| | | | | |
Was heißt es ˇdie
Wahrheit eines Satzes sei gewiß?
| | |
| | | | | | Mit dem Wort “gewiß”
drücken wir die
Überzeugung, die Abwesenheit jedes Zweifels aus, &
ˇwir suchen damit den Andern zu
überzeugenreden. Aber
[d|D]as ist
subjektive Gewißheit.
Wann aber ist etwas objektiv gewiß? – Wenn ein Irrtum nicht möglich ist. Aber
was für eine Möglichkeit ist das. Muß
der Irrtum
nicht logisch ausgeschlossen sein?
Wenn ich glaube, in meinem Zimmer
zu sitzen & es ist nicht so, dann wird man nicht sagen, ich
habe mich geirrt: Aber was ist der wesentliche
Unterschied eines Irrtums von diesem Fall?
| | |
| | | | | | Sichere Evidenz ist die, die wir als
unbedingt sicher annehmen, nach der
wir mit Sicherheit ˇohne Zweifel han-deln. Was
wir “Irrtum” nennen, spielt eine ganz Rolle in unsern Sprachspielen, & was wir
als sichere Evidenz betrachten, auch.
| | |
| | | | | | aber
wäre es, zu sagen, wir betrachten etwas als sichere Evidenz, weil
es gewiß wahr ist.
| | |
| | | | | |
Wir müßen vielmehr die Rolle
von Bejahung & Verneinung erst
bestimmen. der Entscheidung für & gegen
einen Satz erst bestimmen.
| | |
| | | | | | Der Gebrauch von “wahr oder falsch”
hat darum etwas Irreführendes, weil es ist, als sagte man
“es stimmt mit den Tatsachen
überein oder nicht”, & es
sich doch gerade frägt, was “[ü|Ü]bereinstimmung” hier ist.
| | |
| | | | | |
“Der Satz ist wahr oder
falsch” heißt eigentlich nur, es
mü[ß|ss]e eine Entscheidung für
gegen ihn möglich sein. Aber das sagt nicht,
aus welchem Grunde man sich für oder gegen ihn
entscheidet. ⌊ // wie der
Gr[ü|u]nd zu so einer Entscheidung ausschaut.
// ⌋
| | |
| | | | | | Denk,
jemand fragte: “Haben wir Ist
es wirklich richtig daß wir uns auf die Evidenz unsres
Gedächtnisses (oder unsrer Sinne) verlassen wie wir es
tun?” //
“Sind wir
wirkli Haben wir recht, uns auf unsre Sinne
& unser Gedächtnis zu verlassen, wie
wir⌊'⌋es tun?”
//
| | |
| | | | | | M.'s gewisse Sätze
sagen beinahe aus, wir hätten ein Recht, uns auf diese Evidenz zu
verlassen.
| | |
| | | | | |
Alles
was wir als Evidenz betrachten Was wir ˇhistorische Evidenz nennen | , deutet darauf hin,
daß die Erde ˇhabe schon [s|l]ange
vor meiner Geburt existiert hat.
Die entgegengesetzte Hypothese entbehrt
jeder Grundlage hat
keinerlei Bekräftigung | . // hat
nichts für sich //
| | |
| | | | | | Eine Hypothese, für welche alles, gegen welche
nichts spricht, – Wenn ˇnun alles
für eine Hypothese, nichts gegen sie spricht,
–◇ ist sie dann ˇobjektiv gewiß ˇwahr? Man kann sie so
nennen. ⌊Aber⌋
Stimmt sie mit dem
Tatsächlichen den Tatsachen | mit der ‘Welt der Tatsachen’ überein? Sie zeigt uns
bestenfalls, was “übereinstimmen” heißt. Wir finden es schwierig, sie uns
falsch vorzustellen aber auch schwierig, eine Anwendung von
ihr zu machen. – – – Mit dieser Frage bewegst Du
Dich schon im Kreise.
| | |
| | | | | | Worin besteht denn die⌊se⌋
Übereinst. eines
solchen Satzes mit den Tatsachen, wenn nicht darin, daß, was in
diesem Sprachsp. Evidenz ist,
spricht.
(Tract Log. Phil. Abh.)
| | |
| | | | | | Die Begründung aber, die
Rechtfertigung des Sprachspiels der Evidenz | kommt zu
einem Ende; – aber das Ende ˇaber ist nicht daß uns
gewisse Sätze unmittelbar ˇals wahr einleuch⌊t⌋en,
also eine Art Sehen unsrerseits, sondern unser
Handeln, welches am Grunde des Sprachspiels liegt.
| | |
| | | | | | Wenn das Wahre das Begründete
ist, dann ist der Grund nicht wahr, noch
falsch.
| | |
| | | | | | Wenn Einer uns fragte “Aber ist das
wahr?”,
mußten könnten wir ihm sagen “Ja”;
& wenn er Gründe verlangte, so könnten wir sagen
“Ich kann Dir keine Gründe
geben, aber wenn Du mehr lernst, wirst Du auch dieser Meinung sein. Käme er nun nicht dahin, so hieße das,
daß er, z.B., Geschichte nicht lernen
kann.
| | |
| | | | | | “Seltsamer Zufall, daß alle ˇdie
Menschen deren
◇ Schädel man geöffnet in deren Kopf man geschaut | hat, ein
Gehirn hatten!”
| | |
| | | | | | Ich haben ein
Telephongespräch mit New York. Mein Freund
teilt mir mit daß sein Bäumchen die & die
Knospen tragen. Ich bin nun überzeugt, das
Bäumchen
sei … Bin ich auch überzeugt, die Erde
existiere?
| | |
| | | | | | Daß die
Erde existiert, ist vielmehr ein Teil des ˇganzen
Bildes, da[ß|s] den Ausgangspunkt die Basis | meines Glaubens bildet.
| | |
| | | | | | Bekräftigt mein
Telephongespräch mit N. Y. meine Überzeugung, daß die Erde
existiert?
| | |
| | | | | | Manches scheint
uns festzustehen & es scheidet aus dem Verkehr aus.
Es wird sozu-sagen auf ein
totes Geleise geverschoben.
| | |
| | | | | |
Es ist nun die Form unsrer Betrachtungsweise &
charakterisiert alle unsre Fragen, &
Forschungen. // Es gibt nun unsern
Betrachtungen, unsern Forschungen ihre Form. //
Es war vielleicht einmal ◇ umstritten.
Vielleicht aber ist hat es seit
unvordenklichen Zeiten zum Gerüst aller
unsrer Betrachtungen gehört. (Jeder Mensch hat Eltern.)
| | |
| | | | | | Wir betrachten
z.B. eine Rechnung unter gewissen
Umständen als kontrolliert. Was gibt
uns dazu ein Recht? Die Erfahrung?
Konnte sie uns nicht
täuschen? Wir müssen irgendwo mit dem
Rechtfertigen &
dann bleibt der Satz, ⌊:⌋ daß wir
so rechnen.
| | |
| | | | | | Unsre ‘Erfahrungssätze’ bilden nicht eine
homogene Masse.
| | |
| | | | | |
Was spricht da[für|geg]⌊en⌋ da Was hindert mich anzunehmen daß dieser Tisch, wenn
ihn niemand betrachtet, entweder verschwindet, oder seine Form
& Farbe gänzlich verändert, &
ˇnur wieder jemand wenn ihn ˇansieht, in seinen alten Zustand
zurückkehrt? – “Wer wird so etwas annehmen!”
– möchte man sagen.
| | |
| | | | | | Hier , daß der
‘Übereinstimmung mit der
Wirklichkeit’
nicht recht klar ist. // keine klare
Anwendung hat. //
| | |
| | | | | | Der Satz “Es ist
geschrieben”
| | |
| | | | | | Wer annähme, daß
alle unsre Rechnungen unsicher
sin seien, & daß wir uns
auf keine verlassen können (mit der Rechtfertigung,
daß Fehler überall möglich sind), würden wir
vielleicht für verrückt
erklären. Aber können wir sagen, er sei im
Irrtum? Reagiert er nicht einfach
anders: wir verlassen uns darauf, er nicht; wir
sind sicher, er nicht.
| | |
| | | | | |
Kann ich für einen Augenblick glauben, ich sei
in der Stratosphäre
gewesen⌊?⌋ oder noch höher)?
Nein. So weiß ich's das
Gegenteil,
– wie Moore?
| | |
| | | | | | Es
kann für mich, als vernünftigen Menschen kein Zweifel darüber
bestehen. – Das ist es eben. –
| | |
| | | | | | Der Vernünftige Mensch hat gewisse
Zweifel nicht.
| | |
| | | | | |
Kann ich zweifeln, woran ich zweifeln will?
(Oder glauben, woran ich glauben will?)
| | |
| | | | | | Ich kann, daß ich nie in der
Stratosphäre war, unmöglich bezweifeln. Weiß
ich es darum, ist es darum wahr?
| | |
| | | | | | Könnte ich nicht
eben verrückt sein & das nicht bezweifeln, was
ich unbedingt bezweifeln sollte.
| | |
| | | | | | “Ich
weiß, daß es nie geschehen ist, denn wäre es
geschehen, so hätte ich es unmöglich vergessen
können.”
Aber angenommen, es wäre geschehen, so
hättest Du's eben doch vergessen. Und wie weißt
Du, daß Du's unmöglich hattest vergessen
können? Nicht bloß aus früherer
Er-fahrung?
| | |
| | | | | | Das, woran ich festhalte, ist
nicht ein Satz, sondern ein Nest von Sätzen.
| | |
| | | | | | Kann ich die
Annahme, ich sei einmal auf dem gewesen, überhaupt einer
[E|e]rnsten Betrachtung würdigen?
| | |
| | | | | | “Ist denn das etwas, was man vergessen
kann?!”
| | |
| | | | | | “Unter solchen Umständen sagen die
Menschen
nicht: ‘Vielleicht haben
wir's alle vergessen’ &
dergleichen, sondern sie nehmen
an …”
| | |
| | | | | | Unsre Rede erhält durch unsre übrigen
Handlungen ihren Sinn.
| | |
| | | | | |
Wir fragen uns: Was machen wir mit einer Aussage
“Ich
weiß …”?
