechanismus.
      (Man vergleicht “ihn meinen” mit “auf ihn zielen”.)

27˙01
 
  
26˙3
 
225.
456
      Wenn ich mit einer Bemerkung auf N anspiele, so mag sich dies – wenn bestimmte Umstände gegeben sind – aus meinem Blick, Gesichtsausdruck, etc. ersehen lassen.
– 66 –
Und teile ich jemand dazu noch meine Gefühle, Vorstellungen, etc., während
des Sprechens
dieser Anspielung
mit, so mögen diese das typische Bild des Anspielens (oder ein solches Bild) vervollständigen. Aber daraus folgt nicht, daß der Ausdruck “auf N anspielen” bedeute: sich so benehmen, ˇund dies fühlen, ˇund sich dies vorstellen, etc.. Und hier wird [m|M]ancher sagen: “Freilich nicht[,|!]! Das haben wir immer schon gesehen. Und es muß sich eben ein rote[s|r] Faden durch alle diese Erscheinungen ziehen. Er ist mit ihnen gleichsam umsponnen, und daher schwer auffindbar.” – Und das ist auch nicht wahr.
Aber es
ist
wäre
auch falsch, zu sagen, “anspielen” bezeichne eine Familie von geistigen und anderen Vorgängen. – Denn man frägt nicht: “Wie hast du auf ihn angespielt? War es mit einer Miene, Geste, mit Gedanken?” – [A|W]ie man wohl fragen kann: “Wie hast du auf ihn gezeigt? Mit dem Finger, mit einer Kopfbewegung?”


 
  
23
 
226.
      “Ich habe in meiner Rede auf ihn angespielt.” – “Mit welchen Worten?” – “Ich habe auf ihn angespielt, als ich von einem Mann redete, der …”
      “Ich habe auf ihn angespielt” heißt ungefähr: Ich wollte, daß jemand bei diesen Worten an ihn denken solle. Aber “Ich wollte” ist nicht die Beschreibung eines Seelenzustandes, und “verstehen, daß N gemeint war” ist es auch nicht.

 
  
55
 
227.
504
      Wenn ich meinen Arm ‘willkürlich’ bewege, so bediene ich mich nicht eines Mittels, die Bewegung herbeizuführen. Auch mein Wunsch ist nicht ein solches Mittel.

 
  
﹖ 55
 
228.
505
      Betrachte diese Beschreibung einer willkürlichen Handlung: “Ich fasse den Entschluß, um 5 Uhr die Glocke zu
– 67 –
ziehen; und wenn es 5 schlägt, macht ˇnun mein Arm einfach diese Bewegung.” – Ist das die richtige Beschreibung? [u|U]nd nicht die: “Wenn es 5 s “und wenn es 5 schlägt, hebe ich meinen Arm”? ‒ ‒ ‒ Die erste Beschreibung möchte man so ergänzen: “und sieheda, mein Arm hebt sich, wenn es 5 schlägt”. Und dies “siehe da” ist gerade, was hier wegfällt. Wir sagen nicht: “Sieh, mein Arm hebt sich!”, wenn wir den Arm heben.

 
  
55
 
229.
506
      Man könnte also sagen: die willkürliche Bewegung sei durch die Abwesenheit des Staunens charakterisiert. Und nun will ich nicht, daß man frägt “Aber warum erstaunt man hier nicht?”

 
    
  
39
 
231.
125
      Begriffe leiten uns zu Untersuchungen. Sind der Ausdruck unseres Interesses, und bestimmen // lenken // unser Interesse.

 
  
17
 
232.
174
      Kannst du dir absolutes Gehör vorstellen, wenn du es nicht hast? – Kannst du es dir vorstellen, wenn du es hast? – Kann ein Blinder sich das Sehen vorstellen? Kann ich mir es vorstellen? – Kann ich mir vorstellen, daß ich so und so spontan reagiere, wenn ich's nicht tue? – Kann ich mir's besser vorstellen, wenn ich's tue?
– 68 –


 
  
16
 
233.
351
      Könnte man sich vorstellen, daß ein Stein Bewußtsein hätte? Und wenn's Einer kann – warum soll das nicht bloß beweisen, daß dieses Vorstellen für uns keinen Wert hat? // daß
dieses
ein solches
Vorstellen // diese Vorstellerei // für uns kein Interesse hat? //

 
   
234.
      Wenn die Situation zweideutig ist; ist es dann zweifelhaft, ob ich ihn meine? Bei meiner Aussage, ich habe ihn, oder ihn nicht gemeint, urteile ich nicht nach der Situation. Und wenn ich nun nicht nach der Situation urteile, wonach urteile ich? Scheinbar nach gar nichts. Denn ich erinnere mich wohl an die Situation, aber deute sie. Ich kann z.B. meinen Seitenblick auf ihn jetzt nachahmen, aber das Meinen erscheint als eine ganz ungreifbare, feine Atmosphäre des Sprechens und Handelns. (Ein verdächtiges Bild!)

 
   
235.
      “Als ich das sagte, wollte ich nur ihm einen Wink geben.” – Wie kann ich wissen, daß ich es nur sagte, um ihm einen Wink zu geben? Nun, die Worte “Als ich es sagte etc.” beschreiben eine bestimmte uns verständliche Situation. Wie schaut die Situation aus? Um sie zu beschreiben, muß ich einen Zusammenhang beschreiben.

 
  
25
 
236.
410
      “Ich wollte mit dieser Bemerkung ihn treffen.” Wenn ich das höre, so kann ich mir dazu eine Situation und ihre Geschichte vorstellen. Ich könnte sie auf dem Theater darstellen, mich in den Seelenzustand versetzen, in dem ich ‘ihn treffen’ will. – Aber wie ist dieser Seelenzustand zu beschreiben? also zu identifizieren? – Ich denke mich in die Situation hinein, nehme eine gewisse Miene und Stimme an, etc.. Was verbindet meine Worte mit
– 69 –
ihm? Die Situation und meine Gedanken. Und meine Gedanken nicht anders, als Worte, die ich ausspreche.

25, 26˙3, 50
 
   
237.
402
      “Ich mußte plötzlich an ihn denken.” Sein Bild schwebte mir etwa plötzlich vor. Wußte ich, daß es sein, des N, Bild war? Ich sagte es mir nicht. Worin lag es also, daß es das seine war? Vielleicht in dem, was ich später sagte, oder tat.

 
  
27
 
238.
387
      Wie, wenn ich einmal eine scheinbar unschuldige Bemerkung mache und sie mit einem verstohlenen Seitenblick auf jemand begleite – ein andermal, vor mich hin sehend, offen über den Anwesenden rede, indem ich seinen Namen nenne ‒ ‒ ‒ denke ich wirklich eigens an ihn, wenn ich seinen Namen gebrauche?

26 29 28
 
  
﹖ 26
 
239.
416
      Wie tritt er in diese Vorgänge ein:
                  ich stach nach ihm,
                  ich sprach zu ihm,
                  ich rief ihn,
                  ich sprach über ihn von ihm,
                  ich stellte mir ihn m vor,
                  ich achte ihn?

 
  
26
 
240.
417
      Es ist hier ein ähnlicher Fall, wie wenn jemand sich vorstellt, man könne einen Satz mit der merkwürdigen Wortstellung der deutschen oder lateinischen Sprache nicht einfach denken, wie er dasteht. Man müsse ihn zuerst denken und dann bringt man die Wörter in jene seltsame Ordnung. (Ein französischer Politiker schrieb vor einigen Jahren, es sei eine Eigenheit Eigentümlichkeit der französischen Sprache, daß in ihr die Worte in der Ordnung stehen, in der man sie denkt.)
– 70 –


28
 
  
26˙2
 
241.
418
      Aber habe ich nicht die Gesamtform des Satzes, z.B., schon an seinem Anfang beabsichtigt? Also war er mir doch schon im Geiste, ehe er noch ausgesprochen war! – Wenn er mir im Geiste war, dann, im allgemeinen, nicht mit anderer Wortstellung. Aber wir machen uns hier wieder ein irreführendes Bild vom ‘Beabsichtigen’; d.h., vom Gebrauch dieses Worts. Die Absicht ist eingebettet in der Situation, den menschlichen Gepflogenheiten und Institutionen. Gäbe es nicht die Technik des Schachspiels, so könnte ich nicht beabsichtigen, eine Schachpartie zu spielen. Soweit ich die Satzform im Voraus beabsichtige, ist dies dadurch ermöglicht // beruht das darauf // , daß ich deutsch sprechen kann.

26˙2, 29
 
   
242.
      Ich erwarte jeden Augenblick eine Explosion. Ich bin nicht im Stande, einer andern Sache meine volle Aufmerksamkeit zu schenken; schaue in ein Buch, aber ohne zu lesen. Auf die Frage, warum ich zerstreut, oder nervös scheine, sage ich, ich erwarte jeden Augenblick die Explosion. – Wie war es nun: Beschrieb dieser Satz eben jenes Verhalten? Aber wie unterscheidet sich dann der Vorgang des Erwartens der Explosion vom Vorgang des Erwartens eines ganz andern Ereignisses, z.B. eines bestimmten Signals? Und wie unterscheidet sich die Erwartung eines Signals von der Erwartung eines etwas andern // eines um [W|w]eniges verschiedenen Signals // Signals? Oder war meine Handlungsweise nur Nebenerscheinung der eigentlichen Erwartung, und diese ein geistiger Vorgang? // ein besonderer geistiger Vorgang? // Und war dieser Vorgang homogen, oder gegliedert wie ein Satz? (mit internem Anfang und Ende)? – Wie weiß aber der, in dem er vorgeht, welches Ereignisses Erwartung der Vorgang ist? Erscheint nämlich
– 71 –
nicht darüber im Ungewissen. Es ist nicht, als konstatierte er einen seelischen, oder andern Zustand und machte eine Vermutung über dessen Ursache. Er mag wohl sagen “Ich weiß nicht, ist es nur diese Erwartung, die mich heute so unruhig macht”; aber er wird nicht sagen: “Ich weiß nicht, ist dieser Seelenzustand die Erwartung einer Explosion, oder von etwas ander[n|m].”
      Die Aussage “Ich erwarte jeden Moment einen Knall” ist eine Äußerung der Erwartung. Diese Wortreaktion ist der Ausschlag des Zeigers, der das Erwartete an[.| ]zeigt. // der den Gegenstand der Erwartung anzeigt. //

 
    
  
27˙1
 
244.
233
      Wir sind durch eine bestimmte Abrichtung, Erziehung, so eingestellt, daß wir unter bestimmten Umständen Wunschäußerungen von uns geben. (Ein solcher ‘Umstand’ ist natürlich nicht der Wunsch.) Eine Frage, ob ich weiß, was ich wünsche, ehe mein Wunsch erfüllt ist, kann in diesem Spiele gar nicht auftreten. Und daß ein Ereignis meinen Wunsch zum Schweigen bringt, bedeutet nicht, daß es den Wunsch erfüllt. Ich wäre vielleicht nicht befriedigt, wäre mein Wunsch befriedigt worden.
      Anderseits wird auch das Wort “wünschen” so gebraucht: Man sagt “Ich weiß selbst nicht, was ich mir wünsche”. (“Denn die Wünsche verhüllen uns selbst das Gewünwünschte.”)
– 72 –


 
  
10˙2
 
245.
429
      Das Fehlen der Ungewißheit deuten wir als ein Wissen.

 
   
246.
433
      Wie ein Wort funktioniert, kann man nicht erraten. Man muß seine Anwendung ansehen und daraus lernen. Die Schwierigkeit aber ist, das Vorurteil zu beseitigen, das diesem Lernen entgegensteht. (Es ist kein dummes Vorurteil.)

