Im Falle meines Todes vor der Fertigstellung oder Veröffentlichung dieses Buches sollen meine Aufzeichnungen fragmentarisch ver-
öffentlicht werden unter dem Titel:
“Philosophische Bemerkungen”
und mit der Widmung:
Francis Skinner zugeeignet”
Er ist, wenn diese Bemerkung nach meinem Tode gelesen wird, von meiner Absicht in Kenntnis zu setzen, an die Adresse: Trinity College Cambridge.
























     

1






X.
Philosophische
Grammatik.



















     

27.5.32.

Ich kann die Regel R

auch so schreiben:

oder auch so:
a + (b + 1) = (a + b) + 1<,> wenn ich
R oder S als Erklärung oder Ersatz
für diese Form nehme.
  Wenn ich nun sage, in


 seien die Übergänge durch die Regel R
gerechtfertigt, — so kann man mir drauf
antworten: „[w|W]enn Du das eine Rechtfer-
tigung nennst, so hast Du die Übergänge
gerechtfertigt. Du hättest uns aber ebenso-
viel gesagt, wenn Du uns nur auf
die Regel R & ihre formale Beziehung
zu ˇα (ˇoder zu α, β & γ) aufmerksam gemacht hättest.”
    Ich hätte also auch sagen können:
Ich nehme die Regel R in der & der
Weise als Paradigma meiner Übergänge.
    Wenn nun Skolem etwa nach
seinem Beweis für das associative Gesetz
übergeht zu:



2
& sagt der erste & dritte Übergang in
der dritten Zeile seien nach dem
bewiesenen associativen Gesetz gerecht-
fertigt, — so sagt er uns damit
nicht mehr als erfahren wir damit nicht mehr, als … wenn er sagte, die
Übergänge seien nach dem Paradig-
ma a + (b + c) = (a + (b) + c) gemacht (ˇ d.h. sie
entsprechen dem Paradigma) & außer-
dem
es sei ein Schema α, β, γ ab mit
Übergängen nach dem Paradigma α
abgeleitet. — „Aber rechtfertigt B nun
diese Übergänge oder nicht?” — Was meinst
Du mit dem Wort „rechtfertigen”? — „Nun,
der Übergang ist gerechtfertigt, wenn
wirklich ein Satz, der für alle Zahlen
gilt, bewiesen ist.” — Aber in welchem Falle
wäre das geschehen? Was nennst Du einen
Beweis davon, daß ein Satz für alle KardinalZahlen
gültig ist? Wie weißt Du ob der Satz <(>wirklich<)>
für alle Kardinalzahlen giltig ist, da
Du es nicht ausprobieren kannst. Dein
einziges Kriterium ist ja der Beweis. Du be-
stimmst
also wohl die eine Form & nennst
sie die, des Beweises, daß ein Satz für alle
Kardinalzahlen gilt. Dann haben wir eigentlich
gar nichts davon, daß uns ˇzuerst
die allgemeine Form dieser Beweise zuerst
gezeigt wird; da ja dadurch nicht gezeigt
wird, daß nun der besondere Beweis
wirklich das leistet, was wir von ihm ver-
langen; ich meine: da hiedurch der besondere
Beweis nicht als einer gerechtfertigt, er-
wiesen, ist, der einen Satz für alle Kardinal-
zahlen beweist. ˇ Der recursive Beweis muß vielmehr seine eigene Rechtfertigung sein. Wenn wir unsern Be-
weisvorgang wirklich als den Beweis einer solchen

Allgemeinheit rechtfertigen wollen
tun wir vielmehr etwas anderes, <:> wir
gehen Beispiele einer Reihe durch &
diese Beispiele & das Gesetz was wir in
ihnen erkennen befriedigt uns nun
& wir sagen: ja, unser Beweis leistet
wirklich was wir wollten.
Aber wir müssen
nun bedenken, daß wir mit der An-
gabe dieser Beispielreihe die Schreibweise
B & C nur in eine andere <(>Schreibweise<)>
übersetzt haben. (Denn die Beispielrei-
he ist nicht die Anwendung unvollständige
Anwendung der allgemeinen Form, son-
dern ein anderer Ausdruck dieser Form
[des Gesetzes].) Und weil die Wortsprache
wenn sie den Beweis erklärt, erklärt
was er beweist, nur den Beweis nur in eine
andere Ausdrucksform übersetzt, so
können wir diese Erklärung auch ganz
weglassen. Und wenn wir das tun
so werden die mathematischen Verhält-
nisse viel<…> klarer, nicht verwischt
durch die vieldeutigen mehrdeutigen [vieles bedeutenden]
Ausdrücke der Wortsprache. Wenn
ich z.B. B unmittelbar neben A
setze, ohne [d|D]azwischenkunft des Wortes „alle”
[ohne Vermittlung durch d[as|en] Ausdruck
der Wortsprache „für alle Zahlen ˇKardinalzahlen < etc.>”], so
kann kein falscher Schein eines Beweises
von A durch B entstehen. Wir sehen dann
ganz nüchtern wie weit die Beziehungen
von B zu A ˇ& zu a + b = b + a reichen & wo sie aufhören.
[Wir sehen dann die nüchternen, <(>nackten<)> Be-
ziehungen zwischen A & B, & wie weit sie re<i>chen.]
Man lernt so erst, unbeirrt von

3
der alles gleichmachenden Gewalt Form der
Wortsprache die St eigentliche Struktur
dieser Beziehung kennen & was es mit
ihr auf sich hat.
  Man sieht hier vor allem, daß
wir in an dem Baum der Strukturen B, C,
etc. interessiert sind, ˇ& daß aber an
ihm zwar allenthalben die Form
ϕ 1 = ψ 1
ϕ (n + 1) = F (ϕ n)
ψ (n + 1) = F (ϕ n)
zu sehen ist, gleichsam ein bestimmtes
Asttrippel
eine bestimmte Astgabelung, daß aber dieses diese Gebilde in
verschiedenen Anordnungen & Verbindungen
untereinander auftreten,[o] & daß sie nicht
in dem Sinne Konstruktionselemente
bilden sind, wie die Paradigmen im Beweis, daß
<oder> (a + b)² = a² + 2ab + b²<.> ist. von a + (b + (c + 1)) = (a + (b + c)) + 1 <oder> (a + b)² = a² + 2ab + b²<.> Der Zweck, & die
Rechtfertigung,
der „rekursiven Be
weise” ist ja, den algebraischen Kal-
kül mit dem der Zahlen in Verbin-
dung zu bringen setzen. Und der Baum
der rekursiven Beweise „rechtfertigt”
den algebraischen Kalkül nur, wenn
das heißen soll, daß er ihn mit dem
Ar arithmetischen in Verbindung bringt.
Nicht aber in dem Sinne in welchem die
Liste der Paradigmen den ˇalgebraischen Kalkül, d.h.
die Übergänge in ihm, rechtfertigt.
Wenn man also die Paradigmen der
Übergänge tabuliert so hat das
dort Sinn wo das Interesse darin
liegt zu zeigen daß die & die Trans-
formationen alle bloß mit Hilfe jener
— im übrigen willkürlich gewählten —

Übergangsformen zu Stande gebracht sind.
Nicht aber dort, wo sich die Rechnung
in einem andern Sinne rechtfertigen soll
wo also das Anschauen der
Rechnung — ganz abgesehen von
dem Vergleich mit einer Tabelle vorher
festgelegter Normen — uns lehren muß
ob wir sie zulassen sollen oder nicht.
Skolem hätte uns also keinen Beweis
des assoziativen & kommutativen Gesetzes
versprechen brauchen sollen sondern einfach
sagen können, er werde uns einen
Zusammenhang der Paradigmen der
Algebra mit den Rechnungsregeln
der Arithmetik zeigen. Aber ist das
nicht Wortklauberei? hat er denn nicht
die Zahl der Paradigmen reduziert &
uns z.B. statt jener beiden Gesetze eines,
nämlich a + (b + 1) = (a + b) + 1 gegeben? Nein.
Wenn wir z.B. (a + b)4 = [o] etc. <(k> ˇbeweisen so könnten wir
dabei von dem vorher bewiesenen Satz
(a + b)² = [o] etc. (l gebrauch machen. Aber in diesem
Fall lassen sich die Übergänge in
k die durch l gerechtfertigt wurden auch
durch jene Regeln Rechtfertigen mit
denen l bewiesen wurde. Und es Verhält
sich dann l zu jenen ersten Regeln
wie ein durch Definition eingeführtes
Zeichen zu den primären Zeichen mit deren
Hilfe es definiert wurde. Man kann
die Definition immer auch elliminieren
& auf die primären Zeichen übergehen.
Wenn wir aber in C einen Übergang
machen der durch B gerechtfertigt
ist so können wir diesen Übergang

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nun nicht auch mit a + (b + 1) = (a + b) + 1 allein
machen. Wir haben eben mit dem was
hier Beweis genannt wird nicht einen
Schritt Übergang in Stufen zerlegt, sondern etwas
ganz andres getan.



     
Wenn gefragt würde: ist die Negation Verneinung
in der Mathematik etwa in 2 + 2 ≠ 5 ~(2 + 2 = 5)
die gleiche wie die nicht-mathematischer
Sätze? so müßte erst bestimmt werden
was als Charakteristikum der dieser Verneinung
ˇals solcher aufzufassen ist. Die Bedeutung eines
Zeichens liegt ja in den Regeln nach
denen es verwendet wird die seinen Gebrauch vorschreiben. Welche dieser Re-
geln machen das Zeichen „~” zur Vernei-
nung? Denn es ist klar daß gewisse
Regeln die sich auf „~” beziehen für
beide Fälle die gleiche sind; z.B. ~~p = p.
Man könnte ja auch fragen: ist die
Verneinung eines Satzes „ich sehe einen
roten Fleck” die gleiche wie die von „die Erde
bewegt sich in einer Elipse um die Sonne”; &
die Antwort müßte auch sein: Wie
hast Du „Verneinung” definiert, durch
welche Klasse von Regeln? <> daraus
wird sich ergeben ob wir in beiden Fällen
„die gleiche Verneinung” haben. Wenn die Logik
allgemein von der Verneinung redet, oder
einen Kalkül mit ihr treibt, so ist
die Bedeutung des Verneinungszeichens
nicht weiter festgelegt, als sein die
Regeln seines Kalküls. Wir dürfen hier
nicht vergessen daß ein Wort seine Be
deutung nicht als etwas ihm ein für
allemal verliehenes mit sich herumträgt

sodaß wir sicher sind wenn wir nach
dieser Flasche <…> greifen auch die
bestimmte Flüssigkeit vielleicht Schwefel-
säure etwa Spiritus zu erwischen. [--- auch die bestimmte
Flüssigkeit ˇz.B. Spiritus in der Hand zu halten.]





     
Irrtümliche Anwendung unserer
physikalischen Ausdrucksweise auf
Sinnesdaten. „Gegenstände” d.h. Dinge,
Körper im Raum des Zimmers & „Gegen
stände” im Gesichtsfeld, der Schatten
eines Körpers an der Wand als Gegenstand!
Wenn man gefragt wird: „existiert
der Kasten noch, wenn ich ihn nicht
anschaue”, so ist die korrekte Ant-
wort: „ich glaube nicht, daß ihn jemand
ger<a>de dann wegtragen ˇwird oder zerstören<.”>
wird”. Die Sprachform „ich nehme x wahr”
bezieht sich ursprünglich auf einen
Körper
Phänomen (als Argument), das
im physikalischen Raum (ich meine hier:
im „Raum” de[s|r] alltäglichen Ausdrucks-
weise). Ich kann daher diese Form
nicht unbedenklich auf das Anwenden,
was man Sinnesdatum nennt ˇetwa auf ein Nachbild optisches Nachbild. (Vergleiche
auch, was wir über die Identifizierung
von Körpern & anderseits von Farbflecken im Ge-
sichtsfeld gesagt haben.) Was es heißt: ich<,
> stehe das Subject, stehe dem Tisch, als
Object, gegenüber, kann ich leicht verstehen;
in welchem Sinne aber stehe ich meinem
optischen Nachbild des Tisches gegenüber?
     „[i|I]ch kann diesen Tisch Glasscheibe nicht sehen aber
ich kann ihn sie fühlen”. Kann man sagen: „ich

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kann das Nachbild nicht sehen, aber …”?
ˇVergleiche: Ich sehe einen den Tisch deutlich”;
[i|I]ch sehe das Nachbi<l>d deutlich”;
„Ich höre die Musik deutlich”;
ich höre das Ohrensausen deutlich”.
Vergleiche die Grammatik Ich sehe den
Tisch ˇnicht deutlich heißt etwa: ich sehe ˇnicht alle
Einzelheiten des Tisches; — was aber
heißt es: „ich sehe nicht alle Einzelhei-
ten des Nachbildes”, oder: „ich höre nicht
alle Einzelheiten des Ohernklingens”?
Könnte man nicht sehr wohl statt
„ein Nachbild sehen” sagen: „ein
Nachbild haben”? Denn: ein Nachbild
sehen”? im Gegensatz wozu? —
„Wenn Du mich auf den Kopf schlägst,
sehe ich Kreise” ,<. —>[s|S]ind es genaue Kreise,
hast Du sie gemessen?” (Oder: „sind
es gewiß Kreise, oder täuscht Dich Dein
Augenmaß?”) — Was heißt es nun, wenn
man sagt: „wir können nie einen genau-
en Kreis sehen”? Soll das eine Er-
fahrungstatsache sein, oder die Kon-
statierung einer logischen Unmöglich-
keit? — Wenn das letztere, so heißt es
also, daß es keinen Sinn hat vo[n|m] einem
[s|S]ehen eines genauen Kreises zu reden.
Nun, das kommt drauf an, wie man
das Wort gebrauchen will. „Genauer
Kreis” im Gegensatz zu einem Gesichts-
bild da[ß|s] wir eine sehr kreisähnliche
Elipse nennen würden kann man doch
gewiß sagen. D[er|as] Kreis Gesichtsbild ist dann ein genauer
Kreis welches uns wirklich ˇwie wir sagen würden kreisförmig
erscheint & nicht vielleicht nur sehr <…>

ˇähnlich einem Kreis. Ist anderseits von
einem Gegenstand die Rede der ge-
messen werden kann
der Messung
die Rede, so gibt es wieder verschie-
dene Bedeutungen des Ausdrucks
„genauer Kreis” je|nach|dem welches Erfahrungs
Kriterium ˇwelches ich dafür gebe bestimme, daß <.> daß
der gemessene der Gegenstand genau kreis-
förmig ist. [ --- je nach dem Erfahrungs-
kriterium, das ich für die genaue Kreis-
förmigkeit des Gegenstandes bestimme.]
Wenn ich nun sage wir nun sagen: „keine Messung
ist absolut genau<>, so erinnern wir
hier an einen Zug in der Grammatik
der Angabe von Messungsresulta-
ten. Denn sonst könnte uns Einer
sehr wohl antworten: „Wie weißt Du
das, hast Du alle Messungen unter-
sucht?” — „Es gibt Man kann nie einen
genauen Kreis sehen” kann die Hypothese
sein daß we genauere Messung
eines kreisförmig aussehenden Gegenstan-
des immer zu dem Resultat führen wird,
daß der Gegenstand von der Kreisform ab-
weicht. — Wenn man sagt ˇDer Satz[m|M]an kann
ein 100-Eck nicht von einem Kreis unterschei-
den” hat nur Sinn, wenn man die
beiden auf irgend eine Weise unterschei-
den kann, & sagen will man könne, so
unterschiedene
, sie etwa mit freiem den Auge<n>
nicht
visuell nicht unterscheiden. Wäre
keine Methode der Unterscheidung
vorgesehen, so hätte es also keinen Sinn
zu sagen, daß diese zwar wie ein Kreis
zwei Figuren <(>zwar<)> gleich aussehen

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aber „in Wirklichkeit tatsächlich” verschieden sind. Und
jener Satz wäre dann etwa die Definition
100-Eck = Kreis.
Ist in irgend einem Sinne ein genauer Kreis
im Gesichtsfeld undenkbar, dann muß
der Satz „ich sehe nie einen genauen Kreis
im Gesichtsfeld” von der Art des Satzes sein:
„ich sehe nie ein hohes C im Gesichtsfeld”.
[…, dann muß der Satz „im Gesichtsfeld
ist nie ein genauer Kreis” von der Art des
Satzes sein: „im Gesichtsfeld ist nie ein hohes
C”.]