Denn uns handelt sich's nicht um Vorgänge Zustände des im Geistese. Und
so muß man entscheiden, ob etwas ein Wissen ist, oder keines.
| | |
| | | | | | Wenn einer
bezweifelte, ob die Erde vor 100 Jahren existiert hat,
so verstünde ich das darum nicht, weil ich nicht
wüßte, was dieser noch als Evidenz gelten ließe, &
was nicht.
| | |
| | | | | | “Jedes einzelne dieser Fakten könnten
wir bezweifeln, aber alle können wir nicht
bezweifeln.”
Wäre es nicht richtiger zu
sagen: “alle
bezweifeln wir nicht.” Daß wir sie nicht alle bezweifeln,
ist eben die Art & Weise wie wir urteilen, also
handeln.
| | |
| | | | | | Wenn
ein Kind mich fragte, ob es die Erde schon vor meiner
Geburt gegeben hat, so würde ich ihm nicht antworten,
die Erde existiere erst seit meiner Geburt, sondern sie habe schon
lang, lang vorher existiert. Und dabei hätte ich
das Gefühl, etwas
Komisches gesagt zu
sagen. Etwa wie wenn ein das
Kind gefragt hätte ob Berg höher sei ⌊als⌋ ein sehr hohes Haus, das
es gesehen hat. Ich könnte nur dem jene
Frage beantworten, dem ich ein Weltbild erst
beibrächte. Wenn ich nun die Frage
ˇmit Sicherheit so beantworte, was gibt mir diese
Sicherheit?
| | |
| | | | | | Ich glaube
daß ich Ahnen habe & daß jeder Mensch sie hat. Ich glaube daß es
verschiedene Städte gibt & überha⌊u⌋pt
an die Hauptdaten der Geographie & der Geschichte.
Ich glaube, daß die Erde ein Körper ist auf dessen
Oberfläche wir uns bewegen & daß er sowenig
plötzlich verschwindet oder dergl. wie irgend ein andrer fester Körper:
dieser Tisch, dieses Haus, dieser Baum etc. Wenn
ich an der Existenz der Erde lang vor meiner Geburt zweifeln wollte, müßte ich
alles mögliche [B|b]ezweifeln, was mir
feststeht.
| | |
| | | | | | Und daß
mir etwas feststeht, hat seinen Grund nicht in meiner Dummheit,
oder Leichtgläubigkeit.
| | |
| | | | | | Wenn Einer sagte “Die Erde hat nicht schon
lange …” – was würde
er damit antasten? Weiß ich's?
| | |
| | | | | | Müßte es ein
sozusagen wissenschaftlicher Glaube sein?
Könnte es kein mystischer sein? Muß er damit
unbedingt geschichtlichen Tatsachen
widersprechen? Ja selbst geographischen?
| | |
| | | | | | Wenn ich sage “Dieser Tisch hat vor einer
Stunde noch nicht existiert”, so meine
ich wahrscheinlich, er sei erst später hergestellt
worden. Sage ich “Dieser Berg hat damals noch nicht
existiert, so meine ich
wohl, er sei ˇhabe sich erst später
– vielleicht vulkanisch – gebildet.
Sage ich “[d|D]ieser Berg hat vor einer
halben Stunde noch nicht existiert”, so
ist das eine so seltsame Aussage, daß nicht klar
ist, was ich meine. Ob ich z.B. etwas
falsches aber wissenschaftliches meine. Vielleicht meint
man, die Aussage der Berg habe damals noch nicht
existiert, sei ganz klar, wie immer man sich den Zusammenhang
denke. Aber denke, jemand sagte “Dieser Berg hat vor einer Minute noch
nicht existiert, sondern ein genau gleicher”. Nur die gewohnte Umgebung läßt es klar
erscheinen, was gemeint ist.
| | |
| | | | | |
Ich könnte also den der sagt die Erde habe vor
seiner Geburt noch nicht existiert, weiter fragen um herauszufinden was mit
welchen meiner er im
Widerspruch ist. Und da
könnte es sein daß er meinen Grundanschauungen
widerspricht. Und wäre es so, so müßte
ich's dabei bewenden lassen.
Ählich geht es wenn er sagt er sei einmal auf dem
Mond gewesen.
| | |
| | | | | |
[I|i]ch ⌊Ja,⌋ glaube, daß jeder Mensch zwei menschliche
Eltern hat; aber
die Katholiken glauben, daß Jesus nur eine menschliche Mutter hatte. Und
[a|A]ndere könnten glauben es
habe gebe Menschen die keine Eltern haben, &
die aller gegenteiligen Evidenz keinen Glauben schenken.
Die Katholiken glauben auch daß eine Oblate unter gewissen
Umständen ihr Wesen gänzlich ändert &
zugleich, daß alle Evidenz das Gegenteil beweist.
Wenn also M.
sagte “Ich weiß, daß
dies Wein & nicht Blut ist, so würden Katoliken
ihm widersprechen.
| | |
| | | | | |
Worauf gründet sich der Glaube, daß alle Menschen Eltern
haben? Auf Erfahrung[?|.]
Und wie kann man man
Ich auf ˇmeine Erfahrung diesen
sichern Glauben gründen? Nun ich gründe
ihn nicht nur ˇdarauf
daß ich die Eltern gewisser Menschen kannte, sondern auf alles was
ich über das Geschlechtsleben von Menschen &
ihre Anatomie & Physiologie
gelernt habe; auch darauf was ich von Tieren gehört &
gesehen habe. Aber ist das denn wirklich ein
Beweis?
| | |
| | | | | | Ist
hier nicht eine Hypothese, die, wie ich glaube, sich immer
wieder vollkommen bestätigt?
| | |
| | | | | | Müssen wir nicht auf Schritt &
Tritt sagen: “Ich
glaube dies mit Bestimmtheit”? | | |
| | | | | | “Ich weiß …” sagt man, wenn man bereit ist,
zwingende Gründe zu geben. “Ich weiß”
bezieht sich auf eine des
Deutens der Wahrheit. Ob Einer etwas weiß,
läßt sich zeigen, angenommen, daß er davon überzeugt
ist. Ist aber was [E|e]r glaubt
von solcher Art, daß, die Gründe, die er geben kann, nicht
sicherer sind, als sein⌊e⌋ Behauptung, so kann er
nicht sagen, er wisse, was er glaubt.
| | |
| | | | | | Wenn Einer sagt “Ich habe einen
Körper”, so kann man ihn fragen
“Wer spricht hier mit diesem
Munde?”
| | |
| | | | | | Zu wem sagt Einer, er wisse
etwas? Zu sich selbst, oder zu einem Andern.
Wenn er's zu sich selbst sagt, wie unterscheidet es
sich von der Feststellung er sei , es verhalte sich so? Es gibt keine
subjektive Sicherheit, daß ich etwas weiß. Subjektiv
ist die Gewißheit, aber nicht das Wissen. Wenn ich mir also sage “Ich weiß, daß ich zwei Hände
habe” & das soll nicht nur
meine subjektive Gewißheit zum Ausdruck bringen, so
muß ich mich davon
überzeugen mir beweisen | können, daß ich recht habe.
Aber das kann ich nicht; denn daß ich zwei Hände habe ist
nicht weniger gewiß, ehe ich sie angeschaut habe als
nachher. Ich könnte aber sagen: “Daß ich zwei Hände habe ist ein
unumstößlicher Glaube.”
Das würde ausdrücken, ich sei
nicht bereit, von diese irgend etwas als
gegenbewei[ß|s] dieses Satzes
gelten zu lassen.
| | |
| | | | | |
“Hier bin ich auf einer Grundlage
alles meines
angelangt.” “Diese Stellung werde ich
halten⌊!⌋” Aber ist das nicht eben nur, weil ich davon
vollkommen [Ü|ü]berzeugt
bin? – Wie ist das: ‘Vollkommen überzeugt
sein’?
| | |
| | | | | | Wie wäre es, ˇjetzt daran
zu zweifeln, daß ich
zwei Hände habe? Warum kann
ich⌊'⌋es mir gar nicht vorstellen?
Was würde ich glauben, wenn ich das nicht
glaubte? Ich habe noch gar kein System, worin es diesen
Zweifel geben könnte.
| | |
| | | | | | Ich bin auf dem Boden meiner
Überzeugungen angelangt.
| | |
| | | | | |
Und von dieser Grundmauer könnte man
beinahe sagen, sie werde vom
ganzen Haus getragen.
| | |
| | | | | |
Man macht sich ein falsches Bild vom Zweifel.
| | |
| | | | | | Daß ich zwei
Hände habe, ist ˇunter normalen Umständen so sicher,
wie irgend etwas, was ˇich als Evidenz dafür anführen
könnte. Ich bin darum außer Stande
den Anblick meiner Hand als Evidenz dafür aufzufassen.
| | |
| | | | | | Heißt das
nicht: ich werde unbedingt so ˇnach diesem
Glauben handeln & mich duch nichts beirren
lassen?
| | |
| | | | | | Aber
es ist doch nicht nur, daß ich in dieser Weise glaube,
daß ich 2 Hände habe, sondern daß jeder
Vernünftige das tut.
| | |
| | | | | | Am Grunde des begründeten Glaubens liegt
der unbegründete Glaube.
| | |
| | | | | | Jeder ‘vernünftige’
Mensch handelt
so.
| | |
| | | | | |
hat gewisse
charakteristische Äußerungen, aber sie sind für ihn
nur unter gewissen Umständen
Charakteristisch. Wenn Einer sagte, er
zweifle an der Existenz seiner Hände, sie immer wieder von allen
Seiten betrachtete, betastete, sich
zu überzeugen suchte, daß keine Spiegelung oder
dergl vorläge, so
wären wir nicht sicher, ob wir das ein Zweifeln nennen
sollten. Wir könnten seine Handlungsweise als eine der
zweifelnden ähnlichen beschreiben, aber sein Spiel wäre
nicht das unsre.
| | |
| | | | | |
Anderseits ändert sich das Sprachspiel mit der Zeit.
| | |
| | | | | | Wenn Einer mir sagte, er
zweifle, daran, ob er einen Körper habe, würde
ich ihn für einen Halbnarren
halten. Ich wüßte aber nicht was es hieße
ihn davon zu überzeugen, daß er einen habe.