 
  
27
 
247.
389
      Der Ausruf “Da ist er!” muß nicht als Mitteilung dienen. Und nicht als Mitteilung gemeint sein. Und wie unterscheidet sich der eine Fall vom andern? Nicht immer auf gleiche Weise. – Ich erwarte die Ankunft eines Freundes. Ich stehe auf dem Bahnsteig unter lauter fremden Menschen. Ich werde meinen Freund gewahr und rufe “Da ist er!”[:|.] ˇNimm an ich will mich dabei aus irgend einem seltsamen Grunde an die Fremden um mich wenden. Stell dir den Fall vor! Und nun diesen: Bekannte erwarten mit mir die Ankunft des Freundes. Ich sehe ihn zuerst und rufe “Da ist er!” Es|ist hier schwer, mich nicht dabei an die Andern zu wenden; mich gänzlich zu isolieren.

34˙1, 26˙3 27
 
  
59
 
248.
475
      Ich pfeife, und jemand fragt mich, warum ich guter Dinge bin. Ich antworte “Ich hoffe, N wird heute kommen.” – Aber während ich pfiff, dachte ich nicht an ihn. Und doch wäre es falsch zu sagen: ich hätte aufgehört zu hoffen, als ich zu pfeifen anfing.

29
 
  
59
 
249.
476
      Wenn Einer sagt “Ich hoffe, er wird kommen” – ist das ein Bericht über seinen Seelenzustand, oder eine Äußerung seiner Hoffnung? – Ich kann es z.B. zu mir selbst sagen. Und mir mache ich doch keine Mitteilung. Es kann ein Seufzer sein; aber muß kein Seufzer sein. Sage ich jemandem
– 73 –
“Ich kann heute meine Gedanken nicht bei der Arbeit halten; ich denke immer an sein Kommen” – so wird man das eine Beschreibung meines Seelenzustandes nennen.

 
  
58
 
250.
470
      Auch “glauben” heißt nicht denken. Als ich mich auf diesen Stuhl setze, glaubte ich natürlich, er werde mich tragen. Ich dachte gar nicht, daß er zusammenbrechen könnte.
      Aber: “Trotz allem, was er tat, hielt ich an dem Glauben f[a|e]st, …”. Hier wird gedacht, und etwa immer wieder eine bestimmte [B|E]instellung erkämpft.
      Aber alles das sagt uns ja nicht, was glauben ist. Es ist keine Definition des Wortes “glauben”; und ich kann keine geben; weil es keine gibt. Wir haben eben hier eine Familie von Fällen. Sie beschreiben, heißt, uns die Anwendung des Wortes “glauben” lehren.

 
  
﹖ 58
 
251.
471
      Nun könnte man aber so sagen: Das Gesicht eines Menschen ist durchaus nicht immer dieselbe Gestalt. Es ändert sich von Minute zu Minute; manchmal wenig, manchmal bis zur Unkenntlichkeit. Dennoch ist es möglich, das Bild seiner Physiognomie zu zeichnen. Freilich, ein Bild, auf dem das Gesicht lächelt, zeigt nicht, wie es weinend aussieht. Aber es läßt darauf immerhin Schlüsse
zu
ziehen
. – Und so wäre es auch möglich, eine Art ungefähre Physiognomie des Glaubens (z.B.) zu beschreiben.

 
  
39˙21
 
252.
439
      Warum kann ein Hund nicht Schmerzen heucheln? Ist er zu ehrlich? Könnte man einen Hund Schmerzen heucheln lehren? Man kann ihm vielleicht beibringen, bei bestimmten Gelegenheiten wie im Schmerz aufzuschreien, ohne daß er Schmerzen fühlt. Aber zum eigentlichen Heucheln [g|f]ehlte
– 74 –
diesem Benehmen noch immer die richtige Umgebung.

50, 26˙2, 39˙1, 39˙2 38˙1, 44, 49, 4, 38
 
  
50
 
253.
49
      “Aber du sprichst ja, als hoffte ich nicht eigentlich jetzt, – da ich zu hoffen glaube. Als wäre, was jetzt geschieht, ohne tiefe Bedeutung.” – Was heißt es: “Was jetzt geschieht, hat Bedeutung”, oder “hat tiefe Bedeutung”? Was ist eine tiefe Empfindung? Könnte Einer eine Sekunde lang innige Liebe oder Hoffnung empfinden, was immer dieser Sekunde
vorausging
vorangeht
ˇvoranging, oder ihr folgt? Was jetzt geschieht, hat Bedeutung – in dieser Umgebung. Die Umgebung gibt ihm die Wichtigkeit. Und das Wort “hoffen” bezieht sich auf ein Phänomen in der im menschlichen Lebensweise. Leben. (Ein lächelnder Mund lächelt nur im menschlichen Gesicht.)

 
  
50
 
254.
50
      Wenn ich nun in meinem Zimmer sitze und hoffe, N werde kommen und mir Geld bringen ; und eine Mun Minute dieses Hoffens könnte isoliert, aus ihrem Zusammenhang herausgeschnitten werden: wäre, was in dieser Minute geschieht, dann kein Hoffen? – Denke, z.B., an die Worte, die du etwa in dieser Minute aussprichst. Sie gehören nun nicht mehr zu dieser Sprache. Vielleicht zu einer, in der sie etwas gänzlich anderes bedeuten. Und die Institution des Geldes gibt es in einer andern Umgebung auch nicht. U.s.w..
      Eine Königskrönung ist das Bild der Pracht und Würde.
Schneide
Nimm
eine Minute dieses Vorgangs aus ihrer Umgebung heraus: Dem König im goldgewirkten Krönungsmantel wird die Krone aufs Haupt gesetzt. ‒ ‒ ‒ In einer andern Umgebung nun ist Gold das billigste Metall. Das Gewebe des Mantels ist durch die vorhandenen Maschinen billig herzustellen; etc. etc.[.|,] Ddie Krone wird als Parodie eines
– 75 –
anständigen Hutes empfunden und einem zum Spott aufgesetzt. // Schneide ein kurzes Stück dieses Vorgangs aus seiner Umgebung heraus: Dem König im Krönungsmantel wird die Krone aufs Haupt gesetzt. – In einer andern Umgebung nun, sagen wir, auf
einem andern Planeten
dem Mars
, ist Gold … //

 
  
44˙2
 
255.
451
      Wir sagen, der Hund fürchtet, sein Herr werde ihn schlagen; aber nicht: er fürchtet, sein Herr werde ihn morgen schlagen. Warum nicht? 44, 44˙1, 38˙1

 
   
256.
293
      Wir erwarten dies und werden von dem überrascht; aber die Kette der Gründe hat ein Ende.

 
    
   
258.
348
      “Bist du nicht doch ein verkappter Behaviourist? Sagst du nicht doch im Grunde, daß alles Fiktion ist, außer dem menschlichen Benehmen?” – Wenn ich von einer Fiktion rede, dann von einer grammatischen Fiktion.

 
  
39
 
259.
366
      Den Begriff des Schmerzes hast du mit
– 76 –
der Sprache gelernt. // Den Begriff ‘Schmerz’ hast du mit der Sprache gelernt. //

44, 44˙1, 39
 
  
33
 
260.
373
      Du gibst jemandem ein Signal, wenn du dir etwas vorstellst;
ihr
du
benützt verschiedene Signale für verschiedene Vorstellungen. – Wie vereinbart ihr, was jedes Signal bedeuten soll?

44˙1
 
  
33
 
261.
370
      Was ist das Kriterium der Gleichheit zweier Vorstellungen? D.h.: wie werden Vorstellungen verglichen? – Ein Logiker denkt vielleicht: Gleich ist gleich ‒ ‒ ‒ es ist eine psychologische Frage: wie der Mensch sich von der Gleichheit überzeugt. (Höhe ist Höhe – es gehört in die Psychologie, daß der Mensch sie manchmal sieht, manchmal hört.)
      Was ist das Kriterium der Gleichheit zweie[t|r] Vorstellungen? – Was ist das Kriterium der Röte einer Vorstellung? Für mich, wenn der Andre sie hat, – was er sagt und tut. Für mich, wenn ich sie habe,(gar) nichts. Und was für “rot” gilt, gilt auch für “gleich”.

 
  
﹖ 35
 
262.
335
      Wie erkenne ich, daß dies rot ist? – Ich bin in Verlegenheit, was ich sagen soll. ‒ ‒ ‒ Wie erkenne ich, das diese zwei Bäume gleich hoch sind? Hier
komme
bin
ich nicht in Verlegenheit. Ich weiß verschiedene Antworten. –
      Wie erkenne ich, daß dies rot ist? Ich wollte etwa sagen: Ich schaue; und sehe, es ist so. Und davon gehe ich nun zu dem Wort über.
      Ich sehe, daß es diese Farbe ist; und nun weiß ich, daß diese Farbe so heißt. Diese? – Welche?! Welche Art der Antwort hat auf diese Frage Sinn?
      (Du steuerst immer wieder auf eine innere hinweisende Erklärung hin.)
– 77 –

      Auf den privaten Übergang von dem Gesehenen zum Wort könnte ich keine Regeln anwenden. Hier hingen die Regeln wirklich in der Luft; da die Institution ihrer Anwendung fehlt.

34˙3
 
  
35
 
263.
333
      “Ehe ich urteile, daß zwei meiner Vorstellungen gleich sind, muß ich sie doch als gleich erkennen.” Und wenn das geschehen ist, wie werde ich dann wissen, daß das Wort “gleich” meine Erkenntnis beschreibt? Nur dann, wenn ich diese Erkenntnis auf andre Weise ausdrücken, und ein Andrer mich lehren kann, daß hier “gleich” das richtige Wort ist.
      Denn, bedarf ich eine Berechtigung dafür, ein Wort zu gebrauchen, dann muß es eine auch für den Andern sein.

35
 
  
35
 
264.
334
      Ich erkenne es erst als das; und nun erinnere ich mich daran, wie das genannt wird. – Bedenke: In welchen Fällen kann man das wirklich [d|s]agen?

 
    
    
  
67
 
267.
336
      Die Sprache ist ein Labyrinth von Wegen. Du kommst von einer Seite und kennst dich aus; du kommst von einer andern zur selben Stelle, und kennst dich nicht mehr aus.

 
  
13
 
268.
64
      Es ist hier nützlich, sich zu überlegen, was man über ein Phänomen, wie das folgende, sagt:
Die Figu[t|r] F einmal als F, einmal als sein Spiegelbild sehen.
      Nun will ich fragen: Worin besteht es, die Figur einmal so, einmal anders sehen? – Sehe ich wirklich jedesmal etwas anderes? oder deute ich nur, was ich sehe, auf verschiedene Weise? – Ich bin geneigt, das erste zu sagen. Aber warum? Nun, Deuten ist eine Handlung. Es kann z.B. darin bestehen, daß Einer sagt “Das soll ein F sein”; oder daß er's nicht sagt, aber das Zeichen beim Kopieren durch ein F ersetzt; oder sich überlegt: “[w|W]as mag das wohl sein? Es wird ein F sein, das dem Schreiber misglückt ist.” – Sehen ist keine Handlung, sondern ein Zustand. Und wenn ich es nie für etwas,
– 79 –
anderes als ein F gehalten, mir nie überlegt habe, was es wohl sein mag, so wird man sagen, ich sehe das Zeichen als F; wenn es sich auch anders sehen l man nämlich weiß, daß es sich auch anders sehen läßt.
      Wie ist man denn überhaupt zu dem Begriff des ‘Etwas als Etwas sehen’ gekommen? Bei welchen Gelegenheiten war für ihn ein Bedürfnis? // Bedarf // (Sehr häufig in der Kunst.) Dort überall, wo es sich um ein Phrasieren durchs Aug oder Ohr handelt. Wir sagen “Du mußt diese Takte als Einleitung hören,” “[d|D]u mußt nach dieser Tonart hin hören”, “Wenn man diese Figur einmal als … gesehen hat, ist es schwer, sie anders zu sehen”, etc. etc. “ich höre das Fran französische ‘ne … pas’ als zweiteilige Verneinung, aber nicht als ‘nicht ein Schritt’” // ‘nicht einmal ein Schritt’” // , etc. etc.. Ist es nun ein wirkliches Sehen oder Hören? Nun: so nennen wir es; mit diesen Worten reagieren wir in bestimmten Situationen. Und auf diese Worte reagieren wir wieder durch bestimmte Handlungen.

