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Verstehen





















     


Das Verstehen, die Meinung,
fällt aus unsrer Betrachtung heraus.

























     

            Das Verstehen fängt aber erst mit dem Satz an. [& darum interessiert es uns nicht].


     


242
            Wie es keine Metaphysik gibt, so gibt es keine Metalogik. Das
Wort “Verstehen”, der Ausdruck “einen Satz verstehen”, ist auch nicht me-
talogisch.

243
talogisch, sondern ein Ausdruck wie    jeder   andre der Sprache.





     


61
            Auf die Frage “was meinst du”, muss zur Antwort kommen: p;
und nicht “ich meine das, was ich mit ‘p’ meine”.




     


74
            Die Sprache // Gesprochenes // kann man nur durch die Sprache er-
klären, darum kann man    die Sprache   ˇin diesem Sinne nicht erklären.



     


            Alles was ich in der Sprache tun kann, ist    etwas   sagen:
das    eine   sagen. (Das eine sagen im Raume dessen, was ich hätte sagen
können.)






     


520
                        “Etwas habe ich aber doch gemeint, als ich das sag-
te!” Gut, — aber wie können wir, was es ist, herausbringen? Doch wohl nur
dadurch, dass er es uns sagt. Wenn wir nicht sein übriges Verhalten zum
Kriterium nehmen sollen, dann also das, was er uns erklärt.

                  Du meinst, was Du sagst.



     

“Verstehen” amorph gebraucht.
            “Verstehen” mehrdeutig























     


            Könnte man aber antworten: “ich habe etwas mit dieser Bewegung
gemeint, was ich nur durch diese Bewegung ausdrücken kann”?



     


182
            Ich sehe eine deutsche Aufschrift und eine chinesische. — Ist
die chinesische etwa ungeeignet etwas mitzuteilen? — Ich sage, ich habe
[c|C]hinesisch nicht gelernt. Aber das Lernen der Sprache fällt als [gr|bl]osse Ur-
sache, Gesicht Geschichte, hera aus der Gegenwart heraus. Nur auf seine
Wirkungen kommt es an, und die sind Phänomene, die eben nicht eintreten,
wenn ich das Chinesische sehe. // anschaue. // (Warum sie nicht eintreten, ist
ganz gleichgültig.)


     


184
        Ist es denn willkürlich, welche Interpretation wir Geben wir denn den Worten
geben, die uns gesagt werdenˇ willkürliche Interpretationen? Kommt nicht das Erlebnis ders Interpretation Verstehens

185
mit dem Erlebnis des Hörens der Zeichen, wenn wir ‘die Sprache der Andern
verstehen’?


     


187
            Wenn mir jemand etwas sagt und ich verstehe es, so geschieht mir
dies ebenso, wie, dass ich höre, was er sagt. // wie, dass ich, was er sagt,
höre.// Und hier ist Verstehen das Phänomen welches sich einstellt wenn ich einen deutschen
Satz höre & welches dieses Hören vom Hören eines Satzes einer mir nicht geläufigen Sprache
unterscheidet.







     


            Ich verstehe doch einen Befehl als Befehl, d.h., ich sehe in ihm
nicht nur ein Gebilde, nur diese Struktur von Lauten oder Strichen, sondern es sie hat — sozusagen — einen Einfluss auf mich.
Ich reagiere auf einen Befehl (auch ehe ich ihn befolge) anders, als etwa
auf eine Mitteilung oder Frage.









     


207
            (Beim Lesen einer schleuderhaften Schrift kann man erkennen, was
es heisst, etwas in das gegebene Bild // Gebilde // hineinsehen. // … er-
kennen, wie man etwas in das gegebene … //






     

Das Verstehen als Korrelat
einer Erklärung.

































     


487

                        ((Die Schwierigkeit ist, die Grammatik des Wortes
“meinen” klar zu sehen. Aber der Weg dazu ist nur der über die Antwort auf
die Frage “welches ist das Kriterium dafür, dass wir etwas    so   meinen”
und welcher Art ist der Ausdruck, den dieses “   so  ” vertritt. Die Ant-
wort auf die Frage “wie ist das gemeint” stellt die Verbindung zwischen
zwei sprachlichen Ausdrücken // zwischen zwei Sprachen // her. Also fragt
auch die Frage nach dieser Verbindung. Der Gebrauch der Hauptwörter “Sinn”,
“Bedeutung”, “Auffassung” und anderer Wörter verleitet uns, zu glauben,
dass dieser Sinn etc. dem Zeichen so gegenübersteht, wie das Wort, der Na-
me, dem Ding, das sein Träger ist. So dass man sagen könnte: “der Pfeil
hat eine ganz bestimmte Bedeutung, ist in einer ganz bestimmten Weise ge-
meint, die ich nur [v|f]aute de mieux wieder durch ein Zeichen ausdrücken
muss”. Die Meinung, die Intention wäre quasi seine Seele, die ich am lieb-


     


303
                        Was die Erklärung des Pfeiles betrifft, so ist es
klar, dass man sagen kann: “Dieser Pfeil bedeutet // sagt // nicht, dass Du
dorthin (mit der Hand zeigend) gehen sollst, sondern dahin.” — Und ich würde
diese Erklärung natürlich verstehen. —
            “Das müsste man (aber) dazuschreiben”.


     

Das Verstehen des Befehls, die
Bedingung dafür, daß wir ihn
befolgen. Das Verstehen des Satzes
die Bedingung dafür, daß wir
uns nach ihm richten.



















     


128

            Das Verständnis eines Satzes kann nur die Bedingung dafür
sein, dass wir ihn anwenden können. D.h., es kann nichts sein, als diese die
Bedingung und es muss die Bedingung der Anwendung sein.




     

            Das Verstehen einer Beschreibung kann man, glaube ich, mit dem
Zeichnen eines Bildes nach dieser Beschreibung vergleichen. (Und hier ist
wieder das Gleichnis ein besonderer Fall dessen, wofür es ein Gleichnis
ist.) Und es würde wird auch in vielen Fällen als der Beweis des Verständnisses
aufgefasst.



     


164
            Man könnte es? aber in gewissen Fällen geradezu als Bedingung Kriterium des
Verstehens setzen, dass man den Sinn des Satzes muss zeichnen können. zeichnerisch darstellen können.Wenn




     


304
            Wenn man mir sagt “bringe eine gelbe Blume” und ich stelle mir
vor, wie ich eine gelbe Blume hole, so habe ich bewiesen so kann das ein Zeichen dafür sein, dass ich den Be-
fehl verstanden habe. Aber ebenso, wenn ich ein Bild des Vorgangs malte. —
Warum? Wohl, weil ich das, was ich tue, mit Worten des Befehls beschrieben wer-
den muss. Oder soll ich sagen, ich habe tatsächlich einen (dem ersten) ver-
wandten Befehl ausgeführt.










     


138
gen kann.






     


244
            “Ich kann den Befehl nicht ausführen, weil ich nicht verstehe,
was Du meinst. — Ja, jetzt verstehe ich Dich”.
            Was ging da vor, als ich plötzlich den Andern Verstand? Ich
konnte mich natürlich irren, und dass ich den Andern verstand, war eine
Hypothese. Aber es fiel mir ˇetwa plötzlich eine Deutung ein, die mir einleuch-
tete. Aber war diese Deutung etwas anderes, als ein Satz einer Sprache?


  (   

            Es konnten mir auch vor diesem Verstehen mehrere Deutungen vor-
schweben, für deren eine ich mich endlich entscheide. Aber das Vorschweben
der Deutungen war das Vorschweben von Ausdrücken einer Sprache. (?)


     

Deuten.
Deuten wir jedes Zeichen?
























     


227
            Denken wir uns einen Zerstreuten, der auf den Befehl “rechtsum”
sich nach links gedreht hätte und nun, an die Stirne greifend, sagte “ach
so — ‘rechtsum’!” und rechtsum machte.





     



   Man sagt: ein Wort verstehn heisst,
wissen wie es gebraucht wird.
     Was heisst es, das zu wissen? Dieses
Wissen haben wir sozusagen im
Vorrat.




















     


69
        Es ist so, wie wenn ich mir im Werkzeugkasten der Sprache Werk-
zeuge zum künftigen Gebrauc[g|h] herrichtete,. Ein Werkzeug ist ja auch das
Abbild seines Zwecks.


  (   


        (Es ist hier ein Schritt nötig, der dem der Relativitätstheorie
ähnlich ist.)



     


176
            Ich sage: Hier ist zwar nichts [r|R]otes um mich, aber wenn hier
etwas wäre, so    könnte   ich es erkennen. — Hier sage ich offenbar et-








     

Bedeutung
























     

Der Begriff der Bedeutung
stammt aus einer primitiven
Auffassung der Sprache her.























     


            Ich will damit sagen: Augustinus beschreibt wirklich einen
Kalkül; nur ist nicht alles, was wir Sprache nennen, dieser Kalkül.







     


96
            “Bedeutung” kommt von “[D|d]deuten”. [gemeint ist „hindeuten”]


     


96
            Was wir Bedeutung nennen, muss mit der primitiven Gebärden-
(Zeige-) Sprache zusammenhängen.





     


            Die Wörter haben offenbar ganz verschiedene Funktionen im Satz.
Und diese Funktionen scheinen uns ausgedrückt in den Regeln, die von den
Wörtern gelten.






     

Bedeutung der Ort des Wortes
im grammatischen Raum.

























     


227

können das Wort durch ein anderes ersetzen, das die gleiche Bedeutung hat.
Damit ist gleichsam ein Platz für das Wort fixiert und mann kann ein Wort
für das andere setzen, wenn man es an den gleichen Platz setzt.



     


344
den Platz des Wortes halten? So dass an einer Vorstellung quasi ein
Haken ist, — und hänge ich an    den   ein Wort, so ist ihm damit dadurch der
Platz angewiesen?

            Oder: Wenn ich mir den Platz merke, was merke ich mir da?




     


178
                        Der Ort des eines Wortes in der Sprache Grammatik ist seine Bedeutung.


     


   Wäre es nicht ähnlich wenn ich mich
entschlösse die Formen der Schach-
figuren zu ändern oder etwa eine Figur die wir jetzt „Rössel” nennen würden
als Königsfigur zu nehmen? die Figur eines Pferdchens als König zu nehmen? Wie
würde es sich nun zeigen dass ˇ<…> das
hölzerne Pferdchen Schachkönig ist?
Kann ich hier nicht sehr gut von
einem Wechsel der Bedeutung reden?












     


70

            Wir verstehen unter “Bedeutung des Namens” nicht den
Träger des Namens.







     


497

                    “Wenn ich wir nun auch sage sagen, der Träger des Namens ist
nicht seine Bedeutung, so bestimmt doch der Träger die Bedeutung; und wenn
ich, auf ihn zeigend, sage [|]das ist N’, so ist die Bedeutung von ‘N’ be-
stimmt.”

            Aber es bestimmt hier schon das richtige Verstehen des Wortes
‘Träger’ in dem besondern Fall (Farbe, Gestalt, Ton, etc.) die Bedeutung
bis auf eine letzte Bestimmung.


     


497
                      Wenn ich sage “die Farbe    dieses   [nicht sperren] Gegenstands
heisst ‘violett’”, so muss ich die Farbe mit den ersten Worten “die Farbe
dieses Gegenstands” schon benannt haben, sie schon zur Taufe gehalten haben,
damit der Akt der Namengebung ?—das sein kann, was er ist—?. Denn ich könnte
auch sagen “der Namen dieser Farbe (der Farbe dieses Dings) ist von Dir zu
bestimmen”, und der den Namen gibt, müsste nun schon wissen, wem er ihn gibt
(an welchen Platz der Sprache er ihn stellt).


     


465
satz zu etwas Anderm stünde, also etwa zu Form. Ich könnte also so erklären:
die Farbe dieses Flecks heisst “rot”, die Form “Kreis”.
            Und hier stehen die Wörter “Farbe” und “Form” für Anwendungsar-
ten (grammatische Regeln) und sind // bezeichnen // in Wirklichkeit Wort-
arten, wie “Eigenschaftswort”, “Hauptwort”. Man könnte sehr wohl in der
(gewöhnlichen?) Grammatik neben diesen Wörtern die Wörter “Farbwort”, “Form-
wort”, “Klangwort”, einführen. (Dass aber nicht jemand einwendet: “warum
dann nicht auch ‘Baumwort’, ‘Buchwort’ und”!)


     


754
                        Der Name, den ich einem Körper gebe, einer Fläche,
einem Ort, einer Farbe, hat jedes Mal andere Grammatik. Der Name “a” in
“a ist gelb” hat eine andere Grammatik, wenn a der Name eines Körpers und
wenn es der Name einer Fläche eines Körpers ist; ob nun ein Satz “dieser
Körper ist gelb” sagt, dass die Oberfläche des Körpers gelb ist, oder dass
er durch und durch gelb ist. “Ich zeige auf a” hat verschiedene Grammatik,
je nachdem a ein Körper, eine Fläche, eine Farbe ist etc.. Und so hat auch
das hinweisende Fürwort “dieser” andere Bedeutung (d.h. Grammatik), wenn
es sich auf Hauptwörter verschiedener Grammatik bezieht. // Hauptwörter
mit verschiedener Grammatik bezieht.//


     



   Die Bedeutung eines Wortes ist
das, was die (grammatische) Er-
klärung der Bedeutung erklärt.






