Und hätte ich etwas gesagt & das hätte nun
den Zweifel behoben, so wüßte ich nicht wie &
warum.
| | |
| | | | | | Ich
weiß nicht, wie der Satz “Ich habe einen
Körper” zu gebrauchen ist.
Das gilt nicht unbedingt von dem Satz, daß ich immer auf
oder nahe der Erde war.
| | |
| | | | | | Wer dran zweifelte daß die
Erde seit 100 Jahren existiert hat, könnte einen
wissenschaftlichen, oder ⌊aber⌋ einen
philosophischen Zweifel haben.
| | |
| | | | | | Ich möchte den Ausdruck “Ich weiß” für die Fälle reservieren, in denen
e[s|r] im normalen Sprachverkehr
gebraucht wird.
| | |
| | | | | | Einen vernünftigen Zweifel an der
Existenz der Erde während der letzten 100
Jahren, kann ich mir jetzt nicht vorstellen.
| | |
| | | | | | Ich kann mir einen Menschen
vorstellen, der unter ganz besondern Umständen
aufgewachsen ist⌊,⌋ & dem man beigebracht hat die
Erde sei vor 50 Jahren entstanden, & der es deshalb auch
glaubt. Diesen könnten wir belehren:
die Erde habe schon lange etc. – Wir
würden trachten ihm unser Weltbild zu geben.
Dies geschähe durch eine Art
Überredung.
| | |
| | | | | | Der Schüler glaubt seinen
Lehrern & den Schulbüchern.
| | |
| | | | | | Ich könnte mir den Fall denken
daß M. von einem [W|w]ilden Volksstamm gefangen
wird & die den Verdacht aussprechen, er sei von irgendwo
zwischen Erde & Mond gekommen.
M. sagt ihnen, er wisse, …, kann ihnen aber
sei die Gründe für seine
Sicherheit nicht geben, weil sie phantastische Ideen vom
Flugvermögen eines Menschen haben & von
Physik nichts wissen. Dies wäre eine
Gelegenheit, jenen Satz Aussage zu machen.
| | |
| | | | | | Aber was sagt sie mehr, als
: “Ich bin
nie dort & dort
gewesen, & habe zwingende Gründe, das zu
glauben”?
| | |
| | | | | | Und hier müßte man noch sagen,
was zwingende Gründe sind.
| | |
| | | | | | “Ich
habe nicht nur den visuellen Eindruck eines Baumes, sondern ich
weiß, daß es ein Baum
ist.”
| | |
| | | / | | | “Ich weiß, daß das eine Hand
ist.” – Und was ist
eine Hand? – “Nun,
das
z.B.”
| | |
| | | | | |
gewisser, daß ich nie auf dem Mond, als, daß ich nie in
Bulgarien war? Warum bin ich so
sicher? Nun, ich weiß, daß ich auch nirgends in der
Nähe war, ˇz.B. nie auf
de[m|n] Balkan,
war.
| | |
| | | | | | “Ich habe für meine Sicherheit zwingende
Gründe.”
Diese Gründe machen die Sicherheit objektiv.
| | |
| | | | | | Was ein
triftiger Grund für etwas ,
entscheide nicht ich.
| | |
| | | | | | Ich weiß = Es ist mir als
gewiß bekannt.
| | |
| | | | | |
Wann aber sagt man von etwas, es sei gewiß?
Denn darüber, ob etwas gewiß ist,
läßt sich doch streiten; [W|w]enn
nämlich etwas objektiv gewiß ist.
| | |
| | | | | | Es gibt unzählbare eine Unzahl
allgemeiner |
Erfahrungs-sätze,
die uns als gewiß gelten.
| | |
| | | | | | Daß Einem dem man den Arm abgehackt, er nicht
wieder wächst, ist ein solcher. Daß Einer, dem man
den Kopf abgehauen hat, tot ist & nie wieder lebendig wird,
ein andrer. Man kann sagen, daß Erfahrung uns
diese Sätze lehrt. Sie lehrt sie uns aber nicht
isoliert, sondern sie lehrt uns eine Menge
zusammenhän[d|g]ender Sätze. Wären sie
isoliert, so könnte ich etwa an ihnen zweifeln,
denn ich habe keine sie betreffende Erfahrung.
| | |
| | | | | | Ist die Erfahrung der
Grund dieser unsrer Gewißheit, so ist es natürlich die
vergangene Erfahrung. Unde es ist
nicht etwa bloß meine Erfahrung, sondern die der Andern,
von der ich Kenntnis erhalte. Nun könnte
man sagen, daß es wie-derum
Erfahrung ist, was uns den Andern Glauben schenken
läßt. Aber welche Erfahrung macht mich glauben,
daß die Anatomiebücher &
Physiologiebücher nicht [f|F]alsches
enthalten? Es ist wohl wahr, daß dieses
Vertraun auch durch meine eigene Erfahrung gestützt
wird”.
| | |
| | | | | | Wir glauben, [z|s]o zu
sagen, daß dieses große Gebäude da ist, &
nun sehen wir einmal da ein Eckchen, einmal dort ein
Eckchen.
| | |
| | | | | | “Ich kann nicht umhin zu
glauben …”
| | |
| | | | | | “Ich bin
beruhigt, daß es so ist.”
| | |
| | | | | | Es ist ganz sicher,
daß Automobile nicht aus der Erde wachsen. – Wir
fühlen, daß, wenn Einer das Gegenteil glauben könnte, er
allem Glauben schenken könne, was wir für unmöglich erklären & alles
bestreiten könnte, was wir für sicher halten.
Wie aber hängt dieser eine Glaube mit
allen andern zusammen? Wir möchten sagen
daß wer jenes glauben kann das ganze System unsrer Verifikation
nicht annimmt. Dies System ist etwas, was der
Mensch durch Beobachtung & Unterricht aufnimmt. Ich
sage absichtlich nicht
“lernt”.
| | |
| | | | | |
Nachdem er das & das gesehen & das & das
gehört hat, ist er außer Stande zu bezweifeln,
daß …
| | |
| | | | | | Ich,
L.W., glaube, bin
sicher, daß mein Freund nicht Sägespäne im Leib oder Kopf
hat, obwohl ich dafür keine direkte Evidenz der Sinne
habe. Ich bin sicher, auf Grund
dessen, was mir gesagt wurde, ˇwas ich gelesen habe, &
was ich beobachtet meiner
Erfahrungen. Daran zu zweifeln erscheint mir als
Wahnsinn, freilich wieder in Übereinstimmung mit
Andern; aber Ich stimme mit ihnen
überein.
| | |
| | | ? | | | Ich kann
nicht sagen, daß ich gute Gründe zur
habe zur Ansicht, daß Katzen nicht auf Bäumen wachsen,
oder daß ich einen
Vater & eine Mutter gehabt habe. Wenn
Einer daran zweifelt, – wie soll es geschehen sein?
Soll er von Anfang an nie geglaubt haben, er habe Eltern
gehabt? Aber ist denn das denkbar, es sei denn, daß
man ihn dies gelehrt hat.
| | |
| | | | | | Denn wie kann das Kind an dem ˇgleich
zweifeln, was man ihm beibringt? Das
könnte nur bedeuten, daß es gewisse
Sprach-spiele nicht
erlernen könnte.
| | |
| | | | | | Die Menschen haben seit den
ältesten Zeiten Tiere getötet, & ihr Fell,
ihre Knochen etc. etc. zu
gewissen Zwecken gebraucht; d.h. sie
haben mit Bestimmtheit drauf gerechnet, in jedem
ähnlichen Tier ähnliche Teile zu finden.
Sie haben immer aus der Erfahrung gelernt, &
aus ihren Handlungen kann man ersehen, daß sie Gewisses mit Bestimmtheit glaubten,
ob sie diesen Glauben aussprachen, oder nicht. Damit will
ich natürlich nicht sagen, daß der Mensch so handeln
solle, sondern nur, daß er so handelt.
| | |
| | | | | | Wenn Einer etwas sucht &
wühlt etwa dabei an einem bestimmten
Platz die Erde auf, so zeigt er damit, daß er glaubt,
ˇdas⌊,⌋ was er sucht, sei dort.
| | |
| | | | | | Woran wir glauben,
hängt von dem ab, was wir lernen. Wir alle glauben, es
sei unmöglich auf den Mond zu kommen; aber es könnte Leute
geben, die glauben, es sei möglich & geschehe
manchmal. Wir sagen: diese wissen
[v|V]ieles [m|M]anches nicht,
was wir wissen. Und sie mögen ˇihrer Sache noch
so sicher sein, – sie sind im Irrtum, & wir wissen
es. Wenn wir unser System des Wissens mit ihrem
vergleichen, so zeigt sich ihres als ⌊das⌋ weit
ärmer[.|e].
| | |
| | | | | |
23.9.50
Das Eichhörnchen schließt nicht durch Induktion, daß es
auch im nächsten Winter Vorräte brauchen wird.
Und ebensowenig br⌊a⌋uchen benützen wir ein Gesetz der Induktion, um
unsre Handlungen oder Vorhersagen zu rechtfertigen.
| | |
| | | | | | Ich weiß nicht nur, daß die Erde
lange vor meiner
Geburt existiert hat, sondern auch, daß sie ein großer
Körper ist, daß man das festgestellt hat, daß ich &
die andern Menschen viele Ahnen haben, daß es Bücher
über das alles gibt, daß solche Bücher nicht lügen,
etc., etc.,
etc.. Und das alles weiß
ich? Ich glaube es. Dieser
Wissenskörper w[ü|u]rde [w|m]ir
überliefert & ich habe keinen Grund, an ihm zu
zweifeln, sondern vielerlei Bestätigungen. Und warum soll ich
nicht sagen, ich wisse das alles? Sagt man nicht
eben dies? Aber nicht nur ich,
weiß, oder glaube alles das, sondern die Andern auch.
Oder vielmehr, ich glaube, daß sie es glauben.
| | |
| | | | | | Ich bin fest überzeugt,
daß die Andern glauben, zu wissen glauben, daß es sich alles so
verhält.
| | |
| | | | | | Ich habe
selbst
in meinem Buch geschrieben, das Kind
lerne ein Wort so & so verstehen:
Weiß ich das, oder glaube ich das? Warum
schreibe ich in so einem Falle nicht “Ich
glaube ….”, sondern einfach
den Behauptungssatzt?
| | |
| | | | | | Wir wissen, daß die Erde rund
ist. Wir haben uns endgültig davon überzeugt,
daß sie rund ist. Bei dieser Ansicht
werden wir verharren; es sei denn, daß sich unser ganzer
Natur[g|a]nschauung ändert.