 
  
47
269.1
38 75
 
269.
375
      Wie lehrt man jemand, leise für sich selbst lesen? Wie weiß man, wenn er's kann? Wie weiß er selbst, daß er tut, was man von ihm verlangt? // was man ihn tun heißt? // ⟶ Wenn der Andre ein Automat sein könnte; dann ich auch. –

31
 
    
  
12
 
271.
40
      Wenn man aber sagt “Ich hoffe, er wird kommen”, gibt das Gefühl nicht dem Worte “hoffen” seine Bedeutung? (Und wie ist es mit dem Satz “Ich hoffe nicht mehr, daß er kommen wird”?) Das Gefühl gibt dem Worte “hoffen” vielleicht seinen besondern Klang. – Wenn das Gefühl dem Wort seine Bedeutung gibt, so heißt “Bedeutung” hier: das, worauf es ankommt. Warum aber kommt es aufs Gefühl an?

59
 
  
12
 
272.
41
      Warum soll ich nicht sagen: der Schrei, das Lachen, seien voll Bedeutung?
      Und das heißt ungefähr: Es ließe sich viel aus ihnen ablesen.

 
  
﹖ 33
 
273.
376
      Unter welchen Umständen werde ich sagen, ein Stamm habe einen Häuptling? Und der Häuptlich Häuptling muß doch Bewußtsein haben. Er darf doch nicht ohne Bewußtsein sein!

38˙1
 
    
  
﹖ 1
 
275.
234
      Ich gebe ihm also einen Befehl: [s|S]etze die Reihe – … – … – … fort. Nun, was will ich, daß er tun soll? Die beste Antwort, die ich mir selbst darauf geben kann, ist, diesen Befehl (selber) ein Stück weit auszuführen. Oder glaubst du, ein algebraischer Ausdruck dieser Regel setze weniger voraus?
– 81 –


30 2˙2
 
  
﹖ 1
 
276.
243
      Hier ist die Versuchung überwältigend, noch etwas zu sagen, wenn schon alles beschrieben ist. – Woher dieser Drang? Welche Analogie, welche falsche Interprätation erzeugt ihn?

 
  
1
 
277.
262
      Es bricht kein Streit darüber aus ˇ(z.B. zwischen Mathematikern), ob der Regel gemäß vorgegangen wurde, oder nicht. Es kommt darüber z.B. nicht zu Tätlichkeiten. Das gehört zu dem Gerüst, von welchem aus unsere Sprache wirkt (z.B. eine Beschreibung gibt).

 
  
﹖ 2˙2
 
278.
236
      Was wir, in einer Umgebung, die zu beschreiben
äußerst
sehr
langwierig
kompliziert
wäre, “einer Regel folgen” nennen, würden wir, wenn es isoliert dastünde, gewiß nicht so nennen.

3,
 
  
1
 
279.
263
      Zur Verständigung durch die Sprache gehört nicht nur eine Übereinstimmung in den Definitionen, sondern (so seltsam dies klingen mag) eine Übereinstimmung in Urteilen. // in den Urteilen // Dies scheint die Logik aufzuheben; hebt sie aber nicht auf. – Eines ist, die Meßmethode festzulegen // zu beschreiben // , ein Anderes, Messungsergebnisse zu finden und auszusprechen. Aber was wir “messen” nennen, ist
nun auch
auch
durch eine gewisse Konstanz der Messungsergebnisse bestimmt.

 
  
10˙1
 
280.
34
      Ein Wort in dieser Bedeutung hören. Wie seltsam, daß es so etwas gibt!
      So phrasiert, so betont, so gehört, ist der Satz der Anfang eines Übergangs zu diesen Sätzen, Bildern, Handlungen.

13, 14˙1, 10˙1, 10˙3
 
   
281.
35
      Denke, statt Momentphotographieen unserer Bekannten benützten wir eine Art kinematographischer Bilder, die
– 82 –
eine ganz kleine Bewegung wiedergäben. Und das nennten wir bloß ein ‘lebendes’ Bildnis, im Gegensatz zu einem ‘toten’, und faß[ß|t]en es nicht als Bild einer Bewegung, einer Lageveränderung, auf.

 
  
1
 
282.
256
      Das Wort “Übereinstimmung” und das Wort “Regel” sind miteinander verwandt, sie sind Vettern. Lehre ich Einen den Gebrauch des einen Wortes, so lernt er damit auch den Gebrauch des andern.

 
  
50
 
283.
494
      Soll ich sagen, wer eine Absicht hat, erlebt eine Tendenz? Es gebe bestimmte Tendenzerlebnisse? – Erinnere dich an diesen Fall: We[m|n]n man in einer Diskussion dringend eine Bemerkung, einen Einwurf, machen will, geschieht es häufig, daß man den Mund öffnet, den Atem einzieht und anhält. Entscheidet man sich dann, den Einwurf zu unterlassen, so läßt man den Atem aus. Das Erlebnis dieses Vorgangs ist offenbar das Erlebnis einesr Tendenz, zu sprechen. Wer mich beobachtet, wird erkennen, daß ich etwas sagen wollte und mich dann anders besonnen habe. In dieser Situation nämlich. In einer andern würde er mein Benehmen so nicht deuten, so sehr charakteristisch es auch in der gegenwärtigen Situation für die Absicht
etwas zu sagen
zu sprechen
ist. Und ist irgend ein Grund vorhanden, anzunehmen, dieses selbe Erlebnis könnte in einer ganz andern Situation nicht auftreten, wo es keinerlei Tendenz anzeigt? // auftreten? in der es mit einer Tendenz nichts zu tun hat? //

27, 26˙2, 50
 
   
284.
486
      Wie ist das?: die Absicht haben, etwas zu tun? – Was kann ich drauf antworten? Eine Art der Antwort wäre: einen Romanschriftsteller, Dostojewskij etwa, zu zitieren, wenn
– 83 –
er die Seelenzustände einer Person beschreibt, die eine (bestimmte) Absicht hat. – Es wird in dieser Beschreibung vielleicht nirgends der Ausdruck gebraucht, die Person habe diese Absicht. Aber wenn wir den Gang des Romans erzählen, werden wir
es vielleicht
dies etwa
sagen.

 
    
  
54
 
286.
466
      Ich schaue auf die brennende Lunte, folge mit höchster Spannung dem Fortschreiten des Brandes und wie er
– 84 –
sich dem Explosivstoff nähert. Ich denke vielleicht überhaupt nichts, oder eine Menge abgerissener Gedanken. Das ist gewiß ein Fall des Erwartens.

54
 
  
54
 
287.
467
      Wenn Einer, statt zu sagen “Ich erwarte jeden Moment die Explosion”, flüstert: “Es wird gleich losgehen!”, so beschreiben doch seine Worte keine Empfindung; obgleich sie und ihr Ton eine Äußerung seiner Empfindung sein können.

 
  
54
 
288.
468
      Wenn ich nun sage “Ich erwarte … ” – ist das die Feststellung: die Situation, meine Handlungen, Gedanken, etc. seien die des Erwartens dieses Ereignisses; oder gehören die Worte “Ich erwarte … ” zum Vorgang des Erwartens?
      Unter gewissen Umständen werden diese Worte einfach heißen (ersetzt werden können durch) “Ich glaube, das und das wird eintreten”. Manchmal auch: “Mach dich darauf gefaßt, daß …”.
      Ich sage jemandem: “Ich habe gehört, er wird kommen; ich erwarte ihn schon den ganzen Tag.” Dies ist ein Bericht darüber, wie ich den Tag verbracht habe.
      Ich komme in einem Gedankengang // Gespräch // zum Ergebnis, daß ein bestimmtes Ereignis zu erwarten sei, und ziehe diesen Schluß mit den Worten “Ich muß also jetzt
sein Kommen
erwarten”. Das kann man den ersten Gedanken, den ersten Akt, dieser Erwartung nennen.
      Der Asuruf “Ich erwarte ihn sehnsüchtig!” ist ein Akt des Erwartens, wenn sich die Spannung der Erwartung in ihm Luft macht. Ich kann aber dieselben Worte als das Resultat einer Selbstbeobachtung aussprechen, und sie hießen dann etwa: “Also nach allem, was vorgegangen ist erwarte ich ihn dennoch mit Sehnsucht”. Es kommt
– 85 –
darauf an: Wie ist es zu diesen Worten gekommen?

 
  
54
 
289.
482
      Erwartung ist, grammatisch // grammatikalisch // , ein Zustand. Wie: einer Meinung sein, etwas hoffen, etwas wissen, etwas können. Aber um die Grammatik dieser Zustände zu verstehen, muß man fragen: “Was gilt als Kriterium dafür, daß sich jemand in diesem Zustand befindet?” (Zustand der Härte, des Gewichts, des
Zusammenpassens.)
Passens.)


33
 
  
26˙3
 
290.
434
      “Wie kannst du sicher sein, daß du einen Augenblick lang ihn betrügen wolltest? War nie Waren nicht deine Handlungen und Gedanken viel zu rudimentär?”
      Kann denn die Evidenz nicht zu spärlich sein? Ja, wenn man ihr nachgeht, scheint sie ˇoft außerordentlich spärlich; aber das ist vielleicht, weil man die Vorgeschichte dieser Evidenz außer Acht läßt. Wenn ich einen Augenblick lang die Absicht hatte, dem Andern Unwohlsein vorzuheucheln, so brauchte es dazu eine Vorgeschichte.

26˙2, 26˙3, 53
 
  
53
 
291.
455
      “Dieser Gedanke knüpft an Gedanken an, die ich früher einmal gehabt habe.” – Wie tut er das? Durch ein Gefühl der Anknüpfung? Aber wie kann das Gefühl die Gedanken wirklich verknüpfen? – Das Wort “Gefühl” ist hier sehr irreleitend. Aber es ist möglich, daß Einer mit Sicherheit sagt: “Dieser Gedanke hängt mit jenem früheren zusammen”, ohne daß er doch den Zusammenhang anzugeben vermag. // , ohne doch den Zusammenhang angeben zu [l|k]önnen. // // Aber es ist manchmal möglich, mit Sicherheit zu sagen: “Dieser Gedanke hängt mit jene[m|n] früheren zusammen”, ohne daß man doch im Stande ist, den Zusammenhang zu zeigen. // Dies gelingt vielleicht später.

26, 51, 53
 
  
53
 
292.
436
      “Wenn ich die Worte gesagt hätte ‘Ich will ihn jetzt betrügen’, hätte ich die Absicht nicht gewisser gehabt, als so.” – Aber wenn du jene Worte gesagt hättest, mußtest
– 86 –
du sie da i[n|m] volle[m|n] Ernste meinen // gemeint haben // ? (So ist also der am meisten explizite Ausdruck der Absicht allein keine Evidenz der genügende Evidenz der Absicht.)
      [Ist die Evidenz nicht zu spärlich?]

50
 
    
  
26˙3
 
294.
437
      Wenn ich mich nun des Vorfalls schäme, schäme ich mich des Ganzen: der Worte, des giftigen Tones; u.s.w..

 
   
295.
438
      “Ich schäme mich nicht dessen, was ich damals tat, sondern der Absicht, die ich hatte.” – Aber lag die Absicht nicht auch in dem, was ich tat? Worin lag das Beabsichtigen? Nur in dem, was ich damals dachte, zu mir selber sagte? Wodurch ist die Absicht gegeben? Durch die ganze Geschichte. Die

 
  
50
 
296.
      Die Worte “Gottlob! Noch etwas weniges hat man geflüchtet – vor den Fingern der Kroaten”, mit ihrem Ton und Blick, scheinen allerdings schon jede Nuance ihrer Bedeutung in sich zu tragen. Nur darum aber, weil wir sie als Teil einer bestimmten Scene kennen. (Eine Menge wohlbekannte Pfade führen von diesen Worten aus in allen Richtungen.) – Man könnte aber eine ganz andere Scene um diese Worte (im gleichen Tone gesprochen) bauen; um zu zeigen, wie ihre besondere Seele in der Geschichte liegt, zu der sie gehören.
– 87 –

      (Darum sagt man auch: “Es kommt drauf an, wer es sagt.”)

