Dieses Buch kann allerdings gekürzt werden, aber es ist sehr schwer es richtig zu kürzen. Diese Bemerkung bezieht sich nicht auf den “Versuch einer Umarbeitung”.







   
     Philosophische       Bemerkungen      ¤

     XI.


      Fortsetzung von Band X.




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14.12.33.
     Das1 Bild sagt mir also sich selbst.
     Und daß es mir etwas sagt wird etwa darin bestehen, daß ich in ihm Gegenstände in irgend einer charakteristischen Gruppierung wiedererkenne. (Wenn ich sage: “ich sehe in diesem Bild einen Tisch”, so charakterisiert das, wie gesagt, das Bild in einer Weise, die nichts mit der Existenz eines ‘wirklichen’ Tisches zu tun hat. “Das Bild zeigt mir einen Würfel”, kann z.B. heißen: es enthält die Form .)


   
     Wir sind geneigt zu denken, es gäbe ein bestimmtes Phänomen des Wiedererkennens, das Ding als das zu erkennen. Aber als was? Als das, welches diesen Namen hat? oder so gebraucht wird? Denn ‘das Ding als sich selbst erkennen’ heißt nichts. Die Idee, die uns da vorschwebt, ist die des Vergleichs zweier Bilder; es ist als trügen wir ein Bild des Gegenstandes mit uns herum, & wir erkennen einen Gegenstand als den, welchen das Bild darstellt || zeigt. Es ist uns so, als ob unser Gedächtnis so einen Vergleich vermittelte; indem es uns ein Bild des früher Gesehenen aufbewahrt oder uns erlaubt in die Vergangenheit zu sehen || schauen, so daß || sodaß || daß wir jedes Bild, oder das in der Vergangenheit Geschaute, || das was uns das Gedächtnis zeigt, mit dem gegenwärtig Gesehenen vergleichen können. Wenn || Aber wenn wir die Gegenstände die uns umgeben & die wir unzählige Male gesehen
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haben nicht als fremde sondern als wohlvertraute behandeln, ja sogar wenn wir auf eine Frage etwa antworten “ja, diesen Tisch kenne ich gut || wohl, ich sehe ihn täglich”, so geht hier kein Vergleich zweier Eindrücke (eines Erinnerungsbildes & der Wirklichkeit) vor sich. Ja, nicht einmal dann, wenn wir sagen “ich erinnere mich, daß diese Farbe gestern etwas heller war”, es sind auch da in den meisten Fällen nicht zwei Eindrücke.


   
      Ich leugne natürlich nicht, daß es Phänomene des Wiedererkennens gibt (wenn wir, z.B., sagen: “das ist dasselbe Kästchen, das ich vor Jahren dort gesehen habe”) auch nicht, daß unter den Phänomenendes Wiedererkennens || , die wir “Wiedererkennen” nennen, das || dasjenige ist, ein Vorstellungsbild mit der Wirklichkeit zu vergleichen. ∣ Wenn aber jemand auf meinen Schreibtisch zeigt & || man mich fragt: “hast Du ihn || Deinen Schreibtisch wiedererkannt, wie || als Du ihn heute früh früh wieder || nach dem Aufstehen gesehen hast || wie Du heute morgen in Dein Zimmer getreten bist?” so werde || würde ich zwar || wohl sagen “gewiß!” und doch ist es irreführend, das was sich da abgespielt hat ein “Wiedererkennen” zu nennen. Gewiß, der Schreibtisch war mir nicht fremd, ich war nicht überrascht ihn zu sehn, wie ich es gewesen wäre wenn ein andrer dagestanden hätte oder gar ein Gegenstand desgleichen ich noch nie gesehen hätte. || fremdartiger Gegenstand.


   
      Der Anblick meines Zimmers, einer Straße2
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voll Menschen, einer Landschaft mit Häusern & Bäumen ist mir wohlvertraut.
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⋎ S. 5 A



   
     “Was heißt es: ‘dieser Gegenstand ist mir wohlbekannt?” – “Nun, ich weiß daß er ein Tisch ist.” Das kann u.a. heißen || aber alles mögliche heißen, u.a.: “ich weiß, wie er gebraucht wird”, “ich weiß daß, wenn man ihn aufklappt, er wie ein Tisch aussieht” || er sieht wie ein Tisch aus, wenn man ihn aufklappt”, “ich weiß, daß man das einen ‘Tisch’ nennt”.


   
Was ist das Wesen des ‘Wohlbekanntseins’? Worin besteht es, daß ein Anblick mir wohlbekannt ist? (Schon diese Frage ist eigentümlich; sie klingt nicht wie eine grammatische Frage.)
     Ich möchte sagen: “Ich sehe was ich sehe. Und die Wohlbekanntheit kann nur darin liegen, daß ich in dem Anblick ruhe.


   
     “Ich sehe, was ich sehe”, das sage ich darum, weil ich nicht benennen will, was ich sehe. Ich will nicht sagen, “ich sehe eine Blume”, denn das setzt ein Sprachübereinkommen voraus & meine Ausdrucksweise will sich nicht auf die Geschichte des Eindrucks beziehen.


   
      Ja, wenn ich sage das Wohlbekanntsein bestehe darin,
daß ich erkenne, was ich sehe || daß ich erkenne, was das ist was ich sehe || ich sehe eine Blume, so wende ich die Sache nun so || sehe ich die Sache nun so an, || : das Aussprechen der Worte des Erkennens “das ist eine Blume” ist eine Reaktion auf den Anblick; man kann aber nicht sagen, es sei das Kriterium des Erkennens, daß ich den Gegenstand richtig benenne; vielmehr muß es nun heißen, das Erkennen ist dadurch charakterisiert, daß ich bei dem Anblick des Gegenstandes eine Lautverbindung, etwa mit gewissen Empfindungen, ausspreche. Denn daß diese Lautverbindung das richtige deutsche Wort ist, ja überhaupt ein Wort einer bestehenden || existierenden Sprache, liegt nicht in der Erfahrung beim Aussprechen.


   
     Das Wohlbekanntsein bestehe darin, daß ich erkenne, || : was ich sehe sei eine Blume. Ich sehe nun die Sache so an || sage nun: Das Aussprechen der Worte des Erkennens “das ist eine Blume” ist eine || die Reaktion || “das ist eine Blume” ist eine || die Reaktion des Erkennens auf den Anblick (des Gegenstandes); ich sage aber nicht, das Kriterium des Erkennens sei || aber das Kriterium des Erkennens ist nicht, daß ich den Gegenstand richtig benenne, sondern daß ich bei seinem Anblick eine Lautverbindung mit bestimmtem Erlebnis ausspreche. Denn daß die Lautverbindung das richtige deutsche Wort ist, oder überhaupt ein Wort einer bestehenden Sprache liegt nicht in dem Erlebnis beim Aussprechen.

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     [Zu S. 3]
A Prüfe: “Wohlbekannt ist das, wovon ich weiß, was es ist”.



   
     Ich will alles ‘Geschichtliche’ aus meiner Betrachtungsweise des Bekanntseins ausschalten. Es bleiben dann Eindrücke (Erlebnisse, Reaktionen), & auch wo die Sprache in unsere Erfahrungen eintritt betrachten wir sie nicht als bestehende Einrichtung.


   
Die Multiplizität des Wohlbekanntseins, wie ich es verstehe, ist also die des Ruhens in einem Anblick. Es könnte darin bestehen daß mein Blick auf dem Gegenstand nicht unruhig (suchend) umherschweift, daß ich den Aspekt des Gesehenen nicht wechsle sondern mich in einem Aspekt niederlasse & bleibe. || sogleich einen Aspekt ergreife & festhalte.


   
     Ich sehe das Bild eines dicken Rockes & habe ein Gefühl der Wärme & Behaglichkeit, ich sehe das Bild einer winterlichen Landschaft & friere. Diese Reaktionen, könnte man sagen, sind durch frühere Erfahrung gerechtfertigt. Aber wir bekümmern uns jetzt nicht um die Geschichte unserer Erfahrungen & also auch nicht um eine solche Rechtfertigung.
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     Niemand wird sagen, daß jedesmal wenn ich in mein Zimmer komme, in die altgewohnte Umgebung, sich ein Wiedererkennen alles dessen was ich sehe, & hunderte Male gesehen habe, abspielt.


   
     Wenn wir an unser Verstehen eines Bildes etwa eines Genrebildes denken, so sind wir vielleicht geneigt anzunehmen, daß es da ein bestimmtes Phänomen des Wiedererkennens gibt & wie die gemalten Menschen als Menschen, die gemalten Bäume als Bäume erkennen, etc.
     Aber vergleiche ich denn beim Anblick eines Genrebildes die gemalten Menschen mit wirklichen, etc.?
     Soll ich also sagen ich erkenne die gemalten Menschen als gemalte Menschen? Und also auch die wirklichen Menschen als wirkliche?


   
     Freilich gibt es ein || das Phänomen des Erkennens, wenn wir, etwa nach einem Vorgang des Suchens, eine Zeichnung als die eines Menschen erkennen; aber was sich hier abspielt geschieht eben nicht, wenn ich die Zeichnung sogleich als die || Darstellung eines Menschen erkennen; aber was sich hier abspielt geschieht eben nicht, wenn ich die Zeichnung sogleich als Darstellung eines Menschen sehe.

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     Der Anblick || Das Bild der || einer menschlichen Gestalt sowie die menschliche Gestalt selbst sind uns wohlvertraute Gegenstände. Von einem Wiedererkennen aber ist hier keine Rede.


   
     Von den Vorgängen, die man “Wiedererkennen” nennt haben wir leicht einen falschen Begriff; als bestünden sie || bestünde das Wiedererkennen immer darin daß wir zwei Bilder || Eindrücke mit einander vergleichen. Es ist als trügen wir ein Bild des || eines Gegenstandes mit uns || trüge ich ein Bild des || eines Gegenstandes bei mir & agnoszierte danach einen Gegenstand als den, welchen das Bild darstellt. Unser Gedächtnis scheint uns so einen Vergleich zu vermitteln, indem es uns ein Bild des früher Gesehenen aufbewahrt oder uns erlaubt (wie durch ein Rohr) in die Vergangenheit zu blicken.


   
In den meisten Fällen des Wiedererkennens findet kein solcher Vergleich statt.
     Jemand kommt mir auf der Gasse entgegen dessen Gesicht meinen Blick auf sich zieht; vielleicht frage ich mich “wer ist das?”; plötzlich ändert sich der Aspekt des Gesichtes in bestimmter Weise, “es wird mir bekannt”; ich lächle gehe auf ihn zu & begrüße ihn beim Namen; jetzt reden wir von der vergangenen Zeit & dabei schwebt mir vielleicht auch ein Erinnerungsbild von ihm vor, & ich
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sehe ihn
|| ich sehe ihn
in einer bestimmten Situation.


   
     Man sagt vielleicht: hätte ich nicht sein Bild in der Erinnerung bewahrt, so könnte ich ihn nicht erkennen. Aber hier gebraucht man eine Metapher, oder man spricht eine Hypothese aus.


   
     Man könnte sagen: “sein Gesicht || der Anblick war erinnerungsbetont”.


   
     Man sagt auch: “wir könnten Worte gar nicht gebrauchen, wenn wir nicht sie & die Gegenstände die sie bezeichnen wiedererkennten”. Wenn wir die Farbe Grün nicht als solche wiedererkennten (wohl wegen Mangels an Gedächtnis), so könnten wir also das Wort “Grün” nicht anwenden. Aber haben wir denn irgend eine Kontrolle dieses Wiedererkennens, so daß wir wissen daß es auch wirklich ein Wiedererkennen ist? Wenn wir von einem Wiedererkennen reden, so meinen wir, daß wir etwas als das erkennen, was es, nach andern Kriterien, wirklich ist. “Erkennen” heißt: erkennen, was ist.


   
     Die Wohlbekanntheit bestätigt den Aspekt || Anblick ohne ihn aber mit etwas Anderem zu vergleichen. Sie stempelt ihn gleichsam ab.
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     Anderseits möchte ich sagen: “was ich hier vor mir sehe, ist doch nicht irgend eine Form, die ich auf bestimmte Weise sehe, sondern es sind eben meine Schuhe, die ich kenne. Aber hier bekämpfen sich eben zwei Ausdrucksweisen.

   
     Diese Form, die ich sehe – möchte ich sagen – ist nicht einfach eine Form, sondern sie ist eine von den mir bekannten Formen; sie ist eine im vorhinein ausgezeichnete Form. Sie ist eine von den Formen deren Bild schon früher in mir war & nur weil sie so einem Bild entspricht, ist sie die wohlbekannte Form. (Ich trage gleichsam einen Katalog solcher Formen mit mir herum & die Gegenstände die dort abgebildet sind, sind dann die wohlbekannten.)

   
     Aber daß ich das Bild schon früher mit mir herumgetragen habe wäre nur eine kausale Erklärung des gegenwärtigen Eindrucks. Es ist, als sagte man: diese Bewegung geht so leicht, als wäre sie eingeübt worden.
     Und es ist ja nicht so sehr als vergliche ich den Gegenstand mit einem neben ihm stehenden Bild sondern als deckte er sich mit dem Bild. Ich sehe also nur Eines & nicht zwei.


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     Man sagt: “dieses Gesicht hat einen ganz bestimmten Ausdruck”, & sucht etwa nach Worten, die ihn charakterisieren.


   
     Hier ist es leicht in jene Sackgasse des Philosophierens zu geraten, wo man glaubt die Schwierigkeit der Aufgabe liege darin, daß schwer Erhaschbares || erhaschbare Erscheinungen, die schnell entschlüpfende gegenwärtige Erfahrung, oder dergleichen, von uns beschrieben werden sollen || sollten. Wo die gewöhnliche Sprache uns zu roh erscheint; & wir es nicht mit den Phänomenen, von denen der Alltag redet, zu tun zu haben scheinen, || es scheint als haben wir es nicht mit den Phänomenen zu tun, von denen der Alltag redet, sondern “mit den leicht entschwindenden, die mit ihrem Auftauchen & Vergehen jene ersteren annähernd erzeugen”.


   
Und da muß man sich daran erinnern, daß alle die Phänomene, die uns nun so merkwürdig vorkommen, die ganz gewöhnlichen sind, die, wenn sie geschehen, uns nicht im geringsten auffallen. Sie kommen uns erst in der seltsamen Beleuchtung merkwürdig vor, die wir nun auf sie werfen, wenn wir philosophieren.


   
“Das Bild sagt mir sich selbst”, möchte ich sagen. D.h., daß es mir etwas sagt, liegt || besteht in seiner eigenen
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Struktur in seinen Formen & Farben.
     So ein Fall wäre es z.B., wenn der Satz “es sagt mir etwas” oder “es ist ein Bild” hieße: es zeigt irgend eine Kombination von Würfeln & Zylindern.


   
     “Es sagt mir etwas” kann heißen: es erzählt mir etwas, es ist eine Erzählung.

   
     Es sagt mir sich selbst, wie ein Satz, eine Erzählung mir sich selbst sagt.

   
     Ist denn der Begriff des erzählenden Bildes nicht ähnlich dem des Genrebildes (oder Schlachtenbildes). Und wenn ich beschreiben wollte, was ein Schlachtenbild ist, so brauchte ich mich nicht auf eine Realität außerhalb des Bildes zu beziehen sondern nur von gemalten Menschen, gemalten Pferden, gemalten Kanonen etc. zu reden.


   
“Das Bild sagt mir etwas”: es gebraucht, sozusagen, Worte; hier sind Augen, Mund, Nase, Hände, etc. etc.. Ich vergleiche das Bild mit einer Kombination sprachlicher Formen.


   
Aber das System der Sprache ist nicht von der Kategorie des || eines Erlebnisses. Das typische Erlebnis beim Gebrauch eines Systems nicht das System.
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(Vergleiche: Bedeutung des Wortes “oder” & Oder-Gefühl.)


   
     “Jetzt sagt mir diese Zeichenfolge etwas; früher, ehe ich die Sprache lernte, hat sie mir nichts gesagt”. Nehmen wir an wir meinten || meinen damit, daß der Satz jetzt einen bestimmten Eindruck auf mich macht. || mit einem bestimmten Erlebnis gelesen wird. Gewiß, diese Zeichenfolge hat, ehe ich die Sprache verstehen lernte, nicht diesen Eindruck auf mich hervorgebracht. || diesen Eindruck gemacht. Der Eindruck ist natürlich, wenn wir vom Kausalen absehen vom System der Sprache ganz unabhängig. – Und nun wehrt sich etwas in mir dagegen, zu sagen: daß der Satz etwas sagt, besteht darin, daß er mir diesen Eindruck macht.
     “Etwas ist ein Satz nur in einer Sprache”, will ich sagen.


   
     ‘Sprache’, das sind doch die Sprachen. Auch solche die ich nach Analogie bestehender erfinde. Die Sprachen sind Systeme.


   
“Ein Satz ist ein Satz einer Sprache”. Aber das heißt eben: “Sätze” nenne ich Glieder der Sprachen.

   
Aber achten wir auf den Gebrauch des Wortes “deutsche Sprache”, sonst fragen wir etwa: “Was ist die Sprache? alle ihre Sätze die je
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gesprochen worden sind? Ihre Regeln || die Klasse ihrer Regeln & Wörter? etc. etc..”. Was ist das System? Wo ist es? Was ist das Schachspiel? alle Partien? Das Regelverzeichnis?

   
Satz ist das Glied einer Sprache”. “Es ist doch offenbar die Kombination von Wörtern die auch anders kombiniert werden könnten || können, was den Satz ausmacht”. D.h. aber: was ihn für mich ausmacht. So betrachte ich die Sprache.

   
Wir wollen eben auf das System der Sprache achten.

   
     Gewiß, ich lese eine Geschichte & kümmere mich den Teufel um ein System der Sprache. Ich lese einfach, habe Eindrücke, sehe Bilder vor mir, etc.. Ich lasse die Geschichte an mir vorüberziehen wie Bilder, wie eine Bildergeschichte. (Damit will ich natürlich nicht sagen, daß jeder Satz in mir ein visuelles Bild oder mehrere hervorruft, & daß das etwa der Zweck eines || des Satzes sei.)


   
     Denken wir uns eine Bildergeschichte in schematischen Bildern, also ähnlicher der Erzählung in einer Sprache als eine Folge realistischer Bilder. Man könnte in so einer Bildersprache etwa insbesondere den Gang von Schlachten festgehalten haben. (Sprachspiel.) Und ein Satz unserer Wortsprache kommt ¤ so einem Bild dieser Bildersprache viel näher als man meint.
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     Denken wir auch daran, wie || daß wir uns solche Bilder [] nicht erst in realistische übertragen, um sie zu ‘verstehen’, sowenig wir uns je Photographien oder die Bilder des Films in färbige Bilder übertragen obwohl uns schwarz-weiße Menschen oder Pflanzen etc. in der Wirklichkeit unsagbar fremd & schrecklich vorkämen.
     Wie, wenn wir nun hier sagten: “ein Bild ist etwas nur in einer Bildersprache”?


   
     Ein Satz einer Erzählung gibt uns dieselbe Befriedigung, wie ein Bild.


   
Wir können uns (anderseits) eine Sprache denken, in deren Verwendung der Eindruck, den ein Zeichen uns macht, || , den wir von den Zeichen erhalten, in keiner Weise eintritt || nicht eintritt || keine Rolle spielt; in der es ein Verstehen im Sinne eines solchen Eindrucks nicht gibt. || ; in der ein Verstehen im Sinne eines solchen Eindrucks nicht in Frage kommt. Die Zeichen werden uns etwa geschrieben übermittelt & wir können sie uns nun merken. (D.h. der einzige Eindruck von dem da die Rede ist, ist das Bild des Zeichens.) Wenn es nun ein Befehl ist, so übertragen wir nach Regeln, Tabellen, das Zeichen in Handlung. Zum Eindruck ähnlich dem eines Bildes kommt es gar nicht & man schreibt auch nicht Erzählungen || Geschichten in dieser Sprache. Es gibt
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aber etwa eine Art Unterhaltungslektüre, die darin besteht, daß man gewisse Zeichenfolgen in Körperbewegungen übersetzt die eine Art Tanz bilden. (Vergleiche die Bemerkung über Verstehen & Chiffre.)
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     Es wäre natürlich auch denkbar, daß wir einen Satz der Wortsprache, um von ihm einen Eindruck zu erhalten, nach Regeln in ein gezeichnetes Bild übertragen müßten. (Daß erst dies Bild eine Seele hätte.)


   
(Ich könnte meinem Schüler sagen: Du wirst anders denken, wenn Du durch diese Übungen gegangen bist.)


   
In diesem Fall könnte man wirklich sagen: “Die Zeichenfolge ist tot ohne das System”. || “Das Zeichen lebt nur im System.”



   
Aber auch in unserer gewöhnlichen Sprache können wir von dem Eindruck des Satzes oft ganz absehen & wichtig ist nur, wie wir mit dem Satz operieren. (Frege's Auffassung der Logik.)


   
     “Es gibt keinen alleinstehenden Satz”. Denn was ich “Satz” nenne ist eine Spielstellung in einer Sprache.
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     Ist das Verwirrende nicht, daß ich eine Spielstellung betrachten kann so genau ich will, aber dadurch nicht herausfinde, daß es eine Spielstellung ist? Es verwirrt uns hier etwas in || an der Grammatik des Wortes “Spielstellung”.


   
     Das Denken heißt eine Tätigkeit, wie das Rechnen. Niemand würde Rechnen einen Zustand nennen, oder Schach spielen.


   
     Denken wir uns eine Art Vexierbild, worin nicht ein bestimmter Gegenstand aufzufinden ist, sondern das uns auf den ersten Blick als ein Gewirr nichtssagender Striche erscheint & nach einigem Suchen erst als, sagen wir, ein Landschaftsbild. – Worin besteht der Unterschied zwischen dem Anblick des Bildes vor & nach der Lösung || Auflösung. Daß wir es beidemale anders sehen ist klar. Inwiefern aber kann man nach der Auflösung sagen, jetzt sage uns das Bild etwas, früher habe es uns nichts gesagt?

   
     Wir können diese Frage auch so stellen: Was ist das allgemeine Charakteristikum dafür, daß die Lösung gefunden ist?

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      Als das Kriterium der Auflösung könnte ich alles mögliche bestimmen.

     Ich will annehmen, daß ich, sobald es gelöst ist, die Lösung dadurch darstelle || kenntlich mache, indem || daß ich gewisse Striche des Vexierbildes stark nachziehe & etwa Schatten eintrage. Warum nennst Du nun das Bild das Du eingezeichnet hast eine Auflösung?
     a) Weil es die klare Darstellung einer Gruppe dreidimensionaler || räumlicher Gegenstände ist.
     b) Weil es einen regelmäßigen Körper darstellt || die Darstellung eines regelmäßigen Körpers ist.
     c) Weil es eine symmetrische Figur ist.
     d) Weil es eine Figur ist die mir einen ornamentalen Eindruck macht.
     e) Weil es die Darstellung eines Körpers ist der mir bekannt vorkommt.
     f) Weil es eine Liste von Auflösungen gibt & diese Figur (dieser Körper) auf der Liste steht.
     g) Weil es eine Art von Gegenstand darstellt, die ich wohl kenne: denn sie || er macht mir den augenblicklichen Eindruck der Wohlbekanntheit, ich verbinde augenblicklich alle möglichen Assoziationen mit ihm, ich weiß, wie er heißt, ich weiß, daß ich ihn oft gesehen habe, ich weiß, wozu man ihn gebraucht, etc. etc.
     h) Weil es ein Gesicht darstellt, welches mir bekannt vorkommt.
     i) Weil es ein Gesicht darstellt welches ich erkenne: α) es ist das Gesicht meines Freundes so & so β) es ist ein Gesicht welches ich oft abgebildet gesehen habe. etc.
     k) Weil es einen Gegenstand darstellt,
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den ich mich erinnere, einmal gesehen zu haben.
     l) Weil es ein Ornament ist das ich gut kenne (obwohl ich nicht weiß, wo ich es gesehen habe).
     m) Weil es ein Ornament ist das ich gut kenne: ich kenne seinen Namen, weiß wo man es finden kann || ich es schon gesehen habe.
     n) Weil es einen Einrichtungsgegenstand meines Zimmers darstellt.
     o) Weil ich instinktiv diese Striche nachgezogen habe & mich nun beruhigt fühle.
     p) Weil ich mich erinnere, daß mir dieser Gegenstand beschrieben worden ist.
     g1) Weil ich den Gegenstand wohl zu kennen meine || scheine: es fällt mir sogleich ein Wort als sein Name ein (obwohl das Wort keiner bestehenden Sprache angehört), ich sage mir: “natürlich das ist ein α wie ich es oft in β gesehen habe. Man γt damit die δ bis sie εen.” So etwas kommt z.B. im Traum vor.
             u.s.w.


   
     (Wer nicht versteht, warum wir über diese Dinge reden, muß, was wir sagen, als leere Spielerei empfinden.)


   
     Der Eindruck ist Eins, & die Bestimmtheit des Eindrucks etwas Anderes.
     Was ich den Eindruck der Wohlbekanntheit nenne ist von der || hat die Multiplizität
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einer Bestimmtheit.


   
     Wir können in ein menschliches Gesicht schauen das wir genau kennen ohne irgend einen Eindruck zu erhalten || haben, sozusagen ganz stumpfsinnig; & von da bis zu einem starken Eindruck gibt es alle Stufen.


   
      Denken wir uns ein Gesicht machte einen starken Eindruck auf uns || der Anblick eines Gesichts brächte einen starken Eindruck auf uns hervor || ergriffe uns stark es flößt uns etwa Furcht ein. Soll ich dann sagen: vor allem muß hier || da ein || der Eindruck der Wohlbekanntheit sein || statthaben, ich muß ¤ in dem Anblick des Gesichts ruhen, oder dergleichen; || die Form des menschlichen Gesichts als solche muß mir den Eindruck der Bekanntheit machen; & zu diesem Eindruck kommt nun der der Furcht. – Ist es nicht (vielmehr) so, daß, was ich den Eindruck der Artbekanntheit nenne, ein Charakteristikum eines jeden starken Eindrucks ist den ein Gesicht auf mich macht. Etwa das Charakteristikum der Bestimmtheit. Ich sagte ja der Eindruck der Wohlbekanntheit bestehe etwa darin daß wir in einem Anblick ruhen, den Aspekt nicht wechseln & dergleichen.


   
     Kann ich mir den Eindruck der individuellen Bekanntschaft wegdenken, wo er ist, & hinzudenken wo er nicht ist? Und was heißt das? Ich sehe
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z.B. das Gesicht eines Freundes an & frage mich: wie schaut dieses Gesicht aus wenn ich es als ein mir unbekanntes Gesicht sehe (als sähe ich es etwa jetzt zum ersten Mal)? Was bleibt sozusagen von dem Anblick des Gesichts wenn ich den Eindruck der Bekanntheit wegdenke, abziehe? – Hier bin ich nun geneigt zu sagen: “es ist sehr schwer die Bekanntheit von dem Eindruck des Gesichts zu trennen”. Aber ich fühle auch daß das eine irreführende Ausdrucksweise ist. Ich weiß nämlich gar nicht wie ich es auch nur versuchen soll diese beiden zu trennen. Der Ausdruck “sie trennen” hat für mich gar keinen klaren Sinn.
     Ich weiß was es heißt: “stelle Dir diesen Tisch vor aber schwarz, obwohl er blau || braun ist” das heißt etwas Ähnliches wie: “zeichne || male ein Bild dieses Tisches aber schwarz statt braun”; oder analog: “zeichne diesen Menschen aber mit längeren Beinen als er hat”.


   
     Wie, wenn man sagte: “denke Dir diesen Schmetterling, genau so wie er ist, aber häßlich statt schön”?!


   
     Die AusdrucksweiseEs ist sehr schwer … wegzudenken”, || : hier scheint es als handle es sich um eine psychologische Schwierigkeit, eine Schwierigkeit der Introspektion
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einer Bestimmtheit oder dergleichen. (Dies trifft für ein großes Gebiet von philosophischen Problemen zu: Denke an das Problem der genauen Wiedergabe, Beschreibung, des im Gesichtsfeld Gesehenen; an die Beschreibung der immer fließenden Erscheinung; auch an die Frage || daran: “wieviel Regentropfen siehst Du, wenn Du in den Regen schaust”.)
Vergleiche: “Es ist schwer diesen Tisch aus der Ferne bewegen zu wollen”.



   
Wir haben in diesem Fall nicht bestimmt, was es heißen soll sich die Wohlbekanntheit wegzudenken.
Es könnte etwa heißen, sich des Eindrucks zu entsinnen den ich hatte als ich das Gesicht zum ersten Male sah. Und hier wieder muß man wissen was es heißt zu “versuchen” sich an den Eindruck zu erinnern. Denn das hat mancherlei Bedeutung. Fragen wir uns: welche Tätigkeiten nennen wir “versuchen uns an etwas zu erinnern”. Was || ; was tun wir wenn wir uns daran erinnern wollen was wir gestern zu Mittag gegessen haben; || ; gibt es so eine || diese Methode auch für die frühen Kindheitserinnerungen eines Erwachsenen; kann man versuchen, sich an seine || die eigene Geburt zu erinnern?


   
     Ich sage mir: ich will versuchen ein gedrucktes deutsches Wort anzuschauen und es so zu sehen als hätte ich nicht lesen gelernt & als seien
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die schwarzen Figuren auf dem Papier sonderbare Zeichnungen ¤ deren Zweck ich mir nicht denken kann, oder nicht ahne. Da geschieht nun dies, daß ich das gedruckte Wort nicht anschauen kann ohne daß mir das Lautbild des Wortes oder der Buchstaben die ich gerade anschaue vorschwebt.


   
     Die || Eine zeichnerische Darstellung des Innern eines Radioempfängers wird für den || Einen || den der nicht das Geringste vom Radio weiß || den der keine Kunde von solchen Dingen hat, ein Gewirr sinnloser Striche sein. Lernt er aber den Apparat & seine Funktion kennen || Hat er aber den Apparat & seine Funktion kennengelernt so wird jene Zeichnung für ihn ein sinnvolles Bild sein.
     Gegeben nun eine bestimmte mir jetzt || Gegeben irgend eine mir jetzt sinnlose körperliche Gestalt (¤etwa im Bild), kann ich nach Belieben sie sinnvoll vorstellen? Das wäre, als fragte man: kann ich mir einen beliebig geformten Gegenstand || Körper als Gebrauchsgegenstand vorstellen? Aber zu was für einen || einem Gebrauch?
     Nun man kann ja wenigstens eine Klasse von Körperformen sich methodisch als Wohnungen von Tieren oder Menschen denken. Eine andere Klasse als Waffen. Eine etwa als Modelle von Landschaften etc. etc.. Und hier weiß ich also, wie ich einer sinnlosen Form Sinn geben || andichten kann.


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     Wenn ich sage, dieses Gesicht hat den Ausdruck der Milde, Güte, Feigheit, so scheine ich nicht nur zu meinen daß wir die & die Gefühle mit dem Gesicht || Anblick des Gesichts assoziieren, sondern ich bin versucht zu sagen, daß das Gesicht ein Aspekt der Feigheit, Güte, etc., selbst ist. (Vergleiche z.B. Weininger.) – Man kann sagen: ich sehe die Feigheit in dieses Gesicht hinein (& könnte sie auch in ein anderes hineinsehen), aber jedenfalls scheint sie mit dem Gesicht nicht bloß assoziiert, äußerlich verbunden, sondern die Furcht hat die Multiplizität der Gesichtszüge. Und wenn sich z.B. die Züge ein wenig ändern, so können wir von einer entsprechenden Änderung der Furcht reden. Würden wir gefragt: “kannst Du Dir dieses Gesicht auch als Ausdruck des Mutes denken”, so wüßten wir, gleichsam, nicht, wie wir den Mut in diesen Zügen unterbringen sollten. Ich sage dann etwa: “Ich weiß nicht, was das hieße, wenn dieses Gesicht ein mutiges Gesicht ist || wäre”. || ist”. [Diesen Satz kann man nicht richtig stellen indem man statt “wenn” “daß” setzt, oder statt “ist” wäre”.] Aber wie sieht die Lösung so einer Frage aus? Man sagt etwa: “Ja, jetzt verstehe || versteh' ich es; || : das Gesicht ist sozusagen gleichgültig gegen die Außenwelt”. Wir haben also Mut hineingedeutet. Der Mut, könnte man sagen, paßt jetzt wieder auf das Gesicht. Aber was paßt hier worauf?

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     Es ist ein verwandter Fall (obwohl es vielleicht nicht so scheinen möchte) wenn wir uns z.B. darüber wundern, daß die Franzosen nicht einfach sagen “der Mann ist gut” sondern ein attributives Adjektiv dorthin setzen, wo ein prädikatives stehen sollte; und wenn wir das Problem uns dann dadurch lösen daß wir sagen sie meinten “der Mensch ist ein guter”.


   
     Könnten verschiedene Deutungen eines Gesichtsausdrucks nicht darin bestehen, daß ich mir zu ihm jedesmal eine andere Fortsetzung || eine andere Art || Weise der Fortsetzung denke? So ist es gewiß oft. Ich sehe ein Bild das einen lächelnden Kopf darstellt. Was tue ich, wenn ich das Lächeln einmal als freundliches einmal als böses auffasse? Stelle ich es mir dann nicht in einer räumlichen & zeitlichen Umgebung vor die ich freundlich oder boshaft nenne? Ich könnte || So könnte ich mir zu dem Bild vorstellen daß der Lächelnde auf ein spielendes Kind herniederlächelt oder aber auf das Leiden eines Feindes.
     Daran wird nichts geändert dadurch, daß ich mir auch die auf den ersten Blick liebliche Situation durch eine weitere Umgebung wieder anders deuten kann. Ein gewisses Lächeln werde ich, wenn keine besondern Umstände meine Deutung umstellen, als freundliches
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auffassen, ein freundliches nennen, entsprechend reagieren.


¥
⋎ S. 27 A
   
     Was heißt es: “Freundlichkeit in das Lächeln hineinlesen”?
     Es heißt vielleicht, ich mache ein dem lächelnden Gesicht auf eine bestimmte Weise koordiniertes Gesicht. Ich nehme etwa den gleichen Gesichtsausdruck an || Ich ordne etwa dem andern Gesicht meines in der Weise zu daß es den einen oder andern Zug des andern übertreibt.


   
Ein freundlicher Mund, ein freundliches Auge. Wie denkt man sich eine freundliche Hand? – Wahrscheinlich geöffnet & nicht als Faust. – Und könnte man sich die Haarfarbe des Menschen als Ausdruck der Freundlichkeit, oder des Gegenteils, denken? Aber, so gestellt, scheint dies || diese Frage zu fragen, ob uns das gelingen wird || gelingen kann. Die Frage soll || sollte lauten: Wollen wir etwas eine freundliche, oder unfreundliche Haarfarbe nennen? Wollen wir solchen Worten Sinn geben, so würden wir uns etwa einen Menschen denken dessen Haare dunkel werden, wenn er böse || zornig wird. Das Hineinlesen des bösen Ausdrucks in die dunklen Haare aber geschähe mittels einer schon fertigen Idee.
     Man kann sagen: das freundliche
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Auge der freundliche Mund, das Wedeln des Hundes sind unter anderm primäre & von einander unabhängige Symbole der Freundlichkeit, ich meine damit: sie sind Teile der Phänomene die man Freundlichkeit nennt. Will man sich andere Erscheinungen als Ausdruck der Freundlichkeit denken so sieht man jene Symbole in sie hinein. Wir sagen “er macht ein finsteres Gesicht”; vielleicht weil die Augen durch die (heruntergezogenen) Augenbrauen stärker beschattet werden; & nun übertragen wir die Idee der Finsternis auf die Haarfarbe. Er macht finstere Haare. Fragte man mich ob ich mir einen Sessel mit freundlichem Ausdruck denken kann, so würde ich mir ihn gewiß vor allem mit einem freundlichen Gesichtsausdruck vorstellen wollen, ein freundliches Gesicht in ihn hineinlesen.


   
Ich sage: “dieses Gesicht (was || das zuerst den Eindruck der Furchtsamkeit macht) kann ich mir auch als ein mutiges denken”. Damit meinen wir nicht, daß ich mir vorstellen kann, wie jemand mit diesem Gesicht etwa einem Andern das Leben retten kann (das kann man sich natürlich zu jedem Gesicht vorstellen). Ich rede vielmehr von einem Aspekt des Gesichtes selbst. Was ich meine ist auch nicht, daß || ich mir vorstelle || könne mir vorstellen, daß dieser Mensch sein Gesicht
in ein, im gewöhnlichen || geläufigen Sinne, mutiges verändern || in ein, nach der gewöhnlichen Auffassung || in ein mutiges, im gewöhnlichen Sinn, verändern kann || wird; wohl aber, daß es auf eine ganz bestimmte Art in ein solches übergehen kann. Die Umdeutung eines Gesichtsausdrucks ist aber || wohl zu vergleichen mit der Umdeutung eines Akkordes in der Musik, wenn wir ihn einmal || einmal als Überleitung in die eine oder || diese einmal in jene Tonart hören || empfinden. (Vergleiche auch den Unterschied Mischfarbe, Zwischenfarbe.)


   
[Zu S. 25] A Das hängt mit dem Gegensatz von sagen & meinen zusammen.
     “Jeder Ausdruck kann (doch) lügen”: Aber denke doch nur was Du mit “lügen” meinst. Wie stellst Du Dir die Lüge vor? setzt Du nicht einen Ausdruck einem andern entgegen? Doch gewiß dem Ausdruck einen Vorgang, der auch Ausdruck sein könnte.




   
     Wenn wir uns fragen “welcher Name || Personenname würde den Charakter dieses Menschen treffen” – klanglich abbilden – so steht gleichsam die Projektionsmethode, mittels || nach der wir abbilden, fest. (So könnte sich etwa ein Dichter fragen welchen Namen er einer Person geben will.)¤ Manchmal aber projizieren wir den Charakter in den gegebenen Namen. So scheint es uns, daß die großen Meister gerade die Namen haben die einzig zu ihren Werken || dem Charakter ihrer Werke passen.


   
     Erlebnis der wirklichen Größe. Wir sähen
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ein Bild das uns die Form eines Sessels zeigt; man sagt uns, es stelle eine Konstruktion von Hausgröße vor. Nun sehen wir es anders.


   
     Was geschieht wenn wir lernen den Schluß einer Kirchentonart als Schluß zu empfinden?


   
     Denke an die Vielgestaltigkeit dessen was wir “Sprache” nennen. Wortsprachen, Bildersprachen, Gebärdensprachen || Wortsprache, Bildersprache, Gebärdensprache, Tonsprache.


   
      Die philosophischen Schwierigkeiten, etwa das Wiedererkennen betreffend, sind nicht solche die wir zwar in praxi übersehn || nicht merken, die sich aber zeigen wenn || sowie man die Phänomene || Vorgänge genauer betrachtet. Sie zeigen sich vielmehr nur, wenn wir sie durch ein vorgefaßtes Schema betrachten.

   
     Ich bin versucht zu sagen: “‘Diesen Gegenstand kenne ich wohl’, das ist als sagte ich: ‘dieser Gegenstand ist in meinem Katalog abgebildet’”. Dann bestünde es also darin, daß so ein Bild in einem bestimmten Umschlag mit andern zusammengebunden wäre; in dieser Lade läge. – Aber wenn ich mir das wirklich vorstellte || vorstelle, & denke
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ich vergliche einfach den gesehenen Gegenstand mit Bildern in meinem Katalog & fände, daß er mit einem von ihnen übereinstimmt, so wäre das eben nicht ähnlich dem Phänomen der Wohlbekanntheit. Man nimmt nämlich an es sei uns das Bild in unserem Katalog wohlbekannt || das Bild in unserem Katalog sei uns wohlbekannt. Wäre es uns fremd, so würde die Tatsache daß es in diesem Umschlag, in dieser Lade ist || liegt gar nichts für uns bedeuten.


   
     Wenn ich nun von dem Vorbild im Katalog meines Geistes rede oder dem Futteral worein || in welches der Körper || Gegenstand paßt, wenn er mir wohlbekannt ist, so möchte ich, daß das Futteral in meinem Geist sozusagen als “Form der Vorstellung” ist, sodaß ich nicht sagen kann, ein Vorbild sei in meinem Geiste, welches (wirklich) nicht dort ist. – Das Vorbild zieht sich sozusagen in meinen Geist zurück, ist also kein Objekt mehr für mich || ihn. Das heißt aber nur: || Das aber heißt nur: es || Es hatte keinen Sinn von einem Vorbild überhaupt zu reden. (Vergleiche damit die Idee der || Die Raumbrille die man nicht ablegen kann. || wir nicht ablegen können.)