“Wie weißt Du
das?” – Ich glaube
es.
| | |
| | | | | | Weitere
Versuche können die früheren nicht
lügenstrafen,
hochstens unsere ganze
Betrachtung ändern.
| | |
| | | | | | Äh⌊n⌋lich, der Satz “Das Wasser siedet bei 100˚
C.”.
| | |
| | | | | | So überzeugen wir uns,
das nennt man “mit Recht da[f|v]on
überzeugt sein”.
| | |
| | | | | | Hat man also nicht, in diesem Sinne,
einen Beweis des Satzes? Aber es ist kein
Beweis dafür daß dasselbe wiedergeschehen ist; aber
G wir sagen es gibt uns ein Recht dies anzunehmen.
| | |
| | | | | | Dies nennen wir
“Erfahrungsmäßige
Begründung unsrer Annahmen.”
| | |
| | | | | | Wir lernen eben nicht nur, daß
die & die Versuche so & so ausgegangen sind,
sondern auch den Schlußsatz. Und daran ist
natürlich nichts falsches.
Denn dieser Satz ist ein Instrument für
gewissen Zwecke bestimmten
Gebrauch.
| | |
| | | | | |
Wir sind dessen ganz sicher, heißt nicht nur, daß jeder
Einzelne dessen gewiß ist, sondern, daß wir zu einer
Gemeinschaft gehören, die durch die
Wissenschaft & Erziehung verbunden ist.
| | |
| | | | | | We are satisfied that the
earth is round.
| | |
| | | / | | | Denke, ein
Dichter sagte: “Wenn
dieser Charakter in meiner Tragödie fromm & gut
leben wird, so wird es ihm gut gehen, wenn wird
er sich aber versündigen, so wird er
umkommen.” | | |
| | | / | | |
10.3.51
… Damit ist der
Diebstahl, der von manche[n|m] Universitätslehrern
heute an meinen an meinen Einfällen heute von
manche[n|m] Universitätslehrern
// Das soll keineswegs die entschuldigen, die
mit meinen ungedruckten unveröffentlichten
Einfallen ihre Schriften schmücken.
// Einfällen begangen wird ˇdurchaus nicht
in keiner Weise entschuldigt.
⌊⌊⌊⌊Damit ist der Diebstahl derer nicht entschuldigt die
seit Jahren ihre Publikationen mit meinen unveröffentlichten
Einfällen schmücken.⌋⌋⌋⌋
Denn, wenn
⌊(⌋ich⌊)⌋ auch, das was sie
davontragen können, gering achte auch, das was
sie davontragen können, nicht wertvoll
ist, so halten sie selbst es doch für wertvoll, &
es ist auch wirklich besser, als was sie selbst erdenken
können.
| | |
| | | | | |
Nicht alle Korrekturen unsrer
sind stehen auf der
gleiche[n|r]
Stufe.
| | |
| | | | | |
Angenommen, es sei nicht wahr, daß die Erde schon ˇlange
vor meiner Geburt existiert
hat, wie hat man sich die Entdeckung dieses Fehlers
vorzustellen?
| | |
| | | | | |
Es ist nichts nutz zu sagen “Vielleicht irren wir
uns”, wenn, wenn keiner
Evidenz zu trauen ist, im Fall der gegenwärtigen Evidenz nicht zu
trauen ist.
| | |
| | | | | |
Wenn wir uns z.B. immer verrechnet haben
& 12 × 12 nicht 144 ist, warum sollten wir dann
irgendeiner andern Rechnung trauen? Und das ist
natürlich falsch ausgedrückt.
| | |
| | | | | | Aber auch ich
irre mich in dieser Formel des Einmaleins
nicht. Ich mag später einmal sagen, ich sei jetzt
verwirrt gewesen, aber nicht, ich hätte mich
geirrt.
| | |
| | | | | | Hier ist
wieder ein Schritt nötig ähnlich dem der
Relativitätstheorie.
| | |
| | | | | | “Ich
weiß nicht, ob das eine Hand ist …” Weißt Du aber was das Wort “Hand”
bedeutet? Und sag nicht “Ich weiß, was es jetzt für mich
bedeutet.”
| | |
| | | | | | Und ist das nicht eine
Erfahrungstatsache, daß dies Wort so
gebraucht wird?
| | |
| | | | | |
Und hier ist es nun sonderbar, daß, wenn ich auch des Gebrauchs
der Wörter ganz sicher bin, keinen Zweifel darüber
habe, ich doch keine Gründe für meine
Handlungsweise angeben kann. Versuchte ich's, so
könnte ich 1000 geben, aber keinen der so sicher wäre,
wie eben das, was sie B begründen
sollen.
| | |
| | | | | | ‘Wissen’
& ‘Sicherheit’
sind gehören
zu verschiedenen Kategorien. Es sind nicht
zwei ‘[s|S]ehlenzustade’ wie etwa ‘Vermuten’
& ‘Sichersein’. (Hier nehme ich an, daß es
für mich sinnvoll sei zu sagen “Ich weiß, was das Wort ‘Zweifel’
(z.B.) bedeutet & daß
dieser Satz dem Wort “Zweifel” eine
logische Rolle anweist.) Was mi uns nun
ineressiert ist nicht das Sichersein sondern das
Wissen. D.h., uns interessiert,
daß es über gewisse Erfahrungssätze keinen
Zweifel geben kann, wenn nicht ein
Urteilen überhaupt möglich sein soll. Oder
auch: Ich bin geneigt zu glauben, daß nicht alles, was
die Form eines Erfahrungssatzes hat, ein Erfahrungssatz
ist.
| | |
| | | | | | Ist es, daß
Regel & Erfahrungssatz in einander
übergehen?
| | |
| | | | | | Ein
Schüler & ein Lehrer. Der
Schülers läßt sicht nichts
erklären, denn er unterbricht (den Lehrer)
forwährend mit Zweifeln, z.B. an der Existenz
der Dinge, der Bedeutung der Wörter,
etc.. Der Lehrer sagt:
“Unterbrich nicht mehr
& tu' was ich Dir sage”.
Deine Zweifel haben ˇjetzt noch gar keinen
Sinn! ⌊.⌋”
| | |
| | | / | | | Oder denk Dir, der
Schüler bezweifelte die Geschichte (& alles was mit
ihr zusammenhängt), ja auch, ob die Erde vor 100 Jahren
überhaupt existriert habe.
| | |
| | | | | | Da ist es mir, als wäre dieser Zweifel
hohl. Aber ist
es dann nicht auch der Glaube an die Geschichte?
Nein; dieser hängt mit sovielem zusammen.
| | |
| | | | | |
So ist das also, was uns einen Satz glauben
macht? Nun, es hängt eben die Grammatik von
“glauben” mit der des geglaubten Satzes zusammen.
| | |
| | | | | | Denk Dir, der Schüler
fragte wirklich: “Und ist
ein Tisch auch da, wenn ich mich umdrehe”;
& auch wenn ihn niemand sieht?” Soll da der Lehrer ihn beruhigen? &
sagen “Freilich ist er
da!” – ?
Vielleicht wird der Lehrer ungeduldig werden⌊,⌋
sich aber sagen & sich denken der Schüler werde
sich solche Fragen schon abgewöhnen.
| | |
| | | | | | D.h., der Lehrer wird
empfinden, dies sei eigentlich keine berechtigte Frage.
Und gleichermaßen [W|w]enn der
Schüler die Gesetzlichkeit der Natur
also die Berechtigung zur Induction // zu Induktionsschlüssen //
anzweifelte. – Der Lehrer würde empfinden, daß
das ihn ˇ& den Schüler nur aufhält, daß er
dadurch im Lernen nur steckenbliebe & nicht
weiterkäme. – Und er hätte recht.
Es wäre ⌊(⌋beinahe⌊)⌋, als sollte
jemand nach einem Gegenstand Zimmer suchen; er öffnet eine Lade & sieht
ihn nicht darin; da schließt er sie wieder,
wartet⌊,⌋, & öffnet sie wieder um
zu sehen, ob er jetzt & nicht etwa darin sei, & so fährt er
fort.1 Er hat noch nicht suchen
gelernt. Und so hat jener Schüler noch nicht fragen
gelernt. Nicht das Spiel gelernt, das wir ihn
lehren wollen.
| | |
| | | | | |
Und ist es nicht dasselbe, wie wenn der Schüler den
Geschichtsunterricht ˇaufhielte durch Zweifel
darüber, ob die Erde wirklich …?
| | |
| | | | | | Dieser Zweifel gehört nicht zu den
Zweifeln
unsers Spiels. (Nicht aber, als ob wir uns
dieses Spiel | | |
| | | | | |
12.3.51.
‘Die Frage kommt
gar nicht auf.’
Ihre Antwort würde eine Methode
charakterisieren. Es ist aber keine scharfe Grenze zwischen
methodologischen Sätzen & Sätzen innerhalb
einer Methode.
| | |
| | | | | |
Aber man dann nicht
sagen, daß es keine Sch scharfe
Grenze gibt zwischen Sätzen der Logik &
Erfahrungssätzen? Die Unschärfe ist eben die
der Grenze zwischen
Regel & Erfahrungssatz.
| | |
| | | | | | Hier muß man, glaube ich, daran
denken, daß der Begriff ‘Satz’ selbst
nicht scharf ist.
| | |
| | | | | | Ich
sage doch: Jeder Erfahrungssatz kann umgewandelt werden in
ein Postulat, ⌊–⌋ & wird
dann eine Norm der Darstellung. Aber auch dagegen habe ich
ein Mißtraun. Der Satz ist zu allgemein.
Man mochte fast sagen “Jeder
Erfahrungssatz kann,
theoretisch, umgewandelt werden …”, aber was heißt hier “theoretisch”? Es klingt eben zu sehr nach der
Log. Phil. Abh..
| | |
| | | | | | Wie, wenn der Schüler
nicht glauben wollte, daß dieser Berg seit Menschengedenken
immerg dagestanden ?