 
   
297.
      Laß einen Menschen zornig, hochmütig, ironisch, blicken; und nun verhäng sein Gesicht, daß nur die Augen frei bleiben, – in denen der ganze Ausdruck vereint schien: Ihr Ausdruck ist nun überraschend vieldeutig vieldeutig.

 
  
63
 
298.
202
      “Es liegt alles schon in …” Wie kommt es, daß der Pfeil → zeigt zeigt? Scheint er nicht schon etwas außerhalb seiner selbst in sich zu tragen? – “Nein, es ist nicht der tote Strich; nur das Psychische, die Bedeutung, kann dies.” – Das ist wahr und falsch. Der Pfeil zeigt nur der Anwendung, die das Lebewesen von ihm macht.
      Diese Zeigen ist nicht ein Hocus Pocus, das nur die Seele vollziehen kann.

10˙1, 64
 
  
﹖ 23
 
299.
73
      “Er maß ihn mit feindseligem Blick und sagte …”. Der Leser der Erzählung versteht dies; er hat keinen Zweifel in seiner Seele. Nun sagst du: “Wohl, er denkt sich die Bedeutung hinzu, er errät sie.” – Im allgemeinen: Nein. Im Allgemeinen denkt s er sich nichts hinzu,
erratet
errät
nichts. – Es ist aber auch möglich, daß der feindselige Blick und die Worte sich später als Verstellung erweisen, oder daß der Leser im Zweifel darüber erhalten wird, ob sie es sind, oder nicht, und daß er also wirklich auf eine mögliche Deutung rät. – Aber dann rät er vor allem auf einen Zusammenhang. Er sagt sich etwa: die Beiden, die hier so feindlich tun, sind in Wirklichkeit Freunde, etc. etc..

 
  
53
 
300.
459
      “Einen Augenblick lang wollte ich …” D.h., ich hatte ein bestimmtes Gefühl, inneres Erlebnis; und ich erinnere mich daran. ‒ ‒ ‒ Und nun erinnere dich recht genau. Da scheint das ‘innere Erlebnis’ des Wollens wieder
– 88 –
zu verschwinden. Stattdessen erinnert man sich an Gedanken, Gefühle, Bewegungen, auch an Zusammenhänge mit früheren Situationen.
      Es ist, als hätte man die Einstellung des // eines // Mikroskops verändert, und was jetzt im Brennpunkt liegt, lag früher außerhalb. // Es ist, als hätte man die Einstellung des Mikroskops geändert, und was jetzt im Brennpunkt liegt, sah man früher nicht. //

26˙3
 
   
301.
460
      “Nun, das zeigt nur, daß du dein Mikroskop falsch eingestellt hast. Du solltest eine bestimmte Schicht des Präparats anschaun, und siehst nun eine andere.”

 
  
53
 
302.
461
      Daran ist etwas richtig. Aber nimm an, ich erinnerte mich (mit einer bestimmten Einstellung der Linsen) an eine Empfindung; wie darf ich sagen, daß sie das ist, was ich die ‘Absicht’ nenne? Es könnte sein, daß ein bestimmter Kitzel (z.B.) jede meiner Absichten begleitete.
      Was ist der natürliche Ausdruck der // einer // Absicht? – Sieh eine Katze an, wenn sie sich an einen Vogel heranschleicht; oder ein Tier, wenn es entfliehen will. (Verbindung mit Sätzen in d über Empfindungen.)

26˙2, 50, 33
 
  
53
 
303.
449
      “Ich erinnere mich nicht mehr meiner Worte, wohl aber der Absicht, in der ich sie sprach.” – Ein andrer sagt etwa darauf: “Das kann ich bezeugen; du sagtest damals …”
      Ebenso kann man manchmal sagen: “Ich erinnere mich nicht mehr meiner Worte, aber wohl an den Geist meiner Worte.”
“Ich erinnere mich nicht mehr an meine Worte, aber ich erinnere mich genau an meine Absicht: ich wollte ihn mit meinen Worten beruhigen.” Was zeigt mir meine Erinnerung; was führt sie mir vor die Seele? Nun, wenn sie nichts täte, als mir diese Worte einzugeben! und vielleicht noch andere, die die Situation noch genauer ausmalen. –
– 304 –
26˙3
 
   
304.
450
      Die Worte, mit denen ich meine Erinnerung ausdrücke, sind meine Erinnerungsreaktion.

 
  
26˙2
 
305.
339
      “Nur du kannst wissen, ob du die Absicht hattest.” Das könnte man jemandem sagen, wenn man ihn die Bedeutung des Wortes “Absicht” erklärt. Es heißt dann nämlich: so gebrauchen wir es.
      (Und “wissen”
sagt
heißt
hier, daß der Ausdruck der Ungewißheit sinnlos ist.) //

 
  
53
 
306.
458
      Er stand auf und trat ans Fenster. Später sagt er “Ich stand auf, um von diesen Leuten wegzukommen.” Ein Andrer sagt: “Das legst du jetzt hinein. Du bist nur aufgestanden, um deine Glieder zu strecken.” – Aber was soll er also hineingelegt haben? Jenes Ungreifbare, – die Absicht?
      Und warum scheint sie uns ungreifbar; noch um einen Grad ungreifbarer, als etwa eine Schmerzempfindung? – Es muß daher kommen, daß wir versucht sind, eine Art der Beschreibung hier anzuwenden, – sie aber fallen lassen. Und dies nun so deuten: wir hätten versucht, etwas anzufassen und es habe sich als ungreifbar erwiesen.

26˙2, 53
 
   
307.
      “Ich habe die Absicht, morgen zu verreisen.” – Wann hast du die Absicht? Die ganze Zeit; oder intermittierend?
      Schau in die Lade, in der du sie zu finden glaubst. Die Lade ist leer. – Ich glaube, du hast sie unter den Empfindungen gesucht.
      Überlege, was das eigentlich heißen würde “eine Absicht intermittierend haben”. Es hieße etwa:
sie
die ◇◇◇
haben; sie fallen lassen; sie wieder aufnehmen u.s.f.

 
  
53
 
308.
445
      Wie kommt es, daß ich dann trotzdem geneigt bin, ein Deuten darin zu sehen, wenn ich sage “Einen Augenblick lang wollte ich ihn betrügen”? Ist es, weil ich das, was in jenem Augenblick geschah, durch die Umgebung und Vorge-
– 90 –
schichte deute, d.h., mit dieser zusammen nur, als Absicht charakterisiere?

 
  
35
 
309.
337
      Glaub nicht immer, daß du die deine Worte von Tatsachen abliest: diese nach Regel in Worte abbildest! Denn die Anwendung der Regel im besondern Fall müßtest du ja doch ohne Führung machen.

 
  
60˙1
 
310.
487
      “Ich wälze den Entschluß in mir herum, morgen abzureisen.” (Dies kann man eine Beschreibung des Gemütszustandes nennen.)
      “Deine Gründe überzeugen mich nicht; ich bin noch immer der Absicht, morgen abzureisen.” Hier wird die Versuchung bestehen, die Absicht als ein Gefühl zu bezeichnen. // Hier wird man versucht sein, die Absicht ein Gefühl zu nennen. // Das Gefühl ist das einer gewissen Steifigkeit; des unabänderlichen Entschlusses. (Aber es gibt auch hier viele verschiedene charakteristische Gefühle, und Haltungen.)
      Man fragt mich: “Wie lang bleibst du hier?” Ich antworte: “Morgen reise ich ab; meine Ferien gehen zu Ende.”
      Dagegen aber: Ich sage am Ende eines Streits “Nun gut; dann reise ich morgen ab!” Ich fasse einen Entschluß.

26˙2, 26˙3
 
   
311.
488
      Dieser letzte Fall ist ähnlich dem: “Ich werde dir ein Zeichen geben: ich werde die Hand heben.” – Es würde Jeden überraschen, wenn ich stattdessen sagte “Meine Hand wird sich heben”, obwohl doch auch diese Voraussage erfüllt wird, wenn ich meine Hand hebe.
      Sagt also der Satz “Ich werde meine Hand heben” in Wirklichkeit etwas sehr schwer verständliches; was nur – zu seinem Glück – dem Laien, der den Satz gebraucht, verborgen bleibt? // dem Laien, der dies sagt, verborgen
bleibt
ist
? // // dem Laien, der diese Worte gebraucht, … //

 
  
55
 
312.
489
      Betrachte die beiden Sprachspiele:
– 91 –

a)
Der Turnlehrer gibt dem Schüler
Einer gibt einem Andern
den Befehl, bestimmte Armbewegungen zu machen, oder Körperstellungen einzunehmen. (Turnlehrer und Schüler). Eine Variante dieses Sprachspiels ist dieses: Der Schüler gibt sich selbst Befehle und führt sie, ˇetwa nach einer kurzen Pause, aus. // , und führt sie dann aus. //
      b) Jemand beobachtet gewisse regelmäßige Vorgänge – z.B. die Reaktionen verschiedener Metalle auf Säuren – und macht daraufhin Vorhersagen über die Reaktionen, die in bestimmten Fällen eintreten werden.
      Es ist zwischen diesen beiden Sprachspielen eine offenbare Verwandtschaft, und auch Grundverschiedenheit. In beiden könnte man die Worte // könnte man, was ges[r|p]rochen wird, // [v|V]oraushersagen” nennen. (Ein Befehl lautet oft “Du wirst das und das tun”.)
Vergleichen wir
Vergleiche aber
die Abrichtung die zu der ersten Technik führt mit der Abrichtung für die zweite.

60˙1
 
  
55
 
313.
490
      “Ich werde jetzt zwei Pulver einnehmen; eine halbe Stunde darauf werde ich erbrechen.” – Es erklärt nichts, wenn ich sage, im ersten Fall sei ich das agens, im zweiten bloß der Beobachter. Oder: im ersten Falle sähe ich den kausalen Zusammenhang von innen, im zweiten von außen. Und vieles Ähnliche.
      Es ist auch nicht zur Sache, zu sagen, daß eine Vorhersage der ersten Art so wenig unfehlbar ist, wie eine der zweiten Art.
      Nicht auf Grund von Beobachtungen meines Verhaltens sagte ich, ich würde jetzt zwei Pulver einnehmen. Die Antezedentien dieses Satzes waren ganz andere. Ich meine die Gedanken, Handlungen, etc., die zu ihm hinleiten; und es ist nur irreführend, zu sagen: “Die einzige wesentliche Voraussetzung deiner Äußerung war eben dein Entschluß.”

 
  
55
 
314.
491
      Ich will nicht sagen: im Falle der Willensäußerung “Ich werde Pulver einnehmen” sei die Voraussage Ursache –
– 92 –
und ihre Erfüllung der Effekt. (Das könnte vielleicht eine physiologische Untersuchung entscheiden.) Soviel aber ist wah[t|r]: Wir können häufig aus der Äußerung des Entschlusses die Handlung eines Menschen vorhersagen. Ein wichtiges Sprachspiel.

 
  
60˙1
 
315.
492
      “Aber wenn du sagst ‘Ich habe die Absicht, abzureisen’, so meinst du's doch! Es ist eben hier wieder das geistige Meinen, das den Satz belebt. Sprichst du den Satz bloß einem Andern nach, etwa um seine Sprechweise zu
verhöhnen
verspotten
, so sprichst du ihn ohne jenes geistige Meinen aus. // so sprichst du ihn ohne dieses Meinen.” // – Wenn wir philosophieren, so scheint es so. // Wenn wir philosophieren, so kann es manchmal so scheinen. // Aber denken wir uns doch wirklich verschiedene Si[z|t]uationen aus, und Gespräche, und wie jener Satz in ihnen ausgesprochen wird. – “Ich entdecke immer einen geistigen Unterton; vielleicht nicht immer den gleichen.” – Und war da kein Unterton vorhanden, als du den Satz einem Andern nachsprachst? Und warum nun ‘Unterton’ von dem übrigen Erlebnis des Sprechens trennen?