   
     Wenn wir von der Wohlbekanntheit als von einem Passen des Gegenstandes in ein Futteral reden, so ist das nicht ganz so als verglichen wir das Gesehene mit einem Abbild. Wir meinen dann eigentlich das Gefühl, wie || wenn ein || der Gegenstand ohne Widerstand in die Form des Futterals gleitet. Aber dieses Gefühl könnten wir auch
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haben, wenn gar kein genau passendes Futteral vorhanden wäre.
     Wir könnten || können uns auch jeden Gegenstand in einem unsichtbaren Futteral denken & das ändert gar nichts an unseren Erfahrungen & ist nun eine leere Form der Darstellung.


   
     (Die Darstellung der Philosophie kann nur gedichtet werden.)


   
(Philosophie dürfte man eigentlich nur dichten. Daraus muß sich, scheint mir, ergeben, wie weit mein Denken der Gegenwart, Zukunft oder der Vergangenheit angehört: Denn ich habe mich damit auch als einen bekannt, der nicht ganz kann, was er zu können wünscht.)


   
      [Zu S. 53] A Die Beruhigung in der Philosophie tritt ein, wenn das erlösende Wort gefunden ist.



   
     Es sollte eigentlich nicht heißen: “ja, ich erkenne es, es ist ein Gesicht” sondern: “ich erkenne es, ich sehe es als Gesicht” || sehe ein Gesicht”. (Das Wort Gesicht könnte für mich hier das bloße Ornament
bedeuten (ohne irgend eine Beziehung zum Gesicht des Menschen), wäre also auf derselben || gleicher Stufe wie irgend eine andere mir wohlbekannte || uns bekannte Figur, z.B. ein Hakenkreuz.) Denn die Frage ist (hier): Was erkenne ich hier als was? Denn, “ein Ding als
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sich || es selbst erkennen”, heißt nichts.


   
Das Gedächtnis mit einem Notizbuch verglichen: Einerseits dient dieser Vergleich als Bild dessen was bewußt vorgeht; anderseits gibt er ein psychologisches Modell. (Und das Wort “bewußt” verweist hier auf einen Abschnitt der Grammatik & ist nicht der eine Teil des psychologischen Gegensatzes “bewußt” – “unbewußt”.)


   
     Die Vorgänge des Erinnerns sind sehr mannigfach.
     “Bist Du gestern bei Deinem Tisch gesessen || in Deinem Zimmer gewesen?” – “Ja.” – “Bist Du sicher?” – “Ich sitze jeden Tag an diesem Tisch & ich wüßte es || doch wenn es gestern nicht geschehen || ich gestern nicht hier gewesen wäre!” Dabei brauche ich mich keinen Augenblick vor dem Tische || Tisch sitzen sehen || in der Erinnerung in meinem Zimmer sehen. Aber nehmen wir an ich sähe mich während ich so spräche in meinem Zimmer am Fenster stehen; wie zeigt mir das Bild daß es gestern war. Freilich, das Bild könnte das auch zeigen, wenn ich in ihm etwa einen Wandkalender mit dem gestrigen Datum sähe. Wenn das aber nicht der Fall war, wie las ich dann aus dem Erinnerungsbild oder der Erinnerung ab daß ich gestern so am Fenster stand, wie übersetzte ich die Erinnerung || das Erlebnis
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der Erinnerung
in Worte? – Aber übersetzte ich denn ein Erlebnis in Worte? Sprach ich nicht einfach die Worte aus; und zwar in bestimmtem Tonfall & dergleichen Erlebnissen der Sicherheit? War das nicht aber das Erlebnis der Erinnerung? (Das Erlebnis der Überzeugung ist von der Art des Erlebnisses des Tonfalls.) Aber was machte Dich so sicher als Du diese Worte sprachst? Nichts; ich war sicher.
     Ich kann freilich, was ich so aussprach, nun auf andere Weise – wie man sagen würde – nachprüfen. Das heißt: ich kann nun versuchen mich an bestimmte || spezielle Geschehnisse des gestrigen Tages zu erinnern & mir Bilder vor's Auge zu rufen etc.. Aber das mußte jedenfalls nicht geschehen sein ehe ich antwortete.


   
     Wenn wir einen Vorgang aus der Erinnerung erzählen so sehen wir wohl manchmal Erinnerungsbilder vor uns; meistens aber sind sie nur in der Erinnerung verstreut wie Illustrationen in einem Märchenbuch.


   
Es sagt mir jemand: “stelle Dir auf dieser weißen Wand einen Fleck vor von der Farbe die man ‘rot’ nennt”. Ich tue es; – soll ich nun sagen ich habe mich daran erinnert welche Farbe ‘rot’ heißt. Wenn ich von diesem Tisch rede, erinnere ich mich, daß dieser Gegenstand ‘Tisch’ genannt
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wird.


   
Könnte man nicht einwenden: “So kann also der gewisse Erinnerungen nicht haben, der keine Sprache gelernt hat?” Freilich, – er kann keine sprachlichen Erinnerungen, sprachlichen Wünsche, etc. haben. Und sprachliche Erinnerungen, etc., sind || Erinnerungen in der Sprache, etc. sind ja nicht bloß Übersetzungen || bloße fadenscheinige Schemata; ist denn das sprachliche Erlebnis kein Erlebnis? || Und Erinnerungen, etc., in der Sprache sind ja nicht bloß die fadenscheinigen Darstellungen wirklicher || eigentlicher || für eigentliche Erlebnisse; ist denn das Sprachliche kein Erlebnis? (Worte sind Taten.)


   
Manche Menschen erinnern sich an ein musikalisches Thema in der Weise, daß das Notenbild vor ihnen auftaucht & sie es herunterlesen.
     Es wäre denkbar daß, bei gewissen Menschen das Gedächtnis darin bestünde || was wir das “Gedächtnis || Erinnern” bei einem Menschen nennen, darin bestünde, daß er sich, ein Buch || Notizbuch nachschlagend, || im Geiste ein Buch || Notizbuch nachschlagen sähe & daß was er in diesem Buch liest eben das Erinnerte wäre. (Wie reagiere ich auf eine Erinnerung?)


   
     Übrigens, denke ich denn, wenn ich die Gegenstände meiner Umgebung als wohlbekannte behandle, an diesen Vergleich. Natürlich nicht. Das tue ich erst, wenn ich den Akt des Erkennens (Wiedererkennens) nachträglich
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betrachte; & zwar nicht so sehr indem ich zu sehen trachte, was dabei tatsächlich vorgegangen ist, als indem ich es durch ein vorgefaßtes Schema betrachte. (Fluß der Zeit.) (Das Problem vom Wesen der Zeit & dem Fluß der Zeit ist diesem sehr ähnlich.)
[Von da an wieder auf S. 155 Bd. X]






   
      [Zu S. 161 Bd. X] A) Ich nenne Regeln der Darstellung nicht Konventionen, wenn sie sich dadurch rechtfertigen lassen, daß die Darstellung, wenn sie ihnen gemäß ist, mit der Wirklichkeit übereinstimmt. So ist die Regel, “male den Himmel heller als irgend etwas, was von ihm sein Licht empfängt” keine Konvention.
     Die Regeln der Grammatik lassen sich nicht dadurch rechtfertigen, daß man zeigt, ihre Anwendung führe zu einer Übereinstimmung der Darstellung mit der Wirklichkeit. Denn diese Rechtfertigung müßte das Dargestellte selbst beschreiben.



   
     B) Kann aber die Rechtfertigung nicht einfach auf die Wirklichkeit zeigen?
     Inwiefern ist dieses Zeigen aber eine Rechtfertigung? Hat es denn die Multiplizität einer Rechtfertigung? Es mag freilich die Ursache (davon) sein, daß wir || Ursache sein, warum wir diesen Satz statt jenem || jenes sagen. Aber gibt es einen Grund dafür? Nennen wir das
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“Rechtfertigung”?




   
[Zu S. 171 Bd. X] A “Sprache” das ist ein Wort wie “Tastatur”. Es gibt Maschinen die eine Tastatur enthalten. Nun könnte ich mich aus irgendwelchen Gründen für Formen von Tastaturen interessieren (wirklich verwendete || solche die im Gebrauch sind & auch andere bloß von mir ersonnene). Und eine Tastatur erfinden könnte heißen etwas erfinden was die gewünschte Wirkung hat; aber auch neue Formen ersinnen die den alten auf mannigfache Weise analog sind.




   
     [Zu S. 172 Bd. X.] B “Die Regeln eines Spiels sind willkürlich” heißt: der Begriff “Spiel” ist nicht durch die Wirkungen, die das Spiel auf uns haben soll, definiert.



   
[Zu S. 175 Bd. X] A || C Ist die Philosophie ein Geschöpf der Wortsprache? Ist die Wortsprache eine Bedingung für die Existenz der Philosophie? Richtiger würde man fragen: Gibt es außerhalb des Gebietes unserer Wortsprachen auch etwas der Philosophie Analoges? Denn die Philosophie, (das) sind die philosophischen Probleme, d.i. die bestimmten individuellen Beunruhigungen, die wir “philosophische Probleme” nennen. Das ihnen Gemeinsame reicht soweit als || wie das Gemeinsame zwischen verschiedenen Gebieten unserer Sprache.
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     Betrachten wir nun ein bestimmtes philosophisches Problem, etwa das: “Wie ist es möglich einen Zeitraum zu messen da (doch) Vergangenheit & Zukunft nicht gegenwärtig sind & die Gegenwart nur ein Punkt ist” –; so ist das Charakteristische daran, daß sich hier eine Verwirrung in Form einer Frage äußert, welche || die diese Verwirrung nicht anerkennt. Daß er || der Fragende || der Frager durch eine bestimmte Änderung seiner Ausdrucksweise von seinem Problem erlöst wird.




   
[Zu S. 175 Bd. X] A Ein dem philosophischen analoges Problem, oder eine Beunruhigung, könnte etwa dadurch entstehen, daß jemand auf allen Tasten des Manuals spielte, daß das Ergebnis nicht wie Musik klänge, & daß er doch versucht wäre zu glauben || denken, es müsse Musik sein. etc..



   
[Etwas, was auf den ersten Blick ausschaut wie ein Satz & keiner ist.] [Zu S. 175 Bd. X] B
     Ich möchte hier die Erfindung einer || einen Vorschlag zur Konstruktion einer Motorstraßenwalze || Straßenwalze mitteilen welcher || der mir philosophisches Interesse zu haben scheint. || Der folgende Vorschlag zur Konstruktion einer Straßenwalze wurde mir mitgeteilt & scheint mir philosophisches Interesse zu haben.¤ Der Irrtum des Erfinders hat mit einem philosophischen Irrtum Verwandtschaft. Das Wesentliche der || Die Erfindung war || ist || besteht darin, daß der Motor sich im Inneren der hohlen Walze befinden sollte || befindet. Die Kurbelwelle läuft durch die Mitte der hohlen Walze & ist an beiden Enden durch Speichen mit dem Walzenrande || Walzenrand || ihr verbunden. Der Zylinder des Benzinmotors ist an der Innenseite der Walze befestigt. Auf den ersten Blick sieht diese
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Konstruktion wie eine Maschine aus. Aber sie ist || Tatsächlich aber ist sie ein starres System & der Kolben kann sich im Zylinder nicht aus & ein || aus noch ein bewegen. Wir haben sie || ihn selbst jeder || der Bewegungsmöglichkeit beraubt & wissen es nicht.





   
Wir sagen: “der Hahn ruft die Hühner durch sein Krähen herbei”; aber liegt dem nicht schon der Vergleich mit unserer Sprache (Wortsprache) zugrunde? – Wird der Aspekt nicht ganz verändert, wenn wir uns vorstellen durch irgend eine physikalische Einwirkung ziehe das Krähen die Hühner an?
     Wenn aber gezeigt würde in welcher Weise die Worte “komm zu mir!” auf den Angesprochenen einwirken, so daß, unter gewissen Bedingungen, am Schluß gewisse Muskeln innerviert werden & er zu mir kommt, – würde damit jener Satz den Charakter des Satzes verlieren?

   
     Unsere Sprache, unsere Wortsprache, ist vor allem das was wir “Sprache nennen”, & dann Anderes nach seiner Analogie oder Vergleichbarkeit mit ihr.


   
     Das Achselzucken, wenn wir es (etwa in einem Gespräch) meinen, als Antwort
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geben, wird allerdings anders erlebt als ein Achselzucken das etwa durch || dieselbe Bewegung wenn sie durch einen Schmerz in der Schulter bewirkt wird. Und wir fragen auch || etwa: “war das ein Achselzucken oder hat es nur so ausgeschaut”. || “war das als Achselzucken gemeint, oder war es nur eine zufällige Bewegung?” – Würden wir aber das Achselzucken ein Zeichen nennen, wenn wir es nicht in Verbindung mit der Wortsprache gebrauchten?


   
     Der Fall || Die Fälle: “jemandem ein Zeichen geben wollen”. – Ich bedeute jemand mit einer Bewegung der Hand, daß er sich setzen soll; unmittelbar neben ihm steht ein Anderer; aus der Richtung meines Blicks & meiner Gebärde ist nicht zu entnehmen welchem von Beiden ich das || ein Zeichen gebe. Nun fragt man mich: || , “welchen hast Du gemeint”, & ich antworte: “den A”. Worin lag || bestand dieses Meinen? Oder: Worin lag der Unterschied zwischen den Vorgängen, mit diesem Zeichen den A & den B zu meinen. ¤ Kriterium darin liegen daß irgend etwas || Unterscheidende ein Vorgang sein welcher den des Zeigens || der Handbewegung, des Blickes || die Handbewegung, den Blick, etc., begleitete? konnte es nicht darin liegen, daß ich mich ärgerte wenn auf mein Zeichen der A stehen blieb; oder darin, daß ich auf die Frage “wen hast Du gemeint” antwortete: “den A”? Oder in einer Kombination dieser & andrer?
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     Mache diesen Versuch: Sage “hier ist es kalt” & meine “hier ist es warm”. Kannst Du es? – Und was tust Du dabei? Und gibt es nur eine Art das zu tun?


   
     “Der Hund meint etwas damit, wenn er mit dem Schweif || Schwanz wedelt”. Was betrachten wir als Kriterium dafür? || Wie würden || können wir das begründen? || Wie könnte man das begründen?

   
     Wir würden kaum fragen, ob das Krokodil etwas damit meint, wenn es mit offenem Rachen auf einen Menschen zukommt. Und wir würden erklären: das Krokodil könne nicht denken & darum sei eigentlich hier von einem Meinen keine Rede.


   
Wenn wir die Achsel zucken, so sind die begleitenden psychischen Erlebnisse, || dabei die seelischen Erlebnisse, die Meinungserlebnisse, || ¤ was man die Meinungserlebnisse nennen könnte, nicht wesentlich verschieden von denen beim Aussprechen eines Wortes oder Satzes: “vielleicht –”, “ich weiß nicht”, “weiß Gott” etc. – Diese Worte können gewiß so unwillkürlich (ich meine aber nicht papageienhaft) ausgesprochen werden wie eine Geste gemacht werden kann.

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     Ad hoc “erfunden” sind natürlich meine Wörter & Gesten nicht; aber nicht alles, was nicht erfunden ist, ist von früher vereinbart.

     “Contrat social”. Auch hier ist in Wirklichkeit kein Vertrag geschlossen worden; aber die Situation ist mehr oder weniger ähnlich, analog, der, in welcher wir wären, wenn …. Und sie ist vielleicht mit Nutzen unter dem Gesichtspunkt eines solchen Vertrages zu betrachten.


   
     Was heißt es, zu wissen, was eine Pflanze ist? Was heißt es, es zu wissen & es nicht sagen zu können?

     (Sokrates: “Du weißt es, & kannst hellenisch reden, also mußt Du es doch sagen können.”)


   
     Hat dieses Wissen die Multiplizität eines Satzes, der nicht ausgesprochen wurde? So daß, wenn der Satz ausgesprochen würde, ich ihn als den Ausdruck meines Wissens anerkennen würde? – Ist es nicht vielmehr so, daß jede exakte Definition als Ausdruck unseres Verstehens abgelehnt werden müßte? D.h.: müßten wir nicht von so einer sagen, sie bestimme zwar einen, dem unsern verwandten Begriff, aber nicht diesen selbst? Und die Verwandtschaft sei etwa die zweier Bilder, deren eines aus unscharf begrenzten Farbflecken, das andere aus ähnlich geformten
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& verteilten, aber scharf begrenzten bestünde? Die Verwandtschaft wäre dann ebenso unleugbar, wie die Verschiedenheit.


   
Vergleiche:
1 “Wissen was eine Pflanze ist”
2 “Wissen wie man das Wort ‘Pflanze’ gebraucht”
3 “Wissen wieviel 25 × 25 ist” || wie hoch der Stephansturm ist”
4 “Wissen wie eine Klarinette klingt”
Im dritten Fall wäre es allerdings seltsam zu sagen, man wisse es, könne es aber nicht sagen. || Wenn wir uns darüber wundern daß Einer etwas wissen, & es nicht sagen kann, werden wir da nicht durch eine scheinbare Analogie mit einem Fall wie № 3 geleitet?


   
     “Ich weiß, was eine Pflanze ist: || , was Pflanzen sind: ich kann Dir welche || Pflanzen || welche zeigen, aufzeichnen, beschreiben.”


   
     Was nennen wir denn eine || “Antwort auf die Frage: ‘was ist eine Pflanze’”. Nun etwa: “Siehst Du, das, das, & das sind Pflanzen”. Auch eine Verbaldefinition der Botanik etwa, würden wir eine Antwort nennen; aber sie wäre eine andere Antwort und nicht mit der ersten äquivalent. Sowenig, wie die Erklärung des Schrittmaßes, die etwa vor einigen hundert Jahren ein Vater seinem Sohn gegeben hat mit der: “ein Schritt = 75 cm”. Diese Antworten sind verwandt aber nicht äquivalent & die zweite ist nicht vielleicht die eigentlich richtige, die die erste ungenaue selbstverständlich
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ersetzt wenn wir nur einmal die richtige kennen.


   
Ich sage: “der Boden war ganz mit Blumen bedeckt”. Wollte jemand eine Erklärung dessen was ich meine so wäre etwa die gemäßeste ich könnte ihm ein gemaltes Bild eines solchen Bodens zeigen. Und ich würde ihm sagen: “siehst Du, so hat es ausgesehen”. Will ich nun, daß er versteht || verstehe, jede Blüte & jedes Gras sei genau in der Lage gewesen, wie sie auf dem Bild zu sehen sind? – Und wenn das nicht, ist es || das ein Fehler des Bildes & meine ich, daß ein anderes möglich wäre welches die genauen Lagen zeigte?


   
“Ist ein verschwommener Begriff überhaupt ein Begriff?”. Ist eine unscharfe Photographie das || ein Bild eines Menschen? Kann man ein unscharfes Bild überall || immer mit Vorteil durch ein scharfes ersetzen? Ist das unscharfe nicht oft || oft nicht gerade das was wir brauchen || man braucht?


   
“Was ist eine ‘exakte’ Definition im Gegensatz zu einer unexakten?” Nun, etwa, eine Definition in der nicht das Wort “ungefähr”, “beiläufig”, & || oder ähnliche vorkommen.


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     Denken wir an ein anderes Beispiel: den Gebrauch des Wortes “eiförmig” oder “Osterei”. Wir würden einen Gegenstand von dieser Gestalt nicht mehr als Osterei gelten lassen & doch nicht sagen können bei welchem Verhältnis der Länge S & Breite etwas anfängt ein Osterei zu sein. Ja, wenn Einer nun ein solches Verhältnis angäbe, so könnten wir es nie als die richtige Begrenzung unseres Begriffes angeben || anerkennen. Sondern wir müßten || würden entweder sagen: “Nein, das nenne ich kein Osterei, das || es ist zu schlank (oder zu dick, etc.)” – oder: “ja, das ist ein Osterei, aber der Grenzfall ist es nicht gerade”. Diesen gibt es eben nicht in unserem Kalkül & wer einen Grenzfall einführte, führte einen neuen Kalkül ein.


   
Beim || Fürs Preisschießen gibt es Statuten, welche bestimmen wie die Preise nach der Lage der Schüsse auf der Scheibe zu verteilen sind. Muß es nun auch für alle denkbaren || vorstellbaren Grenzfälle Regeln geben. Würde man sagen, die Preisverteilung gelte nicht, weil für diesen Fall in den Regeln nicht vorgesehen || vorgesorgt war; selbst wenn dieser Fall beim Preisschießen gar nicht eingetreten ist.


   
     Wenn man sagt “Moses hat nicht existiert, so kann das verschiedenerlei bedeuten. Es kann heißen: die Israeliten haben keinen || nicht einen
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Führer gehabt als sie von || aus Ägypten ausgezogen || gezogen sind – oder: ihr Führer hat nicht “Moses” geheißen – oder: es hat keinen Menschen gegeben der alles das vollbracht hat, was die Bibel von Moses erzählt. etc., etc.. – Russell würde sagen, daß der Name “Moses” durch verschiedene Beschreibungen definiert werden || sein kann. ( Z.B.: “der Mann welcher zu dieser Zeit & an diesem Ort lebte & damals ‘Moses’ genannt wurde”, “der Mann, welcher die Israeliten durch die Wüste führte”, “der Mann, welcher als Kind von der Tochter des Pharao || Pharaos aus dem Nil gefischt || gezogen wurde” etc.. Und je nachdem wir die eine oder andere Definition annehmen bekommt der Satz “Moses hat existiert” einen andern Sinn & ebenso jeder andere Satz der von Moses handelt.
     Man wird auch, wenn uns jemand sagt “N existiert nicht”, fragen: “Was meinst Du? willst Du sagen, daß …, oder daß …, etc.?”
     Wenn ich nun z.B. sage || Oder wenn ich sage “N ist gestorben”, so hat es mit dem Gebrauch || der Bedeutung des Namens “N” gewöhnlich ungefähr || ‘N’ etwa folgende || diese Bewandtnis || kann es mit dem Gebrauch || der Bedeutung des Namens ‘N’ etwa folgende || diese Bewandtnis haben: Ich glaube, daß ein Mensch gelebt hat, den ich 1.) dort & dort gesehen habe, der 2.) so & so ausschaut, 3.) das & das getan hat & 4.) in der bürgerlichen Welt den Namen ‘N’ führt. Gefragt, was ich unter ‘N’ verstehe, würde ich Alles das, oder Einiges davon, & bei verschiedenen Gelegenheiten Verschiedenes aufzählen. –
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¤ Meine Definition von ‘N’ wäre also etwa: “der Mann, von dem das alles || alles das stimmt”. Wenn aber nun etwas davon sich als falsch erwiese, – wäre der Satz “N ist gestorben” nun als falsch anzusehen? auch, wenn || werden wir nun den Satz “N ist gestorben” als falsch ansehen; auch, wenn etwas was uns || uns ganz nebensächlich ist || werden wir || werde ich nun den Satz “N ist gestorben” für falsch erklären auch wenn sich nur etwas mir ganz Nebensächliches, was ich in die Erklärung des Namens ‘N’ hineingenommen habe, als falsch herausstellt. Ich werde dann meistens ohne weiteres bereit || wohl bereit sein die Definition etwas abzuändern.
     Das kann man nun so ausdrücken, daß ich den Namen ‘N’ ohne eine feste Bedeutung gebrauche. (Was seinem Gebrauch so wenig Eintrag tut wie einer Brücke, daß sie kein absolut starrer Körper ist.) Heißt das nun daß ich nicht ein Wort gebrauche dessen Bedeutung ich kenne || Soll man nun sagen das heiße, daß ich ein Wort gebrauche dessen Bedeutung ich nicht kenne, daß also, was ich sage Unsinn ist?



   
     Und hier erinnere ich mich daran, daß Ramsey einmal betont hat, die Logik sei eine “normative Wissenschaft”. Die genaue Idee, welche ihm dabei vorgeschwebt hat, kann ich nicht sagen. || Ich weiß nicht die genaue Idee, welche ihm dabei vorgeschwebt hat. Sie war aber zweifellos || gewiß eng verwandt mit der, welche mir erst später klar wurde, daß wir nämlich in der Philosophie den Gebrauch der Worte mit Spielen nach niedergelegten Regeln || Kalkülen nach festen Regeln vergleichen, aber nicht sagen können, wer die Sprache gebrauche,
spiele irgend einen Kalkül nach festen Regeln || müsse ein Spiel nach || irgend einen Kalkül nach festen Regeln betreiben. – Sagt man nun aber, daß unser Sprachgebrauch sich solchen Kalkülen nur nähert, so stehen wir || steht man damit unmittelbar am Rande einer Reihe von Konfusionen.
     Denn nun kann es scheinen, als redeten wir in der Logik von einer idealen Sprache. Als wäre unsre Logik gleichsam eine Logik für den luftleeren Raum. Während die Logik doch nicht von einer Sprache redet (wie die Physik von einer Naturerscheinung), & man also höchstens sagen kann, wir konstruierten ideale Sprachen. Aber hier ist wieder das Wort “ideal” irreführend, denn es scheint nun als wären diese Sprachen besser, vollkommener, als die Umgangssprache & als brauchte es also den Logiker damit der den Menschen endlich zeige, wie sie einen richtigen Satz sprechen sollen. || wie ein richtiger Satz ausschaut.


   
Unsere Untersuchung trachtet nicht die eigentliche, exakte Bedeutung der Wörter zu finden; wohl aber geben wir den Wörtern im Verlauf unsrer Untersuchung oft exakte Bedeutungen.


   
Denn was soll ich die ‘Regel’ nennen, ‘nach der er vorgeht’? Die Hypothese, welche seine Spielhandlungen, soweit ich sie kenne, zufriedenstellend beschreibt, – oder die
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Regel, die er beim Spielen nachschlägt, – oder die Regel die er mir, wenn ich ihn nach seiner Regel frage, zur Antwort gibt. Wie aber, wenn die Beobachtungen || Beobachtung der Spielhandlung || des Spiels keine klare Regel zeigt || erkennen läßt || , wenn man aus der Beobachtung des Spiels keine klare Regel entnimmt, & er keine Regel nachschlägt, & die Frage keine Regel zu Tage fördert? Denn er gab mir zwar auf meine Frage, was er unter ‘N’ verstehe, eine Erklärung, war aber bereit diese Erklärung zu widerrufen & abzuändern. Wie soll ich also die Regel bestimmen, nach der er spielt? er weiß sie selbst nicht. Oder richtiger: Was soll der Ausdruck “Regel nach welcher er spielt” hier noch besagen?


   
Wir können uns doch sehr wohl vorstellen, daß sich Menschen auf einer Wiese damit unterhielten, mit einem Ball zu spielen, & zwar so, daß sie verschiedene geregelte Spiele anfingen, manche davon nicht beendeten, dazwischen den Ball auch planlos in die Höhe würfen & auffingen, dann wieder würden sie || einige versuchen || versuchten, wie hoch jeder den Ball werfen kann || sie den Ball werfen können oder einander mit dem Ball im Scherz bewerfen etc.. Und nun sagte Einer: die ganze Zeit hindurch spielen die Leute ein Ballspiel & richten sich daher bei jedem Wurf nach bestimmten Regeln. Und wäre es anderseits richtig zu sagen: “sie spielen also nicht mit dem Ball.”?


   
Welches ist die Bedeutung eines Wortes wenn der Redende sie nicht angeben kann? Nun, wir
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werden vielleicht sein (tatsächliches) Verhalten als ein Schwanken zwischen mehreren verwandten Bedeutungen beschreiben können. Ich frage ihn: “was hast Du eigentlich gemeint?” – und als Antwort wird er mir Verschiedenes angeben & sich vielleicht an mich wenden, daß ich ihm ein || sein Regelverzeichnis einrichte, das seinem Zweck entspricht. – Es wird sich dann in unserm Gespräch oft die Redensart finden: “Du wolltest also eigentlich sagen …”. Und diese kann leicht ganz mißverstanden werden: sie ist nämlich keine Beschreibung eines Vorgangs || muß nämlich keine Beschreibung eines Vorgangs sein der etwa darin besteht daß man das eine sagt während man das andere sagen will; als wäre, was man “eigentlich sagen wollte” damals schon irgendwie, wenn auch nicht in lauten Worten, ausgedrückt gewesen.
¥⋎ [neuer Absatz S. 53 A]



   
(Eine der irreführendsten Redeweisen ist die Frage “was meinst Du || meine ich damit?” – Man könnte in den meisten Fällen darauf antworten: “Gar nichts – ich sage …”)


   
[Gehört nicht hierher] Was geschieht, wenn wir uns bemühen, etwa beim Schreiben eines Briefes, den richtigen Ausdruck unserer Gedanken zu finden? Diese Redeweise vergleicht den Vorgang dem einer Übersetzung oder Beschreibung: die Gedanken sind da,
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etwa schon vorher & wir suchen nur noch nach ihrem Ausdruck. Und dieses || Dieses Bild trifft in verschiedenen Fällen mehr oder weniger zu. – Aber was kann hier nicht alles geschehn! Etwa: ich gebe mich einer Stimmung hin, & der Ausdruck kommt; oder: es schwebt mir ein Bild vor& ich trachte es zu beschreiben || , das ich zu beschreiben trachte; oder: es fiel mir ein englischer Ausdruck ein & ich will mich auf den entsprechenden deutschen besinnen; oder: es kommt mir eine Gebärde & ich frage mich, “welches ist denn der Satz, der dieser Gebärde entspricht?” Endlich fällt mir einer ein & scheint der Gebärde angemessen; etc. etc..
     Wenn man nun fragte: “hast Du den Gedanken, ehe Du den Ausdruck hattest”, was müßte man da antworten? Und was auf die Frage: “worin bestand der Gedanke, wie er vor dem Ausdruck vorhanden war?”


   
[Ich glaube, dieser Satz, oder ein ähnlicher gehört zu einer Untersuchung was ein Wort ◇◇◇ Frage des augenblicklichen Verstehens etc.] Bd. X /109 /1
¥
gehört zu: “Was ist ein Satz? Was ist ein Wort? Unsere alltäglichen Begriffe “Satz”, “Wort” etc. sind viel zu wüst, zu ungeklärt. Sollte man nicht von den Sinnesdaten der Sätze etc. reden?
Hier ist es schwer gleichsam den Kopf oben zu behalten, – zu sehen, daß wir bei den Dingen des alltäglichen Denkens bleiben müssen & nicht auf den Abweg zu geraten, wo es scheint, als müßten wir letzte || die letzten Feinheiten beschreiben, die wir doch wieder mit unsern Mitteln gar nicht beschreiben könnten. Es ist uns, als sollten wir ein zerstörtes Spinnennetz mit unseren || unsern Fingern zurecht richten || in Ordnung bringen. || wieder herstellen. || wieder richten. || wieder in Ordnung bringen.
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{Diese Bemerkung bezieht sich auf den Fall, wenn wir scheinbar von den Dingen des Alltags zu immer schwerer faßbaren hinabsteigen & in den brauenden Nebeln zu ertrinken drohen.}

   
     Was versteht man unter “allen Regeln des Tennisspiels”? Alle Regeln die in einem bestimmten Buche stehn, oder alle, die der Spieler im Kopf hat, oder alle, die je ausgesprochen wurden, oder gar, alle, die sich angeben lassen? – Daher wollen wir lieber nicht so vag von ‘allen Regeln’ reden, sondern nur von bestimmten Regeln, oder allen Regeln eines Verzeichnisses; und dergleichen. Und das Gleiche gilt von den Regeln über die Verwendung eines Wortes.


   
     Es ist nicht unsere Aufgabe, unsere Sprache || die Wortsprache zu verbessern, exakter zu machen, oder gar (zu versuchen,) an ihre Stelle eine ‘ideal exakte’ zu setzen. Wir haben von einer solchen gar keinen Begriff. Damit sage ich nicht, daß wir für unsere Zwecke nicht auf präziseren Ausdruck dringen, als || dringen müssen als den üblichen || gebräuchlichen.


   
     Die Verkehrsregelung in den Straßen erlaubt & verbietet gewisse Verkehrshandlungen || Handlungen (der Fahrer & Fußgänger); aber sie versucht nicht sämtliche Bewegungen der Fußgänger & Fahrzeuge || ihre sämtlichen Bewegungen durch Vorschriften zu regeln || durch Regeln zu leiten. Und es wäre unsinnig von einer idealen Verkehrsordnung zu reden, die das täte; wir wüßten nicht, wie wir uns dieses Ideal zu denken hätten || ; wir wüßten nicht, was wir uns unter diesem Ideal zu denken hätten. Wünscht Einer die Verkehrsordnung in irgendwelchen Punkten
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strenger zu gestalten, so bedeutet das nicht, er wünsche sich so einem Ideal zu nähern || sie so einem Ideal anzunähern.


   
     Wir verstehen was es heißt: eine Taschenuhr wird auf die genaue Stunde gestellt, – oder: sie wird gerichtet daß sie genau geht.
     Wie aber wenn man fragte: ist diese Genauigkeit eine ideale Genauigkeit, oder, wie weit nähert sie sich ihr? || , wie nahe kommt sie ihr? – Wir können freilich von Zeitmessungen reden, bei welchen es eine andere &, in gewissem || einem gewissen Sinne, größere Genauigkeit gibt als bei der Zeitmessung mit der Taschenuhr. Wo die Worte “die Uhr auf die genaue Stunde stellen” eine andere (wenn auch verwandte) Bedeutung haben, & die Uhr ablesen ein anderer Prozeß ist, etc.. Wenn ich nun jemandem sage: “Du solltest pünktlicher zum Unterricht || Essen kommen, Du weißt daß es genau um 1 Uhr anfängt”, – wird man sagen, daß die Genauigkeit, von der hier die Rede ist, hinter der idealen, zurücksteht, der sich die Zeitmessung im Laboratorium zunähert || nähert? Gibt es ein Ideal der Genauigkeit?


   
     Gibt es ein komplettes Regelverzeichnis für die Verwendung eines Wortes? Wie hat man sich das vorzustellen?
     Gibt es ein komplettes Regelverzeichnis für die Verwendung einer Figur im Schachspiel? Könnten wir uns nicht Zweifel konstruieren die das normale Regelverzeichnis nicht beseitigt || nicht zweifelhafte Fälle || Zweifelsfälle konstruieren in denen das || die das normale Regelverzeichnis nicht entscheidet? Fragen wir etwa: || Denke etwa an so eine Frage: wie ist es festzustellen
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wer zuletzt gezogen hat, wenn die Zuverlässigkeit des Gedächtnisses der Spieler angezweifelt wird. Macht aber die Möglichkeit eines solchen Zweifels das Schachspiel zu einem nicht ganz idealen Spiel? und welchen Begriff haben wir von diesem Ideal?
     Es scheint da fast als wäre alles was wir ein ‘Ideal’ nennen nur ein angenähertes Ideal gegen das ideale Ideal.


   
Man kann fragen: Wenn wir nicht eine ideale Exaktheit im Gegensatz zu der alltäglichen anstreben, wozu arbeiten wir an der Grammatik unserer Sprache überhaupt herum? Und die Antwort ist: Wir wollen Verwirrungen & Beunruhigungen beseitigen die aus der Schwierigkeit entspringen, das System unsrer Ausdrucksweise zu übersehen. Wir werden dazu Unterscheidungen hervorheben, die in den Formen unserer Sprache || unserer gewöhnlichen Notation nur einen schwachen, schwer sichtbaren Ausdruck finden.
     Dadurch kann es allerdings den Anschein haben als setzten wir uns vor die Sprache zu reformieren.


   
Wir wollen nicht das Regelsystem in unerhörter Weise verfeinern oder komplettieren. So eine Reform für bestimmte praktische Zwecke, die Verbesserung unserer Terminologie zur Vermeidung von Mißverständnissen [kein Beistrich] ist wohl denkbar.
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(Wenn zwei Mitglieder einer Familie ‘Paul’ heißen, so ist es oft zweckmäßig, den einen von ihnen bei einem andern Namen zu nennen.) Aber das sind nicht die Fälle, mit denen wir es zu tun haben. Die Konfusionen die uns beschäftigen entstehen, gleichsam, wenn die Sprache feiert, nicht wenn sie arbeitet. (Man könnte sagen: “wenn sie leerläuft”.)


   
Wir wollen nicht das Regelsystem in unerhörter Weise verfeinern oder komplettieren. || vervollständigen.
¥ ⋎ [in dieser Zeile: S. 30 A]
   




[Zu S. 48] A “Du wolltest also eigentlich sagen” mit dieser Redeweise leiten wir jemand von einer Ausdrucksform zu einer andern. Man ist, wie gesagt, versucht zu meinen, das, was er eigentlich “sagen wollte”, was er “meinte” sei noch ehe wir es aussprachen in seinem Geist ausgedrückt gewesen. (Man sagt in gewissen Fällen, es habe ihm vorgeschwebt: auch dieser Ausdruck beschreibt sehr mannigfache Vorgänge || Mannigfaches.) Was uns dazu bewegt einen Ausdruck aufzugeben & statt seiner || an seiner Stelle einen andern anzunehmen kann von mannigfacher Art sein. Um das || Das zu verstehen, ist es sehr nützlich, das Verhältnis ¤ der Lösung eines mathematischen Problems zum ursprünglichen Sinn der Fragestellung zu betrachten. || Das zu verstehen, ist es nützlich das Verhältnis zu betrachten, in welchem die Lösungen
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mathematischer Probleme zum ursprünglichen Sinn || zum Anlaß & Ursprung der Fragestellung stehen.

Das Verhältnis der Begriffe ‘Dreiteilung des Winkels mit Lineal & Zirkel’, wenn Einer nach der Dreiteilung sucht, & anderseits, wenn bewiesen wird || ist, daß sie unmöglich ist.



   
Nehmen wir an, es fragt mich jemand (wie oben): “was verstehst Du unter ‘Moses’?”
     Ich erkläre nun: “unter ‘Moses’ verstehe ich den Mann, wenn es einen solchen gegeben hat, der die Israeliten aus Ägypten geführt hat, wie immer er damals genannt worden sein mag & was immer er sonst getan oder nicht getan haben mag”. Aber über die Worte dieser || über den Gebrauch der Worte dieser Erklärung sind ganz analoge || ähnliche Zweifel möglich wie über den Namen || den Gebrauch des Namens “Moses”. (Was nennst Du “Ägypten”; || ? wen, “die Israeliten”? etc..) Ja diese Fragen kommen auch nicht zu einem Ende, wenn wir etwa bei Wörtern, wie “rot”, “dunkel”, “süß”, angelangt wären. “Aber wie hilft mir dann eine Erklärung zum Verständnis, wenn sie doch nicht die letzte ist? Ich verstehe also noch immer nicht, & nie, was er meint.” Nun, “Verständnis” nenne ich aber gerade, was mir eine Erklärung gibt. sie hat die Schwierigkeit beseitigt || sollte nur die Schwierigkeit beseitigen die ich hatte. Als ich nach einer Erklärung fragte,
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war es das, was ich brauchte. Die Antwort hat || fragte ich gerade nach einer solchen Antwort. Sie hat die Schwierigkeit beseitigt, die ich hatte.


   
      Ist der Begriff ‘rot’ undefinierbar? “Undefinierbar”, darunter stellt man sich etwas vor wie unanalysierbar; & zwar so, als wäre der betreffende || hier ein Gegenstand unanalysierbar (wie ein chemisches Element). Dann wäre die Logik also doch eine Art sehr allgemeiner Naturwissenschaft. – Aber die Unmöglichkeit der Analyse entspricht einer von uns angenommenen (festgesetzten) Weise || Art & Weise der Darstellung.

¥
   
     Wir könnten sagen || fragen: Wie denn, ‘undefinierbar’! Könnten || Können wir denn versuchen es zu definieren? Und wie?
      ¥ [Hierher gehört als eigener Absatz ein Satz aus Bd. X. der ungefähr lautet: “Das einzige Korrelat zu || in unserer Ausdrucksweise zu einer Naturnotwendigkeit ist eine willkürliche Regel.”]


   
     Es ist von der größten Bedeutung, daß wir uns zu einem Kalkül der Logik immer ein Beispiel seiner Anwendung denken, auf welches der Kalkül wirklich eine Anwendung findet, & daß wir nicht Beispiele, von denen wir || geben & sagen, sie seien eigentlich nicht die idealen, diese aber hätten wir noch nicht. Das ist das Zeichen einer falschen Auffassung. (Russell & ich haben, in verschiedener Weise an ihr laboriert. Vergleiche was ich in der “Abhandlung” || “Log. phil. Abh.” über Elementarsätze
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& Gegenstände sage.) Kann ich den Kalkül überhaupt verwenden, dann ist dies auch die ideale Verwendung, & die Verwendung um die es sich handelt. Einerseits will man nämlich das Beispiel nicht als das eigentliche anerkennen, weil man in ihm eine Mannigfaltigkeit sieht, der der Kalkül nicht Rechnung trägt. Anderseits ist es doch das Urbild des Kalküls & er davon hergenommen, & auf eine geträumte Anwendung kann man nicht warten. Man muß sich also eingestehen, welches das eigentliche Urbild || Vorbild des Kalküls ist.
     Nicht aber, als habe man damit einen Fehler begangen, den Kalkül von daher genommen zu haben; sondern der Fehler || . Der Fehler liegt darin, dem Kalkül seine wirkliche || eigentliche Anwendung jetzt nicht zuzugestehen& sie || , sondern sie für eine nebulose Ferne || einen idealen Fall zu versprechen.