     
Verschwommenheit, [U|u]nklarheit, unscharf.
„Die Linien dieser Zeichnung sind un-
scharf”, „meine Erinnerung an die
Zeichnung ist unklar ˇverschwommen”, „die Gegenstände
am Rande meines Gesichtsfeldes sehe
ich verschwommen”. — Wenn man von
der Verschwommenheit der Gegenstände
Bilder am Rande des Gesichtsfeldes
spricht so schwebt einem oft ein
Bild dieses Gesichtsfeldes vor wie es
etwa Mach entworfen hat. Die Ver-
schwommenheit aber die die Kontu
Ränder eines Bildes auf der Papier-
fläche haben können der Ränder eines Bildes … ist von gänz-
lich andrer Natur, als die die man
von den Rändern des Gesichtsfeldes
aussagt. So verschieden wie die Blässe
der Erinnerung an eine Zeichnung von der
Blässe einer Zeichnung selbst. Wenn
seinerzeit im Film eine Erinnerung
oder ein Traum dargestellt werden
sollte, so gab man den Bildern einen

bläulichen Ton. Aber die ˇTraum- & Erinnerungsbilder
haben natürlich keinen bläulichen Ton —
sowenig wie unser Ge<s>ichtsbild verwasche-
ne Ränder hat <;> also sind die bläu
lichen Bilder Projektionen auf der Leinwand [bläulichen Bilder auf der Leinwand nicht ˇunmittelbar anschauliche Bilder
der Träume, sondern Bilder in ˇnoch einem
andern Sinn. [ D — Bemerken wir im
gewöhnlichen Leben, wo wir doch unabläs-
sig schauen, die Verschwommenheit an
den Rändern des Gesichtsfeldes? Ja,
welcher Erfahrung entspricht sie
eigentlich, denn im normalen Sehen
kommt sie nicht vor! Nun, wenn wir
den Kopf nicht drehen & wir beobachten
etwas, was wir durch drehen der Augen
gerade noch sehen können, dann sehen
wir etwa einen Menschen, können aber
sein Gesicht nicht erkennen, sondern sehen
es in gewisser Weise verschwommen. Die
Erfahrung hat nicht die geringste Ähnlich
keit mit dem Sehen einer Scheibe auf der welcher Bilder
gemalt sind die in der Mitte der Scheibe ˇmit
scharfe<n> Umrisse<n> haben & etwa nach
dem Rand zu mehr & mehr verschwimmend
etwa in ein allgemeines Grau ˇunmerklich übergehen<d>.
Wir denken an so eine Scheibe, wenn wir
z.B. fragen: könnte man sich nicht das ein Ge
sichtsfeld auch so denken mit gleich
bleibender Klarheit der Umrisse etc. denken?
Es gibt keine Erfahrung ˇdie im Gesichts-
feld die der entspräche, wenn man
den Blick einem Bild entlanggleiten
läßt das von scharfen Figuren zu immer
verschwommeneren übergeht.




     

7

   Die visuelle Gerade berührt den visuellen
Kreis nicht in einem Punkt sondern in
einer visuellen Strecke. — Wenn ich einen die eine die
Zeichnung eines Kreises & einer Tangente
ansehe, so ist wäre nicht das merkwürdig
wenn daß ich etwa niemals einen vollkommenen
Kreis & eine vollkommene Gerade mit
einander in Berührung sehe; interes-
sant ist wäre wird es erst, wenn ich sie sehe, & dann
die Tangente mit dem Kreis ein Stück
zusammenläuft.




     
Die Gallstonesche [F|Ph]otographie, das Bild
einer Wahrscheinlichkeit. Das Gesetz der Wahr-
scheinlichkeit, das Naturgesetz, was man

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sieht wenn man blinzelt.



     

  In den Theorien & Streitigkeiten der Philoso-
phie finden wir die Worte deren Bedeutungen
uns vom alltäglichen Leben her wohlbe-
kannt sind in einem ultraphysischen
Sinne angewandt.



     
„Siehst Du, es kommt
tatsächlich immer
dasselbe heraus”,
möchte man sagen. So aufgefaßt, haben
war ist die Rechnung ein Experiment. Wir
haben die Regeln des Eins-&-Eins angewen-
det & denen sieht man es nicht unmittel-
bar an, daß sie in den drei Fällen zum
gleichen Resultat führen. Man wundert
sich gleichsam, daß die Ziffern, losge-
löst von ihren Definitionen so richtig
funktionieren. Oder vielmehr: daß die
Ziffernregeln so richtig arbeiten, wenn
sie nicht von den Definitionen kontrolliert
werden. — Denken wir an den Schritt, der zu
machen ist von der gelernten Regel
des Eins-&-Eins zu der Anwendung der
Regel in dem speziellen Fall. —



     
Könnten die Berechnungen eines Ingenieurs
ergeben, daß die Stärke eine Dimension eines eine Maschinen-
teils bei gleichmäßig wachsender Bela-
stung <in> d[ie|er] Reihe der Primzahlen fortschrei-
ten müsse? [daß die Stärken eines Maschinen-
teils … müssen?]




     
Ist nicht entscheidet durch ihre

Periodizität nichts, was früher offen ge-
lassen war. Wenn vor der Entdec-
kung der Periodizität [e|E]iner ver-
gebens nach einer 4 in der Entwicklung
von 1 : 3 gesucht hätte, so hätte er doch
die Frage „gibt es eine 4 in der Ent-
wicklung von 1 : 3” nicht sinnvoll
stellen können; d.h., abgesehen davon
daß er tatsächlich zu keiner 4 gekom-
men war, können wir ihn davon über
zeugen, daß er keine Methode besitzt
seine Frage zu entscheiden. Oder auch
wir könnten auch sagen: abgesehen
von dem Resultat seiner Tätigkeit
könnten wir ihn über die Grammatik
seiner Frage & die Natur seines Suchens
aufklären[.| (]wie einen heutigen Mathema-
tiker der über das Goldba analoge
Probleme.) „Aber als Folge der
Entdeckung der Periodizität hört
er nun doch gewiß auf ˇnach einer 4 zu suchen!
Sie überzeugt ihn also, daß er nie eine
finden wird.” — Nein. Die Entdeckung
der Periodizität bringt ihn vom Suchen
ab, wenn er sich nun neu einstellt.
Man könnte ihn nun fragen: „Wie ist
es nun, willst Du noch immer nach
einer 4 suchen?” (Oder hat Dich, sozusagen,
die Periodizität, auf andere Gedanken
gebracht.)
    Und die Entdeckung der Perio-
dizität ist in Wirklichkeit die Konstruk
tion eines neuen Zeichens & Kalküls. Denn
es ist irreführend ausgedrückt wenn
wir sagen sie bestehe darin daß es

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uns aufgefallen sei, daß der erste
Rest gleich dem Dividenden ist. Denn
hätte man [e|E]inen, der die periodische
Division nicht kannte gefragt ist
in dieser Division der erste Rest gleich
dem Dividenden, so hätte er natürlich
„ja” gesagt; es wäre ihm also aufge-
fallen. Aber damit hätte ihm nicht
die Periodizität auffallen brauchen:
d.h.: er hätte damit nicht den K[ä|a]lkül
mit den Zeichen aa : b = c gefunden.
     Ist nicht, was ich hier sage
im G immer dasselbe das, was Kant meinte damit
meinte, daß 5 + 7 = 12 nicht analytisch
sondern synthetisch a priori sei?






     
Unzulänglichkeit der Frege- & Russellschen
Allgemeinheitsbezeichnung.
   Es hat Sinn zu sagen „schreib eine
beliebige Kardinalzahl hin”, ist aber
Unsinn zu sagen: „schreib alle Kardi-

nalzahlen hin”. „In dem Viereck befindet
sich ein Kreis” ˇ((∃ x) ∙ ϕ x) hat Sinn, aber nicht ˇalso ~ (∃ x) ~ϕ x: „in
dem Viereck befinden sich alle Kreise”.
Und was sollte der Satz (∃ x) ~ϕ x bedeuten:
„ es gibt einen Kreis der nicht im Vier-
eck ist”?
„Auf einem andersfarbige[m|n] Hin-
tergrund befindet sich ein roter Kreis” hat
Sinn, aber nicht „es gibt keine ˇvon rot verschiedene Farbe eines
Hintergrundes auf der sich kein roter Kreis
befindet”.
    „In diesem Viereck ist ein ˇschwarzer Kreis”: Wenn
dieser Satz die Form „(∃ x) ∙ x ist ein schwarzer Kreis ˇim Viereck
hat, was welcher Art ist so ein Ding x welches das
die Eigenschaft hat ein schwarzer
Kreis zu sein (& also auch die haben
kann kein schwarzer Kreis zu sein)? Ist
es etwa ein Ort im Quadrat? dann
aber gibt es keinen Satz „ (x) ∙ x ist ein schwarzer …”
Anderseits könnte jener Satz bedeuten
„es gibt einen Fleck de im Quadrat, der
ein schwarzer Kreis ist”. Wie verifiziert
man diesen Satz? Nun, man geht die ver-
schiedenen Flecken im Quadrat durch
& untersucht sie darauf hin ob sie ganz
schwarz & kreisförmig sind. Welcher Satz Art
ist aber der Satz: „Es gibt ist keinen Fleck
i[m|n] dem Quadrat”? Denn, wenn das ‘x’ in
‘(∃ x) ’ im vorigen Fall ‘Fleck im Quadrat’
hieß, dann kann es zwar einen Satz
„ (∃ x) ∙ ϕ x” geben, aber keinen <>~ (∃ x)<> oder <> ~(∃x)<>.
Oder, ich könnte wieder fragen: Was ist
das für ein Ding, das die Eigenschaft
haben ka hat (oder nicht hat) ein Fleck
im Quadrat zu sein?
    Und wenn man sagen kann „ein

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Fleck ist in dem Quadrat”, hat es dann damit
auch schon Sinn zu sagen „alle Flecken
sind in dem Quadrat”? Welche alle?



     
1.6.

Was heißt es: „die Punkte die
das Experiment liefert, liegen
durchschnittlich auf einer Geraden”?
oder: „wenn ich mit einem guten
Würfel würfle so werfe ich durch-
schnittlich alle 6 Würfe eine 1”? Ist
dieser Satz mit jeder Erfahrung die
ich etwa mache vereinbar? Wenn er
das ist so sagt er nichts. Habe ich
<(>vorher<)> angegeben mit welcher Erfah-
rung er nicht mehr vereinbar ist, welches
die Grenze ist bis zu der die Ausnah-
men von der Regel gehen dürfen, ohne
die Regel umzustoßen? Nein. Hätte
ich aber nicht eine solche Grenze auf-
stellen können? Gewiß. — Denken
wir uns die Grenze wäre die:[o] so gezogen:
Wenn unter 6 aufeinander folgenden
Würfen 4 gleiche auftreten ist der Würfel
schlecht. Nun fr[ä|a]gt man aber: „Wenn
das aber nur selten genug geschieht,
ist er dann nicht doch gut?” — Darauf
lautet die Antwort: Wenn ich das
Auftreten von 4 gleiche Würfen unter 6 aufei-
nanderfolgenden für eine bestimmte
Zahl von Würfen erlaube, so ziehe ich
damit eine andere Grenze als die erste
war. Wenn ich aber sage „jede Anzahl
gleicher aufeinanderfolgender Würfe ist
erlaubt, wenn sie nur selten genug
auftritt, dann habe ich damit die Güte

des Würfels im strengen Sinne ˇals unabhän-
gig von den Wurfresultaten erklärt.
Es sei denn daß ich unter der
Güte des Würfels nicht eine Eigen-
schaft des Würfels sondern eine
Eigenschaft einer bestimmten Partie
im Würfelspiel verstehe. Denn dann
kann ich allerdi<n>gs sagen: Ich nenne
den Würfel in einer Partie gut wenn
unter den N wu Würfen der Partie nicht
mehr als log N gleiche aufeinanderfolgende
vorkommen. H Hiermit wäre aber eben
kein Test zur Überprüfung von Würfeln
gegeben, sondern ein Criterium zur Be-
urteilung einer Partie des Spiels.



     
Man sagt, wenn der Würfel ˇganz gleichmäßig & sich selbst
überlassen ist m dann muß
die Verteilung der Würfresultate Ziffern 1, 2, 3, 4, 5, 6
in unter den Wurfresultaten gleichför-
mig sein, weil kein Grund vorhanden
ist
, weshalb die eine Ziffer öfter vorkom-
men sollte als die andere. Aber wie ist
es mit den Werten der Funktion (x-3)²
für (1-3)², (2-3)², (3-3)², (4-3)², (5-3)², (6-3)²; ist ein
Grund vorhanden für die Argumente von 1 bis 6;
ist ein Grund vorhanden, warum einer die-
ser Werte öfter unter den Wurfresultaten
vorkommen sollte als ein anderer.
Könnte
ich nicht ebensogut das als das a priori
Wahrscheinliche Erklären?

Stellen wir nun aber die Wurfresultate
statt durch die Ziffern 1 bis 6 durch die
Werte der Funktion (x - 3)² für die Argumente
1 bis 6 dar also durch die Ziffern 0, 1, 4, 9. Ist

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ein Grund vorhanden, warum eine
dieser Ziffern öfter in den ˇneuen Wurfresul-
taten fungieren soll als eine andere?
Dies lehrt uns, daß das Gesetz
a priori der Wahrscheinlichkeit eine
Form von Gesetzen ist, wie die der Mini-
mumsgesetze der Mechanik etc..
Hätte man durch Versuche heraus-
gefunden, daß die Verteilung der
Würfe ˇ1 — 6 eines gleichmäßigen mit einem regelm Würfels
so ausfällt, daß die Verteilung
der Werte (x - 3)² eine gleichmäßige
wird, so hätte man nun diese Ver
Gleichmäßigkeit fürc als die Gleichmäßigkeit
a priori erklärt.
    So machen wir es auch in der ˇkinethischen Gas-
theorie, <:> wir stellen die Verteilung
der Molekülbewegungen in der Form
ˇirgend einer gleichförmigen Verteilung dar
was aber gleichförmig verteilt ist —
so wie an andrer Stelle was zu einem
Minimum wird — wählen wir so daß
unsere Theorie mit der Erfahrung
übereinstimmt.