     


227

            Veranlassen wir es dadurch nicht, Worten einen Sinn beizule-
gen, ohne dass wir sie durch ein anderes Zeichen ersetzen, also ohne die-
sen Sinn auf andere Weise auszudrücken? Veranlassen wir es nicht gleichsam,
für sich etwas zu tun, dem kein äusserer Ausdruck gegeben wird, oder wozu
der äussere Ausdruck nur im Verhältnis einer Hindeutung, eines Signals,
steht. Die Bedeutung liesse sich nicht aussprechen, sondern nur auf sie von
ferne
hinweisen. ˇSie ließe sich gleichsam nur verursachen. Aber welchen Sinn hat es dann überhaupt, wenn wir von die-
ser Bedeutung reden? Denken wir (Schlag und Schmerz)










     

145 70

            Mißverständnis nenne ich das was durch eine Erklä-
rung zu beseitigen ist. Die Erklärung der Bedeutung eines Wortes
schließt Mißverständnisse aus.













     


“Die Bedeutung eines Zeichens ist
durch seine Wirkung (die Assoziationen,
die es auslöst etc.) gegeben.”




























     

225
            In welchem Sinne sagt man, man kennt die Bedeutung des Wortes A
noch ehe man den Befehl, in dem es vorkommt, befolgt hat? Und in wiefern
kann man sagen, man hat die Bedeutung durch die Befolgung des Befehls ken-
nen gelernt? Können die beiden Bedeutungen mit einander in Widerspruch ste-
hen?






     

9
            Unsere Weise von den Wörtern zu reden, können wir durch das
beleuchten, was Sokrates im “Kratylos” sagt. Kratylos: “Bei weitem und
ohne [|]rage ist es vorzüglicher, Sokrates, durch ein Ähnliches darzu-
stellen, was jemand darstellen will, als durch das erste beste.” — Sokra-
tes: “Wohlgesprochen, …”.






     

226
            Es ist wirklich “the meaning of meaning” was wir untersuchen:
Nämlich Oder die Grammatik des Wortes “Bedeutung”.


     

Bedeutung als Gefühl, hinter
dem Wort stehend; durch eine
Geste ausgedrückt.

























     

Man tritt mit der ˇhinweisenden Erklärung
der Zeichen nicht aus der Sprachlehre
heraus.
























     

260
            Soweit die Bedeutung der Wörter in der Tatsache (Handlung) zum Vor-
schein
kommt, kommt sie (schon) in der Beschreibung der Tatsache zum Vorschein.
(Sie wird also ganz in der Sprache Sprachlehre bestimmt.)
            (In</>dem, was sich hat voraussehen lassen; worüber man schon vor dem
Eintreffen der Tatsache reden konnte.)






     


            “Primäre & secundäre” Zeichen



     

            Wort & Muster.
            Hinweisende Definition






















     

466
                      Nicht die Farbe Rot tritt Bedeutung dieses Wortes tritt an Stelle des Wortes “rot”,
sondern die Gebärde, die auf einen roten Gegenstand hinweist, oder das rote
Täfelchen.


     

                      Nun sage ich aber: “Es gilt mit Recht als ein Krite-
rium des Verstehens // Verständnisses // des Wortes “rot”, dass Einer einen
roten Gegenstand auf Befehl aus anders anderen gefärbten herausgreifen kann; dagegen
ist das richtige Uebersetzen des Wortes “rot” ins Englische oder Französische

467
kein Beweis des Verstehens. A[,|l]so Darum ist das rote Täfelchen ein primäres Zei-
chen für “rot”, dagegen jedes Wort als ein sekundäres // abgeleitetetes // Zei-
chen.” ((Aber das zeigt nur, was ich unter mit dem “Verstehen des Wortes ‘rot’”
verstehe // meine//. Und was heisst “es gilt    mit Recht   …”?
Heisst es: Wenn ein Mensch einen roten Gegenstand auf Befehl etc. etc., dann
hat er erfahrungsgemäss auch das Wort ‘rot’ verstanden. Wie man sagen kann,
gewisse Schmerzen gelten mit Recht als Symptom dieser und dieser Krankheit?
So ist es natürlich nicht gemeint. Also soll es wohl heissen, dass die Fä-
higkeit rote Gegenstände herauszugreifen der spezifische Test dessen ist,
was wir Verständnis des Wortes ‘rot’ nennen. Dann bestimmt diese Angabe, al-
so, was wir unter diesem Verständnis meinen. Aber dann fragt es sich noch:
wenn wir das Uebersetzen ins Englische etc. als Kriterium ansähen, wäre es
nicht auch das Kriterium von dem, was wir ein Verständnis des Wortes nen-
nen? Es gibt nun den Fall, in welchem wir sagen: ich weiss nicht, was das
Wort rot’ //‘rouge’// bedeutet, ich weiss nur, dass es das Gleiche bedeu-
tet, wie das englische ‘reld’. So ist es, wenn ich die beiden Wörter in ei-
nem Wörterbuch auf der gleichen Zeile gesehen habe, und dies ist die Veri-
fikation des Satzes und sein Sinn. Wenn ich dann sage “ich weiss nicht, was
das Wort ‘rot’ //‘rouge’// bedeutet”, so bezieht sich dieser Satz auf eine
Möglichkeit der Erklärung dieser Bedeutung und ich könnte, wenn gefragt
“wie stellst Du Dir denn vor, dass Du erfahren könntest, was das Wort be-
deutet”, Beispiele solcher Erklärungen geben (die die Bedeutung des Wortes
“Bedeutung” beleuchten würden). Diese Beispiele wären dann entweder der Art,
dass statt des unverstandenen Wortes ein verstandenes — etwa das deutsche —
gesetzt würde, oder dass die Erklärung von der Art wäre “   diese   (Pfeil)
Farbe heiss ‘violett’”. Im ersten Falle wäre es für mich ein Kriterium da-
für, dass er das Wort ‘rouge’ versteht, dass er sagt, es entspreche dem
deutschen ‘rot’. “Ja”, wird man sagen, “aber nur, weil Du schon weisst, was
das deutsche ‘rot’ bedeutet”. — Aber das bezieht sich ja ebenso auf die hin-

468
weisende Definition. Das Hinweisen auf das rote Täfelchen ist auch nur da-
rum // dann // ein Zeichen des Verständnisses, weil // wenn // vorausge-
setzt wird, dass er die Bedeutung    dieses   Zeichens versteht // kennt//,
was ˇetwa so viel heisst, als dass er das Zeichen auf bestimmte Weise verwendet. —
Es gibt also wohl // allerdings // den Fall wo Einer sagt “ich weiss, dass
dieses Wort dasselbe bedeutet wie jenes, weiss aber nicht, was es bedeutet
(sie bedeuten)”. Willst Du den ersten Teil dieses Satzes verstehen, so fra-
ge Dich: “wie konnte er es wissen?”, — willst Du den zweiten Teil verstehen,
so frage: “wie kann er erfahren, was das Wort bedeutet?” — Ferner aber ist


     

468
                      Welches ist denn das Kriterium unseres Verständnisses:
das Aufzeigen des roten Täfelchens, wenn gefragt wurde “welches von diesen
Täfelchen ist rot”, — oder, das Wiederholen der hinweisenden Definition?
“das (Pfeil) ist ‘rot’”?
Zeile



     

469

            Die Lösung beider ˇAufgaben betrachten wir als
Zeichen des Verständnisses. Hören wir jemand das Wort ‘rot’ gebrauchen und
zweifeln daran, dass er es versteht, so können wir ihn zur Prüfung fragen

470
“welche Farbe nennen wir ‘rot’”. Anderseits: wenn wir jemandem die hin-
weisende Erklärung gegeben hätten “diese (Pfeil) Farbe heisst ‘rot’” und
nun sehen wollten, ob er diese Erklärung richtig verstanden hat, so wür-
den wir nicht von ihm</>verlangen, dass er sie wiederholt, sondern wir gäben
ihm etwa die Aufgabe, aus einer Anzahl von Dingen die roten herauszusuchen.
In jedem Fall ist das, was wir ‘Verständnis’ nennen, eben dadurch // durch
das // bestimmt, was wir als Probe des Verständnisses ansehen (durch die
Aufgaben bestimmt, die wir zur Prüfung des Verständnisses stellen). ))



     

473
((Da gibt es jedenfalls zwei verschiedene Fälle: Es kann die Tabelle mit
grün gegenüber ‘rot’ etc. so gebraucht werden, wie wir die Tabelle in der
gewöhnlichen Anordnung gewöhnlich gebrauchen. Wir würden also etwa demn,
der sie gebraucht, von dem Wort ‘rot’ nicht auf das gegenüberliegende Tä-
felchen blicken sehen, sondern auf das rote, das schräg darunter steht.
(aber wir müssten auch diesen Blick nicht sehen) und finden, dass er dann
statt des Wortes ‘rot’ in einem Ausdruck das rote Täfelchen einsetzt. Wir
würden dann sagen, die Tabelle sei nur anders angeordnet (nach einem an-
dern räumlichen Schema), aber sie verbinde die Zeichen, wie die gewohnte. —
Es könnte aber auch sein, dass der, welcher die Tabelle benützt, von der
einen Seite horizontal zur andern blickt und nun in irgend welchen Sätzen
das Wort ‘rot’ durch ein grünes Täfelchen ersetzt; aber nicht etwa auf den
Befehl “gib mir das rote Buch” ein grünes bringt, sondern ganz richtig das
rote (d.h. das, welches auch wir ‘rot’ nennen). Dieser hat nun die Tabelle
anders benützt, als der Erste, aber doch so, dass ‘rot’ die gleiche Bedeu-
tung für ihn hatte, wie für uns. (Zu einer Tabelle gehört übrigens wesent-
lich die Tätigkeit des Nachschauens Aufsuchens in der Tabelle.) Es ist nun offenbar
der zweite Fall, welcher uns interessiert und die Frage ist: kann ein grü-
nes Täfelchen als    Muster   der roten Farbe dienen? Und da ist es klar,
dass dies (in    einem   Sinn) nicht möglich ist. Ich kann mir eine Ab-
machung denken, wonach Einer, dem ich eine grüne Tafel zeige und sage, male
mir diese Farbe, mir ein Rot malt; wenn ich dasselbe sage und zeige ihm
blau, so hat er gelb zu malen u.s.w. ˇ immer die kompl[i|e]mentäre Farbe; und daher kann ich mir auch denken,
dass Einer meinen Befehl auch ohne eine vorhergehende Abmachung so deutet.
Ich kann mir ferner denken, dass die Abmachung gelautet hätte “auf den Be-
fehl ‘male mir diese Farbe’, male immer eine gelblichere, als ich Dir zei-
ge”; und wieder kann ich mir die Deutung auch ohne Verabredung denken.
Aber kann man sagen, dass einer ein rotes Täfelchen genau kopiert, indem
er einen bestimmten Ton von grün (oder ein anders Rot als das des Täfel-

474
chens) malt und zwar so, wie er eine gezeichnete Figur, nach verschiedenen
Projektionsmethoden, verschieden und genau kopieren kann? — Ist also hier
der Vergleich zwischen Farben und Gestalten richtig, und kann ein grünes
Täfelchen einerseits als der Name einer bestimmten Schattierung von rot ste-
hen und anderseits als ein Muster dieses Tones? wie ein Kreis als der Name
einer bestimmten Elipse verwendet werden kann, aber auch als ihr Muster. —
Kann man also dort wie hier von verschiedenen Projektionsmethoden sprechen,
oder gibt es für das Kopieren einer Farbe nur    eine   solche: das Malen
der gleichen Farbe? Wir meinen diese Frage so, dass sie nicht dadurch ver-
neint wird, dass uns die Möglichkeit gezeigt wird, mittels eines bestimmten
Farbenkreises und der Festsetzung eines Winkels von einem Farbton auf ir-
gend einen andern überzugehn. Das, glaube ich, zeigt nun, in wiefern das
rote Täfelchen gegenüber dem Wort ‘rot’ in einem andern Fall ist, als das
grüne. Uebrigens bezieht sich, was wir hier für die Farben gesagt haben,
auch auf die Formen von Figuren, wenn das Kopieren ein Kopieren nach dem
Augenmass und nicht ˇeines mittels Messinstrumenten ist. — Denken wir uns nun aber
doch einen Menschen, der vorgäbe “er könne die Schattierungen von Rot in
Grün kopieren” und auch wirklich beim Anblick des roten Täfelchens mit allen
(äusseren) Zeichen des genauen Kopierens einen grünen Ton mischte und so
fort bei allen ihm gezeigten roten Tönen. Der wäre für uns auf derselben
Stufe, wie Einer, der der auf die gleiche Weise (durch genaues Hinhorchen) Far-
ben nach Violintönen mischte. Wir würden in in dem    dem   Fall sagen: “Ich
weiss nicht,    wie   er es macht”; aber nicht in dem Sinne, als verstünden
wir nicht die verborgenen Vorgänge in seinem Gehirn oder seinen Muskeln, son-
dern, wir verstehen nicht, was es heisst “dieser Farbton, sei ist eine Kopie die-
ses Violintones”. Es sei denn, dass damit nur gemeint ist, dass ein bestimm-
ter Mensch erfahrungsgemäss einen bestimmten Farbton mit einem bestimmten
Klang assoziiert (ihn zu sehen behauptet, malt, etc.). Der Unterschied zwi-
schen dieser Assoziation und dem Kopieren, auch wenn ich selbst beide Ver-
fahren kenne, besteht darin // zeigt sich darin//, dass es für die assoziier-

475
te Gestalt keinen Sinn hat, von Projektionsmethoden zu reden, und dass ich
von dem assoziierten Farbton sagen kann “jetzt fällt mir bei dieser Farbe
(oder diesem Klang) diese Farbe ein, vor 5 Minuten war es eine andere”,
etc.. Wir könnten auch niemandem sagen “Du hast nicht richtig assoziiert”,
wohl aber “Du hast nicht richtig kopiert”. Und die Kopie einer Farbe — wie
ich das Wort gebrauche — ist nur eine; und es hat keinen Sinn, (hier?) von
verschiedenen Projektionsmethoden zu reden.))