Wir würden sagen, er habe ja gar keinen
Grund zu diesem Mißtrau[en|n].
| | |
| | | | | | Also muß
vernünftiges Mißtraun einen Grund haben?
Wir könnten
auch sagen: “Der
Ver[ü|n]ünftige glaubt
dies.”
| | |
| | | | | | Wir würden also den nicht
vernünftig nennen, der etwas, wissenschaftlicher Evidenz
zum Trotz, glaubt.
| | |
| | | | | |
Wenn wir sagen, wir wissen, daß …, so
meinen wir daß jeder Vernünftige in unsrer Lage es auch
wüßte, daß es Unvernunft wäre, es zu
bezweifeln. So will auch Moore ˇnicht nur sagen, er wisse,
daß er etc
etc, sondern
auch, daß jeder Vernunftbegabte in seiner Lage es ebenso
wüßte.
| | |
| | | | | |
Wer sagt uns aber, was in dieser Lage vernünftig ist
zu glauben?
| | |
| | | | | |
Man könnte also sagen: “Der vernünftige Mensch glaubt:
daß die Erde längst vor seiner Geburt existiert hat,
daß sein Leben sich auf der Erdoberfläche oder nicht weit von
ihr abgespielt hat, daß er z.B. nie auf dem
Mond war, daß er ein Nervensystem besitzt & verschiedene
Innereien wie alle oder die me andern Menschen etc
etc.
| | |
| | | | | | “Ich weiß es so, wie ich weiß,
daß ich auf einem Sessel sitze &
L.W.
heiße.”
| | |
| | | | | | ‘Wenn
er das bezweifelt , ⌊–⌋
was immer hier “bezweifeln”
heißt – dann wird er dieses Spiel nie
erlernen.’
| | |
| | | | | | Der Satz “Ich weiß …” drückt also hier die Bereitschaft aus, gewisse
Dinge zu glauben. | | |
| | | | | |
13.3.
Wenn wir überhaupt auf den Glauben hinauf mit
sicherheit handeln, sollen wir uns dann wundern,
daß wir an Vielem nicht zweifeln können?
| | |
| | | | | | Denke Dir, jemand würde,
ohne philosophieren zu wollen, sagen: “Ich weiß nicht, ob ich je auf dem Mond
gewesen bin; ich erinnere mich nicht, jemals dort gewesen zu
sein.” (Warum wäre
dieser Mensch von uns so grundverschieden?) Vor
allem: Wie wüßte er denn, daß er auf dem Mond
ist? wie stellt er sich das vor.
Vergleiche: “Ich
nicht, ob ich
ˇje im Dorfe X war.” Aber ich könnte auch das nicht sagen, wenn
X in der Türkei läge, denn ich weiß
daß ich nie in der Türkei war.
| | |
| | | | | | Ich frage jemand:
“Warst Du jemals in
China?” Er
antwortet: “Ich weiß
nicht.” Da würde man
doch sagen: “Du
weißt es nicht? Hast Du irgend einen Grund
zu glauben, Du wärest vielleicht
einmal dort gewesen? Warst Du z.B.
einmal in der Nähe der Chinesischen
Grenze? oder waren Deine Eltern dort zur Zeit da Du geboren
wurdest?” –
Normalerweise weiß man wissen Europäer doch,
ob sie in China waren oder nicht.
| | |
| | | | | |
D.h., : der
Vernünftige zweifelt daran nur unter den & den
Umständen.
| | |
| | | | | |
Das Verfahren in einem Gerichtssaal ist
ˇberuht darauf basiert gegründet, daß Umstände Aussagen eine
gewisse Wahr-scheinlichkeit einen gewissen
Wahr-scheinlichkeitswert geben. Die Aussage
ˇ⌊,⌋ daß
jemand ⌊sei⌋ keine ohne Eltern auf die Welt gekommen
ist sei, würde dort nie in Betracht
gezogen. // in Erwägung gezogen
werden // .
| | |
| | | | | | Aber was Menschen vernünftig oder
unvernünftig erscheint, ändert sich. Zu
gewissen Zeiten scheint Menschen etwas vernünftig, was
ihnen zu andern Zeiten unvernünftig schien.
U.u..
Aber gibt es hier nicht ein objektives
Merkmahl? Sehr
gescheite & gebildete Leute glauben an die
Schöpfungsgeschichte der Bibel
& andere halten sie für erwiesenermaßen falsch,
& diesen Gründe sind jenen bekannt.
| | |
| | | | | | Man kann nicht
experimentieren wenn man nicht manches nicht
bezweifelt. Das
heißt aber nicht, daß man dann gewisse
Voraussetzungen auf guten Glauben hinnimmt.
Wenn ich einen Brief schreibe & aufgebe, so nehme ich an
daß er ankommen wird, . Wenn ich
experimentiere so zweifle ich nicht an der Existenz des Apparates den ich vor den Augen
habe. Ich habe eine Menge Zweifel, aber nicht
den. Wenn ich eine Rechnung mache, so
glaube ich, ohne Zweifel, daß sich die Ziffern auf dem Papier nicht
von selbst vertauschen, auch ˇvertraue ich fortwährend meinem
Gedächtnis & vertraue ihm unbedingt.
Es ist hier dieselbe Sicherheit wie, daß ich auf dem Mond war.
| | |
| | | | | |
Denken wir uns aber Leute die dieser Sachen nie ganz sicher wären, aber wohl sagten, es sei
sehr wahrscheinlich so & es lohne sich nicht daran
zu zweifeln. So einer würde also, wenn er in
meiner Lage wäre sagen: “Es ist höchst unwahrscheinlich,
daß ich je auf dem Mond war”, etc,
etc.. Wie würde
sich das Leben dieser Leute von unserem unterscheiden?
Nicht vielleicht nur Es gibt ja Leute, die sagen,
es sei nur uhöchst unwahrscheinlich, daß das
Wasser im Kessel, der über'm Feuer steht, kochen & nicht gefrieren wird, es sei
⌊(⌋also⌊)⌋ strenggenommen was wir
⌊(⌋als⌊)⌋ unmöglich ansehen
nennen nur unwahrscheinlich. Welchen
Unterschied macht dies in ihrem Leben?
Ist es nicht nur, daß sie ˇüber gewisse Dinge etwas
mehr reden, als die [a|A]ndern⌊?⌋
Menschen?
| | |
| | | | | | Den[t|k] Dir einen Menschen der
seinen Freund vom Bahnhof abholen soll, & nun nicht einfach im
Fahrplan nachsieht & zur gewissen
Zeit auf den Bahnhof geht, sondern er
sagt: “Ich glaube
nicht daß der Zug wirklich ankommen wird, aber ich werde
dennoch Bahn
gehen.” Er tut
alles was der gewöhnliche Mensch tut, begleitet es aber
mit Zweifeln oder Unwillen über sich selbst,
etc..
| | |
| | | | | | Mit derselben Gewißheit mit der wir
irgend einen mathematischen Satz glauben, wissen wir auch,
wie die Buchstaben “A”
& “B” auszusprechen sind, wie die Farbe des menschlichen Bluts
heißt, daß
viele andre Menschen Blut haben & es
“Blut”
nennen.
| | |
| | | ?/ | | |
D.h., die Fragen, die wir
Stellen & unsre Zweifel
beruhen auf der Gewißheit //
Zweifelsfreiheit // Sicherheit | mit der wir
derjenigen Annahmen, die gleichsam die Angeln sind, in denen
jene sich drehen. // beruhen darauf, daß
gewisse Sätze vom Zweifel ausgenommen sind, gleichsam die
Angeln, in welchen jene sich bewegen. //
| | |
| | | | | |
D.h., es gehört zur Logik unsrer
Wissenschaftlichen Untersuchungen, das
Gewisses in der Tat nicht ange⌊z⌋weifelt
wird.
| | |
| | | | | | Es ist aber damit
nicht so, daß wir ˇeben nicht allesc
untersuchen können: und uns
daher notgedrungen mit der Annahme zufriedenstellen
müssen. Wenn ich will, daß die Türe sich
drehe, müssen die Angeln feststehen.
| | |
| | | | | | Mein Leben besteht darin,
daß ich mich mit manchem zufriedengebe.
| | |
| | | | | | Wenn ich
frage “Welche Farbe siehst Du
”, um ˇnämlich zu erfahren, welche Farbe jetzt
dort ist, so kann ich nicht zu gleicher Zeit auch bezweifeln, ob der
Angeredete Deutsch versteht, ob er mich hintergehen will, ob
mein eigenes Gedächtnis die Bedeutung der Farbnamen
betreffend mich nicht im Stich läßt, etc.
| | |
| | | | | | Wenn ich Einen im Schach matt
zu setzen suche, muß ich
kann ich nicht zweif[le|eln] ich nicht, ob die Figuren nicht
von selbst
ihre Stellungen wechseln &
ˇzugleich mein Gedächtnis mir
zugleich einen Streich
spielt, daß ich's nicht merke. | | |
| | | | | |
15.3.51
“I know that
that's a tree.”
Warum kommt mir vor, ich verstünde den Satz
nicht[,|?] doch ein einfacher
[&|S]atz, ˇvon der aller
gewöhnlichsten Art ist? Es ist als könnte
ich nicht auf ˇirgend eine
Bedeutung einstellen. Weil ich nämlich die
Einstellung ˇnicht in einer
Region dem Bereiche suche, wo sie nicht ist.c Sowie ich ˇaus der philosophischen an
alltägliche Anwendung
die des Satzes denke, wird sein
Sinn klar & gewöhnlich.
| | |
| | | | | | So wie die Worte “Ich bin hier” nur in gewissen
Sinn
haben, nicht aber, wenn ich sie Einem sage, der mir
gegenüber sitzt & mich klar sieht, – & zwar
nicht darum, weil sie dann eine
Selbstverständlichkeit überflüssig
sind, sondern, weil sie ihr Sinn durch die Situation nicht bestimmt ist, aber so
eine Bestimmung braucht.
| | |
| | | | | |
“Ich weiß, daß das
ein Baum ist” – dies kann alles
mögliche bedeuten: Ich schaue auf eine Pflanze, die
ich für eine junge Buche, der Andre für eine
Ribiselpflanze halte. Er sagt, “Das ist ein Strauch”, ich, es sei ein Baum. – Wir sehen im Nebel
etwas, was einer von uns für einen Menschen hält, der Andre
sagt “Ich weiß, daß das
ein Baum ist”. Jemand will
meine Augen prüfen etc
etc. – etc
etc. Jedesmal ist das “das”, was ich
für einen Baum erkläre, von andrer Art.