52
 
  
10˙1 60˙1
 
316.
493
      Es ist uns natürlich, den Satz in diesem Zusammenhang auszusprechen; und unnatürlich, ihn isoliert zu sagen. Sollen wir sagen: Es gibt ein bestimmtes Gefühl, daß das Aussprechen jedes Satzes begleitet, dessen Aussprechen uns natürlich ist?

51, 50, 27, 10˙1, 10, 12, 51˙2,
 
  
60˙1
 
317.
448
      “Du wurdest früher unterbrochen; weißt du noch, was du sagen wolltest?” – Wenn ich's nun weiß und es sage heißt das, daß ich es schon früher gedacht, und nur nicht gesagt hatte? Nein. Es sei denn, daß du die Sicherheit, mit der ich den unterbrochenen Satz weiterführe, als Kriterium dafür nimmst, daß der Gedanke damals bereits fertig war. – Aber es lag freilich schon alles mögliche in der Situation
– 93 –
und in meinen Gedanken, das dem Satz weiterhilft.

53, 60˙1
 
  
53
 
318.
446
      Wenn ich den unterbrochenen Satz fortsetze und sage, so hätte ich ihn damals fortsetzen wollen, so ist das ähnlich, wie wenn ich einen Gedankengang nach kurzen Notizen ausführe.
      Und deute ich also diese Notizen nicht? War nur eine Fortsetzung unter jenen Umständen möglich? Gewiß nicht. Aber ich wählte nicht unter diesen Deutungen. Ich erinnerte mich: daß ich das sagen wollte.



53 60˙1
 
   
319.
      “Ich wollte in meiner Erklärung auf … lossteuern.” Mir schwebte dieses Ziel vor. Ich sah im Geist die Stelle des Buchs, auf die ich hinzielte. // zuging. //
      Die Absicht zu beschreiben, heißt, was vorging, unter einem [g|b]estimmten Gesichtspunkte, für einen bestimmten Zweck, beschreiben. Ich male ein bestimmtes Porträt der Vorgänge; bringe bestimmte Züge heraus.

 
  
60˙1
 
320.
432
      “Suche das Buch A” heißt nicht “Suche das Buch B”. Aber ich mag, indem ich die beiden Befehle befolge, genau das gleiche tun.
      Zu sagen, es müsse dabei etwas anderes geschehen, wäre ähnlich, als sagte man, die
Aussagen
Sätze
“Heute ist mein Geburtstag” und “Am 26. April ist mein Geburtstag” müßten sich auf verschiedene Tage beziehen, da denn ihr Sinn ˇsei nicht der gleiche sei.

27, 41
 
    
  
27˙01
 
322.
404
      Die Meinung, möchte man sagen, entwickelt sich. Aber auch darin liegt ein Fehler.
– 94 –


53, 60˙1, 27˙01
 
   
323.
      In Laufe
des
eines
Gespräches bin will ich auf etwas zeigen; ich habe bereits den Anfang einer Zeigebewegung gemacht; führe sie aber nicht aus. Später sage ich: “Ich wollte damals darauf zeigen. Ich erinnere mich noch deutlich, das ich schon den Finger aufgehoben hatte.” In dem Strom dieser Vorgänge, Gedanken und Empfindungen war dies der Anfang einer Gebärde des Zeigens.
      Ja, wenn ich die ganze Gebärde machte und sagte “Er liegt dort drüben”, so wäre das kein Zeigen, wenn nicht diese Worte zu einer Sprache gehörten.

 
  
﹖ 30
 
324.
499
      Die Frage “Was geht da vor, wenn … ?” (in dieser Art von Untersuchung) ist gänzlich irreführend. Die philosophische Frage selbst verstellt den Weg zur Klarheit.

 
  
27
 
35
 
  
25
 
326.
483
      Eine Meinung haben ist ein Zustand. – Ein Zustand wessen? Der Seele? des Geistes? Nun, wovon sagt man, es habe eine Meinung? Vo[n|m] Herrn N.N. z.B. zum Beispiel. Das ist die richtige Antwort.
      Man darf eben von der Antwort auf
die
jene
Frage noch keinen ˇphilosophischen Aufschluß erwarten. Fragen die tiefer dringen, sind: Was sehen wir in besondern Fällen als Kriterien dafür an, daß Einer die und die Meinung hat? Wann sagen wir: er sei damals zu dieser Meinung gekommen? wann: er habe seine Meinung geändert? U.s.w.. Das Bild, welches die Antworten auf diese Fragen uns geben, zeigt, was hier grammatisch
– 95 –
als Zustand behandelt wird.

33
 
  
10˙1
 
327.
46
      “Ist es nicht eigentümlich, daß ich nicht sollte denken können, es werde bald aufhören zu regnen, ohne die Existenz der Institution der Sprache und ihre g ihrer ganzen Umgebung?” – Willst du sagen, es ist seltsam, daß du dir diese Worte nicht solltest sagen können und sie meinen ohne jene Umgebung?
      Nehmen wir an, jemand rufe, auf den Himmel weisend, aus eine Reihe unverständlicher Worte aus. Da wir ihn fragen, was er meint, sagt er, das heiße “Gottlob, es wird bald aufhören zu regnen”. Ja, er erklärt uns auch, was die einzelnen Wörter bedeuten. – Ich nehme an, er käme gleichsam plötzlich zu sich und sagte: jener Satz sei völliger Unsinn gewesen, sei ihm aber, als er ihn sprach, als Satz einer ihm geläufigen Sprache erschienen. (Ja etwa, wie ein wohlbekanntes Zitat.) – // Ja vielleicht, wie ein … // – Was soll ich nun sagen? Hat er diesen Satz nicht verstanden, als er ihn sagte? Trug der Satz nicht seine ganze Bedeutung in sich?

10˙1, 44˙2, 28, 27˙01, 26
 
  
10˙1
 
328.
47
      Aber worin lag jenes Verstehen und die Bedeutung? Er sprach die Lautreihen in erfreutem Tone, indem er auf den Himmel zeigte, während es noch regnete, aber schon lichter wurde; später machte er eine Verbindung seiner Worte mit den deutschen Worten.

10˙1, 27˙01, 28, 26
 
  
10˙1
 
329.
48
      “Aber seine Worte fühlten sich eben wie die Worte einer ihm wohlbekannten Sprache an.” – Ja; das Kriterium dafür ist, daß er dies später sagte. Und nun sag ja nicht: “Die Wörter einer uns geläufigen Sprache fühlen sich eben in ganz bestimmter Weise an.”
      (Was ist der Ausdruck dieses Gefühls?)

10˙1, 28, 51, 12
 
   
330.
      Ich hatte mit Absicht ein Beispiel gewählt, in dem der Mensch einer Empfindung Ausdruck gibt. Denn in diesem
– –
Fall sagt man, Laute, die keiner Sprache angehören, seien voll von Bedeutung.

 
  
10˙1
 
331.
42
      So sind die Worte “Möchte er doch kommen!” mit meinem Wunsche geladen. Und Worte können sich uns entringen, wie ein Schrei. Worte können schwer auszusprechen sein: Worte, mit denen man auf etwas Verzicht leistet, etwa, oder eine Schwäche eingesteht.

10˙1, 12
 
   
332.
43
      Man könnte sich Menschen denken, die etwas einer Sprache nicht ganz unähnliches besäßen: Lautgebärden; ohne Wortschatz oder Grammatik. (‘Mit Zungen reden’?)

10˙1
 
   
333.
      Worte eines Dichters können uns durch und durch gehen. Und das hängt, kausal, natürlich mit dem Gebrauch zusammen, den sie in unserm Leben haben. Und es hängt auch damit zusammen, daß wir, diesem Gebrauch gemäß, unsere Gedanken dorthin und dahin in die wohlbekannte Umgebung der Worte schweifen lassen.

 
  
10˙1
 
334.
44
      “Was wäre aber hier die Bedeutung der Laute?” – Was ist sie in der Musik? Wenn ich auch gar nicht sagen will, daß diese Sprache der klanglichen Gebärden mit Musik verglichen werden müßte. [Dazu die Bemerkung von der einseitigen Diät]

 
  
14˙1
 
335.
210
      Ich sehe ein Bild: es stellt einen alten Mann dar, der, auf einen Stock gestützt einen steilen Weg aufwärts geht. – Und wie das? Konnte es nicht auch so aussehen, wenn er in dieser Stellung die Straße hinunterrutschte? – Ein Marsbewohner würde das Bild vielleicht so beschreiben. Ich brauche nicht zu erklären, warum wir es nicht so beschreiben.

50
 
  
1, 2
 
336.
237
      Damit es mir erscheinen kann, als hätte die Regel alle ihre Folgesätze zum Voraus erzeugt, müssen sie mir
– 97 –
selbstverständlich sein // erscheinen // . So selbstverständlich, wie es mir ist, diese Farbe “blau” zu nennen. (Kriterien dafür daß dies mir ‘selbstverständlich’ ist.)

2, 61, 41,
 
  
1
 
337.
238
      Woher die Idee, es wäre die angefangene Reihe ein sichtbares Stück unsichtbar bis ins Unendliche gelegter Geleise? Nun, statt der die Regel könnten wir führt uns ˇwie ein Geleise denken. Und der nicht begrenzten Anwendung der Regel entsprechen unendliche lange Geleise.

65, 41
 
    
  
2
 
339.
250
      Man fühlt nicht, daß man immer des Winkes (der Einflüsterung) der Regel gewärtig sein muß. Im Gegenteil. Wir sind nicht gespannt darauf, was sie uns jetzt sagen wird, sondern sie sagt uns immer dasselbe, und wir tun, was sie uns sagt.
      Man könnte sagen: wir sehen, was wir beim Befolgen der Regel tun, unter dem Gesichtspunkt des immer Gleichen an.
      Man könnte dem, den man abrichtet, sagen, : “Sieh, ich tue immer das Gleiche: ich …”

 
   
340.
130
      (Faraday “The Chemical History of a Candle”): “Water is one individual thing – it never changes”.

 
  
2˙2
 
341.
235
      Einem beschreiben, wie man einer Regel folgt, heißt, ihn lehren, Regeln zu folgen.

 
  
38˙1
 
342.
76
      Aber eine Maschine kann doch nicht denken! – Ist das ein Erfahrungssatz? Nein. Wir sagen nur vom Menschen, und was ihm ähnlich ist, es denke. Wir sagen es auch von Puppen,
– 98 –
und wohl auch von Geistern. Sieh das Wort “denken” als Instrument an!

38, 44
 
  
﹖ 25
 
343.
412
      “Wenn ich Einen die Bildung der Reihe … lehre, meine ich doch, er solle an der 100sten Stelle … schreiben.” Ganz richtig: du meinst es. Und offenbar, ohne notwendigerweise auch nur daran zu denken. Das zeigt dir, wie verschieden die Grammatik des
Verbums
Zeitworts
“meinen” von der des
Verbums
Wortes
“denken” ist. Und nichts [v|V]erkehrteres, als Meinen eine geistige Tätigkeit zu nennen! Wenn man nämlich nicht darauf ausgeht, Verwirrung zu erzeugen. (Man könnte auch von einer Tätigkeit der Butter reden, wenn sie im KPreise steigt; und wenn dadurch keine Probleme erzeugt werden, so ist es harmlos.)

27, 25
 
   
344.
      Ich folge einer Regel nicht anders, als der Anweisung “Schlage zwei Eier in eine Pfanne”. Und gehörte dieser Satz keiner Sprache an, oder einer, die ich nicht verstehe, so folgte ich diesen Worten nicht, was immer ich täte.

 
  
39
 
345.
535
      Ich bin geneigt,
von etwas
vom
Leblosen zu reden, als von einem, dem etwas abgeht. Ich sehe das Leben unbedingt als ein Plus an, als etwas dem Leblosen hinzugefügtes gegebenes // gegebenes, hinzugefügtes, an // . (Psychologische Atmosphäre.)