     
„Die Moleküle bewegen sich blos
nach den Gesetzen der Wahrschein-
lichkeit”, das soll heißen: die
Physik tritt ab, & laß überläßt
die Moleküle sich selbst bewegen
sich jetzt quasi bloß nach Gesetzen
der Logik. Diese Meinung ist der verwandt
der, daß das Trägheitsgesetz ein Satz a priori
ist, & auch hier redet man davon, was
ein Körpert tut, wenn er sich selbst

überlassen ist. Was ist das Criterium
dafür, daß er sich selbst überlassen
ist? Ist es am Ende das, daß er
sich gleichförmig in einer Geraden be-
wegt? Oder ist es ein anderes. Wenn
das letztere dann ist es eine Sache
der Erfahrung ob das Trägheitsge-
setz stimmt; im ersten Fall aber
war es gar kein Gesetz, sondern eine
Definition. Und analoges gilt von
dem einem Satz S: „wenn die Körper Teilchen sich
selbst überlassen sind, dann ist die
Verteilung ihrer Bewegungen die & die”.
Welches ist das Criterium dafür daß
sie sich selbst überlassen sind? etc..



     
<[>Wenn man sagt: der Würfel ist gleich-
mäßig
Wenn die Messung ergiebt, daß der Würfel genau & homogen ist, & ich nehme an, daß die Vert
Ziffern auf seinen Flächen die Wurfre-
sultate nicht beeinflußen, so folgt &
& daß die werfende Hand ˇbewegt sich
gleichmäßig — bewegt
regellos folgt
da-
raus die ˇdurchschnittlich gleichmäßige Vertei-
lung der Würfe 1 bis 6? Woraus
sollte man das die schließen?
Über die Bewegung beim Werfen
hat man keine Annahme gemacht
& die ˇPremisse der [Annahme der] Genauigkeit des Würfels ist
doch von ganz anderer Multipli-
zität
Art, als eine durchschnittlich gleich
förmige Verteilung von Ziffern Resultaten. (Die Pre-
misse ist gleichsam einfärbig, die
Konklusion gesprenkelt.) Warum hat man
gesagt, der Esel werde zwischen den beiden
gleichen Heubündeln verhungern, & nicht, er

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werde durchschnittlich sooft von dem
einen wie von dem andern fressen? von beiden durchschnittlich gleich oft fressen?]→





     
Behaviourism. „Mir scheint, ich bin traurig,
ich lasse den Kopf so hängen”.
Warum hat man kein Mitleid, wenn
eine Tür ungeölt ist & beim auf- & zuma-
chen quietscht schreit? Haben wir mit dem An-
dern der sich benimmt wie wir, wenn wir
Schmerzen haben, Mitleid, auf philo-
sophische Erwägungen hin, die zu
dem Ergebnis geführt haben, daß er
leidet wie wir? Ebensogut könnten
uns die Physiker damit Furcht einflößen
daß sie uns versichern, der Fußboden
sei gar nicht kompakt, wie er scheine,
sondern bestehe aus losen Partikeln
die [R|r]egellos herumschwirren. „Aber wir
hätten doch mit dem Andern nicht mit-
leid, wenn wir wüßten daß er nur
eine Puppe ist oder seine Schmerzen
blo[ß|s] heuchelt.” Freilich — <,> aber wir
haben auch ganz bestimmte Krite-
rien dafür daß einer etwas eine
Puppe ist oder daß [e|E]iner seine
Schmerzen heuchelt & diese Kriterien
stehen eben im Gegensatz zu denen
die wir Kriterien dafür nennen,
daß etwa keine Puppe (sondern etwa
ein Mensch) ist & seine Schmerzen
nicht heuchelt (sondern wirklich
welch Schmerzen hat).



     
Die Untersuchung der Regeln

des Gebrauchs unserer Sprache,
die Erkenntnis dieser Regeln
& übersichtliche Darstellung
läuft auf das hinaus, d.h.,
leistet dasselbe, was man oft
durch die Konstruktion einer phäno-
menologischen Sprache leisten erzielen will.
  Jedesmal wenn wir erkennen, daß
die & die Darstellungsweise auch
durch eine andre ersetzt werden
kann, machen wir einen Schritt zu
diesem Ziel.



     
Wie kommt es daß die Philosophie
ein so komplizierter Aufbau Bau ist. Sie
sollte doch gänzlich ganz einfach sein
wenn sie jenes Letzte von aller Er-
fahrung Unabhängige ist, wofür
Du sie ausgibst. — Die Philosophie
löst Knoten auf die wir in unser
Denken gemacht haben; in unserem Denken auf; … daher muß
ihr Resultat einfach sein, ihre Tätig-
keit aber von der derselben Komplexität der so kompliziert wie ˇwie die
Knoten, die sie auflöst.


     
Hat es Sinn zu sagen, zwei Menschen
hätten den<|>selben Körper? Welches wären
die Erfahrungen, die wir mit diesem Satz
beschrieben? Daß ich darauf käme
daß das was ich meine Hand nenne
& bewege an dem Korper eines Andern
sitzt ist natürlich denkbar, denn
ich sehe während ich jetzt schreibe
die Verbindung meiner Hand mit meinem
übrigen Körper nicht & ich könnte wohl

15
daraufkommen daß sich die frühere
Verbindung gelöst hat & also auch
daß meine Hand jetzt an dem Arm
eines Andern sitzt. Angenommen
ich & mein Freund sitzen nebeneinander
ohne uns einander anzuschauen,
ich schreibe ohne meinen rechten Arm
zu sehen. Plötzlich sehe ich mich um
& werde gewahr daß meine Hand an
seinem Arm sitzt. Ich mache ihn
darauf aufmerksam, & er sagt:
„ich habe gerade mit dieser Hand
geschrieben, allerdings nicht auf
sie geschaut & habe nicht gewußt
daß sie jetzt ausschaut wie Deine
& Du ein Gefühl in ihr hast”.



     

  Die Geometrie ist nicht die Wissenschaft
(Naturwissenschaft) von den geometri-
schen Ebenen, ˇgeometrischen Geraden & ˇgeometrischen Punkten, im
Gegensatz etwa zu einer andern
Wissenschaft die von den groben
physischen Geraden, Strichen, Flächen etc.
handelt & deren Eigenschaften angibt.
Der Zusammenhang der Geometrie
mit Sätzen ˇdes praktischen Lebens, die von Strichen, Farbgren-
zen, Kanten & <,> Ecken ˇ etc handeln ist nicht
der, daß in ihr ähnliche Sätze über
ähnliche, wenn auch ideale Dinge
(Kanten, Ecken etc)
sie aus allgemeinen besteht spricht
sie über ähnliche Dinge wie diese
spricht, wie diese Sätze, wenn auch über
ideale Kanten, Ecken, etc.., sondern
derc, zwischen diesen Sätzen & ihrer Gram-
matik. Die angewandte Geometrie

ist die Grammatik der Aussagen
über die ˇräumlichen Gegenstände, daß<.> Die soge-
nannte geometrische Geraden verhalt
sich zu einer Farbgrenze nicht wie
etwas Feines zu etwas Grobem, sondern
wie Möglichkeit zur Wirklichkeit.
(Denke an die Auffassung der Mög-
lichkeit als Schatten der Wirklichkeit.)





     
Der Name den ich eine[s|m] Körpers ˇgebe, einer Fläche,
eine[s|m] Ortes, einer Farbe, hat jedes-
mal andere Grammatik. Der Name
„a” in „a ist gelb” hat h eine ande-
re Grammatik wenn a der Name eines
Körpers & wenn es der Name der Oberflä-
<Flä>che eines
einer Fläche eines Körpers ist, ob
nun ein Satz „dieser Körper ist gelb”
sagt daß die Oberfläche des Körpers
gelb ist, oder daß er durch & durch gelb
ist. „Ich zeige auf a” hat eine hat ver-
schiedene Grammatik, wenn je nachdem a ein
Körper, eine Fläche, eine Farbe ist etc..
Und so hat auch das hinweisende
Fürwort „dieser” (diese, dieses) andere Bedeu-
tung ( d.h. Grammatik) wenn es ˇsich auf
Hauptwörter verschiedener Grammatik be-
zieht.




     
Von Sinnesdaten in dem Sinne dieses Wortes,
in dem es undenkbar ist, daß der
Andere sie hat, kann man eben aus
diesem Grunde auch nicht sagen, daß
der Andere sie nicht hat. Und eben
darum ist es auch sinnlos zu sagen,
daß ich, im Gegensatz zum Andern,
sie habe. — Wenn man sagt „seine
Zahnschmerzen kann ich nicht fühlen”,
meint man damit, daß man die Zahn-
schmerzen des Andern bis jetzt nie
gefühlt hat? Wie unterscheiden sich
seine Zahnschmerzen von den [M|m]einen?
Wenn das Wort „Zahnschmerzen” in
den Sätzen „ich habe Z.” & „er hat Z.” die
gleiche Bedeutung hat, was heißt
es dann zu sagen, daß er nicht
dieselben Zahnschmerzen haben kann,
wie ich? Wie können sich den verschiedene
Z. von einander unterscheiden? Durch
Stärke, durch den Charakter des

Schmerzes (stechend, bohrend, etc) & durch
die Lokalisation im Kopf Kiefer. Wenn nun
aber diese Charakteristica bei beiden
dieselben sind? — Wenn man aber
einwendet, ihr der [u|U]nterschied der Schmerzen sei eben der,
daß in einem Falle ich sie habe, im an-
dern Fall er! — dann ist also die besitzen
de Person eine Charakteristik der
Zahnschmerzen selbst. Aber was wie ist es
dann mit dem Satz „ich habe [z|Z].” oder
er hat Z.” ausgesagt? — Wenn das
Wort „Z” in beiden Fällen die gleiche Bedeu-
tung hat, dann muß man die Z der
beiden mit einander vergleichen können
& wenn sie in Stärke etc. etc. mit einan
der übereinstimmen, so sind sie die glei-
chen; wie zwei Anzüge die gleiche Farbe
besitzen, wenn sie in [b|B]ezug auf Hellig-
keit, Sättigung etc. miteinander über-
einstimmen.
   Wenn man fragt „ist es denkbar
daß ein Mensch die Z. des andern
fühlt?” so schweben einem dabei
die Z. des [a|A]ndern gleichsam als ein
Körper ein Volumen vor im Mund des
[a|A]ndern & die Frage scheint zu fragen
ob wir an diesem Schmerzvolumen teil-
haben können. Etwa dadurch daß
sich unser beider Wangen durchdrän-
gen. Aber auch das scheint dann
nicht zu genügen & wir müßten ganz mit
ihm zusammenfallen [ & wir müßten
uns ganz mit ihm decken.]




     
3.

Ein Gedanke über die Darstellbarkeit
der unmittelbaren Realität durch
die Sprache:
   „Der Strom des Lebens, oder der Strom der
Welt, fließt dahin, & unsere Sätze werden,

sozusagen, nur in Augenblicken verifiziert.
Unsere Sätze werden nur von der Gegenwart
verifiziert. — Sie müssen also so gemacht
sein, daß sie von ihr verifiziert werden
können. Sie müssen das Zeug haben,
um von ihr verifiziert werden zu können.
Dann haben sie also in irgend einer
Weise die Kommensurabilität mit der
Gegenwart [Dann sind sie also in irgend
einer Weise mit der Gegenwart kommen

surabel] & diese dies können sie nicht haben sein
trotz ihrer raum-zeitlichen Natur, sondern
diese muß sich zur Kommensurabilität
verhalten, wie die Körperlichkeit eines
Maßstabes zu seiner Ausgedehntheit,
mit mittels der er mißt. Im Fall des Maßsta-
bes kann man auch nicht sagen: ‘Ja,
der Maßstab mißt die Länge trotz
seiner Körperlichkeit; freilich, ein Maßstab,
der nur Länge hätte, wäre das Ideal,
wäre, der reine Maßstab’. Nein, wenn
ein Körper Länge hat, so kann es keinen
Körper ohne
Länge ohne einen Körper geben —
& wenn ich auch verstehe, daß in einem
bestimmten Sinn nur die Länge des Maßstabs
mißt, so bleibt doch kein Beistrich was ich in die
Tasche stecke der Maßstab[;|,] der Körper, &
nicht die Länge.”



     
Die Anschauungen neuerer Physiker stim
men mit den meinen
Ich stimme mit den überein, wenn sie sagen,
daß die Zeichen in ihren Gleichungen keine
„Bedeutung<en>” mehr haben, & daß die Physik
zu keinen solchen Bedeutungen gelangen
könne, sondern bei den Zeichen stehen

18
bleiben müsse: Ssie sehen nämlich nicht,
daß diese Zeichen insofern Bedeutung
haben — & nur insofern — als ihnen,
auf welchen Umwegen immer, das be-
obachtete Phänomen entspricht, oder
nicht entspricht.



     

  Darstellung einer Linie als Gerade
mit Abweichungen. Die Gleichung der
Linie enthält einen Parameter, dessen
d<…> Verlauf die Abweichungen von der
Geraden ausdrückt. Es ist nicht we-
sentlich, daß diese Abweichungen „gering”
seien. Sie können so groß sein, daß die
Lin<i>e einer Geraden nicht ähnlich sieht.
Die „Gerade mit Abweichungen” ist nur
eine Form der Beschreibung. Sie erleich-
tert es mir, einen [B|b]estimmten Teil
der Beschreibung auszuschalten,
zu vernachlässigen, wenn ich will. (Die
Form „Regel mit Ausnahmen”.)



     
Alle „begründete Erwartung” ist Erwar-
tung, daß eine bis jetzt beobachtete
Regel weiterhin weiter gelten wird.

[kein neuer Absatz]
(Die Regel aber muß beobachtet wor-
den sein & kann nicht selbst wieder
blo[ß|s] erwartet werden.)



     
Die Logik der Wahrscheinlichkeit hat es
mit dem Zustand der Erwartung nur
soweit zu tun, wie die Logik überhaupt
mit dem Denken.




     

Von der Lichtquelle Q wird ein Licht
strahl ausgesandt, der die Scheibe AB
trifft, dort einen Lichtpunkt erzeugt &
dann die die Scheibe AB AC trifft<.> & auf
ihr einen Lichtpunkt erzeugt.
Wir haben
nun keinen Grund zur Annahme, daß
der Lichtpunkt auf AB ˇwerde rechts von der
Mitte M liegen, noch zur entgegengesetzten;
aber auch keinen Grund anzunehmen, der
Lichtpunkt auf AC werde auf der & nicht
auf jener Seite von der Mitte m liegen. [Wir
haben nun keinen Grund, anzunehmen, daß
der Lichtpunkt auf AB eher auf der
einen Seite der Mitte M als auf der andern
liegen wird; aber auch keinen Grund, an-
zunehmen, daß der Lichtpunkt auf AC
werde auf der einen & nicht auf der an-
dern Seite von ˇder Mitte m liegen.] Das gibt
also wiedersprechende Wahrscheinlichkeiten.
Wenn ich nun eine
Annahme über den
Grad der Wahrschein-
lichkeit mache, daß
der eine Lichtpunkt
in AM im Stück AM
liegt, wie wird diese
Annahme verifiziert? Wir denken meinen doch durch
einen Häufigkeitsversuch. Angenommen nun
dieser bestätigt die Auffassung, daß die
Wahrscheinlichkeiten für das Stück A[m|M] &
BM gleich sind ˇ(also für Am & Cm verschieden), so ist sie damit als die
richtige erkannt & erweist sich also als
eine physikalische Hypothese. Die [G|g]eometrische
Konstruktion zeigt nur, daß die [g|G]leichheit
der Strecken AM & BM kein Grund zu Annahme

19
gleicher Wahrscheinlichkeit war.