     

477

            Es ist die Frage: Wenn sich diese Regel, ˇdas Muster stehe für die Komplementärfarbe, ihrem Wesen nach nur auf
die Farben (oder Wörter) blau, rot, grün, gelb bezieht, ist sie dann nicht
identisch mit der, welche das grüne Zeichen als Wort für “rot” und umgekehrt
etc. festsetzt? Denn eine Regel // Allgemeinheit //, die ihrem logischen We-
sen nach einem logischen Produkt äquivalent ist, ist nichts andres, als dieses
logische Produkt. (Denn man kann nicht sagen: hier ist das grüne Zeichen;
nun hole mir ein Ding von der komplementären Farbe,    welche immer
das sein mag
  . D.h., “die komplimentäre Farbe von rot” ist keine Be-
schreibung von grün.ˇ wie „das Produkt von 2 ×2” keine Beschreibung von 4) Die Bestimmung, die Komplementärfarbe als Bedeutung
des Täfelchens zu nehmen, ist dann, wie ein Querstrich in einer Tabelle;
ein Querstrich in der Grammatik der Farben gezogen. ⋎ Es ist klar daß ich mit Hilfe einer solchen Regel
eine Tabelle herstellen konstruieren kann, ohne noch aus der Gram-
matik herauszutreten, also vor jeder Anwendg. d. Sprache.
Anders wäre
es, wenn die Regel (R) hiesse: das Täfelchen bedeutet immer ei-
nen etwas dunkleren Farbton, als sein eigener // der seine //
ist. Man muss nur wieder auf den verschiedenen Sinn der Farb- und der Ge-
staltprojektion achten (und bei der letzteren wieder auf den Unterschied der
Abbildung nach visuellen Kriterien und von der Uebertragung mit Messinstrumenten).
Das Kopieren nach der Regel R ist ‘kopieren’ in einem andern Sinne als dem,
in welchem das Hervorbringen des gleichen Farbtons so genannt wird. Es han-
delt sich also nicht um zwei Projektionsmethoden vergleichbar, etwa, der

478
Parallel- und der Zentralprojektion, durch die ich eine geometrische Figur
mit Zirkel und Lineal in eine andere projizieren kann. (Die Metrik der Farb-
töne.)
            Wenn ich das berücksichtige, so kann ich also in dem veränderten
Sinn des Wortes “Muster” (der dem veränderten Sinn des Wortes “kopieren”
entspricht) das hellere Täfelchen zum Muster des dunkleren Gegenstandes neh-
men.


     

478

        Die ursprüngliche Frage war: Könnten wir nicht zur hinweisenden Er-
klärung von ‘rot’ ebensowohl ˇauf ein grünes, wie auf ein rotes Täfelchen zeigen?
denn, wenn diese Definition nur ein Zeichen statt des andern setzt, so soll-
te dies doch aufs gleiche hinauslaufen // keinen Unterschied machen//. —
Wenn die Erklärung nur ein Wort für ein andres setzt, ist es auch gleichgül-
tig // so macht es auch keinen//. Bringt aber die Erklärung das Wort mit
einem Muster in Zusammenhang, so ist es nun nicht unwesentlich, mit welchem
Täfelchen das Zeichen verbunden wird (denke auch wieder daran, dass eine
Farbe der andern nicht im gleichen Sinn zum Muster dienen kann, wie ihr
selbst). “Aber dann gibt es also willkürliche Zeichen und solche, die nicht
willkürlich sind!” — Aber denken wir nur an die Verständigung durch Landkar-
ten, Zeichnungen, und Sätze anderseits: die Sätze sind so wenig willkürlich,
wie die Zeichnungen. Aber die Worte sind willkürlich. (Vergleiche die Abbil-
dung /= / = o , — = x.) Wird denn aber ein Wort eigentlich als Wort ge-
braucht, wenn ich es nur in Verbindung mit einer Tabelle gebrauche, die
den Uebergang zu Mustern macht? Ist es also nicht falsch, zu sagen, ein Satz
sei ein Bild, wenn ich doch nur ein Bild nach ihm und der Tabelle zusammen-
stelle? Aber so ist also doch der Satz und die Tabelle zusammen ein Bild.
Also zwar nicht adbcb allein, aber dieses Zeichen zusammen mit
            Aber es ist offenbar, dass auch adbcb ein Bild von
genannt werden kann. Ja aber, ist nicht doch das Zeichen
adbcb ein willkürlicheseres Bild von als dieses Zeichen von der
Ausführung der Bewegung? Etwas ist auch an dieser Uebertragung willkürlich

479
(die Projektionsmethode) und wie sollte ich bestimmen, was willkürlicher
ist.
            Ich vergleiche also die Festsetzung der Wortbedeutung durch die hin-
weisende Definition, der Festsetzung einer Projektionsmethode zur Abbildung
räumlicher Gebilde. Dies ist freilich nicht mehr als wie ein Vergleich. Ein ganz
guter Vergleich, aber er enthebt uns nicht der Untersuchung des Funktionie-
rens der Worte, ?—getrennt von dem Fall der räumlichen Projektion—?. Wir können
allerdings sagen — d.h. es entspricht ganz dem Sprachgebrauch — , dass wir
uns durch Zeichen verständigen, ob wir Wörter oder Muster gebrauchen; aber
das Muster ist kein Wort, und das Spiel, sich nach Worten zu richten, ein
anderes als das, sich nach Mustern (zu?) richten. (Wörter sind der Sprache
nicht wesentlich.) Kann man aber vielleicht sagen, dass Muster ihr wesentlich
wären? (Muster sind der Benützung // dem Gebrauch // von Mustern wesentlich,
Worte, der Benützung // dem Gebrauch // von Worten.)


     

489
                      ?—Vergiss hier auch nicht, dass die Wortsprache nur
   eine   unter vielen möglichen Sprachen ist—? und es Uebergänge von ihr in
die andern gibt. Untersuche die Landkarte darauf auf das hin, was in ihr dem Aus-
druck
der Wortsprache entspricht.


     

512
                    ‘Primär’ müsste eigentlich heissen: unmissverständlich.


     

510
                        Es klingt wie eine lächerliche Selbstverständlich-
keit, wenn ich sage, dass der, welcher glaubt die Gebärden // Gesten //
seien die primären Zeichen, die allen andern zu Grunde liegen, ausser Stan-
de wäre, den gewöhnlichsten Satz durch Gebärden zu ersetzen.


     

588
                          Regeln der Grammatik, die eine “Verbindung zwischen
Sprache und Wirklichkeit” herstellen, und solche, die es nicht tun. Von der
ersten Art etwa: “diese Farbe nenne ich ‘rot’”, — von der zweiten: “
“non-non-p = p”. Aber über diesen Unterschied besteht ein Irrtum: der Unter-
schied scheint prinzipieller Art zu sein; und die Sprache wesentlich etwas,
dem eine Struktur gegeben, und was dann der Wirklichkeit aufgepasst wird.


     

497
                      “Ich will nicht verlangen, dass in der erklärenden

498
Tabelle das rote Täfelchen, horizontal gegenüber dem Wort ‘rot’ stehen soll,
aber irgend ein Gesetz des Lesens der Tabelle muss es doch geben. Denn sonst
verliert ja die Tabelle ihren Sinn”. Ist es aber gesetzlos, wenn die Tabel-
le so aufgefasst wird, wie die Pfeile andeuten?
“Aber muss dann nicht eben das Schema
vorher gegeben werden?” Nur, sofern auch das
Schema früher gegeben wird.

     

                    ““Wird aber dann nicht wenigstens eine gewisse Regelmäs-
sigkeit im Gebrauch gefordert?! Würde es angehen, wenn wir einmal eine Ta-
belle nach diesem, einmal nach jenem Schema zu gebrauchen hätten?    Wie
soll man denn wissen
  , wie man diese Tabelle zu gebrauchen
hat?”” — Ja, wie weiss man es denn    heute  ? Die Zeichenerklärungen ha-
ben doch irgend einmal // irgendwo // ein Ende.



     

499
                     Ist das Zeigen mit dem Finger unserer Sprache wesent-
lich? Es ist gewiss ein merkwürdiger Zug unserer Sprache, dass wir Wörter
hinweisend erklären: das ist ein Baum, das ist ein Pferd, das ist grün, etc..

500
((Ueberall auf der Erde // bei den Menschen // finden sich Brettspiele, die
mit kleinen Klötzchen auf Feldern gespielt werden. Ueberall auf der Erde
findet sich eine Schrift // eine Zeichensprache//, die aus geschriebenen
Zeichen auf einer Fläche besteht.))


     

507

            Ich bestimme allerdings die Be-
deutung eines Worts, indem ich es als Name eines Gegenstandes erkläre, und
auch, indem ich es als gleichbedeutend mit einem andern Wort erkläre,. Aber
habe ich denn nicht gesagt, man könne ein Zeichen nur durch ein anderes
Zeichen erklären? Und das ist gewiss so, sofern ja die hinweisende Erklä-
rung “das (Pfeil) ist N” ein Zeichen ist. Aber ferner bildet hier auch der
Träger von “N”, auf den gezeigt wird, einen Teil des Zeichens. Denn:
/dieser (Pfeil) hat es getan/ = /N hat es getan/.
Dann heisst aber ‘N’ der Name von diesem Menschen, nicht vom Zeichen
“dieser (Pfeil)”, von dem ein Teil auch dieser Mensch ist. Und zwar spielt
der Träger in dem Zeichen eine ganz besondere Rolle, verschieden von der
eines andern Teiles eines Zeichens. (Eine Rolle, nicht ganz ungleich der
des Musters.)


     

508

            Ich will sagen: Die hinweisende Erklärung eines Na-
mens ist nicht nur äusserlich verschieden von einer Definition wie “1+1 = 2”,
indem etwa das eine Zeichen aus in einer Geste meiner Hand, statt in einem Laut-
oder Schriftzeichen besteht, sondern sie unterscheidet sich von dieser lo-
gisch
; wie die Definition, die das Wort dem Muster beigesellt, von der, ei-
nes Wortes durch ein Wort. Es wird von ihr in andrer Weise Gebrauch ge[|]


     

508

        Wenn ich also einen Namen hinweisend definiere und einen zweiten
durch ihn // den ersten//, so steht dieser zu jenem in anderem Verhältnis
// ist dieser zu jenem in anderer Beziehung//, als zum Zeichen, das in
der hinweisenden Definition gegeben wurde.// d.h., dieses letztere ist sei-
nem Gebrauch nach wesentlich von dem Namen verschieden und daher die Ver-

509
baldefinition und die hinweisende Definition, ‘Definitionen’ in verschiede-
nem Sinne des Worts.



     

515

            Und [i|I]ch kann von primären und sekundären Zeichen sprechen — in
   einem   bestimmten Spiel, einer bestimmten Sprache. — Im Musterkatalog
   kann   ich die Muster die primären Zeichen und die Nummern die sekundä-
ren nennen. Was soll man aber in einem Fall, wie dem, der gesprochenen und
geschriebenen Buchstaben sagen? Welches sind hier die primären, welches die
sekundären Zeichen?
            Die Idee ist doch die: [s|S]ekundär ist ein Zeichen dann, wenn, um
mich danach zu richten, ich eine Tabelle brauche, die es mit einem andern
(primären) Zeichen verbindet, über welches ich mich erst nach dem sekundä-
ren richten kann.
            Die Tabelle garantiert mir die Gleichheit aller Uebergänge nicht,
denn sie zwingt mich ja nicht, sie immer gleich zu gebrauchen. Sie ist da
wie ein Feld, durch das Wege führen, aber ich kann ja auch querfeldein ge-
hen.
            Ich mache den Uebergang in der Tabelle bei jeder Anwendung von
Neuem. Er ist nicht, quasi, ein für allemal in der Tabelle gemacht. (Die
Tabelle    verleitet   mich höchstens, ihn so zu machen.)

            Und also richte ich mich doch unmittelbar? nach dem sekundären
Zeichen, wenn ich in der Tabelle von diesem sekundären Zeichen gerade
   dorthin   gehe.



     


Das was uns am Zeichen interes-
siert; die Bedeutung, die für uns
maßgebend ist, ist das, was in der
Grammatik des Zeichens niederge-
legt ist.





















     


     Satz

     Sinn d. Satzes






















     

‘Satz’ & ‘Sprache’ verschwimmende
Begriffe.
























     

            Oder wir müssen sagen: Vom Satzbegriff // Satz // kann nur in
einem // innerhalb eines // grammatischen Systems gesprochen werden.
//… kann [/|n]ur in der Erklärung eines grammatischen Systems die Rede sein.//















     

            Hier ist auch der Unsinn in der “experimentellen Theorie der
Bedeutung” ausgesprochen. Denn die Bedeutung ist in der Grammatik festge-
legt.

     

            Wie verhält sich die Grammatik des Wortes “Satz” zur Grammatik
der Sätze?

     

            “Satz” ist offenbar die Ueberschrift der Grammatik der Sätze.
In einem Sinne aber auch die Ueberschrift der Grammatik überhaupt, also
äquivalent den Worten “Grammatik” und “Sprache”.