52, 37
 
  
35
 
346.
372
      Wie erkenne ich, daß diese Farbe Rot ist? – Eine Antwort wäre: “Ich habe [d|D]eutsch gelernt.”

 
  
﹖ 10˙1
 
347.
51
      Jemand, der nicht Deutsch kann, hörte mich bei gewissen Anlässen ausrufen: “Welch herrliche Beleuchtung!” Er errät den Sinn und gebraucht nun den Ausruf selber, wie ich es tue, ohne jedoch die drei Wörter zu verstehen. Versteht er den Ausruf?
      Wäre es ebenso leicht, sich den analogen Fall zu denken für diesen Satz: “Wenn der Zug nicht pünktlich um 5 Uhr
– 99 –
ankommt, wird er den Anschluß versäumen”? Was hieße es etwa in diesem Falle: den Sinn erraten?

 
  
10˙3
 
348.
108
      Wissen, wie jemand ausschaut: es sich vorstellen können – aber auch: es nachmachen können. Muß man sich's vorstellen, um es nachzumachen? Und ist, es nachmachen, nicht ebenso stark
wie,
als
es sich vorstellen?

10˙3, 39˙1, 10˙1, 2˙2
 
   
349.
      Wenn mir jemand plötzlich mit haßerfülltem Ausdruck sagt “Ich hasse den N” – und jener Name bezeichnet niemand, – soll ich sagen, dieser Mensch hasse jemanden? Ich werde vielleicht sagen: dieser Mensch hat Haßanfälle. Könnte man in einem ähnlichen Sinne sagen, ein Mensch habe ‘Anspielungsanfälle’? – Aber diese Anfälle bestünden in den subjektiven Er Erscheinungen des Anspielens.

 
  
30
 
350.
497
      “Was geschieht, wenn ein Mensch plötzlich versteht?” – Die Frage ist irreführend // falsch // gestellt. Fragt sie nach der Bedeutung des Ausdrucks “plötzlich verstehen”, so ist die Antwort nicht das Hinweisen auf einen Vorgang, den wir so nennen. Die Frage könnte bedeuten: Was sind Anzeichen dafür, daß Einer plötzlich versteht, und charakteristische psychische Begleiterscheinungen, wie die Gefühle, die zu jenen Anzeichen gehören? Wenn ich z.B. plötzlich den Atem einziehe, so merkt der Andre, und ich fühle es ˇetwa auch.
      (Es ist kein Grund, anzunehmen, daß ein Mensch die Ausdrucksbewegungen seines Gesichts, z.B., oder die ˇfür die Gemütsbewegung charakteristischen Veränderungen Wechsel in der Atmung, in seiner Atmung, fühle; auch wenn er sie fühlt, sobald er seine Aufmerksamkeit auf sie richtet.)

2˙2, 30
 
   
351.
498
      Daß die Antowort auf die Frage nach der Bedeutung des Ausdrucks mit dieser Beschreibung nicht gegeben ist, verleitet dann zu der Folgerung, das Verstehen sei eben
– 100 –
ein spezifisches, undefinierbares, Erlebnis. Man vergißt aber, daß, was uns interessieren muß, die Frage ist: Wie vergleichen wir diese Erlebnisse; was legen wir fest als Kriterium de[s|r] Identität des Geschehnisses?

10˙1, 33
 
   
27
 
    
  
6
 
354.
153
      Wie ein Wort verstanden wird, das sagen Worte allein nicht. (Theologie.)

44, 6
 
  
39
 
355.
365
      Wir analysieren nicht ein Phänomen (z.B. das Denken), sondern einen Begriff) (z.B. den des Denkens), und also die Anwendung eines Wortes. So kann es scheinen, als wäre, was wir treiben, Nominalismus. Nominalisten machen den Fehler, daß sie alle Wörter als Namen deuten, also ihre Verwendung nicht wirklich beschreiben, ˇsondern sozusagen nur eine papierene Anwendung auf so eine Beschreibung geben.

 
   
356.
      Statt “Ich habe ihn gemeint” kann man auch sagen
– 101 –
“Ich habe von ihm gesprochen”. Und ˇwie macht man das: mit diesen Worten von ihm sprechen? Warum klingt es falsch, zu sagen “ich habe von ihm gesprochen, indem ich bei diesen Worten auf ihn zeigte”?
      “Ihn meinen” heißt etwa: von ihm reden. Nicht: auf ihn zeigen. Und wenn ich von ihm rede, besteht freilich eine Verbindung zwischen meiner Rede und ihm, aber diese Verbindung liegt in der Anwendung der Rede, nicht in einem Akt des Hinweisens // Zeigens // . Das Zeigen ist selbst nur ein Zeichen, und es kann im Sprachspiel die Anwendung der Sätze regeln, also, was gemeint ist anzeigen.

 
  
﹖ 39
 
357.
124
      Was wir zur Erklärung der Bedeutung, ich meine, der Wichtigkeit, , eines Begriffs fragen sagen müssen, sind oft außerordentlich allgemeine Naturtatsachen. Solche, die wegen ihrer großen Allgemeinheit kaum je erwähnt werden. (Hierher die Bemerkung von den ‘kuriosen Beiträgen’.)

 
  
﹖ 10
 
358.
96
      Es ist so wenig für das Verständnis eines Satzes wesentlich, daß man sich bei ihm etwas vorstelle, als daß man nach ihm eine Zeichnung entwerfe.

10˙1, 14˙1, 23
 
  
55
 
359.
502
      “Das Wollen, wenn es nicht eine Art Wünschen sein soll, muß das Handeln selber sein. Es darf nicht vor dem Handeln stehen bleiben.” Ist es das Handeln, so ist es dies im gewöhnlichen Sinne dieses Worts; also: sprechen,
singen
schreiben
, gehen etwas heben, sich etwas vorstellenˇ, etc.; aber auch: trachten, versuchen, sich bemühen, zu sprechen, zu
singen
schreiben
, etwas zu heben, sich etwas vorzustellen, etc..

 
  
55
 
360.
503
      Wenn ich meinen Arm hebe, so habe ich nicht gewünscht, er möge sich heben. Die willkürliche Handlung schließt diesen Wunsch aus. Man kann allerdings sagen: “Ich hoffe, ich werde den Kreis fehlerlos zeichnen”. Und damit drückt man einen Wunsch aus, die Hand möge sich so
– 102 –
und so bewegen.

 
  
55˙1
 
361.
521
      Im Laboratorium, unter dem Einfluß elektrischer Ströme etwa, sagt Einer mit geschlossenen Augen “Ich bewege meinen Arm auf und ab” – obgleich sich der Arm nicht bewegt. “Er hat also das besondere Gefühl der Bewegung” sagen wir. – Beweg mit geschlossenen Augen deinen Arm hin und her. Und nun versuch, während du es tust, dir zu sagen // dir einzureden // , der Arm stehe still und du habest nur gewisse seltsame Empfindungen in verschiedenen Muskeln, etc.!

 
  
55˙1
 
362.
522
      “Wie weißt du, daß ˇdu deinen Arm gehoben hast?” – “Ich fühle es.” Was du also wiedererkennst, ist die Empfindung? Und ist es sicher, daß du sie richtig wiedererkennst? – Diese Äußerung machen ist das Kriterium, das Maß, des Wiedererkennens.

 
  
﹖ 14˙1
 
363.
72
      “Ich glaube, das richtige Wort in diesem Fall ist …” Zeigt das nicht, daß die Bedeutung des Worts ein Etwas ist, das uns vorschwebt, und das gleichsam das genaue Bild ist, das // welches // wir hier brauchen wollen? Denke, ich wählte zwischen den Wörtern “stattlich”, “würdevoll”, “stolz”, “[a|A]chtung gebietend Ehrfurcht einflößend”; ist es nicht, als ob wählte ich zwischen den Bildern // Zeichnungen // in einer Mappe wählte[.| ?] – Nein; daß man vom treffenden Wort redet, zeigt nicht zeigt nicht die Existenz eines Etwas, welches etc.. Vielmehr ist man geneigt, von jenem blii bildartigen Wesen // Etwas // zu sprechen, weil man ein Wort als treffend empfinden kann; zwischen Worten oft, wie zwischen ähnlichen, aber doch nicht gleichen, Bildern, wählt; weil man Bilder oft statt Wörtern, oder zur Illustration von Wörtern gebraucht; etc..

14˙1, 12, 6˙1,
 
  
30
 
364.
495
      Was heißt es: sich die Gedanken und Gefühle des Andern ausmalen? Wie macht man das?
– 103 –


30, 26˙3
 
  
51˙1
 
365.
524
      Wenn wir die Frage “warum” unterdrücken, werden wir oft erst die wichtigen Tatsachen gewahr[,| .] die zu unserm Gegenstand gehören. Die nämlich in unserer Untersuchung entscheiden.

 
  
51
 
366.
536
      Wie schätzt man: wieviel Uhr es ist? Ich meine aber nicht, nach äußeren Anhaltspunkten, dem Stand der Sonne, der Helligkeit im Zimmer, u. dergl.. – Man fragt sich etwa “Wieviel Uhr kann es sein?”, überlegt einen Augenblick; d.h., hier man hält sich still, stellt sich
vielleicht
etwa
das Zifferblatt vor; und dann spricht man die und die Zeit aus. – Oder man überlegt sich mehrere Möglichkeiten: man denkt sich eine Zeit, dann eine andre, und bleibt endlich bei einer stehen. So und ähnlich geht es vor sich. ‒ ‒ ‒ Aber ist nicht der Einfall von einem Gefühl der Überzeugung begleitet; und heißt das nicht, daß er nun mit einer innern Uhr übereinstimmt? – M Nein, ich lese die Zeit von keiner Uhr ab; ein Gefühl der Überzeugung ist insofern da, als ich mir ohne Empfindung des Zweifels, mit Ruhe und Sicherheit eine Zeit sage. – Aber schnappt nicht etwas bei dieser Zeitangabe ein? – Nichts, das ich wüßte; wenn du nicht das Zur-Ruhe-Kommen der Überlegung, das Stehenbleiben bei einer Zahl so nennst. Ich hätte auch hier nie, von einem ‘Gefühl der Überzeugung’ geredet, sondern gesagt: ich habe eine Weile überlegt und mich dann dafür entschieden, daß es ˇsei viertel sechs ist. Wonach aber hab ich mich entschieden? Ich hätte vielleicht gesagt: “bloß nach dem Gefühl”[;| .] [d|D]as heißt nur: ich habe es dem Einfall überlassen. ‒ ‒ ‒ Aber ˇdu mußtest dich doch wenigstens zum Schätzen in einen bestimmten Zustand versetzen; und du nimmst doch nicht jede Vorstellung irgend einer Zeitangabe als Angabe der richtigen Zeit! – Wie gesagt: ich hatte mich gefragt “Wieviel Uhr mag es sein?”, d.h. ich habe diese Frage nicht, z.B., einer Erzählung ge[s|l]esen, noch sie als Ausspruch eines andern zitiert, noch mich im Aussprechen dieser
– 104 –
Wörter geübt, u.s.f.. – nicht unter diesen Umständen habe ich die Worte gesprochen. – Aber unter welchen also? – Ich dachte an mein Frühstück und ob es heute spät damit würde. Soclcherart Solcherart waren die Umstände. – Aber siehst du denn wirklich nicht, daß du doch in einem, wenn auch
gleichsam
gleichsam
ungreifbaren, für das Schätzen der Zeit charakteristischen Zustand, gleichsam in einer dafür charakteristischen Atmosphäre warst? – Ja, das Charakteristisch war, daß ich mich fragte “Wieviel Uhr mag es sein?”; und hat dieser Satz eine bestimmte Atmosphäre, wie soll ich sie von ihm selbst trennen können? Es wäre mir nie eingefallen, der Satz hätte einen solchen Dunstkreis, hätte ich nicht daran gedacht, wie man ihn auch anders – als Zitat, im Scherz, als Sprechübung, etc. – sagen könnte. Und da wollte ich auf einmal sagen, da erschien es mir auf einmal: ich müßte die Worte doch irgendwie besonders gemeint haben; anders nämlich, als in jenen andern Fällen. Es hatte sich mir das Bild von der besondern Atmosphäre aufgedrängt; ich sehe sie förmlich vor mir – solange ich nämlich nicht auf das sehe, was nach meiner Erinnerung wirklich gewesen ist.
      Und was das Gefühl der Sicherheit anbelangt: so sage ich mir manchmal “Ich bin sicher, es ist … Uhr”, und in mehr oder weniger sicherem Tonfall, etc.. Fragst du nach dem Grund für diese Sicherheit, so habe ich keinen.
      Wenn ich sage: ich lese es auf meiner inneren Uhr ab, so ist das ein Bild, dem nur entspricht, daß ich diese Zeitangabe gemacht habe. Und der Zweck des Bildes ist, diesen Fall dem andern anzugleichen. Ich sträube mich, die beiden verschiedenen Fälle anzuerkennen.