     
„Der Kretische Lügner”. Statt zu sagen
„ich lüge”, könnte er auch hin-
schreiben „dieser Satz ist falsch”. Die
Antwort darauf wäre: „Wohl, aber
welchen Satz meinst Du?” — „Nun diesen
Satz.” — „ich verstehe, aber von welchem
Satz ist in ihm die Rede?” — „Von diesem.”
— „Gut, & ˇauf welchen Satz spielt dieser an?”
u.s.w. Er könnte uns so<…> nicht er-
klären, was er meint bis ehe er zu einem
kompletten Satz übergeht. — Man kann
auch sagen: Der [F|f]undamentale Fehler
liegt darin, daß man denkt glaubt ein
Wort, z.B. „dieser Satz”, könne auf seinen

Gegenstand gleichsam anspielen (aus der
Entfernung hindeuten) ohne ihn ver-
treten zu müssen.



     
(Ein Satz der von allen Sätzen oder allen
Funktionen handelt. Was stellt man
sich darunter vor? meint man damit? Es wäre wohl ein
Satz der Logik. Denken wir nun nur daran,
wie wir de[n|r] Satz ~2n p = p bew[ei|ie]sen wird.)



     
Wenn ich annehme, die Messung ergebe,
daß der Würfel genau & homogen ist,
& die Ziffern auf seinen Flächen die
Wurfresultate nicht beeinflussen,
& die Hand die ihn wirft, bewegt sich
ohne bestimmte Regel; folgt daraus
die eine durchschnittlich gleichförmige
Verteilung der Würfe 1 bis 6 unter
den Wurfergebnissen? — Woraus sollte
sie hervorgehen? Daß der Würfel genau
& homogen ist kann doch keine
durchschnittlich gleichförmige Ver-
teilung von Resultaten begründen
(Die Voraussetzung ist sozusagen
homogen, die Folgerung ˇwäre gesprenkelt.)
Und über die Bewegung beim Werfen
haben wir ja keine Annahme gemacht.
Mit der Gleichheit der beiden Heubündel
hat man zwar begründet, daß der
Esel zwischen in ihrer Mitte verhungern
werde, aber nicht, daß er ungefähr gleich
oft von jedem fressen. werde.) — Mit un-
seren Annahmen ist es auch voll-
kommen vereinbar daß mit dem
Würfel 100 Einser nach einander geworfen

20
werden, wenn Reibung, Handbewegung, Luft-
widerstand so zusammentreffen. Die
Erfahrung, daß das nie geschieht, ist
eine, die diese diese Faktoren betrifft
[ist eine diese Faktoren betreffende]. Und
die Vermutung der gleichmäßigen Ver-
teilung der Wurfergebnisse ist eine Ver-
mutung über das Arbeiten dieser Fakto-
ren [Einflüsse].
    Wenn wir man sag[e|t]n ein gleicharmiger
Hebel auf den sy<m>metrische Kräfte
wirken werde müsse in Ruhe bleiben, so heißt
das
weil keine Ursache vorhanden ist
weshalb er ˇsich eher auf die eine als auf
die andre Seite neigen sollte, so heißt
das nur, daß, wenn wir ˇgleiche Hebelarme & symetrische
Kräfte konstatiert haben & nun der
Hebel sich nach der einen Seite neigt,
wir dies aus den uns bekannten
— oder von uns angenommenen — Voraus-
setzungen nicht erklären können. (Die
Form die wir „Erklärung” nennen muß
auch assy<m>metrisch sein); wie die Operation
die aus „a & b” „2a & 3b” macht.) Wohl aber
können wir die ˇandauernde Ruhe des Hebels aus unsern
Voraussetzungen erklären. — Aber etwa
auch eine [S|s]chwingende Bewegung,
die durchschnittlich gleich oft von
der Mitte Mittellage nach rechts & von der Mitte Mittellage
nach links gerichtet ist? Die Schwingen-
de Bewegung nicht, denn in der ist ja wieder
Assym<m>etrie. Nur die Sym<m>etrie in dieser Assym-
metrie. Hätte sich der Hebel gleichförmig
von nach rechts gedreht, so könnte man ana-
log sagen: Mit der Symmetrie der Bedin-


gungen kann ich die Gleichförmigkeit der
Bewegung aber nicht ihre Richtung
erklären.
    Die Eine Ungleichförmigkeit der Verteilung
der Wurfresultate ist mit der Symmetrie
des Würfels nicht zu erklären. Und nur
insofern erklärt diese Symmetrie die
Gleichförmigkeit der Verteilung. — Denn
man kann natürlich sagen: Wenn
die Ziffern auf den Würfelflächen keine Wir
kung haben, dann kann ihre Verschie-
denheit nicht nicht eine Ungleichför-
migkeit der Verteilung erklären; &
gleiche Umstände können selbstver-
ständlich nicht Verschiedenheiten
erklären; insofern soweit also könnte man
auf eine Gleichförmigkeit schließen.
Aber woher dann überhaupt verschie-
dene Wurfresultate? Gewiß, was diese Was diese …
erklärt muß ˇnun auch ihre ˇdurchschnittliche Gleichförmig
keit erklären. Die Regelmäßigkeit des
Würfels stört nur eben diese Gleichformig-
keit nicht.



     

  Angenommen Einer der täglich im
Spiel würfelt würde ˇetwa eine Woche lang
nichts als Einser werfen, & zwar mit
Würfeln die nach allen anderen Arten
[Methoden] der Untersuchung Prüfung sich als
gut erweisen & wenn ein [a|A]ndrer sie
wirft auch die gewöhnlichen Resultate
geben. liefern. Hat er nun Grund zu denken, daß
hier ein Naturgesetz besteht anzunehmen
dem gemäß er immer Einser wirft werfen muß; hat
er Grund<:> zu glauben, daß das nun so

21
weitergehen wird, oder ˇvielmehr Grund anzunehmen,
daß diese Regelmäßigkeit nicht lange mehr
andauern kann wird? Hat er also Grund
das Spiel aufzugeben, da es sich gezeigt
hat, daß er nur Einser werfen kann,
oder weiterzuspielen, da es jetzt nur um
so wahrscheinlicher ist, daß er beim näch-
sten Wurf eine höhere Zahl werfen wird? —
Z In Wirklichkeit wird er sich weigern
die Regelmäßigkeit als ein Naturge-
setz anzuerkennen; zum mindesten
wird sie lang andauern müssen, ehe
er diese Auffassung in Betracht
zieht. Aber warum? — Ich glaube, weil
so viel frühere Erfahrung ˇseines Lebens gegen das ein solches
Gesetz spricht, die alle — sozusagen —
erst überwunden werden muß, ehe
wir eine ganz neue Betrachtungs-
weise annehmen.



     

     Wenn wir aus der relativen Häufigkeit eines Ereignisses auf seine relative Häufig-
keit in der Zukunft Schlüsse ziehen, so können wir das natürlich nur nach der bisher
tatsächlich beobachteten Häufigkeit tun. Und nicht nach einer, die wir aus der beobach-
teten durch irgend einen Prozess der Wahrscheinlichkeitsrechnung erhalten haben. Denn
die berechnete Wahrscheinlichkeit stimmt    mit jeder beliebigen   tat-
sächlich beobachteten Häufigkeit überein, da sie die Zeit offen lässt.



     

    Wenn sich der Spieler, oder die Versicherungsgesellschaft, nach der Wahrschein-
lichkeit richten, so richten sie sich nicht nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung, denn
nach dieser allein kann man sich nicht richten, da,    was immer   geschieht, mit
ihr in Uebereinstimmung zu bringen ist; sondern die Versicherungsgesellschaft richtet
sich nach einer tatsächlich beobachteten Häufigkeit. Und zwar ist das notürlich eine
absolute Häufigkeit.



     

    Was zum Wesen der Welt gehört, kann die Sprache nicht ausdrücken.
    Daher kann sie nicht    sagen  , dass alles fliesst. Nur was wir uns auch anders
vorstellen könnten, kann die Sprache sagen.


     
Daß alles fließt, muß in dem im Wesen
der Anwendung der Sprache auf die
Wi[i|r]klichkeit liegen.
[Daß alles fließt,
muß im Wesen der Berührung der Sprache
mit der Wirklichkeit liegen.] Oder ˇbesser: daß alles

fließt, muß im Wesen der Sprache liegen.
  Und, erinnern wir uns, : im gewöhnlichen
Leben fällt uns das nicht auf — (sowe-
nig wie die verschwommenen Ränder un-
seres Gesichtsfelds („weil wir so daran
gewöhnt s<i>nd” wird mancher sagen). Wie,
bei welcher Gelegenheit, glauben wir
denn darauf aufmerksam zu
werden? Ist es nicht, wenn wir
Sätze gegen die Grammatik der Zeit bil-
den wollen?



     
4.

„Nur die Erfahrung des gegenwärtigen
Augenblicks hat Realität”. — Soll
das heißen, daß ich heute [F|f]rüh nicht
aufgestanden bin? Oder, daß ein Ereig-
nis, dessen ich mich in diesem Augen
blick nicht erinnere entsinne, nicht stattgefunden
hat? — Und gegenwärtige Erfahrung’ —
im Gegensatz wozu? Hier ist offenbar
das Wort ‘gegenwärtig’ überflüssig

Soll<…> hier ‘gegenwartige Erfahrung’ im
Gegensatz stehen zu zukunftiger & ver
gangener Erfahrung? Oder ist es ein Bei
wort wie das Wort „rational” in „ratio
nale Zahl” so daß man die beiden
Wörter auch durch eines ersetzen könn

te & das [b|B]eiwort auf eine grammatische
Eigentümlichkeit hinweist. Und was wird
in diesem Falle vom Subjekt ausgesagt wenn
ihm Realität zugesprochen wird? Betonen
wir hier nicht wieder eine grammatische
Eigentümlichkeit, in derselben Weise, wie
wenn man sagt, etwa als wenn man sagte: „…nur die Kardinal-
zahlen sind wirkliche Zahlen” (Kronecker

22
soll gesagt haben, nur die Kardinal-
zahlen seien von Gott erschaffen, alles
andere<n> seien Menschenwerk.) — Heißt
es ‘gegenwärtige Erfahrung’ im Gegensatz
zu zunkünftiger & vergangener, dann
ist meint man mit diesen Erfahrungen
etwa physikalische Vorgänge; & wenn
ich das Bild von der Laterna magica
gebrauche & dem Filmstreifen gebrauche
& die Zeitlichen Beziehungen in räumliche
übersetze so ist die gegenwärtige
Erfahrung im physikalischen Sinn
das Bild auf dem Filmstreifens das sich
vor dem Objectiv der Laterne befindet
(ich kann nicht sagen: „das sich jetzt vor
dem Objectiv der Laterne befindet”.) Auf der
einen Seite dieses Bildes sind liegen die vergange-
nen auf der andern die zukünftigen
Bilder (die beiden Seiten sind durch Eigentüm-
lichkeiten des Apparates charakterisiert).
Das Bild auf de[m|r] Streifen Leinwand gehört
der Zeit des Filmstreifens nicht an[. M|; m]an
kann von ihm nicht in dem eben beschrie-
benen
Sinne sagen, es sei gegenwärtig.
(Im Gegensatz wozu? — Wenn man [d|D]as Wort
[|]gegenwärtig’<,> ˇwenn man es hier benützt, so bezeichnet
man nicht einen Teil eines Raumes im Gegensatz zu andern Teilen, sondern
charakterisiert einen Raum.) Der Satz, nur
die gegenwärtige Erfahrung habe Realität,
wäre nun hier der Satz, daß nur
das Bild vor dem Objektiv dem Bild
auf der Leinwand entspricht. Und
das wäre könnte allerdings ein Erfahrungs-
satz sein<&> Aber hier läßt uns das
Gleichnis ˇläßt uns hier in Stich, wenn wir nicht festsetzen,

ˇdie Projektionsmethode nicht so festlegensetzen, daß das der Projektion „entsprechende”
Bild des Filmstreifens das Bild von
dem Objektiv heißen soll.
die Entspre-
chung zwischen Film & Leinwand nicht
(die Projektionsart) nicht so festsetzenlegen
, daß sich dadurch das Bild auf dem
Film welches dem Bild auf der Leinwand
entspricht als das Bild vor dem Ob-
jektiv der Laterne ergibt.



     
Wer den Satz, nur die gegenwärtige Erfah-
rung sei real, bestreiten will (was
ebenso falsch ist, wie ihn zu behaupten)
wird etwa fragen, ob denn ein Satz wie
„Julius Cäsar ging über die Alpen” nur
den gegenwärtigen Geisteszustand des-
jenigen beschreibt, der sich mit dieser
Sache beschäftigt. Und die Antwort
ist natürlich: Nein! er beschreibt ein
Ereignis, da[ß|s], wie wir glauben, vor ca 2000 Jah-
ren stattgefunden hat. <> (Wenn nämlich das
Wort „beschreibt” so aufgefaßt wird, wie
in dem Satz „der Satz ‘ich schreibe’ beschreibt,
was ich gegenwärtig tue”.) Der Name
Julius Cäsar bezeichnet eine Person. —
Aber was sagt denn das alles? Ich schei-
ne mich ja um die eigentliche philoso-
phische Antwort drücken zu wollen! —
Nun Aber, Sätze die von Personen handeln,
d.h. Personennamen enthalten, können
ˇeben[c] auf sehr verschiedene Weise verifiziert
werden. — <ˇ Fragen wir uns nur, warum wir den Satz glauben. > — Daß es ˇ z.B. denkbar ist, die Leiche
Cäsars noch zu finden, hängt unmittel
bar mit dem Sinn des Satzes über Julius
Cäsar zusammen. Aber auch, daß es

23
möglich denkbar ist, eine Schrift zu finden, aus
der hervorgeht, daß so ein Mann
nie gelebt hat & seine Existenz zu be-
stimmten Zwecken erdichtet worden
sei. ist. Diese Solche Möglichkeiten gibt es ˇaber nicht
für einen Satz: „ich sehe einen roten
Fleck über einen grünen dahinziehen” ˇnicht;
und das ist es, was wir damit meinen,
wenn wir sagen, daß dieser Satz in
unmittelbarerer Art Sinn hat, als
dieser Satz habe in … Sinn, als … jener der über Julius Cäsar. [… Und das mei-
nen wir, wenn wir sagen, dieser Satz habe …]





     
5.

1) „Ich habe Schmerzen”
  „N hat Schmerzen”
dagegen <2)>: „Ich habe graue Haare”
             „N hat graue Haare”
Die verschiedenen ˇphilosophischen Schwierigkeiten &
Confusionen in Verbindung mit dem
ersten Beispiel lassen sich zum
größten Teil
auf die Verwechslung
der Grammatik der Fälle 1 & 2 zurück
führen
.
    Es hat Sinn zu sagen: „ich sehe
seine Haare, aber nicht die meinen”
oder ˇanalog oder „ich sehe meine Kinder Hände täglich,
aber nicht die seinen” & dieser Satz
ist analog dem: „ich sehe meine Kinder Wohnung
täglich, aber nicht die seinen seine.” — Dagegen
ist Unsinn: „ich fühle meine Schmerzen
aber nicht die seinen”
   Die Ausdrucksweise unserer Sprache
wie sie in den einzelnen Fällen 1 & 2 ist
natürlich nicht ‘falsch’ aber ˇsie ist irreführend.