Wie aber wenn wir uns eben bestimmter
ausdrückten? also
z.B.: “Ich weiß, daß das ˇdort ein
Baum ist, ich sehe es klar genug.” – Nehmen wir sogar an, ich hätte
i[n|m] ˇZusammenhang eine[m|s]
Gespräch⌊s⌋ diese Bemerkung
gemacht (die also damals relevant war); & nun,
außer allem Zusammenhang, wiederhole ich sie, indem ich
auf den Baum hinansehe, &
ich setze hinzu, “Ich
meine diese Worte
so|wie vor 5
Minuten. –
Wenn ich z.B. dazu sagte, ich hätte
wieder ein an meine schlechten Augen gedacht
& es sei eine Art Seufzen gewesen, so wäre nichts
Rätselhaftes an
[A|Ä][ü|u]ßerung.
Wie der Satz gemeint , kann ja immer durch eine Ergänzung des
Satzes Worte oder
Gebärden Symbole | ausgedrückt werden & läßt sich
also mit vereinigen.
| | |
| | | | | | “Ich weiß, daß das ein Baum
ist” sagt ein Philosoph etwa, um
sich selbst oder einem Andern vor Augen zu führen, er wisse etwas, was keine
mathematische oder logische Wahrheit sei. Ähnlich
könnte jemand, der mit dem Gedanken umgeht, er sei zu
nichts mehr zu brauchen, sich immer wieder sagen “Ich kann noch immer das & das
tun”. Gingen solche
Gedanken öfter in seinem Kopf herum, so würde man sich
nicht darüber wundern, wenn er, scheinbar außer allem
Zusammenhang, so einen Satz vor sich hinspräche.
(Ich habe aber mir bereits einen
Hintergrund, eine Umgebung für diese
Äußerungen eingezeichnet, ihnen also einen
Zusammenhang gegeben. Wenn Einer
dagegen, unter ganz heterogenen Umständen, mit der
überzeugendsten Mimik ausriefe “Nieder mit ihm!”, so könnte man von diesen Worten (& ihrem
Tone) sagen, sie seien eine Figur, die allerdings
wohlbekannte Anwendungen habe, hier aber sei es nicht einmal
klar, welche Sprache der Betreffende rede. Ich
könnte mit meiner Hand die Bewegung machen die zu machen wäre wenn ich
einen Fuchsschwanz in der Hand hätte & ein Brett
durchsägte; aber hätte man ein Recht diese Bewegung
außer allem Zusammenhang ein Sägen zu
nennen. (Sie könnte d ja auch
etwas ganz anderes sein!)
| | |
| | | | | |
Ist nicht die Frage “Haben diese Worte
Sinn” ähnlich der: “Ist dies das ein Werkzeug”, indem man,
sagen wir, einen Hammer herzeigt.
Ich sage “Ja, das
ist ein Hammer”. Aber wie
wenn das, was jeder von uns für einen Hammer hielte, wo
anders z.B. ein Wurfgeschoß, oder
Dirigentenstock wäre. Mache die Anwendung
ˇnun selbst!
| | |
| | | | | |
Sagt nun jemand “Ich
weiß, daß das ein Baum ist”, so
kann ich antworten: “Ja, das ist ein Satz⌊.⌋, [e|E]in deutscher
Satz.” Und was soll's
damit.” er nun antwortet: “Ich wollte mich nur daran erinnern,
daß ich
soetwas
weiß”?
– – –
| | |
| | | | | | Wie aber, wenn er
sagte: “Ich will eine
logische Bemerkung machen? – – – Wenn der Förster
mit seinen Arbeitern in den Wald geht & nun sagt “Dieser Baum ist umzuhauen,
& dieser &
dieser” – – – wie, wenn
er da sagt ˇdie Bemerkung macht
“Ich weiß, daß
das ein Baum ist”? –
Könnte aber nicht ich vom Förster sagen “Er weiß, daß das ein Baum
ist; er untersucht es nicht, seinen Leuten nicht es zu
untersuchen.”?
| | |
| | | | | | Zweifelndes
& Nichtzweifelndes Benehmen. Es gibt das
erste nur, wenn es das Zweite gibt.
| | |
| | | | | | Der Irrenarzt etwa könnte mich
fragen “Weißt Du, was das
ist”, & ich antworten:
““ich weiß,
daß das ein Sessel ist; ich kenne ihn, er ist immer schon in meinem
Zimmer gestanden.” Er
prüft da vielleicht nicht meine Augen, sondern mein
Vermögen, Dinge wiederzuerkennen, ihren Namen
& ihre Funktion zu .
Es handelt sich da um ein
Sich-auskennen.
Es wäre nun für mich falsch zu sagen
“Ich glaube, daß das ein
Sessel ist”, weil dadurch die
Bereitschaft zur Prüfung
ausgesprochen // ausgedrückt
// wäre. Während “Ich weiß, daß das
…” impliziert, daß
Verblüffung einträte, wenn die
erwarteten Folgen Bestätigung nicht
einträten.
| | |
| | | | | |
Mein ‘Seelenzustand⌊’⌋⌊,⌋
d[es|as] ⌊“⌋Wissens” steht mir
nicht gut für das, was geschehen wird. Er besteht aber
darin, daß ich nicht verstünde, wo ein Zweifel
ansetzen könnte, wo eine Überprüfung möglich
wäre. zu machen wäre. |
| | |
| | | | | | Man könnte sagen: “Ich weiß drückt die
beruhigte Sicherheit aus, nicht die noch
kämpfende.”
| | |
| | | | | | Ich möchte nun diese
Sicherheit nicht als etwas der Vorschnellheit ˇoder
Oberflächlichkeit verwandtes ansehen,
sondern als ⌊(⌋eine⌊)⌋ Lebensform.
(Das ist sehr schlecht ausgedrückt &
schlecht wohl
auch gedacht.)
| | |
| | | | | | Das heißt
doch, ich will sie als etwas auffassen, was jenseits von
berechtigt & unberechtigt liegt; also gleichsam als
etwas .
| | |
| | | | | | ∣
Gott kann mir sagen:
“Ich richte Dich aus Deinem
eigenen Munde. ∣ Du hast Dich vor Ekel vor
Deinen eigenen Handlungen geschüttelt, wenn Du
sie an Andern gesehen hast.” ∣
| | |
| | | | | | Ich
weiß, daß dies mein Fuß ist. Ich
könnte keine Erfahrung als Beweis des
Gegenteils anerkennen. – Das kann ein Ausruf sein;
aber was folgt daraus? Jedenfalls, daß
ich mit unbedingter Sicherheit dem Gewußten
gemäß handeln werde // mit einer
Sicherheit, die den Zweifel nicht kennt, meinem Glauben gemäß
handeln ˇwerde //
| | |
| | | | | | Ich könnte aber auch
sagen, es: Es ist mir von Gott
geoffenbart, daß das so ist.
Gott hat mich gelehrt, daß
das mein Fuß ist. Und geschähe also etwas, was dieser Erkenntnis zu
widerstreiten , so
müßte ich das als Trug ansehen.
| | |
| | | | | | Aber zeigt sich hier nicht, daß
das Wissen mit einer Entscheidung verwandt ist?
| | |
| | | | | | Und es ist hier schwer den
Übergang von dem, was man ausrufen möchte, zu den
praktischen Folgen zu finden. // zu den Folgen in
der Handlungsweise zu finden. //
| | |
| | | | | | Man
könnte auch so fragen: “Wenn Du weißt, daß das Dein Fuß
ist, – weißt Du da auch, da oder
glaubst Du nur, daß keine zukünftige Erfahrung
Deinem Wissen widersprechen zu scheinen
wird?”
(d.h., daß sie Dir selbst
ˇnicht so scheinen wird?)
| | |
| | | | | | Wenn nun Einer antwortete:
“Ich weiß auch, daß es
mir nie so scheinen wird, als widerspräche etwas jener
Erkenntnis”, – was können wir
daraus entnehmen? als daß er selbst nicht zweifelte es werde das
nie geschehen. –
| | |
| | | | | | Wie wenn es verboten wäre zu sagen
“Ich weiß” & erlaubt nur zu sagen “Ich glaube zu
wissen”?
| | |
| | | | | | Ist nicht der Zweck, ein Wort
wie “wissen” mit “glauben” zu
, daß dann der
Aussage “Ich
weiß” ein Opprobrium
anhaftet, wenn, sagt, sich geirrt
hat. Ein Irrtum wird da-durch zu etwas Unerlaubtem.
| | |
| | | | | | Wenn Einer sagt, er werde keine Erfahrung als
Beweis des Gegenteils anerkennen, so ist das doch eine
Entscheidung. Es ist möglich daß er ihr
zuwider handeln wird. | | |
| | | | | |
16.3.51.