 
   
367.
537
      Von größter Wichtigkeit ist die Idee der Ungreifbarkeit jenes Zustands beim Schätzen der Zeit. Warum ist er ungreifbar? Ist es nicht, weil wir, was an dem
– 105 –
unserm Zustand greifbar ist, uns weigern, zu dem spezifischen Zustand zu rechnen, den wir postulieren?

64, 39˙1
 
  
﹖ 67
 
368.
178
      Was ist dein Ziel in der Philosophie? – Der Fliege den Ausweg // Ausgang // aus dem Fliegenglas zeigen.

42, 41, 45
 
  
64
 
369.
175
      Wenn man fragt “Wie macht der Satz das, daß er darstellt?”, so könnte die Antwort sein: “Weißt du es denn nicht? Du siehst d es doch, wenn du ihn benützt.” Es ist ja nichts verborgen. Wie macht der Satz das? – Weißt du es denn nicht? Es ist ja nichts versteckt.
      Aber auf die Antwort “Du weiß ja, wie es der Satz macht, es ist ja nichts verborgen” möchte man sagen: “Ja, aber es fließt alles so rasch vorüber, und ich mcö möchte es gleichsam breiter auseinander gelegt sehen.”
      Aber es hindert uns eben nicht am Ausdruck. – Was es heißt, etwas Entfliehendes in der Beschreibung festhalten zu wollen, wissen wir. Das geschieht etwa, wenn wir das Eine vergessen, während wir das And[r|e]re beschreiben wollen. Aber darum handelt es sich doch hier nicht. Und so ist das Wort “en[f|t]fliehen” anzuwenden.

 
  
30
 
370.
74
      Könnte eine Maschine denken? ‒ ‒ ‒ Könnte sie Schmerzen haben? – Nun, – soll der menschliche Körper so eine Maschine heißen? Er kommt doch am nächsten dazu, so eine Maschine zu sein.

38˙1, 38
 
  
61
 
371.
226
      Sokrates zu Theaitetos: “Und wer vorstellt, sollte nicht etwas vorstellen?” – Th.: “Notwendig.” – Sok.: “Und wer etwas vorstellt, nichts Wirkliches?” – Th.: “So scheint es.”
      Und wer malt, sollte nicht etwas malen – und wer etwas [,|m]alt, nichts Wirkliches? – Ja, was ist das Objekt des Malens: das Bild, oder ein Gegenstand, den es
vorstellt
dacrstellt
?
– –


61, 26˙4, 31
 
  
30
 
372.
78
      Ist das Denken, sozusagen, ein spezifisch organischer Vorgang der Seele – gleichsam ein Kauen und Verdauen in der Seele? Kann man ihn dann durch einen anorganischen Vorgang ersetzen, der den gleichen Zweck erfüllt, sozusagen mit einer Prothese das Denken besorgen? Wie müßte man sich eine Denkprothese vorstellen?

 
  
30
 
373.
      Eine der philosophisch gefährlichsten Ideen ist, merkwürdigerweise, daß wir mit dem Kopf, oder im Kopf denken.

 
  
30
 
374.
      Die Idee vom Denken als einem Vorgang im Kopf, in dem gänzlich abgeschlossenen Raum, gibt ihm etwas Okkultes.

64
 
  
﹖ 34˙1
 
375.
95
      Irreführende Parallele: Der Schrei, ein Ausdruck des Schmerzes – der Satz, ein Ausdruck des Gedankens!
      Als wäre es der Zweck des Satzes, den Einen wissen zu lassen, wie es
mir
dem Andern
zu Mute ist: Nur, sozusagen, im DenkGehirnapparat und nicht im Magen.

4, 34˙1
 
  
4
 
376.
276
      Wozu denkt der Mensch? wozu ist es nütze? Wozu berechnet er Dampfkessel und überläßt ihre Wandstärke nicht dem Zufall? Es ist doch nur Erfahrungstatsache, daß Kessel, die so berechnet wurden, nicht so oft explodieren! Aber so, wie er alles eher täte, als die Hand ins Feuer stecken, das ihn früher gebrannt hat, so wird er alles eher tun, als den Kessel nicht berechnen. Da uns aber ˇdie Ursachen nicht interessieren, – werden wir sagen: Die Menschen denken tatsächlich: sie gehen, z.B., auf diese Weise vor, wenn sie einen Dampfkessel bauen. – Kann nun ein so erzeugter Kessel nicht explodieren? O doch!

5, 30, 44, 56, 4
 
   
377.
277
      Denkt der Mensch also, weil Denken sich bewährt hat? – Weil er denkt, es sei vorteilhaft, zu denken?
      (Erzieht er seine Kinder, weil es sich bewährt hat?)
– 107 –


 
   
378.
278
      Wie wäre herauszubringen: warum er denkt?

 
   
379.
279
      Und doch kann man sagen
, Denken habe
, das Denken habe
sich bewährt. Es seien jetzt weniger Kesselexplosionen, als früher, seit etwa die Wandstärken nicht mehr nach dem Gefühl bestimmt, sondern auf die und die Weise berechnet werden. Oder, seit man jede Berechnung eines Ingenieurs von einem zweiten Mann kontrollieren läßt.

 
   
380.
      Manchmal also denkt man, weil es sich bewährt hat.

 
  
58˙1
 
381.
272
      Die Natur des Glaubens an die Gleichförmigkeit des Geschehens wird vielleicht am klarsten im Falle, in dem wir Furcht vor dem Erwarteten empfinden. Nichts könnte mich dazu bewegen, meine Hand in die Flamme zu stecken, // : // obwohl ich mich doch nur in der Vergangenheit | verbrannt habe.

 
  
58˙1
 
382.
273
      Der Glaube, daß mich das Feuer brennen wird, ist von der
Art
Natur
der Furcht, daß es mich brennen wird.

 
  
58˙1
 
383.
274
      Daß mich das Feuer brennen wird, wenn ich die Hand hine[n|i]nstecke: das ist Sicherheit.
      D.h., da sehen wir, was Sicherheit bedeutet. (Nicht nur ˇwas das Wort “Sicherheit” bedeutet, sondern auch, was es mit ihr auf sich hat.)

 
  
﹖ 58˙1
 
384.
275
      Wenn man mich ins Feuer zöge, so würde ich mich wehren und nicht gutwillig gehen: und ebenso würde ich schreien “
ich werde mich verbrennen
Es wird mich brennen
!”; und ich würde nicht schreien “Vielleicht wird es ganz angenehm sein!”

 
  
﹖ 39
 
385.
129
      Überlege: “Das einzige Korrelat in der Sprache zu einer Naturnotwendigkeit ist eine willkürliche Regel. Sie
– 108 –
ist das Einzige, was man von dieser Notwendigkeit in Sätze // in einen Satz // abziehen kann.”

20
 
  
20
 
386.
128
      Man ist versucht, Regeln der Grammatik durch Sätze zu rechtfertigen von der Art “Aber es gibt doch wirklich vier primäre Farben.” Und gegen die Möglichkeit dieser Rechtfertigung, die nach dem Modell der Rechtfertigung eines Satzes durch den Hinweis auf
die Tatsache, die ihn wahr macht,
seine Verifikation
gebaut ist, richtet sich das Wort, daß die Regeln der Grammatik willkürlich sind.
      Kann man aber nicht doch in irgendeinem Sinne sagen, daß die Grammatik der Farbwörter die Welt, wie sie tat[l|s]ächlich ist, charakterisiert? Man möchte sagen: [k|K]ann ich nicht wirklich vergebens nach einer fünften primären Farbe suchen? Nimmt man nicht die primären Far[v|b]en zusammen, weil sie eine Ähnlichkeit haben; oder zum mindesten die Far Farben, im Gegensatz z.B. zu den Formen, oder Tönen, weil sie eine Ähnlichkeit haben? Oder habe ich, wenn ich diese Einteilung der Welt als die richtige hinstelle, schon eine vorgefaßte Idee als Paradigma im Kopf? Von der ich dann etwa nur sagen kann: “Ja, das ist die Art, wie wir die Dinge betrachten”, oder “Wir wollen eben ein solches Bild machen”[.| ?] Wenn ich nämlich sage: “die primären Farben haben doch eine bestimmte Ähnlichkeit miteinander” – woher nehme ich den Begriff dieser Ähnlichkeit? Ist nicht so, wie der Begriff ‘primäre Farbe’ nichts andres ist, als ‘blau oder rot oder grün, oder gelb’, – auch der Begriff jener Ähnlichkeit nur durch die vier Farben gegeben? Ja, sind
die Begriffe
sie
nicht die gleichen? – “Ja, könnte man denn auch rot, grün und kreisförmig zusammenfassen?” – Warum nicht?!

 
   
387.
      Warum nenne ich die Regeln des Kochens nicht willkürlich; und warum bin ich versucht, die Regeln der Grammatik willkürlich zu nennen? Weil ‘Kochen’ durch seinen Zweck definiert ist, dagegen ‘Sprechen’ nicht. Darum ist
– 109 –
der Gebrauch der Sprache in einem gewissen Sinne autonom, in dem das Kochen und Waschen es nicht ist. Wer sich beim Kochen nach andern als den richtigen Regeln richtet, kocht schlecht; aber wer sich nach andern Regeln als denen des Schach richtet, spielt ein anderes Spiel; und wer sich nach andern grammatischen Regeln richtet, als den
unsern
und den
, spricht darum nichts Falsches, sondern von etwas Anderem.

 
   
388.
      Wenn man eine Regel, ein Wort des Satzes betreffend, dem Satze beifügt, so ändert sich sein Sinn nicht.

 
   
389.
126
      Was wir liefern, sind eigentlich Bemerkungen zur Naturgeschichte des Menschen; aber nicht kuriose Beiträge, sondern solche Feststellungen // sondern Feststellungen ˇvon Tatsachen, an denen niemand gezweifelt hat, und die dem Bemerktwerden nur entgehen, weil sie ständig vor unsern Augen sind. // weil sie sich ständig vor unsern Augen herumtreiben. //

 
  
51˙2
 
390.
525
      Wenn man mich fragt “Hast du deinen Schreibtisch wiedererkannt, wie du heute morgens in dein Zimmer getreten bi[e|s]ht?”, so würde ich wohl sagen “Gewiß”; und doch ist es irreführend, das, was sich da abge[w|s]pielt hat, ein “Wiedererkennen” zu nennen. Gewiß, der Schreibtisch war mir nicht fremd, ich war nicht überrascht, ihn zu sehen, wie ich es gewesen wäre, wenn ein anderer dagestanden hätte, oder ein fremdartiger Gegenstand.

 
  
51˙2
 
391.
526
      Niemand wird sagen, daß jedesmal, wenn ich in mein Zimmer komme, in die altgewohnte Umgebung, sich ein Wiedererkennen alles dessen, was ich sehe und hundertmal gesehen habe, abspielt.