„Eine herrenlose Wohnung”, „herrenlose
Zahn<->Schmerzen”. Es gibt Menschen die Unter
suchungen darüber anstellen „ob
es ungesehene Gesichtsbilder gibt” &
sie glauben, daß das eine Art wissen-
schaftlicher Untersuchung <(>über diese
Phänomene
<)> ist.
  „Wie ein Satz verifiziert wird, das sagt
er”<:> & nun sieh Dir darauf hin die Sätze an:
„Ich h<a>be Schmerzen”, „N hat Schmerzen”.
Wenn nun aber ich der N bin?! — Dann
haben dennoch die beiden Sätze ver-
schiedenen Sinn.
  „Die Sache ist doch ganz einfach:
ich spüre freilich seine Zahnschmerzen
nicht, aber er spürt sie eben (& so sind
alle Verhältnisse ˇdoch symmetrisch).” Aber
dieser Satz ist eben Unsinn. — Um nun
die Assymmetrie in der Erfahrung mit Bezug auf mich & den Andern
klar deutlich zum Ausdruck zu
bringen, könnte man ich nun eine assy
metrische Ausdrucksweise vorschlagen:
[a|A]lte Ausdrucksweise:
L.W. hat Schmerzen
L.W. hat Schmerzen in seiner linken
Hand.
N. hat Schmerzen

N. heuchelt Schmerzen in
seiner Hand

Ich bedauere N., weil er
Sch. hat
[n|N]eue Ausdrucksweise:
Es sind Schmerzen vorhanden
Es sind Schmerzen in der
linken Hand des L.W.
N. benimmt sich wie L.W. wenn
Sch. vorhanden sind
N heuchelt ein das Benehmen
des L.W. wenn Sch. in seiner
Hand sind.
Ich bedauere N, weil er
sich benimmt, wie etc.




     
Da wir für jeden ˇsinnvollen Ausdruck der alten Ausdrucks-

24
weise einen der neuen setzen & für ver
schiedene
alte, verschiedene neue, so
muß, was Eindeutigkeit & Verständlich-
keit anbelangt, die neue Ausdrucks-
weise der alten gleichwertig sein. — Aber
könnte man denn nicht eine solche
assymetrische Ausdrucksweise au eben-
sogut für Sätze der Art „ich habe graue
Haare„, „N hat graue Haare” konstruieren?
Nein[; m|. M]an muß nämlich verstehen
daß der N Name „L.W.” in den Sätzen der
rechten Seite sinnvoll muß durch
andere Namen ersetzt werden können.
Und ist das nicht der Fall dann
braucht weder „L.W.” noch ein anderer
Name in diesen Sätzen vo<r>zukommen.
Ersetzt man nämlich L.W. durch
einen andern den Namen eines andern Men-
schen, so heißt das wird etwa gesagt
daß ich in der Hand eines anderen
Körpers als des meinigen Schmerzen
empfinde. Es wäre z.B. denkbar, daß
ich mit einem Andern Körper wechsle,
etwa aufwache, meinen ˇalten Körper mir ge-
genüber auf einem Sessel sitzen sehe
& mich im Spiegel sehend fände daß
ich d[en|as] Ko Gesicht & den Körper meines
Freundes angenommen habe. Ich betrach-
te nun den Personennamen als Name
des Körpers. Und in diese es hat nun
Sinn zu sagen: „ich habe im Körper des
N (oder im Körper N) Zahnschmerzen (in
der assymmetrischen Ausdrucksweise:
<>i[m|n] Körper des einem Zahn des N sind Schmer-
zen”); aber ˇes hat keinen Sinn zu sagen „ich habe

auf dem Kopf des N. graue Haare”,
außer, das soll dasselbe heißen, wie <:>
„N hat graue Haare”.
    Aber ist <(>denn<)> die vorgeschla-
gene assymmetrische Ausdrucks
weise richtig? Warum sage ich
„N benimmt sich wie L.W wenn er …”?
Wodurch ist denn L.W. charakte-
risiert? Doch durch die Formen etc
seines Körpers & durch dessen kon-
tinuierliche Existenz im Raum.
Sind aber diese Dinge für die Er-
fahrung der Schmerzen wesent-
lich? Könnte ich mir nicht folgende
Erfahrung denken: ich wache mit
Schmerzen in der linken Hand auf
& finde, daß sie ihre Gestalt ge-
ändert hat & jetzt so aussieht
wie die Hand meines Freundes, wäh-
rend er meine Hand erhalten hat.
Und worin besteht die Kontinui-
tät meiner Existenz im Raum?
Wenn mir jemand verläßlicher
erzählte, er sei während ich
geschlafen habe bei mir gesessen,
plötzlich sei mein Körper ver-
schwunden & sei plötzlich wieder
erschienen — ist es unmöglich das
zu glauben? — Und worin besteht
etwa die Kontinuität meines
Gedächtnisses? In welcher Zeit
ist es kontinuierlich? O Oder be-
steht die Kontinuität darin, daß
im Gedächtnis keine Lücke ist. Wie
im Gesichtsfeld keine ist. (Denn

25
überlege nur, wie wir den blinden
Fleck merken!) Und was hätte
diese Kontinuität mit der zu tun
die für den Gebrauch des N
Personennamens L.W. wesentlich
ist [von Bedeutung ist]? Die Erfah-
rung der Zahnschmerzen läßt
sich in ganz anderer Umgebung
als der von uns gewohnten denken.
(Denken wir doch nur<,> daran daß
man tatsächlich Schmerzen in
der Hand d.h. im Ort der Hand haben kann obwohl es
sie diese im physikalischen Sinne gar nicht
mehr gibt, weil sie einem amputiert
worden ist.)
In diesem Sinne
könnte man Zahnschmerzen ohne
Zahn, Kopfschmerzen ohne Kopf
etc. haben. Wir machen eben hier
einfach eine Unterscheidung wie
die zwi<s>chen Gesichtsraum & physi-
kalischen Raum oder Gedächt-
niszeit & physikalischer Zeit. — Da-
nach nun ist es unrichtig
die Ausdrucksweise einzufüh
ren „N benimmt sich wie L.W. wenn …”
Man könnte vielleicht sagen
„N benimmt sich wie der Mensch
in dessen Hand [s|S]chmerzen sind”.
Warum sollte man aber über-
haupt die Erfahrung der
Schmerzen zur Beschreibung
des bewußten Benehmens heran-
ziehen? — Wir wollen doch einfach
zwei verschiedene Erfahrungs
gebiete tre trennen; wie wenn

wir Tasterfahrung & Gesichtserfah-
rung an einem Körper trennen. Und
verschiedener kann nichts sein,
als die Schmerzerfahrung & die
Erfahrung einen menschlichen
Körper sich winden sehen, Laute
ausstoßen zu hören etc.. Und
zwar besteht hier kein Unter-
schied zwischen meinem Körper &
dem des Andern, denn es gibt
auch die Erfahrung die Bewe-
gungen des eigenen Körpers zu
sehen & die von ihm ausgesto-
ßenen Laute zu hören.

     

  Denken wir uns unser Körper
würde aus unserem Gesichtsfeld
entfernt, etwa indem man ihn
gänzlich durchsichtig machte;
er behielte aber die Fähigkeit bei
in einem geeigneten Spiegel in der
uns gewohnten Weise zu erschei
nen so daß wir etwa die sicht-
baren Äußerungen unserer Zahn-
schmerzen wesentlich wie die
eines fremden Körpers wahrnäh-
men. Dies ergäbe auch eine ganz
andere Koordination zwischen se-
hendem Auge & Gesichtsraum
als die uns selbstverständlich
erscheinende alltägliche. (Denke
an das Zeichnen eines Vierecks
mit seinen Diagonalen im Spiegel.)
Wenn wir uns aber so die Moglichkeit
denken können, daß wir unsern ˇsichtbaren Körper
nur als Bild in einem Spiegel kennten

26
so ist einem auch denkbar daß
dieser Spiegel wegfiele & wir ihn
nicht anders sähen als irgend einen
andern menschlichen Körper. — Wo
durch wurd wäre er dann aber
als mein Körper charakterisiert?
Nun nur dadurch daß ich ˇ z.B. die
Berührung dieses Körpers fühlen
würde nicht aber die eines andern, etc..
So ist es auch nicht mehr wesentlich
daß der Mund unterhalb des sehen
den Auges meine Worte spricht. (Und
das ist von großer Wichtigkeit). Auch
wenn ich meinen Körper sehe wie ich
ihn jetzt sehe d.h. von seine[m|n] Auge<n>
aus ist es denkbar daß ich mit
Andern den Körper tausche. Die Erfahrung
bestünde einfach in einer darin
in dem, was man als eine S<s>prunghafte
Änderung meines Körpers & seiner
Umgebung nennen beschreiben
würde.
Ich würde einmal die
Körper A B C D von E aus
& E von seinen A den
Augen dieses Körpers
sehen & plötzlich etwa
C D E A von B aus & B aus
dessen Augen, etc. Noch einfacher
aber wird die Sache wenn ich alle
Körper meinen, sowie die fremden,
überhaupt nicht aus Augen
sehe & sie mir also, was ihre
visuelle Erscheinung betrifft alle
auf gleicher Stufe stehen. Dann ist
es klar, was es heißt, daß ich im

Zahn des Andern Schmerzen haben
kann; — wenn ich dann über-
haupt noch bei der Bezeichnung
bleiben will, die einen Körper
meinen” nennt & also einen andern
den „eines Andern”. Denn es ist
nun vielleicht praktischer die
Körper einfach nur mit Eigennamen zu
bezeichnen. — Es gibt also jetzt eine
Erfahrung, die der Schmerzen in
einem Zahn eines der existierenden
menschlichen Körper; das ist nicht die
die wir ich in unserer der gewöhnlichen Aus-
drucksweise mit den Worten „A hat
Zahnschmerzen” beschriebe, sondern
mit den Worten „ich habe in einem Zahn
des A [s|S]chmerzen”. Und es gibt die an-
dere Erfahrung einen Körper, sei es
meiner oder eine anderer sich winden zu
sehen. Denn, vergessen wir nicht: Die
Zahnschmerzen haben zwar einen
Ort in einem Raum, sofern man
z.B. sagen kann, sie wandern oder
seien an zwei Orten zugleich, etc.: Ab aber
ihr Raum ist nicht der visuelle oder
physikalische. — Und nun haben
wir zwar eine neue Ausdrucksweise,
sie ist aber nicht mehr assymetrisch.
Sie bevorzugt nicht einen Körper,
einen Menschen auf zum Nachteilc
der andern, ist also nicht solip-
sistisch. — So ist alles alle Erfahrung ohne Anse-
hen der Person verteilt. Aber wir teilen
anders
wir teilen anders. Es werden die
Dinge in unsrer Betrachtungsweise

27
anders zusammengefaßt. Wie
wenn man einmal die Zeit zum
Raum rechnet & einmal nicht,
oder wie wenn man einen Wald als
Holzblock mit Löchern ansähe.
Oder die Bahn des Mondes um
die Sonne einmal als Kreis
Kreisbahn um die Erde die sich
verschiebt, ein andermal als
Wellenlinie die um die Sonne läuft.
(Wäre die Erde etwa nicht sichtbar,
so wäre könnte es eine merkwürdige neue
Betrachtungsweise sein die Be-
Wellenbewegung um die Sonne
als Kreisbahn um einen kreisenden
Körper [um ein kreisendes Centrum]
zu aufzufassen.) Man könnte
auf diese Weise gewisse Vorurteile
zerstören die auf die besondere
uns geläufige Betrachtungsart
aufgebaut wären. — Sehr klar wird
der Charakter der anderen Be-
trachtungsweise wenn man an die
analoge Verschiebung Veränderung der Grenzen
durch die Einführung des Bgriffs
der Gedächtniszeit denkt. Es ist
ganz ähnlich der veränderten Be-
trachtung der Mondbewegung
Eine Grenze die früher mit anderen
in der Zeichnung zusammen lief
wird plötzlich stark ausgezogen
& hervorgehoben. — —





     
Die mathematische Frage muß so exact

sein wie der mathematische Satz. Wie
irreführend die Ausdrucksweise
der Wortsprache den Sinn der
mathematischen Sätze darstellt,
sieht man wenn man sich die Mul-
tiplizität eines mathematischen Be-
weises vor Augen stellt führt & bedenkt
daß der Beweis zum Sinn des be-
wiesenen Satzes gehört d.h. den
Sinn bestimmt. Also nicht etwas
ist, was uns gezeigt wird damit
wir
was bewirkt daß wir einen
bestimmten Satz glauben, sondern
etwas was uns zeigt, was wir glauben,
wenn hier von Glauben eine Rede sein
kann. Begriffswörter in der Mathe
matik: Primzahl, Kardinalzahl
etc.. Es scheint darum unmittel
bar Sinn zu haben wenn gefragt
wird: „Wieviel Primzahlen gibt es<?>” „Es
glaubt der Mensch wenn er nur Worte
hört …”) In Wirklichkeit ist diese
Wortzusammenstellung ˇeinstweilen Unsinn;
bis für sie eine besondere Syntax
gegeben wurde. Sieh den Beweis dafür
an,, „daß es unendlich viele Primzah-
len gibt” & dann die Frage, die er
zu beantworten scheint. Das
Resultat eines intrikaten Bewei-
ses kann nur in sofern einen
einfachen Wortausdruck haben,
als das System von Ausdrücken
dem dieser Ausdruck angehört in
seiner Multiplizität einem System
solcher Beweise entspricht. — Die

28
Confusionen in diesen Dingen ist sind
ganz darauf zurückzuführen,
daß man die Mathematik als
eine Art Naturwissenschaft
behandelt. Und das wieder
hängt damit zusammen, daß
sich die Mathematik von der
Naturwissenschaft abgelöst hat.
Denn solange sie in un-
mittelbarer Verbindung mit der
Physik betrieben wird [es|is]t es klar,
daß sie keine Naturwissenschaft
ist. (Etwa, wie man einen Besen nicht
für ein Einrichtungsstück des Zim-
mers halten kann, solange man
ihn dazu benützt die Einrichtungs-
gegenstände zu säubern.)



     
In der Mathematik gibt es kein
„noch nicht” & kein „bis auf
weiteres” (außer in dem trivialen Sinne
in welchem mann ˇsagen kann man habe noch nicht 1000-stellige
Zahlen mit einander multipliziert<).>
hat).





     
Der Punkt √2 ist wesentlich der End-
punkt der Konstruk-
tion.
Und der Aus-
druck „der Endpunkt
der Konstruktion ist hier
keine Beschreibung im Russellschen
Sinne. Es ist nicht von einer bestimmten
Länge die Rede, die auch so ge-
wonnen werden kann. Und wie

der mathematische Satz die
Endfläche eines Beweiskörpers
so ist wie hier das Resultat
der Konstruktion der Endpunkt
der Konstruktion & sonst
nichts. Wie auch das 5-Eck
das Ende der 5-Ecks-Konstruk-
tion.



     
Daher kann ich auch von
einer Klasse von Punkten die
dem Punkt √2 analog sind
nur reden wenn ich von einer
Klasse analoger Konstruk-
tionen rede spreche.



     
Wenn mir eine endliche Reihe
von Ziffern gegeben ist so
kann ich offenbar jede der folgenden
Fragen fra stellen: <1)> Findet
sich in ihnen eine Periode?
<2)> Welche? 3) Ist es die Periode <(>z.B.<)> 1414…
Da hier jede dieser Fragen zu stellen
ist, glaubt man, es müssen auch
dort wo eine von ihnen in einem neuen
Sinn gestellt wird sich die andern
eo ipso stellen lassen. So sagt
man, die periodische Division 1 : 3 = 0'3
habe die Frage beantwortet ob
in der Entwicklung des Quotienten
1 : 3 lauter 3 stehen werden. Und
die Division scheint nun alle
die Fragen beantwortet zu
haben: „Gibt es hier eine Periode?”
„Welche?”, „Ist es z.B. die Periode 1414 …?’