   
     Denken wir Spengler sagte: “Ich vergleiche verschiedene Kulturperioden dem Leben von Familien; innerhalb einer Familie gibt es eine Familienähnlichkeit, während es auch zwischen Mitgliedern verschiedener Familien Ähnlichkeiten gibt; die Familienähnlichkeit unterscheidet sich von der andern so & so. etc..” Das Vergleichsobjekt || Vorbild, der Gegenstand, von welchem eine || diese Betrachtungsweise abgezogen ist, soll uns angegeben werden, damit die Betrachtungen nicht ungerecht werden || Betrachtung nicht ungerecht wird. Denn nun wird alles was vom Vorbild gilt auch vom Gegenstand unserer
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Betrachtung behauptet; & behauptet: es müsse immer …. Das ist der Ursprung einer Art von Dogmatismus. Man vergißt die Stellung des Urbilds in der Betrachtung: Es ist gleichsam die Maßeinheit mittels || mit der wir das Betrachtete messen. Und der Dogmatismus || Der Dogmatismus aber behauptet, daß jeder der gemessenen Gegenstände || gemessene Gegenstand genau eine ganze Zahl von Maßeinheiten lang sein muß. Es ist allerdings || freilich wahr, daß die || eine Maßeinheit für einen bestimmten Zweck gut gewählt war, wenn sich viele der Längen, die wir messen wollen mit ihr angenähert in ganzen Zahlen angeben lassen. wenn mit ihr || wenn sie viele der Längen, die wir messen wollen, (angenähert) in ganzen Zahlen ausdrückt.


   
     Regel & Erfahrungssatz. Ist eine Regel ein Erfahrungssatz – etwa über den Gebrauch der Sprache? Ist eine Regel des Schachspiels ein Satz darüber, || der sagt, wie die Menschen seit dem Ereignis der Erfindung des Schachspiels es gespielt haben; d.h. etwa mit den Schachfiguren gezogen haben. Denn wenn davon die Rede ist daß die Menschen das Schachspiel so gespielt haben so muß “Schachspiel” so definiert sein, daß es Sinn hat davon auszusagen es sei einmal anders gespielt worden. (Es ist etwa durch seine historische || mit Hilfe seiner historischen Kontinuität definiert.) Sonst nämlich gehören die Regeln zur Definition des Schachspiels. Daß jemand der || dieser Regel gemäß spielt, das ist eine Erfahrungstatsache; oder: “A spielt dieser
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Regel gemäß”, “die meisten Menschen spielen nach dieser Regel”, “niemand spielt nach dieser Regel” sind Erfahrungssätze. Die Regel ist kein Erfahrungssatz; sie ist in unsern Beispielen ein Teil solcher Sätze.


   
Wenn die Definition des Meters die Länge des Pariser Urmeters ist, so sagt der Satz “dieses Zimmer ist 4 m lang” dasselbe wie: “dieses Zimmer ist 4 m lang & 1 m = die Länge des Pariser Urmeters”.
     Die Legende zu || auf einer Landkarte ist ein Verzeichnis von Regeln, die der Beschreibung des Landes beigefügt sind. || , welche der || einer geographischen Beschreibung beigefügt sind. Sie sagen nichts über die Geographie des Landes aus; sowenig wie der Satz || die Erklärung “1 m ist die Länge des Pariser Urmeters die Länge eines Gegenstandes angibt.
     Wenn man die Regel dem beschreibenden Satze beifügt so ändert sich der Sinn des Satzes nicht.


   
Ich könnte auch sagen: Ich will nur das mitteilen, was der Satz der Sprache mitteilt; & die Regel ist nichts als ein Hilfsmittel dieser Mitteilung. Die Regel ist keine Mitteilung, || : wenn sie || Wenn die Regel dem Satz beigefügt wird, fügt sie seiner Mitteilung nichts hinzu. Sie ist (also) keine ﹖﹖﹖﹖ Mitteilung über den Sprachgebrauch.


   
Denken wir uns (etwa) ein Bild, einen Boxer in bestimmter Kampfstellung darstellend. Dieses
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Bild kann nun dazu gebraucht werden um jemandem mitzuteilen, wie er stehen, sich halten soll; oder, wie er sich nicht halten soll; oder, wie ein bestimmter Mann dort & dort gestanden hat; oder etc. etc.. Man könnte dieses Bild (chemisch gesprochen) ein Satzradikal nennen.
     Die || Eine Regel ist quasi ein Satzradikal.
||       In diesem Sinne ist auch die Regel ein Satzradikal. || In diesem Sinne kann man auch die Regel ein Satzradikal nennen.



   
Man könnte die Regeln || Regel || Regeln die Beschreibung eines Spiels nennen, oder die Vorschrift, die sagt || befiehlt, wie man es spielen soll. Aber merken wir wohl: die Regel beschreibt || sagt || Regeln sagen nicht daß & wie eine Partie des || dieses Spiels je gespielt wurde, oder daß sie gespielt wurde || worden ist || wurde. Auch || , auch befiehlt || befehlen sie niemandem, so zu spielen. Sie beschreiben das Spiel nicht || nicht ein Spiel, sondern sie definieren es. || eines.


   
Die Beschreibung einer Notation fängt charakteristischerweise oft mit den Worten an: “Wir können auch so schreiben: …”. Man könnte fragen: Was ist das für eine Mitteilung: “wir können …”?


   
Sagte ich nicht, die Vorschriften, die den Gebrauch eines Wortes regeln, gäben ihm damit seine Bedeutung? (Konstituierten seine Bedeutung.) Könnte ich nun || aber nicht sagen zwei Wörter – schreiben wir sie “non” & “ne” – hätten dieselbe Bedeutung, sie sind || seien beide
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Verneinungszeichen, aber
non non p = p
&
ne ne p = ne p
– In den Wortsprachen || vielen Sprachen bedeutet eine doppelte Verneinung sehr oft eine Verneinung. – Warum nenne ich dann aber beide “Verneinungen”? Was haben sie mit einander gemein? Nun es ist klar, daß sie einen großen Teil ihres Gebrauchs gemein haben || ein großer Teil ihres Gebrauchs beiden gemeinsam ist. Das löst aber unser Problem noch nicht. Denn wir möchten doch sagen: Auch daß die doppelte Verneinung eine Bejahung ist, muß für beide stimmen, wenn wir nur die Verdoppelung entsprechend auffassen. Aber wie? Nun so, wie es z.B. durch Klammern ausgedrückt werden kann.
(ne ne) p = ne p, ne (ne p) = p

     Es bietet sich uns gleich ein analoger (oder besser, spezieller) Fall der Geometrie an: || : || Wir denken gleich an einen analogen Fall der Geometrie: “Zwei halbe Drehungen addiert heben sich || einander auf”, “Zwei halbe Drehungen addiert geben || sind eine halbe Drehung”.
,
Es kommt eben darauf an, wie wir sie addieren. (Ich könnte es ebensowohl “sie addieren” nennen einen Gegenstand nach dem Schema I bewegen || zweimal zu drehen, wie das Schema I zeigt; oder auch ihn einmal um 180˚ zu drehen, & dann, gleichsam um diese Drehung zu bekräftigen,
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ihn in die erste Stellung zurück & nocheinmal im ersten Sinn zu drehen. (II.)


   
     Hier stoßen wir auf eine merkwürdige & charakteristische Erscheinung in philosophischen Untersuchungen: Die Schwierigkeit – könnte ich sagen – ist nicht, die Lösung zu finden, sondern, etwas als die Lösung anzuerkennen, was aussieht, als wäre es erst eine Vorstufe zu ihr. “Wir haben schon alles gesagt. – Nicht etwas, was daraus folgt, sondern eben das ist die Lösung!”
     Das hängt, glaube ich, damit zusammen, daß wir fälschlich [keine Beistriche] eine Erklärung erwarten; während eine Beschreibung die Lösung der Schwierigkeit ist, wenn wir sie richtig in unsere Betrachtung einordnen. Wenn wir bei ihr verweilen & nicht versuchen, über sie hinauszukommen.
      Die Schwierigkeit ist hier, – || : Halt zu machen.

   
     “Das ist bereits alles, was sich darüber sagen läßt.” – “non non p” als Verneinung des verneinten Satzes auffassen, das ist für uns das Gleiche wie || etwa: eine Erklärung der Art “non non p = non (non p)” zu geben. || das Gleiche, wie zu schreiben: “non non p = non (non p)”.
     “Wenn ‘ne’ eine Verneinung ist, so muß ne ne p’, wenn es nur richtig aufgefaßt wird gleich p sein.”
     “Wenn man ‘ne ne p’ als Negation von p nimmt, muß man die Verdoppelung anders auffassen.”
     Man möchte sagen,die ‘Verdoppelung’
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heißt dann etwas anderes, darum ergibt sie jetzt eine Verneinung”, also: daß sie jetzt eine Verneinung ergibt, ist die Folge ihrer anderen Bedeutung || ihres anderen Wesens. “Ich meine sie jetzt als Verstärkung”, würde man sagen. Wir setzen statt der Meinung den Ausdruck der Meinung.

   
     Worin mag das gelegen haben, daßich, zur Zeit als ich die doppelte Verneinung sagte, sie als Verstärkung || verstärkte Verneinung & nicht als Bejahung meinte. || , als ich die doppelte Verneinung sagte, ich sie als Verstärkung || verstärkte Verneinung & nicht als Bejahung meinte || , als ich die doppelte Verneinung sagte, sie als Verstärkung || verstärkte Verneinung & nicht als Bejahung gemeint war? In den Umständen unter denen ich den Ausdruck gebrauche, im Bild, das mir etwa dabei vorschwebt oder mit dem ich bereit bin die doppelte Negation zu vergleichen, im Ton meiner Rede (so wie ich auch im Ton die Klammern in “ne (ne p)” wiedergeben kann). “ne ne” || Die Verdoppelung als Verstärkung meinen, kann von der Art sein || ist dann von der Art, es || sie unter gewissen Umständen als Verstärkung aussprechen. Die Verdoppelung als Aufhebung meinen, heißt z.B. Klammern setzen (auch im mündlichen || gesprochenen Ausdruck). – “Ja, aber diese Klammern selbst können doch verschiedene Rollen spielen; denn wer sagt, daß sie in “~(~p)” im gewöhnlichen Sinn als Klammern aufzufassen seien & nicht irgendwie anders; etwa die erste als Trennungsstrich zwischen den beiden ‘~’, die zweite als Zugehör des ‘p’ || als Schlußpunkt des Satzes?” Niemand sagt es. Und Du hast ja Deine Auffassung wieder durch Worte ersetzt. Was die Klammern bedeuten, wird sich in ihrem Gebrauch zeigen &, in anderm Sinn, liegt es etwa im Aspekt (gesehenen Rhythmus) des Gesichtseindrucks von “~(~p)”.

   
     Soll ich nun sagen: die
Bedeutung von “non” & “ne” sei || Bedeutungen von “non” & “ne” seien etwas verschieden? Sie seien verschiedene Abarten der Verneinung? – Das würde niemand sagen. Denn, würde man einwenden, heißt dann “geh nicht in dieses Zimmer!” (etwa) || am Ende || vielleicht nicht ganz || genau dasselbe, wenn ich “nicht nicht p” als Bejahung gebrauche || wenn wir die Regel aufstellen “nicht nicht” solle als Verneinung gebraucht werden & nicht als Bejahung? – Dagegen aber möchte man einwenden: “Wenn der Satz ‘geh nicht in dieses Zimmer’ dasselbe heißt wie || die beiden Sätze “ne p” und “non p” ganz dasselbe sagen, wie kann dann “ne ne” nicht dasselbe bedeuten wie “non non”? Aber hier setzen wir eben einen Symbolismus voraus, d.h., nehmen ihn zum Vorbild, in welchem aus ne p = non p folgt, daß die beiden Wörter in allen Fällen gleich verwendet werden.
     Die Drehung um 180˚ & die Verneinung sind im besonderen Fall tatsächlich dasselbe, & die Anwendung des Satzes ~~p = p von der Art der Anwendung einer Geometrie.


   
Denken wir, ich fragte: Zeigt es sich uns klar, wenn wir die Sätze aussprechen “dieser Stab ist 1 m lang” & “hier steht 1 Soldat”, daß wir mit ‘1’ verschiedenes meinen, daß ‘1’ verschiedene Bedeutungen hat? – Es zeigt sich uns gar nicht.
Besonders || Gar, wenn wir etwa sagen || einen Satz sagen wie: “auf je 1 m steht 1 Soldat, auf 2 m 2 Soldaten usw.”
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Gefragt “meinst Du dasselbe mit den beiden Einsern” würde man etwa antworten: “freilich meine ich dasselbe: – eins!” (wobei man (etwa) einen Finger in die Höhe hebt).


   
Was meint man damit: ‘ne ne p’, auch wenn es, nach dem Übereinkommen, ‘ne p’ bedeutet, könnte auch als aufgehobene Verneinung gebraucht werden? – Man möchte sagen: “‘ne’, mit der Bedeutung, die man ihm gegeben hat || wir ihm gegeben haben, könnte sich selbst aufheben, wenn wir es nur richtig applizieren || anwenden.” Was meint man damit? (Die beiden halben Drehungen in der gleichen Richtung könnten einander aufheben, wenn sie richtig || entsprechend zusammengesetzt würden.) “Die Bewegung der Verneinung ‘ne’ kann sich selbst aufheben || ist im Stande sich selbst aufzuheben”. Aber wo ist diese Bewegung? Man möchte natürlich von einer geistigen Bewegung der Verneinung reden, zu deren Ausführung das Zeichen ‘ne’ nur das Signal ist || gibt.


   
      [Denk an andere Mittel der Verneinung, etwa durch die Tonhöhe.]
Wir können uns ganz leicht Menschen mit einer ‘primitiveren’ Logik || mit ‘primitiverer’ Logik denken, in der es etwas unserer Verneinung Entsprechendes nur für gewisse Sätze gibt; für solche etwa, die keine Verneinung enthalten. In dieser Sprache || der Sprache dieser Menschen könnte man dann einen Satz wie “er geht in dieses Haus” verneinen; würde man aber einem von ihnen || ihnen aber einen Satz sagen in welchem zwei sie würden aber eine Verdopplung der Verneinung immer nur als Wiederholung
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der Verneinung nie als ihre Aufhebung verstehen.

   
Zu fragen || Die Frage, ob für diese Menschen die Negation || Verneinung dieselbe Bedeutung hat, wie für uns wäre dann analog der, ob die Ziffer ‘2’ für Menschen deren Zahlenreihe nur bis 5 geht || mit 5 endigt dasselbe bedeutet wie für uns.


   
     Wer “~~p = p” (oder auch “~~p ≡ p”) einen “notwendigen Satz der Logik” nennt, aber || und nicht geneigt ist, ihn eine Bestimmung über die von uns angenommene Darstellungsart zu nennen, || (und nicht eine Bestimmung über die von uns angenommene Darstellungsart) der hat auch die Tendenz zu sagen, dieser Satz gehe aus der Bedeutung der Verneinung hervor. Wenn in einer dialektischen Redeweise || Redeweise des Dialekts die doppelte Verneinung als Verneinung gebraucht wird, wie in “er hat nirgends nichts gefunden”, so sind wir geneigt zu sagen: eigentlich heiße das, er habe überall etwas gefunden. Überlegen wir was dieses “eigentlich” heißt! –


   
     Unser Problem könnte man sehr klar so stellen: Angenommen wir hätten zwei Systeme der Längenmessung; eine Länge wird in beiden durch ein Zahlzeichen ausgedrückt, || , & ihm || diesem folgt ein Wort, welches das Maßsystem bezeichnet. || angibt. Das eine System bezeichnet eine Länge als “n Fuß” & Fuß ist eine Längeneinheit im gewöhnlichen Sinne; im andern System wird eine Länge mit “n W” bezeichnet & 1 Fuß = 1 W. Aber
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2 W = 4 Fuß, 3 W = 9 Fuß, u.s.w.. – Also heißt der Satz “dieser Stock ist 1 W lang” dasselbe wie, “dieser Stock ist 1 Fuß lang”. Frage: Hat in diesen beiden Sätzen “W” & “Fuß” dieselbe Bedeutung?

   
     Die Frage ist falsch gestellt. Das sehen wir, wenn wir || sieht man, wenn wir Bedeutungsgleichheit durch eine Gleichung ausdrücken. Die Frage kann dann nur lauten: “ist W = Fuß, oder nicht?” – die || Die Sätze, in denen diese Zeichen stehen, verschwinden in dieser Betrachtung. – Ebensowenig kann man natürlich in dieser Terminologie fragen, ob “ist” das gleiche bedeutet wie “ist”; wohl aber, ob “ε” das gleiche bedeutet wie “ = ” || die Kopula das gleiche bedeutet wie das Gleichheitszeichen. Nun, wir sagten ja: 1 Fuß = 1 W; – aber Fuß ≠ W.


   
     Unsere Schwierigkeiten können gelöst werden; & sie brauchen zu ihrer Lösung nicht neue & feine Entdeckungen, tiefer dringende Analysen & dergleichen, sondern eine Zusammenstellung der richtigen Beispiele. (Das erlösende Wort.)


   
Wenn man sagt “ne ne p” könnte auch als aufgehobene Verneinung gebraucht werden, so soll das doch wohl heißen, daß der Kalkül mit der Regel ne ne p = p sich ganz in einen mit der Regel ne ne p = ne p übersetzen läßt.

   
Hat nun “ne” dieselbe Bedeutung wie “non”? – Kann ich “ne” statt “non” setzen? – “Nun, an
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gewissen Stellen ja || wohl, an andern nicht.” – Aber danach fragte ich nicht. Meine Frage war: kann man, ohne weitere Qualifikation ne statt non gebrauchen? – Nein.


   
“‘ne’ & ‘non’ heißen in diesem Fall genau dasselbe.” – Und zwar, was? “Nun, man solle das & das nicht tun.” Aber hier || damit hast Du ja nur gesagt, daß in diesem Fall ne p = non p ist & das leugnen wir (ja) nicht.
     Wenn Du erklärst ne ne p = ne p, non non p = p, so gebrauchst Du die beiden Wörter eben in verschiedener Weise; & hält man dann an der Auffassung fest, daß, was sie in gewissen Kombinationen ergeben von ihrer Bedeutung ‘abhängt’, der Bedeutung, die sie mit sich herumtragen, dann muß man also sagen, sie müssen verschiedene Bedeutungen haben, wenn sie, auf gleiche Weise zusammengesetzt verschiedene Resultate ergeben können. | D.h., man muß dann sagen: ne ne p kann nicht etwas Anderes ergeben als non non p wenn die Bedeutungen von “ne” & “non” wirklich dieselben sind. Und wir drücken das nur anders aus.


   
Man möchte etwa von der Funktion des Wortes in diesem Satz reden. Aber worin besteht diese Funktion? Wie tritt sie zu Tage? Denn es ist ja nichts verborgen; || , wir sehen ja den ganzen Satz! Die Funktion muß sich im Kalkül || im Laufe des Kalküls zeigen.
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     Man will nun || aber sagen: ““non” || ‘non’ tut dasselbe mit ‘p’, was ‘ne’ tut, – es kehrt ihn um”. Aber das sind nur andere Worte für “non p = ne p” (welches || was nur stimmt || gilt, wenn “p” nicht selbst || selbst ein verneinter Satz ist). Immer wieder der Gedanke, daß, was wir vom Zeichen sehen nur eine Außenseite zu einem Innern ist, worin sich die eigentlichen Operationen || Prozesse des Sinnes & der Bedeutung abspielen || die eigentlichen Operationen der Meinung abspielen.


   
     Ist es nun nicht merkwürdig, daß ich sage das Wort “ist” werde in zwei verschiedenen Bedeutungen (als ‘ε’ & ‘ = ’) gebraucht, & nicht sagen möchte, seine Bedeutung bestehe darin, daß es wie ‘ε’ & wie ‘ = ’ gebraucht werde? || sei sein Gebrauch als ‘ε’ & ‘ = ’? || seine Bedeutung sei sein Gebrauch als ‘ε’ & als ‘ = ’?
     Man will || möchte sagen diese beiden Arten des Gebrauchs geben nicht eine Bedeutung; die Personalunion durch das gleiche Wort sei || ist ein bloßer unwesentlicher Zufall.

   
     Aber wie kann ich entscheiden, welches ein wesentlicher & welches ein unwesentlicher, zufälliger Zug der Notation ist? Liegt denn eine Realität hinter der Notation nach der sich ihre Struktur || Grammatik richtet?
     Denken wir an einen ähnlichen Fall im Spiel: Im Damespiel wird eine Dame dadurch gekennzeichnet, daß man zwei Spielsteine aufeinanderlegt. Wird man nun nicht sagen, daß es für das Spiel unwesentlich ist, daß || es sei für das Spiel unwesentlich, daß eine
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Dame aus zwei Steinen besteht?


   
     Sagen wir: die Bedeutung eines Steines (einer Figur) ist ihre Rolle im Spiel. – Nun werde vor Beginn einer || jeder Schachpartie immer durch das Los entschieden welcher der Spieler || wer Weiß erhältindem der eine die beiden Schachkönige || ein Spieler in jeder geschlossenen Hand einen Schachkönig hält & der andere auf gut Glück eine der beiden Hände wählt. || . Dazu halte der eine Spieler in jeder geschlossenen Hand einen Schachkönig & der andere wähle auf gut Glück eine der beiden Hände. Wird man es nun zur Rolle des Königs im Schachspiel rechnen, daß er (so) beim || zum Auslosen verwendet wird?


   
     Ich bin (also) geneigt auch im Spiel zwischen wesentlichen & unwesentlichen Regeln zu unterscheiden. Das Spiel, könnte || möchte ich sagen, hat nicht nur Regeln, sondern auch einen Witz.


   
[Zu S. 70] A Denken wir uns (aber) die beiden Ämter in einer Person vereinigt als ein altes Herkommen.




   
     Wozu das gleiche Wort? wir machen ja im Kalkül keinen Gebrauch von dieser Gleichheit! Wozu für beide Verwendungen || für beides die gleichen Steine? –
Aber was heißt es hier “von der Gleichheit Gebrauch machen”? Ist es denn nicht ein Gebrauch, wenn wir eben das gleiche Wort gebrauchen?


   
Hier scheint es nun als hätte der Gebrauch des
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gleichen Worts, des gleichen Steins, einen Zweck – wenn die Gleichheit nicht zufällig, unwesentlich, ist. Und als sei der Zweck, daß man den Stein wiedererkennen, & wissen könne, wie man zu spielen hat. Ist da von einer physischen oder einer logischen Möglichkeit die Rede? Wenn das Letztere, so gehört eben die Gleichheit der Steine zum || ins Spiel.


   
     Das Spiel soll doch durch die Regeln bestimmt sein! Wenn also eine Spielregel vorschreibt, daß zum Auslosen vor der Partie || Schachpartie die Könige zu nehmen sind, so gehört das, wesentlich, zum Spiel. Was könnte man dagegen einwenden? Nun, daß || Daß man den Witz dieser Vorschrift || Regel nicht einsehe. Etwa, wie man auch nicht den Witz einer Regel || den Witz einer Regel nicht einsähe, die vorschriebe jeden Stein erst dreimal umzudrehen bevor || nach der jeder Stein dreimal umzudrehen wäre, ehe || nicht den Witz einer Vorschrift || den Witz einer Vorschrift nicht einsähe, jeden Stein dreimal umzudrehen ehe man mit ihm zieht. Fänden wir diese Regel in einem Brettspiel, so würden wir uns wundern & Vermutungen über den Grund || Zweck (zu) so einer Regel anstellen. (“Sollte diese Vorschrift verhindern daß man ohne Überlegung zieht”) || (Wie man sich (etwa) fragt: Was ist der Ursprung des ‘Abhebens’ nach dem Mischen der Spielkarten?)

   
     “Wenn ich den Charakter des Spiels richtig verstehe”, könnte || möchte ich sagen, “so gehört das nicht wesentlich dazu”.


¥⋎ S. 69 A
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     Man sagt: ¤ der Gebrauch des gleichen Wortes ist hier unwesentlich, weil er || diese Gleichheit || die Gleichheit keine Übergänge überbrückt. || , weil die Gleichheit der Wortgestalt hier nicht ¤ dazu dient, einen Übergang zu überbrücken || vermitteln || herzustellen. || eine Brücke zu einem Übergang ist. Aber damit beschreibt man nur den Charakter des Spiels, welches man spielen will.


   
Eine der Versuchungen, der wir beim Philosophieren widerstehen müssen, ist, die, zu glauben || denken, wir müßten unsere Begriffe exakter machen, als sie nach dem gegenwärtigen Stand unserer Einsicht sind. Dieser Abweg führt in eine Art mathematischer Philosophie, welche glaubt, mathematische Probleme lösen zu müssen, damit wir zur philosophischen Klarheit kommen. (Ramsey.) Wir brauchen nur eine richtige Beschreibung der gegenwärtigen Lage.


   
     Sage mir, was Du mit einem Satz anfängst, wie Du ihn verifizierst, etc., & ich werde ihn verstehen?

   
     Die Frage “wie kann man das wissen” fragt nach einem grammatischen || logischen Zusammenhang, wenn “kann” die logische Möglichkeit bedeutet.

   
     “Was ist ein Sessel?”
     “Wie sieht ein Sessel aus?” Sind das etwa von einander unabhängige Fragen?
     Wie haben wir denn die Bedeutung des Wortes
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“Sessel” gelernt? Wie wurde sie uns denn erklärt?

   
     Die Frage nach der Möglichkeit der || Art der Verifikation des Satzes ist nur eine besondere Form der Frage “wie meinst Du das?”. Die Antwort ist ein Beitrag zur Grammatik des Satzes.


   
     Wie weiß man, wenn es regnet? Wir sehen, fühlen, den Regen. Die Bedeutung des Wortes “Regen” wurde uns mit || an diesen || solchen Erfahrungen erklärt. Ich sage, sie sind ‘Kriterien’ dafür, daß es regnet. “Was ist Regen” & “wie sieht Regen aus” sind logisch verwandte Fragen. – Die Erfahrung habe nun gelehrt, daß ein plötzliches Fallen des Barometers & ein Regenguß immer zusammengehen; dann werde ich ein solches Fallen des Barometers als ein Symptom für das Niedergehn eines Regengusses ansehen. Ob ein Phänomen ein Symptom des Regens ist, lehrt die Erfahrung; was als Kriterium des Regens gilt ist Sache der Abmachung || unsere Bestimmung (Definition).


   
Es ist nichts gewöhnlicher, als daß der Gebrauch || die Bedeutung eines Ausdrucks in der Weise schwankt, daß ein Phänomen bald als Symptom bald als Kriterium angesehen wird. Und meistens wird dann in einem solchen Fall der Wechsel der Bedeutung nicht gemerkt. In der Wissenschaft ist es üblich Phänomene die genaue Messungen || Messungen bestimmter Art zulassen zu definierenden Kriterien eines Ausdrucks zu machen; & man ist dann geneigt zu
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meinen, nun sei die eigentliche Bedeutung gefunden worden. Eine Unmenge von Verwirrungen ist auf diese Weise zustande gekommen.
     Es gibt Grade der Erwartung || Hoffnung, aber es ist unsinnig von einer Messung der Hoffnung zu reden, wenn wir dem Wort “Hoffnung” seinen normalen Gebrauch lassen. Nun gibt man etwa einem meßbaren Phänomen das manchmal mit der Hoffnung || Vergnügen zusammen geht den Namen “Hoffnung || Vergnügen” & sagt, man habe eine Methode gefunden die Hoffnung || Vergnügen zu messen. Es ist wahr, daß in gewissen Fällen ein meßbares Phänomen, den Platz einnimmt, den früher || vor ihm ein nicht meßbares hatte. Das Wort, was diesen Platz bezeichnete, wechselt dann seine Bedeutung, & seine alte Bedeutung ist mehr oder weniger obsolet geworden. Man beruhigt sich dann dabei || damit, der eine Begriff sei der genauere, der andere der ungenauere; & meint || sieht || beachtet nicht, daß hier in jedem besondern Fall ein anderes Verhältnis von “genau” & “ungenau” vorliegt || Verhältnis zwischen dem ‘genauen’ & ‘ungenauen’ vorliegt. Es ist der alte Fehler die besondern Fälle nicht zu prüfen.
      Das führt dann dahin, daß wir glauben jedes Phänomen, welches Grade zuläßt, müsse sich ‘eigentlich’ messen lassen. So z.B. die Wahrscheinlichkeit daß mein Freund mich heute besuchen wird.


   
     Das Schwanken der Grammatik zwischen Kriterien & Symptomen läßt es dann erscheinen als gäbe es überhaupt nur Symptome. Wir sagen dann etwa: es ist Erfahrungstatsache
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|| Die Erfahrung lehrt
daß es regnet, wenn ¤ das Barometer fällt, aber es ist ebenso Erfahrungstatsache || sie lehrt auch daß es regnet, wenn wir ein bestimmtes Gefühl der Nässe & Kälte, oder einen bestimmten Gesichtseindruck haben.” Als Erhärtung dessen || Argument dafür gibt man dann an || sagt man dann, daß wir uns ja irren können || diese Sinneseindrücke uns täuschen können. Aber man bedenkt dabei nicht, daß gerade die Tatsache, daß sie uns gerade den Regen vortäuschen auf einer Abmachung beruht.


   
     Nicht darum handelt es sich hier, || das ist maßgebend, daß unsere Sinneseindrücke uns belügen können, sondern, daß wir ihre Sprache || Lügen verstehen. (Und diese Sprache beruht, wie jede andere, auf Übereinkunft.)


   
Man ist etwa geneigt zu sagen: “Es regnet, oder es regnet nicht; wie ich das weiß, wie mich die Kunde davon erreicht hat, ist eine andere Sache. Aber stellen wir also die Frage so: “Was nenne ich denn: ‘eine Kunde davon, daß es regnet’?” (Oder habe ich auch von dieser Kunde nur Kunde erhalten?) – Und was kennzeichnet denn diese ‘Kunde’ als Kunde von etwas? Leitet uns da nicht die Form unseres Ausdrucks irre? Ist das eben nicht ein irreleitendes Gleichnis || eine irreleitende || irreführende Metapher: “mein Auge gibt mir Kunde davon, daß dort ein Sessel steht”?

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     “Der Sessel || Regen existiert unabhängig davon, ob ihn jemand wahrnimmt.” Ist das ein Erfahrungssatz; oder eine verschleierte Festsetzung der Grammatik? || Ist das ein Erfahrungssatz? Soll es sagen, die Erfahrung habe gelehrt, daß ein Sessel nicht verschwindet, wenn man sich von ihm wegwendet?


   
“Welches ist die ‘wirkliche Lage’ des Körpers, den ich unter Wasser sehe, was, die ‘wirkliche Farbe’ des Tisches?” Welches || Welche nennst Du “die wirkliche Lage”? Du selbst kannst es entscheiden. – Wie findet man die wirkliche Lage; was willst Du als Methode der Bestimmung der wirklichen Lage gelten lassen || anerkennen?
     Die Frage nach der Verifikation ist eine Frage nach der Methode. (Methodologie.)


   
     “Es wird niemals Menschen mit zwei Köpfen geben.So ein || Dieser Satz || Ein solcher Satz scheint irgendwie ins Unendliche, Unverifizierbare zu reichen & sein Sinn von jeder Verifikation unabhängig zu sein. Aber wenn wir seinen Sinn erforschen wollen, so meldet sich(, ganz richtig || mit Recht || sogleich,) die Frage: Können wir die Wahrheit eines solchen Satzes je wissen, & wie können wir sie wissen; & welche Gründe können wir haben, was der Satz sagt anzunehmen, oder abzulehnen? – Nun wird man vielleicht sagen || sagt man vielleicht: es ist ja nach dem Sinn gefragt worden, & nicht danach, ob, & wie man ihn wissen kann. Aber die Antwort auf die Frage “wie kann
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man diesen Satz wissen?” ist nicht eine psychologische, sondern sie erklärt || beschreibt seinen || den Zusammenhang im Kalkül mit andern Sätzen. || erklärt seinen Zusammenhang (des Kalküls) mit andern Sätzen || erklärt seinen logischen Zusammenhang, seinen Zusammenhang im Kalkül, mit andern Sätzen. || sondern sie erklärt seinen logischen, quasi rechnerischen, Zusammenhang mit andern Sätzen. Und die möglichen Gründe den Satz anzunehmen sind nicht persönliche Angelegenheiten, sondern Teile des Kalküls (zu dem der Satz gehört).
     Wenn ich frage: wie kann man || ich || man den Satz “jemand ist im Nebenzimmer” verifizieren, oder, || : wie kann ich || man herausfinden, daß jemand im Nebenzimmer ist, – so ist etwa eine Antwort: “indem ich in's Nebenzimmer gehe & nachsehe || man in's Nebenzimmer geht & nachsieht”. Wenn nun gefragt wird: “wie kann ich || man ins Nebenzimmer kommen, wenn die Tür versperrt ist”, so bedeutet das “kann” hier die physische Möglichkeit, nicht, wie in der ersten || vorigen Frage, die logische.


   
     Die Ursachen, warum wir einen Satz glauben, sind für die Frage, was es denn ist, was wir glauben allerdings irrelevant; aber nicht so die Gründe, die ja mit dem Satz grammatisch verwandt sind & uns sagen, wer er ist.


   
     Der Instinkt führt uns richtig, der zur Frage führt: wie kann man so etwas wissen; was für einen Grund können wir haben, das anzunehmen; aus welchen Erfahrungen würden wir so einen Satz ableiten; etc..
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     Der Sinn des Satzes ist ja nicht etwas, was wir, wie die Struktur der Materie, erforschen, & was vielleicht zum Teil unerforschlich ist. (Ungelöste Probleme der Mathematik.) So daß wir später (erst) noch einmal daraufkommen können || könnten, daß dieser Satz von andern Wesen, als wir sind, auf andere Art gewußt werden kann. (Ich rede nicht von Symptomen.) Daß || So daß er dieser Satz mit diesem Sinn bliebe, dieser Sinn aber Eigenschaften hätte, die wir jetzt nicht ahnen. Der Satz, oder sein Sinn, ist nicht das pneumatische Wesen, was sein Eigenleben hat & nun Abenteuer besteht, von denen wir nichts zu wissen brauchen. Wir hätten ihm quasi Geist von unserm Geist eingehaucht, aber nun hat er sein Eigenleben – wie unser Kind – und wir können ihn nur beobachten & untersuchen. || beobachten & sein Wesen zu erforschen trachten. (Mathematik.)


   
Wenn man nun fragt: hat es Sinn zu sagen “es wird nie das & das geben”? – Nun, welche Evidenz gibt es dafür; & was folgt daraus? – Denn, wenn es keine Evidenz gibt – nicht, daß wir noch nicht im Stande waren sie zu erhalten, sondern daß keine im Kalkül vorgesehen wurde –, dann ist damit der Charakter dieses Satzes bestimmt. So wie das Wesen einer Zahlenart dadurch bestimmt ist, dadurch, daß kein daß || wenn wir sagen, diese Zahlen seien mit Rationalzahlen || rationalen Zahlen unvergleichbar.

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“Das & das wird nie geschehen” – man glaubt durch diesen Satz in die unendliche Zukunft zu reichen. Quasi, zum mindesten eine Eisenbahn || Wenigstens eine Eisenbahn dorthin gelegt zu haben, wenn wir auch noch nicht die ganze Strecke bereist haben.
     Es liegt da die Idee || Dem liegt die Idee zu Grunde, daß das Wort “nie” die Unendlichkeit bereits mitbringe, da das eben seine Bedeutung ist.
     Es kommt darauf an: Was kann ich mit diesem || so einem Satz anfangen, || ? Denn || denn auf die Frage, “was sagt er?” kommt ja wieder ein || kommt wieder ein Satz zur Antwort, & der führt mich so lange nicht weiter, als ich aus der Erklärung nichts über die Züge erfahre || & der führt mich nicht weiter, ehe ich nicht etwas über die Züge erfahre, die ich mit den Figuren machen darf. (Als ich || Solange ich sozusagen nur immer wieder die gleiche Spielstellung vor mir sehe & keine andern, die ich aus ihr bilden kann.) So höre ich, z.B., daß keine Erfahrung den Satz beweisen kann, & das beruhigt mich über seine unendliche Bedeutung.


   
Aus keiner Evidenz geht hervor, daß dieser Satz wahr ist. Ja, aber ich kann ihm doch glauben. || Ja, aber ich kann doch glauben, was er sagt! || Ja, aber ich kann doch glauben, daß das der Fall ist, was er sagt! || daß es sich so verhält, wie er sagt! Aber was heißt (das): “glauben, daß es sich so verhält”? Reicht (etwa) dieser Glaube in die Unendlichkeit; fliegt er der Verifikation voran? – Was heißt es, diesen Satz || das glauben: ihn || diesen Satz mit
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bestimmten Empfindungen sagen? in der & der Weise handeln? – Und diese Handlungen interessieren uns nur, sofern sie zeigen, wie wir den Satz im Kalkül verwenden. || gebrauchen.


   
     Jemand fragt mich: “warum hältst Du Deine Wange?” – ich antworte: “Zahnschmerzen”. Das heißt offenbar dasselbe wie “ich habe Zahnschmerzen”; aber weder stelle ich mir die fehlenden Worte im Geiste vor, noch || ergänze ich die fehlenden Worte im Geiste, noch gehen sie mir im Sinn ab. “Daher || Also ist es auch möglich, daß ich den Satz “ich habe Zahnschmerzen” so meine, als sagte ich nur das letzte Wort; oder, als wäre der ganze Satz || das ganze Satzzeichen nur ein Wort.”
     (Man sagt, ‘Hut & Stock!’ heißt || heiße eigentlich: ‘gib mir meinen || den Hut & meinen || den Stock!’.)

   
     Daran3 könnte man sehen, was es mit dem Meinen & der Bedeutung auf sich hat.

   
     Denken wir an die folgende Verwendung der Sprache: Ich schicke jemand einkaufen. Ich gebe ihm einen Zettel auf diesem stehen die Zeichen “drei rote Äpfel”. Er trägt den Zettel zum Kaufmann; dieser || der öffnet die Lade, auf welcher das Zeichen “Äpfel” steht; dann schlägt er in einer Tabelle das Wort “rot” nach & findet ihm gegenüber ein färbiges Quadrat || Täfelchen; nun zählt er || sagt er etwa die Reihe der Kardinalzahlwörter, die er auswendig kann || Grundzahlwörter ich nehme an er kann || weiß sie auswendig, bis zum Wort “drei” & bei jedem Zahlwort || Wort nimmt er einen Apfel aus der Lade der die Farbe des Täfelchens hat. So &
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ähnlich operiert man mit Worten. “Wie weiß er aber, wo & wie er das Wort “rot” nachschlagen soll & was er mit dem Wort “drei” anzufangen hat?” Nun, ich nehme eben an, er handelt, wie ich es beschrieben habe. Die Erklärungen haben irgend wo || irgendwo ein Ende. – Was ist aber die Bedeutung des Wortes “drei”? – Von einer solchen war hier gar nicht die Rede; nur davon, wie das Wort “drei” gebraucht wird!


   
     Das Wort “Bedeutung” hat, wenn es systematisch verwendet wird, einen gefährlichen Beigeschmack des Okkulten. Darum ist es gut, wenn wir die Erscheinungen der Sprache an primitiven Verwendungsformen || Verwendungsarten der Sprache studieren. An Sprachspielen || Formen & Verwendungen der Sprache wie sie das Kind gebraucht wenn es anfängt zu sprechen.
     Das Lehren der Sprache ist hier kein Erklären sondern ein Abrichten.


   
     Denken wir uns etwa folgendes Sprachspiel: Man spricht zu einem Kind || dem Lernenden indem man das elektrische Licht in einem Raum || im Zimmer andreht: “Licht”, dann, indem man es abdreht: “Finster”; man tut das mehrere Male, variiert die Zeitlängen || indem man die Zeitlängen variiert & spricht mit eindringlicher Betonung || eindringlichem Tonfall, begleitet die Worte etwa auch mit Gesten. Dann dreht man etwa im Nebenzimmer das Licht an oder || & ab & bringt das Kind dazu, daß es uns mitteilt:
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“Licht”, oder “Finster”.
     Soll ich nun “Licht” & “Finster” Sätze nennen? Nun, wie ich will. – Und wie ist es mit der ‘Übereinstimmung mit der Wirklichkeit?


