Verstehen





















     


Das Verstehen, die Meinung,
fällt aus unsrer Betrachtung heraus.

























     

            Das Verstehen fängt aber erst mit dem Satz an. [& darum interessiert es uns nicht].


     


242
            Wie es keine Metaphysik gibt, so gibt es keine Metalogik. Das
Wort “Verstehen”, der Ausdruck “einen Satz verstehen”, ist auch nicht me-
talogisch.

243
talogisch, sondern ein Ausdruck wie    jeder   andre der Sprache.





     


61
            Auf die Frage “was meinst du”, muss zur Antwort kommen: p;
und nicht “ich meine das, was ich mit ‘p’ meine”.




     


74
            Die Sprache // Gesprochenes // kann man nur durch die Sprache er-
klären, darum kann man    die Sprache   ˇin diesem Sinne nicht erklären.



     


            Alles was ich in der Sprache tun kann, ist    etwas   sagen:
das    eine   sagen. (Das eine sagen im Raume dessen, was ich hätte sagen
können.)






     


520
                        “Etwas habe ich aber doch gemeint, als ich das sag-
te!” Gut, — aber wie können wir, was es ist, herausbringen? Doch wohl nur
dadurch, dass er es uns sagt. Wenn wir nicht sein übriges Verhalten zum
Kriterium nehmen sollen, dann also das, was er uns erklärt.

                  Du meinst, was Du sagst.



     

“Verstehen” amorph gebraucht.
            “Verstehen” mehrdeutig























     


            Könnte man aber antworten: “ich habe etwas mit dieser Bewegung
gemeint, was ich nur durch diese Bewegung ausdrücken kann”?



     


182
            Ich sehe eine deutsche Aufschrift und eine chinesische. — Ist
die chinesische etwa ungeeignet etwas mitzuteilen? — Ich sage, ich habe
[c|C]hinesisch nicht gelernt. Aber das Lernen der Sprache fällt als [gr|bl]osse Ur-
sache, Gesicht Geschichte, hera aus der Gegenwart heraus. Nur auf seine
Wirkungen kommt es an, und die sind Phänomene, die eben nicht eintreten,
wenn ich das Chinesische sehe. // anschaue. // (Warum sie nicht eintreten, ist
ganz gleichgültig.)


     


184
        Ist es denn willkürlich, welche Interpretation wir Geben wir denn den Worten
geben, die uns gesagt werdenˇ willkürliche Interpretationen? Kommt nicht das Erlebnis ders Interpretation Verstehens

185
mit dem Erlebnis des Hörens der Zeichen, wenn wir ‘die Sprache der Andern
verstehen’?


     


187
            Wenn mir jemand etwas sagt und ich verstehe es, so geschieht mir
dies ebenso, wie, dass ich höre, was er sagt. // wie, dass ich, was er sagt,
höre.// Und hier ist Verstehen das Phänomen welches sich einstellt wenn ich einen deutschen
Satz höre & welches dieses Hören vom Hören eines Satzes einer mir nicht geläufigen Sprache
unterscheidet.







     


            Ich verstehe doch einen Befehl als Befehl, d.h., ich sehe in ihm
nicht nur ein Gebilde, nur diese Struktur von Lauten oder Strichen, sondern es sie hat — sozusagen — einen Einfluss auf mich.
Ich reagiere auf einen Befehl (auch ehe ich ihn befolge) anders, als etwa
auf eine Mitteilung oder Frage.









     


207
            (Beim Lesen einer schleuderhaften Schrift kann man erkennen, was
es heisst, etwas in das gegebene Bild // Gebilde // hineinsehen. // … er-
kennen, wie man etwas in das gegebene … //






     

Das Verstehen als Korrelat
einer Erklärung.

































     


487

                        ((Die Schwierigkeit ist, die Grammatik des Wortes
“meinen” klar zu sehen. Aber der Weg dazu ist nur der über die Antwort auf
die Frage “welches ist das Kriterium dafür, dass wir etwas    so   meinen”
und welcher Art ist der Ausdruck, den dieses “   so  ” vertritt. Die Ant-
wort auf die Frage “wie ist das gemeint” stellt die Verbindung zwischen
zwei sprachlichen Ausdrücken // zwischen zwei Sprachen // her. Also fragt
auch die Frage nach dieser Verbindung. Der Gebrauch der Hauptwörter “Sinn”,
“Bedeutung”, “Auffassung” und anderer Wörter verleitet uns, zu glauben,
dass dieser Sinn etc. dem Zeichen so gegenübersteht, wie das Wort, der Na-
me, dem Ding, das sein Träger ist. So dass man sagen könnte: “der Pfeil
hat eine ganz bestimmte Bedeutung, ist in einer ganz bestimmten Weise ge-
meint, die ich nur [v|f]aute de mieux wieder durch ein Zeichen ausdrücken
muss”. Die Meinung, die Intention wäre quasi seine Seele, die ich am lieb-


     


303
                        Was die Erklärung des Pfeiles betrifft, so ist es
klar, dass man sagen kann: “Dieser Pfeil bedeutet // sagt // nicht, dass Du
dorthin (mit der Hand zeigend) gehen sollst, sondern dahin.” — Und ich würde
diese Erklärung natürlich verstehen. —
            “Das müsste man (aber) dazuschreiben”.


     

Das Verstehen des Befehls, die
Bedingung dafür, daß wir ihn
befolgen. Das Verstehen des Satzes
die Bedingung dafür, daß wir
uns nach ihm richten.



















     


128

            Das Verständnis eines Satzes kann nur die Bedingung dafür
sein, dass wir ihn anwenden können. D.h., es kann nichts sein, als diese die
Bedingung und es muss die Bedingung der Anwendung sein.




     

            Das Verstehen einer Beschreibung kann man, glaube ich, mit dem
Zeichnen eines Bildes nach dieser Beschreibung vergleichen. (Und hier ist
wieder das Gleichnis ein besonderer Fall dessen, wofür es ein Gleichnis
ist.) Und es würde wird auch in vielen Fällen als der Beweis des Verständnisses
aufgefasst.



     


164
            Man könnte es? aber in gewissen Fällen geradezu als Bedingung Kriterium des
Verstehens setzen, dass man den Sinn des Satzes muss zeichnen können. zeichnerisch darstellen können.Wenn




     


304
            Wenn man mir sagt “bringe eine gelbe Blume” und ich stelle mir
vor, wie ich eine gelbe Blume hole, so habe ich bewiesen so kann das ein Zeichen dafür sein, dass ich den Be-
fehl verstanden habe. Aber ebenso, wenn ich ein Bild des Vorgangs malte. —
Warum? Wohl, weil ich das, was ich tue, mit Worten des Befehls beschrieben wer-
den muss. Oder soll ich sagen, ich habe tatsächlich einen (dem ersten) ver-
wandten Befehl ausgeführt.