29
„Geht der Dezimalbruch ohne Periode
in's Unendliche fort?” Folgt nun
daraus daß einen die perio-
dische Division verstanden hat
indem er, wie wir sagen würden,
einsieht daß nun
immer so weiter gehn muß, — folgt
daraus, daß er nach einer
Periode suchen kann wenn
noch keine zu sehen ist? Kann
er also, nach dem er
periodisch verstan aufge-
fasst hat damit auch
die Periode von 1 : 7 finden?
finden? d.h. kann er sie
suchen? Offenbar nicht. D.h.
, die Frage „Ist 1 : 7 periodisch”,
hat für Ihn ihn keinen Sinn,
wohl aber nicht die Frage „Wird 1 : 7
nach den ersten 2, 3, 4 Stellen
periodisch”.

„Kommt die Entwicklung von 1 : 7
jemals zu einem Ende” ist für ihn
[S|s]innlos, ebenso ˇsinnlos wie die Frage „lie-
fert 1 : 7 einen endlosen nicht perio-
dischen Dezimalbruch oder einen
periodischen”; dagegen hat die Frage
Sinn „wird 1 : 7 nach den ersten
4 Stellen periodisch”? & natürlich
auch die Frage „ist die Periode
0'14 14…”.
  Wenn er aber nun die Periode
von 1 : 7 gefunden hätte, hätte er
dann nicht doch alle jene Fragen
damit beantwortet? Nein, nur die,

nach deren Antwort er hat suchen
können. Oder auch: die andern
f Fragen hatten nur den Sinn
den die gefundene Antwort ihnen
gibt. Erklären wir dies auf andere
Weise: Angenommen wir hatten je-
mandem multiplizieren gelehrt,
aber nicht dividieren. Er hätte nun
gefunden daß 14 × 15 = 210 ist & ich
sagte ihm , dieses Resultat
können wir auch so ausdrücken:
„210 : 15 = 14”. Hätte damit nun
die Fragestellung auf die das
Dividieren antwortet einen Sinn er-
halten? Nein, die ist eine ganz
andere deren Grammatik uns
erst die Methode des Dividierens
gibt. Ich hätte auch einen Men-
schen nicht multiplizieren gelehrt
dem ich die Definition 1 × 1 = 1 gege-
ben hätte.



     
Die mathematischen Sätze als Mittel
um die Beweise zu katalogisieren. (Ursell)



     
Eine Hypothese als unumstößliche
Regel der Darstellung angenom-
men, wird zum Koordinatensystem.



     
„Schnitt” ist nach der üblichen
Erklärung wirklich das, was
sich mit den allen Rationalzahlen ver-
gleichen läßt. Denn wenn man
den Schnitt z.B. an der √2 am Beispiel
der √2 erklärt, so zeigt man nur

30
daß man in diesem Falle eine Defi-
nition von ‘größer’ & ‘kleiner’ geben
kann die der der für die Ratio-
nalzahlen ähnlich [analog] ist. Näm-
lich .


     

  Unbewußte Zahnschmerzen.
Was heißt der Satz: „ich bin mir
meiner Zahnschmerzen bewußt”.
Ich bin mir meiner Armut bewußt
istich bin arm. Dagegen:
ich bin mir meiner Zahnschmerzen
bewußt = ich habe Zahnschmerzen.
Es sei denn ich führe eine neue
Alternative in meiner Ausdrucks-
weise ein; dann aber muß ich
erst ihre Anwendung zeigen
sonst habe ich ihr noch keinen
Sinn gegeben.





     
[zu „Schmerzen”]
Muß sich denn nicht eine Welt be-
schreiben lassen, worin der solipsistische
Fehler uns weniger nahe liegt. Wo die
Tatsachen solche sind, daß wir we-
niger leicht zu einer einseitigen Grammatik
verführt werden?





     
In meinen Betrachtungen der Mathematik
[über die Mathematik] spielen winzige Verän-
derungen der symbolischen Ausdrucksweise
eine Rolle. Was so gesagt [dargestellt] klar
& durchsichtig ist, kann, ein wenig
anders gesetzt, undurchsichtig oder

irreführend sein.





     
‘Jemandem für etwas dankbar sein’ analog
‘jemanden erwarten’, etc..





     
Zeichnung eines 4Dimensionalen Würfels
(als Erklärung meiner Auffassung
der perspektivischen Zeichnung als 3-dimen
sionaler). [Gehört vielleicht zur Be-
trachtung des math. Beweises als
Ornament]





     
Das Gesichtsbild wenn man feinen Regen
niedergehn sieht: man sieht eine Be-
wegung, aber nicht etwas Bestimmtes
sich bewegen.



     
Schädlichkeit der Ausdrucksform
„Sinn”, „Bedeutung”, die immer wieder
die Idee von Schatten (Geistern) hinter
den Wörtern & Sätzen geben.



     
„Ich denke mir viel mehr, als ich sage” —
wie kann man das vergleichen?



     
Was heißt „Gegenstände zählen”?



     
Wir mischen uns nicht in das, was der Mathe
matiker tut, erst wenn er behauptet Meta
mathematik zu treiben, dann kontrollie-
ren wir ihn.




     

31

  Wenn wir uns einige male rasch
im Kreis herumdrehen & dann
stehen bleiben, so scheint sich
das Zimmer um uns zu drehen & doch
sehen wir nicht, daß Gegenstände um
uns dabei unserm Blick entschwinden
& andere in unser Gesichtsfeld treten,
wie es doch bei einer Drehung des
Zimmers der Fall sein müßte. Ganz
ähnlich dem ist es aber, wein ein
Musikstück so gespielt wird, daß
es uns scheint, es würde schneller &
schneller gespielt & dabei müssen
wir uns sagen daß sich das Tem-
po im Ganzen nicht merkbar verändert.



     
Man kann zu dem ersten Fall
sagen: es gibt eben nicht nur
visuelle Bewegung.



     
Schwanken des Begriffs ‘Wortart’.
Ist “3” die gleiche Wortart wie ‘4’?















     

Umarbeitung.
Zweite Umarbeitung im großen Format


     

  Wie kann man von vom ‘vVerstehen’ &
‘nicht vVerstehen’ eines Satzes reden, —
ist es er nicht erst ein Satz, wenn
man ihn versteht?



     
D.h.: [k|K]ann denn nicht, eine Zusam-
menstellung von Sesseln, z.B., ein
Satz sein, wenn man sie als sol-
chen versteht & andernfalls
hat sie doch nicht das Geringste
mit einem Satz zu tun & man
kann nicht davon reden, ‘sie
zu verstehen’.



     
Man kann sagen: eine chinesische
Aufschrift sagt mir so wenig
wie ein Tapetenmuster oder etwa
die Stellung von Sesseln in
einem meinem Zimmer. — Und anderseits
könnte auch das Tap<e>tenmuster
& die Gruppe von Stellung der Sesseln mir ˇnach gehöriger Übereinkunft
etwas mitteilen.



     
Das zeigt an daß ich die Bedeu-
tungen des Wortes ‘verstehen’ &
des Wortes ‘Satz’ hier zu wenig
spezialisiert habe.



     
Es hat, wie wir das Wort ‘verste-
hen’ gebrauchen, keinen Sinn
zu fragen “verstehst Du diese Baum

gruppe” es sei<…> denn daß jemand
im Begriffe sei eine Sprache zu lernen

2
deren Ausdrucke etwa Gruppierungen
von Bäumen wären.


     
“Das Verstehen fängt erst mit dem
Satz an.”
  Dadurch hat man die Bedeutung
des Wortes “verstehen” auf ein bestimm-
tes Gebiet
festgelegt.



     

  Es gibt keine Metalogik. Auch
das Wort “verstehen”, der Aus-
druck “einen Satz verstehen”, sind
nicht metalogisch.



     

  Es ist doch seltsam, daß die Wissen-
schaft & die Mathematik die Sätze
gebraucht, : aber vom Verstehen die-
ser Sätze nicht spricht.



     
Man sieht im Vers<t>ehen das Eigentliche,
im Zeichen das Nebensächliche. — Übri-
gens, wozu dann das Zeichen über-
haupt? — Nur um sich Anderen
verständlich zu machen? Aber wie
ist das möglich? — Man sieht da Es wird da das
Zeichen als eine Medizin an angesehen, die im
Andern die gleichen Zustände hervorrufen
soll, wie ich sie habe. die ich habe..



     
Auf die Frage: “was meinst Du?” (etwa
mit dieser Handbewegung) ist die Antwort:
“ich meine p” (etwa: ich meine, Du sollst hinausgehen)
& nicht “ich meine, was ich mit dem Satz
‘p’ meine”.




     

3
Wenn Frege gegen die formale Auf
fassung der Arithmetik spricht,
so sagt er gleichsam: diese klein-
lichen Erklärungen, die Symbole Zeichen
betreffend, sind müßig, wenn wir
die Zeichen verstehn. Und das Verstehn
wäre quasi das Sehen eines Bildes, aus
demc welchem alle Regeln folgen<,> (wodurch sie
verständlich werden. Frege schien scheint
aber nicht zu sehen, daß dieses Bild
wieder selbst ein Zeichen ist, oder ein Kalkül,
der uns den geschriebenen Kalkül er-
klärt.
   Und, was wir ˇim Allgemeinen[V|v]erstehen einer Sprache’
nennen, ist überhaupt im Allgemeinen von der Art
des Verständnisses, das welches wir für einen
Kalkül kriegen, wenn wir z.B. seinen
Ursprung, seine Genesis, oder seine prakti-
sche den Grund seiner Entstehung oder seine praktische … Anwendung kennen lernen. Und
auch da lernen wir einen übersich
tlichern Symbolismus statt des frem-
dern kennen. (Wie wenn Denken wir es hätte [e|E]iner das Schach-
spiel zuerst als Schreibspiel kennen
lernte gelernt hätte & ihm später erst ˇwäre ihm die ‘Deutung’
dieses Spiels als eines Brettspiels ge-
zeigt würde worden.) Verstehen heißt hier etwas
[ä|Ä]hnliches wie Übersehen.



     
Wenn ich jemandem einen Befehl gebe, so ist es
mir ganz genug, ihm Zeichen zu geben. Und
ich würde ˇeinen Befehl hörend nie sagen: das sind ja nur Worte,
& ich muß hinter die Worte dringen. Und
wenn ich jemand etwas gefragt hätte &
er gibt mir eine Antwort (also ein Zeichen),
bin ich zufrieden — das war es gerade, was

4
ich erwartete — & wende nicht ein: “das
ist ja eine bloße Antwort”. (Es ist klar,
daß nichts andres erwartet werden
konnte, & daß die Antwort den
Gebrauch einer Sprache, eines bestimmten
Sprachspiels, voraussetzte; wie alles was
wir sagen können.



     
Wenn man aber sagt: “wie soll ich
wissen, was er meint, ich sehe ja nur
seine Zeichen?”, — so sage ich: “wie soll
er wissen, was er meint; er hat ja auch
nur seine Zeichen”.
    


     
Die Sprache muß für sich selbst sprechen




     
Gesprochenes kann man nur durch die
Sprache erklären, darum kann man
die Sprache als solche selbst in diesem
Sinne
nicht erklären.
    Die ganze Sprache kann man
nicht interpretieren. Eine Interpretation
ist immer nur eine im Gegensatz zu
einer anderen. Und jede hängt sich
an das erklärte Zeichen & vergrößert erweitert
die Sprache.



     
Man kann auch sagen: Die Meinung
fällt aus der Sprache heraus; denn
wenn man fragt, gefragt wird, was ein Satz meint,
<(>so<)> wird dies wieder durch einen Satz
gesagt. //; denn die Frage, was ein Satz meint,
wird durch einen Satz beantwortet. //
// denn was ein Satz meint, wird wieder durch einen
Satz gesagt //

     

5


“Was hast Du mit diesen Worten
gemeint?”
“Hast Du diese Worte gemeint Hast Du gemeint, was Du gesagt hast?” (oder
nur gesagt).




     

  Die zweite Frage steht zur ersten
nicht in dem Verhältnis, wie die
Frage “bist Du verliebt?” zu der “wen
liebst Du?”.
  Auf die erste Frage kommt ein
Satz (ein weiteres Zeichen) zur Antwort;
das was man eine Erklärung des
Sinnes nennt. [… zur Antwort, eine Er-
klärung des Sinnes der ursprünglichen
Worte.]



     
Die erste dieser Fragen ist nicht eine ge-
nauere Bestimmung zur zweiten. (Es
ist also nicht der Fall “bist Du verliebt,
& wen liebst Du”.)
  Auf die erste Frage kommt ein
Satz (ein weiteres Zeichen) zur Antwort der den ersten ersetzt; eine
Erklärung ˇdes Sinnes des ursprünglichen Zeichens.
Die zweite Frage fragt nicht nach einer
Erklärung.



     
Der zweiten Frage ähnlich ist die: “hast
Du das im Ernst oder im Spaß gemeint?”



     
Dem Worte “meinen” analog wird das Wort
“verstehen” gebraucht.




     

6

  Das Wort “verstehen”, wie das Wort
“meinen”, wird mit in verschiedenen Bedeu-
tungen verwendet. // in mehrfacher Bedeu-
tung
verwendet. // In einer Art der An-
wendung bedeutet es eine psychische
Reaktion beim Hören, Lesen, Aussprechen
etc. des Satzes. Das Verstehen ist hier dann
das Phänomen, welches sich einstellt,
wenn ich den Satz einer mir geläufigen
Sprache höre oder lese & welches das
sich nicht einstellt, ausbleibt, wenn ich etwa
einen chinesischen Satz höre.



     
Das Lernen der Sprache steht zu dem
Verstehen in diesem Sinne im Verhältnis
der Ursache zur Wirkung.



     
Und wenn man das Verstehen des
geschriebenen Satzes die seelische Reak-
tion nennt, die der Satz, wie er an uns
vorbeiläuft, erzeugt hervorruft, dann ist dieses
Verstehen <(>wieder<)> die Wirkung des
Satzzeichens auf uns. den, der es liest.
   Das Dieses Verständnis // Verstehen // geschieht
nur so wie das Hören des Satzes &
begleitet es. das Hören.
    Ich kann in diesem Sinn von einem
‘erleben’ des Satzes reden.
    Der Satz, wenn ich ihn verstehe, be-
kommt für mich Tiefe
   “Ich sage das nicht nur, ich meine
auch etwas damit”. — Wenn man überlegt,
was dabei in uns vorgeht, wenn wir Worte
meinen (& nicht bloß sagen), so ist es uns,
als wäre dann etwas mit diesen Worten

7
gekuppelt, während sie sonst leer liefen.
— Als ob sie, gleichsam etwa, in uns eingriffen.



     
⋎ p. 21

     

  Ich verstehe einen Befehl als Befehl,
d.h. ich sehe in ihm nicht nur diese
Struktur von Lauten oder Strichen, son-
dern sie hat — sozusagen — einen Einfluß
auf mich. Ich reagiere auf einen
Befehl (auch ohne ihn zu befolgen)
anders, als auf eine Mitteilung
oder Frage. (Ich lese ihn auch mit
anderem Tonfall, mit anderer Geste.)