   
     Wenn ich bestimmte einfache Sprachspiele beschreibe, so geschieht es nicht, um mit ihnen || von ihnen aus nach & nach die wirklichen Vorgänge der normalen || ausgebildeten Sprache zu beschreiben, was nur zu Ungerechtigkeiten führt || führen würde. (Nicod & Russell.) Vielmehr lassen wir die Sprachspiele als das stehn, was sie sind. Sie sollen bloß ihre aufklärende Wirkung auf unsere Probleme ausstrahlen.


   
Man könnte nun einwenden: “Die Worte ‘Licht’ & ‘Finster’ sind hier als Sätze gemeint & nicht einfach als Wörter”. D.h. || Das heißt, sie sind hier nicht so gebraucht, wie wir sie in der gewöhnlichen Sprache gebrauchen (obwohl wir tatsächlich auch oft so sprechen.)
     Wenn ich plötzlich ohne sichtbaren Anlaß das Wort “Licht” ausspreche || Einer || jemand plötzlich ohne sichtbaren Anlaß das Wort “Licht” ausspricht & nichts dazusetzt, so wird man allerdings fragen: “warum sagst Du ‘Licht’, was soll's damit?” oder: “was meinst Du mit ‘Licht’? ‘Licht’ ist doch kein Satz!”. Aber ebenso unverständlich wäre es uns, wenn er einen kompletten || vollständigen Satz ohne jeden Anlaß & Zusammenhang ausgesprochen hätte etwa “da kommt er” oder “der Himmel ist
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blau”. Und anderseits würden wir es so gut wie jeden Satz verstehen, wenn Einer, der einen Gegenstand im Finstern || im Finstern etwas sucht, einem Andern zuriefe: “Licht!”.
Das Aussprechen des Wortes “Licht” war, im obigen Fall, noch kein kompletter || vollständiger Zug des Spieles, auf das wir gefaßt waren.

   
     Reden wir || Aber reden wir doch nicht vom Meinen als einem unbestimmten & nicht verstandenen Vorgang, sondern vom wirklichen, ‘praktischen’, Gebrauch des Wortes, von den Handlungen, die wir mit ihm ausführen.
     Reden wir vom Meinen nur, wenn es ein Teil des Sprachkalküls ist (etwa der Teil, der aus Vorstellungsbildern besteht). Und dann brauchen wir eigentlich das Wort “meinen” nicht, denn das scheint immer anzudeuten, daß es sich um Vorgänge handelt, die der Sprache nicht angehören, sondern ihr gegenüberstehn; & daß es Vorgänge von wesentlich anderer Natur sind als der sprachlichen.


¥⋎ [Als neuer Absatz S. 83 A
   
Wie unterscheidet sich aber “Licht”, wenn es den Wunsch nach Licht ausdrückt, von “Licht”, wenn es konstatiert || mitteilt daß es im Zimmer licht ist? Vielleicht dadurch, daß wir es in anderem Ton aussprechen, – mit anderer Empfindung (Meinung als Begleitung). Oder es kommt bloß in einem andern Spielzusammenhang vor. Denken wir, man fragte: “Wie unterscheidet sich ein Zug im Damespiel von der gleichen Bewegung eines Steins im Schlagdamespiel?”
      Der Unterschied kann sein, daß er das
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eine Mal auf die Frage “was meinst Du” antwortet: “ich meine Du sollst Licht machen”, das andre Mal “ich meine, es ist licht” || , es ist das Licht angezündet”.


   
     Wenn ein Mann im Ertrinken “Hilfe!” schreit, – konstatiert er die Tatsache, daß er Hilfe bedarf? daß er ohne Hilfe ertrinken werde?
     Dagegen gibt es den Fall, in dem man, quasi sich beobachtend, sagt, || : “ich habe jetzt den Wunsch nach …”.


   
     [Zu S. 82] A Wenn das Meinen für uns irgend eine Bedeutung, Wichtigkeit, haben soll, so muß dem System der Sätze ein System der Meinungen zugeordnet sein, was immer für Vorgänge die Meinungen sein mögen.





   
     Inwiefern stimmt nun das Wort “Licht” im Sprachspiel mit einer Wirklichkeit überein, oder nicht überein?
     Wie gebrauchen wir das Wort “übereinstimmen”? – Wir sagen “die beiden Uhren stimmen überein”, wenn sie die gleiche Zeit zeigen; “die beiden Maßstäbe stimmen überein”, wenn gewisse Teilstriche zusammenfallen (übereinstimmen); ein Plan stimmt || stimme mit einer Gegend überein. was Einer auf dem Klavier spielt, || die Melodie, die ich höre, mit den Noten. Wir sagen, “zwei || die beiden Längen stimmen überein”, wenn sie gleich sind; aber auch, wenn sie in einem andern, von uns festgesetzten || festgelegten, Verhältnis stehen (Maßstab des || eines Planes). Und daß sie übereinstimmen, heißt dann nichts anderes, als daß
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sie im Verhältnis des Maßstabs stehen.
So muß also in jedem Fall erst festgesetzt || erklärt werden, was unter “Übereinstimmung zu verstehen ist. – So ist es nun auch mit der Übereinstimmung einer Längenangabe mit der Länge eines Gegenstandes || mit einer Länge. Wenn ich sage: “dieser Stab ist 2˙5 m lang”, so kann ich z.B. eine Erklärung geben, wie man verfährt, um nach diesem Satz mit einem Maßstab die || Maßband die Länge des Stabes zu kontrollieren; wie man etwa nach diesem Satz einen 2˙5 m langen Meßstreifen erzeugt || einen Meßstreifen der angegebenen Länge erzeugt. Und ich sage nun, der Satz stimmt mit der Wirklichkeit überein, wenn der so konstruierte Meßstreifen mit dem Stab übereinstimmt. (Diese Konstruktion || Diese Anfertigung eines || des || des || eines Meßstreifens illustriert übrigens, was ich in der Abhandlung damit meinte, || : der Satz komme bis an die Wirklichkeit heran.)
     Als ich nun dem || den Andern das Sprachspiel lehrte & sagte: “Licht” (indem ich Licht machte) & “Finster” (indem ich das Licht || es abdrehte), hätte ich auch sagen können, & mit keiner andern Bedeutung: “das heißt ‘Licht’” (indem || wobei ich Licht mache) & “das heißt ‘Finster’” etc., & auch ebensogut: “das stimmt mit ‘Licht’ überein”, “das stimmt mit ‘Finster’ überein”.


   
     Man denkt leicht beim Worte “Übereinstimmung” nur an Ähnlichkeit, in dem Sinne, in welchem zwei Gegenstände ähnlich sind, wenn man sie leicht mit einander verwechseln kann ( wenn sie ähnlich ausschauen) || einander gleich sehen).
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     Wir gebrauchen den Ausdruck || (das Wort) “Übereinstimmung mit der Wirklichkeit” nicht als metalogischen Ausdruck, sondern als Teil der gewöhnlichen – praktischen – Sprache. || Der Ausdruck “Übereinstimmung mit der Wirklichkeit” gehört für uns nicht der Metalogik an, sondern dem gewöhnlichen – praktischen – Gebrauch unserer Sprache || praktischen Gebrauch unserer gewöhnlichen Sprache.
     Man kann etwa sagen: Im Sprachspiel “Licht – Finster” kommt der Ausdruck “Übereinstimmung mit der Wirklichkeit” nicht vor.


   
     Freges Ansicht, daß in der || einer Behauptung eine Annahme steckt die dasjenige ist, was behauptet wird, basiert eigentlich auf der Möglichkeit jeden Behauptungssatz in der Form zu schreiben: “Es wird behauptet, daß das & das der Fall ist”.


   
     Aber wir könnten sehr gut auch jede Behauptung in Form einer Frage mit nachfolgender Bejahung (oder Verneinung) schreiben. Z.B. – statt: “Es regnet”, “Regnet es? Ja!”
     Würde das zeigen, daß in jeder Behauptung eine Frage steckt?


   
     Wir könnten uns eine menschliche Sprache denken, in der es keine Behauptungssätze gibt, sondern nur Fragen & die Bejahung & Verneinung.

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     Man hat natürlich das Recht ein Behauptungszeichen zu verwenden wenn man es im Gegensatz, etwa, zu einem Fragezeichen gebraucht. Irreleitend ist es nur, wenn man meint, daß die Behauptung nun aus zwei Akten besteht, dem Erwägen & dem Behaupten (Beilegen des Wahrheitswertes, oder dergl.) & daß wir diese Akte nach dem geschriebenen Satz ausführen, ungefähr wie wir nach Noten singen.
      Mit dem Singen nach Noten ist nun allerdings das laute, oder leise, Lesen des geschriebenen Satzes analog || vergleichbar || Dem Singen nach Noten ist nun allerdings das laute, oder leise, Lesen des geschriebenen Satzes analog || vergleichbar || Mit dem Singen nach Noten ist nun allerdings das laute, oder leise, Lesen des geschriebenen Satzes zu vergleichen; aber nicht eine || die Tätigkeit den Satz zu denken. || ; aber nicht ein ‘Denken’ oder ‘Meinen’ des Satzes. Ist also ein Behauptungszeichen im geschriebenen Satz, so wird wieder ein Behauptungszeichen im gelesenen sein (etwa die Betonung, oder der Stimmfall). Aber das Denken des Satzes besteht nicht darin, daß wir nach den Signalen des Satzes Gedankenoperationen – u.a. auch das Behaupten – ausführten. Und als seien im Satz die Zeichen, & die Bedeutungen im Denken. ¥ [Statt des Durchstrichenen S. 87 A]


   
     Man könnte die Funktion des Fregeschen Behauptungszeichens auch darin sehen, daß es den Anfang der Behauptung bezeichnet. Es entspräche dann dem großen Anfangsbuchstaben, oder dem Schlußpunkt des vorhergehenden Satzes. Das Behauptungszeichen ist dann eine von zwei Klammern, die den selbständigen Satz von einem unterscheiden, der Teil eines andern
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ist. (Dies ist zum Teil gewiß auch der Idee Freges gemäß.) Und diesen Unterschied stark hervorzuheben ist gewiß wichtig. Denn unsere philosophischen Schwierigkeiten die Negation & das Denken betreffend rühren in gewissem Sinn daher, daß wir nicht sehen, daß die Sätze || ein Satz “⊢ ~p” & || oder “⊢ ich denke p” mit dem Satz “⊢ p” wohl “p” gemein hat, aber nicht “⊢ p”.


   
[Zu S. 86 statt des Gestrichenen] Mit dem Singen nach Noten ist nun allerdings das laute (oder leise) Lesen nach dem geschriebenen Satz zu vergleichen; aber die Zeichen des Satzes sind nicht Signale zu psychischen || seelischen Tätigkeiten des Meinens. Nicht also, als || Als seien im Satz die Zeichen, & die || , & die Bedeutungen im Denken.


   
Wir könnten uns auch eine Sprache denken die nur aus Befehlen besteht.


   
Denken wir an die große Mannigfaltigkeit der Sprachspiele:
      Eine Mitteilung machen, wie: “Licht”, “Finster”;
      einen Befehl geben (“mach Licht!”, “lösch aus!”);
      auf Fragen – “Licht?”, “Finster?” – mit “ja” oder “nein”
antworten;
      einen Befehl ausführen;
      fragen, & die Antworten auf ihre Richtigkeit prüfen;
      negative, disjunktive Befehle ausführen;
      eine Vermutung aussprechen (“welche Karte werde ich jetzt aufschlagen”) & sie verifizieren;
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      eine Notation in eine andere transformieren;
      Schlüsse ziehen;
      ein angewandtes Rechenexempel lösen;
      eine Zeichnung herstellen & sie beschreiben;
      einen Hergang erzählen;
      eine Erzählung erdichten;
      eine Hypothese aufstellen & prüfen;
      eine Tabelle anlegen;
      grüßen;
      ein Tier abrichten, daß es auf den Ruf folgt; || auf Zeichen dressieren || abrichten. etc. etc..
      einen Witz erzählen.


   
     Es hilft hier immer sich darauf zu besinnen, wie das Kind aus || an solchen Sprachspielen sprechen lernt. Auch einen primitiven Volksstamm mit einer primitiven Sprache zu fingieren || Es hilft auch sich einen primitiven Volksstamm vorzustellen, der eine primitive Sprache besitzt. Eine Sprache etwa die nur aus Befehlen im Krieg besteht; oder aus Befehlen & Berichten. Etwa aus gezeichneten Berichten in einer einfachen zeichnerischen Darstellungsform. (Denke daran, wie die Schrift einmal nur für sehr spezielle Zwecke verwendet wurde.) – Auch der Erwachsene lernt neue Sprachformen, wenn er eine neue Rechnungsart kennen & anwenden lernt || lernt & ihre Anwendung; oder wenn er lernt eine graphische Darstellung von Messungsresultaten zu machen, oder abzulesen.

   
Denke daran daß man Würfeln ein Spiel nennt, & || aber auch Tauziehen, & auch Reigentanzen.
     Dem falschen (d.h. unvorteilhaften) Zug im Schach entspricht etwas im Damespiel, & auch im Kartenspielen || & auch etwas im Bridgespiel etc.; aber nichts in einem Abzählspiel.
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     Der falsche Zug in diesem Sinne gehört wesentlich zum Spiel; er ist nicht eine Verunreinigung des Spiels, wie ein falscher Schritt im Tanzen || Tanz.
     Denke nun || nun an verschiedene Rollen, die die Unwahrheit in Sprachspielen spielen kann || die Rollen unwahrer Sätze in Sprachspielen. Das Subjekt eines psychologischen Experimentes || im psychologischen Experiment soll sagen, was es gesehen hat; z.B. – es beschreibt seine Erfahrung falsch. – Der Meteorologe macht eine Prognose des zukünftigen Wetters; sie trifft nicht ein.


   
     Wenn wir nicht sehen, daß es eine Menge von Sprachspielen gibt, so sind wir geneigt zu fragen: “Was ist eine Frage?” Ist es || sie die Feststellung, daß wir das & das nicht wissen || ich das & das nicht weiß; oder die Feststellung daß ich wünsche der Andere möchte mir sagen …? Oder ist es die Beschreibung meines seelischen Zustandes der Ungewißheit? Und ist der Ruf “Hilfe!” so eine Beschreibung?

   
     Denke daran, wie Verschiedenes “Beschreibung” genannt wird. Denke an die Beschreibung der Lage eines Körpers durch eine Zeichnung, einen Plan & anderseits an die Beschreibung des Verlaufs einer Schmerzempfindung.

   
      Man kann freilich statt der gewöhnlichen Notation der Frage eine Notation der Feststellung oder Beschreibung
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einführen: “ich will wissen, ob …” oder “ich bin im Zweifel, ob …” – aber damit hat man die verschiedenen Sprachspiele einander nicht näher gebracht.


   
Es ist uns, als könnten wir sagen, der fragende Tonfall sei dem Sinn der Frage angemessen.
     Ist der Schrei dem Schmerz angemessen?

   
     Man sagt manchmal: die Affen sprechen nicht, weil ihnen die geistigen Fähigkeiten fehlen. Das heißt: “sie denken nicht, darum sprechen sie nicht”. Aber sie sprechen eben nicht, & das ist alles. || d.h. sie spielen keine Sprachspiele oder besser: sie verwenden die Sprache nicht. Befehlen, fragen, erzählen, plauschen, sind so natürliche Handlungen, wie gehen, essen, trinken, spielen.

   
     Das hängt damit zusammen, daß man meint, das Lernen || mit der Idee zusammen, das Lernen der Sprache bestehe darin, daß man Gegenstände benennt, & zwar: Menschen, Formen, Farben, Schmerzen, Stimmungen, Zahlen, etc.


   
Wie gesagt – das Benennen ist etwas Ähnliches, wie einem Ding ein Namenstäfelchen anheften. Man kann das eine Vorbereitung zum Gebrauch eines Worts nennen. Aber worauf ist es eine Vorbereitung?

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“Wir benennen die Dinge, & können nun über sie reden. Uns in der Rede auf sie beziehen.” Als ob mit dem Akt des Benennens schon das, was wir weiter tun, gegeben sei. Als ob es nur Eines gäbe, was heißt: “von Dingen reden”. Während wir doch das Verschiedenartigste mit unsern Sätzen tun.


   
Denken wir doch nur || nur zum Beispiel || allein an die Ausrufe – mit ihren ganz verschiedenen Funktionen: Wasser! – Fort! – Au! – Hilfe! – Schön! – Nicht! –

   
Bist Du nun noch geneigt diese Wörter “Namen” zu nennen?


   
“Wie wäre es, wenn die Menschen ihre Schmerzen nicht äußerten (nicht stöhnten, das Gesicht verzögen, etc.), – dann könnte man einem Kind nicht das Wort “Zahnschmerzen” beibringen.” – Nun, nehmen wir an das Kind sei ein Genie & erfinde selbst einen Namen für den Schmerz, obwohl ihm keiner gelehrt wurde! – Aber nun könnte es sich freilich mit diesem Wort nicht verständlich machen! – Also versteht es den Namen, kann aber seine Bedeutung niemandem erklären? – Aber was heißt es denn, daß er “seinen Schmerz benannt hat”? – Wie hat er das gemacht: den Schmerz (zu) benennen?? Und, was immer er
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getan hat, was hat es für einen Zweck? – Wenn man sagt “er hat dem Schmerz einen Namen gegeben”, so vergißt man, daß schon viel in der Sprache vorbereitet sein muß, damit das bloße Benennen einen Sinn hat. Und wenn wir davon reden, daß er dem Schmerz einen Namen gibt, so ist die Grammatik des Wortes “Schmerz” hier das Vorbereitete; es zeigt den Posten an, an den das neue Wort gestellt wird.


   
Warum ist der Gedanke, die Erwartung, der Glaube, || – die Erwartung, der Glaube – keine bloße Spielerei?
Was hat mein Gedanke mit dem zu tun, was der Fall ist? – Was macht uns die Erwartung zur Erwartung der Wirklichkeit?
     Ich habe das Gefühl: Nur die Stellungnahme zum Bild kann es uns zum Bild der Wirklichkeit machen; d.h., kann es mit der Wirklichkeit so verbinden, gleichsam wie eine Lasche, die die Überleitung von dem Bild zur Wirklichkeit herstellt, die beiden in der rechten Lage zu einander haltend, dadurch, daß beide für sie dasselbe bedeuten.
     Und es ist wahr: das Portrait erhält seine Bedeutung für uns dadurch daß unsere Einstellung zu ihm & unsere Einstellung zu dem Menschen etwas gemein haben.

   
Was verbindet den Glauben, die Überzeugung, mit der Wirklichkeit? || Was verbindet den Ausdruck des Glaubens mit der Wirklichkeit? Ich möchte vielleicht sagen:
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     “Der Glaube ist in uns, die Wirklichkeit außer uns; die beiden sind von einander isoliert. Was hat dann mein Glaube für eine Bedeutung || kann dann mein Glaube für eine Bedeutung haben?” – Nun, wer glaubt, macht wirklich nur ein Bild & die Verbindung des Bildes mit der Wirklichkeit ist keine andere, als die durch die besondere Entstehung dieses Bildes gemachte oder durch Erklärungen der Zeichen des Bildes. Aber uns Bilder zu machen ist Teil unseres Lebens.

   
Denk Dir, jemand malte ein Bild der Heimkunft seines Freundes, an die er glaubt. Er betrachtet es gläubig. Handelt diesem Glauben entsprechend.


   
     Hat es einen Sinn zu fragen: “Woher weißt Du, daß Du das || es glaubst?” – & ist etwa die Antwort: “ich erkenne es durch Introspektion”?
     In manchen Fällen wird man so etwas sagen können, in manchen || den meisten nicht.


   
     Es hat Sinn zu fragen “liebe ich sie wirklich, mache ich mir das nicht nur vor?” Und der Prozeß der Introspektion ist das Wachrufen von Erinnerungen; das Vorstellen || von Vorstellungen möglicher Situationen & der Gefühle die man hätte, etc..

   
     Introspektion nennt man einen Vorgang des Schauens, – im Gegensatz zum Sehen.


   
     Wenn ich das Wort “glauben” so gebrauche, || verstehe, daß ich geneigt bin zu sagen: “ich kann nicht glauben & es nicht wissen, daß ich glaube” dann hat es, eben darum, keinen Sinn zu sagen:
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      “ich weiß, daß ich das & das glaube”. Wie es keinen Sinn hat zu sagen “ich weiß, daß ich Zahnschmerzen habe”, wenn ich “nicht Zahnschmerzen haben kann, ohne es zu wissen”. (Wenn also “ich habe Zahnschmerzen” nicht heißen soll “ich habe Schmerzen, die vom schlechten Zahn herrühren”.)
     (Denke auch an die Frage: “wie merkst Du, daß Du Zahnschmerzen || Schmerzen hast?”; oder gar: “wie merkst Du, daß Du fürchterliche Schmerzen hast?”. – Dagegen: “wie merkst Du, daß Du Schmerzen bekommen wirst?”.)


   
     (Hierher gehört die Frage: welchen Sinn hat es von der Verifikation des Satzes “ich habe Zahnschmerzen” zu reden? Und hier sieht man deutlich, daß die Frage “wie wird dieser Satz verifiziert?” von einem Gebiet der Grammatik zum andern ihren Sinn ändert.)


   
Ist “Ich glaube …” der Ausdruck des Glaubens; oder die Beschreibung des Geistes || psychischen Erlebnisses || des seelischen Zustandes?

   
Ist der Satz “es regnet” die || “es wird regnen” die Beschreibung meiner Geistestätigkeit, da er doch die Wiedergabe meines Gedankens ist, daß es regnen wird? – Wir werden nicht so leicht geneigt sein, den Satz die Beschreibung der Geistestätigkeit zu nennen, wenn wir bedenken, daß das Denken im Reden bestehen kann,
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keine Begleitung des Gedankenausdrucks ist.

   
     Man kann in Worten glauben.

   
Anderseits, warum sollen wir nicht sagen, daß die Aussage “ich glaube …” die Beschreibung des seelischen Zustandes ist? Es ist ja damit nichts verredet. Denn “seelischer Zustand” & “Beschreibung eines seelischen Zustandes” heißt eben || ja so vieles.

   
Man könnte nun die Sache so – falsch – auffassen: Die Frage “wie weißt Du, daß Du Zahnschmerzen hast” wird darum nicht gestellt, weil man dies von den Zahnschmerzen (selbst) aus erster Hand erfährt, während man, daß ein Mensch im andern Zimmer ist, aus zweiter Hand, etwa durch ein Geräusch, erfährt. Das eine weiß ich durch unmittelbare Beobachtung, das andere erfahre ich indirekt. Also: “Wie weißt Du, daß Du Zahnschmerzen hast” – “Ich weiß es, weil ich sie habe” – “Du entnimmst es daraus, daß Du sie hast: || ? aber mußt Du dazu nicht schon wissen, daß Du sie hast?”. - - Der Übergang von den Zahnschmerzen zur Aussage “ich habe Zahnschmerzen” ist eben ein ganz anderer, als der vom Geräusch zur Aussage “in diesem Zimmer ist jemand”. Das heißt, die Übergänge gehören ganz andern Sprachspielen an || gehören zu ganz verschiedenen Sprachspielen.


   
     Ist, daß ich Zahnschmerzen habe ein Grund zur Annahme, daß ich Zahnschmerzen habe?


   
     (Man kann die Philosophen dadurch verwirren (confound), daß man nicht bloß da Unsinn spricht, wo auch sie es tun, sondern auch solchen, den zu sagen sie sich scheuen (würden).)


   
     Erschließt man aus der Wirklichkeit einen Satz? Also etwa “aus den wirklichen Zahnschmerzen, darauf, daß man Zahnschmerzen hat”? Aber das ist doch nur eine unkorrekte Ausdrucksweise; es müßte heißen:
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man schließt, daß man Zahnschmerzen hat daraus, daß man Zahnschmerzen hat (offenbarer Unsinn).


   
     “Warum glaubst Du, daß Du Dich an der heißen Herdplatte verbrennen wirst?” – Hast Du Gründe für diesen Glauben, und brauchst Du Gründe?


   
     Hast Du diese Gründe – gleichsam – immer bei Dir, wenn Du es glaubst?
     Und glaubst Du es immer – ausdrücklich – wenn Du Dich etwa wehrst, die Herdplatte anzurühren?
     Meint man mit ‘Gründen des Glaubens || für den Glauben’ dasselbe, wie mit ‘Ursachen des Glaubens’ (Ursachen des Vorgangs des Glaubens)?


   
     Was für einen Grund habe ich, anzunehmen, daß mein Finger, wenn er den Tisch berühren, einen Widerstand spüren wird? Was für einen Grund, zu glauben, daß dieser Bleistift sich nicht schmerzlos durch meine Hand stecken läßt? Wenn ich dies frage, melden sich hundert Gründe, die einander gar nicht || kaum zu Wort kommen lassen wollen. “Ich habe es doch selbst ungezählte Male erfahren; und ebenso oft von ähnlichen Erfahrungen gehört; wenn es nicht so wäre, würde …; etc.”.


   
     Glaube ich, wenn ich auf meine Tür zugehe, ausdrücklich, daß sie sich öffnen lassen wird, – daß dahinter ein Zimmer und nicht ein Abgrund sein wird, etc.?
     Setzen wir statt des Glaubens den Ausdruck des Glaubens. –


   
     Was heißt es, etwas aus einem bestimmten Grunde glauben? Entspricht es, wenn wir statt des Glaubens den Ausdruck des Glaubens setzen, dem, daß Einer den Grund sagt, ehe er || man den Grund sagt, ehe man das Begründete sagt?


   
     “Hast Du es aus diesen Gründen geglaubt?” ist dann eine ähnliche Frage, wie: “hast Du, als Du mir sagtest, 25 × 25 sei 625, die
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Multiplikation wirklich ausgeführt?”


   
     Die Frage “warum glaubst Du das” || “aus welchen Gründen glaubst Du das” könnte bedeuten: “aus welchen Gründen leitest Du das jetzt ab (hast Du es jetzt abgeleitet)”; aber auch: “welche Gründe kannst Du mir nachträglich für diese Annahme angeben”.


   
     Ich könnte also unter ‘Gründen’ zu einer Meinung tatsächlich nur das verstehen, was der Andere || Einer sich vorgesagt hat, ehe er zu der Meinung kam. Die Rechnung, die er tatsächlich ausgeführt hat.


   
     Frage ich jemand: “warum glaubst Du, daß diese Armbewegung einen Schmerz mit sich bringen wird?”, und er antwortet: “weil sie ihn einmal hervorgebracht und einmal nicht hervorgebracht hat”, so werde ich sagen: “das ist doch kein Grund zu Deiner Annahme”.
     Wie nun, wenn er mir darauf antwortet: “oh doch! ich habe diese Annahme noch immer gemacht, wenn ich diese Erfahrung gemacht hatte”? – Da würden wir doch sagen: “Du scheinst mir die Ursache (psychologische Ursache) Deiner Annahme anzugeben, aber nicht den Grund”.


   
     “Warum glaubst Du, daß das geschehen wird?” – “Weil ich es zweimal beobachtet habe”.
     Oder: “Warum glaubst Du, daß das geschehen wird?” – “Weil ich es mehrmals beobachtet habe; und es geht offenbar so vor sich: …” (es folgt eine Darlegung einer umfassenden Hypothese). Aber diese Hypothese, dieses Gesamtbild, muß Dir einleuchten. Hier geht die Kette der Gründe nicht weiter. – (Eher könnte man sagen, daß sie sich schließt.)


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     Man möchte sagen: Wir schließen nur dann aus der früheren Erfahrung auf die zukünftige, wenn wir die Vorgänge verstehen (im Besitze der richtigen Hypothese sind). Wenn wir den richtigen, tatsächlichen, Mechanismus zwischen den beiden beobachteten Rädern annehmen. Aber denken wir doch nur: Was ist denn das || unser Kriterium dafür, daß unsere Annahme die richtige ist? –
     Das Bild und die Daten überzeugen uns und führen uns nicht wieder weiter – zu andern Gründen.


   
     Wir sagen: “diese Gründe sind überzeugend”; und dabei handelt es sich nicht um Prämissen, aus denen das folgt, wovon wir überzeugt wurden.


   
     Wenn man sagt: “die gegebenen Daten sind insofern Gründe, zu glauben, p werde geschehen, als dies aus den Daten zusammen mit dem angenommenen Naturgesetz folgt”, – dann kommt das eben darauf hinaus, zu sagen, das Geglaubte folge aus den Daten nicht, sondern komme vielmehr ﹖– einer neuen Annahme gleich. –﹖


   
     Wenn man nun fragt: wie kann aber frühere Erfahrung ein Grund zur Annahme sein, es werde später das und das eintreffen, – so ist die Antwort: welchen allgemeinen Begriff vom Grund zu solch einer Annahme haben wir denn? Diese Art Angabe über die Vergangenheit nennen wir eben Grund zur Annahme, es werde das in Zukunft geschehn. – Und wenn man sich wundert, daß wir ein solches Sprachspiel || Spiel spielen, dann berufe ich mich auf die Wirkung einer vergangenen Erfahrung (daß ein gebranntes Kind das Feuer fürchtet).


99
   
     Wer sagt, er ist durch Angaben über Vergangenes nicht davon zu überzeugen, daß in Zukunft etwas geschehen wird, der muß etwas anderes mit dem Wort “überzeugen” meinen, als wir es tun. – Man könnte ihn fragen: Was willst Du denn hören? Was für Angaben nennst Du Gründe um || dafür, das zu glauben? Was nennst Du “überzeugen”? Welche Art des “Überzeugens” erwartest Du Dir. – Wenn das keine Gründe sind, was sind denn Gründe? – Wenn Du sagst, das sind || seien keine Gründe, so mußt Du doch angeben können, was der Fall sein müßte, damit wir mit Recht sagen könnten, es seien Gründe für unsern Glauben || unsere Annahme vorhanden. ‘Keine Gründe’ –: im Gegensatz wozu?


   
     Denn, wohlgemerkt: Gründe sind hier nicht Sätze, aus denen das Geglaubte folgt.


   
     Aber nicht, als ob man sagen könnte || wir sagen wollten: Für's Glauben genügt eben weniger, als für das Wissen. – Denn hier handelt es sich nicht um eine Annäherung an das logische Folgen.


   
     Irregeführt werden wir durch die Ausdrucksweise || Redeweise: “Das ist ein guter || richtiger Grund zu unserer Annahme, denn er macht das Eintreffen des Ereignisses wahrscheinlich”. || “Dieser Grund ist gut, denn er macht das Eintreffen des Ereignisses wahrscheinlich”. Hier ist es, als ob wir nun etwas Weiteres über den Grund ausgesagt hätten, was seine Zugrundelegung || was ihn als (guten) Grund rechtfertigt; während mit dem Satz, daß dieser Grund das Eintreffen wahrscheinlich macht, nichts gesagt ist, wenn nicht, daß dieser Grund dem || einem bestimmten Standard || Maßstab des guten Grundes entspricht, – der Standard || Maßstab aber nicht begründet ist!


   
     Ein guter Grund ist einer, der so aussieht.


   
     “Das ist ein guter Grund, denn er macht das Eintreffen wahrscheinlich” erscheint uns so wie: “das ist ein guter Hieb, denn er macht den Gegner kampfunfähig”.


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     Man möchte sagen: “ein guter Grund ist er nur darum, weil er das Eintreffen wirklich wahrscheinlich macht”. Weil er sozusagen wirklich einen Einfluß auf das Ereignis hat, also quasi einen erfahrungsmäßigen.


   
     “Warum nimmst Du an, daß er besserer Stimmung sein wird, weil ich Dir sage, daß er gegessen hat? ist denn das ein Grund?” –
“Das ist ein guter Grund, denn das Essen hat erfahrungsgemäß einen Einfluß auf seine Stimmung”. Und das könnte man auch so sagen: “Das Essen macht es wirklich wahrscheinlicher, daß er guter Stimmung sein wird”.
     Wenn man aber fragen wollte: “Und ist alles das, was Du von der früheren Erfahrung vorbringst, ein guter Grund, anzunehmen, daß es sich auch diesmal so verhalten wird”, so kann ich nun nicht sagen: ja, denn das macht das Eintreffen der Annahme wahrscheinlich. Ich habe oben meinen Grund mit Hilfe des Standards für den guten Grund gerechtfertigt; jetzt kann ich aber nicht den Standard rechtfertigen.


   
     Wenn man sagt “die Furcht ist begründet”, so ist nicht wieder begründet, daß wir das als guten Grund zur Furcht ansehen. Oder vielmehr: es kann hier nicht wieder von einer Begründung die Rede sein.



   
     Die Rechtfertigung durch die Erfahrung hat ein Ende. Hätte sie keins, so wäre sie keine Rechtfertigung.


   
     Das Raisonnement, das zu einem endlosen Regreß führt, ist nicht darum aufzugeben, ‘weil wir so nie das Ziel erreichen können’, sondern weil es hier ein Ziel gar nicht gibt, sodaß es gar keinen Sinn hat zu sagen ‘wir können es nicht erreichen’.
101
   


     Wir meinen leicht, wir müßten den Regreß ein paar Stufen weit durchlaufen & ihn dann sozusagen in Verzweiflung aufgeben. Während seine Ziellosigkeit (das Fehlen eines Zieles im Kalkül) aus der Anfangsposition zu entnehmen ist.


   
     Ich lege meine Hand auf die Herdplatte, fühle unerträgliche Hitze & ziehe die Hand schnell zurück. War es nicht möglich, daß die Hitze der Platte im nächsten Augenblick aufgehört hätte? Konnte ich es wissen? Und war es nicht möglich, daß ich gerade durch mein Zurückziehen mich weiter Schmerzen || weiterem Schmerz aussetzte?
     Es müßte also kein guter Grund sein zu sagen: “ich habe sie zurückgezogen, weil die Platte zu heiß war”.


   
     Wenn man mich fragte: “Bist Du sicher, daß Du es deswegen getan hast?” – wäre da irgendein Zweifel?
     Sollte man sagen: “Ich weiß, daß ich es deshalb tun wollte; nicht: daß der Arm sich aus dieser Ursache zurückgezogen hat”? D.h., ich weiß das Motiv, nicht die Ursache.

   
      “Ich habe es nicht mehr länger ausgehalten, ich mußte die Hand zurückziehen”
Das heißt also wohl, || : Du weißt das Motiv, nicht die Ursache. – Und wie weißt Du, daß Du
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es aus diesem Motiv getan hast? – “Ich erinnere mich daran, es darum getan zu haben.” – Aber woran erinnerst Du Dich? An das, was Du Dir damals gesagt hast; an die Gefühle der Angst; an den Krampf in den Muskeln Deines Arms?
     Es gibt sehr verschiedene Fälle, in denen wir sagen: “das war das Motiv meiner Handlung”.


   
Mit den Worten “wollen”, “willkürlich” (im Gegensatz zu “unwillkürlich”) beschreibt man eine Menge verschiedener Erfahrungen. Denke daran, wenn wir beim Essen die Hand mit dem Löffel heben – weil wir sie heben wollen; anderseits wenn wir ein Gewicht zu heben uns anstrengen, es zu heben versuchen. Ist eine solche Erfahrung des Versuchens auch im ersten Fall & nur insofern modifiziert als es uns so leicht gelingt den Löffel zu heben? – Oder ich schreibe: schreibe ich unwillkürlich? – Aber ist mein Schreiben von Willensakten begleitet? Will ich einen Buchstaben schreiben bevor ich ihn schreibe? Und wie verschieden ist es wieder, wenn ich nachdenken will, mich erinnern will, etc.. Zwischen allen diesen Fällen bestehen verschiedene einander übergreifende Analogien (Familienähnlichkeiten).

   
Was man im Falle des Armhebens ‘wollen’ nennt hängt mit der Erfahrung der
103
Muskelempfindung zusammen. Man versuche sich vorzustellen daß man seinen || einen Arm hebt (willkürlich hebt) ohne aber zu fühlen, daß er sich (oder man ihn) hebt, sondern bloß mit den Augen wahrnehmend, daß er sich hebt.

   
Wenn wir unsere Finger entsprechend || in bestimmter || einer bestimmten Weise verschränken so sind wir nicht im Stande einen bestimmten Finger auf Befehl zu heben wenn der Befehlende bloß auf den Finger zeigt – ihn bloß unserem Auge zeigt. Wenn er ihn dagegen berührt so können wir ihn bewegen. Man kann || möchte diese Erfahrung so beschreiben: wir seien nicht im Stande, den Finger heben zu wollen. Aber nicht nur ist das ganz anders als, wenn || der Fall ist ganz verschieden von dem, wenn wir nicht im Stande sind den Finger zu heben, weil ihn etwa jemand hält, sondern der Ausdruck “nicht im Stande sein” oder das Wort “versuchen” bedeutet im ersten Fall etwas anderes, wenn auch ähnliches || hat im ersten Fall eine andere, wenn auch ähnliche, Bedeutung.
     Man ist nun leicht geneigt den ersten Fall so zu beschreiben, man könne für den Willen keinen Angriff finden ehe der Finger nicht berührt sei, ehe man den Finger nicht fühle. Erst wenn man ihn fühle könne der Wille wissen, wo er anzugreifen habe. Aber diese Ausdrucksweise ist irreführend; man möchte sagen: “wie soll ich denn wissen, wo ich mit dem Willen anzupacken habe, wenn das Gefühl nicht die Stelle bezeichnet?” Aber ich könnte fragen: “Und wie weiß man denn, wenn das Gefühl
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da ist, wohin ich den Willen zu lenken habe?”


   
     “Das Wollen ist auch nur eine Erfahrung”, möchte man sagen (der ‘Wille’ auch nur ‘Vorstellung’). Er kommt, wenn er kommt, & ich kann ihn nicht herbeiführen.

   
‘Nicht herbeiführen’? – Wie was? – Was kann ich denn herbeiführen? Womit vergleiche ich das Wollen, wenn ich das || dies (von ihm) sage?

   
     Im Gegensatz wozu nenne ich denn hier das Wollen “eine Erfahrung”, & || oder sage, es komme, wenn es komme?!

   
Wo ist die Antithese, auf die ich hier deute, zu Hause?

   
     Von der Bewegung meines Armes, z.B., würde ich nicht sagen, sie komme, wenn sie komme, ich könne sie nicht herbeiführen. || , etc.. & || Und hier ist die Domäne, in der wir sinnvoll sagen, daß uns etwas nicht einfach geschieht, sondern daß wir es tun. “Ich brauche nicht abwarten bis mein Arm sich vielleicht heben wird, – ich kann ihn heben”. Und hier || Hier setze ich die Bewegung meines Arms etwa dem entgegen, daß die Windrichtung sich ändern wird. || daß sich das heftige Klopfen meines Herzens legen wird.

   
“Aber mußt Du das Wollen nicht auch || doch abwarten?” Die Handlung geschieht, wenn ich will. – “Aber willst Du auch, wenn Du
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willst?” – Das heißt nichts. Und daß es nichts heißt kommt daher, daß hier das Wort “wollen” grammatisch falsch aufgefaßt wird, wie das Wort “Zeit”, wenn || . Das ist wie wenn man denkt, die Zeit müsse sich mit einer bestimmten Geschwindigkeit bewegen || müsse mit einer bestimmten Geschwindigkeit verfließen.


   
“Ich kann es nicht herbeiführen”? Doch, ich kann es herbeiführen, in dem Sinne, in dem ich überhaupt || irgend etwas herbeiführen kann. Ich kann es nicht wollen. Und das heißt, es hat keinen Sinn zu sagen. “ich habe es willkürlich (oder unwillkürlich) gewollt”.

¥[⋎ S. 111 A als neuer || eigener Absatz.


   
     So führt man das Wollen herbei, wenn man sich absichtlich in eine Zwangslage versetzt. Wenn man z.B. ins tiefe Wasser springt um schwimmen zu lernen.

   
     Denke an das Paradox: ‘daß es etwas Weiches eigentlich nicht gibt; denn auch das Weichste hat, wenn ich etwa auf ihm liege, eine bestimmte Form & eine ebenso bestimmte, als wäre sie aus Stahl’. || ; denn auch das weichste Kissen hat, wenn ich darauf || drauf liege eine bestimmte Form, die auch nicht bestimmter wäre || & die könnte auch nicht bestimmter sein, wenn sie aus Stahl wäre’.


   
Man sagt: “vielleicht wird es Dir einmal geschehen, daß Du das siehst, oder hörst”; aber
106
man sagt nicht: ‘vielleicht wird es Dir einmal geschehen, daß Du das willst’. “Denn”, möchte man sagen, “wenn Du willst (Lust hast) kannst Du jederzeit wollen. Denn Du tust es ja selbst; nicht der Körper, der nur teilweise von Dir abhängig ist, sondern Du.