 
  
51˙2
 
392.
527
      Von den Vorgängen, die man “Wiedererkennen” nennt, haben wir leicht einen falschen Begriff // ein falsches
– 110 –
Bild // ; als bestünde das Wiedererkennen immer darin, daß wir zwei Eindrücke miteinander vergleichen. Es ist, als trüge ich ein Bild eines Gegenstandes bei mir und agnoszierte danach einen Gegenstand als den, welchen das Bild darstellt. Unser Gedächtnis scheint uns so einen Vergleich zu vermitteln, indem es uns ein Bild des früher Gesehenen aufbewahrt, oder uns erlaubt (wie durch ein Rohr) in die Vergangenheit zu blicken // (gleichsam wie durch ein Rohr) // .

 
  
51˙2
 
393.
528
      Diese Form, die ich sehe – möchte ich sagen – ist nicht einfach eine Form, sondern sie ist eine von den mir bekannten Formen; sie ist eine im Vorhinein ausgezeichnete Form. Sie ist eine von den Formen, deren Bild schon f früher in mir war, und nur weil sie so einem Bild entspricht, ist sie die wohlbekannte Form. (Ich trage gleichsam einen Katalog solcher Formen in mit herum und die Gegenstände, die dort abgebildet sind, sind dann die wohlbekannten.)

 
  
51˙2
 
394.
529
      Aber daß ich das Bild schon früher mit mir herumgetragen habe, wäre nur eine kausale Erklärung des gegenwärtigen Eindrucks. Es ist, als sagte man: [d|D]iese Bewegung geht so leicht, als wäre sie eingeübt worden.
      Und es ist ja nicht so sehr, als vergliche ich den Gegenstand mit einem neben ihm stehenden Bild, sondern als deckte er sich mit dem Bild. Ich sehe also nur Eines und nicht [Z|z]wei.

 
  
52
 
395.
61
      Man sagt “Dieses Gesicht hat einen ganz bestimmten Ausdruck”, und sucht etwa nach Worten, die ihn charakterisieren.

51˙2, 10˙1, 52, 51
 
   
396.
177
      Hier ist es leicht, in jene Sackgasse des Philosophierens zu geraten, wo man glaubt, die Schwierigkeit der Auf[f|g]abe liege darin, daß schwer erhaschbare Erscheinungen, die
– 111 –
schnell entschlüpfende gegenwärtige Erfahrung oder dergleichen, von uns beschrieben werden sollten // sollen // . Wo die gewöhnliche Sprache uns zu roh erscheint; und es scheint, als haben // hätten // wir es nicht mit den Phänomenen zu tun, von denen der Alltag redet, sondern “mit den leicht entschwindenden, die mit ihrem Auftauchen und Vergehen jene ersteren annähernd erzeugen”. // und wir es nicht mit den Phänomenen, von denen der Alltag redet, zu tun zu haben scheinen, sondern … //

 
   
397.
      Gewiß, ich lese eine Geschichte und kümmere mich den Teufel um ein System der Sprache. Ich lese einfach, habe Eindrücke, sehe Bilder vor mir, etc.. Ich lasse die Geschichte an mir vorüberz[e|i]ehen wie Bilder, wie eine Bildergeschichte. (Damit will ich natürlich nicht sagen, daß jeder Satz in mir ein visuelles Bild, oder mehrere, hervorruft, und daß das etwa der Zweck eines Satzes sei.)

 
   
398.
      Denken wir uns eine Bildergeschichte in schematischen Bildern, also ähnlicher der Erzählung in einer
Schrift
Sprache
, als eine Folge realistischer Bilder. Man könnte in so einer Bildersprache etwa insbesondere den Gang von Schlachten festgehalten haben. (Sprachspiel.) Und ein Satz unserer Wortsprache kommt so einem Bild dieser Bildsprache viel näher als man meint.

 
   
399.
      Denken wir auch daran, daß // wie // wir uns solche Bilder nicht erst in realistische übertragen, um sie zu ‘verstehen’, so wenig wir uns je Photographien oder die Bilder eines Films, in farbige Bilder übertragen, obwohl uns schwarz-weiße Menschen, oder Pflanzen in der Wirklichkeit unsagbar fremd und schrecklich vorkämen.
      Wie, wenn wir nun hier sagten “Ein Bild ist etwas nur in einer Bildersprache”?
– 112 –


 
  
52
 
400.
       (Zu Nr. 396.) Und da muß sich daran erinnern, daß alle die Phänomene, die uns nun so merkwürdig vorkommen, die ganz gewöhnlichen sind, die, wenn sie sich abspielen, uns nicht im geringsten auffallen. Sie kommen uns erst in der seltsamen Beleuchtung merkwürdig vor, die wir nun auf sie werfen, wenn wir philosophieren.

 
   
401.
      (Zu Nr. 347.) Man kann sich leicht eine Sprache vorstellen, in der Menschen ein einziges Wort für jenen Ausruf benutzen. Aber wie wäre es mit einem Wort für den Satz “wenn der Zug …”? In was für einem Fall würden wir sagen, daß das Wort tatsächlich für diesen Satz steht?
      Etwa in diesem: Die Leute benützten anfänglich einen Satz wie den unsern; dann aber tra[f|t]en Umstände ein, in denen der Satz so häufig ausgesprochen werden mußte, daß sie ihn zu einem Wort zusammenzogen. Diese Leute könnten also noch das Wort durch
jenen
den
Satz erklären.
      Aber kann es auch den Fall geben, in dem Leute nur ein Wort für jenen Sinn besäßen, also für jenen Gebrauch? Warum nicht? Man muß sich vorstellen, wie [e|E]iner de[m|n] Gebrauch dieses Wortes lernt, und unter welchen Umständen wir sagen würden, daß das Wort wirklich jenen Satz vertritt. Bedenk aber dies: In unserer Sprache sagt jemand “Er kommt um 5 Uhr an”; ein Andrer antwortet “Nein, 10 Minuten nach 5”. Gibt es diese Art Gespräch auch in der andern Sprache?
      Darum sind Sinn und Bedeutung vage Begriffe.

 
  
67
 
402.
364
      Es ist sehr schwer, Gedankenbahnen zu beschreiben, wo schon viel Fahrgeleise sind – ob deine eigenen, oder andere, – und nicht in eins der ausgefahrenen Gleise zu kommen. Es ist schwer: nur wenig von einem alten Gedankengleise abzuweichen. [Lehre von den irrationalen Zahlen]

 
  
12
 
403.
52
      Wir können uns eine Sprache denken, in deren Verwen-
– 113 –
dung
das Gefühl, das unsern Worten anhaftet, keinen
der Eindruck, den wir von den Zeichen erhalten keine
Rolle spielt; in der es ein Verstehen
des Wortcharakters
S
nicht gibt. Die
Wörter
Zeichen
werden uns etwa
wie die Symbole der chemischen Zeichensprache übermittelt und erhalten keinen Dunstkreis.
geschrieben übermittelt und wir können sie uns nun merken. (D.h. der einzige Eindruck, von dem da die Rede ist, ist das Bild des Zeichens.)
Wenn
dann z.B.
es nun
ein Befehl ist ˇgegeben wird, so übertragen wir ˇdie Zeichen nach Regeln, Tabellen, das Zeichen in Handlung. Zum Eindruck, ähnlich dem eines ˇgemalten Bildes, kommt es nicht, und
es wird in dieser Sprache nicht gedichtet. [405]
man schreibt auch nicht Geschichten in dieser Sprache.
 
   
404.
      Es wäre natürlich auch denkbar, daß wir einen Satz der Wortsprache, um von ihm einen Eindruck zu erhalten, nach Regeln in ein gezeichnetes Bild übertragen mußten. (Daß erst dies Bild eine Seele hätte.)

 
   
405.
      (Zu Nr. 403.) In diesem Fall könnte man sagen: “Die Zeichenfolge ist tot ohne das System”. // “Das Zeichen lebt nur im System.” //

 
  
﹖ 24
 
406.
58
      “Das Bild sagt mir sich selbst”, möchte ich sagen. D.h., daß es mir etwas sagt, besteht in seiner eigenen Struktur, in seinen Formen und Farben. (Was hieße es, wenn man sagte: “Das musikalische Thema sagt mir sich selbst”?)

 
  
4
 
407.
1
      Achten wir auf den Gebrauch des Wortes “Deutsche Sprache”! sonst fragen wir etwa: “Was ist die Sprache? [a|A]lle ihre Sätze, die je gesprochen worden sind? [d|D]ie Klasse ihrer Regeln in und Wörter? etc. etc..” – Was ist das System? Wo ist es? Was ist das Schachspiel? [a|A]lle Partien? das Regelverzeichnis?

 
   
408.
      (Ich könnte meinem Schüler sagen: Du wirst anders denken, wenn du durch diese Übungen gegangen bist.)

 
  
24
 
409.
57
      Denken uns eine Art Vexierbild, worin nicht ein bestimmter
– 114 –
Gegenstand aufzufinden ist, sondern
welches
das
uns auf den ersten Blick als ein Gewirr nichtssagender Striche erscheint und nach einigem Suchen erst als, sagen wir, ein Landschaftsbild. – Worin besteht der Un[n|t]erschied zwischen dem Anblick des Bildes vor und nach der Lösung? Daß wir es beide Male anders sehen, ist klar. In wiefern aber kann man nach der Auflösung sagen, jetzt sage uns das Bild etwas, früher habe es uns nichts gesagt?

 
   
410.
      Wir können diese Frage auch so stellen: Was ist das allgemeine Charakteristikum dafür, daß die Lösung // eine Lösung // gefunden ist?

 
   
411.
      Ich will annehmen, daß ich, sobald es gelöst ist, die Lösung dadurch kenntlich mache, daß ich gewisse Striche des Bildes stark nachziehe und etwa Schatten eintrage. Warum nennst du nun das Bild, was du eingezeichnet hast, eine Auflösung?
      a) Weil es die klare Darstellung einer Gruppe räumlicher Gegenstände ist.
      b) Weil es die Darstellung eines regelmäßigen Körpers ist.
      c) Weil es eine symmetrische Figur ist.
      d) Weil es eine Figur ist, die mir einen ornamentalen Eindruck macht.
      e) Weil es die Darstellung eines Körpers ist, der mir bekannt vorkommt.
      f) Weil es eine Liste von Auflösungen gibt und diese Figur (dieser Körper) auf der Liste steht.
      g) Weil es eine Art von G[g|e]genstand darstellt, die ich wohl kenne: denn er macht mir den augenblicklichen Eindruck der Wohlbekanntheit, ich verbinde augenblicklich alle möglichen Ass[p|o]ziationen mit ihm; ich weiß, wie er heißt; daß ich ihn oft gesehen habe; ich weiß, wozu man ihn gebraucht; etc..
– 115 –

      h) Weil ich den Gegenstand wohl zu kennen scheine: es fällt mir sogleich ein Wort als sein Name ein (obwohl das Wort keiner bestehenden Sprache angehört); ich sage mir “Natürlich, das ist ja ein … ” und gebe mir eine unsinnige Erklärung, die mir in diesem Augenblick sinnvoll erscheint. (Wie im Traum.)
      i) Weil es ein Gesicht darstellt, welches mir bekannt vorkommt.
      j) Weil es ein Gesicht darstellt, welches ich erkenne: es ist das Gesicht meines Freundes N; es ist ein Gesicht, welches ich oft abgebildet gesehen habe. etc..
      k) Weil es einen Gegenstand darstellt, den ich mich erinnere, einmal gesehen zu haben.
      l) Weil es ein Ornament ist, das ich gut kenne (obwohl ich nicht weiß, wo ich es gesehen habe).
      m) Weil es ein Ornament ist, das ich gut kenne: ich kenne seinen Namen, weiß, wo ich es schon gesehen habe.
      n) Weil es einen Einrichtungsgegenstand meines Zimmers darstellt.
      o) Weil ich instinktiv diese Striche nachgezogen habe und mich nun beruhigt fühle.
      p) Weil ich mich erinnere, daß mir dieser Gegenstand beschrieben worden ist. ( U.s.w.
      (Wer nicht versteht, warum wir über diese Dinge reden, muß, was wir sagen, als leere Spielerei empfinden.)