     
Dem Das Verstehen, in diesem Sinne, eines Satzes
ist das mit dem Verstehen eines Bildes ähnlich.
zu vergleichen. Und hier gibt es wieder
verschiedene Fälle.
Denken wir uns
eine <…> Zeichnung die eine Gruppe räum
licher Gegenstände von Gegenst. im Raum darstellen soll; aber
wir sind seien unfähig einen ˇbestimmten Teil des
Bildes raumlich als räumliche
Darstellung zu sehen sondern
sehen nur Flecke & Striche auf in der
Bildfläche. Wir können dann sagen,
wir verstehen diesen Teil des Bildes
nicht. — Ich sage aber auch, ich verstehe
das Bild nicht, wenn ich zwar alles
räumlich sehe, die räumlichen Gestal-
ten aber solche sind nicht als mir
wohlbekannte Gegenstande (Bäume, Tiere,
Häuser etc.) wiedererkenne.
   Angenommen etwa das Bild stellte eine
Gruppe von Menschen dar & die Menschen
darauf wären etwa einen Zoll lang. Gäbe
es nun ˇwirkliche Menschen ˇvon dieser Länge so könnten

8
wir sie in dem Bild erkennen, das Bild als
lebensgroße [d|D]arstellung empfinden; &
es würde uns nun einen ganz anderen
Eindruck machen, obwohl doch die
Illusion der dreidimensionalen Gegenstän
de ganz die gleiche wäre, wie als im Falle wenn
das Bild Menschen der gewöhnlichen
Größe darstellen sollte. Und der Ein-
druck des Bildes, , den das Bild macht, die Art wie ich es
auffasse, existiert ˇnun unabhängig davon
daß ich Menschen der gewöhnlichen
Größe oder Zwerge von einem Zoll Länge
gesehen habe, wenn auch dies die
Ursache dieses des Eindrucks sein mag.
(Ebenso, wie ich zwar ˇvielleicht die Zeichnung
eines Würfels ˇvielleicht nur darum als Würfel räumlich sehe,
weil ich ˇso oft ˇeinen wirkliche<n> Würfel gesehen
habe; aber die Beschreibung des
räumlichen Gesichtsbildes ˇenthält nichts von
dem, enthält, was einen ‘wirklichen’
Würfel von einem gezeichneten gemalten unterschei-
det.)



     
Den verschiedenen Erlebnissen, wenn
ich ein Bild einmal so, <> einmal so,
sehe, ist es zu vergleichen, wenn ich
einen Satz einmal mit Verständnis, & einmal ohne Ver-
ständnis lese. (Erinnere Dich daran,
wie es ist, wenn man einen Satz mit
falscher Betonung liest, ihn daher
nicht versteht, & nun auf einmal da-
rauf kommt, wie er zu lesen ist.)
   (Lesen einer schleuderhaften Schrift.)



     
Wenn man eine Uhr abliest, so sieht

9
man einen Komplex von Strichen, Flecken,
etc.; aber man sieht ihn auf bestimmte
Weise, wenn man ihn als Zifferblatt
& Zeiger auffaßt. (Wie man den Orion Mond als
Mann Gesicht, aber auch anders sehen kann.)



     
Denke auch an den Unterschied des
Verständnisses, wenn man in
einem Satz ein Wort einmal als
dem einen Wort, einmal als dem
andern Wort zugehörig empfindet.



     
Als den ‘gelesenen Satz’ können wir
nun das Schriftzeichen, aber auch
das besondere Erlebnis, <> das Zeichen
so gesehen, so aufgefaßt — bezeichnen.
(Hier ist eine Quelle von Verwechslungen.)



     
Erinnern wir uns nun an eine Mehrdeu-
tigkeit des Wortes verstehn. Wenn ich
in einem Buch lese: “nachdem er das
gesagt hatte, verließ er sie, wie am
vorigen Tage” — fragt man mich ob ich
diesen Satz verstehe so ist es nicht
leicht darauf zu antworten. Es ist
ein deutscher Satz & insofern verstehe
ich ihn: Ich wüßte, wie man diesen
Satz etwa gebrauchen könnte. Ich
könnte selbst einen Zusammenhang
für ihn erfinden. Und doch verstehe
ich ihn nicht in dem Sinne, in dem wie
ich ihn verstünde, wenn ich eine
Erzählung gelesen hätte, in welcher er
so steht. (Vergleiche: [V|v]erschiedene Sprach-
spiele.)

     

10
Verstehen wir Lewis Carroll's Gedicht “Jabberwocky”[?|,]
oder Gedichte von Christian Morgenstern?



     
Es sei mir ein Satz in einer mir nicht
geläufigen Chiffre gegeben & zugleich
auch der Schlüssel zu ihrer [e|E]ntziffe-
rung. Dann ist uns <(>natürlich<)> in
gewissem Sinne [a|A]lles zum Verständnis
des Satzes gegeben. Und doch würde ich
auf die Frage ob ich den Satz verstehe
etwa antworten: “ich muß ihn erst
entziffern”; & wenn ich ihn als deutschen
Satz entziffert vor mir hätte, würde
ich sagen: “jetzt verstehe ich ihn”.
   Wenn man nun die Frage stellt:
“in welchem Augenblick der Über-
tragung (aus der Chiffre ins Deutsche)
beginnt das Verstehen // der Zustand des
Verstehens // des Satzes”, so erhält
man einen Einblick in das Wesen dessen,
was wir “verstehen” nennen.



     
Ich sage einen Satz “ich sehe dort
einen schwarzen Kreis”; ich kann nach
Übereinkunft die Wörter dieses Satzes
durch andre Zeichen ersetzen & der <ein>
Satz in den neuen Zeichen wird dann
den selben Sinn erhalten. Schreiben wir
also statt der 6 Wörter des Satzes die
ersten 6 Buchstaben des Alphabets. Dann
heißt der Satz: “a b c d e f”. Aber nun
zeigt [s|e]s sich, daß ich — wie man sagen
möchte — den Sinn des oberen Satzes
nicht ohne weiteres in dem Ausdruck
“a b c d e f” denken kann. Ich könnte

11
es auch so sagen: ich bin nicht gewöhnt
statt ‘ich’ ‘a’ zu sagen & statt ‘sehe’ ‘b’,
statt ‘dort’ ‘c’, etc.. Aber damit meine ich
nicht, daß<,> <…> wenn ich daran gewöhnt
wäre, ich mit dem Zeichen ‘a’ sofort das
Wort ‘ich’ assoziieren würde; sondern,
daß ich nicht gew ich bin nicht gewöhnt
‘a’ an Stelle von ‘ich’ zu gebrauchen.










     
“Einen Satz verstehen”, kann soviel
heißen wie:
im Sinne von kann heißen “wissen, was der Satz be-
sagt”, & das heißt, : <,> die Frage “was
<be>sagt dieser Satz er” beantworten können.
    Den Sinn eines Satzes verstehen soll
dann
heiß[en|t]t: die Frage ‘was ist sein Sinn’
beantworten können.



     

   Verstehen (in dieser Bedeutung) ist das
Korrelat einer Erklärung des Sinnes.



     

  Es ist eine sehr häufige <…> häufig erscheinende Auffassung:
daß Einer Man meint oft, daß Einer … sein Verständnis nur un-
vollkommen zeigen kann. Daß er gleich-
sam nur immer aus der Ferne darauf
deuten, auch sich ihm nähern, kann
es aber nie mit der Hand berühren
kann. Und das Letzte immer ungesagt
bleiben muß. ↔
   Man fragt: Ist denn das Verständnis
nicht etwas anderes als der Ausdruck
des Verständnisses? — Ist es nicht so, daß

12
der Ausdruck des Verständnisses
eben ein unvollkommener Ausdruck
// eine unvollkommene Äußerung des V. // ist? —
   Das heißt doch wohl, ein Ausdruck,
der etwas ausläßt, — was aber wesentlich
unausdrückbar ist sein müßte[; d|. d]enn sonst könnte
ich ja eben einen bessern finden.



     
Uns interessie[r|t]en die ˇdie Tatsache daß gewisse psychischen Vor-
gänge einen Satz erfahrungsgemaß
begleiten nicht; wohl aber das
Verstehen, die Auffassung, so weit
sie in einer
, die in einer Erklärung des Sinnes <(>der
Bedeutung<)>
niedergelegt ist sind.



     
Es ist schwierig die Grammatik des
Wortes “meinen” klar zu sehen. Aber
der Weg dazu führt über die Frage
“welches ist das Kriterium dafür,
daß wir etwas so meinen”,<,> & welcher
Art ist der Ausdruck den dieses “so
vertritt. Die Antwort auf die Frage
“wie ist das gemeint” stellt die Ver-
bindung zwischen zwei sprachlichen
Ausdrücken her. Also fragt auch
die Frage nach dieser Verbindung
< Als hätte man zwei Bilder die dieselbe Person darstellen, diese
selbst aber könnte ich nicht zeigen. >
     Der Gebrauch der Hauptwörter
“Sinn”, “Bedeutung”, “Auffassung” & an-
derer Wörter verleitet uns zu glauben,
daß dieser Sinn,. etc, dem Zeichen so
gegenübersteht, wie das Wort — der
Name — dem Ding, das sein Träger ist.
So daß man sagen könnte: “[d|D]as
Zeichen hat eine ganz bestimmte Bedeutung,
ist in einer ganz bestimmten Weise gemeint,

13
die ich nur in Ermanglung eines direkten
Weges wieder durch ein Zeichen ausdrücken
muß”. Die Meinung, die Intention, wäre
gleichsam seine Seele die ich am liebsten
selbst zeigen möchte, auf die ich aber
leider nur indirekt durch ihren Körper
hinweisen kann. —

         Wenn ich ˇum den Sinn eines Pfeiles zu erklären sage: “ich meine diesen Pfeil so, dass man ihm durch ei-
ne Bewegung in der Richtung vom Schwanz zur Spitze folgt”, so gebe ich ei-
ne Definition (ich setze ein Zeichen für ein andres), während es scheint,
als hätte ich sozusagen die Aussage // Angabe // des Pfeils , die der Pfeil macht ergänzt. Ich
habe den Pfeil durch ein neues Zeichen ersetzt, das wir statt des Pfeiles
gebrauchen können.    — Gebrauchen können —.   Während es
   scheint  , als wäre der Pfeil selbst wesentlich unvollständig // un-
vollkommen //
, ergänzungsbedürftig, und als hätte ich ihm nun die nötige
Ergänzung gegeben. Wie man eine Beschreibung eines Gegenstandes als un-
vollkommen erkennt und vervollständigt // vervollständigen kann //. Als
hätte der Pfeil die Beschreibung angefangen und wir sie durch den Satz
vollendet. — Auch so: Wenn ich,, wie oben, sage “ich meine diesen Pfeil so,
dass …”, so ? — macht es den Eindruck — ?, als hätte ich jetzt erst das Ei-
gentliche beschrieben, die Meinung; als wäre der Pfeil gleichsam nur das
Musikinstrument, die Meinung aber die Musik, oder besser: der Pfeil das
Zeichen — das heisst in diesem Falle — die Ursache des inneren, seelischen,
Vorgangs und die Worte der Erklärung erst die Beschreibung dieses Vorgangs.
Hier spukt die Auffassung des Satzes als des eines Zeichens des Gedankens; und
des Gedankens als eines Vorgangs in der Seele, oder im Kopf. ))eigentlich adns








     

  Was wir Der Vorgang den wir … ‘verstehen’ nennen, ist manch-
mal ein Vorgang des Übersetzens Nachziehens des
Zeichens in ein anderes Bild.
     Das Verstehen einer Beschreibung kann

14
man mit dem Zeichnen eines Bildes nach
dieser Beschreibung vergleichen.



     
Wir reden von dem Verständnis eines Satzes
als der Bedingung dafür, daß wir ihn
anwenden können. Wir sagen “wir können
einen Befehl nicht verstehen befolgen
wenn wir ihn nicht verstehen”, oder “ˇich muß ihn verstehen<,> ehe
<ich> wir ihn verstehen befolge”.


     
Damit hängt es zusammen, daß wir sagen:
“Ich verstehe dieses Bild genau[:|,] ich
könnte es plastisch darstellen”. “Ich
verstehe diese Beschreibung genau, ich
könnte ein Bild nach ihr zeichnen.


     
Wir reden von dem Verständnis eines Satzes
als der Bedingung dafür, daß wir ihn
anwenden können. Wir sagen: “ich kann
einen Befehl nicht befolgen, wenn ich ihn
nicht verstehe”, oder “ich muß ihn ver-
stehen,
<>ehe ich ihn [befolge|verstehe]”.

     

↺ Man könnte es in gewissen Fällen <(>offiziell<)>
als das Kriterium des Verständnisses ˇeines Befehls
festsetzen, daß der welcher ihn bekommt erhält
seinen Sinn muß zeichnerisch darstellen wiedergeben
können.



     

  “Muß ich wirklich einen Satz verstehen, um
nach ihm handeln zu können?” — “Gewiß, ! ,
sonst wüßtest Du ja nicht, was Du zu tun
hast.” — “Aber was nützt mich dieses Wissen?
vom Wissen zum Tun ist ja wieder ein Sprung.”



     

15
Wenn “einen Satz verstehen” heißt, in bestimm-
ter Weise nach ihm handeln, dann kann
das Verständnis nicht die logische Be-
dingung dafür sein, daß wir nach ihm
handeln.



     
↻ Aber der Satz “ich muß den Befehl
verstehen, ehe ich nach ihm handeln
kann” hat natürlich einen guten
Sinn; nur keinen Aber jedenfalls keinen metalogischen.
Denn auch das Verstehen ist kein metalogischer Begriff.



     
Der Begriff, welchen man vom Verstehen hat,
ist etwa, daß man damit dadurch vom Zeichen
näher an die dargestellte Realität kommt,
von den Worten des Befehls näher an
die Befolgung. Und in einem psycholo-
gischen Sinn kann das richtig sein.



     
“Ich muß doch einen Befehl verstehen,
um nach ihm handeln zu können” — hier
ist das ‘muß’ verdächtig. Wenn das ein
logisches Muss ist, so so ist der Satz
eine Grammatische Anmerkung.
    Auch wäre das könnte man da fragen:
“Wie lange vor dem Befolgen mußt Du den
Befehl versteh<e>n?”



     
Wenn mit dem Verstehen ein psychischer
Vorgang gemeint ist & gesagt werden soll wird,
daß dieser Vorgang Prozess erfahrungsgemäß
ˇimmer eintritt ehe ein Mensch einen Befehl be-
folgt, so interessiert uns diese Aussage
nicht. (Eine Erklärung “den Befehl befolgen”
wolle man es nur nennen, wenn jener
psychische Vorgang eing<e>treten sei, wäre

16
müßig.)



     
Soll “verstehen” heißen: erklären können,
— warum sollte das notwendig sein,
um den Befehl zu befolgen. (Es han-
delt sich hier natürlich nicht um logi-
sche Notwendigkeit.)



     
Wenn das Verstehen eine Vorbereitung
des Folgens Befolgens war, so hat es dem Zeichen der Wahrnehmung des Zeichens
des Befehls etwas hinzugefügt;
aber etwas, was jedenfalls nicht die
Ausführung <(>des Befehls<)> war.