Wenn ich zweifeln wollte, daß dies meine Hand ist, wie
könnte ich nicht // wie könnte ich da umhin zu //
zweifeln, daß ich das Wort “Hand” irgend eine
Bedeutung hat? Das scheine ich also doch zu wissen.
| | |
| | | | | | Richtiger aber: Daß ich
ohne [s|S]krupel das Wort “Hand” &
alle übrigen Wörter meines Satzes gebrauche, ja daß
ich vor dem Nichts stünde, ich auch nur versuchen wollte zu zweifeln, –
zeigt mir ⌊(⌋schon⌊)⌋, daß
das Fehlen die Abwesenheit | der
Zweifel // daß die
Zweifellosigkeit // die Basis
zum Wesen des Sprachspiels ist gehört, daß die Frage “Wie weiß ich …” das Sprachspiel hinauszieht, oder aufhebt.
| | |
| | | | | | Heißt nicht
“Ich weiß, daß das eine
Hand ist” ˇin
Moores Sinn das
Gleiche ˇoder etwas ähnliches wie: ich könne
z.B. sagen Sätze
gebrauchen Aussagen wie
“Ich habe Schmerzen in dieser
Hand”, oder “Diese Hand ist schwächer nicht so stark
wie | die
andre”,
[etc.,| oder]
“[i|I]ch habe mir
einmal diese Hand gebrochen”,
etc.⌊,⌋ // , &
unzählige andere, // – – –
| | |
| | | | | | ∣ Das entschuldigt die
Unredlichkeit derer nicht, die ihren Veröffentlichungen
durch meine von mir unveröffentlichten
nicht Einfälle (Beispiele,
Methoden) ein Ansehen verschaffen. Denn wenn auch, was sie
davontragen können, … ∣
| | |
| | | | | |
// [I|i]ch könne Aussagen
wie: … in Sprachspielen gebrauchen, in
ein Zweifel an der Existenz
dieser Hand nicht eintritt.
| | |
| | | | | | Nur in gewissen Fällen ist eine
Untersuchung “Ist das wirklich
eine Hand?” (oder “meine Hand”)
möglich. Denn der Satz “Ich zweifle daran, ob das wirklich meine
(oder eine) Hand ist” hat
ohne nähere Bestimmung noch
keinen Sinn. Es ist aus diesen Worten allein noch
ˇgar nicht ob überhaupt
& was für ein was für ein | Zweifel gemeint ist.
| | |
| | | | | | Warum soll es möglich
sein, einen Grund zum Glauben zu haben, wenn es nicht
möglich ist sicher zu sein?
| | |
| | | | | | Wir lehren das Kind “Das ist Deine Hand”, nicht “Das ist
vielleicht [oder “wahrscheinlich”] Deine Hand”.
So lernt das Kind die U unzähligen
Sprach-spiele, die sich mit seiner Hand
beschäftigen. Eine Untersuchung oder Frage,
‘ob dies wirklich eine Hand
’ kommt ihm
im gar nicht unter. Anderseits lernt es
auch nicht: es wisse, daß dies Hand .
| | |
| | | | | | Man muß hier einsehen,
daß die vollkommene Zweifellosigkeit in einem
Punkt, sogar , wie wir sagen
würden, ‘berechtigte’
Zweifel bestehen können, ein Sprachspiel nicht
falsifizieren muß. Es gibt eben
auch so etwas wie eine andere Arithmetik.
Dieses Eingeständnis, muß, glaube ich, am
Grunde alles Verständnisses der Logik liegen. | | |
| | | | | |
17.3.
Ich kann mich mit Leidenschaft dafür erklären,
daß ich weiß, daß
dasˇ(z.B.) mein Fuß ist.
| | |
| | | | | | Aber diese Leidenschaft
ist doch etwas (sehr) seltenes & es ist von ihr keine
Spur, wenn ich für ˇmich gewöhnlich auf
von diese[n|m] Fuß beziehe. rede.
| | |
| | | | | |
Das Wissen gründet sich am Schluß auf der
Anerkennung.
| | |
| | | | | | Ich sage
mit Leidenschaft “Ich
weiß, daß das ein Fuß ist” – aber was bedeutet es?
| | |
| | | | | | Ich könnte
fortfahren: “Nichts
auf der Welt wird mich vom Gegenteil
überzeugen!”
Das Faktum ist für mich am Grunde
aller Erkenntnis. Ich werde anderes aufgeben, aber nicht
das.
| | |
| | | | | | Dieses “Nichts auf der Welt
…” ist offenbar eine
,
which one hasn't to everything one
believes on ,
is ‘certain’ of die man ˇnicht gegenüber
hat, was man glaubt, oder
dessen man ‘sicher
ist’. //
die man nicht alledem gegenüber hat, was man glaubt, oder dessen
man sicher ist. //
| | |
| | | | | | Es ist damit nicht gesagt, daß
wirklichc nichts auf der Welt im Stande sein wird,
mich überzeugen. // wird, meine Einstellung zu
ändern. //
| | |
| | | / | | | Das Argument “Vielleicht
ich” ist darum sinnlos, weil dann eben
auch diese Äußerung geträumt ist, ja auch
das, daß diese wieder Worte eine
Bedeutung haben.
| | |
| | | | | |
Welcher Art ist nun der Satz “Nichts auf der Welt
…”?
| | |
| | | | | | Er hat die Form einer Vorhersage, ist aber (natürlich) nicht eine, die auf
Erfahrung beruht // begründet ist // . // ist aber
natürlich nicht gegründet auf Erfahrung.
//
| | |
| | | | | | ∣ Ist
der Sinn des Glaubens an den Teufel der, daß nicht alles, was als
eine Eingebung zu uns kommt,
ist? ∣
| | |
| | | | | | Wer, wie Moore, sagt, er wisse, daß …
– gibt den Grad der Gewißheit an, den etwas für ihn
hat. Und es ist wichtig, daß es für diesen
Grad ein Maximum gibt. // für
ihn einen höchsten
Wert gibt. //
| | |
| | | | | | Man könnte mich fragen: “Wie sicher bist
Du, : daß das dort ein Baum ist; daß
Du Geld in der Tasche hast; daß das Dein Fuß
ist?” Und die Antwort
könnte in einem Fall sein “nicht
sicher”, in einem andern “so gut wie sicher”, im dritten “Ich
kann nicht zweifeln”. Und
ich müßte diese Antworten hätten Sinn
auch ohne alle Gründe. Ich
brauchte z.B. nicht sagen: “Ich kann nicht ˇganz sicher
sein, ob das ein Baum ist, weil meine Augen nicht scharf genug
sind.” Das
heißt Ich will sagen:
“ es hatte Sinn für Moore zu sagen “Ich weiß, daß das ein Baum
ist” [– – –| wenn er]
⌊damit⌋ etwas ganz bestimmtes sagen
wollte.
| | |
| | | | | | ∣ Ich glaube einen
Philosophen, einen der selbst denken kann, könnte es
interessieren meine Noten zu lesen. Denn wenn ich
auch nur selten in's Schwarze getroffen habe, so würde er doch erkennen,
nach welchen
Zielen auf welche Scheiben | ich geschossen
habe. ∣
| | |
| | | | | |
Aber das wußten wir ja ohnehin Jeder
von uns gebraucht oft einen solchen Satz & es ist nicht
fraglich die Frageˇfraglich | , ob er Sinn hat. Läßt
er sich ˇdamit aber auch so sagen, daß er
uns einen philosophische[n|r] Aufschluß
g[i|e]b[t|en]? Ist es mehr ein Beweis der Existenz
der äußern Dinge, daß ich weiß, daß das eine Hand ist, als daß ich weiß
nicht weiß, ob das ist? | | |
| | | | | |
18.3.
M. wollte ein Beispiel ˇdafür geben, daß
man Sätze über physikalische Gegenstände wirklich
wissen könne. – Wenn es streitig wäre ob man
ein
der & der bestimmten Stelle des Körpers Schmerzen haben
kann, dann könnte Einer, der gerade dort Schmerzen hat,
sagen: “Ich versichere
Dich, ich habe jetzt da Schmerzen”. Es klänge aber seltsam, wenn M. gesagt
hätte: “Ich
versichere Dich, ich weiß, daß das ein Baum
ist”. Es handelt
sich hat eben ˇhier nicht um für uns Interesse.
| | |
| | | | | | Wichtig ist es nur, daß es
Sinnc hat zu sagen, man wisse so etwas; & dann
kann die Versicherung, man wisse es, hier nichts
ausrichten.
| | |
| | | | | | Denk Dir
ein Sprachspiel “Wenn ich
Dich rufe, komm zur Tür
herein”. In allen
gewöhnlichen Fällen wird ein Zweifel, ob wirklich eine
Tür , unmöglich
sein.
| | |
| | | | | | Was ich zeigen muß,
ist, daß ein Zweifel nicht notwendig ist, auch wenn er möglich
ist. Daß die möglichkeit des
Sprachspiels nicht davon abhängt, daß alles bezweifelt werde,
was bezweifelt werden kann. (Das hängt mit der
Rolle des Widerspruchs in der Mathematik zusam-men.)
| | |
| | | | | | Der Satz “Ich weiß, daß das ein Baum
ist” könnte, wenn er
außerhalb seines Sprachspiels gesagt wird, auchc
ein Zitat (etwa aus einer deutschen Sprachlehre
ˇetwa sein. –
“Aber wenn ich ihn nun
meine, während ich ihn
spreche?” Hier
ist [d|D]as alte
mißverständnis,
“[M|m]einen” betreffend.
| | |
| | | | | |
“Dies gehört zu den Dingen,
an denen ich nicht
zweifeln kann.”
| | |
| | | | | | “Ich
weiß das alles.” Und das
wird sich darin zeigen, wie ich handle &
über die Dinge spreche.
| | |
| | | | | | Im Sprachspiel “2”,
kann er sagen, er wisse, daß, das Bausteine sind?
– “Nein, aber er
weiß es.”
| | |
| | | | | | Habe ich mich nicht geirrt
& hat nicht Moore vollkommen recht? Habe ich nicht den
elementaren Fehler gemacht, ⌊,⌋ zu
verwechseln,⌊,⌋ was man denkt,
mit dem, was man
weiß? Freilich denke ich nicht “Die Erde hat einige Zeit vor meiner Geburt
schon existiert”, aber
weiß ich's drum nicht? Zeige ich nicht,
daß ich's weiß, indem ich immer die Konsequenzen
draus ziehe.
| | |
| | | | | | Weiß
ich nicht auch, daß von diesem Haus keine Stiege 6 Stock tief in
die Erde führt, obgleich ich noch nie dran gedacht
habe?
| | |
| | | | | | Aber
zeigt, daß ich die Konsequenzen draus
ziehe, nicht nur, daß ich diese Hypothese annehme? | | |
| | | | | |
19.3.