     

108
            Es scheint unsere Frage noch zu erschweren, dass auch
die Worte “Welt” und “Wirklichkeit” Aequivalente des Wortes “Satz” sind.

  (   

            Aber es ist doch lächerlich, die Welt, oder die Wirklichkeit,
abgrenzen zu wollen. Wem soll man sie denn entgegenstellen. Und so ist es
mit der Bedeutung des Wortes “Tatsache”.
            Aber man gebraucht ja diese Wörter auch nicht als Begriffswör-
ter
.










     

171
            Könnten wir etwas ‘Sprache’ nennen, was nicht wirklich angewandt
würde? Könnte man von Sprache reden, wenn nie eine gesprochen worden wäre?
(Ist denn Sprache ein Begriff, wie ‘Centauer’, , vergleichbar mit dem Begriff ‘Centaur’, der besteht, auch wenn es nie
ein solches Wesen gegeben hat?) (Vergleiche damit ein Spiel, das nie gespielt wurde, eine Regel, nach der nie gehandelt wurde.)


     

246
            Was tut der, der eine neue Sprache konstruiert (erfindet)? nach
welchem Prinzip geht er vor? Denn dieses Prinzip ist der Begriff ‘Sprache’.


     

247
            Eine Sprache erfinden, heisst, eine Sprache konstruieren. Ihre
Regeln aufstellen. Ihre Grammatik verfassen.

     

            Erweitert jede erfundene Sprache den Begriff der Sprache?

     

            Was für das Wort “Sprache” gilt, muss auch für den Ausdruck “Sy-
stem von Regeln” gelten. Also auch für das Wort “Kalkül”.




     

            Immer wieder hat mein u.s.w. eine Grenze.

     

248
                  Was nenne ich “Handlung”, was “Sinneswahrnehmung”?




     

115
         Aber warum zerbreche ich mir über den Begriff ‘[s|S]prache’ den
Kopf, statt Sprache zu gebrache zu gebrauchen?!


     

126
            Dieses K[p|o]pfzerbrechen ist nur dann berechtigt, wenn wir einen
al<l>gemeinen Begriff    haben  .













     


      Die Logik redet von Sätzen & Wörtern
im gewöhnlichen Sinn, nicht von
Sätzen & Wörtern in ˇirgend einem abstrak-
teren abstrakten Sinn.































     

            Und Deine Skrupel sind Missverständnisse.

     

            Deine Fragen beziehen sich auf Wörter, so muss ich von Wörtern
reden.

     

             Man sagt: Es kommt doch nicht auf das // auf's // Wort an, son-
dern auf seine Bedeutung, und denkt dabei immer and die Bedeutung, als ob sie
nun eine Sache von der Art des Worts wäre, allerdings vom Wort verschieden.
Hier ist das Wort, hier die Bedeutung. (Das Geld, und die Kuh die man dafür
kaufen kann. Anderseits aber: [D|d]das Geld, und sein Nutzen.)


     


      Satz & Satzklang


























     

            Es fragt sich also, ob wir ausser diesem irreführenden Satzklang
noch einen allgemeinen Begriff vom Satz haben. (Ich rede jetzt von dem, was
durch ‘&’, ‘⌵’, ‘C’, zusammen_gehalten wird.)


     


645
                      Hat es einen Sinn, zu sagen: “Ich habe so viele Schu-
he, als eine Wurzel der Gleichung x³+2x-3 = 0 Einheiten hat”? Hier
könnte es scheinen, als hätten wir eine Notation, der wir es eventuell nicht
ansehen können, ob sie Sinn hat oder nicht.
            Wenn der Ausdruck “die Wurzel der Gleichung F(x) = 0” eine Be-
schreibung im Russell'schen Sinne wäre, so hätte der Satz “ich habe n Aep-
fel und n+2 = 6” einen andern Sinn, als der: “ich habe 4 Aepfel”.
            Wir haben in dem ersten Satz ein ausserordentlich lehrreiches Bei-
spiel dafür, wie eine Notation auf den ersten Blick einwandfrei erscheinen
kann, nämlich so, als verstünden wir sie; und dass wir in Wirklichkeit ei-
nen unsinnigen Satz nach Analogie eines sinnvollen gebildet haben und nur
   glauben  , die Regeln des ersteren zu übersehen. So ist “ich habe n
Schuhe und n²=4” ein sinnvoller Satz; aber nicht “ich habe n Schuhe und
n²=2”.

     


        Was als Satz gelten soll, ˇist in
der Grammatik bestimmt.




























     


31
                  Man kann natürlich auch nicht sagen, ‘Satz’ sei dasjenige,
wovon man ‘wahr’ und ‘falsch’ aussagen könneˇ, in dem Sinn, als könnte man versuchen, zu welchen Symbolen die Wörter ‘wahr’ und ‘falsch’ paßten & danach entscheiden, ob etwas ein Satz ist. D d das würde nur dann etwas
bestimmen, wenn diese Worte in einer bestimmten Weise gemeint sindˇ d.h. bereits eine bestimmte Grammatik haben, das
aber können sie nur im Zusammenhang sein
ˇ//…wenn diese Worte … d.h. …. Und eben im Zusammenhang mit
einem Satz. Alles, was man machen kann, ist, hier, wie in allen diesen
Fällen, das grammatische Spiel bestimmen., seine Regeln angeben und es
dabei bewenden lassen.
            Hier handelt es sich um die Regeln für “⌵”, “non”, etc.


     


261
            Was ein Satz ist, wird durch die Grammatik bestimmt. D.h., inner-
halb der Grammatik.
            (Dahin zielte auch meine “allgemeine Satzform”.)




     


643
            Kann man den Begriff des “Satzes” festlegen? oder die
allgemeine Form des Gesetzes? — Warum nicht! Wie man ja auch den Begriff
‘Zahl’ festlegen könnte, etwa durch das Zeichen “/0,x,x+1/”. Es steht mir ja
frei, nur das Zahl zu nennen; und so steht es mir auch frei, eine analoge
Vorschrift zur Bildung von Sätzen oder Gesetzen zu geben und das Wort “Satz”
oder “Gesetz” als ein Aequivalent dieser Vorschrift zu gebrauchen. Wehrt man
sich dagegen und sagt, es sei doch klar, dass damit nur gewisse Gesetze von
andern abgegrenzt worden seien, so antworte ich: Ja, Du kannst freilich nicht
eine Grenze ziehen, wenn Du von vornherein entschlossen bist, keine anzuer-

644
kennen! — Sollen die “Sätze” den unendlichen logischen Raum erfüllen, so kann
von keiner allgemeinen Satzform die Rede sein. Es fragt sich dann natürlich:
Wie gebrauchst Du nun das Wort “Satz”? im Gegensatz wozu? — Etwa im Gegensatz
zu “Wort”, “Satzteil”, “Buchtitel”, Erzählung”, etc..

     


760
                        (Ein Satz der von allen Sätzen oder allen Funktionen
handelt. Was stellt man sich darunter vor? // Was meint man damit? // Es
wäre wohl ein Satz der Logik. Denken wir nun daran, wie der Satz
non2np = p bewiesen wird.)



     


        Die grammatischen Regeln
bestimmen den Sinn des Satzes, &
ob eine Wortzusammenstellung
Sinn hat oder nicht























     


577
                      Welcher Art nun sind die Regeln, welche sagen, dass
die und die Zusammenstellungen von Wörtern keinen Sinn haben? Sind sie von
der Art derjenigen Vorschriften, welche etwa sagen, dass es keine Spielstel-
lung im Schach ist, wenn zwei Figuren auf dem gleichen Feld stehen, oder
wenn eine Figur auf der Grenze zwischen zwei Feldern steht, etc.? Diese Sät-
ze sind wieder wie gewisse Handlungen, ?—wie wenn man etwa ein Schachbrett—? aus
einem grösseren Stück karierten Papiers herausschneidet. Sie ziehen eine
Grenze. — Was heisst es denn, zu sagen: “diese Wortzusammenstellung heisst
nichts”. Von einem Namen kann man sagen “diesen Namen habe ich niemandem
gegeben” und das Namengeben ist eine bestimmte Handlung (Uumhängen eines
Täfelchens).
            Denken wir an die Darstellung einer Reise auf der Erde durch eine
Linie in der Projektion der zwei Halbkugeln und dass wir sagen: ein Linien-

578
stück, das auf der Zeichenebene die Grenzkreise der Projektionen verlässt,
ist in dieser Darstellung sinnlos. Man könnte auch sagen: nichts ist darüber
ausgemacht worden.


     



        Der Sinn des Satzes keine Seele
























     


589
                      Der Sinn eines des Satzes ist nicht pneumatisch, sondern
ist das, was auf die Frage nach der Erklärung des Sinnes zur Antwort kommt.
Und — oder — der eine Sinn unterscheidet sich vom andern, wie die Erklärung
des einen von der Erklärung des andern.

     

                      Welche Rolle der Satz im Kalkül spielt, das ist sein
Sinn.

     


590
                      Der Sinn steht (also) nicht    hinter   ihm (wie der
psychische Vorgang der Vorstellungen etc.).





     


    Ähnlichkeit von Satz & Bild

























     

            Ich kann die Beschreibung des Gartens in ein gemaltes Bild, das
Bild in eine Beschreibung übersetzen.




     


127
            Wenn man die Sätze als Vorschriften auffasst, um Modelle zu bilden, wird ihre

128
Bildhaftigkeit noch deutlicher.






     



    Sätze mit Genrebildern
verglichen.



     

    (Verwandt damit: Verstehen eines Bildes)





















     


401
allgemeinen zu einem Portrait. Wenn ich nun etwa ein holländisches Genre-
bild ansehe, so halte ich die gemalten Menschen darin nicht für wirkliche
Menschen, andererseits ist ihre Aehnlichkeit mit Menschen für das Ver-
ständnis des Bildes wesentlich.


     


337

             Die Illustration in einem Buch ist dem Buch nichts fremdes,
sondern gesellt sich hinzu wie ein verwandter Behelf einem andern, —
wie etwa ein Reibahle dem Bohrer.
             (Wenn einen die Hässlichkeit eines Menschen abstösst, so kann
sie im Bild, im gemalten, gleichfalls abstossen, aber auch in der Be-
schreibung, in den Worten.)

     



    Mit dem Satz scheint eine die Realität
wesentlich übereinstimmen oder nicht
übereinstimmen zu können. Er scheint
sich sie zu fordern sich mit
ihm zu vergleichen.























     


136
             Ich sagte, der Satz wäre wie ein Masstab an die Wirklichkeit an-
gelegt: Aber das der Masstab ist, wie alle richtigen Gleichnisse des Sat-
zes, ein besonderer Fall eines Satzes. Und auch er bestimmt nichts, solange
man nicht mit ihm misst. Aber Messen ist Vergleichen (und muss heissen,
Uebersetzen).




     


68
         Gut, ich sage: wenn ich meine Uhr herausziehe, wird sie mir
jetzt entweder    dieses   Bild der Zeigerstellung bieten, oder nicht. Aber
wie kann ich es ausdrücken, dass ich mich für eine dieser Annahmen ent-
scheide?

         Jeder Gedanke ist der Ausdruck eines Gedankens.










     


    Das Symbol (der Gedanke),
scheint als solches unbefrie-
digt zu sein.






















     


353
           Der Plan ist als Plan etwas Unbefriedigtes. (Wie der Wunsch,
die Erwartung, die Vermutung u.s.f..)
           Ich möchte manchmal mein Gefühl dem Plan gegenüber als eine
Innervation bezeichnen. Aber auch die Innervation an sich ist nicht un-
befriedigt, ergänzungsbedürftig.

     


(96)
             In wiefern kann man den Wunsch ˇals solchen, die Erwartung ‘unbefriedigt’ nennen? Was ist das
Urbild // Vorbild // der Unbefriedigung? Ist es der leere Hohlraum (in den
etwas hineinpasst
)? Und würde man von einem leeren Raum sagen, er sei unbe-
friedigt? Wäre    das   nicht auch eine Metapher? Ist es nicht ein gewisses
Gefühl, das wir Unbefriedigung nennen? Etwa der Hunger. Aber der Hunger ent-
hält nicht das Bild seiner Befriedigung. Ist also unser Urbild der Unbefrie-


     


173
             Die Hohlform ist nur unbefriedigt in dem System, in dem auch die
entsprechende Vollform vorkommt. // … in dem auch die Vollform vorkommt.//

     


173
           Das heisst Ich meine, man kann das Wort “unbefriedigt” nicht schlechtweg von
einer Tatsache gebrauchen. Es kann aber in einem System eine Tatsache be-
schreiben helfen. Ich könnte z.B. ausmachen // festsetzen//, dass ich den
Hohlzylinder ‘den unbefriedigten Zylinder’ nennen werde, den entsprechenden
Vollzylinder,    seine   Befriedigung; und dass so eine Notation    mög-
lich
   ist, ist natürlich für das System charakteristisch. Dass man also
sagen kann: “Er sagte ‘p ist der Fall’ und    so   war es”
.

     

           Aber man kann nicht sagen, dass der Wunsch ‘p möge der Fall sein’
durch die Tatsache p befriedigt wirdˇ es sei denn als Zeichenregel: /der Wunsch p möge der Fall sein/ = /der W. der durch die Tats. p befriedigt wird/. Denn, hat das erste p schon einen

     



    Ein Satz ist ein Zeichen in einem
System von Zeichen. Er ist eine Zeichen-
verbindung von mehreren möglichen
& im Gegensatz zu den andern
möglichen. Gleichsam eine Zeigerstel-
lung im Gegensatz zu andern mög-
lichen.
