     
Es scheint uns “Ich kann den Befehl
nicht ausführen, weil ich nicht verstehe, was
Du meinst. Ja, jetzt verstehe ich Dich.” — Was
ging da vor, als ich plötzlich den Andern
verstand?
   Da gab gibt es viele Möglichkeiten. Der Befehl
konnte z.B. in einer mir bekannten Sprache, aber
mit falscher Betonung gegeben worden sein
& es fiel mir plötzlich die richtige Betonung
der Worte ein. Einem Dritten würde ich dann
sagen: “jetzt verstehe ich ihn, er meint …” &
nun würde ich den Befehl in richtiger
Betonung wiederholen. Und mit dem Erfas
sen des wohlbekannten Satzes hätte ich
nun den Befehl verstanden; ich meine:
ich müßte nun nicht erst noch erst einen
abstrakten Sinn erfassen. // Und mit dem
Erfassen des richtig bettonten Satzes hätte
ich nun den Befehl verstanden. Ich meine:
ich müßte nun nicht noch erst einen abstrakten
Sinn erfassen, sondern es genügt mir

17
das Erleben des wohlbekannten Wortlautes
[| //] — Oder aber der Befehl wäre mir in ver-
standlichem Deutsch gegeben worden,
schiene mir aber ungereimt, da ich irgend
etwas in ihm mißverstanden habe; dann
fiel mir eine Erklärung ein “ach, er meint …”
& nun kann ich den Befehl ausführen.
      (Der Zerstreute, der auf den Befehl “rechts-
um” sich nach links gedreht hätte und
nun, an die Stirne greifend, sagte “ach so, ‘rechts-
um’!” & rechtsum machte.)



     

   Es konnten mir auch vor dem Verstehen
mehrere mögliche Deutungen, das heißt,
mehrere Erklärungen, vorschweben, für
deren eine ich mich dann entscheide.



     

  (Denke auch an den Fall: Es macht mir jemand
Zeichen & ich sage: “er meint, ich soll etwas tun;
aber was er wünscht, weiß ich nicht”.)












     

   Es scheint uns, als ob wir dem Befehl
durch das Verstehen etwas hinzufügen
(ˇetwa dem Befehl “” z.B.)
(etwa dem: )
etwas durch das Verstehen etwas hinzufügen,
was die Lücke zwischen Befehl & Aus-
führung füllt. So daß wir Einem der
sagte sagt “aber Du verstehst ihn ja, er ist also
nicht unvollständig”, antworten können:

18
“Ja, aber ich verstehe ihn<,> ˇaber nur, weil ich noch
etwas hinzufüge; die Deutung nämlich”.
       Aber was veranlaßt Dich gerade
zu dieser Deutung? Ist es der Befehl,<,> dann
war er ja schon eindeutig, da er diese Deu-
tung befahl. Oder hast Du die Deutung
willkürlich hinzugefügt<,>, dann hast
Du ja auch den Befehl nicht verstanden,
sondern erst das, was Du aus ihm gemacht
hast.



     
Eine Interpretation ist doch etwas, was in
Zeichen gegeben wird. Es ist diese Interpreta-
tion im Gegensatz zu einer anderen (die
anders lautet. Wenn man also sagte:
“jeder Satz bedarf noch einer Interpretation,”
— so hieße das: kein Satz kann ohne einen
Zusatz verstanden werden.



     
Es geschieht wohl daß ich ˇein Zeichen deute, ihm
eine Deutung hinzufüge, aber durchaus
nicht immer, wenn ich Zeichen verstehe.
   Wenn man mich fragt “wieviel Uhr ist es”, so
geht in mir keine Arbeit des Deutens vor. Son-
dern ; sondern ich reagiere ˇeinfach auf das, was ich sehe
& höre. (Wie ich, wenn Einer das Messer auf
mich zückt, ich nicht sage: “ich deute das als
eine Drohung.”)



     

   Wir sehen in der Philosophie immer dort Probleme, wo
keine sind. Und die Philosophie soll zeigen
daß dort keine sind. kein Problem ist.



     

19

  ‘Ein Wort verstehen’ im Sinne von: Wissen, wie es
gebraucht wird.






     
Wissen wie ein Wort gebraucht wird’ heißt
das Gleiche wie ‘es anwenden können.



     
Man gebraucht das Wort “können” so,
daß die Ausführung als das Kriterium der
Fähigkeit ist; aber auch so, daß sich das
Kriter
nicht die Ausführung das Kri-
terium ist.
   “Kannst Du diese Kugel heben?” — [i|I]ch sage
“ja”. Dann versuche ich, sie zu heben & es
gelingt mir nicht. — Da werde ich in einem
Fall sagen: „ich hatte mich geirrt; ich konn-
te es nicht”; aber es gibt auch den Fall:
“jetzt kann ich sie nicht heben, weil ich müde bin;
als ich sagte, <>ich k[ö|a]nn sie heben’, da konnte
ich es <(>auch<)>”. Ebenso: “ich dachte ich könnte
Schach spielen, aber ich habe es schon vergessen”
aber auch “als ich sagte ich könne es, da konn-
te ich's, jetzt aber habe ich ist mir durch den Schrecken
alles vergessen entfallen[; e|. E]tc..

   Gefragt, ‘wie weißt Du, daß Du es da-
mals konntest”, würde man ich etwa ant-
worten: “ich konnte so ein leichtes Gewicht
immer heben”, “ich hatte es gerade zuvor geho-
ben”, “ich habe vor we ku wenigen Jahren Schach
gespielt & mein Gedächtnis ist gut”, “ich hatte
mir gerade die Regeln rekapituliert”, u.s.w..
    Was uns als Anzeichen des Könnens
gilt Was ich als Beweis des Könnens betachte zeigt uns, in welcher Weise wir das Wort
“können” // dieses Wort // gebrauchen.

20

  In keinem dieser Fälle ist die Fähigkeit ein
bewußter Zustand, wie etwa Muskelschmerzen.



     

  Vergleiche folgende Sätze mit einander, deren von denen jeder
in anderem Sinne
einen Zustand beschreibt:
„ich habe den ganzen Tag Zahnschmerzen gehabt”
„ich habe mich den ganzen Tag nach ihm gesehnt”
„ich habe ihn den ganzen Tag erwartet”
„ich wußte schon den ganzen Tag seit gestern, daß er kommen werde”
„ich konnte kann seit gestern Schach spielen”.
In welchen dieser Sätze würden wir könnte man das Wort
“ununterbrochen” mit Sinn einsetzen?

↺ Kann man sagen: “ich <…> wußte seit gestern unun-
terbrochen, daß er kommen werde”?




     
Wenn man das Wissen einen <>Zustand<> nennt,
dann in dem Sinn, in welchem man vom
Zustand eines physikalischen Körpers oder
eines physikalischen Modells redet
(also im physiologischen Sinn, oder ˇauch im Sinn
einer Psychologie, die von unbewußten Zu-
ständen eines Seelenmodells redet). Und
das würde freilich auch jeder zugeben; aber
nun muß man noch sehen verstehen nun muß man sich noch darüber klar sein, daß man sich
dam<i>t ˇaus dem grammatischen Bereich der seelischen bewußten Zustände (Zahnschmerzen etc.) in ein anderes grammatisches Gebiet
begeben hat. Ich kann sehr wohl von un-
bewußten Zahnschmerzen reden, wenn der
Satz “ich habe unbewußte Zahnschmerzen”,
etwa nun vielleicht, bedeuten soll, was wir gewöhnlich
du<r>ch den Satz “ich habe einen schlechten Zahn,
der mir keine Schmerzen bereitet verursacht” ausdrüc-
ken. so ausdrücken: “… Der ‘bewußte Zustand’ (im früheren Sinn) steht
nun nich zum ‘unbewußten ˇZustand’ nun nicht in
dem grammatischen Verhältnis, wie ‘ein
Sessel, den ich sehe’ zu einem ‘Sessel den ich nicht

21
sehe, weil er im Nebenzimmer steht”. // Ich
kann wohl von “unbewußten Zahnschmerzen”
reden, wenn der Satz “ich habe unbewußte
Z.” etwa bedeuten soll: “ich habe einen schlech-
ten Zahn, der mir keine Schmerzen verursacht”.
Man muß nun sehen, daß der Ausdruck
“bewußter Zustand” (im früheren Sinne) zum
Ausdruck “unbewußter Zustand” nicht
in dem ˇgrammatischen Verhältnis steht wie “ein Sessel, den
ich sehe” zu “ein Sessel, den ich nicht sehe, weil
er versteckt ist”.



     
Etwas wissen ist damit zu vergleichen kommt für unsere Zwecke auf das Gleiche hinaus wie: ˇeinen Zettel in
meiner Tasche tragen, auf dem es aufge-
schrieben steht.

     
⋎ S. 35 A

     
Auf die Frage “verstehst Du das Wort
<>rot<>, weißt Du, welche Farbe <>rot<> heißt?”
würde kann <…> man antworten: “Ja; wenn hier etwas
Rotes wäre, so würde ich es erkennen”.



     

  Ist etwa Es sei
a
b
c
d
e
f
g
h

mein Wörterbuch, &<.> [i|I]ch übersetze mit ihm den
Satz “b d c a” in den Satz “f h g e”; nun
habe ich gezeigt, daß ich den Gebrauch
des Wörterbuchs verstehe & kann sagen,
daß ich auf gleiche Weise den Satz “c d a b”
übersetzen kann, wenn ich will.

     
⋎ S. 35 A


     
[Zu p. 7] Das Verstehen eines Satzes der Sprache
ist dem Verstehen eines Musikstücks <…>

22
verwandter, als man glauben möchte. — Warum
möchte sollen d müssen diese Takte
gerade so gespielt werden? Warum brin-
ge ich den Wechsel Rhythmus der Stärke & des Zeit-
maßes gerade auf dieses ganz be-
stimmte Ideal? Man möchte sagen:
“weil ich weiß, was das alles heißt”, —
aber was heißt es denn? — — Ich wüßte es
nicht zu sagen, außer wieder durch eine
Übersetzung in einen Ausdruck mit dem vom
gleichen Rhythmus. // … außer wieder durch
indem ich die Musik in einen ˇandern Ausdruck
vom gleichen Rhythmus ˇjenes Ideals übersetze. //



     
A “Ich kann das Wort <>gelb<> ‘Kugel’ anwenden”, — ist
das auf einer andern Stufe als: “ich kann
den König weiß, wie man den König im Schachspiel verwenden” verwendet.”? //“ich
kann mit dem König im Schachspiel ziehen”//?
// “ “Ich weiß, wie ein Bauer ziehen darf”.
“Ich weiß, wie das Wort ‘Kugel’ gebraucht
werden darf”.

     

⋎ p. 23 D p. 24 A




     
B Ein schwieriges Problem Paradox scheint der Gegen-
satz, das Verhältnis zu sein, zwischen dem
Operieren mit der Sprache im Laufe ihrer
Anwendung & dem momentanen Erfassen
des Satzes Sinnes.
    Aber wann erfassen wir, oder verstehen,
wir den Satz?! Nachdem Wenn wir ihn ausgesprochen
haben? Oder während wir ihn aussprechen? — Und ist
das Verstehen ein artikulierter Vorgang, wie das

23
sprechen oder schreiben bilden des Satzes[?|,] oder ein
unartikulierter? Und wenn ein artikulier-
ter: <,> — ist er projektiv mit dem andern
verbunden? oder ist seine Artikulation
von der des Satzes unabhängig? —
entspricht seine Articulation der des Satzes oder ist sie
von ihr unabhängig?


     
[Absatz]

     
<A> “Er sagt das, & meint es”. Vergleiche das
mit dem Satz: “er sagt das & schreibt
es nieder”, — & anderseits mit: “er sagt schreibt
das & unterschreibt es”.



     
↺ Wie lange braucht es, : einen Satz verstehn?
Und ˇwenn man ihn eine Stunde lang versteht,
beginnt man das immer wieder von frischem? neuem?



     
<C> Ist das Verstehen eines Satzes nicht dem Ver-
stehen eines Schachzuges als Zug des bestimm-
ten
Spieles analog
dieses des Spiels ähnlich vergleichbar? // Ist das Verstehen eines
Satzes nicht analog vergleichbar dem …? // Wer das Spiel
gar nicht kennt & sieht jemand einen Zug
machen, der wird ziehen, der wird … die Handlung nicht ver-
stehn, d.h. nicht als Zug eines Spiels. (Oder ˇauch,
nicht als Zug dieses Spiels.) Und es ist
etwas a Anderes den dem Zug mit Verständ-
nis des Spiels sehen folgen, als ihn ohne dieses
Verständnis zu sehen.

     
[ zu p. 22]

Wie, wenn man fragte: wann kannst Du
Schach spielen? Immer? oder ˇjetzt während Du
sagst, daß Du es kannst? es sagst? oder während
jedes ˇeines SchachZuges? — Und wie seltsam, daß Schach-
spielen-Können so kurze Zeit braucht & eine
Schachpartie so viel länger!
  (Augustinus: “Wann messe ich einen Zeitraum.”)



     

24
[ zu p. 22]

Wenn “das Wort ‘gelb’ verstehen” heißt, es
anwenden können, so ist die gleiche Frage:
wann kannst Du es anwenden? Redest
Du von einer Disposition? Ist es eine
Vermutung?

     

[Ordnung der Sätze: 22A, 23D, 24A, 22B, 23B, 23A, 23C]

     
Das Verständnis der Sprache — quasi des Spiels —
scheint wie ein Hintergrun[g|d], auf dem der
einzelne Satz erst Bedeutung gewinnt. (siehe § 25)




     
Man könnte sagen: Mich interessiert nur
der Inhalt des eines Satzes; & der Inhalt des
Satzes ist in ihm.

nicht
   Seinen Inhalt hat der Satz als Glied
eines Kalküls.
     Ist also “einen Satz verstehen” ˇnicht von
gleicher Art, wie “einen Kalkül verstehen” Einen Satz verstehen bedeutet: einen Kalkül verstehen?
also wie: “multiplizieren können”?



     
Was ist es aber dann, was uns immer das
Gefühl gibt, daß das Verstehen des Satzes
das Erfassen von etwas außerhalb ihm
Liegenden ist; aber nicht von der Welt außer-
halb der Zeichen, wie sie eben ist, sondern
von der Welt, wie sie das Zeichen sie — gleich-
sam — wünscht.

    Das Übersetzen in die Vorstellung &
das Eingreifen des Satzes in uns bilden
jenes Außerhalb.



     
Man möchte etwa sagen: “Ich sage ja nicht
nur ‘Zeichne einen Kreis’, sondern ich wünsche

25
doch daß der Andre etwas tut.” (Freilich!)



     
Das Verständnis der Sprache — quasi des
Spiels — scheint wie ein Hintergrund,
auf dem der einzelne Satz erst Be-
deutung gewinnt.



     
Wenn “die Bedeutung eines Wortes ver-
stehen” heißt, die Möglichkeiten seiner
grammatischen Anwendung kennen <,> so
kann ist die Frage entstehen denkbar: “Wie kann man ich
dann gleich wissen, was ich mit ‘Kugel’
meine, ich kann doch nicht die ganze Art
der Anwendung des Worts auf einmal
im Kopf haben?”
   In einem Sinne kann man sagen, ich
wisse die Regeln des Schachspiels (‘habe
sie im Kopf’) während wenn ich spiele. Aber ist
dieses “im Kopf haben” nicht nur eine Hypo-
these? Gewiß, dieses Wissen ist nur das hypo-
thetische Reservoir, woraus das wirklich
gesehene Wasser fließt.



     
⋎ S. 27/A, S. 31/A







     
Wenn Du von Rot gesprochen hast, hast Du
das gemeint, wovon man sagen kann,
es sei hell, aber nicht, es sei grün, auch
wenn Du an diese Regel nicht gedacht
hast noch von ihr Gebrauch gemacht hast?
— Hast Du das ~ verwendet, wofür ~~~p = p
ist? auch wenn Du diese Regel nicht ver-
wendet hast? Ist es etwa eine Hypothese,

26
daß es das ~ war? Kann es zweifelhaft
sein, ob es dasselbe war & durch die Erfah-
rung bestätigt werden?