   
     Das wollende Subjekt stellt man sich hier als masseloses, trägheitsloses Wesen || etwas Masseloses (Trägheitsloses) vor, als einen Motor der in sich selbst keinen Trägheitswiderstand zu überwinden hat. Und also nur Treibendes & nicht auch Getriebenes ist. D.h.: Man kann sagen “ich will, aber mein Körper folgt mir nicht”, aber nicht: “mein Wille folgt mir nicht”. (Augustinus)
Aber in dem Sinn, in welchem es mir nicht mißlingen kann, zu wollen, kann ich es auch nicht versuchen.

   
Und doch sagt man: “Ich glaube, Du wirst das einmal wollen.” –

   
     Und man könnte sagen: “Ich kann nur insofern jederzeit wollen, als ich nie versuchen kann zu wollen”.

   
     Und zu sagen, ich könne nicht zu wollen versuchen ist natürlich keine Aussage über die Naturgeschichte des Willens. Das Zeitwort “wollen” legt es uns nahe, die Tätigkeit des Wollens mit der Tätigkeit der Ausführung des Gewollten zu vergleichen & die grammatische Verschiedenheit für eine Verschiedenheit der Eigenschaften zu nehmen.


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“Das Wollen ist auch nur eine Erfahrung …” Wogegen richtet sich das? Und wenn die Annahme, die hier zurückgewiesen wird, unrichtig war; wie konnte man diesen Fehler machen? Was hat uns zu ihm verführt? Was ist die Vorstellung, die Analogie, die am Grunde der Anschauung liegt, es gäbe ein passives Prinzip, die Vorstellung, & ein aktives, den Willen?
¥⋎ [S. 108 A als eigener Absatz.]



   
Tun scheint selbst gar kein Volumen der Erfahrung zu haben. Es scheint wie ein ausdehnungsloser Punkt, die Spitze einer Nadel. Diese Spitze scheint das eigentliche Agens. Und alles Geschehen in der Erscheinung nur Folge dieses Tuns. “Ich tue” scheint einen bestimmten Sinn zu haben, abgelöst von jeder Erfahrung.

   
     Denke ich aber an eine Anwendung dieses Ausdrucks, so ist (da) immer eine Erscheinung im Spiele.

   
Das was den Eindruck erweckt, daß es ein Tun gibt abgelöst vom Erfahren ist die Existenz der Ausdrucksweise: “Ich tue das”, “Ich hebe den Arm”, im Gegensatze zu “Mein Arm hebt sich”, oder “Ich fühle, sehe, wie mein Arm sich hebt”.

   
Wir sind unter dem Eindruck dieser Ausdrucksform || Ausdrucksweise, wenn wir das unmittelbar Gegebene als Tun & Wahrnehmen sehen.
108


   


     Aber vergessen wir Eines nicht: Wenn ‘ich meinen Arm hebe’, ‘hebt sich mein Arm’; & das Problem entsteht: Was ist das, was übrigbleibt, wenn ich von der Tatsache, daß ich meinen Arm hebe, die abziehe, daß mein Arm sich hebt?

   
Bedenken wir auch, daß die Tätigkeit des Deliberierens von den Erfahrungen beim wirklichen Ausführen der Bewegung unabhängig sind. D.h., dieses Deliberieren, Überlegen, Wählen, könnte geschehen, auch ein Entschluß gefaßt werden, & die willkürliche Handlung doch nicht stattfinden. Und umgekehrt konnte die willkürliche Handlung ohne jede vorausgehende Überlegung ausgeführt werden.
   



[Zu S. 107] A Es ist freilich in dieser Konzeption gleich eine Schwierigkeit, daß nämlich das, was der Wille ausführt, sich in der Vorstellung zeigen muß.
     ¥
[Auf dieser Zeile: S. 109 A]

   
     Kann nun eine willkürliche Handlung nicht verursacht werden? – Und ist sie dadurch gezwungen? Wenn ich arrestiert & von der Polizei abgeführt werde, so gehe ich gezwungen. Ist nun das Gleiche der Fall wenn ich im Garten spazieren gehe? Ist denn die Ursache ein Zwang?? Ist es richtig zu sagen: “Ich fühle mich in diesem Falle nur nicht gezwungen, weil mir die Ursache, weswegen ich mich
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bewege, wie ich es tue, nicht bekannt ist”? Wäre die Kenntnis eines Naturgesetzes ein Gefühl des Zwanges?

   
     Ist das Gefühl, die Erfahrung, des Zwanges die direkte Erfahrung || Wahrnehmung der Ursache, die man sonst nur aus der Koinzidenz erschließt?


   
[Zu S. 108 A auf einer neuen Zeile] A Was ist das, was wir wollen? Was ist das Objekt des Wollens?


   
Vergleiche verschiedene Bedeutungen der Worte “Zwang”, “herbeiführen”, “versuchen”.

   
     Wenn wir Flüssigkeit durch ein Röhrchen oder einen Strohhalm einsaugen, so sind wir geneigt || einen Strohhalm trinken, so sind wir geneigt zu meinen, wir saugen mit dem Mund, den Wangen, weil wir in ihnen den Luftdruck spüren, aber keine Anstrengung in den Brustmuskeln, die die Kraft ausüben.

   
Ist das Deliberieren, das zur Handlung führt, selbst eine Erfahrung oder eine Tätigkeit? Und allgemein: ist der Gedanke eine Erfahrung oder eine Tätigkeit? – Wie willst Du ihn nennen? (Man liest oft in Erzählungen den Ausdruck: “plötzlich hörte er sich die Worte sagen …”.)

   
“Geschieht es uns, daß wir wünschen, oder
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tun wir es?” Ja, hat diese Frage einen Sinn? Es hat freilich Sinn zu fragen: “Hast Du den Arm absichtlich gehoben, oder hat er sich von selbst gehoben?” Und die Frage, ob das Wünschen ein Tun oder ein Erfahren sei, kann etwa bedeuten, || : ob das Wünschen ähnlicher ist dem willkürlichen Heben des Armes, oder der Erfahrung, daß mein Arm sich hebt. (Lichtenberg: “Es denkt.”)

   
Es hat auch keinen Sinn zu fragen: “ist das Wollen, eigentlich, eine Erfahrung?”
     Die eigentümliche, zähe Schwierigkeit dieser Frage zeigt schon, daß es eigentlich keine Frage ist.

   
“Das Wollen kommt, wenn es kommt”, & das heißt, es müßte eigentlich etwas sein, was da ist, ehe es da ist.

   
Das philosophische Problem scheint unlösbar; bis || unlösbar. Bis man sieht, daß es eine Krankheit || ein Leiden der Darstellungsform gibt. || Das philosophische Problem scheint unlösbar. Bis man sieht, daß es eine Krankheit gibt, die in der Darstellungsform sitzt. || die ihren Sitz in der Darstellungsform hat.


   
Meine Wahl ist frei, heißt nichts anderes als: ich kann wählen || wähle manchmal. Und daß ich manchmal wähle, steht doch nicht in Zweifel. Was man “frei” nennt, ist nur die Wahl an sich. Zu sagen, || : “wir glauben nur, daß wir wählen”, ist Unsinn. Der Vorgang, den
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wir “wählen” nennen, findet statt, ob man das Resultat der Wahl nach Naturgesetzen voraussagen kann, oder nicht.


   
[Zu S. 105] A Mein Ausdruck kam daher, daß ich mir das Wollen als ein Herbeiführen dachte, – aber nicht als ein Verursachen, sondern – ich möchte sagen – als ein direktes, nicht-kausales, Bewegen || Herbeiführen. Und dieser Idee liegt die Vorstellung zu Grunde, daß der kausale Nexus durch einen Mechanismus, eine Reihe von Zahnrädern oder dergleichen, gebildet wird. || die Verbindung zweier Maschinenteile durch einen Mechanismus, etwa eine Reihe von Zahnrädern, ist. Diese || Die Verbindung kann auslassen, wenn der Mechanismus gestört wird. (Man denkt nur an die Störungen, denen ein Mechanismus normalerweise ausgesetzt ist; nicht daran, daß etwa die Zahnräder plötzlich weich werden, oder einander durchdringen, etc..) [Siehe Maschinschrift S. 401]





   
     Das Motiv ist nicht eine Ursache ‘von innen gesehen’! (Das Gleichnis von ‘innen & außen’ hier, wie so oft, gänzlich irreführend. – Es ist verwandt der Idee von der Seele, einem Lebewesen, im Kopfe. Aber wir vermengen diese Idee mit andern unverträglichen, wie die || diese Idee ist mit andern unverträglichen vermengt, wie die Metaphern im Satz “der Zahn der Zeit, der alle Wunden heilt, etc.”.)


   
Man nimmt an daß ein Mensch das Motiv seiner Tat weiß; – das sagt uns etwas über die Bedeutung des Wortes “Motiv”. ||
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; – das zeigt uns, wie wir das Wort “Motiv” gebrauchen. || ; – das sagt uns etwas darüber, wie wir das Wort “Motiv” gebrauchen.


   
     Nach den Gründen zu einer Annahme gefragt, besinnt man sich auf diese Gründe. Geschieht hier dasselbe, wie, wenn man über die Ursachen eines Ereignisses nachdenkt? || , wie, wenn man nachdenkt, was wohl die Ursachen eines Ereignisses gewesen sein mögen?


   
“Wie weißt Du, daß das wirklich der Grund ist, weswegen Du es glaubst?”, das ist ähnlich, als fragte ich: “wie weißt Du, daß es das ist, was Du glaubst”. Denn, wenn er die Gründe angibt, (so) beschreibt er ein Operieren mit Gedanken, das zu dem Geglaubten führt (ihn etwa geführt hat); einen Vorgang der seiner Art nach zu dem des Glaubens gehört.
     Der Unterschied zwischen der Frage nach der Ursache & der Frage nach dem Grund ist etwa der, zwischen den Fragen: “Was ist die Ursache der Bewegung dieses Körpers von A nach B” & “Auf welchem Wege ist er von A nach B gekommen”. (Hier sieht man, wie auch die Angabe der Ursache als Angabe eines Weges aufgefaßt werden kann.)


   
   
Wie hängt die Furcht mit dem furchtbaren Anblick zusammen? oder mit der furchtbaren Vorstellung? – Soll ich sagen: “sich vor etwas fürchten heißt, es sehen || wahrnehmen & sich fürchten”? Wenn man nun mehreres gleichzeitig sieht oder hört, ist da ein Zweifel darüber, welches das Furcht Einflößende ist? – Oder weiß man es eben || etwa aus früherer Erfahrung,
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vor welchem von allen diesen man sich fürchtet?

     Ich möchte sagen: das Fürchten ist || sich vor etwas fürchten ist eine Beschäftigung mit dem Gegenstand der Furcht. – Die Furcht begleitet nicht den Anblick. Sondern das Furchtbare & die Furcht haben die Struktur des Gesichts. Denken wir uns, daß wir den Zügen eines Gesichts mit den Augen in Erregung folgen; sie gleichsam zitternd nachfahren.


¥
   
So ist das Gesicht, das uns Furcht oder Entzücken einflößt (der Gegenstand der Furcht, des Entzückens, etc.) darum nicht die || ihre Ursache, sondern – man könnte sagen – ihre Richtung.


   
Das wovor man sich fürchtet braucht nicht die Ursache der Furcht zu sein. Wenn ich sage: “ich fürchte mich, weil er mich anschaut”, so konstatiert das “weil” keinen kausalen Zusammenhang.

   
Es ist zu unterscheiden zwischen dem Gegenstand der Furcht & der Ursache der Furcht.


   
“Der schmerzlose Zustand setzt die Fähigkeit voraus Schmerzen zu fühlen” & das kann keine physiologische Fähigkeit sein. Wenn ich sage “ich habe keine Schmerzen im Arm”, heißt das, daß ich eine Art schattenhaftes Gefühl habe, welches die Stelle andeutet, in die der Schmerz, wenn er käme, eintreten würde?
     In wiefern enthält der gegenwärtige,
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schmerzlose, Zustand die Möglichkeit der Schmerzen?
     Wenn einer sagt, || : “Damit das Wort ‘Schmerzen’ Bedeutung habe, ist es notwendig, daß man Schmerzen als solche erkennt, wenn sie auftreten”, so kann man antworten: Es ist nicht notwendiger, daß man Schmerzen als solche erkennt, wenn sie auftreten¤ als daß man das Fehlen der Schmerzen erkennt.

   
     “Schmerzen” heißt, sozusagen der ganze Maßstab & nicht einer seiner Teilstriche. Daß der Zustand auf einem bestimmten Teilstrich steht, ist durch einen Satz ausgedrückt. || auszudrücken.


   
     Ist absolute Stille zu verwechseln mit innerer Taubheit, || ? ich meine der Unbekanntheit mit dem Begriff des Tons? Wenn das der Fall ist || wäre, so könnte man den Mangel des Gehörsinnes nicht von dem Mangel eines andern Sinnes unterscheiden.
     Ist das aber nicht genau dieselbe Frage wie: Ist der Mann, der jetzt nichts Rotes um sich sieht, in derselben Lage, wie der, der unfähig ist, rot zu sehen?
     Worin äußert sich die Fähigkeit rot zu sehen & worin die Bekanntschaft mit dem Begriff des Tons?
     Man wird sagen: Er muß wissen was “Ton” heißt. Aber was heißt es, das zu wissen? – Ich sage: “ich weiß was ‘rot’ heißt”.
116
– Jemand fragt: “Bist Du sicher?” – Was würde ich da tun, um mich davon zu überzeugen?

   
     Man scheint etwas über den Zustand der Schmerzlosigkeit zu sagen, wenn man sagt, daß er die Möglichkeit des Schmerzes enthalten muß. Man redet aber nur vom System der Bilder, das wir verwenden.

   
     Man möchte sagen: “Das Grau muß bereits im Raum von dunkler & heller vorgestellt sein, wenn ich davon reden will, daß es dunkler oder heller werden kann.” – D.h.: es kann zum Verständnis des Satzes gehören, daß man etwas Helleres & Dunkleres (tatsächlich) vor sich sieht, & man sagt dann etwa: “dieses Grau kann so oder auch so werden.”, indem man auf die Muster zeigt.


   
Kann ich mir Schmerzen in der Spitze meines Nagels denken, oder in meinen Haaren? – Sind diese Schmerzen nicht ebenso, & ebenso wenig vorstellbar, wie die an irgend einer Stelle des || meines Körpers, wo ich (jetzt) gerade keine Schmerzen habe & mich an keine erinnere? – Das Bild der Möglichkeit ist in den Gedanken, das heißt, in der Sprache.


   
Das Gefühl ist, als müßte nicht-p, um
117
p zu verneinen, es || der verneinende Satz, um einen Satz zu verneinen, ihn
erst in gewissem Sinne wahr machen. (Vergleiche Erwartung & Erfüllung.)
“⊢ ~p” enthält nicht “⊢p”.

































118
   
   
     Das Lernen der menschlichen Sprache beschreibt Augustinus so: || Augustinus beschreibt das Lernen der menschlichen Sprache so: (Confessiones I.8)
“… cum … appellabant rem aliquam et cum secundum eam vocem corpus ad aliquid movebant, videbam et tenebam hoc ab eis vocari rem illam, quod sonabant, cum eam vellent ostendere”.
   
     Wer das Lernen der Sprache || es so beschreibt, denkt vorerst an eine gewisse Klasse von Substantiven: || Wörtern, wie etwa ‘Mann’, ‘Mund’, ‘Brot’, ‘Tisch’, & erst in zweiter Linie || nur entfernt an Wörter, wie ‘nicht’, ‘aber’, ‘vielleicht’, ‘heute’.
   
     Wenn jemand das Schachspiel beschreiben wollte, aber seine Beschreibung vergäße die Bauern & ihre Züge || in seiner Beschreibung die Bauern || die Bauern & ihre Funktion im Spiel unerwähnt ließe || nicht erwähnte, so könnte man sagen || Wer das Schachspiel beschreiben wollte, aber in seiner Beschreibung die Bauern & ihre Funktion im Spiel nicht erwähnte, von dem könnte man sagen, er habe das Schachspiel unvollständig beschrieben; aber auch: || , er habe ein einfacheres Spiel als unser Schach beschrieben. Und in diesem Sinne || so kann man sagen Augustin's Beschreibung gelte für eine einfachere Sprache als die unsere. – Denken wir uns die folgende Sprache: || So eine einfache Sprache wäre die:
     
   
1
Ihre Funktion ist die Verständigung eines Bauenden || Meisters A mit seinem Gehilfen B. A errichtet einen Bau, B reicht ihm Bausteine zu. Es gibt Würfel, Platten, Balken, Säulen. A ruft eines dieser Wörter || der Wörter ‘Würfel’, ‘Platte’ etc. aus, B bringt ihm darauf den entsprechenden Stein || Baustein. – Denken wir uns eine Gesellschaft die nur dieses System der Verständigung, nur diese Sprache, besitzt. Die Kinder lernen sie || die Sprache von den Erwachsenen, indem sie dazu abgerichtet werden || zu ihrem Gebrauche erzogen werden: d.h., sie werden dazu erzogen, zu bauen,
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sich der Rufe ‘Platte!’, ‘Würfel!’, etc. zu bedienen & auf diese Rufe richtig zu reagieren. Dieses Lernen der Sprache ist wesentlich eine Abrichtung durch Vormachen, Ermunterung, Nachhilfe, Belohnung, Strafe, u.s.w. || u.a.m.¤ Ein Teil der Abrichtung besteht etwa darin, daß der Lehrende auf einen Baustein weist, die Aufmerksamkeit des Kindes auf ihn lenkt & dabei ein Wort ausspricht || : || , der Lehrende weist auf einen Baustein, lenkt die Aufmerksamkeit des Kindes auf ihn, & spricht dabei ein Wort aus. Diesen Vorgang || Dies || Diesen Vorgang will ich assoziierendes || vorzeigendes || zeigendes Lehren der Wörter’ nennen.
     Im praktischen Gebrauch dieser Sprache ruft der Eine die Wörter als Befehle, der Andre handelt nach ihnen. Im Lernen der Sprache aber wird sich dieser Vorgang || diese Übung finden: das Kind ‘benennt’ die Gegenstände; d.h. || . D.h., es sagt die Wörter, wenn der Lehrende auf die Dinge || verschiedenen Bausteine || verschiedenen Bausteinformen weist. Ja es wird hier die noch einfachere Übung geben: Das Kind spricht Worte nach, die der Lehrer ihm vorsagt.
   
“Aber4 in dieser Sprache hat doch das Wort ‘Platte’, z.B., nicht die selbe Bedeutung, wie in unserer Sprache!” – Das ist wahr, wenn Du sagen willst, daß in unserer Sprache das Wort ‘Platte’ auch anders verwendet wird als in (1). Aber gebrauchen wir es nicht auch ebenso wie in (1)? Oder sollen wir sagen, es sei dann ein elliptischer Satz, || , wenn wir es brauchen, dann ist es ein elliptischer Satz, eine Abkürzung für “Bring mir eine Platte”? – Ist es so: Wenn wir ‘Platte!’ rufen, so meinen wir ‘Bring mir eine Platte!’? Aber warum sollte || soll ich hier wenn ich angeben will was er meint im Geiste || den Ausdruck ‘Platte!’ in ‘Bring mir eine Platte!’ übersetzen, und wenn sie gleichbedeutend sind, warum sollte || soll ich nicht sagen: “Wenn wir ‘Platte!’ rufen,
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so meinen wir ‘Platte!’”? Oder: Warum sollte ich nicht ‘Platte!’ meinen können, wenn ich im Stande bin ‘Bring mir eine Platte!’ zu meinen, es || ? Es sei denn, daß Du sagen willst, daß ein Mensch tatsächlich, wenn er ‘Platte!’ ruft, zu sich selbst, im Geiste, immer den Satz ‘Bring mir eine Platte’ sagt. Ist aber ein Grund vorhanden || Haben wir aber einen Grund, dies anzunehmen || zu glauben?

   
     Denken wir uns folgende Fragestellung: “Wenn jemand den Befehl gibt ‘Bring mir eine Platte!’, muß er ihn als vier Wörter || Satz von vier Wörtern meinen; kann er ihn nicht auch als ein (langes, zusammengesetztes) Wort meinen, das dem einen Worte || Wort ‘Platte!’ entspricht?” || dem einen Worte ‘Platte!’ entsprechend?” – Wir werden geneigt sein, zu antworten, daß er die vier Wörter meint, wenn er den Satz ‘Bring mir eine Platte!’ im Gegensatz zu andern Sätzen braucht || gebraucht, die || welche diese Wörter in andern Zusammenstellungen enthalten; wie etwa ‘Bring mir 2 Platten!’, ‘Bring ihm einen Würfel!’, etc. etc. – Aber was heißt es, den einen Befehl im Gegensatz zu diesen andern gebrauchen? Müssen dem der den einen Befehl gibt, die andern im Geiste vorschweben? Und alle von ihnen? || , || ; oder nur einige? Ist es nicht so: Der Befehl ist ein Satz aus vier Wörtern, || oder, der Befehlende ‘meint vier Wörter’, || wenn in der Sprache, die er spricht, & deren ein Satz dieser || der Befehl ist, jene andern Kombinationen vorkommen. Es kommt nicht darauf an, daß solche Kombinationen dem Befehlenden vorschweben, während er den Befehl gibt, noch offenbar darauf, wie lange vorher oder nachher er etwa an sie gedacht hat.

   
2
Betrachten wir nun eine Erweiterung der Sprache (1). Der Gehilfe
hat gelernt die Zahlwörter von ‘eins’ bis ‘zehn’ der Reihe nach herzusagen || kann die Zahlwörter von ‘eins’ bis ‘zehn’ der Reihe nach hersagen. Auf den Ruf ‘Fünf Platten!’ geht er dorthin, wo die Platten aufgestapelt liegen || sind, sagt die Zahlwörter von ‘eins’ bis ‘fünf’, nimmt bei jedem Wort eine Platte auf & bringt sie dem Bauenden || A. (Im Gebrauch || In der Praxis dieser Sprache sprechen also beide Teile.) Das Lernen der Sprache enthält nun || Zum Lernen der Sprache gehört hier das Auswendiglernen der Reihe der Zahlwörter || der Zahlwörterreihe. Der Gebrauch der Zahlwörter || dieser Wörter wird wieder vorzeigend gelehrt . Aber || ; aber hier wird das gleiche Zahlwort, etwa || z.B. ‘drei’, sowohl beim Hinweisen auf alle Bausteinformen || Platten als auf Würfel etc. || u.s.w. vorgesprochen, & die verschiedenen || & verschiedene Zahlwörter beim Hinweisen auf die Steine || Gruppen von Steinen || Steine der gleichen Form.

   
Dem Auswendiglernen der Reihe der Zahlwörter || Zahlwörterreihe entspricht nichts || kein Zug im Lernen der Sprache (1), & dies zeigt deutlich || klar, daß wir mit den Zahlwörtern ein gänzlich neues || eine ganz neue Art von Instrument || Instrument in die Sprache eingeführt haben. Die Wesensverschiedenheit der Instrumente || Instrumente Zahlwort & Bezeichnung der Bausteinform tritt hier so klar zu Tage || ist hier so augenfällig, weil wir es nur mit zwei Wortarten zu tun haben & ihren Gebrauch || den Gebrauch der beiden || & die Art ihres Gebrauches || & die Art des Gebrauchs der beiden ganz übersehen können.

   
3
Es ist hier klar, daß die Wortarten nur die äußere Form der Lautreihe mit einander gemein haben || Die Wortarten || beiden Sprachinstrumente haben nur die äußere Form, die Form der Lautreihe, mit einander gemein, die unwesentlich ist || . Und die ist unwesentlich, denn wir könnten uns eine Variante von (2) denken,
in der A statt ein Zahlwort zu rufen || Zahlwörter auszusprechen dem B die entsprechende || eine Anzahl von Fingern zeigt. || Zahlwörter auszusprechen, eine Anzahl von Fingern in die Höhe hebt.

   
Was hat das vorweisende Lehren der Wörter ‘Platte’, ‘Würfel’, etc. mit dem der Zahlwörter gemein? In beiden Fällen weisen wir auf Dinge & sagen Wörter || sprechen Wörter aus; aber der weitere Gebrauch, den wir von dieser Handlung
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machen ist jedesmal ein andrer. Dies ist freilich nur klar || offensichtlich, wenn man es mit Beispielen zu tun hat || wir Beispiele betrachten, die bis in die || ihre Einzelheiten ausgeführt sind || wir bis in die || ihre Einzelheiten ausgeführt haben. Jener Unterschied wird verschleiert durch die Ausdrucksweise: || Man kann den Unterschied durch die Ausdrucksweise verwischen: “Im einen Fall weisen wir auf die Form, im andern auf die Anzahl”.

   
4
Führen wir ein weiteres Instrument || Werkzeug in unsere Sprache ein: Einem bestimmten Gegenstand etwa einer bestimmten Stange die beim Bauen als Werkzeug dient, wird ein Eigenname gegeben || Bestimmten Gegenständen, einzelnen bestimmten Steinen die beim Bau verwendet werden sollen, werden Eigennamen || Namen (Eigennamen) gegeben, man || man zeigt auf den Stein & sagt seinen Namen. Ruft A den Namen aus, so bringt B den Stein, dem er beigelegt wurde.

   
     Das5 vorzeigende Lehren der Worte ist hier wieder verschieden von dem in (1) & (2). Aber nicht notwendigerweise die hinweisende Gebärde, oder das Aussprechen des Namens || Eigennamens, noch, notwendigerweise, das, was beim Zeigen & Aussprechen im Sprechenden oder Hörenden vorgeht; wohl aber die Rolle die ¤ diesem Zeigen & Aussprechen im Lehren der Sprache & in ihrem Gebrauch zufällt || der Gebrauch der von diesem Zeigen & Aussprechen im Lehren der Sprache & in der Praxis der Verständigung mit ihr gemacht wird. – Man ist versucht zu || Soll man sagen, der Unterschied sei || liege darin, daß man in den verschiedenen Fällen auf verschiedene Arten von Gegenständen weist? Aber wenn ich mit der Hand auf ein Stück weißes Papier zeige, wie unterscheidet sich ein Hinweisen auf die Form von einem Hinweisen auf die || seine Farbe? Man möchte sagen: der Unterschied ist, daß wir in den beiden Fällen Verschiedenes meinen. Und Meinen sollte
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hier ein Vorgang || Gedankenvorgang sein, der stattfindet || statthat während wir zeigen. Besonders neigt man zu dieser Idee || Auffassung || Vorstellung, wenn man bedenkt || sich sagt, daß ein Mensch, danach gefragt || wenn man ihn fragt || der gefragt wird, ob er auf die Form oder auf die Farbe zeige, || die Form oder die Farbe meine, im allgemeinen apodiktisch im einen oder im andern Sinne antworten kann || wird. Wenn wir nun aber nach zwei seelischen Vorgängen suchen || Suchen wir aber nach zwei seelischen Vorgängen, die das meinen || Meinen der Form & das Meinen der Farbe charakterisieren || kennzeichnen, so finden wir nichts, was das Zeigen auf die Form, oder das Zeigen auf die Farbe begleiten müßte. || wovon wir sagen könnten, es müsse alle ¤ Handlung des Zeigens der gleichen Art begleiten. Unsere Begriffe: ‘die Aufmerksamkeit auf die Form richten’, ‘die Aufmerksamkeit auf die Farbe richten’ sind nur rohe, unbestimmte Begriffe. Der Unterschied, könnte man sagen, liegt nicht einfach in dem was beim Zeigen vor sich geht, sondern vielmehr in der Umgebung des || dieses Zeigens, in dem, was ihm vorhergeht & dem was darauf folgt. Es gibt aber wohl charakteristische Weisen auf eine Form zu zeigen, oder auf eine Farbe, Höhe, einen Umfang, etc..

   
5
Auf den Ruf “Diese Platte!” bringt B die Platte auf die A zeigt. Auf den Ruf “Platte dorthin!” trägt er eine Platte an die Stelle auf die A weist.
   
Wird das Wort ‘dorthin’ vorzeigend || zeigend gelehrt? Wenn der Gebrauch dieses Wortes gelehrt & eingeübt wird, wird der Lehrende die zeigende Handbewegung machen & dabei das Wort aussprechen. Aber sollen wir sagen, daß er damit einem Ort den Namen ‘dorthin’ gibt? Die zeigende Gebärde gehört ja hier zur || in die Praxis der Verständigung mittels der Sprache.

   
     Es ist in der Philosophie || unter Philosophen die Meinung aufgetaucht, daß Wörter wie ‘dort’, ‘hier’, ‘jetzt’,
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‘dieses’ die eigentlichen Eigennamen sind, & nicht || nicht aber die Wörter, die wir im gewöhnlichen Leben geneigt sind, so zu || etwa so nennen. || für gewöhnlich so nennen würden. Diese seien Eigennamen nur in einem ungenauen, oder angenäherten Sinn. Etwa, wie man sagen kann, daß für gewisse Betrachtungen ein Sandkörnchen angenähert als materieller Punkt gelten kann. Denke an Russell's Begriff vom ‘individual’, oder an meinen von den ‘Gegenständen’ & ihren ‘Namen’ (Log. Phil. Abh.); diese Gegenstände sollten die Grundbestandteile der Wirklichkeit sein; etwas, wovon man nicht aussagen könnte, es existiere; oder existiere nicht. (Theaitetos) Welches diese Einfachen Elemente der Wirklichkeit waren || seien, schien schwer || nicht leicht zu sagen& sie zu finden die Aufgabe weiterer ‘logischer Analyse’ zu sein || . Sie zu finden dachte ich mir als die Aufgabe weiterer ‘logischer Analyse’. || . Ich dachte, es sei die Aufgabe weiterer ‘logischer Analyse’ sie zu finden. Dagegen haben wir || Wir haben dagegen in (4) Namen || Eigennamen eingeführt, die Gegenstände, Dinge, im gewöhnlichen Sinne des Wortes, bezeichnen || zur Bezeichnung von Dingen, Gegenständen, im gewöhnlichen Sinne des Wortes.

   
6
Frage & Antwort. A fragt: “Wie viele Platten?” B zählt sie & antwortet mit dem letzten Zahlwort.
   
Systeme der Verständigung wie meine Beispiele 1-6 will ich ‘Sprachspiele’ nennen. Sie sind dem, was wir im gewöhnlichen Leben Spiele nennen mehr oder weniger verwandt; Kinder lernen ihre Muttersprache mittels solcher Sprachspiele, & hier haben sie vielfach den unterhaltenden Charakter des Spiels. – Wir betrachten aber die Sprachspiele nicht als die Fragmente einer Sprache, || eines Ganzen ‘der Sprache’, sondern als in sich geschlossene Systeme der Verständigung, als einfache, primitive, Sprachen. Um diese Betrachtungsart im Auge zu behalten ist es oft nützlich sich das Bild weiter auszumalen
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& sich einen primitiven Volksstamm vorzustellen dessen gesamte Sprache in dem || diesem Sprachspiel besteht. (Denke an die primitive Arithmetik solcher || wilder Stämme.)
   
     Wenn wir in der Schule spezielle technische Zeichensprachen lernen, wie den Gebrauch von Diagrammen & Tabellen, Darstellende Geometrie, chemische Gleichungen || Formeln, etc., lernen wir weitere Sprachspiele.

   
     Das Bild welches man von der Sprache eines Erwachsenen hat ist etwa || (Die Sprache des Erwachsenen erscheint uns || stellt sich unsrem Auge dar als eine nebelhafte Masse, die Umgangssprache, & um sie herum einzelne, mehr oder weniger klar umrissene, Sprachspiele, die || umgeben von einzelnen, mehr oder weniger klar umrissenen, Sprachspielen, den technischen Sprachen.)

   
6 || 7
Fragen nach dem Namen. Es werden außer den alten, neue Bausteinformen eingeführt || alten Bausteinformen neue zugebracht. B zeigt dann auf eine solche Form & fragt: “Wie heißt das?” A antwortet: “Das heißt …” Beim Bauen ruft A das neue Wort (‘Prisma’ z.B.) & B bringt den Stein.

   
Die Worte “Das heißt …” mit der hinweisenden Gebärde nennen wir ‘hinweisende Erklärung’, || oder ‘hinweisende Definition’. In (7) wird ein Gattungsname, der Name einer Form, erklärt; aber analog kann nach dem Eigennamen eines Dinges, dem Namen einer Farbe, einer Zahl, einer Himmelsrichtung gefragt werden. (Wenn ich hier von den ‘Namen’ von Farben, Zahlen, Richtungen, etc. spreche || wir hier von den ‘Namen’ von Farben, Zahlen, Richtungen, etc. sprechen, so könnte das zweierlei Gründe haben. Der eine: wir könnten glauben || meinen, daß die Funktion || Funktionen eines Eigennamens, Farbnamens, Stoffnamens, Zahlwortes, etc., in der Sprache, d.i. ihre Funktionen im Sprachspiel, einander viel ähnlicher sind als wirklich der Fall ist. Dann sind wir versucht
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zu denken, die Funktion eines jeden Wortes sei || ist ungefähr die des Eigennamens einer Person, oder etwa eines Gattungsnamens || Wortes wie ‘Tisch’, ‘Sessel’, ‘Tür’. – Der andre Grund: wir verstehen die gänzliche Verschiedenheit der Funktionen || Funktion || Funktionen von Worten || des Wortes wie “Tisch”, “Sessel”, etc. einerseits & der Funktion eines Eigennamens andrerseits, & die Verschiedenheit beider von der, etwa, eines Farbnamens; & sehen darum keinen Grund warum wir nicht auch von ‘Zahlnamen’, ‘Richtungsnamen’ etc. sprechen sollen || wir können darum auch von ‘Zahlnamen’, ‘Richtungsnamen’ etc. sprechen: Nicht, um damit zu sagen, daß Farben, Körper, Zahlen, Richtungen ja nur verschiedene Arten von Gegenständen sind || seien, sondern um die Analogie zu betonen, die im Mangel der Ähnlichkeit der Funktionen von ‘Sessel’ & ‘Jakob’ einerseits, & ‘Süden’ & ‘Jakob’ andrerseits liegt. || liegt, zwischen den Funktionen von ‘Sessel’ & ‘Jakob’ einerseits, & ‘Süden’ & ‘Jakob’ andrerseits.

   
8
  B erhält eine Tabelle in welcher Schriftzeichen gegenüberstehn den Bildern von Gegenständen || den Bildern von Gegenständen gegenüberstehn; z.B. einem Hammer || den Bildern eines Hammers, einer Zange, einer Säge, etc. || . A schreibt ein solches || eines jener Zeichen auf eine Tafel, B sucht es in der Tabelle auf, fährt mit dem Finger vom Schriftzeichen zum Bild & bringt || holt den Gegenstand den das Bild zeigt.

   
Betrachten wir die verschiedenen Arten von Zeichen in unsern Beispielen. Wir wollen zwischen Sätzen & Wörtern unterscheiden. ‘Sätze’ & ‘Wörter’ in unsern Sprachspielen werde ich nennen, was dem analog ist, was wir für gewöhnlich || in der gewöhnlichen Sprache ‘Sätze’ & ‘Wörter’ nennen. Ein Satz kann auch aus einem einzigen Wort bestehen. In (1) sind die Ausrufe ‘Platte!’, ‘Balken!’ solche Sätze. In (2) hat jeder Satz zwei Wörter. – Wir unterscheiden unter den Sätzen Befehle, Fragen, Behauptungen,
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Vermutungen, u.s.f.; unzählige Arten von denen || deren einigen nach & nach die Rede sein wird || soll.

   
9
In einem Sprachspiel ähnlich (1) ruft A Befehle von der Form “Platte, Säule, Prisma!”; & B bringt darauf || daraufhin || darauf eine Platte, eine Säule & ein Prisma. || diese Bausteine. Wir könnten hier den Befehl einen Satz, aber auch drei Sätze nennen. –
   
10
Wenn aber die Reihenfolge der Wörter dem B die Reihenfolge angibt, in welcher er die Steine bringen soll, dann werden wir “Platte, Säule, Prisma!” einen Satz aus drei Wörtern nennen || nennen der aus drei Wörtern besteht.
Hätte der Befehl die Form gehabt “Platte, dann Säule, dann Prisma!”, so würden wir sagen er bestehe aus vier Wörtern (nicht aus fünfen).

   
Unter den Wörtern finden wir Gruppen mit ähnlichen Funktionen im Sprachspiel. Man sieht leicht die Ähnlichkeit der Funktion in der Gruppe der Wörter ‘eins’, ‘zwei’, ‘drei’ etc. einerseits, & anderseits die der Funktion von || der Wörter || in der Gruppe ‘Platte’, ‘Säule’ etc.; & so || . So können wir Wortarten unterscheiden || unterscheiden wir Wortarten. In (9) & (10) besteht ein Satz aus Wörtern nur einer Wortart.

   
11
Die Ordnung, in der B die Steine zureicht wird durch Ordnungszahlwörter, etwa ‘erstens’, ‘zweitens’, ‘drittens’ etc., angegeben. Der Befehl in (10) kann also lauten “Drittens Prisma, erstens Platte, zweitens Säule!” Wir sehen, daß, || : was in einer Sprache die Funktion von Wörtern ist, in einer Andern etwa von der Ordnung der Wörter im Satz getan wird. || kann in einer Andern etwa von der Ordnung der Wörter geleistet werden.Oder eine || Eine Pause im || in einem Satz der einen Sprache kann die Funktion eines Worts
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im Satz einer andern Sprache haben.

   
Solche Überlegungen || Überlegungen wie diese können uns die unendliche || ungeheure Mannigfaltigkeit der Mittel unserer Sprache zeigen || ahnen lassen; & es ist merkwürdig, mit || interessant mit dem was wir hier sehen || beobachten || sich uns hier zeigt die einfachen & starren Regeln zu vergleichen, die || zu vergleichen, was Logiker vom Bau aller Sätze gesagt haben. (Vergleiche auch, was ich || Dies gilt auch von dem, was ich selbst in Log. Phil. Abh. gesagt || geschrieben habe.)

   
     Wenn wir nach der Ähnlichkeit der Funktionen der Wörter Wortarten unterscheiden, so ist leicht zu sehen daß man die Wörter in verschiedenerlei Weise einteilen kann || man verschiedenerlei Einteilungen treffen kann. So können wir || Wir können z.B. leicht einen Grund finden, das Zahlwort || Wort ‘eins’ nicht zur Art der || gleichen Art wie die Wörter ‘zwei’, ‘drei’, ‘vier’, etc. zu zählen || rechnen.

   
12
Denken wir uns diese Variation der Sprache || von (2): Statt “Eine Platte!”, “Einen Würfel!”, etc. ruft A einfach “Platte!”, “Würfel!”, etc.; die || ¤ Die andern Zahlwörter aber werden wie in (2) ausgerufen. Wer an dieses System gewöhnt wäre, könnte || würde das Zusammenfassen von ‘eins’ mit ‘zwei’ & ‘drei’ etc. befremdlich finden. (Denke an Gründe für & gegen die Klassifikation der ‘0’ mit den andern Kardinalzahlzeichen. – Sind Schwarz & Weiß Farben? In manchen Fällen möchte man sie unter die Farben rechnen || rechnet man sie unter die Farben, in manchen nicht.)

   
Wörter || Worte || Wörter lassen sich in vielen Beziehungen mit Schachfiguren vergleichen. Denke an die verschiedenen Arten die Schachfiguren zu klassifizieren. (z.B. in Offiziere & Bauern.)

   
     Es ist uns natürlich die hinweisenden Gebärden
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in (5) & die Bilder in (8) zu den Werkzeugen || Instrumenten der Sprache zu rechnen. (Es gibt Gebärdensprachen.) Die Bilder in (8) & ähnliche Instrumente einer || andere Instrumente der Sprache die eine ähnliche Funktion haben will ich ‘Muster’ nennen, zum Unterschiede von ¤ ‘Wörtern’. Wenn wir von einem Muster Gebrauch machen, so vergleichen wir etwas mit dem Muster. Wir vergleichen in (8) einen Hammer mit dem Bild des Hammers, aber in (1) nicht eine Platte mit dem Wort ‘Platte’. ¥ –Wir wollen aber nicht sagen: “Es gibt in der Sprache Worte & Muster”, als wäre damit irgend ein wesentlicher Dualismus festgestellt, sondern nur einen wichtigen Gegensatz, unter vielen andern, hervorheben. ‘1’, ‘2’, ‘3’ z.B. werden wir Wörter nennen, die Zeichen ‘|’, ‘❘ ❘’, ‘❘ ❘ ❘’, ‘❘ ❘ ❘ ❘’, ‘❘ ❘ ❘ ❘ ❘’ etc. aber Muster (soweit sie nicht wieder einfach als Ziffern benützt werden). Ob man aber ‘|’ überhaupt ein Muster nennen soll? || Soll man aber ‘|’ überhaupt ein Muster nennen? Es gibt allerlei Übergänge zwischen Wort & Muster. Dasselbe Zeichen kann || könnte einmal als Wort, einmal als Muster gebraucht werden || fungieren: Ein Kreis kann der Name einer Ellipse sein, aber auch das Muster, womit sie nach gewissen Projektionsregeln zu vergleichen ist.
   