     


128
                  Einen Satz verstehen, heisst, eine Sprache verstehen.












     


    Sich vorstellen können, wie es
wäre als Kriterium dafür, daß
ein Satz Sinn hat.





















  (   


150
            Was heisst es, wenn man sagt: “ich kann mir das Gegenteil da-
von nicht vorstellen”, oder “wie wäre es denn, wenn's anders wäre”; z.B.
wenn jemand gesagt hat, dass meine Vorstellungen privat seien, oder dass
nur ich selbst wissen kann, ob ich Schmerz empfinde, und dergleichen.

     

            Wenn ich mir nicht vorstellen kann, wie es anders wäre, so kann
ich mir auch nicht vorstellen, wie es    so   sein kann.
            “Ich kann mir nicht vorstellen,” heisst nämlich hier nicht, was
es im Satz “ich kann mir keinen Totenkopf vorstellen” heisst. Ich will
damit nicht auf eine mangelnde Vorstellungskraft deuten.



     


305

            Ueber das Vorstellen als Beweis des Sinnes: Wenn es Sinn hat, zu
sagen “ich kann mir vorstellen, dass p der Fall ist”, so hat es (auch) Sinn zu
sagen “p ist der Fall”.





     


    „Ich weiß, daß es möglich ist, weil …”
diese Ausdrucksform ist von Fällen
hergenommen wie: „Ich weiß, daß es
möglich ist, die Tür mit diesem Schlüs-
sel aufzusperren, weil ich es schon
einmal getan habe”. Vermute ich
also in dem Sinn daß dieser Farbenüber-
gang möglich sein wird, weil ich mir
ihn vorstellen kann?! Muß es
nicht vielmehr heißen: der Satz „der
Farbenübergang ist möglich” heißt
dasselbe wie ˇder: „ich kann ihn mir vorstellen” oder: der erste Satz folgt aus dem zweiten? — Wie ist es
damit: „Das A-B-C läßt sich ˇlaut hersagen, weil ich es mir im Geiste vorsagen kann”?
   „Ich kann mir
vorstellen wie es wäre”, oder „ich was wieder eben-
so gut ist —: „ich kann es aufzeich-
nen, wie es
wäre, wenn … ˇp der Fall ist” gibt eine Anwendung des Satzes (p). Es sagt
etwas über den Kalkül, in <…>

welchem wir p verwenden.






















     


    „Logische Möglichkeit & Unmöglich-
keit”. Das Bild des ‘Könnens’ ultraphy-
sisch angewandt.
    Ähnlich: „Das ausgeschlossene Dritte”.





















     


10
      Ich versuche etwas, kann es aber nicht. — Was heisst es aber:
“etwas nicht versuchen können”?


     


    Logische Möglichkeit & Sinn.
Kann man fragen: „wie müssen
die grammatischen Regeln für die Wörter be-
schaffen sein damit sie einem
Satz Sinn geben?”?



     

    Der Gebrauch des Satzes, das ist
sein Sinn.



     

    Ich sage z.B. „auf diesem Tisch
steht jetzt keine Vase, aber es
könnte eine das stehn; dagegen
ist es sinnlos unsinnig zu sagen der Raum
könnte vier Dimensionen haben.” Aber
wenn dieser der Satz dadurch
sinnvoll wird, daß er mit
den grammatischen Regeln im
Einklang ist, nun so machen
wir eben die Regel, die den Satz,
unser Raum habe vier Dimensionen,
erlaubt. Wohl, aber damit ist nun
die Grammatik dieses Ausdrucks

noch nicht festgelegt. Nun müssen
erst noch weitere [|]estimmungen
darüber gemacht werden wie
ein solcher Satz zu gebrauchen
ist, wie er etwa verifiziert
wird.



     

    Wenn man auch den Satz als
Bild des beschriebenen Sachver-
halts auffaßt so & sagt der
Satz zeige eben wie es ist, wenn
er wahr wäre, er zeige also
die Möglichkeit des behaupteten
Sachverhalts, so kann der Satz
doch bestenfalls tun was ein
gemaltes oder modelliertes Bild
tun kann tut, & er kann also
jedenfalls nicht das hinstellen
[erzeugen] was nun eben nicht
der Fall ist. [a|A]lso hängt es ganz
von der unserer Grammatik ab was
möglich genannt wird & was
nicht, nämlich eben, was sie

zuläßt. Aber das ist doch
willkürlich! — Gewiß, aber nicht
mit jedem Gebilde kann ich
etwas anfangen; d.h.: nicht
jedes Spiel ist nützlich & wenn
ich verleitetsucht bin ein etwas ganz
Nutzloses zu als Satz zuzulas-
sen so geschieht es weil
ich glaube ich mich durch eine
Analogie dazu verleiten lasse
& nicht sehe daß mir für meinen
Satz noch die wesentlichen Re-
geln der Anwendung fehlen.
So ist es ˇz.B. wenn man von einer
unendlichen Baumreihe re-
det & sich fragt, wie es denn zu verifizieren sei, daß eine Baumreihe unend-
lich ist & was etwa die Bezie-
hung dieser Verification zu der des Satzes „die Baumreihe hat
100 Bäume” ist.


     


    Elementarsatz.


























     


539
                            Die Idee, Elementarsätze zu konstruieren (wie
dies z.B. Carnap versucht hat), beruht auf einer falschen Auffassung der
logischen Analyse. Sie betrachtet das Problem dieser Analyse als das,

540
eine    Theorie   der Elementarsätze zu finden. Sie lehnt sich an das
an, was, in der Mechanik z.B., geschieht, wenn eine Anzahl von Grundgeset-
zen gefunden wird, aus denen das ganze System von Sätzen hervorgeht.

     

                        Meine eigene Auffassung war falsch: Tteils, weil
ich mir über den Sinn der Worte “in einem Satz ist ein logisches Produkt
   versteckt  “ (und ähnlicher) nicht klar war, zweitens, weil auch ich
dachte, die logische Analyse müsse verborgene Dinge an den Tag bringen
(wie es die chemische und physikalische tut).

     


540
                        Man kann den Satz “dieser Ort ist jetzt rot” (oder
“dieser Kreis ist jetzt rot”, etc.) einen Elementarsatz nennen, wenn man
damit sagen will, dass er weder eine Wahrheitsfunktion anderer Sätze ist,
noch als solche definiert (ist?[.|)]. (Ich sehe hier von Verbindungen der Art
p & (q·⌵·non-q) und analogen ab.)
         Aus “a ist jetzt rot” folgt aber “a ist jetzt nicht grün” und die
Elementarsätze in diesem Sinn sind also nicht von einander unabhängig, wie

541
die Elementarsätze in meinem seinerzeit beschriebenen Kalkül, von dem ich
annahm, der ganze Gebrauch der Sätze müsse sich auf ihn zurückführen las-
sen; — verleitet durch einen falschen Begriff von diesem “zurückführen”
// von dieser Zurückführung//.

     


    “Wie ist die Möglichkeit von p
in der Tatsache, dass ~p der Fall
ist, enthalten?”
        “Wie enthält z.B. der schmerzlose
Zustand die Möglichkeit der
Schmerzen?”



















     

122

Fähigkeit voraus Schmerzen zu fühlen und das kann keine “physiologische Fähigkeit” sein —
denn wie wüsste man sonst, wozu es die Fähigkeit ist — sondern eine logische Möglichkeit. —
Ich beschreibe meinen gegenwärtigen Zustand durch die Anspielung auf Etwas, was nicht
der Fall ist. Wenn diese Hinweisung zu der Beschreibung nötig ist (und nicht bloss eine
Verzierung), so muss in meinem gegenwärtigen Zustand etwas liegen, was diese Erwähnung
(Hinweisung) nötig <…> macht. Ich vergleiche diesen Zustand mit einem anderen, also muss
er mit ihm vergleichbar sein. Er muss auch im Schmerzraum liegen, wenn auch an einer
andern Stelle. — Sonst würde mein Satz etwa heissen, mein gegenwärtiger Zustand hat
mit einem schmerzhaften    nichts zu tun  ; etwa, wie ich sagen würde, die Farbe
dieser Rose hat mit der Eroberung Galliens durch Cäsar nichts zu tun. D.h. es ist kein
Zusammenhang vorhanden. Aber ich meine gerade, dass zwischen meinem jetzigen Zustand
und einem schmerzhaften ein Zusammenhang besteht.
Ich meine nur was ich sage.
        In wiefern ist aber Schmerzlosigkeit ein Zustand. Was nenne ich einen “Zustand”?





     


139
      Wenn ich nur etwas Schwarzes sehe und sage, es ist nicht rot, wie weiss ich, dass
ich nicht Unsinn rede, d.h. dass es rot sein kann, dass es [|]ot gibt? Wenn nicht rot eben
ein anderer Teilstrich auf dem Maßstab ist, auf dem auch schwarz einer ist. Was ist der
Unterschied zwischen “das ist nicht rot” und “das ist nicht abrakadabra”? Ich muss offen-
bar wissen, dass “schwarz”, welches den tatsächlichen Zustand beschreibt (oder beschrei-
ben hilft) das ist, an dessen Stelle in der Beschreibung “rot” steht.

     


140
      Das Gefühlˇ ist, als müsste non-p, um p zu verneinen es erst in gewissem Sinne wahr ma-
chen. Man fragt “   was   ist nicht der Fall”. Dieses muss dargestellt werden, kann
aber doch nicht so dargestellt werden, dass p wirklich wahr gemacht wird.



     


    Sehen wir die Sache vom Standpunkt des
gesunden Menschenverstandes an. Wir sind ver-
sucht zu sagen; “ich habe jetzt in der Hand keine Schmerzen” heiß nur etwas, wenn ich weiß, wie es ist, wenn man Schmerzen in der Hand
hat. Was heißt es, das zu wissen? Was
ist unser Kriterium dafür, daß man es weiß? Nun, ich würde sagen: “ich habe schon
öfters Schmerzen gehabt”, “ich habe öfters Schmerzen an dieser Stelle gehabt” oder
“ich habe zwar nicht an dieser Stelle Schmer-
zen gehabt, aber an andern Stellen meines
Körpers”. Es könnte gefragt werden: Worin besteht
die Erinnerung an Deine vergangenen Schmerzen?
fühlst Du sie in einer Art schattenhafter Weise
wieder? Aber sei diese Erfahrung (des sich-Erinnerns)
wie immer, sie ist eine bestimmte Erfahrung
& ich nenne sie die Erinnerung “an Schmerzen
die ich gehabt habe” & dies zeigt eben, wie ich
das Wort “Schmerzen” & den Ausdruck der
Vergangenheit gebrauche.




     


40
        Auch [|]ie Verneinung enthält eine Art Allgemeinheitˇ durch das Gebiet von Möglichkeiten die sie offen läßt.
        Aber freilich muss auch die Bejahung sie enthalten und nur einen
andern Gebrauch von ihr machen.


     


41
      Non-p schliesst p aus; [W|w]as es dann    [g|z]ulässt  , hängt von der Na-
tur ˇd.h. der Grammatik des p ab.

     


39
         “non-p” schliesst einfach p aus. Was dann    statt   p der Fall
ist sein kann, folgt aus dem Wesen des Ausgeschlossenen.

     


    “Wie kann das Wort ‘nicht’ verneinen?”
     Das Wort “nicht” erscheint uns wie
ein Anstoß zu einer komplizier-
ten Tätigkeit des Verneinens.

































     


360

          Ich brauche im negativen Satz das intakte Bild des positiven
Satzes.


     


      Die Idee der Negation ist nur ein einer
Zeichenerklärung verkörpert &
soweit wir eine solche Idee besitzen,
besitzen wir sie nur in der Form so
einer Erklärung. Denn wenn
man fragen kann „was meinst
Du damit [ mit diesem Zeichen], so
ist die Antwort nur eine Zeichen-
erklärung (irgendeiner Art).
     Den Begriff der Negation Verneinung besitzen
wir nur in einem Symbolismus. Und
darum kann man nicht sagen:
„auf die & die Art kann man die
Negation nicht darstellen, weil diese
Art nicht eindeutig wäre” — als
handelte es sich um eine die Beschreibung
eines Gegenstandes, die nicht eindeutig
gegeben worden wäre. Wenn der [|]ym-
bolismus nicht erkennen läßt, was
verneint wurde, so verneint er
nicht; wie ein Schacbrett ohne
Felder kein schlechtes S d.h.
unpraktisches Schachbrett ist, son-

dern keins. Und wenn ich glaubte, auf mit einem Brett ohne Felder
Schach spielen zu können, so habe
ich das Spiel einfach mißverstan-
den & werde etwa jetzt darauf auf das Mißverständnis
aufmerksam gemacht.
     Ein Symbolismus, der die
Negation “nicht darstellen kann”, ist
kein Symbolismus der Negation.















     


    Ich glaube, ein Teil der Schwierig-
keit kommt rührt vom Gebrauch
der Wörter „ja” & „nein” herˇ (auch „wahr” & „falsch”). Diese
beiden lassen es so erscheinen,
als wäre ein Satz & sein Gegenteil
im Verhältnis zweier Pole zu
einander oder zweier entgegenge-
setzter Richtungen. Während schon,
daß ~~p = p ist, eine doppelte Beja-
hung aber keine Verneinung ist, zeigen
kann, daß dieses Bild falsch ist.