Ich bin hier geneigt, gegen Windmühlen zu kämpfen, weil
ich das noch nicht sagen kann, was ich eigentlich sagen will.
| | |
| | | | | | Ich will sagen:
Sätze von der Form der Erfahrungssätze ˇ&
nicht nur Sätze der Logik gehören
zum Fundament alles Operierens mit Gedanken (mit der
Sprache). – Diese Feststellung ist
nicht von der Form “Ich weiß, …”. “Ich
weiß, …” sagt aus, was ich weiß,
& das ist nicht von logischem Interesse.
| | |
| | | | | | In dieser Bemerkung ist schon
der Ausdruck “Sätze von der Form der
Erfahrungssätze” ganz
schlecht; es handelt sich um Sätze // Aussagen über physikalische // materielle //
Gegenstände. Und sie dienen nicht als Fundamente wie
Hypothesen, die, wenn sie sich als falsch erweisen, durch andere
ersetzt werden.
| | |
| | | | | | … und schreib getrost
“Im Anfang war die
Tat.”
| | |
| | | | | | Vom Menschen, in
M.'s [s|S]inne zu sagen, er wisse
etwas; was er sage, sei also unbedingt die Wahrheit, scheint mir
falsch. – Es ist die Wahrheit nur insofern, als
es eine Unwankende Grundlage
seiner Sprachspiele ist.
| | |
| | | | | |
Ich will sagen: “Es ist nicht so,
daß der Mensch in gewissen Punkten mit vollkommener
Sicherheit die Wahrheit
weiß. Sondern die Die vollkommene
Sicherheit bezieht sich nur auf seine
Einstellungc.
| | |
| | | | | | Aber auch hier ist
natürlich noch ein Fehler.
| | |
| | | | | | Das, worauf ich abziele, liegt
auch in dem Unterschied zwischen der beiläufigen
Feststellung “Ich weiß,
daß das …”, wie sie im
gewöhnlichen Leben gebraucht wird, & dieser
Äußerung, wenn der Philosoph sie
macht.
| | |
| | | | | | Dennn
wenn M. sagt “Ich
weiß, daß das … ist”,
möchte ich antworten: “Du weißt gar
nichts!” – Und
doch würde ich das nicht dem alltäglichen Gebrauch
dieser Worte antworten. Ich fühle also (ob mit
Recht?), daß diese zwei [v|V]erschiedenes
sagen wollen. // Und doch
würde ich das dem nicht antworten, der diese
Worte ohne philosophische Absicht so spricht.
//
| | |
| | | | | | Denn sagt Einer, er wisse
das & das, & es ist es //
das // gehört zu seiner
Philosophie, ⌊–⌋ so ist sie falsch, wenn er
sich in jener Aussage irrt fehl gegangen ist.
| | |
| | | | | |
Wenn ich sage “Ich weiß,
daß das ein Fuß ist” – was
sage ich eigentlich? Ist nicht der ganze Witz,
daß ich der Konsequenzen sicher bin, daß, wenn ein
Andrer gezweifelt hätte, ich ihm sagen könnte
“Siehst Du, ich hab Dir's
gesagt”? Wäre mein Wissen noch etwas wert, wenn
es als Richtschnur des Handeˇnls
versagte? Und kann es nicht
versagen? | | |
| | | / | | |
20.3.
Unser Wissen bildet ein großes System. Und nur in
diesem System hat das Einzelne den Wert, den wir ihm
beilegen.
| | |
| | | | | | Wenn
ich sage “Wir nehmen
an, das die Erde vor schon
viele Jahre existiert habe”
(oder dergl.), so klingt es freilich sonderbar,
daß wir soetwas annehmen
sollten. Aber im ganzen System unsrer Sprachspiele
gehört es zum Fundament. Die Annahme, kann man sagen,
bildet die Grundlage des Handelns, & also natürlich
auch des Denkens.
| | |
| | | | | |
Wer nicht im Stande ist, sich einen Fall vorzustellen, in dem man
sagen könnte “Ich weiß,
daß das meine Hand ist”
(& solche Fälle sind ja selten), der könnte
sagen diese
Worte wären Unsinn. denn der Satz
“Das ist meine Hand Er könnte freilich
auch sagen: “Freilich
weiß ich's, wie könnte ich's nicht
wissen?” – aber da
würde er vielleicht den Satz “Das ist meine Hand” als Erklärung der Worte “meine Hand”
verstehen.
| | |
| | | | | | Denn nimm an
Du führtest einem Blinden die Hand & sagtest, indem Du
sie Deiner Hand entlang führst “Das ist meine Hand”; – wenn er Dich nun fragte “Bist Du sicher?”, oder
“Weißt Du
das?”, so würde das nur
unter sehr besondern Umständen Sinn haben.
| | |
| | | | | | Aber anderseits: Woher
weiß ich, daß das meine Hand ist? Ja,
weiß ich auch nur genau was es bedeutet zu sagen, es sei
meine Hand? – Wenn ich sage “Woher weiß
ich's?” so
[b|m]eine ich nicht, daß ich im mindesten
daran zweifle. Es ist hier eine
Grundlage meines ganzen
Handelns. Aber mir scheint, sie ist falsch ausgedrückt
durch die Worte “Ich
weiß …”
| | |
| | | | | | Ja, ist nicht der Gebrauch des
Wortes Wissens, als eines ausgezeichneten
philosophischen Worts, überhaupt ganz falsch?
Wenn “wissen” dieses Interesse hat, warum nicht “sicher sein”? Offenbar, weil es zu subjektiv
wäre. Aber ist wissen nicht ebenso
subjektiv? Ist man nicht nur durch die grammatische
Eigentümlichkeit getäuscht daß aus “ich weiß p” “p”
folgt? “Ich glaube es zu wissen” müßte keinen mindern Grad der Gewißheit
ausdrücken. – Ja, aber man will nicht
subjektive Sicherheit ausdrücken, auch nicht die
größte, sondern dies, daß gewisse Sätze am
Grunde aller Fragen & alles Denkens zu liegen
scheinen
| | |
| | | | | | Ist
nun so ein Satz
z.B., daß ich in diesem Zimmer wochenlang
gelebt habe, daß mich mein Gedächtnis darin nicht
täuscht? – “certain beyond all reasonable
doubt” – | | |
| | | | | |
21.3.
“Ich weiß, daß ich im
letzten Monat täglich gebadet habe.” Woran erinnere ich mich? An jeden Tag
& das Bad an jedem Morgen? Nein. Ich
weiß, daß ich jeden Tag gebadet habe & ich
entnehme das nicht aus einem andern unmittelbaren Datum.
Ähn-lich sage ich “Ich
habe einen Stich im Arm empfunden, ohne daß diese
Lokalität mir auf eine andre Weise (durch ein Bild etwa)
zum Bewußtsein käme.
| | |
| | | | | | Ist mein
Verständnis nur Blindheit gegen mein eigenes
Unverständnis? Oft scheint es mir
so.
| | |
| | | | | | Wenn ich sage
“Ich war nie in
Kleinasien”,
woher kommt mir dieses Wissen? Ich habe es nicht
berechnet, nie-mand hat es
mir gesagt; mein Gedächtnis sagt es mir. – So
kann ich mich also darin nicht irren? Ist hier eine
Wahrheit, die ich weiß? – Ich kann von
diese[r|m] Feststellungc
Urteil nicht abgehen, ohne alle andern Urteile
mitzureißßen.
| | |
| | | | | | Auch ein Satz wie der, daß ich jetzt in
England lebe, hat diese zwei Seiten: Ein
Irrtum ist er nicht – aber anderseits: was
weiß ich von England? kann ich nicht ganz in meinen Urteilen
fehl gehen? Wäre es nicht
möglich, daß Menschen zu mir in's Zimmer kämen die
Alle das Gegenteil aussagten, ja, mir ‘Beweise’
dafür gäben, so daß ich plötzlich wie ein
Wahnsinniger unter lauter Normalen, oder ein Normaler unter
Verrückten allein dastünde.
Könnten mir da nicht Zweifel an dem
kommen. // Könnten mir da nicht
Zweifel an dem kommen was mir
jetzt das Unzweifelhafteste ist?
| | |
| | | | | |
Ich bin in England – Alles um mich
herum sagt es mir; sowie ich meine Gedanken schweifen lasse,
& wohin immer, so bestätigen sie mir's.
– Könnte ich aber nicht irrewerden, wenn Dinge geschähen, die ich mir jetzt nicht
träumen lasse?
| | |
| | | | | | Ich will also etwas sagen, was wie
Pragmatismus klingt. Mir kommt hier
eine Art Weltanschauung in die Quere.
| | |
| | | | | | Warum sag ich also mit
M. nicht einfach “Ich weiß, daß ich in
England bin”?
Dies zu sagen, hat unter bestimmten Umständen,
◇ die ich mir vorstellen kann, Sinn. Wenn
ich aber, nicht in diesen Umständen, den Satz ausspreche als Beispiel dafür um
zu zeigen | , daß
Sätze ˇWahrheiten dieser Art
ˇvon mir ˇmit
[g|G]ewiß⌊hei⌋[s|t]ind zu erkennen
sind, dann wird er mir
sofort verdächtig. – Ob
mit Recht??
| | |
| | | | | |
Ich sage “Ich
weiß p” entweder um zu
versichern, daß auch mir die Wahrheit p bekannt sei,
oder einfach als eine Verstärkung von ⊢p.
Man sagt auch “Ich
glaube es nicht, ich weiß es”. Und das könnte man auch so
ausdrucken
(z.B.): “Das ist ein Baum. Und das ist
keine bloße Vermutung.” Aber wie ist es damit: “Wenn ich jemand mitteilte, daß
das ein Baum ist, so wäre es nicht
⌊k⌋eine
bloße Vermutung.”
Ist nicht dies, was Moore sagen wollte?
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| | | | | | Es wäre keine Vermutung
& ich könnte es dem Andern mit absoluter Sicherheit
mitteilen, als etwas woran nicht zu zweifeln ist.
Heißt das aber, daß es unbedingt die Wahrheit ist?
Kann sich das, was ich mit der vollsten Bestimmtheit
den Baum erkenne, den ich
mein Leben lang hier gesehen habe, ˇkann sich das
nicht als etwas anderes entpuppen?
Kann es mich nicht verblüffen? Und
dennoch war es richtig unter den Umständen, die diesem Satz Sinn
verleihen, zu sagen “Ich
weiß (ich vermute nicht nur), daß das ein Baum
ist.” Zu sagen, in Wahrheit,
glaube ich es nur, wäre falsch. Es wäre
gänzlich irreführend zu sagen: ich
glaube, ich heiße L.W.. Und es ist auch richtig:
ich kann mich darin nicht irren. Aber das
heißt nicht ich sei darin unfehlbar.
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