Vergleiche diese beiden Ausdruckssysteme || Zeichensysteme:
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A gibt dem B Befehle die aus zwei geschriebenen || auf eine Tafel gemalten Zeichen bestehen. Das erste Zeichen ist ein unregelmäßig geformter Fleck von irgendeiner bestimmten Farbe, etwa || z.B. grün; das zweite eine in schwarz gezeichnete geometrische Figur, z.B. ein Kreis: B bringt darauf dem A einen Gegenstand, der die Farbe des ersten & die Form des zweiten Zeichens hat (z.B. einen grünen, kreisförmigen Gegenstand).
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A gibt Befehle die aus einem gemalten Zeichen bestehn
||
14
Ein Befehl ist ein gemaltes Zeichen
, eine geometrische Figur in einer bestimmten Farbe gemalt, z.B. ein grüner Kreis. B bringt auf den Befehl einen Gegenstand von der Form & Farbe des Zeichens.
   
In (13) besteht ein Satz aus zwei Musternentsprechend den zwei Wörtern unserer Sprache “grüner Kreis”, z.B.. || , deren jedes einem Wort entspricht – z.B. “grüner Kreis”. In (14) dagegen steht statt dieser zwei Muster eines; das man nicht in zwei Bestandteile (Form & Farbe) zerlegen kann; es steht also hier nicht ein Muster für ein Wort.
   
     Einen Ausdruck || Worte in Anführungszeichen kann man Muster nennen. In || ; in dem Satz “Er schrie || ruft ‘Halt!’” ist || also ‘Halt’ ein Muster. Vergleiche aber den Fall, wenn der Satz “Er schrie || ruft ‘Halt’” gesprochen wird und wenn er geschrieben wird || die beiden Fälle: der Satz “Er schrie || ruft ‘Halt’” ist ein gesprochener Satz, & anderseits ein geschriebener Satz. Wie wird das gesprochene Wort mit dem Ruf verglichen, wie das geschriebene? Wer Geschriebenes kopiert vergleicht was er schreibt mit einem Muster, aber in gewissem Sinne auch der, der nach Diktat schreibt. Wir6 nennen eine große Mannigfaltigkeit von Vorgängen: “etwas mit einem Muster vergleichen”.
   
     In (8) vergleicht B Bilder mit Gegenständen. Aber worin besteht dieses Vergleichen? Was tut der, der || welcher vergleicht? Betrachte diese Fälle: a) die abgebildeten Gegenstände sind (wie in (8)) ein Hammer, eine Zange, eine Säge, ein Bohrer; b) zwanzig verschiedene Arten von Schmetterlingen. Wie verschieden wird hier der Vorgang des Vergleichens sein. c) Die Bilder sind maßstabgerechte Zeichnungen von Bausteinen & das Vergleichen hat mit dem Zirkel zu geschehn.
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     Es sei B's Aufgabe ein Stück Tuch von der Farbe eines Musters zu bringen, das ihm gegeben wird. Wie vergleicht er die Farbe des Musters & des Tuches? Stelle Dir verschiedene Fälle vor:
   
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A zeigt dem B das Muster; darauf geht B & bringt den || einen Stoff nach dem Gedächtnis.
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    A gibt B das Muster. B geht mit dem Muster zu dem Regal auf dem die Stoffe liegen & sieht vom Muster auf die Stoffe ehe er wählt.
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B legt das Muster auf jeden der Stoffe am Regal & wählt den Stoff dessen Farbe er nicht vom Muster unterscheiden kann.
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Stelle Dir dagegen den Fall vor, der Befehl lautete: “Bring mir einen Stoff etwas dunkler als dieses Muster!”. –
   
Ich sagte in (15) B bringe einen Stoff ‘nach dem Gedächtnis’; aber dieser Ausdruck umfaßt unzählige mögliche Vorgänge. Denke an einige Beispiele:
   
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B, wenn er zu den Stoffen kommt, schließt die Augen & ruft || schließt die Augen & ruft sich ein Bild des Musters in's Gedächtnis. Er sieht dann abwechselnd auf die Stoffe & stellt sich das Muster vor. Einmal sagt er zu sich selbst “zu hell”, einmal “zu dunkel”; endlich blickt er auf einen & sagt “gut!”, & nimmt ihn vom Regal.
20
B ruft sich kein Bild des Musters vor Augen. Er sieht einen Stoff nach dem andern an, runzelt die Stirn & schüttelt bei jedem den Kopf; beim zehnten entspannt sich sein Gesicht, er nickt mit dem Kopf & nimmt den Stoff.
Denke Du hättest zu beschreiben, was Du in einem solchen Falle wirklich tust || getan hast.
21
B ruft sich kein Bild des Musters vor Augen; er blickt der Reihe nach auf einige
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Stoffe, den fünften nimmt er & bringt ihn dem A.
   
Die Beschreibung der drei Beispiele (19), (20), (21), besonders des letzten, hat || Beschreibungen dieser drei Beispiele, besonders des letzten, haben etwas Unbefriedigendes. Es scheint, sie geben allerlei Akzidenzien || Nebensächliches & lassen || lassen aber das Wesentliche aus. Das Wesentliche aber wäre eine || die spezifische Erfahrung des Vergleichens & des Erkennens.
Wenn wir nun irgendeinen Vorgang || irgendwelche Vorgänge des Vergleichens genau in's Auge fassen, so sehen wir leicht eine Anzahl von Handlungen, Gedanken, Empfindungen, die alle für den Vorgang des Vergleichens || das Vergleichen mehr oder weniger charakteristisch sind. Und das ist der Fall, ob es sich um ein Vergleichen nach dem Gedächtnis handelt, oder um das Vergleichen zweier Gegenstände, die wir beide vor Augen haben. Wir kennen eine Unzahl solcher Vorgänge des Vergleichens; sie bilden, wie wir uns in solchen Fällen ausdrücken wollen, eine “Familie”, unter deren Gliedern eine Unzahl von Familienähnlichkeiten besteht, die einander auf die verschiedenste Weise übergreifen & kreuzen. || diese Ähnlichkeiten übergreifen & kreuzen einander || sich auf mannigfache Weise. || . Zwischen ihren Mitgliedern besteht eine große Zahl von Ähnlichkeiten die sich auf die verschiedenste Weise übergreifen & kreuzen. – Wir halten Gegenstände, deren Farbe wir vergleichen wollen für kürzere oder längere Zeit zusammen || zueinander, schauen sie abwechselnd an, halten sie in verschiedene Beleuchtungen, wir machen dabei verschiedene charakteristische Äußerungen, haben Erinnerungsbilder, Gefühle der Spannung & Entspannung, Befriedigung & Unbefriedigung, die verschiedenen Gefühle der Anstrengung in den Augen & ihrer Umgebung, die längeres aufmerksames Schauen begleiten & alle möglichen Kombinationen dieser & anderer Erfahrungen. Je mehr solche Fälle wir besehen || Fälle des Vergleichens & je genauer wir sie besehen, umso zweifelhafter erscheint || desto weniger glauben wir an eine spezifische Erfahrung des Vergleichens.
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     Ja, wenn Du eine Anzahl solcher Fälle genau untersucht || besehen hast & ich gebe Dir nun zu, daß es vielleicht eine Erfahrung geben mag || kann || gibt, die allen von ihnen gemeinsam ist & erkläre mich bereit das Wort ‘Vergleich’ nur da zu gebrauchen, wo diese Erfahrung anwesend ist, dann wirst Du nun fühlen, daß die Annahme einer solchen Erfahrung jetzt jeden || ihren Zweck verloren hat, denn diese Erfahrung steht nun || nun steht diese Erfahrung neben einer Unzahl von andern || Menge anderer Erfahrungen, welche, wie man nun sieht, die Verbindung aller der Fälle des Vergleichens herstellen. – Denn jene ‘spezifische Erfahrung’, die wir suchten, sollte ja gerade das tun was nun die ganze || jene || die || jene Masse von Erfahrungen leistet. Die spezifische Erfahrung sollte ja nie || nicht eine aus || unter einer Anzahl mehr oder weniger charakteristischer Erfahrungen sein. – Man könnte sagen, daß man diesen Gegenstand auf zweierlei Weise ansehn kann || man könne || kann diesen Gegenstand auf zweierlei Weise ansehn: einmal aus der Nähe –, einmal aus der Ferne || von weitem & durch eine eigentümliche Atmosphäre. – Wir haben aber || Und wir haben gefunden, daß der tatsächliche Gebrauch, den wir von dem Worte “Vergleich” machen, anders || des Wortes “Vergleich” ein anderer ist als der, den wir vom Weiten zu sehen glauben. Wir finden, daß das, was die verschiedenen Fälle des Vergleichens verbindet, eine große Anzahl einander übergreifender Ähnlichkeiten ist; & wenn wir dies sehen, so fühlen wir uns nicht mehr genötigt || gezwungen zu sagen, es müsse allen diesen Fällen eines gemeinsam sein. Sie sind durch ein Tau mit einander verbunden; und dieses Tau hält nicht darum, weil || verbindet sie nicht dadurch, daß irgend eine Faser in ihm von einem Ende zum andern reicht || läuft, sondern weil || dadurch, daß eine Unzahl von kürzeren Fasern einander übergreifen.
   
     “Aber in dem Fall (21) handelt ja B gänzlich
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automatisch. Wenn wirklich nur das geschieht || vorgeht, was dort beschrieben ist, weiß er ja nicht, warum er den Stoff gewählt hat, er hatte || hat keinen Grund ihn zu wählen. Wenn er den richtigen wählt, so tut er es, wie eine Maschine es hätte tun können || tun kann.” – Aber wir sagten ja nicht, daß B in diesem Falle nichts wahrnimmt, || empfindet || empfinde, daß er die Stoffe nicht sähe, keine Tast- & Muskelempfindungen habe u.s.f. – Und wie sieht denn so ein Grund aus der die Wahl zu einer nicht-automatischen macht; d.h., wie stellen wir uns ihn vor? Ich denke, wir würden sagen, daß das Gegenteil des automatischen Wählens, sozusagen das Ideal des bewußten Wählens, darin bestehe, daß wir ein klares Bild || Erinnerungsbild des Musters oder das Muster selbst vor uns || Augen hätten und eine spezifische Empfindung nicht zwischen dem Muster & dem || dem gewählten Stoff unterscheiden zu können. Diese bestimmte Empfindung wäre dann der Grund, die Rechtfertigung der || unsrer Wahl. Diese Empfindungverbindet, könnte man sagen, || , könnte man sagen, verbindet die beiden Erfahrungen: das Sehen des Musters mit dem Sehen des Stoffes. Aber was verbindet dann die spezifische Empfindung mit jenen beiden Erfahrungen? – Wir leugnen nicht, daß so eine Empfindung vermitteln kann; aber in dem Licht dieser Betrachtung || so betrachtet erscheint nun der Unterschied || die Unterscheidung ‘automatisch – nicht automatisch’ nicht mehr so scharf & primär wir früher. Das heißt nicht, daß diese Unterscheidung in speziellen Fällen ihren praktischen Wert verliert. So wird man || werden wir z.B. unter bestimmten Umständen gefragt || auf die Frage “Hast Du diese Rolle || diesen Stoff mechanisch vom Regal genommen, oder hast Du Dir etwas dabei gedacht?” antworten, man hätte || wir hätten nicht mechanisch gehandelt,
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denn wir hätten den Stoff genau besehen, uns das Bild des Musters || Muster in die Erinnerung gerufen || versucht uns das Bild des Musters || Muster in die Erinnerung zu rufen || uns an das Bild des Musters || Muster erinnert, Zweifel & endlich Befriedigung geäußert. Das kann in einem besondern Fall der Unterschied zwischen automatisch & nicht-automatisch sein. In einem andern dagegen werden wir vielleicht automatisches & nicht-automatisches || zwischen automatischem & nicht-automatischem Auftreten des || eines Erinnerungsbildes unterscheiden etc. || , u.s.f.¤
   
     “Aber warum hat er in (21) gerade diesen Stoff gebracht, wie hat er ihn als den Richtigen || richtigen erkannt, woran?” – Wenn Du fragst “Warum?” fragst Du nach der Ursache oder nach dem Grund? Wenn nach der Ursache so ist es ja nicht schwer sich eine physiologische oder psychologische Hypothese auszudenken die die Wahl unter den gegebenen Umständen erklären könnte. Es ist die Aufgabe der experimentellen Wissenschaft solche Hypothesen zu prüfen. Wenn Du dagegen nach dem Grund fragst, so ist die Antwort: es muß keinen Grund für die Wahl geben || gegeben haben. || kein Grund für die Wahl vorhanden gewesen sein. Ein Grund ist ein Schritt, der dem Schritt der Wahl vorhergeht. Aber warum sollte jedem Schritt ein andrer Schritt vorangehen? || anderer vorhergehen?
   
     “Aber dann hat B den Stoff nicht wirklich als den richtigen erkannt.” – Wenn Du willst so brauchst Du (21) nicht unter die Fälle des ‘Erkennens’ zu zählen. Aber wenn es uns klar wird daß die Vorgänge des Erkennens eine große Familie bilden mit einander übergreifenden Familienähnlichkeiten, werden wir wahrscheinlich nicht abgeneigt sein den Fall (21) zu dieser Familie zu rechnen. – “Aber fehlt denn dem B in diesem Fall nicht das Kriterium wonach er den Stoff als den rechten erkennen kann? In (19) hatte er z.B. das Erinnerungsbild & er erkannte den Stoff durch
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seine Übereinstimmung mit diesem Bild.” – Aber hatte er auch ein Bild vor sich von dieser Übereinstimmung? || , || ? so daß er die Übereinstimmung zwischen Muster & Stoff mit ihm || Ein Bild mit dem er die Übereinstimmung zwischen Muster & Stoff vergleichen konnte, um zu sehen, ob es die rechte || richtige Übereinstimmung sei? Und hätte er andrerseits nicht ein solches Bild haben können? Angenommen etwa, A wollte, daß B sich erinnerte, daß hier ein Stoff von der gleichen Farbe wie das Muster verlangt sei, – im Gegensatz zu anderen Fällen etwa, in denen B einen etwas dunkleren Stoff von etwas dunklerer Farbe als das Muster bringen mußte. A gibt nun || also dem B auch ein Muster von der gewünschten Übereinstimmung mit, nämlich zwei Muster || Stücke Stoff von gleicher Farbe. – Ist irgend ein solches Zwischenglied zwischen dem Befehl & der Ausführung notwendig das letzte? – Und wenn Du sagen willst || sagst, daß B im Fall || in (20) wenigstens das Gefühl der Entspannung hat, woran er den richtigen Stoff erkennen kann || woran er erkennen kann, daß der Stoff der richtige ist, – mußte er ein Bild von dieser Entspannung haben || besitzen || vor sich haben, um an ihm || danach die Empfindung zu erkennen, nach der er den richtigen Stoff erkennen sollte?
   
     “Aber angenommen nun B bringt in (21) den Stoff & wenn man ihn mit dem Muster vergleicht, so erweist er sich als der unrechte.” – Aber hätte das nicht auch in den andern Fällen so geschehen können? Angenommen in (19) hätte der Stoff den B brachte nicht mit dem Muster übereingestimmt würden wir nicht in einigen || gewissen Fällen sagen, sein Erinnerungsbild habe nicht gestimmt, in andern, das Muster, oder der Stoff, habe seine Farbe geändert, & noch in anderen, die Beleuchtung sei nicht die gleiche? Es ist nicht schwer Fälle zu erfinden,
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Umstände auszudenken || sich Umstände vorzustellen, in denen man diese Urteile fällen würde. – “Aber ist nicht doch ein wesentlicher Unterschied zwischen den Fällen (19) & (21)?” – Gewiß! Eben der, welchen die Beschreibungen zeigen.
   
     Im Beispiel (1) lernt B einen Baustein bringen wenn er das Wort ‘Würfel’ hört. Wir könnten uns vorstellen, daß in diesem Fall folgendes geschieht: in B ruft das Hören des Wortes ein Vorstellungsbild auf; die Erziehung, Abrichtung, hat, wie man sagen würde, diese Assoziation geschaffen. B nimmt nun den Stein auf der mit dem Vorstellungsbild übereinstimmt. – Aber mußte dies geschehen? Wenn die Abrichtung es bewirken konnte, daß das Vorstellungsbild – automatisch – B vors Auge trat, warum dann nicht daß B den Stein aufnimmt, ohne Vermittlung eines Bildes? Das bedeutet ja nur ein etwas anderes Funktionieren des Assoziationsapparates. || Apparates der Assoziation. Denke daran, daß das Vorstellungsbild, welches || das von dem Wort aufgerufen wird, nicht aus dem Wort, welches er hört, abgeleitet wird || er das Vorstellungsbild nicht aus dem Wort ableitet (aber wäre es so, so würde dies || es || das unser Argument nur einen Schritt zurück verlegen || schieben) sondern daß dieser Fall || der Fall hier analog dem des Registrators ist: wenn ein bestimmter Knopf gedrückt wird springt || erscheint ein bestimmtes Täfelchen. Ja dieser Mechanismus kann statt dem der Assoziation verwendet werden.
   
     Die Vorstellungsbilder von Farben, Gestalten, Tönen, etc. etc., die im Gebrauche der Sprachen eine Rolle spielen || Es ist oft nützlich sich das Vorstellen || Es ist oft klärend sich das Vorstellen von Farben, Gestalten, Tönen, etc. etc., das im Gebrauche der Sprachen eine Rolle spielen kann || spielt durch wirklich gesehene Farben, wirklich gehörte Töne, etc. u.s.w. ersetzt zu denken || ersetzt zu denken durch das Anschauen von Farbmustern || wirklicher Farbmuster, das Hören wirklicher Töne, etc., also z.B. das Aufrufen eines Erinnerungsbildes einer Farbe durch das
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Anschauen || Ansehen eines wirklichen Farbmusters, das wir bei uns tragen, viele der Vorgänge beim Gebrauch der Sprache verlieren, wenn man an die Möglichkeit dieser Ersetzung denkt, ihren || den scheinbar okkulten Charakter || Schein des Ungreifbaren, Okkulten.
   
     Der Zweck der Abrichtung || Die Abrichtung im Gebrauch einer || der Tabelle (wie der in (8)) kann dahin gehen, den Schüler nicht bloß zum Gebrauch einer bestimmten Tabelle sondern zum Gebrauch & auch zum Anlegen beliebiger Tabellen, beliebiger Kombinationen von Schriftzeichen & Bildern, zu befähigen. Die erste Tabelle die er gebrauchen lernte war etwa die in (8).
   
18 || 22
Wir setzen || fügen ihr nun das Bild eines andern Werkzeugs bei welches der Schüler vor sich hat, etwa eines Hobels, & gegenüber dem Bild das Wort ‘Hobel’. Wir werden diese Tabelle der ersten so ähnlich als möglich machen || gestalten; das gleiche Stück Papier verwenden, || auf dem gleichen Stück Papier, etwa, das Bild des Hobels unter die andern Bilder, das Wort unter die andern Wörter schreiben || setzen. Der Schüler wird nun ermuntert werden, von dem neuen Bild & Wort Gebrauch zu machen ohne daß man die frühere Abrichtung an ihnen wiederholt. ¤ Das Ermuntern nun besteht in gewissen Nachhilfen, billigenden & mißbilligenden Mienen des Lehrers, Handbewegungen || Gesten, die ein Fortsetzen ausdrücken und dergleichen mehr. Denke an die verschiedenen Gesten & Gebärden & Bewegungen, die man macht, wenn man einen Hund zum Apportieren bringen will. || um einen Hund zum Apportieren zu bringen.
   
Aber nicht jedes Tier wird auf diese Gebärden reagieren, wie der Hund. Eine Katze wird diese Gebärden nicht, oder mißverstehen; das heißt in diesem Fall
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einfach: sie wird nicht apportieren. Und wenn das Kind auf unsere Ermunterungen nicht reagiert, wie eine Katze die || der man das Apportieren lehren möchte, so gelangt es nicht zum Verständnis einer Erklärung; oder vielmehr, das Verstehen beginnt hier mit dem richtigen Reagieren || Reagieren in bestimmter Weise. – Das Verstehen ¤ ermunternder Worte ist nur eine Weiterentwicklung des Verstehens || Reagierens auf einen ermunternden Tonfall, eine Gebärde, etc.
   
23
Der Schüler lernt Dingen Namen seiner eigenen Erfindung zu geben & die Dinge zu bringen, wenn die Namen gerufen werden. Es wird ihm eine Tabelle gegeben auf deren einer Seite er Bilder ihm bekannter Gegenstände findet & diesen || ihnen gegenüber, dort wo in den früheren Spielen Schriftzeichen standen, leere Plätze || Stellen. Er schreibt die neuen Wörter an diese Stellen & gebraucht die Tafel dann, wie in (8).
     Beim || Im Lernen des Gebrauchs der Tabelle kann es eine wichtige Übung sein den Finger in der Tabelle immer von rechts nach links || links nach rechts – vom Schriftzeichen zum entsprechenden Bild – || (vom Schriftzeichen zum entsprechenden Bild) zu bewegen, gleichsam also eine Reihe paralleler Striche in ihr zu ziehen. Dies mag dann beim Übergang in (22) von der ersten Tafel zur erweiterten helfen.
   
Tabellen & hinweisende Erklärungen & ähnliches werde ich, in Übereinstimmung mit dem gewöhnlichen Sprachgebrauch, ‘Regeln’ nennen.
   
24
Betrachte dieses Beispiel: Es werden verschiedene Arten eingeführt Tabellen zu lesen. Jede der Tabellen besteht aus zwei Kolumnen, in der einen Schriftzeichen in der andern Bilder, wie
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oben. Sie werden entweder horizontal von links nach rechts gelesen, wie oben, also nach dem Schema
oder aber nach Schemata wie z.B.
oder
etc.

Schemata dieser Art werden den Tabellen als Regeln des Lesens beigegeben.
   
Könnten aber diese Regeln nicht durch weitere Regeln erklärt werden? – Gewiß. – Andrerseits aber, || : ist eine Regel unvollständig erklärt wenn ihr keine weitere Regel für ihren Gebrauch beigegeben ist || wurde?
   
     Wir wollen nun die endlose Reihe der Kardinalzahlen in unsre Sprachspiele einführen. Aber wie machen wir das? Die Analogie zwischen einem solchen, unbegrenzten, Spiel & dem || dem Spiel mit zehn Zahlwörtern || dem Spiel mit zehn Zahlwörtern & einem solchen, unbegrenzten, Spiel kann ja nicht dieselbe sein, wie die zwischen dem Spiel mit zehn & einem etwa mit 55 Zahlwörtern. Angenommen das Spiel sei wie (2) die Reihe der Zahlzeichen aber unbegrenzt. Es werde in der Praxis des Spiels tatsächlich bis 155 gezählt, dann soll ja das unbegrenzte Spiel nicht das sein, welches aus (2) würde, wenn ich dort statt den Zahlzeichen || Zahlwörtern || “die Zahlwörter von ‘eins’ bis ‘zehn’” “die Zahlwörter von ‘eins’ bis ‘hundertfünfundfünfzig’” gesagt hätte. Aber worin liegt dann der Unterschied? Fast
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möchte man so etwas sagen wie, er liege im Geiste in dem die Spiele gespielt würden.
Der Unterschied zwischen zwei Spielen || Brettspielen kann etwa || z.B. in der Zahl der Spielfiguren || Spielsteine liegen, in der Zahl der Felder im Brett || des Brettes, oder darin, daß sie || diese in einem || im einen Fall Quadrate im andern Sechsecke sind, etc. Aber der Unterschied zwischen dem begrenzten & dem unbegrenzten Spiel scheint nicht in den materiellen Werkzeugen des Spiels liegen zu können, denn, möchten wir sagen, wie kann sich das Unendliche in diesen ausdrücken? Wir können es, so scheint es, nur in unsern Gedanken erfassen. Und es sind also die Gedanken || scheinen also die Gedanken zu sein, die das begrenzte Spiel vom unbegrenzten unterscheiden. Seltsam ist es dann nur, daß wir diese Gedanken über das Unendliche in Worten & Gebärden ausdrücken & mitteilen können.
   
25
Denke Dir zwei Kartenspiele: Ich will sie das ‘begrenzte’ & das ‘unbegrenzte’ nennen. Die Karten beider tragen Ziffern & die höhere Ziffer sticht die niedrigere || geringere. Die Spielregeln sind einander in jeder Beziehung analog; aber das eine Spiel wird mit 32 Karten gespielt das andere mit einer beliebigen Zahl. Angenommen nun wir spielen das unbegrenzte Spiel, & die Zahl der Karten || Spielkarten ist 32; wie unterscheidet sich das Spiel vom begrenzten. – Nicht durch die Blätter, nicht durch die Art wie ausgespielt, gestochen wird, etc. Aber vielleicht dadurch: Das begrenzte Spiel wird mit einem Pack gedruckter Karten gespielt, beim unbegrenzten wird jedem Spieler ein Vorrat leerer weißer Karten & ein Bleistift zum Schreiben der Ziffern gegeben. Zu || ; zu Anfang des unbegrenzten Spiels fragt einer: “Wie hoch gehen
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wir?”, und dergleichen mehr; || , es || ; und dergleichen mehr. Es wird also hier über die Grenzen des Spiels eine Entscheidung getroffen & dies kann sich in der mannigfachsten Weise abspielen. ¥ Man kann also hier wirklich sagen, der Unterschied || was das unbegrenzte Spiel charakterisiere, sei ‘schwer zu fassen’, wenn es auch kein ungreifbarer ‘Geist’ ist. Denke endlich an die Verschiedenheit des Vorgangs der Einübung, des Lernens, der beiden Spiele. Die Partie des unbegrenzten Spiels mit 32 Karten wird sich vielleicht von der || einer des begrenzten Spieles kaum unterscheiden, oder nur in Dingen, die man ‘unwesentliche Äußerlichkeiten’ nennen möchte.
   
     Der verschiedene ‘Geist’ dieser Partien liegt darin || mag nur darin liegen, daß sie verschiedenen Systemen angehören, & dies in den mannigfachen Beziehungen, die sie zu andern Partien, zum Lernen der Spiele & zu verschiedenen andern Vorgängen haben, die außerhalb der beiden Partien selbst liegen. Betrachte die folgenden beiden Spiele:
   
26
Es sind zwei Arten des Damespiels, ich will sie A & B nennen. In A verliert der der alle seine Spielsteine verliert; in B gewinnt, wer seine Steine verliert || verloren hat. Die beiden Spiele sind einander also in der || dieser Beziehung entgegengesetzt; in allen andern aber, nehme ich an, gleich. Welchen Unterschied wird nun ein Zuschauer || Einer || ein Zuschauer merken || sehen, der Partien von || der Art || der beiden Spiele A & B zuschaut || beobachtet? Nun, es lassen sich ja leicht solche Unterschiede beschreiben. Zuerst etwa so: In A trachtet Jeder, seine Steine davor zu bewahren, daß sie von denen des Andern übersprungen werden; in B schiebt Jeder dem Andern seine Steine zu, damit der sie überspringen muß. ||
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um sie von ihm überspringen zu lassen.
Aber das wird sich dem Zuschauer doch nur als ein Unterschied des Grades zeigen, denn sowohl in A als auch in B verliert ja Einer endlich alle Steine, & eine nachlässig gespielte Partie des Spiels A braucht sich von einer solchen des Spiels B kaum, oder nicht, zu unterscheiden. – “Aber die Partie A wird sich doch nun von der Partie B im Geist in dem sie gespielt werden unterscheiden!” – Gewiß: die Spieler werden im allgemeinen bei äußerlich ähnlichen || ähnlichen äußeren Anlässen in den beiden Partien andere Gefühle haben; & der Zuschauer wird ja auch sehen, daß in B der Eine dem Andern einen Stein mit triumphierender Miene zuschiebt & der Andre ihn mit wenig erfreutem Gesicht || wenig erfreut überspringt; oder daß in A Einer unangenehm überrascht ist, wenn ihm der Andre einen Stein nimmt; daß er zögert, wenn er einen Stein dem Überspringen aussetzen muß; u.s.f.¤ Endlich wird der Zuschauer sehn, daß in A der, der seinen letzten Stein verloren hat dem Andern Geld gibt, oder sagt, er habe verloren, oder mit einer Miene, die Ergebung in sein Schicksal ausdrückt || der Ergebung in sein Schicksal vom Spiel aufsteht, der Andre aber vielleicht mit einem schlecht unterdrückten Ausdruck der Befriedigung; u.s.f.¤ Aber sind denn die Gefühle immer die gleichen? Triumphiert jeder, der in A dem Andern einen Stein nimmt? Sträubt || , oder sträubt sich jeder der ein Spiel verliert? Freut sich nicht Mancher über den Sieg des Andern? || Wie ist es also mit dem Unterschied im Geist || des Geistes der beiden Partien? Ist es nicht so: Der Unterschied, kann man sagen, ist etwa so groß, wie der Unterschied im Ausdruck der Gemütsbewegung, die der Zuschauer beobachten
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kann; & im allgemeinen beobachten wird. Von dem Verhältnis der ‘Gemütsbewegung’ zu ‘ihrem Ausdruck’ wollen wir jetzt nicht reden. Wenn wir also das Spiel || die Partie als eine Handlung betrachten, so können wir sagen, daß sich im allgemeinen eine Partie A von einer Partie B unterscheiden wird durch die Art der Züge sowohl, als auch durch das was sonst während & nach der Partie vorgeht; daß aber in einem besondern Fall der Unterschied bis auf ‘unwesentliche Äußerlichkeiten’ herabsinken kann, etwa darauf, daß die Spieler vor Anfang der Partie sagen || ein Spieler vor Anfang der Partie sagt “Wir wollen eine Partie A spielen”. Der Zuschauer wird ferner einen Unterschied in den Regelverzeichnissen der beiden Spiele sehn.
   
     Wir wollen nun Sprachspiele, von denen wir sagen würden, sie werden mit einer begrenzten Reihe von Zahlwörtern gespielt || verwenden eine begrenzte Reihe von Zahlzeichen, mit Sprachspielen || solchen vergleichen, von denen wir sagen würden, sie werden mit einer unbegrenzten Reihe von Zahlwörtern gespielt. || verwendeten || verwenden eine unbegrenzte Reihe von Zahlzeichen.
   
27
Wie № 2. || Sprache (2 || 3). A befiehlt B, ihm eine Anzahl von Bausteinen von bestimmter Form zu bringen. Die Zahlzeichen sind die Ziffern ‘1’, ‘2’, ‘3’ … bis ‘9’, jede auf einer Karte aufgeschrieben || geschrieben. A hat einen Pack dieser Karten & gibt B den Befehl indem er ihm eine Karte zeigt & dabei das Wort ‘Würfel’, oder ‘Platte’, etc. ausruft. || gibt A mit den Fingern der beiden Hände. Die Zahlzeichen sind zehn Bilder der beiden Hände mit gestreckten & eingebogenen Fingern. A gibt B den Befehl, indem er ihm ein solches Bild zeigt & dabei das Wort ‘Würfel’ oder ‘Platte’, etc. ausruft.
   
28
Wie (27) || (2); aber es gibt keine Karten; sondern die || (27) || (2). Die Reihe der Zahlwörter wird auswendig gelernt. Im Befehl wird das Zahlwort || In dem Befehl werden die Zahlwörter gerufen. Das Kind lernt sie durch mündlichen Unterricht.
   
29
Es wird eine Rechenmaschine (Abakus) verwendet. A stellt die Rechenmaschine || den Abakus & gibt
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ihn dem B. B geht damit dorthin wo die Platten liegen, etc.
   
30
B hat die Plattenin einem Stoß || , die in Stößen liegen, zu zählen. Er tut es || Es geschieht mit der || einer Rechenmaschine. Sie || ; sie hat zwanzig Kugeln. In einem Stoß sind nie mehr als zwanzig Platten. B stellt die Rechenmaschine entsprechend dem Stoß || schiebt die Kugeln, den Platten des || eines Stoßes entsprechend, & zeigt dann || darauf dem A die Rechenmaschine.
   
31
Wie 30; der Abakus hat nun zwanzig kleine & eine große Kugel. Enthält der Stoß mehr als zwanzig Platten, so verschiebt B die große Kugel. (Sie entspricht also etwa || in gewisser Beziehung dem Wort ‘viele’.)
   
32
Wie 30. Wenn der Stoß mehr als zwanzig Platten enthält || n Platten enthält, wo n größer als 20 & kleiner als 40 ist, verschiebt B n ‒ 20 Kugeln, zeigt dem A die Rechenmaschine & klatscht dabei einmal in die Hände.
   
33
A & B verwenden die Zahlzeichen des Dezimalsystems (als Schrift- oder Lautzeichen) bis zur || zu ‘20’. Das Kind lernt die Reihe dieser Zeichen auswendig; u.s.w. || weiter wie in (2).
   
34
Ein gewisser Volksstamm besitzt eine Sprache von der Art (2). Die Zahlzeichen sind die Schriftzeichen unseres Dezimalsystems. Keines der Zahlzeichen || von ihnen ist als das höchste gekennzeichnet, wie z.B. in einigen der früher beschriebenen Spiele. || , (Man ist hier vielleicht versucht, fortzufahren: “obwohl natürlich eines von ihnen das höchst gebrauchte ist”.) || höchste der tatsächlich gebrauchten Zahlzeichen ist”.) Die Kinder dieses Stammes lernen die Zahlzeichen wie folgt: || auf folgende Weise: Man lehrt sie die Zahlzeichen || Schriftzeichen || Ziffern von ‘1’ bis ‘20’, wie in (2) die Wörter von ‘eins’ bis ‘zehn’. Mit || Und mit denen || ihnen zählen sie Reihen von Gegenständen bis zu zwanzig auf den Befehl “Zähle diese Platten!”, “Zähle diese Würfel!”, etc. Später legt man ihnen
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eine Reihe von 21 Dingen vor & befiehlt wieder || gibt wieder den BefehlZähle!’. Wenn nun das Kind beim Zählen bis zu ‘20’ gekommen ist macht der Lehrer eine Handbewegung, die das ‘Fortfahren’ andeutet, worauf das Kind, für gewöhnlich, die Ziffer ‘21’ schreibt. Ähnlich läßt man dann die Kinder bis ‘22’, & weiter, zählen. Bei diesen Übungen spielt keine Zahl die ausgesprochene Rolle der letzten || höchsten. Endlich muß das Kind Reihen von weit über 20 Gegenständen zählen, ohne die Nachhilfe des Lehrers. Macht ein Kind den Übergang von ‘20’ auf ‘21’ || ‘20’-‘21’ auf die suggestive Geste des Lehrers hin nicht, so gilt es als schwachsinnig || wird es als schwachsinnig behandelt.
   
35
Ein andrer Volksstamm: seine Sprache ist wie die in (34). Man beobachtet nicht, daß die Leute höher als bis 159 zählen. – Im Leben dieses Stammes spielt ¤ das Zeichen ‘159’ eine eigentümliche Rolle. – – Nehmen wir an, ich sagte: “Sie behandeln dieses Zahlzeichen als ihr höchstes”. – Aber was heißt das? – “Nun, sie sagen einfach es sei das höchste.” –
Aber wie: Sie sagen gewisse Worte, || aber wie wissen wir, was sie mit diesen Worten ihnen meinen? || die Worte bedeuten? || was sie damit meinen? Ein Kriterium dafür, was sie bedeuten || meinen, wären die Gelegenheiten bei denen sie || sie || die Menschen || sie das Wort aussprechen, welches wir mit unserm “höchstes” übersetzen wollen, die Rolle welche das || jenes Wort im Leben des Stammes spielt. Wir können uns unschwer einen Gebrauch des Zahlworts ‘159’ denken || leicht das Zahlzeichen ‘159’ bei solchen Anlässen, in Verbindung mit solchen Gesten & Formen des Benehmens gebraucht denken, daß wir sagen müßten, dieses Zeichen || Zahlzeichen spiele bei ihnen die Rolle einer unübersteigbaren oberen Grenze. Selbst dann, wenn der Stamm
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kein Wort besäße, welches unserm “höchste” entspräche || entspricht, & das Kriterium dafür, daß ‘159’ das höchste Zahlzeichen sei || ist, in nichts liegt || läge, was sie darüber sagen.
   
36
Ein Stamm besitzt zwei Systeme des Zählens: Man lernt erstens das Zählen mit den Buchstaben des Alphabets, & außerdem mit den Zahlzeichen des Dezimalsystems, wie in (34). Soll jemand Dinge auf die erste Art zählen, so sagen sie, er solle sie auf die ‘geschlossene Weise’ zählen || Die erste Art nennen sie die ‘offene’ Art des Zählens, die zweite die ‘geschlossene’ & sie verwenden diese beiden Wörter auch für eine offene & geschlossene Türe.
   
In (27) ist die Reihe der Zahlzeichen in augenfälliger Weise beschränkt. – In (27) & (28) ist ein ‘beschränkter Vorrat’ von Zahlzeichen vorhanden: denke an die Analogien || Analogie & die Verschiedenheiten der dieser beiden Beschränkungen, & wieder an den Mangel der Analogie. – In (30) liegt die Beschränkung einerseits im Werkzeug des Zählens & seinem Gebrauch. Dann aber, in ganz anderer Weise, darin, daß kein Stoß mehr als zwanzig Platten hat. || nie mehr als zwanzig Gegenstände gezählt werden. – In (31) fehlt diese Beschränkung, aber die große Kugel an der Rechenmaschine betont die Beschränkung unserer Mittel. – Ist (32) ein beschränktes oder unbeschränktes Spiel? Die Praxis der Anwendung des Abakus, die wir beschrieben haben, hat 40 als obere Grenze. – Wir || Aber wir sind geneigt zu sagen, dieses Spiel ‘hat es in sich’, daß es unbegrenzt fortgesetzt werden kann. || unbegrenzt fortgesetzt werden zu können. Aber vergessen wir nicht, daß wir auch die vorhergehenden Spiele als Anfänge endloser Systeme hätten auffassen können. – In (33)
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ist das System, d.h. die Gesetzmäßigkeit, in den Zahlzeichen noch augenfälliger || tritt das Systematische, d.h. die Gesetzmäßigkeit, in den Zahlzeichen noch augenfälliger hervor. Ich würde || Hier wäre man geneigt zu sagen, es sei hier dem Spiel durch das Werkzeug des Zählens keine Grenze gesetzt; wäre es nicht, daß || wenn nicht die Kinder die Zahlwörter von 1 || eins bis zwanzig || ‘1’ bis ‘20’ auswendig lernen || lernten. Das möchte darauf hinweisen, daß das Kind nicht gelehrt wird || legt die Auffassung nahe || den Ausdruck nahe, daß sie nicht lernen, das System , welches wir in diesen Zahlzeichen sehen zu ‘verstehen’. || zu ‘verstehen’, welches wir in diesen Zahlzeichen sehen. – Von dem Volksstamm in (34) werden wir sagen, er verwende || den Leuten in (34) werden wir sagen, sie verwenden ein unbegrenztes System von Zahlzeichen, sie kennen die unendliche Kardinalzahlenreihe. – (35) kann uns zeigen, welche ungeheure Mannigfaltigkeit von Fällen man sich denken kann, in denen wir geneigt wären || man geneigt wäre zu sagen, die Arithmetik der Leute bediene sich einer endlichen Zahlenreihe, obwohl der Unterricht im Gebrauch der Zahlzeichen keine Zahl || keines als obere Grenze hinstellt. – In (36) bedient sich die Sprache des Stammes selbst der Wörter ‘offen’ & ‘geschlossen’ (statt deren wir durch eine geringfügige Veränderung des Beispiels die Wörter ‘begrenzt’ & ‘unbegrenzt’ setzen konnten). In dieser einfachen & klar umschriebenen Form gebraucht ist natürlich gar nichts Geheimnisvolles an der Bedeutung || Verwendung des Wortes ‘offen’. Aber dieses Wort entspricht unserm ‘unendlich’, & die Verwendung des letztern || dieses Wortes ist nur ungeheuer viel komplizierter, als die von || des Wortes ‘offen’. Das heißt, die Bedeutung von ‘unendlich’ ist ebenso ungeheimnisvoll || wenig geheimnisvoll, als die von ‘offen’, & die Idee, sie sei in irgend einem Sinne transzendent beruht auf einem Mißverständnis.
150
   
     Wir könnten uns etwa so ausdrücken: Die unbegrenzten Spiele sind dadurch charakterisiert, daß sie nicht mit einer bestimmten Menge || einem bestimmten Vorrat von Zahlzeichen gespielt werden sondern statt dessen mit einem System der (unbeschränkten) Konstruktion von Zahlzeichen.
   