     


739
                        Wenn gefragt würde: ist die Negation // Verneinung //
in der Mathematik, etwa in non(2+2 = 5), die gleiche, wie die nicht-mathe-
matischer Sätze? so müsste erst bestimmt werden, was als Charakteristikum
der // dieser // Verneinung als solcher aufzufassen ist. Die Bedeutung ei-
nes Zeichens liegt ja in den Regeln, nach denen es verwendet wird // in den
Regeln, die seinen Gebrauch vorschreiben //. Welche dieser Regeln machen das
Zeichen “non” zur Verneinung? Denn es ist klar, dass gewisse Regeln, die
sich auf “non” beziehen, für beide Fälle die gleichen sind; z.B. non-non-p =
p. Man könnte ja auch fragen: ist die Verneinung eines Satzes “ich sehe
einen roten Fleck” die gleiche, wie die von “die Erde bewegt sich in einer
Elipse um die Sonne”; und die Antwort müsste auch sein: Wie hast Du “Ver-
neinung” definiert, durch welche Klasse von Regeln? — daraus wird sich er-
geben, ob wir in beiden Fällen “die gleiche Verneinung” haben. Wenn die Lo-
gik allgemein von der Verneinung redet, oder einen Kalkül mit ihr treibt,
so ist die Bedeutung des Verneinungszeichens nicht weiter festgelegt, als
die Regeln seines Kalküls. Wir dürfen hier nicht vergessen, dass ein Wort
seine Bedeutung nicht als etwas, ihm ein für allemal verliehenes, mit sich
herumträgt, sodass wir sicher sind, wenn wir nach dieser Flasche greifen,
auch die bestimmte Flüssigkeit, etwa Spiritus, zu erwischen. //… auch die
bestimmte Flüssigkeit, z.B. Spiritus, in der Hand zu halten.//


     


     Ist die Zeit den Sätzen wesent-
lich?
     Vergleich von: Zeit & Wahrheitsfunktionen.






























     


        Diskutiere : das

368
Der Unterschied zwischen der Logik des Inhalts und der Logik der Satzform
überhaupt. Das eine erscheint gleichsam bunt, das andere matt. Das eineˇ scheint von dem zu handeln
handelt von dem, was das Bild darstellt, das andere ist, wie der Rahmen
des Bildes ein Charakteristikum der Bildform ˇ zu sein.












     


127'

      Zeile Dass alle Sätze die Zeit in irgend einer Weise enthalten, scheint uns zufällig,
im Vergleich dazumit, dass auf alle Sätze die Wahrheitsfunktionen anwendbar sind.
     Das scheint mit ihrem Wesen als Sätzen zusammenzuhängen, das andere mit dem Wesen
der vorgefundenen Realität.


     

empty
Wesen der Hypothese

     























133'
       Eine Hypothese könnte man offenbar durch Bilder erklären. Ich meine, man könnte
z.B. die Hypothese “hier liegt ein Buch” durch Bilder erklären, die das Buch im Grund-
riss, Aufriss und verschiedenen Schnitten zeigen.



     

139'
   Drücken wir z.B. den Satz, dass eine Kugel sich in einer bestimmten Entfernung von
unseren Augen befindet mit Hilfe eines Koordinatensystems und er Kugelgleichung aus,
so hat diese Beschreibung eine grössere Manni[f|g]faltigkeit, als die einer Verifikation
durch das Auge. Jene Mannigfaltigkeit entspricht nicht    einer   Verifikation, son-
dern einem    Gesetz  , welchem Verifikationen gehorchen.




     

757
                         Darstellung einer Linie als Gerade mit Abweichun-
gen. Die Gleichung der Linie enthält einen Parameter, dessen Verlauf die
Abweichungen von der Geraden ausdrückt. Es ist nicht wesentlich, dass die-

758
se Abweichungen “gering” seien. Sie können so gross sein, dass die Linie
einer Geraden nicht ähnlich sieht. Die “Gerade mit Abweichungen” ist nur
eine Form der Beschreibung. Sie erleichtert es mir, einen bestimmten Teil
der Beschreibung auszuschalten, zu vernachlässigen, wenn ich will. (Die
Form “Regel mit Ausnahmen”.)





     
            Ist es nicht klar, dass es nur am Mangel von entsprechenden
Uebereinkommen liegt, wenn ich das, was ich — z.B. — zeichnerisch darstel-
len, durch Worte // mit Worten // wiedergeben kann?



     

611
                      [Zu „Hypothese”] Der Vorgang einer Erkenntnis in einer wissenschaftli-
chen Untersuchung (in der Experimentalphysik etwa) ist freilich nicht der
einer Erkenntnis im Leben ausserhalb dem des Laboratoriums; aber er ist ein
   ähnlicher   und kann, neben den andern gestellt // gehalten//, diesen
beleuchten.









     

336
                  Die Hypothese wird, mit    der   Fassette an die Realität
angelegt, zum Satz.



     

517
                      Wenn ich sagte “ich sah einen Sessel”; so wider-
spricht dem (in    einem   Sinne) nicht der Satz “es war keiner da”. Denn
den ersten Satz würde ich auch in der Beschreibung eines Traums verwenden
und niemand würde mir dann mit den Worten des zweiten widerssprechen. Aber
die Beschreibung des Traums mit jenen Worten wirft ein Licht auf den Sinn der Worte “   ich sah  ”.
          In dem Satz “es war ja keiner da” kann das “da” übrigens ver-
schiedene Bedeutung haben.




     

757
                         Ich stimme mit den Anschauungen neuerer Physiker
überein, wenn sie sagen, dass die Zeichen in ihren Gleichungen keine “Be-
deutungen” mehr haben, und dass die Physik zu keinen solchen Bedeutungen
gelangen können, sondern bei den Zeichen stehen bleiben müsse: sie sehen
nämlich nicht, dass diese Zeichen insofern Bedeutung haben — und nur inso-
fern — als ihnen, auf welchen Umwegen immer, das beobachtete Phänomen ent-
spricht, oder nicht entspricht.



     

empty
Wahrscheinlichkeit


     

133'
       Man gibt die Hypothese nur um einen immer höheren Preis auf.


     
       Die Induktion ist ein Vorgang nach einem ökonomischen Prinzip.


     
       Die Hypothese steht mit der Realität gleichsam in einem loseren Zusammenhang, als
dem der Verifikation.


     

       Die Frage der Einfachheit der Darstellung durch eine bestimmte angenommene Hypo-
these hängt, glaube ich, unmittelbar mit der Frage der Wahrscheinlichkeit zusammen.





     

125'
     Wir können unser altes Prinzip auf die Sätze, die eine Wahrscheinlichkeit aus-
drücken, anwenden und sagen, dass wir ihren Sinn erkennen werden, wenn wir bedenken,
was sie verifiziert.
      Wenn ich sage “das wird wahrscheinlich eintreffen”, wird dieser Satz durch das
Eintreffen verifizie[t|r]t, oder durch das Nichteintreffen falsifiziert? Ich glaube, of-
fenbar nein. Dann sagt er auch nichts darüber aus. Denn, wenn ein Streit darüber ent-
stünde, ob es wahrscheinlich ist oder nicht, so würden immer nur Argumente aus der Ver-
gangenheit herangezogen werden. Und auch dann nur, wenn es bereits bekannt wäre, was ein-
getroffen ist.



     

544
                        Wenn Leute sagen, der Satz “es ist wahrscheinlich,
dass p eintreffen wird” sage etwas über das Ereignis p, so vergessen sie,
dass es auch wahrscheinlich bleibt, wenn das Ereignis p    nicht   ein-
trifft.


     
                        Wir sagen mit dem Satz “p wird wahrscheinlich ein-
treffen” zwar etwas über die Zukunft, aber nicht etwas “   über   das Er-
eignis p”, wie die grammatische Form der Aussage uns glauben macht.


     
                        Wenn ich nach dem Grund einer Behauptung frage, so
ist die Antwort auf diese Frage nicht für den Gefragten und eben    diese  
Handlung (die Behauptung), sondern allgemein gültig.


     
                        Wenn ich sage: “das Wetter deutet auf Regen”, sage
ich etwas über das zukünftige Wetter? Nein, sondern über das gegenwärtige,

545
mit Hilfe eines Gesetzes, welches das Wetter zu einer Zeit mit dem Wetter
zu einer späteren // in einer früheren // Zeit in Verbindung bringt. Die-
ses Gesetz muss bereits vorhanden sein, und mit seiner Hilfe fassen wir
gewisse Aussagen über unsere Erfahrung zusammen. —
         Aber dasselbe könnte man dann auch für historische Aussagen be-
haupten. Aber es war ˇja auch vorschnell, zu sagen, der Satz “das Wetter deu-
tet auf Regen” sage nichts über das zukünftige Wetter. Das kommt darauf
an, was man darunter versteht “etwas über etwas ˇauszusagen”. Der Satz sagt eben
seinen Wortlaut!
         Der Satz “p wird wahrscheinlich eintreten” sagt // Er sagt // nur
etwas über die Zukunft in einem Sinn, in welchen seine Wahr- und Falschheit
gänzlich unabhängig ist von dem, was in der Zukunft geschehen wird.


     
                      Wenn wir sagen, “das Gewehr zielt jetzt auf den Punkt P”,
so sagen wir nichts darüber, wohin der Schuss treffen
wird. Der Punkt auf den es zeigt zielt, ist ein
   geometrisches   Hilfsmittel zur Angabe seiner Richtung. Dass wir
gerade dieses Mittel verwenden, hängt allerdings mit gewissen Erfahrungen
// Beobachtungen // zusammen (Wurfparabel, etc.), aber diese treten jetzt
nicht in die Beschreibung der Richtung ein.


     

747
                         Die Gallstone'sche Photographie, das Bild einer
Wahrscheinlichkeit. Das Gesetz der Wahrscheinlichkeit, das Naturgesetz,
was man sieht, wenn man blinzelt.


     

750
                        Was heisst es: “die Punkte, die das Experiment lie-
fert, liegen durchschnittlich auf einer Geraden”? oder: “wenn ich mit ei-
nem guten Würfel würfle, so werfe ich durchschnittlich alle 6 Würfel eine
1”? Ist dieser Satz mit    jeder   Erfahrung, die ich etwa mache, verein-
bar? Wenn er das ist, so sagt er nichts. Habe ich (vorher) angegeben, mit
welcher Erfahrung er nicht mehr vereinbar ist, welches die Grenze ist, bis
zu der die Ausnahmen von der Regel gehen dürfen, ohne die Regel umzustos-
sen? Nein. Hätte ich aber nicht eine solche Grenze aufstellen können? Ge-
wiss. — Denken wir uns, die Grenze wäre so gezogen: wenn unter 6 aufeinander
folgenden Würfen 4 gleiche auftreten, ist der Würfel schlecht. Nun fragt
man aber: “Wenn das aber nur selten genug geschieht, ist er dann nicht doch
gut!?” — Darauf lautet die Antwort: Wenn ich das Auftreten von 4 gleichen
Würfen unter 6 aufeinander folgenden für eine bestimmte Zahl von Würfen er-
laube, so ziehe ich damit eine    andere   Grenze, als die erste war.
Wenn ich aber sage “jede Anzahl gleicher aufeinander folgender Würfe ist
erlaubt, wenn sie nur selten genug auftritt, dann habe ich damit die Güte
des Würfels im strengen Sinne als unabhängig von den Wurfresultaten erklärt.
Es sei denn, dass ich unter der Güte des Würfels nicht eine Eigenschaft des
Würfels, sondern eine Eigenschaft einer bestimmten Partie im Würfelspiel
verstehe. Denn dann kann ich allerdings sagen: Ich nenne den Würfel in ei-
ner Partie gut, wenn unter den N Würfen der Partie nicht mehr als log N
gleiche aufeinander folgende vorkommen. Hiermit wäre aber eben kein Test zur
Ueberprüfung von Würfeln gegeben, sondern ein Kriterium zur Beurteilung ei-
ner Partie des Spiels.


     
                        Man sagt, wenn der Würfel ganz gleichmässig und

751
sich selbst überlassen ist, dann muss die Verteilung der Ziffern 1, 2, 3,
4, 5, 6, unter den Wurfresultaten gleichförmig sein, weil    kein
Grund vorhanden ist
  , weshalb die eine Ziffer öfter vorkom-
men sollte als die andere. Aber wie ist es mit den Werten der Funktion
(x-3)²?

            Stellen wir nun aber die Wurfresultate statt durch die Ziffern
1 — bis 6 durch die Worte der Funktion (x-3)² für die Argumente 1 bis 6 dar,
also durch die Ziffern 0, 1, 4, 9. Ist ein Grund vorhanden, warum eine
   dieser   Ziffern öfter in den neuen Wurfresultaten fungieren soll, als
eine andere? Dies lehrt uns, dass das Gesetz a priori der Wahrscheinlichkeit
eine Form von Gesetzen ist, wie die der Minimumgesetze der Mechanik etc..
Hätte man durch Versuche herausgefunden, dass die Verteilung der Würfe
1 bis 6 mit einem regelmässigen Würfel so ausfällt, dass die Verteilung der
Werte (x-3)² eine gleichmässige wird, so hätte man nun    diese   Gleich-
mässigkeit als die Gleichmässigkeit a priori erklärt.
            So machen wir es auch in der kinetischen Gastheorie: wir
stellen die Verteilung der Molekülbewegungen in der Form irgend einer gleich-
förmigen Verteilung dar;    was   aber gleichförmig verteilt ist — so wie
an andrer Stelle    was   zu einem Minimum wird — wählen wir so, dass unse-
re Theorie mit der Erfahrung übereinstimmt.


     
                        “Die Moleküle bewegen sich bloss nach den Gesetzen
der Wahrscheinlichkeit”, das soll heissen: die Physik tritt ab, und die Mo-
leküle bewegen sich jetzt quasi bloss nach Gesetzen der Logik. Diese Mei-
nung ist verwandt der, dass das Trägheitsgesetz ein Satz a priori ist; und
auch hier redet man davon, was ein Körper tut, wenn er sich selbst überlas-
sen ist. Was ist das Kriterium dafür, dass er sich selbst überlassen ist?
Ist es am Ende das, dass er sich gleichförmig in einer Geraden bewegt? Oder
ist es ein anderes. Wenn das letztere, dann ist es eine Sache der Erfahrung,

752
ob das Trägheitsgesetz stimmt; im ersten Fall aber war es gar kein Ge-
setz, sondern eine Definition. Und Analoges gilt von einem Satz: “wenn
die Teilchen sich selbst überlassen sind, dann ist die Verteilung ihrer
Bewegungen die und die”. Welches ist das Kriterium dafür, dass sie sich
selbst überlassen sind? etc..


     
                       /Wenn die Messung ergibt, dass der Würfel genau
und homogen ist, — ich nehme an, dass die Ziffern auf seinen Flächen die
Wurfresultate nicht beeinflussen — und die werfende Hand bewegt sich regel-
los — folgt daraus die durchschnittlich gleichmässige Verteilung der
Würfe 1 bis 6? Woraus sollte man die schliessen? Ueber die Bewegung beim
Werfen hat man keine Annahme gemacht und die Prämisse der // Annahme der //
Genauigkeit des Würfels ist doch von ganz anderer Art // Multiplizität//,
als eine durchschnittlich gleichförmige Verteilung von Resultaten. Die
Prämisse ist gleichsam einfärbig, die Konklusion gesprenkelt. Warum hat
man gesagt, der Esel werde zwischen den beiden gleichen Heubündeln verhun-
gern, und nicht, er werde durchschnittlich so oft von dem einen, wie von
dem andern fressen // er werde von beiden durchschnittlich gleich oft fres-
sen//? /


     

755
                        Zu sagen, die Punkte, die dieses Experiment liefert,
liegen durchschnittlich auf dieser Linie, z.B. einer Geraden, sagt etwas
Aehnliches wie: “aus dieser Entfernung gesehen, scheinen sie in einer Gera-
den zu liegen”.
          Ich kann von einer Linie // Strecke // sagen, der allgemeine Ein-
druck ist der einer Geraden; aber nicht: “die Linie Strecke schaut gerade aus, denn
sie kann das Stück einer Linie sein, die mir als Ganzes Ganze den Eindruck der
Geraden macht”. (Berge auf der Erde und auf dem Mond. Erde eine Kugel.)


     

756
                        Das Experiment des Würfelns dauert eine gewisse
Zeit, und unsere Erwartungen über die zukünftigen Ergebnisse des Würfelns
können sich nur auf Tendenzen gründen, die wir in den Ergebnissen des Ex-
periments wahrnehmen. D.h., das Experiment kann nur die Erwartung begrün-
den, dass es    so   weitergehen wird, wie (es?) das Experiment gezeigt hat.
Aber wir können nicht erwarten, dass das Experiment, wenn fortgesetzt, nun
Ergebnisse liefern wird, die mehr als die des wirklich ausgeführten Expe-
riments mit einer vorgefassten Meinung über seinen Verlauf übereinstimmen.
Wenn ich also z.B. Kopf und Adler werfe und in den Ergebnissen des Experi-
ments keine Tendenz der Kopf- und Adler-Zahlen finde, sich weiter einander
zu nähern, so gibt das Experiment mir keinen Grund zur Annahme, dass seine
Fortsetzung eine solche Annäherung zeigen wird. Ja, die Erwartung dieser
Annäherung muss sich selbst auf einen bestimmten Zeitpunkt beziehen, denn
man kann nicht sagen, man erwarte, dass ein Ereignis    einmal   — in der
unendlichen Zukunft — eintreten werde.


     

758
                      Alle “begründete Erwartung” ist Erwartung, dass eine
bis jetzt beobachtete Regel weiterhin // weiter // gelten wird.
            (Die Regel aber muss beobachtet worden sein und kann nicht selbst
wieder bloss erwartet werden.)


     
                      Die Logik der Wahrscheinlichkeit hat es mit dem Zu-
stand der Erwartung nur soweit zu tun, wie die Logik überhaupt, mit dem Den-
ken.


     
Von der Lichtquelle Q wird ein Lichtstrahl ausge-
sandt, der die Scheibe AB trifft, dort einen Licht-
punkt erzeugt und dann die Scheibe AC trifft. Wir ha-
ben nun keinen Grund zur Annahme, der Lichtpunkt auf
AB werde rechts von der Mitte M liegen, noch zur ent-
gegengesetzten; aber auch keinen Grund anzunehmen, der
Lichtpunkt auf AC werde auf    der   und nicht auf jener Seite von der Mitte m
liegen. // Wir haben nun keinen Grund, anzunehmen, dass der Lichtpunkt auf
AB eher auf der einen Seite der Mitte M, als auf der andern liegen wird; aber
auch keinen Grund, anzunehmen, der Lichtpunkt auf AC werde auf der einen
und nicht auf der andern Seite der Mitte m liegen. // Das gibt also wider-
sprechende Wahrscheinlichkeiten. Wenn ich nun eine Annahme über den Grad
der Wahrscheinlichkeiten mache, dass der eine Lichtpunkt im Stück AM liegt,

759
Wahrscheinlichkeit
— wie wird diese Annahme verifiziert. Wir denken meinen doch, durch einen Häufig-
keitsversuch. Angenommen nun, dieser bestätigt die Auffassung, dass die
Wahrscheinlichkeiten für das Stück AM und BM gleich sind (also für Am und
Cm verschieden), so ist sie damit als die richtige erkannt und erweist sich
also als eine physikalische Hypothese. Die geometrische Konstruktion zeigt
nur, dass die Gleichheit der Strecken AM und BM    kein   Grund zur Annahme
gleicher Wahrscheinlichkeit war.


     

760
                        Wenn ich annehme, die Messung ergebe, dass der Wür-
fel genau und homogen ist, und die Ziffern auf seinen Flächen die Wurfre-
sultate nicht beeinflussen, und die Hand, die ihn wirft, bewegt sich ohne
bestimmte Regel; folgt daraus die // eine // durchschnittlich gleichförmi-
ge Verteilung der Würfe 1 bis 6 unter den Wurfergebnissen? — Woraus sollte
sie hervorgehen? Dass der Würfel genau und homogen ist, kann doch keine
   durchschnittlich gleichförmige   Verteilung von
Resultaten begründen. (Die Voraussetzung ist sozusagen homogen, die Folge-
rung wäre gesprenkelt.) Und über die Bewegung beim Werfen haben wir ja kei-
ne Annahme gemacht. (Mit der Gleichheit der beiden Heubündel hat man zwar
begründet, dass der Esel in ihrer Mitte verhungern (werde); aber nicht, dass
er ungefähr gleich</>oft von jedem fressen werde.) — Mit unseren Annahmen ist
es auch vollkommen vereinbar, dass mit dem Würfel 100 Einser nacheinander
geworfen werden, wenn Reibung, Handbewegung, Luftwiderstand so zusammen-
treffen. Die Erfahrung, dass nie das nie geschieht, ist eine, die diese
Faktoren betrifft // ist eine diese Faktoren betreffende //. Und die Ver-
mutung der gleichmässigen Verteilung der Wurfergebnisse ist eine Vermutung
über das Arbeiten dieser Faktoren // Einflüsse//.
            Wenn man ein sagt, ein gleicharmiger Hebel, auf den symmetrische
Kräfte wirken, müsse in Ruhe bleiben, weil keine Ursache vorhanden ist,
weshalb er sich eher auf die eine als auf die andre Seite neigen sollte,
so heisst das nur, dass, wenn wir gleiche Hebelarme und symmetrische Kräfte

761
konstatiert haben und nun der Hebel sich nach der einen Seite neigt, wir
dies aus den uns bekannten — oder von uns angenommenen — Voraussetzungen
nicht erklären können. (Die Form, die wir “Erklärung” nennen, muss auch
asymmetrisch sein; wie die Operation, ?—die aus “a+b” “2a+3b” macht—?.) Wohl
aber können wir die andauernde Ruhe des Hebels aus unsern Voraussetzungen
erklären. — Aber auch eine schwingende Bewegung, die durchschnittlich gleich
oft von der Mitte // Mittellage // nach rechts und nach links gerichtet ist?
Die schwingende Bewegung nicht, denn in der ist ja wieder Asymmetrie. Nur
die Symmetrie in dieser Asymmetrie. Hätte sich der Hebel gleichförmig nach
rechts gedreht, so könnte man analog sagen: Mit der Symmetrie der Bedingungen
kann ich die Gleichförmigkeit der Bewegung, aber nicht ihre Richtung erklä-
ren.
            Eine Ungleichförmigkeit der Verteilung der Wurfresultate ist mit
der Symmetrie des Würfels    nicht   zu erklären. Und nur insofern erklärt
diese Symmetrie die Gleichförmigkeit der Verteilung. — Denn man kann natür-
lich sagen: Wenn die Ziffern auf den Würfelflächen keine Wirkung haben, dann
kann ihre Verschiedenheit nicht eine Ungleichförmigkeit der Verteilung er-
klären; und gleiche Umstände können selbstverständlich nicht Verschiedenhei-
ten erklären; soweit also könnte man auf eine Gleichförmigkeit schliessen.
Aber woher dann überhaupt verschiedene Wurfresultate? Gewiss, was diese // Was
diese // erklärt, muss nun auch ihre durchschnittliche Gleichförmigkeit er-
klären. Die Regelmässigkeit des Würfels stört nur eben diese Gleichförmig-
keit nicht.


     
                          Angenommen, Einer der täglich im Spiel würfelt,
würde etwa eine Woche lang nichts als Einser werfen, und zwar mit Würfeln,
die nach allen anderen Arten // Methoden // der Untersuchung // Prüfung //
sich als gut erweisen, und wenn ein Andrer sie wirft, auch die gewöhnlichen
Resultate geben // liefern //. Hat er nun Grund, hier ein Naturgesetz anzu-

762
nehmen, dem gemäss er immer Einser wirft // werfen muss//; hat er Grund:
zu glauben, dass das nun so weiter gehen wird[;|,] — oder (vielmehr) Grund anzun[h|e]h-
men, dass diese Regelmässigkeit nicht lange mehr andauern kann // wird//?
Hat er also Grund das Spiel aufzugeben, da es sich gezeigt hat, dass er nur
Einser werfen kann; oder weiterzuspielen, da es jetzt nur um so wahrschein-
licher ist, dass er beim nächsten Wurf eine höhere Zahl werfen wird? — In
Wirklichkeit wird er sich weigern, die Regelmässigkeit als ein Naturgesetz
anzuerkennen; zum mindesten wird sie lang andauern müssen, ehe er diese Auf-
fassung
in Betracht zieht. Aber warum? — “Ich glaube, weil so viel frühere
Erfahrung seines Lebens gegen ein solches Gesetz spricht, die alle sozusa-
gen — erst überwunden werden muss, ehe wir eine ganz neue Betrachtungsweise
annehmen.


     
                        Wenn wir aus der relativen Häufigkeit eines Ereignis-
ses auf seine relative Häufigkeit in der Zukunft Schlüsse ziehen, som können
wir das natürlich nur nach der bisher tatsächlich beobachteten Häufigkeit
tun. Und nicht nach einer, die wir aus der beobachteten durch irgend einen
Prozess der Wahrscheinlichkeitsrechnung erhalten haben. Denn die berechnete
Wahrscheinlichkeit stimmt    mit jeder beliebigen   tatsächlich
beobachteten Häufigkeit überein, da sie die Zeit offen lässt.


     
                        Wenn sich der Spieler, oder die Versicherungsgesell-
schaft, nach der Wahrscheinlichkeit richten, so richten sie sich nicht nach
der Wahrscheinlichkeitsrechnung, denn nach dieser allein kann man sich nicht
richten, da,    was immer   geschieht, mit ihr in Uebereinstimmung zu
bringen ist; sondern die Versicherungsgesellschaft richtet sich nach einer
tatsächlich beobachteten Häufigkeit. Und zwar ist ˇdas natürlich eine absolute
Häufigkeit.


     

empty

          Der Begriff “ungefähr”


          Problem des ‘Sandhaufens’
























     
          Träte nun auch bei dem Experiment zur Bestimmung der Grenzen kein
Schwanken ein, so lange wir tatsächlich das Experiment weiterführen, so
müssen wir doch damit einmal aufhören und das Ergebnis wird immer nur sein,
dass eine ge[iw|wi]sse Länge noch erlaubt, eine andere schon unerlaubt ist. Hier
führt uns wieder die eine falsche Vorstellung vom Unendlichen irre, wenn wir den
Prozess // wenn wir die endlose Möglichkeit dieses Prozesses // dieser Un-
tersuchung uns abgeschlossen denken und nun von einem Grenzpunkt reden, als
gäbe es hier ein Gesetz, eine geometrische Konstruktion, der der Grenzpunkt
entspräche.