     Wenn wir sagen, jemand werde ein System der Konstruktion von Zahlzeichen gegeben, so denken wir dabei im allgemeinen an einen von drei Vorgängen || eines von drei Dingen: a) daran, daß er eine Abrichtung erhält wie die in (34) beschriebene || von der Art derjenigen, die wir in (34) beschrieben haben || in (34) beschrieben wurde, || wie die in (34) beschriebene, – die, wie uns die Erfahrung lehrt, ihn in den Stand setzt || befähigt Aufgaben der dort beschriebenen Art zu lösen || auszuführen || Aufgaben zu lösen von der dort beschriebenen Art || ¤ zu lösen, wie die ¤ dort angeführten. b) daß in ihm (seinem Gehirn, seiner Seele) eine || die Disposition erzeugt || hervorgerufen wird, auf diese Weise zu reagieren. c) daß ihm eine allgemeine Regel gegeben wird, zur Konstruktion von Zahlzeichen || zur Konstruktion von Zahlzeichen gegeben wird.
   
     Was nennen wir eine ‘Regel’ || Regeln? Betrachte dieses Beispiel:
37
B bewegt sich entsprechend einer Regel, die || legt einen Weg zurück einem Befehl entsprechend, den A ihm gibt. B erhält diese || die folgende || die Tabelle:  
a
b
c
d




A gibt ihm (nun) einen Befehl, der aus den vier Buchstaben der Tabelle besteht; z.B. “a a c a d d d”. B schaut in der Tabelle den Pfeil nach der || sucht den Pfeil, der in der Tabelle jedem Buchstaben entspricht & geht || bewegt sich nun diesem Pfeil entsprechend, in unserm Beispiel also so:















.
151
Die Tabelle werden wir hier eine Regel nennenoder, || . (Oder auch: den ‘Ausdruck einer Regel’. Warum ich dieses Synonym hierhersetze wird sich später zeigen.)
Den Satz ‘a a c a d d d’ werden wir keine Regel nennen wollen. – Er ist natürlich die Beschreibung des Weges den B nehmen soll. – Aber eine solche Beschreibung würde man unter bestimmten Umständen eine Regel nennen; z.B. in diesem Fall:
38
B soll verschiedene lineare Ornamente zeichnen. Jedes Ornament ist die Wiederholung eines Elements, welches || das A angibt. Gibt z.B. A den Befehl ‘c a d a’, so zieht B eine Linie
.
In diesem Fall würden wir, glaube ich, ‘c a d a’ die Regel nennen, nach welcher das Ornament gezeichnet wird.

   
Beiläufig gesprochen, gehört zu einer Regel die wiederholte Anwendung.
   
     Vergleiche mit (38) den folgenden Fall:
39
(Ein Brettspiel wird mit Figuren von verschiedener Gestalt || Art || In einem Brettspiel, etwa ähnlich dem Schach, sind den verschiedenen Figuren verschiedene Arten von Zügen erlaubt. Der einen Figur etwa Züge von der Form ‘a c’, einer andern ‘a c a a’ u.s.f.. || Ein Brettspiel mit Spielfiguren verschiedener Gestalt, etwa ähnlich dem Schach. Die Art & Weise wie jede Figur ziehen darf ist durch Regeln festgelegt. So lautet für die eine Figur die Regel ‘a c’, für eine andere || andre etwa ‘a c a a’, u.s.f.. Die erste darf also so ziehen:






; die andre so:














.
Hier könnte || kann man sowohl die Sätze (‘a c’, ‘a c a a’, etc.) als auch die Diagramme, die ihnen entsprechen, Regeln nennen.
   
40
Kehren wir zum Fall || Sprachspiel (37) zurück: Nachdem
151
es einige Male || öfters gespielt wurde, wird es nun dahin variiert || abgeändert, daß B die Pfeile nicht mehr in der Tabelle nachschaut || nachsieht, sondern sie sich auf den Befehl des A hin || dem Befehle des A nach || den Buchstaben des Befehls nach || nach den Buchstaben des Befehls vorstellt & nach seinem Vorstellungsbild handelt.
   
41
Nach einiger Praxis in diesem Spiel ändert es sich weiter dahin, daß B auf den Befehl hin sich || sich nach den Buchstaben des Befehls bewegt, ohne Vermittlung der Tabelle oder eines Vorstellungsbildes.
   
     Betrachte auch folgende || diese Variation:
42
Beim Unterricht in der Sprache (37) wird B die Tabelle gezeigt; ihm aber nicht bei der Ausführung des Befehls überlassen || bei der Ausführung des Befehls nicht an die Hand gegeben. Die Tabelle tritt in die Praxis der Sprache nicht ein.
   
In jedem der Fälle (37) || (40) (41) (42) können wir die Tabelle eine Regel des Spiels nennen. Aber in jedem von ihnen spielt sie eine andere Rolle. In (37) ist sie ein Werkzeug in der Praxis des Spiels || der Sprache. In || ; in (39) (40) wurde sie durch das Wirken der Assoziation ersetzt. In (41) ist auch dieser Schatten der Tabelle nicht mehr zu finden. – In (42) ist sie nichts als ein Unterrichtsbehelf.
   
43
Aber weiter: Ein Stamm gebraucht ein System der Verständigung wie (42); nur wird von ihnen im Unterricht nicht von einer Tabelle Gebrauch gemacht || von keiner Tabelle Gebrauch gemacht. || keine Tabelle gebraucht. Der Unterricht konnte darin bestehen, daß der Schüler im Anfang den Weg, den er gehn sollte, vom Lehrer geführt wird. || geführt wurde, den er gehn soll.
   
44
Aber wir könnten
uns auch den Fall denken, wo auch || selbst dieser Unterricht nicht
gebraucht wird. Einen Fall, in welchem wir sagen würden, daß der Anblick dieser Formen || der Buchstaben, ‘a’, ‘b’, ‘c’, ‘d’, in Menschen die natürliche Tendenz erzeugt, sich so & so zu bewegen. || gebraucht wird. Einen Fall, in welchem, wie wir || nötig ist; wo, wie wir sagen würden, der Anblick dieser Formen || der Buchstaben, ‘a’, ‘b’, ‘c’, ‘d’, von Natur aus den Menschen so & so gehen macht || sich so & so bewegen macht. Dieser Fall erscheint uns auf den ersten Blick äußerst seltsam. Wir scheinen etwas ganz Unerhörtes || nie Erhörtes anzunehmen. Oder wir fragen vielleicht: || könnten fragen: “Wie kann er denn wissen, wie er sich zu bewegen hat, wenn ihm der Buchstabe ‘a’ gezeigt wird?” Aber ist nicht B's Reaktion in diesem Fall gerade die, die wir in (42) & (43) beschrieben haben, & zwar unsere normale || gewöhnliche Reaktion, wenn wir z.B. einen Befehl hören & befolgen? Denn die Tatsache, daß in (42) & (43) eine || die Abrichtung vorausgegangen || vorhergegangen war, ändert ja nicht den Vorgang der Befolgung || den Vorgang der Befolgung nicht || am Vorgang der Befolgung nichts. Oder, richtiger ausgedrückt: Wir wollen ja jetzt bloß auf den Vorgang der Befolgung || des Befolgens des Befehles sehn, & nicht auf das, was diesem Vorgang vorhergegangen ist. – Mit andern Worten: Der seltsame seelische Mechanismus, den wir in (44) annahmen || voraussetzten, ist derselbe von dem wir annahmen || kein andrer als der, der, wie wir annahmen er werde durch die Abrichtung erzeugt in (41) & (42) || derjenige, von dem wir in (41) & (42) annahmen, er sei durch Abrichtung erzeugt worden. || ¤ kein andrer als der, den wir in (41) & (42), als Ergebnis der Abrichtung, annahmen || voraussetzten. – “Aber könnte so ein Mechanismus uns angeboren sein?” – Aber fanden wir eine Schwierigkeit darin, anzunehmen, || findest Du eine Schwierigkeit in der Annahme, daß dem B jener || derjenige || der Mechanismus angeboren sei || dem B sei der Mechanismus angeboren, der ihn befähigt auf die Abrichtung so zu reagieren, wie er es tut? Und bedenke || denke, daß die Regel, oder Erklärung, die die Tabelle (37) für die Zeichen ‘a’, ‘b’, ‘c’, ‘d’ gibt nicht wesentlich || notwendigerweise die letzte ist. Siehe (24).
   
     Wie erklärt man Einem, in welcher Weise er den Befehl “Geh dort hin!” (mit der zeigenden Gebärde) ausführen solle || auszuführen habe? Könnte dieser Befehl nicht bedeuten, er solle in der Richtung gehen, die wir die entgegengesetzte
153
der zeigenden Hand nennen würden? Ist nicht jede Erklärung, wie er zu gehen || der Hand zu folgen habe, in der Lage einer weitern zeigenden Hand? Was würden wir zu dieser Erklärung sagen: “Wenn ich dorthin zeige (mit der rechten Hand zeigend || Geste der rechten Hand), so hast Du in dieser Richtung zu gehen (mit der linken Hand zeigend || gleiche Geste der linken Hand)”? Dies kann unter Umständen eine nützliche Erklärung sein.
   
     Aber kehren wir zu (43) zurück. Ein Forscher besucht diesen Volksstamm & beobachtet den Gebrauch der || ihrer Zeichen. Er beschreibt dann ihre Sprache & sagt, die Sätze bestünden aus den Buchstaben ‘a’, ‘b’, ‘c’, ‘d’, diese werden gemäß der Regel
a
b
c
d




gebraucht. – Wir sehen, daß der Ausdruck ‘es wird nach der Regel so & so || R vorgegangen’ nicht bloß in Fällen wie (37), (40), (41), (42) gebraucht wird, sondern auch dort, wo die Regel (oder sollen wir sagen ‘ihr Ausdruck’) weder ein Werkzeug in der Praxis, noch im Unterricht des Spiels ist. Zur Sprache (43) steht die Tabelle vielmehr im Verhältnis || verhält sich die Tabelle vielmehr als || wie ein Naturgesetz zur || zu einer Erscheinung, die es beschreibt. Die Tabelle ist in diesem Beispiel ein Satz in der Naturgeschichte jenes || des Stammes.
   
     Merke: Im Spiel (37) haben wir zwischen dem Befehl der auszuführen ist & der Regel geschieden; im Fall (38) dagegen nannten wir den Satz ‘c a d a’ eine Regel & er war der Befehl. –
   
45
    Stellen wir || Stelle dir nun diese Variante von (37) vor: Der Schüler wird nicht bloß zum Gebrauch einer Tabelle abgerichtet, sondern die Abrichtung zielt darauf hin || geht darauf aus
den Schüler zum Gebrauch jeder beliebigen Tabelle von Buchstaben & Pfeilen zu befähigen || ihn den Gebrauch jeder beliebigen Tabelle von Buchstaben zu lehren. Damit meine ich nun bloß, daß die Abrichtung von einer gewissen Art ist, beiläufig gesprochen, von der in (34) beschriebenen. Ich will einen Unterricht ungefähr analog dem in (34) einen ‘allgemeinen Unterricht’ nennen. || eine Abrichtung analog der in (34) einen ‘allgemeinen Unterricht’ nennen. || so eine Abrichtung || eine Abrichtung mehr oder weniger von dieser Art einen ‘allgemeinen Unterricht’ nennen. Diese Familie umfaßt Mitglieder sehr verschiedener Art || Die Glieder dieser Familie können von einander weit verschieden sein. Der Unterricht, an welchen ich jetzt denke, besteht der Hauptsache nach 1) in einer Abrichtung in einem engen, bestimmt abgegrenzten Gebiet von Handlungen, 2) darin, dem Schüler zur Überschreitung || zum Überschreiten der bestimmten Grenze zu helfen || darin, den Schüler zum Überschreiten der bestimmten Grenze zu führen || in einer Führung des Schülers beim Überschreiten dieser Grenze || der Grenze dieses Gebietes, 3) in beliebig gewählten || einer Auswahl von Übungen & Aufgaben.
   
     Nach einem solchen Unterricht || Unterricht dieser Art erhält B einen Befehl von der Form:
r r t s s
r
s
t



Er führt den Befehl aus, indem er sich so bewegt:
Hier würden wir sagen, die Regel bilde einen Teil des Befehles || Befehls.
   
      Merke: || N.B.: Wir sagen nicht ‘was eine Regel ist’, sondern geben nur verschiedene Anwendungen des Wortes ‘Regel’. Und wir tun dies offenbar, indem wir auch Anwendungen des Ausdrucks || der Worte ‘Ausdruck einer Regel’ geben. || angeben.
   
     In (45) könnten wir das ganze Zeichen des Befehls einen Satz nennen; aber || . Aber wir könnten auch in ihm zwischen Satz & Tabelle unterscheiden. Was uns diese || die Unterscheidung nahelegt ist hier besonders || insbesondre auch der lineare Charakter || die lineare Schreibweise des Zeichens || der Zeichen || des Zeichens außerhalb
155
der Tabelle
|| ‘r r t s s’
. Obwohl wir den linearen Charakter unserer Sätze von einem bestimmten Standpunkt aus für rein äußerlich & unwesentlich erklären werden, spielt er doch in dem, was wir als Logiker über die Sätze zu sagen geneigt sind, eine bedeutende || große Rolle, dies || . (Dies gilt auch von andern ähnlichen Zügen der Sätze unsrer gewöhnlichen Sprache.) || ). || .) Wenn wir also den Befehl in (45) als eine Einheit auffassen, so kann er uns zeigen, wie verschiedenartig Sätze ausschauen können.
   
     Betrachten || Vergleichen wir nun die folgenden || diese beiden Spiele:
46 || 46
Das eine ist das Spiel (38). Es wird den Menschen durch einen ‘allgemeinen Unterricht’ gelehrt || beigebracht. Die Befehle bestehen aus den Buchstaben ‘a’, ‘b’, ‘c’, ‘d’ in beliebigen Kombinationen || sind Kombinationen der Buchstaben ‘a’, ‘b’, ‘c’, ‘d’ mit beliebig vielen Wiederholungen. – Aber was heißt das? Nun, daß in der Praxis des Spiels, wie in seinem Unterricht, keine Anzahl von Wiederholungen die Rolle der ‘größtmöglichen’ spielt (siehe (35)). – Vergleichen wir damit || mit diesem Spiel das folgende:
47
Die Befehle & ihre Ausführung sind wie in (38); aber es werden nur drei Sätze || Zeichen gebraucht: ‘a c’, ‘a c c’, ‘c a a’. [Untereinander schreiben]
   
Wir können || werden sagen, daß B in (38) || daß in (38) B beim Ausführen des Befehls von den || dem Zeichen, das ihm gegeben wird, || der Kombination der Buchstaben geführt wird. || Ziehen der gebrochenen Linie von dem zusammengesetzten Zeichen des Befehls geführt || geleitet wird. – Aber wenn wir uns fragen, ob die drei Sätze in (47) B in der Ausführung der || dieser Befehle führen || leiten, so scheint es, wir können || als könnten wir sowohl ‘ja’ als ‘nein’ sagen. – Wenn wir nun zu entscheiden versuchen || versuchen zu entscheiden, ob wir sagen sollen B werde geführt, oder nicht, || geführt, so sind wir geneigt, Antworten zu geben, wie die folgenden: || diese: || Wenn ich nun nachdenke, wird er geführt oder nicht geführt, so fallen mir Antworten ein wie diese:
      a) “B wird von den Zeichen geführt, wenn er den
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Satz nicht einfach als ein Ganzes (gleichsam ein Wort) ansieht & dann handelt, – sondern wenn er ihn ‘Wort für Wort’ (die Wörter sind hier die Buchstaben) liest, & den Wörtern, die er gelesen hat, entsprechend handelt.” Wir können || könnten dies || Dies könnten wir deutlicher machen; wenn || indem wir uns vorstellen, daß das Lesen ‘Wort für Wort’ insbesondere etwa darin besteht, daß auf jeden || die || alle Buchstaben des Befehls einzeln, der Reihe nach, mit dem Finger gezeigt wird || er auf alle Buchstaben des Befehls einzeln, der Reihe nach, mit dem Finger zeigt; im Gegensatz dazu, daß man auf den ganzen Befehl || Komplex || Satz auf einmal weist || (statt etwa auf den ganzen Satz auf einmal). Und das ‘Handeln den Wörtern entsprechend’ werden wir uns so vorstellen || soll, der Einfachheit wegen || halber, darin bestehen, daß B je ein Linienstück nach dem Lesen jedes || eines Buchstaben zieht. –
b) “B wird geführt, wenn in ihm ein Bewußtseinsvorgang stattfindet, der || er durch einen Denkvorgang || durch einen Bewußtseinsvorgang || durch einen Vorgang in seinem Bewußtsein das Zeigen auf einen Buchstaben mit dem Ziehen eines || des entsprechenden Linienstücks verbindet || von dem Zeigen auf einen Buchstaben zu dem Ziehen des entsprechenden Linienstücks gelangt.” So eine || Eine solche || Diese Verbindung können || könnten wir uns auf verschiedene Weise vorstellen || hergestellt denken. Z.B. so: B befragt nach dem Lesen eines jeden Buchstaben die || sieht nach dem Lesen eines jeden Buchstaben in die Tabelle & zieht das || dann ein Linienstück parallel dem in der Tabelle. || in der Tabelle gefundenen || aufgefundenen. || Pfeil, den er in der Tabelle gefunden hat. –
c) “B wird geführt, wenn er nicht einfach mit dem Ziehen des || eines Linienstücks auf den Anblick eines Buchstaben || auf den Anblick eines Buchstaben mit dem Ziehen des || eines Linienstücks reagiert, sondern die eigentümliche Spannung erfährt || er muß die || jene eigentümliche Spannung erfahren || wenn er die eigentümliche Spannung erfährtdes ‘Sich-Besinnens || : das ‘Sich-Besinnen auf die Bedeutung des Zeichens’; & das Nachlassen dieser Spannung, wenn die richtige Handlung im Geiste auftaucht.”
   
     Diese Erklärungen aber lassen uns alle auf eine Weise unbefriedigt & es ist die Begrenzung unseres Sprachspiels, welche sie || die jede || alle solche Erklärungen unbefriedigend macht. || befriedigen uns alle nicht recht, & es ist die Begrenzung unseres Sprachspiels, die || welche sie alle unbefriedigend macht. – Dies drückt sich in der Erklärung aus, die uns einfällt: || darin aus, daß wir sagen möchten, B werde dann von den Kombinationen der Buchstaben in unsern || den drei Sätzen geführt, wenn er
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auch solche Befehle ausführen könnte || könnte || könnte, die in andern Kombinationen dieser Buchstaben bestehen. || die andere Kombinationen dieser || jener Buchstaben sind. – Und wenn wir dies sagen, so scheint es uns, daß diese Fähigkeit zur Ausführung andrer || anderer Befehle ein bestimmter || besonderer Zustand der Person sei, die || diese Fähigkeit zur Ausführung anderer Befehle sei ein bestimmter || besonderer Zustand dessen, || des Menschen, der die Befehle in (46 || 47) ausführt. || so erscheint uns diese Fähigkeit, auch andere Befehle auszuführen, als ein bestimmter Zustand dessen, der die 3 Befehle in (47) ausführt. Und dabei können wir doch nichts in diesem Fall entdecken, || Wenn wir nun aber den Fall daraufhin von der Nähe ansehen, so finden || sehen wir nichts || Sehen wir uns aber daraufhin den Fall von der Nähe an, so sehen wir nichts was wir als so einen Zustand bezeichnen || so einen Zustand nennen würden. || könnten.
|| Wenn wir uns aber daraufhin den Fall, gleichsam von der Nähe, || gleichsam von der Nähe besehen, ist kein solcher Zustand zu finden. || Wenn wir nun aber den Fall gleichsam von der Nähe besehen, ist kein solcher Zustand zu finden. || betrachten, ist kein solcher Zustand zu sehen.
   
     Sehen wir nach, welche Rolle das Wort “Können”, (oder das Wort “Fähigkeit”), in unserer Sprache spielt. Betrachte || Betrachten wir diese || die folgenden Beispiele:
   
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Stellen wir uns vor, für irgend einen wichtigen Zweck brauchten Menschen ein Gerät dieser Art: || Für irgendeinen wichtigen Zweck brauchen Menschen ein Gerät dieser Art: Es ist ein Brett mit einem geraden oder gebogenen || gekrümmten || krummen Schlitz, in welchem ein Zapfen geführt wird. Der Mann, der das Gerät gebraucht, läßt den Zapfen dem Schlitz entlanggleiten. Es gibt solche Bretter mit geraden, kreisförmigen || kreisbogenförmigen, ovalen, S-förmigen & andern Schlitzen. Die Sprache des Stammes hat Ausdrücke zur Beschreibung der Tätigkeit beim Gebrauch dieses Geräts || des Arbeitens mit diesem Gerät. Sie sprechen vom Bewegen des Zapfens in gerader Linie, im Kreisbogen, etc. Sie haben auch eine Weise, das entsprechende Brett || die entsprechenden Bretter zu beschreiben; sie || , sie || : Sie sagen, “Das ist ein Brett, in welchem der Zapfen gerade bewegt werden kann”. Man könnte in diesem Fall das Wort “kann” ein Operationszeichen || einen Operator nennen, durch welchen die Beschreibung der Handlung in eine Beschreibung des Instruments verwandelt wird.
   
49
Denken wir uns eine Sprache, in der es keine solche Satzform gibt wie, “Das Buch
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ist in der Lade”, oder, “Wasser ist im Glas”, sondern statt dessen sagt man || heißt es: “Das Buch kann aus der Lade genommen werden”, etc.
   
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Wir denken || Denken wir uns eine Sprache, in der man, statt der Ausdrücke, ein Ding sei ‘hart’, ‘weich’, (‘spröde’, ‘zähe’), immer sagt, || statt Sätzen von der Form ‘x ist hart’, x ist weich’ (‘spröde’, ‘zähe’), Sätze gebraucht werden von der Form: ‘es kann leicht gebogen werden’, ‘es kann nur schwer geritzt werden’, ‘es kann leicht zerschlagen werden’ || ‘man kann es leicht biegen’, ‘man kann es schwer ritzen’, man kann es leicht zerschlagen’ || ‘x kann gebogen werden’, ‘x kann schwer geritzt werden’, ‘x kann leicht zerschlagen werden’, u.s.f.. Auch || Und zwar auch dann, wenn jetzt, wie wir sagen würden, das Ding nicht gebogen(oder geritzt, etc.), werden kann. || ; oder geritzt werden kann, etc.. || man jetzt, wie wir sagen würden, das Ding nicht biegen; oder ritzen kann. Man sagt in dieser Sprache || So sagt man z.B.: “Die Hütte ist aus Stäben gebaut, die leicht gebogen werden können || man leicht biegen kann”, wenn sie || die Stäbe, in unserm Sinn, einzeln leicht gebogen werden konnten. || man die Stäbe, in unserm Sinn, einzeln leicht biegen konnte.
   
In diesen drei Beispielen, könnten wir sagen, beschreiben die Sätze von der Form “das & das kann geschehen” Zustände von Dingen. Aber die Fälle sind unter einander sehr verschieden. In (48) hatten wir den Zustand vor unsern || den Augen: Wir sehen, daß das Brett einen geraden, oder andern, Schlitz hat. – In (49) entspricht der beschriebene Zustand manchmal einem ‘Zustand der Sinneswahrnehmung’, einem ‘visuellen Zustand’, wie man es nennen könnte, || wir es nennen könnten, manchmal nicht. – Auch in (50), können wir sagen, beschreibt der Satz “der Stab kann gebogen werden” einen Zustand, weil das || sein Verbum, ‘können’, || weil das Verbum ‘gebogen werden können’ in der Gegenwart steht also daraufhin deutet, daß etwas jetzt der Fall ist, während ich spreche. Ich || Aber ich hätte die zuständliche Auffassung in diesem Beispiel noch viel klarer machen können, wenn ich angenommen hätte, daß in der || dieser Sprache statt “das Ding ist weich” immer gesagt wird || in dieser Sprache werde statt “das Ding ist weich” immer gesagt: “das Ding hat es in sich, es kann gebogen
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werden” || daß es gebogen werden kann”
, u.s.f. || oder dergleichen. Und wir gebrauchen ja die || Und unsere eigene Sprache behandelt ja auch die Wörter “biegsam”, “leicht zerreißbar”, “zerbrechlich” wie die Wörter “weich”, “spröde”, etc., & diese wieder || wiederum wie die Wörter “rot || warm”, “grün || rot”, “dunkel”. Aber dem Zustand der Biegsamkeit entspricht keine Sinneswahrnehmung, die dauert, während jener Zustand dauert || die mit dem Zustand andauert. Aber zum Zustand der Biegsamkeit, Ritzbarkeit etc. verhält sich kein Zustand der Sinneswahrnehmung, so, wie zum Zustand der || zur Röte eines Dings der visuelle Zustand des Sehens der roten Farbe. Das Kriterium der || für die Biegsamkeit ist nicht sosehr eine stationäre Sinneswahrnehmung, als die Probe des Biegens, das Kriterium des Zustandes der Ritzbarkeit, die Probe des Ritzens, u.s.f.. – Die Idee des ‘Zustands eines Dinges’ ist aber dennoch immer eng mit der eines Zustands der Sinneswahrnehmung verbunden || verbunden mit der eines Zustands der Sinneswahrnehmung; & wenn wir uns fragen, worin denn das Zuständliche der Weichheit, z.B., besteht, so wird uns gleich so etwas einfallen, wie die ‘Struktur der Materie’, & wir werden geneigt sein, zu sagen, daß, || : wenn wir nur in diese Struktur hineinsehen könnten, wir den Zustand sehen würden || so würden wir den Zustand sehen, der es macht, daß man den Körper leicht biegen kann, etc..
   
     Wir sagen ein Wagen fahre 20 km in der Stunde, auch wenn er nur eine halbe Stunde lang fährt. Wir können unsern Ausdruck rechtfertigen, indem wir sagen, der Wagen fährt mit einer Geschwindigkeit die ihn befähigt 20 km in der Stunde zurückzulegen || kann mit seiner Geschwindigkeit 20 km in der Stunde zurücklegen. Und wir nennen die Geschwindigkeit auch einen ‘Bewegungszustand’.
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Ich glaube, wir würden diesen Ausdruck nicht gebrauchen, wenn wir keine anderen Bewegungserfahrungen hätten, als die, daß ein Ding zu einer Zeit an einem Ort, zu einer andern an einem andern Ort ist; wenn wir also alle Dinge sich bewegen sähen, wie wir den Stundenzeiger der Uhr, oder die Sonne, sich bewegen sehen. || den Stundenzeiger der Uhr, oder die Sonne. (Mit dieser Bemerkung || Damit in Zusammenhang ist || steht die Idee vom Pfeil, der sich nicht bewegt || : der fliegende Pfeil steht stille || bewegt sich nicht¤, weil er zu jedem Zeitpunkt nur an einem bestimmten || einem Ort ist. || sich in jedem Zeitpunkt nur an einem Ort befindet.)
   
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Ein Stamm || Volksstamm hat in seiner Sprache Befehle zur Ausführung gewisser Handlungen || Tätigkeiten der Männer im Kriege; etwa Befehle || Befehle etwa wie, || : “Werft die Speere!”, “Schießt!”, “Lauft!”, “Kriecht!” etc.. Sie haben auch eine Art die Figur || den Bau eines Menschen zu beschreiben; & zwar sagen sie || indem sie sagen “er kann schnell laufen”, “er kann weit werfen” etc. Was mich aber rechtfertigt zu sagen, diese Sätze beschrieben || beschreiben bei ihnen die Figur eines Menschen, ist die Art, wie sie von diesen || den Sätzen Gebrauch machen. Denn sie beschreiben das || ein Bild eines Menschen mit kräftigen Armen, indem sie sagen “er kann weit werfen”; oder || & sie weisen auf die Beine || beschreiben Einen der wohlgeformte Beine hat, auch wenn er sie aus irgend einem Grund nicht gebrauchen kann, mit den Worten || dem Ausdruck “er kann hoch springen”, etc.
   
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Die Männer eines Stammes werden, ehe sie in den Krieg ziehen auf ihre Tauglichkeit im Kampf geprüft. Der Prüfende läßt sie gewisse festgesetzte Übungen machen & zwar sind es Übungen an einer Art von Turngeräten. Danach gibt er jedem ein Zeugnis von dieser Art: “A kann
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gut Bogenschießen”, “B ist geschickt zum Schleudern” etc. etc., || . Es gibt in ihrer Sprache keine besondern Worte für die Übungen denen sie bei der Prüfung unterzogen werden, sondern diese heißen nur Tests || Proben für die & die Tätigkeit im Kriege.
   
     Es ist nun wichtig zu sagen, daß man gegen dieses Beispiel& || , wie gegen andere, die wir geben, den || einen Einwand machen kann, wir ließen || : Wir lassen unsere Volksstämme immer deutsche Sätze reden und setzen dadurch stillschweigend schon den ganzen Hintergrund der deutschen Sprache voraus, & die || d.h. || also die gewöhnlichen Bedeutungen der deutschen Worte || Wörterdieser Sprache. || . Wenn wir etwa sagen, in der & der Sprache solle es kein Wort für das Stemmen von Hanteln geben & es werde dort bloßTest fürs || Übung zum Steinschleudern’ genannt, so kann man fragen, wie wir denn den Gebrauch des Ausdruckes || der Ausdrückeeinen Test || eine Übung ausführen’ & ‘einen Stein schleudern’ charakterisiert || gekennzeichnet haben, daß wir berechtigt sind diese Ausdrücke der deutschen Sprache || deutschen Ausdrücke für die Wörter || denjenigen gleich zu setzen, die der || jener Stamm etwa gebraucht. – Darauf müssen wir antworten, daß ¤ wir nur eine sehr skizzenhafte Beschreibung der Praxis jeder unserer fingierten Sprachen gegeben haben, & in manchen Fällen nur Andeutungen; daß sich aber diese Beschreibungen leicht weiter ausführen ließen. So hätten wir in (52) sagen können, daß der Prüfende gewisse Befehle gebraucht, wenn er die Leute Übungen ausführen läßt. Diese Befehle beginnen alle mit einem gewissen Ausdruck || gewissen Wort, welches ich mit dem deutschen “Übe” übersetzen könnte, & diesem Wort folgt dann der Ausdruck der im Krieg als Befehl zum Speerschleudern gebraucht wird. Ferner, wenn ein Mann dem Häuptling von
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der Schlacht berichtet, gebraucht er wieder diesen Ausdruck, nun in einer Beschreibung. Was aber eine Beschreibung als solche, einen Befehl als solchen, eine Frage u.s.w., kennzeichnet ist – wie gesagt – die Rolle, welche diese Ausdrücke || Äußerungen in dem ganzen Gebrauche || Leben || der lebendigen Verwendung der Sprache spielen. Also, ob ein Wort des || eines Stammes richtig in || durch ein Wort der deutschen Sprache wiedergegeben wurde, hängt von der Rolle ab, die jenes Wort im ganzen Leben des Stammes spielt; d.h. von den Gelegenheiten, bei welchen es gebraucht wird, den Ausdrücken der Gemütsbewegung, von denen es im allgemeinen begleitet ist, den Eindrücken, die es erweckt, etc., etc.. Frage Dich zur Übung z.B.: In welchen || was für Fällen würdest Du sagen, ein Wort eines bestimmten Volkes entspräche unserm “Leb wohl”; in welchen || was für Fällen, es entspräche unserm “Servus!” || Ausdruck || einem || irgendeinem unserer Schimpfworte? Welche Beobachtungen würden Dich etwa veranlassen, ein Wort einer fremden Sprache mit unserm “vielleicht” zu übersetzen; oder mit einem Ausdruck des Zweifels, der Sicherheit || Gewißheit, u.s.f.? Du wirst finden, daß die Rechtfertigung dafür, daß man etwas einen || den ‘Ausdruck des Zweifels’, ‘der Gewißheit’, etc., nennt || eine Äußerung || einen Ausdruck ‘Ausdruck des Zweifels’, ‘der Gewißheit’, etc., zu nennen, zu einem großen Teil, wenn auch nicht ausschließlich, in Gebärden, im Gesichtsausdruck des Sprechenden & dem Ton der Stimme liegt. Denke hier auch daran, daß die Erfahrungen einer Gemütsbewegung, zum Teil wenigstens, klar lokalisierte Erfahrungen sein müssen || sind. Denn, wenn ich im Ärger die Stirn runzle, so fühle ich die Spannung des Runzelns in der Stirne, & wenn ich vor Traurigkeit || Erregung weine, so sind die Empfindungen in der Umgebung meiner Augen ein wichtiger Bestandteil dessen, was ich fühle, wie es die veränderte Atmung ist, das
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Klopfen des Herzens, u.s.w.. Ich glaube es ist das || das ist es, was William James meint, wenn er sagt || meinte, als er sagte, man weine nicht, weil man traurig ist, sondern man sei traurig, weil man weint. Der Grund, warum dieser Gedanke || diese Idee oft nicht verstanden wird, liegt darin, daß wir uns die Äußerungen der Gefühle || Äußerung eines Gefühls als ein künstliches Mittel vorstellen || in der Äußerung eines Gefühls ein künstliches Verständigungsmittel sehen || die Äußerung eines Gefühls als ein künstliches Verständigungsmittel auffassen, um den Andern wissen zu lassen || dem Andern zu zeigen, daß wir das || dieses Gefühl haben. Nun ist || gibt es keine scharfe Grenze zwischen solchen ‘künstlichen Mitteln der Verständigung’ & dem was man den ‘natürlichen Ausdruck des Gefühls’ nennen könnte. Vergleiche in dieser Hinsicht: a) Weinen, b) seine || die Stimme erheben, wenn man ärgerlich ist, c) einen groben Brief schreiben, d) die Glocke ziehen, um einen Diener zu rufen, den man schelten || auszanken will.
   
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Denken wir uns einen Stamm, in dessen Sprache ein Ausdruck ist, entsprechend unserm “er hat das & das getan”, & einer, der unserm Satz “er kann das & das tun” entspricht. Der || Dieser zweite Ausdruck wird aber nur dort gebraucht, wo auch der erste berechtigt wäre. Beiläufig gesprochen: Sie sagen nur ‘ich kann es tun’, wenn sie es schon getan haben. Was kann mich nun rechtfertigen || Was aber kann mich rechtfertigen, das zu sagen? – Sie haben eine Form des Ausdrucks || der Mitteilung, die wir ‘Erzählung vergangener Ereignisse’ nennen würden; die Umstände unter denen diese Form der Mitteilung gebraucht wird, rechtfertigen diese || unsere Bezeichnung. Es kommen nun || aber Fälle vor, in denen sie eine Frage stellen, die wir wiedergeben würden durch: “Kann A das tun?” || die Frage stellen: “Kann N. das & das tun?” Es wählt z.B. ein Führer Leute aus, die zu einer bestimmten Unternehmung geeignet sind; es soll z.B. eine Höhe erklettert, ein Fluß durchschwommen werden. Als || Unser Kriterium dafür,
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daß der Führer ‘solche Leute auswählt’, ist nichts || nicht, was er spricht || sagt, sondern sein & der Andern Benehmen & die übrigen Umstände. Der Führer stellt nun in diesem Fall || diesen Fällen eine Frage || Fragen die, ihren praktischen Folgen nach zu urteilen, wir wiedergeben müßten || wiedergegeben werden müßten durch: – “Kann A || A durch den Fluß schwimmen?”, “Kann B auf diesen Felsen klettern?”, etc. Sie werden aber bejahend nur von denen beantwortet, die tatsächlich schon durch diesen Fluß geschwommen sind, etc. Die Fragen des Führers sind nicht in der Form gestellt, in der etwa anläßlich einer Erzählung gefragt wird “Hat A den Fluß durchschwommen?” & sie werden nicht in der Form beantwortet, wie diese Frage. Ist aber Einer nicht schon durch diesen Fluß geschwommen, aber etwa durch einen andern breiteren, so beantwortet er die Frage des Führers nicht durch den bejahenden Satz, der der Fragestellung entspricht, sondern erzählt von seiner andern Leistung.
   
     Soll man nun in so einem Fall sagen, die Sätze “er hat das & das getan”, || & “er kann das & das tun” haben || Haben die Sätze “er hat das & das getan” & “er kann das & das tun” in dieser Sprache nun denselben || den gleichen Sinn, oder verschiedenen Sinn? Wenn Du darüber nachdenkst, wirst Du einmal die eine, einmal die andre Antwort geben wollen. Und das zeigt nur, daß diese Frage hier keinen klaren || klar bestimmten Sinn hat. Ist die Tatsache ausschlaggebend || Soll die Tatsache ausschlaggebend sein, daß die Leute nur dann sagen “er kann …”, wenn er es getan hat, dann haben die Sätze den gleichen Sinn; wenn die Umstände, unter denen ein Ausdruck gebraucht wird, das ¤ bestimmen, was Du den ‘Sinn’ nennst, dann haben sie verschiedenen Sinn.
   
     Der Gebrauch, der in diesem Beispiel vom Wort ‘kann’ – vom || von dem Ausdruck der Möglichkeit – gemacht wird, kann ein Licht auf die Idee werfen,
daß, was geschehen kann, schon einmal muß geschehen sein || was geschehen kann, müsse schon einmal geschehen sein (Nietzsche). Es ist auch interessant || wird auch interessant sein im Lichte unserer Beispiele den Satz zu betrachten: “Was geschehen ist, || geschieht, kann geschehen”.
   
     Ehe wir mit unserer Betrachtung des Gebrauchs des ‘Ausdrucks der Möglichkeit’ fortfahren || unsere Betrachtungen über den ‘Ausdruck der Möglichkeit’ fortsetzen, wollen wir über das Gebiet unsrer Sprache etwas klarer werden || in || auf das Gebiet unsrer Sprache blicken || über das Gebiet unsrer Sprache mehr Klarheit gewinnen, in welchem von Zukünftigem & || oder Vergangenem || Zukunft oder Vergangenheit die Rede ist; also in || über den Gebrauch von Ausdrücken, wie diesen: “gestern”, “vor einem Jahr”, “in 5 Minuten”, “ehe ich dies tat”, etc..
   
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Stellen wir uns vor, wie ein Kind in der Sprachform der || zum Gebrauch der ‘Erzählung vergangener Ereignisse’ abgerichtet werden könnte. Es hat gelernt verschiedene Dinge mit Worten zu verlangen (also gleichsam, Befehle zu geben wie in (1)). Ein Teil der Abrichtung war die Übung Dinge zu benennen. Es hat so gelernt, ein Dutzend seiner Spielsachen zu benennen (& zu verlangen). Es hat nun etwa gerade mit dreien von ihnen gespielt (einem Ball, einem Würfel & einer Rodel); nun nimmt man sie ihm fort || weg & der Erwachsene sagt etwas wie: “Er hat einen Ball, einen Würfel & eine Rodel gehabt”. ¥ Das Kind lernt ihm den Satz nachsprechen & dabei auch die Bewegung des Herzählens an den Fingern zu machen. Bei einer ähnlichen Gelegenheit bleibt der Erwachsene in der Aufzählung stecken || bricht der Erwachsene die Aufzählung ab & bringt || bewegt das Kind dazu sie fortzusetzen. Bei der Aufzählung der Gegenstände || Dabei macht er etwa eine charakteristische Bewegung, || : er zählt die Dinge || sie, wie wir sagen würden, an den Fingern einer Hand her. Bei einer weitern Gelegenheit fängt er den Satz nur an & macht die Handbewegung mit der die Aufzählung immer beginnt
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& läßt das Kind die || alle Dinge selbst nennen. Die Handbewegung des Herzählens an den Fingern soll hier eine Brücke bilden beim Übergang zum selbständigen Aufzählen des Kindes. || zu des Kindes selbständigem Aufzählen. – Die Finger sollen das Kind || es bei der Aufzählung weiterleiten || weiterführen. Der || Und der Lehrende wird wenn er die Aufzählung abbricht ihm durch seine || die Gebärde, || Gebärden & den Ausdruck der Erwartung in Gesicht & Stimme etc. weiterzuhelfen versuchen. || dies versuchen durch Gebärden & den Gesichtsausdruck der Erwartung& || , ein Heben der Stimme, etc.. Ob es zu der Einübung des Spiels kommt hängt davon ab, ob das Kind auf diese Anregungen eingeht. Es liegt hier nun ein Mißverständnis sehr nahe: die Mittel (Gebärden, etc.) die || welche der Lehrer gebraucht, um das Kind zum Fortsetzen der Aufzählung zu bewegen, anzusehen, als indirekte Mittel, sich dem Kind verständlich zu machen || Andeutungen, mit denen er sich dem Kinde verständlich machen soll || zu machen sucht. Als || So als hätte das Kind bereits eine Sprache, in welcher es denkt, zu sich selbst spricht, & der Lehrer solle es nun durch allerlei unvollkommene Andeutungen (seine Gebärden etc.) dazu bringen, daß es errät, was er meint. So also, als fragte das Kind sich in seiner eigenen Sprache: “Will er nun, daß ich fortsetze, oder wiederhole, was er gesagt hat, oder etwas anderes?” – Es wird also so dargestellt, als lernte das Kind nie die Sprache, also als lernte es nie denken, sondern nur, von einer Sprache, die es schon kann, in eine andre übersetzen. (Augustinus: et ecce paulatim sentiebam, ubi essem, et voluntates meas volebam ostendere eis, per quos implerentur, et non poteram, quia illae intus erant, … Itaque iactabam et membra et voces, signa similia voluntatibus meis, …) Die Wurzeln dieser Auffassung gehen tief & reichen || verzweigen sich || reichen weit. Denn wie
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kann das Kind denken lernen, wie ich es beschreibe? Ich sage ja selbst, es wird ‘abgerichtet’! Kann man zum Denken abgerichtet werden? Das Denken ist doch der Gegensatz zum bloß mechanischen Handeln, & abgerichtet wird man doch gerade zum mechanischen Handeln!
   