     



743
     Denken wir uns folgendes psychologisches Experiment:
Wir zeigen dem Subjekt zwei Linien G1, G2, durch welche
quer die Gerade A gezogen ist. Das Stück dieser Gera-
den, welches zwischen G1 und G2 liegt, werde ich die
Strecke a nennen. Wir ziehen nun in beliebiger Entfer
nung von a und parallel dazu b und fragen, ob er die
Strecke b grösser sieht als a, oder die beiden Längen nicht mehr unterschei-
det. Er antwortet, b erscheine grösser als a. Darauf nähern wir uns a, in-
dem wir die Distanz von a zu b mit unsern Messinstrumenten halbieren und
ziehen c. “Siehst Du c grösser als a?” — “Ja”. Wir halbieren die Distanz
c—a und ziehen d. “Siehst Du d grösser als a?” — “Ja”. Wir halbieren a—d.
“Siehst Du e grösser als a?” — “Nein”. Wir halbieren daher e—d. “Siehst Du
f grösser als e?” — “Ja”. Wir halbieren also e—f und ziehen h. Wir könnten
uns so auch von der linken Seite der Strecke a nähern, und dann sagen, dass
einer gesehenen Länge a im euklidischen Raum nicht    eine   Länge, sondern
ein Intervall von Längen entspricht, und in ähnlicher Weise    einer   ge-
sehenen Lage eines Strichs (etwa des Zeigers eines Instruments) ein Inter-
vall von Lagen im euklidischen Raum: aber dieses Intervall hat nicht schar-
fe Grenzen. Das heisst: es ist nicht von Punkten begrenzt, sondern von kon-
vergierenden Intervallen, die nicht gegen einen Punkt konvergieren. (Wie

744
die Reihe der Dualbrüche, die wir durch Werfen von Kopf und Adler erzeugen.)
Das Charakteristische zweier Intervalle, die so nicht durch Punkte sondern
   unscharf   begrenzt sind, ist, dass auf die Frage, ob sie einander
übergreifen oder getrennt voneinander liegen, in gewissen Fällen die Antwort
lautet: “unentschieden”. Und dass die Frage, ob sie einander berühren, ei-
nen Endpunkt miteinander gemein haben, immer sinnlos ist, da sie ja keine
Endpunkte haben. Man könnte aber sagen: sie haben    vorläufige  
Endpunkte. In dem Sinne, in welchem die Entwicklung von II ein vorläufiges
Ende hat. An dieser Eigenschaft des ‘unscharfen’ Intervalls ist natürlich
nichts geheimnisvolles, sondern das etwas Paradoxe klärt sich durch die dop-
pelte Verwendung des Wortes “Intervall” auf.
            Es ist dies der gleiche Fall, wie der der doppelten Verwendung
des Wortes “Schach”, wenn es einmal die Gesamtheit der jetzt geltenden
Schachregeln bedeutet, ein andermal: das Spiel, welches N.N. in Persien er-
funden hat und welches sich so und so entwickelt hat. In einem Fall ist es
unsinnig, von einer Aenderung // Entwicklung // der Schachregeln zu reden,
im andern Fall nicht. Wir können “Länge einer gemessenen Strecke” entweder
das nennen, was bei einer bestimmten Messung, die ich heute um 5 Uhr durch-
führe, herauskommt, — dann gibt es für diese Längenangabe kein “± etc.” —,
oder etwas, dem sich Messungen nähern etc.; in den zwei Fällen wird das
Wort “Länge” mit ganz verschiedener Grammatik gebraucht. Und ebenso das
Wort “Intervall”, wenn ich einmal etwas Fertiges, einmal etwas sich Entwic-
kelndes
ein Intervall nenne.
I) die Intervalle liegen getrennt
II) sie liegen getrennt und berühren
     sich vorläufig
III) unentschieden
IV) unentschieden
V) unentschieden
VI) sie übergreifen
VII) sie übergreifen

745
Wir können uns aber nicht wundern, dass nun ein Intervall so seltsame Ei-
genschaften haben soll: da wir eben das Wort “Intervall” jetzt in einem
nicht gewöhnlichen Sinn gebrauchen. Und wir können nicht sagen, wir haben
neue Eigenschaften gewisser Intervalle entdeckt. Sowenig wie wir neue Eigen-
schaften des Schachkönigs entdecken würden, wenn wir die Regeln des Spiels
änderten, aber die Bezeichnung “Schach” und “König” beibehielten. (Vergl.
dagegen Brouwer, über das Gesetz des ausgeschlossenen Dritten.)
            Jener Versuch ergibt also wesentlich, was wir ei[j|n] “unscharfes”
Intervall genannt haben; dagegen wären natürlich andere Experimente mög-
lich // denkbar//, die statt dessen ein scharfes Intervall ergeben. Denken
wir etwa, wir bewegten ein Lineal von der Anfangsstellung b, und parallel
zu dieser, gegen a hin, bis in unserm Subjekt irgend eine bestimmte Reaktion
einträte: dann könnten wir den Punkt, an dem die Reaktion beginnt, die Gren-
ze unseres Streifens nennen. — So könnten wir natürlich auch ein Wägungs-
resultat “das Gewicht eines Körpers” nennen und es gäbe dann in diesem Sinn
eine absolut genaue Wägung, d.h. d.i. eine, deren Resultat nicht die Form
“G ± g” hat. Wir haben damit unsere Ausdrucksweise geändert, und müssen nun
sagen, dass das Gewicht des Körpers schwankt und zwar nach einem uns unbe-
kannten Gesetz. (Die Unterscheidung Der Unterschied zwischen “absolut genauer” Wägung und
“wesentlich ungenauer” Wägung ist eine grammatische ein grammatischer und bezieht sich auf
zwei verschiedene Bedeutungen des Ausdrucks “Ergebnis der Wägung”.)


     

745
                        Die Unbestimmtheit des Wortes “Haufen”. Ich könnte
definieren: ein Körper von gewisser Form und Konsistenz etc. sei ein Haufe,
wenn sein Volumen K m3 beträgt, oder mehr; was darunter liegt, will ich ein
Häufchen nennen. Dann gibt es kein grösstes Häufchen; das heisst: dann ist
es sinnlos, von dem “grössten Häufchen” zu reden. Umgekehrt könnte ich be-
stimmen: Haufe solle alles das sein, was grösser als K m3 ist, und dann

746
hätte der Ausdruck “der kleinste Haufe” keine Bedeutung. Ist aber diese
Unterscheidung nicht müssig? Gewiss, — wenn wir unter dem Volumen ein Mes-
sungsresultat im gewöhnlichen Sinne verstehen; denn dieses Resultat hat
die Form “V ± v”. // Gewiss, — wenn wir unter dem Resultat der Messung des
Volumens einen Ausdruck von der Form “V ± v” verstehen.// Sonst aber könn-
te die // wäre diese // [u|U]nterscheidung so unbrauchbar sein, wie // Unter-
scheidung nicht müssiger sein als // die, zwischen einem Schock Aepfel und 61
Aepfeln.




     


     Das augenblickliche
Verstehn & die Anwendung
des Worts in der Zeit





















     

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Ein Wort verstehen = es anwenden
können.
Eine Sprache verstehen: Einen Kalkül
beherrschen.








     

341
Zeile Ist nicht das, was mich rechtfertigt, nur, dass ich mich erinnere, früher Schach gespielt zu haben?
Und etwa, dass ich, aufgefordert zur Probe die Regeln im Geiste durch-
fliegen kann?






     

389

         Etwas tun    können   hat ja eben jenen schattenhaften Charak-
ter, das heisst, es erscheint wie als ein Schatten des wirklichen tatsächlichen Tuns, gera-
de wie der Sinn des Satzes als Schatten seiner Verifikation // als Schat-
ten einer Tatsache // erscheint; oder das Verständnis des Befehles als
Schatten seiner Ausführung. Der Befehl “wirft, gleichsam, seinen Schatten
schon voraus”, oder, im Befehl wirft die Tat ihren Schatten voraus. — Die-

390
ser Schatten aber,    was immer   er sein mag, ist, was er ist, und
nicht das Ereignis. Er ist in sich selbst abgeschlossen und weist nicht
weiter als er selbst reicht.


     

269
            Kannst Du das Alphabet? Bist Du sicher? — Ja! — Ist das damit ver-
einbar, dass Du versuchen wirst es herzusagen und stecken bleiben wirst? —    Ja  ! Was siehst Du als Zeichen dafür, daß Du es kannst? Warum sagst Du, Du kannst es? Weil ich es mir bisher gesagt habe.

     


            Das ist doch der gleiche Fall wie: “Kannst Du Deinen Arm heben?”
In welchem Falle würde ich dies verneinen müssen, oder bezweifeln? Solche
Fälle sind leicht zu denken.
            Als Die Bestätigung dessen, dass wir den Arm heben können, sehen wir
etwa ein in einem Zucken mit den Muskeln an, oder eine kleine einer kleinen Bewegung des Arms. Oder
die geforderte in der gefordeten Bewegung selbst, jetzt ausgeführt, als Kriterium dafür, dass
ich sie gleich darauf ausführen    kann  .


     

empty

    Wie begleitet das Verstehen des
Satzes das Aussprechen oder Hören
des Satzes?

     




















112
            Das schwierigste Problem scheint der Gegensatz, das Verhältnis,
zu sein zwischen dem Operieren mit der Sprache in der Zeit // im Lauf der
Zeit // und dem momentanen Erfassen des Satzes.


     
            Aber    wann   erfassen oder verstehen wir den Satz?!    Nach-
dem
   wir ihn ausgesprochen haben? — Und wenn, während wir ihn aussprechen;
ist das Verstehen ein artikulierter Vorgang, wie das Bilden des Satzes, oder
ein inartikulierter? Und wenn ein artikulierter: muss er nicht projektiv mit
dem andern verbunden sein? Denn sonst wäre seine Artikulation von der ersten
unabhängig.


     

734
            “Er sagt das, und    meint   es”: Vergleiche das
einerseits mit: “er sagt das, und schreibt    es   nieder”; anderseits mit:

735
“er sagt schreibt das und unterschreibt    es  ”.






     

            Man würde etwa (so?) sagen: Ich sage ja nicht nur “zeichne einen
Kreis”, sondern ich wünsche doch, dass der Andre e[f|t]was tut. (Gewiss!) Und die-
ses Tun ist doch etwas anderes als das Sagen, und ist eben das Ausserhalb
worauf ich weise // worauf der Satz weist//.


     

470
                       Das Verstehen eines Satzes der Wortsprache ist dem
Verstehen eines musikalischen Themas (oder Musikstückes) viel verwandter,
als man glaubt. Und zwar so, dass das Verstehen des sprachlichen Satzes
näher als man denkt dem Ort liegt, was man gewöhnlich das Verständnis des
musikalischen Ausdrucks nennt. — Warum pfeife ich das gerade    so  ? warum
bringe ich den Rhythmus Wechsel der Stärke und des Zeitmasses gerade auf dieses
ganz bestimmte Ideal? Ich möchte sagen: “weil ich weiss, was das alles
heisst” — aber was heisst es denn? — Ich wüsste es nicht zu sagen, ausser
durch eine Uebersetzung in einen Vorgang vom gleichen Rhythmus.




     
            Wenn man nun “das Wort ‘gelb’ verstehen” heisst, es anwenden können,
so besteht ist die gleiche Frage: Wann    kannst   Du es anwenden. Redest Du
von einer Disposition? Ist es eine Vermutung?


     

         Augustinus: “   Wann   messe ich ein[n|e]n Zeitraum? Aehnlich
meiner Frage:    Wann kann   ich Schach spielen.


     

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Zeigt sich die Bedeutung eines
Wortes in der Zeit? Wie der tatsäch-
liche Freiheitsgrad eines Mechanismus.
   Enthüllt sich die Bedeutung des
Worts erst nach & nach wie seine
Anwendung fortschreitet?







     

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Begleitet eine Kenntnis der
grammatischen Regeln den Ausdruck
des Satzes, wenn wir ihn — seine Worte —
verstehn?




     

183
            Was heisst die Frage: Ist das dasselbe ‘non’, für welches die
Regel non—non—non—p = non—p gilt?


     

184
                    “Meinst Du das ‘non’ so, dass ich aus non—p non—non—non—p
schliessen kann?”



     

264

Wenn das Schachspiel durch seine Regeln definiert ist, so gehören diese Regeln zur Grammatik des Wortes „Schach”.
                      Kann man eine Intention ˇ[oder einen Wunsch?] haben, ohne sie auszudrücken?
Kann man die Absicht haben, Schach zu spielen (in dem Sinne, in welchem man
apodiktisch sagt, “ich hatte die Absicht Schach zu spielen; ic    ich muss  
es doch wiss    es doch wissen  ”), ohne einen Ausdruck dieser Ab-
sicht? — Könnte man da nicht fragen: Woher weisst Du, dass das, was Du hat-
test,    diese   Absicht war?
            Ist die Absicht, Schach zu spielen etwa wie die Vorliebe für
das Spiel, oder für eine Person. Wo? man auch fragen könnte: Hast Du diese
Vorliebe die ganze Zeit oder etc., und die Antwortt ist, dass “eine Vorliebe
haben” gewisse Handlungen, Gedanken und Gefühle einschliesst und andere aus-
schliesst.


     
            Muss ich nicht sagen: “Ich weiss, dass ich die Absicht hatte,
   denn   ich habe mir gedacht ‘jetzt komme ich endlich zum Schachspielen’”
oder etc. etc..


     
            Es würde sich mit der Absicht in diesem Sinne auch vollkommen
vertragen, dass // wenn // ich beim ersten Zug darauf käme, dass ich alle
Schachregeln vergessen habe, und zwar so, dass ich nicht etwa sagen könnte
“ja, als ich den Vorsatz hatte // fasste//, da hatte // habe // ich sie
noch gewusst”.


     

264
            Es wäre wichtig, den Fehler allgemein auszudrücken, den ich in
allen diesen Betrachtungen