     “Machst Du das Kind nicht zum Papagei, der zum Reden abgerichtet wird?” – Aber kannst Du denn einen Papagei (oder etwa einen Affen) dazu abrichten, daß er eine Tabelle gebraucht, Dinge zählt || benennt, aufzählt, etc.? – “Aber ist das Denken nicht ein geistiger Vorgang?” – Von der Geistigkeit des Denkens, später. –
   
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Ein andres Beispiel einer primitiven Art der Erzählung vergangener Ereignisse: Wir leben in einer Landschaft || einem Talkessel mit einprägsamen Bergformen am Horizont. Es ist leicht sich zu erinnern an welchem Ort die Sonne in einer bestimmten Jahreszeit aufgeht, wo sie im Mittag steht & wo sie untergeht || wieder hinter den Bergen verschwindet. Wir haben nun einige charakteristische Bilder der Sonne || unsrer Landschaft mit der Sonne in verschiedenen Stellungen. Die Reihe dieser || Diese Bilder will || werde ich die ‘Sonnenreihe || Sonnenbilder’ nennen. Wir haben auch charakteristische Bilder von || verschiedener Tätigkeiten des Kindes: || , seines Aufstehens, verschiedener || seiner Spiele, das Kind, wie es am Mittagstisch sitzt || beim Mittagmahl, und anderes mehr || u.a.m.¤ Diese will || werde ich die ‘Lebensbilder || Bilder aus dem || seinem Leben’ nennen. Ich stelle mir vor, daß das Kind oft die Sonne bei vielen seiner Tätigkeiten || bei seinen verschiedenen Beschäftigungen oft die Sonne sehen kann; & wir lenken seine Aufmerksamkeit dabei oft auf
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die Stellungen der Sonne, – sie sei bei || stehe über diesem Berg, diesem Baum, etc.. Dann lassen wir das Kind ein Bild seiner gegenwärtigen Tätigkeit || Tätigkeiten sehen || anschauen & dazu Bilder || & eines der Sonne in der richtigen Stellung || den entsprechenden Stellungen. Wir können durch diese Bilder gleichsam erzählen, was das Kind den Tag über von morgens bis abends gemacht hat, indem wir eine Reihe der ‘Lebensbilder || Bilder aus seinem Leben’ legen & etwa darüber, in richtiger || der richtigen Zuordnung, die Reihe der Sonnenbilder. Wir werden dann das Kind eine solche Bildergeschichte, die wir angefangen haben, ergänzen lassen. Oder wir werden beim Legen der Bilder absichtliche || absichtlich grobe Irrtümer machen || Unrichtigkeiten legen & das Kind sie ausbessern lassen, etc.. Dieses Sprachspiel kann man sich am leichtesten || besten mit || von Worten begleitet vorstellen.
   
     “Aber die Zeichen der Aufmunterung des Beifalls, der Mißbilligung, u.s.f., muß ja das Kind doch verstehen ehe es abgerichtet werden kann, diese Sprache kann das Kind doch nicht lernen.” –
   
Teils7 lernt es sie, teils ‘versteht’ es sie vor jedem Unterricht. Überlege aber was wir hier ‘verstehen’ nennen. Worin besteht das Verstehen? – Mit dieser Frage werden wir uns später beschäftigen müssen.
   
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Eine Variante von (55): Im Kinderzimmer ist eine große Uhr. Stellen wir sie uns zur Einfachheit nur mit einem Stundenzeiger vor. Was den Tag über geschieht, wird wie oben ‘erzählt’, aber es gibt hier keine Reihe der Sonnenbilder; statt ihrer verwenden || gebrauchen wir die Ziffern des Zifferblatts || der Uhr. Wir schreiben eine Ziffer zu einem ‘Lebensbild’. || ‘Bild aus dem Leben’.
   
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Zeitbegriffe treten auch in das einfachere Spiel ein, bloß eine Reihe von Lebensbildern || Lebensbilder in eine Reihe zu legen || Aber auch in diesem einfachen Spiel arbeiten wir mit Zeitbegriffen: Es werden Lebensbilder || Lebensbilder werden in eine Reihe gelegt, der zeitlichen Ordnung der Tätigkeiten
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entsprechend. Wir könnten dieses Sprachspiel mit Hilfe der || in dieses Sprachspiel die Wörter ‘vor’ & ‘nach’ einführen. In diesem Sinne kann man sagen daß in dieses Spiel || ihm die Begriffe ‘vor’ & ‘nach’ eintreten, aber nicht der Begriff der Zeitmessung. (Ich verstehe also hier unter “Begriff” nichts Geistiges.) Es wäre offenbar nicht schwer von den Spielen (55), (56), (57) auf die Erzählung von Ereignissen in Worten überzugehen.
   
     Vielleicht wird jemand bei der Betrachtung solcher Formen der Erzählung denken, daß in ihnen der eigentliche Zeitbegriff noch gar keine Rolle spielt || spiele, sondern nur irgend ein roher Ersatz für ihn. || desselben. – Nun, wenn jemand behauptet, es gäbe einen Begriff von ‘fünf Uhr’, der die || eine Uhr nicht voraussetze, die Uhr || diese sei nur das Instrument, mit dem mehr oder weniger genau festgestellt werde || wird, wann es fünf Uhr sei || ist; oder wenn er behauptet, es gäbe den || einen Begriff der ‘Stunde’ der kein Instrument || Werkzeug der Zeitmessung voraussetze, werde ich dem nicht widersprechen, sondern nur von ihm verlangen || ihn nur fragen, in welcher Weise er die Ausdrücke || Worte ‘Stunde’ & ‘fünf Uhr’ gebraucht || sondern nur von ihm verlangen, daß er seinen Gebrauch der Ausdrücke ‘Stunde’ & ‘fünf Uhr’ beschreibt. Und involviert dieser Gebrauch keine Uhr, so werde ich weiter fragen, || Und ist es nicht der, der eine Uhr involviert, so ist es ein andrer; & dann werde ich fragen warum er die Ausdrücke ‘fünf Uhr’, ‘eine Stunde’, ‘eine lange Zeit’, ‘eine kurze Zeit’ einmal in Verbindung || Zusammenhang mit der Uhr, & einmal unabhängig von ihr gebraucht: Dies wird so sein, wegen gewisser Analogien, die zwischen den beiden Arten des Gebrauches bestehen. Aber wir haben nun eben zwei solche Arten, & keine von ihnen wird man die ‘reinere’, oder die ‘eigentliche’ || ‘die reinere’, oder ‘die eigentliche’ nennen können. || sollte man ‘die reinere’, oder ‘die eigentliche’ nennen. || es ist kein Grund eine von ihnen ‘die reinere’, oder ‘die eigentliche’ zu nennen.
   
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Dies könnte durch folgendes Beispiel klarer werden: Wenn wir von jemandem verlangen || jemandem befehlen: “Sag eine
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Zahl, irgendeine, die Dir gerade einfällt”, so kann er dies im allgemeinen gleich || sogleich tun. Angenommen nun, || Ich nehme nun an, es hätte sich gezeigt, daß die Zahlen, die so geantwortet werden, || zur Antwort kommen, vom Morgen bis zum Abend jedes Tages zunehmen; der Mensch beginnt an jedem || jeden Morgen mit irgend einer kleinen Zahl & erreicht die größte || höchste Zahl || ein Maximum, ehe er des nachts einschläft || die Menschen beginnen an jedem Morgen mit irgend einer kleinen Zahl & erreichen die höchste Zahl, ehe sie des nachts einschlafen. – Denke, was uns dazu bewegen könnte, || : was könnte uns dazu bewegen, diese Erscheinung || Reaktionen || Zahlen ein ‘Mittel der Zeitmessung’ zu nennen; oder sogar, zu sagen, sie || jene Zahlen || sie seien die eigentlichen Meilensteine im Verlauf der Zeit || ihr Verlauf sei die Zeit; & Uhren, Sonne, etc., seien nur indirekte Anzeiger || zeigten nur indirekt die verflossene Zeit an. || diese Erscheinung ein ‘Mittel der Zeitrechnung’ zu nennen; oder, sogar zu sagen, das Wachsen dieser Zahlen sei die Zeit. Und Uhren, Sonne, etc. zeigten nur indirekt den Verfluß der Zeit an. (Prüfedie Behauptung, das menschliche || , was an dem Satz ist, unser Herz sei die eigentliche Uhr, die hinter allen andern Uhren stehe. || hinter allen andern Uhren.)
   
     Betrachten wir weitere Sprachspiele in die Zeitbestimmungen eintreten:
   
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Eine Variation des Sprachspiels (1): Wird ein Befehl gegeben (wie ‘Platte!’, oder ‘Würfel’, etc.), so führt B ihn nicht sogleich aus, sondern wartet, bis der Zeiger einer Uhr an einem Punkt des Zifferblatts angelangt ist || steht, den wir beim Ausrufen || Aussprechen des Befehls mit dem Finger bezeichnen. Man könnte sich denken, daß das Kind zuerst abgerichtet wird, die Befehle unverzüglich auszuführen; wenn || . Wenn es das kann, gibt man wieder einen solchen Befehl, & || & zeigt dabei auf einen Ort || Punkt des Zifferblattes, & hält || hält aber das Kind zurück, daß es den Befehl nicht gleich ausführen kann; man || & läßt es erst frei, wenn der Zeiger dort || an dem || jenem Punkt angelangt ist || an jenen Punkt gelangt ist. – Wir könnten in dieses Spiel ein Wort einführen von der Funktion ‘jetzt || einen Ausdruck einführen wie das Wort ‘jetzt || wie das Wort ‘jetzt’ einführen || ein Wort wie das || unserjetzt’ einführen: Es gibt in unserm Spiel || Wir geben zwei Arten von Befehlen;
solche, die, wie in (1), unverzüglich || unverzüglich, wie in (1) ausgeführt werden sollen & solche, die in einem bezeichneten Zeitpunkt auszuführen sind. || die einen sind, wie in (1), unverzüglich, die andern in einem bezeichneten Zeitpunkt auszuführen. Um den Unterschied der beiden Arten deutlicher zu machen, setzen || fügen wir den Befehlen der ersten Art ein Wort bei & rufen, z.B., ‘Platte jetzt!’.
   
     Man könnte jetzt leicht Sprachspiele beschreiben mit Ausdrücken wie: “in fünf Minuten”, “vor einer halben Stunde”, u.a..
   
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Sehen wir noch den Fall einer Beschreibung der Zukunft an || an einer Beschreibung der Zukunft, eine Vorhersage: Ich nehme an, wir lassen ein Kind die wechselnden Lichter an einer Straßenkreuzung beobachten & spannen seine Erwartung darauf, was wohl das nächste Licht sein werde. Wir haben eine rote, eine gelbe & eine grüne Scheibe & drücken die Erwartung eines Lichts || einer bestimmten Farbe durch das Zeigen auf eine der Scheiben aus. (Wir geben der Freude über die richtig geratene || erratene Farbe, der Enttäuschung über die unrichtig geratene Ausdruck.) Endlich wird das System erkannt, nach welchem die Lichter wechseln & das Raten geht in ein Vorhersagen über. Weitere Entwicklungen || Weiterentwicklungen dieses Spiels lassen sich leicht vorstellen.
   
Es könnte || kann uns nun auffallen, daß wir in diesen Sprachspielen nicht die Begriffe der Gegenwart, Vergangenheit & Zukunft in ihrer problematischen, beinahe geheimnisvollen, Gestalt || ihrem problematischen, beinahe geheimnisvollen, Aspekt antreffen. || den Begriffen der Gegenwart, Vergangenheit & Zukunft in ihrem problematischen, beinahe geheimnisvollen, Aspekt begegnen. Was für ein Aspekt dies ist & wie man zu ihm gelangt || wir zu ihm gelangen, kann man am deutlichsten || deutlich erkennen, wenn man die || diese Frage betrachtet: “Wohin kommt || geht die Gegenwart, wenn sie Vergangenheit wird, & wo ist die Vergangenheit?” – Unter welchen Umständen kann uns diese Frage bewegen? Denn unter gewissen Umständen kann sie es nicht, & wir würden sie als Unsinn beiseite schieben. Es ist klar, daß diese Frage || sie dann am leichtesten in unserm Geiste auftauchen
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wird, wenn uns beim Nachdenken über die Zeit das Bild des Kommens & Gehens, des Vorüberfließens, gefangen hält; wenn wir in erster Linie immer an Geschehnisse denken, in denen es ein solches Vorbeiziehen wirklich gibt. Wie etwa, wenn wir an einem Fluß stehen auf dem Holz geflößt wird: die Stämme ziehen an uns vorüber; die, welche vorüber sind, sind alle rechts von mir || uns, die noch kommen, sind links. Wir gebrauchen dies || diesen Vorgang nun als Gleichnis für alles Geschehen; ja || . Ja das Gleichnis ist in unserer Sprache verkörpert || die Ausdrücke unserer Sprache gelegt, denn wir sagen, eine Krankheit ‘ziehe || zieht vorüber’, ‘es kommt ein Krieg’, etc.. || etc.. Wir sprechen vom Lauf der Ereignisse, – aber auch vom Laufe der Zeit, – des Flusses, auf dem || welchem die Stämme an uns vorbeischwimmen. || vorbeiziehen. (“die Zeit ist da”, “die Zeit ist längst vorbei”, “es kommt die Zeit”, etc., etc.) Und so kann mit dem Wort “Zeit” das Bild eines ätherischen Flusses untrennbar verbunden sein, mit den Worten ‘Vergangenheit’ & ‘Zukunft’ das Bild von Gebieten, aus deren einem die Ereignisse in das andre ziehenu.s.f. || . U.s.f. (“das Land” der Zukunft, der Vergangenheit.) Und doch können wir natürlich keinen solchen Strom finden & keine solchen Örter. Die Grammatik unserer || Unsere Sprache läßt eben Fragen zu, zu denen es keine Antwort gibt. & || Und sie verleitet uns diese Fragen zu stellen durch die Bildhaftigkeit des Ausdrucks. Eine Analogie nimmt unser Denken gefangen & zieht es || hat unser Denken gefangen genommen & schleppt es unwiderstehlich mit sich fort.
   
     Dies geschieht auch, wenn uns die Bedeutung von ‘jetzt’ zu etwas Geheimnisvollem wird. In unserm Beispiel (59) ist es klar, daß die Funktion des Wortes ‘jetzt’ in keiner Weise vergleichbar ist der || gänzlich verschieden ist von der eines Ausdrucks || der Worte
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‘5 Uhr’, ‘mittag’, ‘die Zeit des Sonnenuntergangs’ etc.¤ Diese Ausdrücke werde ich ‘Zeitangaben’ nennen. Aber unsere Sprache gebraucht das Wort ‘jetzt’ & Zeitangaben in ähnlichen || den gleichen Satzzusammenhängen wie die Zeitangaben. Wir sagen: “Die Sonne geht jetzt unter” & “Die Sonne geht um 6 Uhr unter”. Und, was ¤ die Verwechslung noch mehr nahelegt, “Jetzt ist es 6 Uhr”.
   
     Wir sind versucht zu sagen, daß sowohl ‘jetzt’ als auch ‘6 Uhr’ einen Punkt der Zeit angeben || bezeichnen. Und so kann die Frage entstehen: ¤Was ist das Jetzt? Denn es ist ein Augenblick der Zeit & doch kann man es nicht definieren als den Augenblick in welchem ich rede (das Wort ‘jetzt’ ausspreche), oder den Augenblick in welchem die Uhr schlägt, u.s.f.. Unsere Antwort ist, daß die Funktion des Wortes ‘jetzt’ eine andere ist, als die der || jener Zeitangaben. Sie ist ihr auch nicht ähnlich; aber es besteht natürlich ein Zusammenhang. (Wie die Funktion eines Hammers der eines Nagels nicht ähnlich ist, aber ein Zusammenhang besteht.) (Aber || Nur nicht der, der Ähnlichkeit.) Dies ist leicht zu sehen, wenn man ansieht || Du ansiehst, welche Rolle das Wort im Gebrauche der Sprache spielt, ich meine, in der ganzen Praxis des Sprachspiels || der Sprache; & nicht bloß, in was für Sätzen es gebraucht wird. Vergleiche das Wort ‘jetzt’ mit dem Zeitzeichen || mit dem Wort ‘jetzt’ den Befehl ‘los!’, etwa bei einem || beim Rennen. Auch dieser ‘bezeichnet einen Augenblick’. (‘Jetzt’ könnte || kann man ein ‘Zeitzeichen’ nennen. Das Klatschen beim Befehlen einer Turnübung.) Das Wort ‘heute’ ist kein Datum.
   
     Es ist gesagt worden ‘jetzt’ sei der Name eines Zeitmomentes; wie ‘hier’ der Name eines Orts, ‘dieses’ der Name eines Gegenstandes & ‘ich’
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der Name einer Person. (Man kann dies dann natürlich auch von den Ausdrücken ‘Vor einem Jahr’, ‘da drüben’, ‘Eure Majestät’, etc. sagen.) (Vergl. (5)) Die Gründe zu diesem Gedanken sind weitverzweigt. – Es ist beinahe so, wie wenn jemand, etwa, auf einen Teil des Gehirns zeigend sagen würde: “Das ist der eigentliche Mensch”. Die Antwort darauf wäre: Nein, das ist nicht der Mensch. D.h., das ist nicht, was man ‘den Menschen’ nennt. Aber ich verstehe wohl, daß man unter Umständen versucht ist, so etwas zu sagen. Wir wünschen z.B., daß das Wort ‘Mensch’ etwas Einfaches, Primitives bedeuten solle, nichts Zusammengesetztes. Etwas wofür sich klare Gesetze angeben lassen, nicht etwas, wobei es unscharfe Grenzen, ein Mehr oder Weniger || mehr oder weniger, gibt. – Wenn man den Eigennamen eines Menschen, oder etwa den Namen || einen wie “Nothung” nicht Namen im ‘strengen, logischen’ Sinn des Wortes nennen will, so ist es, weil ein Name etwas Einfaches bezeichnen soll. – Das Schwert Nothung aber besteht aus Teilen in einer bestimmten Zusammensetzung. Sind sie anders zusammengesetzt, so existiert Nothung nicht. Nun hat aber offenbar der Satz “Nothung ist ein scharfes Schwert || hat eine scharfe SchneideSinn, ob Nothung noch ganz ist, oder schon zerschlagen. Ist aber “Nothung” der Name eines Gegenstandes, so gibt es diesen Gegenstand nicht mehr, wenn das Schwert || Nothung zerschlagen ist; & da dem Namen dann kein Gegenstand entspräche, so hätte er keine Bedeutung. Dann aber wäre || stünde in dem Satz “Nothung hat eine scharfe Schneide” ein Wort ohne Bedeutung || das keine Bedeutung hat & daher wäre der Satz Unsinn. Nun hat er aber Sinn, also kann ‘Nothung’ nicht der Name eines Gegenstands sein || muß den Wörtern, aus
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denen er in analysierter Form zusammengesetzt ist immer schon etwas entsprechen
. Also muß das Wort ‘Nothung’ bei der Analyse des Sinnes verschwinden & statt seiner Worte gesetzt werden || eintreten, die Einfaches benennen. Diese Worte werden wir billigerweise die eigentlichen Namen nennen. – Dieses Raisonnement hängt an verschiedenen Irrtümern: a) die Idee einem Wort müsse ein Gegenstand ‘entsprechen’, damit es Bedeutung habe(Die || , die Verwechslung von der Bedeutung mit dem Träger eines Namens). b) ein falscher Begriff von der philosophischen, oder logischen Analyse eines Satzes, || . (Man denkt sie sich || als sei sie ähnlich der chemischen, oder mechanischen) || physikalischen. c) eine falsche Auffassung der ‘logischen Exaktheit’, Unkenntnis des Begriffs der ‘Familie’. –
   
     Aber nichts unähnlicher, als der Gebrauch des Wortes “dieses” || hinweisenden Fürwortes & eines Eigennamens – wenn man nämlich die Praxis des Sprachspiels ansieht & nicht bloß die Stellung der Wörter in unsern Sätzen: || Denn wir sagen allerdings: “das || der ist klein, || groß, || & auch: “Hans ist groß”; aber vergiß nicht, daß der erste Satz sinnlos ist, ohne die zeigende Gebärde & das Ding worauf || den Gegenstand auf den wir zeigen. – Was etwa mit einem Namen verglichen werden könnte ist nicht das Wort ‘das || der’, sondern dieses Wort zusammen mit der zeigenden Gebärde & dem Ding. || Gegenstand.
   
     Man könnte sagen: Es || , es ist charakteristisch für einen Namen, daß wir ihn im Satz “Dies ist A” gebrauchen können. Aber es ist || : aber es ist || ; es ist aber sinnlos || Unsinn zu sagen “Dies ist dies”, oder “Dies ist jetzt”. –
   
     Problematisch scheint || erscheint uns auch manchmal der Satz der ein Ereignis der Zukunft || zukünftiges Ereignis beschreibt, & zwar mehr, als die || eine Beschreibung eines vergangenen Ereignisses. Denn wenn man zukünftige mit vergangenen Ereignissen vergleicht, möchte man beinahe sagen, daß, wenn auch diese || diese, wenn sie auch nicht mehr im
vollen Licht des Tages existieren so doch in einer Art Unterwelt, in die sie aus der Wirklichkeit hinabgestiegen sind, während die zukünftigen Ereignisse nicht einmal jene || diese Schattenexistenz || auch diese Schattenexistenz nicht haben. Wir könnten uns freilich ein Reich der ungeborenen, zukünftigen, Ereignisse denken, aus dem || welchem sie || diese in die Wirklichkeit treten, & von da ins Reich der Vergangenheit. Und wenn wir in diesem || an dieses Bild denken, so könnte es uns wundern, daß die Zukunft uns weniger wirklich vorkommt, als die Vergangenheit. Aber vergessen wir nicht, daß unsere || die Grammatik der zeitlichen Ausdrücke || unserer Zeitbegriffe nicht symmetrisch ist in bezug auf die Gegenwart. Der Begriff des ‘Gedächtnisses’ tritt in der Grammatik der ‘Zukunft’ || In || Denn in der Grammatik der ‘Zukunft’ tritt der Begriff des ‘Gedächtnisses’ nicht auf, auch nicht ‘mit umgekehrten Vorzeichen’. – Vielleicht wird man sagen: “Was hat das mit Grammatik zu tun, wir || ? Wir erinnern uns eben nicht an die Zukunft!” Nun das kommt darauf an, wie man das Wort erinnern gebraucht. In unsrer gewöhnlichen Sprache hat es keinen Sinn zu sagen: “Ich erinnere mich deutlich an das, was morgen geschehen wird”, – auch dann nicht, wenn ich ein Prophet bin. (Hier ist es nützlich, an die Worte zu denken, “daß der || ein Mensch, der an die Vergangenheit denkt, den Blick zur Erde richtet; der Mensch aber, der an die Zukunft denkt, ihn nach oben richtet”. Denn wenn Du Dich erinnernd, & voraussagend, denkst, wirst Du sehen, daß daran etwas Wahres ist.) In wiefern die Erfahrungstatsachen jene Zeitbegriffe bestimmen, || diese sind gleichsam die Maßeinheiten, nach welchen wir jene messen – davon später. Man könnte unsre Zeitbegriffe durch den Satz charakterisieren: “Die Vergangenheit ist doch wenigstens schon dagewesen, die Zukunft aber noch gar
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nicht”. Und so kommt es, daß gesagt worden ist, Sätze über zukünftige Ereignisse seien eigentlich keine wirklichen Sätze (denn es entspräche ihnen sozusagen gar nichts). || die Zukünftiges beschreiben, sind eigentlich gar keine Sätze (denn es entspricht ihnen sozusagen gar nichts). Dies ist natürlich in Ordnung, wenn es bloß eine Bestimmung darüber sein soll, wie der Schriftsteller || Philosoph || Einer das Wort ‘Satz’ gebrauchen will. und Wer dies sagt, steht offenbar unter dem starken Eindruck der Asymmetrie ‘Zukunft’ – ‘Vergangenheit’. Wenn auch diese Bestimmung wohl || Einschränkung des Gebrauchs des Wortes ‘Satz’ letzten Endes auf einem Mißverständnis des Funktionierens unserer Sätze im allgemeinen beruht. Gewiß könnte es unter Umständen natürlich sein, den Gebrauch des Wortes ‘Satz’ so einzuschränken. Der Philosoph ist aber in der Gefahr, zu glauben, er habe nun einer Art wissenschaftlicher Erkenntnis über die Natur der Zukunft Ausdruck || Ausdruck gegeben.
   
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Stelle Dir folgendes Spiel vor: Jemand würfelt; & vor jedem Wurf || ehe er einen Wurf macht, zeichnet er vor sich eine der Flächen des Würfels auf || hin. Zeigt ihm nach dem Wurf der Würfel die Seite, die er gezeichnet hat, so gibt er der Befriedigung Ausdruck, andernfalls der Unbefriedigung. – Oder es seien zwei Spieler: Sie würfeln abwechselnd; wenn || ehe der eine würfelt, zeichnet der andere eine Fläche des Würfels auf || hin; ist es die, die kommt, so zahlt der Würfelnde dem Andern || gibt der Würfelnde dem Andern ein Geldstück, andernfalls zahlt dieser dem Würfelnden.
   
Das Zeichnen der Würfelfläche wird man in diesem Fall ein ‘Raten’ nennen, oder unter Umständen auch eine ‘Vermutung’ || ein ‘Vermuten’.
   
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Bei einem gewissen Volksstamm werden Wettkämpfe abgehalten im Laufen, Speerwerfen, etc.¤ Vor jedem Wettkampf
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werden die Bilder aller Teilnehmer || Wettkämpfer in einer Reihe aufgestellt & jeder Zuschauer legt ein Päckchen Geld unter eines dieser Bilder. Gewinnt im Wettkampf der, unter dessen Bild er || der Zuschauer sein Geld gelegt hat, so erhält der Zuschauer sein Geld zurück & noch mehr dazu; verliert jedoch || andernfalls verliert der Zuschauer sein Geld.
So einen Gebrauch würden wir zweifellos ‘Wetten’ nennen; auch dann, wenn die Sprache jenes Stammes keine Ausdrücke || keinen Ausdruck enthält für ‘Grade der Wahrscheinlichkeit’, ‘Chancen’ etc.. || es in der Sprache jenes Stammes keine Ausdrücke || keinen Ausdruck für ‘Grade der Wahrscheinlichkeit’, ‘Chancen’ etc.. gibt.
   
     Ich nehme an, daß das Benehmen der Zuschauer ehe & nachdem die Ergebnisse des Wettkampfs bekannt sind || vor & nach dem Ausgang des Wettkampfs Spannung, Teilnahme, Befriedigung & Unbefriedigung ausdrückt. Ferner, wenn ich die Wetten der Zuschauer prüfe, so finde ich, daß ich verstehe, ‘warum’ sie besonders auf diesen oder jenen Teilnehmer gesetzt haben. So wird meist auf den stärker gebauten von zwei Ringkämpfern gesetzt; & wenn auf den Andern, so finde ich daß jener kurz vorher krank war, oder dieser in einem ähnlichen Fall gesiegt || ihn schon einmal früher || früher einmal besiegt hat; u. dergl..
   
     Dabei aber hat ihre Sprache keinen Ausdruck der Begründung. D.h. nichts in ihr entspricht unserm || einem Satz wie: “Ich setze auf diesen Mann || Ringer, weil er in guter Form ist, während jener andere kürzlich krank war”, u.s.w.. – Ich könnte sagen, meine || : Meine Beobachtung lehrt mich gewisse Ursachen || hat mich gewisse Ursachen gelehrt, die auf die Wetten Einfluß nehmen, aber die Wettenden haben, oder verwenden, keine Gründe beim Setzen auf einen Wettkämpfer.
   
     Denken wir uns nun einen Fall, in welchem die Sprache die Form der Begründung enthält. Das Sprachspiel nun ‘Gründe für seine Handlungen
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geben’ setzt nicht das Finden von Ursachen dieser Handlungen voraus || beinhaltet nicht das Auffinden von Ursachen (durch wiederholte Beobachtung der Umstände, unter denen || welchen es zu diesen Handlungen kommt).
   
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         Stellen wir uns diesen Vorgang vor:
Wenn ein Zuschauer in den Wettkämpfen || bei einem Wettkampf seine Wette verloren hat, wird er von den Andern geneckt & ausgelacht. Als Antwort weist er mit übertreibender Gebärde auf Muskeln, Brust, die Höhe etc. des Kämpfers, auf den er gewettet hatte, – wie wir sagen würden: zur Rechtfertigung seiner Wette. || um seine Wette zu rechtfertigen. Man könnte sich eine Diskussion über die || der Chancen zweier Kämpfer so vorstellen || In ähnlicher Weise könnte man sich eine Diskussion der Chancen zweier Kämpfer vorstellen: Zwei Leute || Zuschauer zeigen || weisen abwechselnd auf das, was ihnen den Sieg ihres Kandidaten zu versprechen scheint. A zeigt auf die Höhe der Gestalt des Seinen || Einen; B zuckt darauf die Achseln & weist || zeigt auf den Bizeps des Andern; etc. || u.s.f.¤ Der Fall || Die Diskussion kann || könnte leicht so beschrieben werden, daß man sagen würde || wir sagen müßten, A & B gäben Gründe an für ihre Wahl. || Wir könnten den Fall leicht dahin ausführen, daß man geneigt wäre zu sagen A & B gäben Gründe an für ihre Wahl.
   
“Setzt aber das Angeben solcher Gründe nicht voraus, daß die Leute Zusammenhänge beobachtet haben zwischen dem Ausgang eines Kampfes & der körperlichen Beschaffenheit der Kämpfenden?” – Aber ob nun diese Annahme verständig || berechtigt erscheint oder nicht, so habe ich sie jedenfalls in der Beschreibung unseres || des Falles nicht gemacht. (Noch habe ich die Annahme gemacht,
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daß die Wettenden Gründe für ihre Gründe angeben.) Wir würden in einem Fall, wie dem eben beschriebenen nicht überrascht sein, in der Sprache der Leute Ausdrücke zu finden für Grade der Überzeugung, Vermutung, Sicherheit. Z.B. ein Wort, das in verschiedenem Ton ausgesprochen wird; oder eine Reihe von Wörtern. (Ich denke aber nicht an den Gebrauch einer Skala der || von Wahrscheinlichkeiten.) – Es ist auch leicht sich vorzustellen, daß sie das Wetten mit Ausdrücken begleiten die wir übersetzen würden in der Form: “Ich glaube daß A || N den M im Speerwerfen schlagen kann”, etc.. – Ich übersetze das Wort, das sie gebrauchen mit ‘kann’ & nicht mit ‘wird’, denn sie haben ein Hilfszeitwort der Zukunft || weil sie ein Hilfszeitwort der Zukunft haben, das sie z.B. gebrauchen || in Sätzen gebraucht wird, analog unserm “Er wird heute von der Reise zurückkommen”, “Er wird ihn schlagen, wenn er kommt”, etc..
   
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Ein Stamm, in dessen Sprache die Erinnerung an ein Ereignis mittels einer Handbewegung beschrieben || dargestellt wird || beschrieben || dargestellt wird mittels einer Handbewegung, die nach hinten weist; die Erwartung eines Ereignisses mit einer Handbewegung, die nach vorn weist (Wie wir sie etwa machen, wenn wir sagen “Das liegt schon lang hinter mir”, oder, “Das liegt noch vor mir || uns). Sie begleiten jede der beiden Bewegungen mit einem Hilfszeitwort (der Vergangenheit, & Zukunft). Beschreiben sie eine Erinnerung || ein vergangenes Ereignis, so stellen sie es sprachlich || in Worten & mimisch dar & wiederholen in ihrer Darstellung das Zeichen der Vergangenheit, || ; etc.. Bei gewissen Gelegenheiten aber, wenn sie, wie wir sagen würden, die Eignung eines Dinges, eines Menschen oder Tieres erwägen etwas Bestimmtes zu tun, drücken
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sie ihre Erwartung, daß es dies tun werde durch ein anderes Hilfszeitwort aus. Wenn sie also, wie uns die Situation lehrt, erwägen, ob ein bestimmtes Wurfgeschoß imstande sein wird das & das Tier zu erlegen, so sehen sie etwa eines der Geschosse prüfend an, & sagen, mit der Handbewegung, die in die Zukunft weist || der Erwartung || der Voraussicht,Es kann ihn erschlagen” (so will ich's übersetzen). Sie sagen aber bei anderen Gelegenheiten z.B.: “Wenn jetzt ein Mann in dieser Schlucht geht, so wird ihn dieser Felsblock erschlagen.”
   
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In einer Sprache wird ein besonderes Hilfszeitwort gebraucht, wenn man den Erfolg einer körperlichen Anstrengung voraussagen will. || Menschen gebrauchen ein besonderes Hilfszeitwort, wenn sie den Erfolg einer körperlichen Anstrengung voraussagenwollen. || . Ich will dieses Hilfszeitwort || es durch das Wort ‘können’ wiedergeben; “ich kann” heißt hier || dann aber immer: “es wird mir gelingen”, “er kann”: || , “es wird ihm gelingen” etc.. Ihr Gebrauch jenes Hilfszeitworts || Worts entspricht also nicht ganz dem unsern des Wortes “können”; denn wir fragen jemanden, etwa bei Tisch || wenn wir jemanden, etwa bei Tisch, fragen “Wie hoch kannst Du springen?”, so muß die || seine Antwort nicht bedeuten, || wenn uns jemand, etwa bei Tisch, sagt “ich kann 80 cm hoch springen”, so muß das nicht heißen, daß er glaubt, er werde jetzt einen Sprung von dieser Höhe ausführen, sondern er kann uns einfach || bloß angeben, wie hoch er schon gesprungen ist.
   
In den letzten drei Fällen ist das Wort ‘können’ das Merkmal einer Voraussage. Das heißt natürlich nicht, daß ich einen Satz in diesen Fällen eine ‘Voraussage’ nenne, weil das Wort ‘kann’ in ihm steht; sondern, wenn eine ‘Voraussage’, nenne ich ihn der Situation wegen, in der er gebraucht wird; und ich gebe ein
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Wort jener Sprache durch ‘kann || können’ wieder, weil wir unter diesen Umständen das Wort ‘können’ gebrauchen würden & weil ich ein Wort ihrer Sprache in ein analoges Wort der unsern übersetzen will.
   
     Nun ist offenbar der Gebrauch von ‘können’ in (63), (64), (65) nahe verwandt dem in den Fällen (50) || bis (53); in (50) etc. || diesen aber war der Ausdruck ‘etwas || das & das kann geschehen’ keine Voraussage. Nun kann man einwenden, wir seien doch nur darum gewillt gewesen in jenen früheren Beispielen || Fällen das Wort ‘können’ zu verwenden, weil es dort angeht, eine Annahme über das zukünftige Verhalten zu machen. (wer einmal diesen Fluß durchschwommen hat, von dem kann man annehmen, es werde ihm jetzt wieder gelingen). – Nun ist es freilich so, daß ich in (50) etc. absichtlich solche Beispiele || die Beispiele (50) etc. absichtlich so gewählt habe, daß eine Annahme über das zukünftige Verhalten nahe liegt; aber ich habe sie auch absichtlich so gewählt, daß keine solche Annahme gemacht wird. Wir können ja sagen, Menschen würden eine solche Ausdrucksweise nie gebrauchen, wenn sie nicht die Erfahrung gemacht hätten, daß man, z.B., von diesen & diesen Proben auf ein solches Benehmen des Menschen in der Zukunft schließen könne. Diese Hypothese mag richtig sein, aber die Beispiele (50) etc. setzen sie nicht voraus. || machen von ihr keine Verwendung.
   
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Stellen wir uns nun diesen Vorgang || dieses Spiel vor: A schreibt eine Reihe || Reihen von Zahlen an, B sieht ihm zu & versucht das || ein Gesetz in der angeschriebenen Zahlenfolge || in der Zahlenfolge das || ein Gesetz zu finden. Ist es ihm gelungen, so sagt er: “jetzt kann ich fortsetzen”. – Dieses Beispiel ist besonders lehrreich, weil es scheint, daß hier die || diese Fähigkeit
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fortzusetzen etwas ist, was momentan || plötzlich || in einem bestimmten Augenblick eintritt || kommt || da ist; so daß wir uns fragen können: was ist es, was hier eintritt? Dies sollte man doch nun finden können! – Es sei || Angenommen also A habe die Zahlen 1, 5, 11, 19, 29 angeschrieben || hingeschrieben || angeschrieben || hingeschrieben 1, 5, 11, 19, 29; an diesem Punkt || da sagt B: “Jetzt kann ich fortsetzen”. Was geschah da, als er plötzlich weiter wußte? – Vielerlei konnte geschehen sein. Nehmen wir an: B hat sich während A langsam eine Zahl nach der anderen hinschreibt, damit || Während A langsam eine Zahl nach der anderen hinschreibt, ist B beschäftigt verschiedene algebraische Formeln mit den schon angeschriebenen Zahlen zu vergleichen || an den schon angeschriebenen Zahlen zu probieren || versuchen. Als A ‘19’ angeschrieben hatte versuchte B die Formel an = n² + n ‒ 1; die ‘29’ bestätigte seine Vermutung || Annahme.
   
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Oder aber: B dachte || denkt an keine Formel || nicht an Formeln. Er sieht mit einem gewissen Gefühl der Spannung zu, wie die Reihe der Zahlen wächst, die A anschreibt; dabei schwimmen ihm || ihm allerlei unklare Gedanken in seinem Geist || Kopf || vor der || seiner Seele. Dann sagt er zu sich selbst: “Er quadriert immer & zählt 1 dazu”; dann || nun rechnet er die nächste Zahl aus & findet, daß A die gleiche Zahl anschreibt.
   
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Oder: Die Reihe die A anschreibt ist 2, 4, 6, 8. B sieht sie an & sagt: “Natürlich kann ich weiter! || , & setzt die Reihe der geraden Zahlen fort. – Oder er sagt gar nichts & schreibt die Reihe bloß weiter. Vielleicht hatte er, als er die Reihe ‘2, 4, 6, 8’ sah, eine Empfindung, oder Empfindungen, wie sie oft die Worte begleiten “Das ist leicht!” || die man durch die Worte “Das ist leicht!” beschreiben kann. Eine solche Empfindung ist z.B. ein schnelles leichtes Einziehen des Atems, ähnlich wie || ähnlich der bei einem leichten || gelinden Schreck.
   
Soll ich nun sagen || erklären, der Satz “B kann die Reihe fortsetzen” heiße || sage, daß einer der eben beschriebenen Vorgänge stattfindet? Ist es nicht klar, daß
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dieser Satz nicht der gleiche ist, wie der, B denke an die Formel || falle die Formel ein, an = n² + n + 1? Dabei kann es keinen Unterschied machen, ob dieses Einfallen, darin besteht, daß die Formel vor B's geistigem Auge erscheint, oder ob er die Erfahrung hat, sie vor sich hinzuschreiben, sie auszusprechen, oder aus einer Reihe vor ihm aufgeschriebener Formeln mit dem Blick auszuwählen. – [Neue Zeile] “Hätte ein Papagei die Formel ausgesprochen, so würden wir nicht sagen, er könne fortsetzen; also muß, dies mehr heißen, als, er spreche die Formel aus; & mehr als || bedeutet ‘fortsetzen können’ mehr als die Formel aussprechen; & etwas mehr als alle die || andern Vorgänge, die wir sonst